Ausgabe 
19.5.1913 Zweites Blatt
 
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diesem Jahr fein Parteitag abgehalten werden soll, da im nächsten Jahre die Landtagswahlen stattsindcn und man deshalb den Par­teitag kurz vor den Wahlen abzuhalten gedenkt. Ter verdienstvolle Vorsitzende Geh. Justizrat Gallus ist mit Rücksicht aus seinen Gesundheitszustand von der Leitung der Partei zurückgetretcn. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt und wird auch ferner­hin für die Partei Mitarbeiten. Auch der langjährige Rechner Stadtv. Säug- Darmstadt ist mit Rücksicht auf sein Alter zu­rückgetreten, wird aber weiter im Landesausschuss Mitarbeiten. Als Vorsitzender wurde Justizrat R c h und als Rechner Sanitäts­rat Dr. K o lb - Tarmslaot gewählt. Weiter gedachte Abg. Reh der Toten der Partei, zu deren Andenken man sich von den Sitzen erhob. Parteisekretär 'Ä u hlinann ist nicht anwesend, weil er in Waldeck für die Wahl Raumanns arbeitet. Der von ihm er­stattete Geschäftsbericht lag schriftlich vor, er lieh die Ausbreitung der Organisation und eine Zunahme der für die Partei abge­gebenen Stirmnen bei der letzten Reichstags- und Landtagswahl er­kennen.

Abg. Grünewald erstattete dann den Bericht der

L a n d t a g s frakt i o n.

