Hr. U4
Zweites Blatt
163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Glehener Famllienblätter" werden dem /Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblntt für den Breis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zeit- fragev" erscheinen monatlich zweimal.
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Montag, ssy. Mal R3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^E112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießcn»
bericht es sprach Generalmajor
Kein: über Entwicklung
□El
Ew.
Exzellenz!
hoben haben, daß Sie die Behauptung des Kontraktbruchs gar nicht mehr aufstellen.
Wird mir so ohne jegliches Interesse der Gcneralintcndantur eine derzeitige künstlerische Tätigkeit in Berlin dennoch untcr- bunden, so kann dies nur den Zweck.haben, mir Schaden zu- zusügen. Ich sehe deshalb hierin einen R c ch t s m i ß b r a u ch im 'Sinne des angezogenen Gesetzesparagraphen unb ich bin nicht oewillt, solange die geschilderten Verhältnisse dauern, mich diesem Rechtsmißbrauch zu fügen.
_ Ich teile Ihnen daher mit, daß ich in der kommenden Sa i s o n in Berlin öffentlich k ü n st l e r i s ch wirken werde und lasse Ihnen diese Mitteilung deshalb zugehen, damit Sie in die Lage gesetzt sind, rechtzeitig dagegen die Ihnen zweckdienlich erscheinenden Schritte zu unternehmen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Felix Weingartner.
Hierzu bemerkt das B. T.. sehr richtig:
Mit diesem Entschluß tritt der Fall Weingartner in ein neues Stadium, aber dieser Streit wird nie zu Ende kommen, so lange beide Parteien sich mit Paragraphen bekämpfen. Er kann nur nach menschlichen und künstlerischen Erwägungen entschieden werden und diese drängen gebieterisch zu einem Vergleich. Wer von den beiden .Hauptbeteiligten, dem Generalintendanten und dem Künstler, über das Gesetzbuch hinweg zuerst die Hand zur Versöhnung bietet, wird sich ein Verdienst um die Kunst erwerben: und auch ein Verdienst um die Oeffentlichkeit, die mit dem Fall Weingartner wahrhaftig schon lange genug beschäftigt worden ist.
Durch den mit der Generalintendantur am 30. Juli 1908 abgeschlossenen Vertrag ist mir auf eine Reihe von Jahren jedwede Entfaltung einer künstlerischen Tätigkeit in Berlin und Umkreis untersagt. Das Reichsgericht hat diesen Vertrag für rechtsgültig erklärt, und damit der Generalintendantur das Recht zugesprochen, jene meine Ausschließung aus Berlin zur Durchführung zu bringen. Rach § 226 des Bürgerlichen Gesetzbuches aber ist die Ausführung eines Rechts unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem andern Schaden zu zu füg en. Diese Voraussetzung trifft auf die Weigerung der Generalintendantur, mich in Berlin dirigieren zu lassen, wenigstens so lange- zu, als die gegenwärtigen Verhältnisse dauern. Unter der Leitung des Herrn Dr. Richard Strauß erfreuen sich die Symphoniekonzerte der königlichen Kapelle eines glänzenden Aufschwungs, der in der künstlerischen Bedeutung und in der Beliebtheit oieses Dirigenten eine viel zu sichere und wirksame Grundlage besitzt, als daß er durch eine von mir in Berlin entfaltete künstlerische Tätigkeit beeinflußt werden könnte. Die Broschüre des eigenen Rechlsbcistandes der Generalintendantur „Ter Fall Weingartner" attestiert als „altcnmäßigc Darstellung" diesen Aufschwung mit besonderem Nachdruck. >Ew. Exzellenz selbst haben in einem Briefe an eine bekannte Persönlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß, so lange Herr Dr. Richard Strauß der königlichen Kapelle verpflichtet sei, von meiner Dirigententätigleit keine Schädigung der von der Gencraliüteitdanlur zu wahrenden Interessen zu befürchten sei.
