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Donnerstag, 2t August 19(5
Erstes Blatt
163. Jahrgang
ietzener Anzeiger
a«ureU: nwnallich7LPf., viertel- läbrticb IW. 2.90; durch
biePost Mk.2.— uiertel- pilnl. ansfchl. Bestell^. Zeilenpreiü: lofall&'BL auliöärt* 20 'Vfeimtq. tfbefrefraheuv: TI ®oeiv BermUivorilich für freit pohtifd)eii Teil: August Voen; für .Feuille- ton', .DeiinifchttS' und
Abhole- il Zweigstellen monailidi Co Pi.; durch
Ur. 195
Ter Siebener Anzeiger erscheint kä glich, attfeer SountagS. - Beilagen, viermal wöchentlich 6ie&ener$aBitUenbläMtr, 11 vcim al tooetenl (JCreis - blatt färben KreBSiebtit (Ziendtng nnfr (Vrettoq); zweimal nionnll. Land wirtschaftliche deitfragen iiendpred, • Anschlüße: MZW ^General-Anzeiger für Oberhessen Annahme »on Anzeigen notationsörud und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. 0^- ' E Heß-^iui den bi Geschäftsstelle vüdiugen, vahnhofftratze |6a. Anzeigenteil. $». Deck.
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tIrren Gesd,ivistern, unter ihren (Soufincn, unter ihren wenigen Bekannten ganz allein, und das ist ein schreckliches Dort."
nähme seiner Ariadne auf ^a^oö in den Festsmelretgen widerfahren ist, ruft bei vielen, die der neuesten Richtung in der Musik alle Gere^Nigkeit widerfahren lassen, denn doch einige Verwunderung hervor. Tic Wiedergabe des durch Häufige Aufführungen in München sehr gründlich einstudierten, technisch überaus komplizierten Werkes war unter Walters Leitung vortrefflich.
Eine Eholeragesahr für Europa?
Unter dgn unangenehmen Restbeständen, welche die Ba l ka n w i r r c n hinterlassen Izaben, befindet
Tagcstalender aus dem Jahre 1813.
21. August Die Russen unter dem Fürsten von Wittgen» stein schlagen bei Berggießhübel unweit Pirna die Franzosen unter Gouvion St. Cnr. — Der im engliichen Sold stehende Feldherr Wallmoden schlägt die Franzosen unter Davon st bei Bell ahr in Mecklenburg.
Ter Konzertverein hat inzwischen das erste seiner auf zehn Abende berechneten Festkonzerte unter Ferdinand Löwe- Wien im Kaimsaale gegeben. Er brachte Beethovens erue Svmpbonie C-dur- und Bruckners geistsprühende Achte. Löwe hat keine Mühe gescheut, um die beiden Werke glänzend beraus- zubringen, und so waren es denn Interpretationen von einbring- licher 'Schönheit, Hauptsächlich das Brucknersche Werk übte eine gewaltige Wirlung auf die den Riesensaal bis zum letzten Winkel füllende Hörerschaft. Dans Bege.
Au; Chamisso; Ciebeskben.
Zn seinem 75. Todestag, 21. August.
Mitten in Lickeshändel verschiedenster Art führen uns die ersten Briefe, die von bem Tief «ter des duftvollen Zyklus „Frauen- liebe und Lcken" erhalten find. Am ernsthaftesten war die Liebe zu feiner Landsmännin C e r e s D u v e r n ay, die in^ber Famflie des Bankiers Ephraim in Berlin Erzieherin war. Sie war eine 24iährige, schön'- Witwe, die bereits wieder mit einem Amerikaner verlobt war Sie suchte sich aber nebenbei in mannigfachem Liebes'viel die Zett zu vertreiben. Chamisso, bei bem die Liebe tiefer ging, war ber raffinierten Frau nicht gewachsen Er schrieb z B. an feinen Freund be la Foyc: „Und doch weiß ich mich nicht aus dem Weibe zu finden und nicht die verschleierte Zukunft ;u erleben." Ihre Stellung zu Chamisso wirb wahrscheinlich von praktischen Erwägungen beherrscht worden fein. Sie ,'ah klar genug, das, sie mit dem jungen, vermögenslosen C freier tarn zufamme„kommen werde und zog es deshalb oor, den anderen zu betraten, ber sie wieder in ihr Vaterland zurückführte. Chamisso hat sie dort nach Jahren nneberg neben, später aber jede Verbind ung mit ihr verloren.