Die Fraktion ist fleissig gewesen, sie hat sich vvrgenommen, durch Arbeit sich Achtung und Bedeutung zu erringen. Das Er­scheinen der größeren Fraktion sei anfangs von den drei Mehr- heitsvarteien mit Mißfallen angesehen worden. Di Fraktion hat sich bemüht, polemische Erörterungen zu vermeiden. Es ist zwar nicht immer gelungen, diesen Grundsatz zu befolgen, doch waren die Fortschrittler niemals die Angreifenden. Die Fraktion ver­einigt in sich die Vertreter der verschiedensten - Landestcile und Berufsstände und ist bestrebt, der Allgemeinheit zu dienen. »Reichs-- tagsabg. Dr. Wiemer betritt unter lebhaften: Beifall den Saal. Die Fraktion hat keinen Führer und ist eine richtige demokratische Gemeinschaft und Rch ist nur primus inter Pares. Sie ist 'in ihren Anschauungen einheitlich. Auch Abg. Korell ist in land­wirtschaftlichen Fragen durchaus nicht der Outsider, als den ihn böswillige Gegner bezeichnen. Tas von den Gegnern behauptete intime, bezw.unsittliche" Verhältnis zur Sozialdemokratie ist nicht vorhanden. Es wurde ihm allerdings verargt, das; er sich um die Landwirtschaft kümmerte, ohne Mitglied des Bundes der Landwirte z-u sein. Seine Tätigkeit betrifft vornehmlich die Besserung des bäuerlichen Bildungs- und Kreditwesens. Als der Abg. Brauer behauptete, der Fortschritt sei der rosarote Stiefbruder der Sozialdemokratie, fiel dem Redner die Ausgabe zu, durch eine programmatische Erklärung den Unterschied beider Parteien klarzustellen. Es bestehe keinerlei Uebereintünft. keine Beratungen oder auch nur ein Einvernehmen mit der Sozial- demokratie fänden statt. Bei der Frage der Nichtbestätigung von sozialdemokratischen Beigeordneten vertrat die frühere liberale Regierung den Standpunkt, den auch die Fortschrittspartei ein­nimmt. Ter Redner verliest eine Erklärung des Ministers Braun im Wortlaut, die dies bestätigt. Seitdem aber die hessischen Nationalliberale:: sich nach rechts entwickelt haben und auch die Regierung nicht mehr als liberal anzusprechen ist, ist die Ve- stätigungsfrage anders geregelt worden. Damit hat man den Sozialdemokraten den schönsten Agirationsstoff geliefert. Als im Landtag die zweite Bestätigung des Beig. Eißnert zur Sprache kam, rief Abg. Osann,der Mann ist ja konservativ". Er meinte damit wohl, daß die Mitarbeit in einem städtischen Gemein­wesen eine staatserhaltende Gesinnung hervorruft. Damit sind dock: eigentlich die fortschrittlichen Grundsätze als richtig zuzu­geben, er (Redner) sei überzeugt, das; man die Sozialdemokraten nicht zurückstvßen solle von der Mitarbeit in Staat und Gemeinde, da sie als gleichberechtigte Staatsbürger zu behandeln seien, wie sie ja auch Soldaten werden und Steuern zu zahlen hätten. Nur dann verliere die Bewegung ihre Schärfe. In der Mehrheit der drei Parteien ist das Zentrum als die führende Partei anzu- sprechen: er bebaute sehr, daß es nicht gelinge, mit den wirklich liberalen Bestandteilen der nationalliberalen Parte: in eine nähere Berührung zu kommen. Die Erste Kammer ist von einem ein­heitliche:: Wille:: beherrscht, der sich stets durchsetzt, da die Mehr­heit der Zweiten Kammer vor ihm zurückweicht. Die Erste Kammer hat durch die Intelligenz und Energie ihrer führenden Persönlichkeiten einen ausschlaggebenden Einfluß auf die hes- fische Politik erlangt. Zu bedauern ist es, daß die aus dem bürgerlichen Lager hervor gegangenen Mitglieder der Ersten Kam­mer fast zu allem ruhig sind. Als in der Ersten Kammer Herr v. Hehl die polittsche Tätigkeit der Pfarrer bemängelte, die sie mit der Sozialdemokratie, in Berührung bringe, trat ihm allein Prälat D. Flöring in mannhafter Weise entschieden entgegen. Auch als der Fürst zu Lich eine positive theologische Professur in Gießen verlangte, trat ihm neben dem Vertreter der Universität Prof. Dr. Leist Prälat D. Flöring entgegen. Zur Besoldungsvorlage stellte der Redner fest, daß alle Parteien sich um die Gunst der Beamten bemüht haben. Tie Fortschrittspartei ist der Ansicht, daß die Beamten und Lehrer aus inneren und äußeren Gründen zum entschiedenen Liberalismus gehören. Die Beamtenschaft sc: ein Pro­dukt der liberalen Staatscntwickelung, sie gehöre als Bildungs­schicht zum Liberalismus als dem Vertreter der Bildung und des geistigen Fortschritts. Tie Beamtenschaft sei eine Konsumenten- gruppe, für die alle Privilegien einzelner Klassen nachteilig seien. Nur im demokratischen Staatswesen käme der Beamte zur Geltung, der nur seine Person, feine Leistungen in die Wagschale werfe. Ter Beamte müsse der Willkür entzogen und seine Stellung gesetzlich gewährleistet werden. Die Fortschritts­partei ist für eine ausreichende Bezahlung der Beamten und Lehrer und hat dies bei der vorjährigen vorläufigen Besoldungs- Vorlage bewiesen. Um wenigstens etwas zu retten, ist die Partei einem Kompromiß beigetreten, der den Beamten und Lehrern vorläufig etwas gab. Wenn das Kompromiß nicht zustande ge- tonrmen wäre, hätten die Beamten und Lehrer mehrer e I a h r c n : chts bekomme n. Bei den W rhlprüftmgen hat die Mehr­heit der Parteien Mandate für gültig crliiiTt, die früher, wenn fortschrittliche Mandate in Frage standen, aus nämlichen Grün den nngiltig erklärt wurden. Tie Partei hat ferner Anträge gestellt wegen Beseitigung des P l u r a l w a h l r c ch t s , der Tren­nung von Staat und K i r ch e , Bekämpfung der übermäßige:: Ausdehnung der F i d e i k 0 m m i s; b i 1 d u :: g , des Ausbaues des landwirtschastlichen Instituts der Landcsnnioersität wöbe: merk- würdigerweise die Agrarier Widerstand leisteten und An­stellung von Erhebungen über die Wirkung des I u: mo­bil i en st e m p e l s. Ter Redner schloß mit der Versicherung, daß die Fraktion auch fernerhin nur Anträge und Anregungen geben werde, die den: Staate und der Allgemciicheit dienten.

Wbg. Henrich erstattete bat

politischen Jahresbericht.