Kommt nach diesen authentischen Erklärungen ein materielles Interesse der Generalintendantur an der beseitigen Unterbindung meiner künstlerischen Tätigkeit in Berlin nicht in Frage, so ist auch, kein irgendwie sonst Leartetes Interesse der Gencralintendantur mich zurzeit von Berlin künstlerisch fernzuhalten, ersichtlich. Wemr etwa gellend gemacht würde, das Interesse der Generalintendantur bestehe darin, mich für den von wir begangenen Kontraktbruch zu züchtigen, so ist doch • -die Wahrheit die, daß ich einen Kontraktbruch niemals bc gangen habe, Ew. E zellenz selbst haben wegen der Vorgänge, auf Grund deren gegen mich von der Gcneralintendantür ein Kontraktbruch konstruiert wurde, späterhin mir den guten Glauben zugesprochen. Guter Glaube aber schließt unter allen Umständen einen Kvntraktbruch aus. Ew. Exzellenz ist auch wohl das Ergebnis verschiedener Preßprozesse bekannt, wonach nicht ungeilraft die Behanptung ausgestellt werden darf, daß ich einen Koutraktbrucl begangen habe. Die deutlichste Sprach? aber spricht der Umstand, daß Ew. Exzellenz, von mir auf Unterlassung der Behauptung des Kontraktbruches verklagt, in diesew Prozesse nachdrücklichst den SvUvand er-
Aus HesTe-s.
Landeskonferenz der freien Gewerkschaft Hessens.
Die am Sonntag in Offenbach tagende 4. Landeskonferenz der hessischen freien Gewerkschaft, die von 220 Delegierten ans dem Groß h erzogt um Hessen, den Städten Frankfurt, Höchst und Hanau besucht war, verhandelte zunächst über die Wahlen zu den Kr an ken kaffen aus schüssen und zu ben Vertretungen bei den Versicherungsäintern und Oberversicherungsämtern. Nach den Vorträgen der Arbeit erselretäre Sparr-Darmstadt und Engelmann- Mainz, sowie des Zentralarbeiterserretärs W i s s e l l wird nach langer Aussprache eine Entschließung angenommen, in der es heißt:
Die Konferenz der Gewerckschastszahlstellen und Gewerk- fchastskartelle des Großherzogtums Hessen erkennt an, daß ben Unfallverletzten, kranken und invaliden Arbeitern zur Wahrung ihrer Rechtsansprüche eine Vertretung vor den Versicherungsämtern und Oberversicherungsamt gesichert werden muß. Die vertretenen Gewerkschaften erklären sich bereit, ihren unterstützungsberechtigten Mitgliedern den erforderlichen Rechtsschutz zu gewähren durch Bereitstellung der erforderlichen Barmittel für ärztliche Gutachten usw. Weiter erklärt sich die Konferenz bereit, den Anregungen der Generälioinmission zu entsprechen, an die Errichtung emes Bezirksarbeitersekretariats für das Großherzogtum
Tagung der weiteren Lanverausschuffes der sorts lUtilichen öolfspartei.
Bad-Nauheim, 18. Mai.
Der weitere Landesausschuß der hessischen fortschrittlichen Volkspartei tagte heute in der Turnhalle. Ten Vorsitz in der gut besuchten Versammlung, der eine Sitzung des engeren Ausschusses vorausging, führte Landtagsabg. Iuftizrat R c h. Nach Begrüßung der Erschienenen führte der Redner aus, daß in
poliüjdfc Sagesschau.
Zur Thronfolge in Braunschweig verlautet in wölfischen Kreisen, daß bereits in wenigen Monaten der Herzog von Cumberland den Thron von Braunschweig besteigen dürfte. Mit bem Regenten von Braunschweig, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, sollen Verhandlungen stattgesunden haben betreffs Ueber- nahme des S t a t t h a l t e r p o st e n s*v o n E l s a ß, - L o t h - rin gen. Der Aufenthalt des Herzogs von Cumberland in Rathenow wird nur von kürzer Dauer fein; man erwartet zum Regierungsjubiläum pes Kaisers seine Beförderung zum Rittmeister.