Neben dieser unsicheren Licke liefen noch einige kleinere fübertteuer her, fo fr. ®i mit ber intelligenten M a schi nka B u r j a, die er in der Familie Hitzig kennen gelernt Hane. Er beschreibt sie in einem Bries an de la Foye: „Das Mägdlein ist nicht schön, und ich muß sie öfters gesehen haben, ohne sie im mindesten zu beachten Sie ist heiter, muteilenb, wecklich und ohne Gelebt famleit und Gelckrttun und doch gckildet und auf dem Weg zur schönen Bildung." Aber dieser Sdjroarm bauerte nicht lange. Er wurde bald durch eine ziemlich heftige Neigung $u Augusta Klaproth, der Schwester eines Freundes ergriffen. Er schildert sie folgendermaßen: „Meine Augusta habe ich Dir wohl schon gemalt, als eine Sehnfuchrsblume, die da zum blauen Ästhet anp strebet und durch einen schwachen <otid an der Erbe jestgebunden
Emile Gllivier f.
Der französische Staatsmann Emile Ollivier, der im'Ia.hre 187()IMsnisterpräsident war, ist in St. <^ervais-les- Bains (Tep. Haute-Savoie) gestorben.
Olli vier, dessen Erinnerungen wir noch in unserem Feuilleton vorn letzten Samstag erwähnten, war der franzoiische Ministerpräsident, der die französische Ärieg-erkl-iruna an Teutsch- land zu verantworten hatte und der am 15. Juni 1870 erklärte, „leichten Herzens nehme er den Krieg auf sich". In Wahr deck haben ihn die bonapartiftifdien Einflüfse am L>ose gelenkt. Emile Olli vier ist am 2. Juli 1825 in Marseille geboren. Ec studierte in Paris die Rechte und liest sich im Jahre 1817 in bic Pciser Advokatenliste eintragen. Im Jahre 1857 wurde er in die gesetzgebende Körperschaft gewählt und spielte bald eine Rolle als Mitglied der Opposition. Am 27. Dezember 1869 betraute ihn Napoleon mit der Bildung des ersten parlamentarische:! Ministeriums. Tie ersten Niederlagen im Jahre 1870 führten auch seinen Sturz herbei. Er zog sich nach Fontainebleau zurück und widmete sich wissenschaftlichen Arbeiten Er war in erster Ehe mit einer Tochter des Komponisten Liszt verheiratet, die aber schon im Jahre 1862 starb.
Der Kaiser in Homvurg.
Homburg v. d. H., 20. Aug. Der Kaiser liest sich heute vormittag die Pläne siir die E r w e i t e r u n g d e s K u r p a r k c s von Bad Homburg vorlegen. Zugegen waren der Ches des Zivilkabinetts Wirkt. 0>eh. Rat v. Valentini, Regierungspräsident 'Tr. v. Meister, Landrat Ritter v. Marr, Oberbürgerrneister Luebte, Sladtverordnetenvorsteher Tr. Rüdiger und Kurdirektor Gras Zeppelin. - Zur Frühsfücko- tasel bei ihren Majestäten waren geladen Otencrnl Archibald Hunter, Frau Hunter, Sir Franc Lascelles und Lord Acton.