Er stellte zunächst fest, daß der l-tzre Parteitag in Bingen unter den: Eindruck des Zusammenbruches dc-s Bülowdlocks und her be­vorstehenden Reicks und Landtags'wal>le:: gestanden habe. Die Einigungsverlrandlimgen mit de:: Narionalliberalen führten zu keinem. Ergebnis. Tie Partei errang 40000 oder 16 Prozent aller .abgegebenen Stimmen, aber keinen Mandatsgnvinn. Tie Stichwabloorgänge in Alzen Bingen sind bekannt. Man »eine dann seine Hoffnung ain die Wahlprüfung, dock? versagten dabei die Nationalliberalen und von der eigenen Fraktion fehlten viele Mitglieder. Tie LaiünagSwahl brachte der Partei die größte Stimmeiizahl her bürgerliche? Parteien nnb einen Mandatsgavim: von 4 Sitzen, während Wöllstein verlöre:: wurde. Weiter verwies der Redner auf die beoorfteljcnoen großen Aufgaben des Land­tages, die Steuer frage, hie Besoldungsvorlage, die Eisenbahnfrage usto. Auch Abg. Henrich steht aut dem Standpunkt, daß die Regierung vollstündig unter dem Einfluß, der Ersten Kantmer steht, besonders unter dem eines Mannes, des Herrn v. Hehl Die Erste Kamn:er hat neuerdings das Bestreben, durch besondere Ulase des Futanzausschnsses die Richtlinien der hessischen Fjnan- Politik festzulege!'. .'! >ck jetzt ist dies hinsichtlich her durch die Wehrvorlage entsteh, nden Belastung Hessens geschetn'ii. Um hierbei daS Spinngewebe zu zerreiß n, haben die sortichrittlickmi un­geordneten die bekannte briuglidh? Anfrage gestellt. Die EEl Kammer erstrebt den finanzielle;: Einfluß deshalb, um die Steuern nach ihrem 'Erntessen zu gestalten. Ter Redner bekämpft vor allem die von Freiherr:: von Hepl angeftrebte Ertragssteuer und teilt mit, daß neuerdings die Reichsvermögenssteuer bei Mit­gliedern der Ersten Kantmer und der Mehrheit der Zweiten

Kammer Anhänger gewonnen habe. Tie Zweite Kammer hat an Ansehen Und Einfluß verloren, der Regierung fällt es gar nicht ein, einem Beschluß der Zweiten Kammer Rechnung zu tragen. Tic nationalliberale Fraktion des Lattdtags zerfällt in einen agrarischen und einen mchtagrariscken Flügel und hot nur geringen politischen Einfluß. Eine wirkliche Macht stellt in der Zweiten Kammer die sog. wirtschaftliche Bereinigung dar, die aus den Mitgliedern des Bauernbundes, der agrarischen Nationalliberalen nnb einigen Zentrumsabgeordneten besteht. Tic Vereinigung will eine bewußt konservative Politik treiben. Innerhalb des Rechts- vlocks weiß das Zentrum am besten sein Interesse zu vertreten. Ter Rechtsblock wird noch lange Zeit zusammenbleiben, nicht zuletzt ans Furcht vor der Linken. Die Linke kamt dabei vorläufig nur ausklärend wirken, denn 16 zu 42 'Abgeordneten können ivenig Positives ausrichten. Mit einer Großblockpolitik ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Tie Partei war bei allen Wahlen auf ihre eigene Kraft angcroiefcn und ist damit vorwärts gekommen. Die Partei steht an der Schwelle von Mandatserfolgen, jetzt muß weiter gearbeitet werden, damit endlich einmal wieder eine liberale Aera lommt. (Lebhafter Beifall.)

Die politische Lage im Reich.