die weit über das hinausgehen, was uns unter gewöhnlichen Umständen als möglich'erscheint. Wenn wir in unserem gemäßigten Älinia an heißen Tagen unter der Hitze stöhnen, so gibt' es auf der Erde doch Gegenden, deren Höchsttemperaturen fast die doppelte "Anzahl Grade erreichen. So hat man im Innern Australiens hänhtz eine Turchschnittsteniperatur von 46 Grad E. im Sckatten und 60 Grad in der Sonne, ja man hat auch 55 und 67 Grad festgestellt. Bei der Fährt durch das Miotc Meer und den Persischen Golf zeigt in heißen Jahreszeiten das Thernwmerer der Dampfer, trotz der ständigen Ventilation zwischen .50 und 60 Grad. Ein Forscher hat neuerdings ans dem Himalaja im Monat Dezember um 9 Uhr früh in 3300 Meter Höhe eine Temperatur von,55 Grad festgestellt. Bei solchen Temperaturen scheint der menschliche Körper bereits schwer zu leiden, aber die Grenze, die er ertragen tarnt, ist damit lange nicht erreicht. Die beiden genannter: Forscher ließen sich, um diese Höchstgrenze fest zu stellen, in einen Ofen einschließen, dessen Wärme allnräblich gesteigert wurde, und so vermochten sie eine Temperatur auszuhalten, die noch etwas über dem Siedepunkt des Wassers, also 100 Grad, Bag. ' Diese Widerstandsfähigkeit des Körpers ist durch die ungeheure Transpiration zu erklären, die durch diese außerordentlichen Temperaturen hervorgerufen wird: das Wasser, das auf der Oberfläche der Haut perlt, verwandelt sich augcnMidlid; in Dampf, der einen merklichen Teil der Wärme absorbiert, die den Körper unmittelbar unrgibt. Man kann dadurch, so paradox es 'klingen mag, behaupten, daß der menschliche Körper, wenn er nur gegen jede direkte Berühlrüng mit der Wärmequelle geschützt ist, imstande ist, eine Temperatur zu ertragen, die fast ausreicht, ein — Kotelett zu braten.
— 'Amerika und der Bindestrich. Die sonderbaren Kreuzzüge, die Amerika von Zeit zu Zeit veranstaltet, können nur daher lammen, haft die ungeheure Energie seiner Einwohner sich um jeden Preis Luft machen muß. Wer nicht all - können Pierpont Morgans oder selbst nur einfache Millionäre sein, und die Jagd narb dem Dollar erscheint deshalb unter anderen, ost ganz merkwürdigen Vermummungen — aber eine Jagd ist es nichlsdesto- weniger. Voriges Jahr war es eine Jagd auf Fliegen, und Millionen von Fliegen brachte der „Chmnpion"-Fliegensänger zur Strecke. Dieses Jahr i)t es der Bindestrich, der ausgerocket werden soll. Denn es hat jemand beredetet, daß 200 Millionen Mensclien englisch 'schreiben (eine Sprache, die besonders reich an solchen strichen ist), und daß jeder dieser Menschen mindestens dreimal am Tage to-day, to-night und to-mvrrvw schreibt. Nun braucht man aber eine halbe Unze Energie, um einen Binde- Hrid), mit Bleistift ober Tinte, zu machen. Macht man ihn mit der L-dpeibmaschine, so braucht man noch viel mehr. Tie .straff, die 0*1 nn nnW unnützen kleinen Strich verwandt wird, beträgt 2190000 Pfund Energie täglich, und damit könnte man einen Pajsagierzug rund um die Erde schicken. Ist es nicht unglaublich. Wie der Mensch sich anflrcngt, ohne es zu wissen? Jedenfalls ist die Vermeidung des Bindestrichs in den ameri kam schm Zeitungen schon feit geraumer Zeit bemerkbar. Aber ob sie mit der ersparten Energie wirklich etwas Vernünftiges ansangen?
Weingartner wird in Berlin dirigieren!