Homburg v. d. H., 20. Aug. Ter .Kaiser mit (befolge machte heute nachmittag im Automobil einen Ausflug nach dem Kleinen F c l d b e r g, wo er das neue Hühenobscrvatorium des Physilalischen Vereins in Frankfurt a. M. besichtigte, das u. a. eine Erdbebenwarte und ein meteorologisches Institut enthält Um 7 Uhr besuchten das Kaiserpaar mit Gefolge ein Kirchenkonzert in der Erlöserkirche Bei dem Konzert wirkten namhafte Künstler mit. Die Chöre wurden ausgcführt von den vereinigten
einer, der nicht bloß die Diplomatie, sondern auch — große Publikum sehr stark interessiert, nämlich die Cholera In den Balkanländern selbst grassiert sie noch mit schreckender Heftigkeit — sind doch nach einer Meldung aus Belgrad in den letzten ,zehn Tagen allein in Serbien 793 Personen an Cholera erkrankt, von denen 113 starben — und von dort hat die Epidemie nach Bosnien übergegrifsen.
Patriotismus seien keine unvereinbare Begriffe. Minister van Heemskerl hieß die Kongreßteilnehmer u'illkvm- men. Hoeman, Bergesius und der belgische Senator Lason- leiiie stellen fest, daß der Friedensgedanke Fortschritte gemacht habe, und protestierten gegen die Balkanereignisse. Sie brachten Carnegie eine Ehrung dar und huldigt.m dem Andenken A s s e r s.
Ter Friedenskongreß hat drei Entschließungen über die A b r ü st u n g a n g e n 0 m m e n Ter Friedenskongreß fordert, daß die Frage der Rüstungsbeschränkung auf die Tagesordnung der dritten Friedenskonferenz gesetzt und zuvor durch nationale Ausschüsse studiert werden solle. Ter FriedenSkonareß protestiert gegen den unheilvollen Eiu- flußder au der W a s s e n i n d u st r i e Interessierten und empfiehlt die Prüfung eines Plaues eines allgemeinen Bertraaes über eine allmähliche Abrüstung durch die Fric- denSgcsellschasten und das internationale Bureau in Bern, damit ber nächste Kongreß in Kenntnis der Sachlage sich damit befassen könne.
Sein Verhältnis zu ihr war, wie er ebenfalls in einem Briefe gesteht: „So Har, ruhig, so tröstend schön, so r in wie ber Strotzt des Sternes." Nach dem Zusammenbruch Preui 'it6 hatte Oimisso seinen kranken Bruder nach Franlrcich zu begleiten und hielt sich bann längere Zeit in Paris auf. Hier wurde er durch August Wilhelm Schlegel bei öelmina von Chez 0, bic ime ihre Mutter, Louise von Klencke und ihre (örosmuticr, oi? Karschi», ebenfalls den Pegasus etwas gefd unben hat, angeführt. Sie lebte damals in unglücklicher Ehe und war, obwoh. bereits etwas bejahrt, dock: noch eine stattliche, schöne Erscheinung Sie hat sich selbst folgendermaßen geschildert: „Mein Haar von feinstem Eoldc, meine hellblauen Augen, mein rosiger Mund mit fanft gerundeten Lippen, meine schneeweiße Haut, mein schlanker Wuchs." Chamifio wurde sofort von ihr angezogen, und umgab sie mit der ganzen 3artfcnt und dem Tutt feiner Licke. „Zhr ganzes Wesen," schreibt er einem Freund, „das sie mefcr auS Begeisterung, als nach tlugem Plane gelebt, ist eine lange Kette von Milz« gefchicken, die sie jedoch mir Mut ertragen, sie ist gut, rein, gatt® Licke, unbegreiflich wie jedes Weib."