Reickstagsabgeordneter Tr. Wiemer übcrbratf'tc die herz­lichsten Grüße der Berliner Parteileitung. Er entschuldigte sein Zu'pätkontmen mit den Arbeiten für die preußischen Laudtags- wahleu. Tic Kollegen der ReichstagSsralnon Ixiben es sehr be­dauert, daß die Wahl des Abg. Tr. Becker nicht für ungültig erklärt wurde. Die Partei mürbe gerade Korell im Reichstag sehr gern gesehen haben. Der Wahlkreis Alzey-Bingen ist der Partei als alter liberaler Besitz ans Herz gewachsen. Das Fehlen der fortschrittlichen Mgeordneten bei der Wahlprüfting mißbillige er auf das cntfcfticbcnitc; es sei Vorkehrung getroffen, daß der­artige bedauerliche Vorfälle nickt mehr Vorkommen können. Er bitte die Parteigenossen von Alzeh-Bingen, ihre berechtigte Verstimmung aufzugeben, dann werde das Mandat auch wieder - geholt werden. Zur Wehrvorlage teilte der Redner mit, daß die Vorlage wohl mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien an­genommen werde, wem: nicht die Taktik des Zentrums einen Strich durch die Rechnung macht. Tic fortschrittliche Volkspartei wird auch bei der ferneren Prüfung her Vorlage alles prüfen, ob es notwendig ist, damit den Steuerzahler:: unnötige Belastungen erspart bleibe::. Die Heranziehung der Ovferwikligkeit des Jahres 813 zur Wtscuerung der Gebefreudig keil der Bevölkerung in: Jahre 1913 Hit die Partei entschieden mißbilligt und damit auch erreicht, daß die übrigen Parteien diese Agitation unterließen. Bei der Berliner Feier zum Gedächtnis von 1813 gedachte man wohl der Heerführer, aber nickt der liberalen Staatsmänner Stein uub Hardenberg, durch deren Arbeit die Erhebung Preußens dock erst möglich war. Tic Partei verlangt bei der Durchführung der Militärvorlage auch bei: inneren Ausbau des Heeres, die Reform des Militärgerichtsverfahrens, Einschränkung der Svldatenmiß- haiiblunga: und die BcseHung der militärischen Stellen lediglich auf Grund der Fähigkeiten, ohne Rücksich.nahme auf politische und religiöse Verhältnisse. Was bi ' Deckungsfrage anbelangt, so wird der einmalige Mehrbetrag wohl mit einigen Abänderungen angenommen werden. Er habe schwere volkswirtschaftliche und steuerteckmischc Bedenken gegen diese '21bgäbe und hätte nichts dagegen, wenn sie durch eine andere Steuer ersetzt worden könne. Sympathisch sei ihm, baß es eine Steuer auf b-:n Besitz sei. Daß man schon die Vermögen von 10 000 Mark heranziehen wolle, könne er nicht billigen, 30 000 Mark seien wohl das richtige.! Dagegen solle man die Einkommen schon von 20 000 Mark an besteuern. Die Heranziehung der Fürsten zum einmaligen Wehr: beitrag fei im Gesetz niederzulegen, ebenso sei die sog. tote Haiw an dem Wehrbeitrag zu beteiligen. Die Berechnung der Steuer solle nach dem 'gemeine:: Wert erfolgen, bloß für die Landwirisckoft solle der Lösache Reinertrag zu Grunde gelegt werden. Er sei für gleiches Reckt für alle, entweder für alle den Ertragswert oder den Reinertrag nehuren. Bedauerlich ist, baß die Zucker­steuer abermals nicht aufgehoben werbe. Auch bic Grunbstücks- ftcuer und bic Reick^wertz>uvackssteuer feien aufzuheben ober zu verbessern. Die von her Regierung vorgeschlagenen Besitzsteuern lönneu von der Partei nicht angenommen werden. Tic Fort sckrittspartei wird den Umweg über die Einzelstaaten nickt mit- macken, da sie mehr Zutrauen zum Reichstag als zu den reak­tionären Landtagen hat. Der Redner macht bann einige Mit­teilungen über die Landtagswahlen in Preußen. Tic Partei höbe gut abgeschnitten, entgegen zahlreichen Zeitungsstimmen. Ten fünf Verlusten (von denen drei Mandate freiwillig an die National liberalen abgetreten waren), stehen ebensoviel Gewinne gegen­über und es ist Aussicht vorhanden, daß der bisherige Besitzstand durch bic Stichwahlen nicht nur wieder erreicht, sondern überholt wird. Die Partei ist der Ansicht, daß ein? aflgcmcinc Besitz- steuer einzuführen ist. Für hi? Reicksvormögens staun: wercwn immer mehr Stimmen laut, aber es ist nickst anzunehmen, daß der Bundesrat eine Vermögenssteuer annimmt. Dagegen htnn er eine Erbschaftssteuer nickt ablcfnen, da er nicht gut jetzt etlvas verwerfen kann, was er früher selbst vertreten hat. Das Zentrum Wünscht aus taktischen Gründen, daß bic Wehrvorlage gleichzeitig mit der Deckungsvorlage vorabscki-ebet luirb. Wenn dies nicht geschieht, so will bas Zentrum die Wehrvorlage ablehnen. Es ist aber anzunehmen, daß es mit Rücksicht auf das Jesuitengesetz dies nickt tun wird. Ter Redner forderte dann zur Stärlung der Organisationen auf. Er schloß unter lebhaftem Beifall mit einem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft.