Felix Weingartner hat aus Hamburg an den Generalintendanten Grafen v. Hülsen-Haefeler den folgenden Brief geridjtet:
— Einen ergötzlichen Schnitzer leistete sich in den letzten Tagen die englische Zeitung „Dailp Graphic". Ta wird beridrtet, daß zum Tage, an hem der Herzog von Connaught 25 Jahre der deutschen Armee angehört, sich eine OffizierÄ- deputation seines faeutfdjen Regiments nach London zur Gralu- lativnscour begeben habe, um einen eigenhändigen Brief des Deutschen Kaisers zu überbringen. Und zwar wird das Regiment im „Dailh Graphic" „the Zeitung Hnssars", die Zeitunghusaren genannt! Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Name unseres schönen Regiments der Ziethenhusaren wahrscheinlich auf telephonischem Wege zu dieser Verdrelmng gekommen ist, denn nach der lieblichen engli)d)en Sitte, alle fremden Namen englisch auszusprechen (Aemälfei = Amalfi) Hingt ja Siethen so ähnlich wie Zeitung. Ter Abnehmer des Telephongespräches kann aber nicht ohne Uebcrlcgung zu seinem Fehler getummelt sein. Man ist versucht, an den seligen „General Staff" zu denken. Er muß sich gesagt haben als Bürger eines Landes, in dem die Presse eine höchst angesehene Stellung einnimmt, daß ein feudales Reiterregiment, dein Fürsten augelyu-ren, gerade vornehm genug sei, den Elwemiamen „Zeitnnghusaren" zu fiihren. Aber der Urheber dieses ;3 c i r im gha fa r enftrrid^ war sicher nie in Deutschland!
— W elche Wärmegrade verträgt der mensch- ltckte Körper? Unter gewissen Bedingungen vermag der Mensch, wie zwei englische Forscher, Blehden nnb CHäutreh, neuer- dings durch Versuche jestgesteUt haben, Temperatur«: zu ertragen,
und Ziele des Deutschen Wehrvereins. Seit der ersten Hauptversannnlung ist der Verein mn 255 feftgefngte Ortsgruppen, uni 50000 Einzelinitglieder und 190 000 korporativ augeschl offene Mitglieder geivachsen. Der Verein habe seine Kraft in der Wahrheit und in der Wucht der Tatsachen, wenn er auch schon so inanchen amtlichen Bart versengt habe, namentlich den Bart der vielen Philister, bic um keinen Preis der Welt in ihrer Sofa-Politik gestört sein wollen. Wenn der Verein den Pulverdamvf, der uns näherkain, schon im vorigen Herbst gerochen habe, so könne er das als ein Verdienst in Anspruch nehmen. Ware die deutsche Regierung schon tin vorigen Jahre den Wünschen des Wehrverems nachgekommen, dann wäre der Balkan»Krieg uie(lcid)t gar nicht e ii t ft an ö e it, jedenfalls hatte der Dreibund ganz anders baae- standen. Was im Reichstage gegen den Verein gejagt worden ist, sei weiter nichts als ein Gemisch von mstuch sicher Unkenntnis imd Böswilligkeit. Wir müssen dafür sorgen, daß unser Volk den nationalen Geist behält. Ein solches Volk kann wohl besiegt, aber nicht vernichtet werden. Die ganze Friedensbeivegling in Deutschland ist gefährlich. Ter Deutsche Wehrverein arbeitet und schafft und wird das auch weiter tim nur für den Schutz der heiligsten Güter des deutschen Volkes. (Beifall.) Sodann sprach (Generalleutnant z. D. Litzinan n (Berlin) über das Thema: D i e Heeres- Vorlage und d e r W e h r v e r e i n. Er billigte die Heeres- Vorlage der Regierung und stellte darüber hinaus noch folgende Forderungen auf: 1) Dauernde Erfüllung des wirklich bmcbge- führten Grundsatzes der allgemeinen Wehrpflicht, also felbftätige Steigerung der Rekrutenzahl im Verhältnis zur Bevölkerungs- zunahme. 2) Einziehung der jüngeren Jahrgänge der jetzigen Ersatzreserve zu mehrwöchenklicheu Wafsenübimgen, um unsere Kriegsbereitschaft schon in der Uebergangszeit wirksam zu fordern. 3) Ausstellung zweier neuer Armeekorps unter Benutzung der jetzt überschießenden Infanterie-Brigaden und Regimenter, sowie Bildung der für den Mobilmachungsfall geplanten Kavallerie- Divisionen schon im Frieden. 4) Bessere Vorbereitung der Offiziere des Beurlaubtensiandes auf ihre Führerlätigkeit im Ernstfälle. 5.) Erziehung unseres Volkes zu vaterländischem Pflichtbewußtsein uiid Pflege kriegerischen Geistes. Nicht die Macht des Geldes und die verfeinerte neuzeitliche Kultur, sondern die ungebrochene sittliche Kraft und der mannhafte Sinn der Nation ermöglichen ihr die Erhaltung eines ehrenvollen Friedens und verbürgen, wenn es zum Kriege kommt, den Sieg."