Aber auch diese Liebe dauerte nicht lange. Helmina von Chezp verreiste nad: Deutschland und Chamiiso Tarn wiederum durch A. W. Schlegel zu Mme. be i-taef, die damals auf bem Schlöffe Chaumont lebte Langsam steigert sich seine Begeisterung für sie. In seinem ersten Brief fd-iioert er sie noch sehr zurückhaltend: „Tie Stael ist kein gern incs Weid. Sie hat <Geradheit und Enthusiasmus. Sie fastt alle Idien mit bem Herzen, sie ist leidenschaftlich und stürmisch." In feinem folgenden Bries heisck es von ihr: „Tic Staöl ist ein sehr men'würviges, seltenes Wesen — Ernst ber Teutt'chen, Elul des Süb.ns, Form ber Franzosen. Sie ist rcklich, offen, leidenschaftlich, eifersüchtig, ganz Enthusiasmus. Sie faßt bie Gedanlen nur mu cer Seele an. Sie hat keinen Sinn für Malerei, Musik ist ihr all e, sie lebt nur in Tonen, und schreibt im Grunde auch nur Musik Mit der Geomettie des Lebens sieht es da bbel aus — sie ist für Freiheit und Rittertum gleich begeistert." Und endlich *olgt bas Belenntnis: „Diese Frau hätte mich lieben können: ich nnr ihr Freund und also werben wir wohl bleiben. Sie hegte zu mir ein ganze- Vertrauen, Hochachtung, Freundschaft und — sie winkte mir schmeichlerisch mit mit einem Latemenpfahl und kur; und gut, sagte mir es endlich rund Herons — Freunoschast kann bei ihr ohne Liede nicht abgehen — hegt zu mir also auch Liebe, wie sie es mit beroegt unb mit Tränen sagte, aber eine edelmütige Licke, und sie löst sie im Interesse zu mir und meiner Freundin auf. Ich bin sehr gerührt, sehr stolz darauf, ich habe eine innige FreunoichaU zu ihr, fie ist meine schöne, hohe Freundin, aber weiter nichts. Zwischen ihr und mir fließt ber Rhein."
In Berlin, nach Jahren, als sein Lockcnkopt bereits ergraute, hat E^rmisso bann endlich in Antonie $ i a ft e, tue er in ber
ivo sie allerdings bisher noch keinen epidemischen Charakter aufweist. Jedenfalls hat die Eisenbahnverwaltung sich be reilS zu Vorsichtsmaßnahmen gegen die Einschleppung der Seuche veranlaßt gesehen, und laut einer im „Reichs anzciger" veröffentlichten Bekanntmachung sind infolge des Auftretens der Cholera in Smyrna die aus den Häfen ileinastens nach einem deutschen Hasen kommenden Schisse und ihre Insassen bis auf weiteres vor Zulassung zum freien Verkehr ärztlich zu untersuchen.
Es hat also fast den Anschein, als ob der unheimliche aiiatische Gast Neigung zeige, sich uns durch zwei ver- schiedene Einfallstore zu nähern. Und doch ist nirgends so etwas wie Cholerafurcht wahrzunchmen. Berechtigter Weise, denn wenn die gewaltigen Fortschritte der Gesundheitspflege und alle Maßnahmen, die von dieser Wissen^ febaft ausgegangcn sind, dazu geführt haben, daß manche Gefahren, die uns früher aufs schwerste beunruhigten, uns jetzt nicht mehr schrecken können, so haben wir diesmal noch zwei besondere Gründe, der Cholerafurcht nickt Raum zu geben. Ter eine beruht darauf, daß wir uns ocr kalten Jahreszeit nähern, in der die Epidemie ohnehin nach- zulassen beginnt, und der ztveite stützt sich auf die neuerdings von Prof. Tr. Rudolf Emmerich ausgebaute Theorie Pettenlofers, wonach die Ausbreitung der Cholera besonders durch die Bodcnbeschaffenheit und die Witterungsverhältnisse bedingt ist. Danach fallen die großen Seuchen immer in die trockenen Jahre, während die nassen Jahre der Eholeraverbreitung hinderlich sind. Nun, an Nässe fehlt es uns ja in diesem Sommer des Mißvergnügens wahrlich nicht, und so mag es für ängstliche Gemüter ein Trost sein, daß dies Uebermaß an Feuchtigkeit, welches die schönsten Sommererholungspläne zu Wasser machte, doch wenigstens ein Gutes im (befolge hat. Es ist kein Unglück noch so groß, es hat ein Glück in seinem Schoß!