Auf Antrag des engeren Lctndesausschufses wurde:: folgende Entschließungen angenommen:

1. Zur Tätigkeit der Landtagsfraktion.

Der Lanbesaussckxuß spricht der Landtagsftaftion Tank tmb Anerkennung für ihre Tätigkeit im Hessiscltzm Landtag aus. Er ist überzeugt, daß die Vertreter der Partei im Landtag auch fernerhin ihren^Maun stehen im Kampf für Freiheit und Gerechtig­keit und baß >ie trotz der Ungunst der politischen Verhältnisft ihre Kraft voll einsetzen für bic kulturelle, bic geistige uub wirt sckwftlicke Hebuug bes Landes und der schaffenben Stäube in Stabt und Land.

2. Zur Deckungsvorlage für die Heeres- v e r n: e h r u n g.

Der Landescmssch'.k'ß fordert bic Deckung ber fortbauernden Kosten der Wehrvorlage soweit solch? als unbedingt notwendig ansucrlcnnen sind durch eine auf Reick)sgesctz beruhende all­gemeine und direkte Besitzsteuer. Er erblickt in der Abwälzung dieser Kosten auf die Einzelstaaten einen Versuch, die Besitzenden vor eine: wirtlichen und ernstliche:: Besitzstcner zu bewahren, zugleich aber auch eine Gefahr für die Finanzwirtschaft der weniger lciftuiupSsähi^e:: Einzelstaaten. Tas gilt besonders aber für Hessen in Hinbltck auf die Mindcrbelastnng der preußischen Steuerzahler. Ter LandcsauSschnß ersucht die Reickstagsfwckiiou, jür den Fall der Annahme des WchrbeitragS einzutreten für btc gesetzliche Beitragspf lickt der Fürsten und der Vermögen der toten Hand, auf gleick^er Gruicklagc, wie sie bezüglich her anderen Beitragspflichtigen festgelegt wird.

3. Z u r B c s o l d u n g s v o r l a g e.

Ter Ausschuß ist werter der Ansicht, daß es nicht angängig ist, die Verabschiedung der Besoldungsvorlagc mit Rücksicht auf bic Wehrvorlage hinauszuschieben, naeftbem hie Gehattsregulie- rungen in fast allen anberen Bundesstaaten stattgeftinden haben und überdies die Kosten des Besoldungsgesetzes durch oas proor sortjchc GehaltSgesetz ohnehin schon in der Hauptsache aiisgebracht werden müssen. Tic bisherigen Versuche, bic Erledigung der Besoldungsvorlage zu verzögern, können nur die Wirkung haben, den Boamten und Lehrern, den Pensionären und Hinterbliebenen die dauernde wirtschaftliche Besserstellung auf absehbare Zeil hinaus tu versagen, auf die sie billig erweise Anspruch haben. Ter Landesausschuß ist durchdrungen von der lleberzeugung, haß die endgültige Regelung ld'er Beamten- iu:b Lehrerverhältnis'? in organisatorischer Hinsicht und bezüglich der Gehälter alsbald er folgen soll.

*

In der Ausspra chx gaben htc Vertreter des Wahlkreise- ?llzey Pingen tbrem Bedauern Ausdruck über das Fehlen so vieler fortschrittlicher tckbgeordneten bei der namcutlid^n Absttmmung über bic Gültigkeit des Beckerschen Mandats. Im Wakstkrei- erhalte s:ch hartnäckig tue Meinung, daß die Aeichstagsfratlion

Korell nickst in den Reichstag haben wollte:. _ Die Partcmng«» höriger: in Mzep-Bingeu würden trotz ihrer Stimmung weiter­arbeiten, um den Wahlkreis zu geroinnen. Mehrere Vertretet des Reichsverbanves liberaler Arbeiter baten um IhrterftüBung ihrer Bestrebmtgen, die fa dem gesamten Liberalismus zum Vorletl gereichen würden.