Mehr und mehr verstärkt sich auch die Vermutung, daß die neue türkisch-bulgarische Suppe nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wurde. Rußland hat in Konstantinopel drohende Vorstellungen erhoben, irnb der Groß- wesir soll zugesagt haben, daß der Armee befohlen würde, zur Maritza zurückzukehren. Lb sie dieser Anweisung nachkommt, ist eine andere Frage, besonders da sie im halben, wenn nicht im ganzen Einvernehmen mit den Griechen
Münchener Festspiele.
O München, 19. August.
Wir sind auf bem Gipfel der Sommermusikzeit angelangt. In dem prächtigen sz-estbau auf der Bogen hänfener Höhe ist soeben ber erste Zyklus der W a g n er-Fe st s p i e l e mit einer in allen ihren Teilen wohlgelungenen Meister singeraufführung zu Ende gegangen. Tie musikaliscke Leitung der sonnigen Ver- närung mittelalterlicher Sängerzunft unb deutschen Bürgertums bat in allen br^i Meistersinger Vorstellungen Kapellmeister Röhr, wahrend Wagners hoh s Lie.fr der Liebe, Tristan undIsolbe, gleich bet zwischen beide Werke gelegten Tetralogie des 'Nibelungen ringe* von Bruno Walter dirigiert wurde. Als Tri ft an übertraf v Barn fick selbst in der Verkörperung des tobe» sehnsüchtigen Ritters. Eine ihm zwar nicht burchweg ebenbürtige, fr-od* unleugbar interessante Leistung bot Frau 5?live Frem - stabt als Isolde. Ter Brangäne lieh Frau Cahier ihren warmen butülcn Alt und Bender gab als Marke den Zuhörern bürd' seinen Klagegesang ein Erlebnis von Bebentung. Broder sc n war sowohl in der Erscheinung wie gesanglich ein martiger Kurneval
Ter Ning des Nibelungen stand im großen und ganzen unter einem glücklichen Stern. Bruno Walter leistete Großes und Geniales. Er erzielte Klangdilfrer von hoher Schönheit und Wirkung. Gan; besonders glanzend gelungen waren die Siegfrick-Aufiübrung unb ber Sdrluf akl Ot r Walküre, unb wenn auch diesem glänzenden Bilde die Schatten nicht ganz fehlten, so blieb doch die festspielmäßige Höhe allezeit gewährt. Nach längerer Paule batten wir den Genuss Berka M 0 r c n a als Sieglinde zu hören. Sie gab bn- bürd' tragisches Geschick zu Boden gesdmietterten Frevlerin aus Liebe Züge der reimten Menscttickleit unb ihre klingende leuchtende Stimme burd jubelte bad Haus und erfüllte bic Hörer mit Eni zücken, v Barn als Siegmund stand ihr vollwertig zur Seite. Frau Mottl-Faßbender erfüllte ihre Brün- hilbe ganz mit dem Criste Wagners, besonders in der^Walküre erregte ihre geniale Interpretanon Bewunderung. Ms Sicg-ricb entzückte wieder Heinrich Knot c. Wie wunderbar verkörperte er äber auck Wagners blonden Heldenknaben; sein lcbenfprübenbc5 Spiel wußte einen waldfriscken jungenhaften Götterenkel zu schaden und dazu die sonnige herrliche Stimme! Ter prachtvolle Wotan unseres F ein bald ist weltbekannt; die Krönung 1 einer, fSotan- gestalten ist der Wanderer, besonders in der Szene mit ^tegrricb. Ta wächst er bock empor über alles Dümchcn und Dollen. Lvr(m Gabi er war als Erda von bczwmgender Große, ne untcrurich mit Glück das Tämonisch-Wilde ber Urmutter. Auch Mime und Alberich wurden durch Kuhn und 3abor wahrhaft Na mich verkörvert letzterer schuf mit Hagen-B cnder in dem gemer- baften Austritt vor Günters Halle der Götterdämmerung eine Meisterleistung. .
3um ersten Male hat man tn bwicm ^ahre zwnchen, den Mozart- und Wagner-FestspielLn auch Richard Strauß zu
teht. Ta heute amtlich bekannt wird, daß zwischen der Türkei und Griechenland vereinbart worden sei, daß griechische Handelsschiffe wieder durch die Tardanellen fahren und umgekehrt türkische Tampfer wieder im ägäischen Meer sich zeigen dürfen, verstärkt heb natürlich der Verdacht, daß man in Athen das türkische Vorgehen begünstigt Immerlstn, der Türkei scheint es im Ernste kaum um mehr zu tun zu^fein, als bezüglich der Stadt Adrianopel ihre Wünsche zck verwirllichcn. Ta Europa des Balkanhaders müde ist, wird Bulgarien sich in dieser Hinsicht zu Zugeständnissen bequemen müssen.
Ein griechischer Miniftcrrat.
Athen, 20. Aug. Heute mittag fand ein Ministcr- rat statt, in welchem Ministerpräsident Vcnizelos Einzelheiten über die Verhmrdlungen in Bukarest mitteilte und die freundschaftliche Gesinnung Serbiens und Rumäniens hervorhob. Ter Ministerrat erörterte sodann die Frage der Bestimmung der Grenzen sowie die Lage und Unterbringung der zahlreichen griechischen und muselmanischen Flüchtlinge, die massenweise die Bulgarien überlassenen Länder verlassen. Ferner wurde der Beschluß der Bevölkerung Gümüldschinas mttgeteilt, der griechischen Armee auf griechisches Gebiet zu folgen. Was die Bulgarien überlassenen Gebiete betreffe, so würden die griechischen Truppen sie nnverzüglich räumen, aber es sei gewiß, daß Bulgarien nicht imstande sei, zur rechten Zeit Truppen und Beamte dorthin zu schicken. Tal)er wurde beschlossen, die Besetzung der südlichen Gebiete um einige Tage zu ver Langern. .
Infolge eines Abkommens zwischen Griechenland und der Türkei werden die Meerengen ab heute für griechische Dampfer geöffnet. Tic Türkei gibt die griechischen Dampfer frei, die vor Beginn der Feindseligkeiten im Bosporus zurückgehalten worden sind. Die türkische Flagge wird frei auf dem ägäischen Meere wehen.
Die Entschlüsse der Pforte.
Konstantinopel, 20. Aug. Tic Pforte befragte den Generalissimus, welche £rtc jenseits der Maritza sofort geräumt werden tönnten, ohne daß die Regelung der Adrianopeler Frage abgewartet werden müßte.
Todesurteil eines griechischen Kriegsgerichts.
Saloniki, 20. Aug. Das Kriegsgericht hat den Prozeß gegen die Türken beendet, welche bei dem Rückzug der türkischen Truppen aus Se rfidsche unter den Christen ein Blutbad angerichtet hatten. Von 19 Angellagten wurden 18 zum Tode verurteilt. Tas Kriegsgericht hat ferner 23 gefangene bulgarische Komitatschis zum Tode verur- t eil t.
Der XX Haager HriedenLtongreh
ist mit 950 Teilnehmern am gestrigen Mittwoch eröffnet worden. Ter Präsioent, Professor Delouter, sprach sich in seiner Eröffnungsrede gegen den Gedanken einer supranationalen Organisation in der Form von Vereinigten Staaten der Welt aus. Ter Friede werde nur durch die Entwickelung des internationalen Rechts mit völliger Unabhängigkeit der Staaten aufrechterhalten. Ter Internationalismus und der