Abg. Wiemer stellt im Schlußwort fest, bi? vielfach ver­breitete Ansicht, bic Rcickstagssrattion habe d?n Eintritt Korells in ben Reichstag hintertreiben wollen, sei weiter itichts als ein albernes Gerebc. Der Rebncr versichert, baß bic Partei im Rahmen ihrer Gesetze bic berecktigteit Interessen der Arbeiter nachbrücklich förbern werbe. Aus oem Parteitag in Mannheim seien die Grunblagen für btc fortschrittliche Aroeiterpolitil ge- fdKtrfen inorbe::. In bicser Ricktung liege auch der Antrag ber Fraktion im preußischen Landtag, bas Arbeitsverhältnis her Staatsarbeiter im mobernn: Sinne zu regel::. Er betone, daß die Partei die Gleichberechtigung der Arbeiter und Bürger fordern wolle, denn nur durch das Zusammenarbeiten von Bürgern und Arbeitern sei ein Fortschritt zu erzielen. Stürmisckxr Beifalls

Aus Stafct und

Gießen, 18. Mai 1913.

Poftbefördcruttas-Gelegcnheitcn in Gießen nach dem Sommer - Fahrplan 1913 znsammcngcstellt.

Folgende Züge werden zur Besörderung von Sendungen be' benuht. Ee bcbeutei:: Beförderung von Sendungen jeder Art, (5 Beförderung von Bricssendungen jeder Art und Beutel- stücken, Beförderung von gewöhnlichen und Eiuschrelbbriefen, + Beförderung von Paketen, Bejötzdcrung von Briesen in ge- idi(o)iencn Beuteln, * Besördertuig von Sendungen jeder Art in geseblossenen Wagenabteilungen, ( an Soun- und Feiertagen nur Gilbnefc und geivölwltchc Pakete, () Benutzung nur an Werk­tagen. Tie mit, 0, * und bezeichneten Züge führen Postwagen mit Briefkasten.

a) Richtung :i a e(: Frankfurt:

456Q, ßii-D, 6»S'-, Bio®, 10 i. 1028-1-, 12 s 12i2(e, 217(0,), 5 4 #, 553Q, 7^G, 820®, gn®.

h) 9t i d) t u n g und) 51 n i i e l:

12210, lH-f-, 121®, 4T@, 71'16, 8'8®, ioi6», 1210®, 129®, 312®, "320-J505®, 85@, 1020. 11TQ.

c) R i d: l it n g nach 5t ö (ix:

422e,e, 647®, 81'®, 1239 ( , 3-24(0 , ioio..._

d) . R r ch t u n q n ad: Koblenz:

613®, 810®, 12110, 324), 5O4(«e« ööte.e, <JIR®

e) 911 ch l ii n g n a dl Fulda:

537®, 811'-, 1208®, 218(), 3J.3(ee.), 5,2), 921® f) 011 d: t u n q 11 n d) ® el 11 hausc 11:

512®, Üi8('"), 12-i4(V), 216(), 5UX®, (847).

g) Richtung Gießen - Lollar Gr iFn berg: 5_9®, 2O7(®|.

b) 91 i d: t u it fl na d) Rodbei in (Bieber): 522(*), 803* (nur Sonnte q ö), 1*5(*), 6221***)-

i) Landpo ft c n :

1. G jene n W i e i c tt' A l l e n -B n s e ck: 615®, 830(|7j), 320(8), 6 0(0) jeonn- und Feiertags Botenpost).

2. i e ß e ii S l c i n b c r q G r ü n i n g e n :

845 (®) [eonn- und Feiertags Seliassnerpost mit Zug 5^ V.st

3. G i c ß e n L ü tz e l l i n d e n : 680», 310(0). [Sonn- und Feiertags Botcnpoßl.

Beim Postamt I treten bic Scklnßzeuen im allgemeinen ein: für geivöhnlidw Briessendimgeii 1020 'Ulmuien, für Enisdwcw- briete 2530 9)1 tu-, für Wertbriefe uub Pakete 30-60 Min. vor Abgang der Züge.

Tic Stadtbrieskasten werben geleert:

Werktags zwischen 540 und 6«-'» V., 8»« -und 9'5 V., 10>o nnb Ilio U, 1130 B. und 12-0 91., 246 und 3^ N., 5« und 6'0 A_, 622 und 82- N., 922 und Itpo N.

Sonntags zwischcu522 u. 650 V., 103n und II o ji., 70, und 820 gj. Genaueres ergeben bie Lcerungstaseln an den Briefkasten.

Tie chigciainmclten Briefe gelangen mit der nächsten Bewr- berungogclcqenbeit zur 2lbsenbiii'g.

Vom Postamt 2 (Schulktraße) gehen werktags Versande nach dem Postamt 1 und bau Bahnhof:

916, 1115, 1250, 1-55 , 245, 415, 52S, 565, 750 8^2;

an Sonn- und Feiertagen: 915 1245, i-t->.

Tie Sdüußzcilen treten ein: für gewöhnliche Briefe 5 Minuten, für Einsdireibbriefe 15 VJimuteii nnb für Wertbriefe und ck-akete 30 bis 40 Min. vor Abgang der Versande.

B r i e f b e st e l l n u g:

Um bas Publikum über bie rechtzeitige Bestellung der Brkrte zu unterrichten, geben wir nadifiebcnb eine llcberficbt, welche Briete bei bat einzelnen Bestellgänqeu planmäßig abgetragen werben.

1. Beslellunq 703 P.

2. , lO»o P.

3. r 215 N.

Veqte Post Brieivost v. Ltcb 637 P Brieiposl mit Zq. 71 von Frank'urt lu°s B. Polt mit Zug 45 von Frankfurt l20 N.

Letzte Briefkastenleerung 522 bis 6<6 B.

8io bis 915

1180 B. bis 1230 9t

62 N. Posten d. Sehnellzi'igc von Frankturl u. Slohel 54< R.

*

516 bis 6*0 N.

** Tageskalenbcr. T r i n k e r - F ii r s o r g e st e 1 l c für Stabt und rtmibfreiS Gießen, Gießen Llsterwcg 9. Sprechstunde jeden Dienstag abend 67,-8 Uhr.

S fern sch nupp e. Gestern abend 842 sah ich bei einem Spaziergänge in der Moltkcstraße eine Stern­schnuppe, die trotz ber noch herrschenben Helligkeit und des MonbeS dcutlick) zu bemerken war. Sie war Heller, als die VenuS gewöhnlich ist, und bewegte sich über ben Hangelstem nach dem Philosophcnwalb zu. Kurz über dem Philosophen« walb verschmanb sie allmählich. Die ganze Erscheinung bauerte cmnähernb zwei Sekunben. ,

Kreis Alsfeld.

w Alsfeld, 17. Mai. Ein trauriger Unglückssall, der bie Eltern zur Vorsicht mahnt, ereignete sich heute nach­mittag 31/, Uhr hier bei dem Hotel .Deutscher Kaiser^. Ein 4V» Jahre alter Junge hängte sich unbemerkt hinten an einen tu mäßigem Tempo vorbeisahrenden LanLauec, uni un­befugter Weise mitzusahren. Hierbei geriet er mit feinem Kopfe in ein Nab und würbe mehrmals niitgeschlcudert. Herbei- cilcnbc Stubcnten au§ Berlin uub Marburg befreiten den Jungen aus seiner unglücklichen Sage. Er wurde dem Kreis- frmifcnhaufc zugefi'ihrt, wo er nach einer Stunde starb. Tie Wirbelsäule war im Genick gebrochen. Den Fuhrmann trifft kein Verschulden.

OK. Alsfeld, 18. Mai. Mit der Wieder- Herstellung der Wa lpurgiSkirche ist jetzt begonnen worden. Beim Ablösen des WandbewurfeS fanb man in der Nähe beS Sakristeieinganges ein mehrere Nieter hohes Bild bf§ heiligen Christophorus. Das Bild war anscheinend noch nicht vollendet. Man fanb außerdem Reste der früheren Be­malung der Kirche. Tie Ausführung der Malerarbeiten ist auswärtigen Dialern übertragen, die gegenwärtig mit ben Vorarbeiten beschäftigt sind. DaS Museum, das sich seither im dritten Stocke deS WeinhauseS befanb, ist jetzt in den 2. und 3. Stock deS Hochzeitshauses verlegt worden. Ta jetzt acht Räume zur Verfügung stehen, können die Alter- liinier übersichtlicher ausgestellt werden wie früher. In dem 'stilseiini befinbet sich auch bie alte Stadtspritze nttS dem 18. Jahrhundert: es enthält hauptsächlich Altertümer aus Alsfelds Vergangenheit. Im Sommer wird ba§ Altertums« Museum von Salzschlirfcr Badegästen häusig besucht.

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Marburg tzehcimral Pro frhrtäligkeit in iDurbt Prosejjot

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