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Die Fürsorge für die Veteranen.
Die „Norbbeutsche Allgciweine Zeitung" weist auf die stänbig gestiegene Fürsorge des Reiches für bic Veteranen hin. Die Beihilfen seien von 1,8 Millionen Mark int Jahre 1895 auf 29 Millionen im Jahre 1912 angewachsen. Beihilfenempfänger seien Kurz eit 245 070 Mann. Nach dem neuen Gesetz irerbc die Veteranenveihitfe von 120 auf 150 Mark jährlich erhöht. Weitergehenden Forberungen stäuben Behenketr gntgegen. Die allgemeine Wehrpflicht sei eine Ehrenpflicht. Tas Reich fei nur zur Erhaltung ber Veteranen verpflichtet, die gesundheitlichert Schaden erlitten hätten. Die Beihilfe habe nur die Bedeutung der Erstattung einer Dankesschuld. Die von den Sozialdemokraten verlangte Erhöhung auf 360 Mark würde "die Bereitstellung von 88 statt 37 Millionen erfordern.
Das Reich sorge besser für die Veteranen als irgendein anderer europäischer Staat. Rußland und Oesterreich kennen keine Veteranenfürsorge .aus öffentlichen Mitteln. Frankreich gewähre 60 bis 120 Francs jährlich nur an Veteranen mit mehr als sechsjähriger Dienstzeit. In Dänemark erlstelten die Teilnehmer der Kriege von 1848 bis 1850 100 Kronen jährlich, die Veteranen von 1864 nichts. Italien verwende jährlich sechs Millionen Lire für die Veteranenfürsorge. Zudem trete im Deutschen Reiche die private Veteranenfürsorge mit großer Opferwilligkeit ein.
.Hessen heranzutreten und die erforderlichen Mittel zu bewilligen.
Für die Schaffung eines Bezirksarbeitersekre-, tariats, das in Darmstadt errichtet werden soll, wurde beschlossen, einen Beitrag von 15 P f. pro Kops und Jahr der hessischen Gewerkschaftsmitglieder zu erheben. Für die Durchführung der Wahlagitation itnb die weiteren sozialen Arbeiten wurde eine Zentralagitation mit bem Sitz in Mainz eingesetzt. Ferner beschäftigte man fick) mit der ins Leben tretcnbcti Versicherungsgesellschaft „Volksfürsorge". Hierzu wurde beschlossen, Bezirtsverwal-' tunasausschüsse in Darmstadt, Mainz, Worms, Wiesbaden, Höchst, Frankfurt, Offenbach und Hanau zu errichten. Schließlich wurde nod) beschlossen, unter Protest gegen die Art, wie die hessische Regierung den Bauarbeiterschutz in die Praxis umsetze, die Gewerkschaften mehr als bisher zur Förderung des Bauarbeiterfckiutzes zu verpflichten.
2. Hauptversammlung öes Deutschen wehrverems.
~ Leipzig, 18. Mai.
Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Einz''lmit- gliedern und Vertretern der korporativ angeicblofienen Verbände aus ganz Deutschland fand heute im Kongreßsaal der Fnternalioi.ateu Bau'ach-Ausstellung die 2. Hauptversanimtung des Deutschen Webr- vereins statt. — Der Vorsitzende Generalmajor z. D. Keim begrüßte dieErschienenen niitWorten deSDaukes besonders an die anwesenden Frauen und Rtädchen und brachte ein Hoch auf den Kaiser und den König von Sachsen aus, an die nebst dem Kronprinzen Hu!° digungsletegramme gesandt wurden. — stiacb Erstattung des Kassen-
Eine Entschließung im Sinne des Vortrages wurde einstimmig angenommen. Nach einem kurzen Vortrag von Müller (Brandenburg) wurde weiter eine Entschließung gebilligt, in welcher die Wehr st euer als ein Gebot ausreichender Gerechtigkeit gebilligt wurde.
Endlich sprach noch Dr. v. Paaen (Dresdens über die Fremdenlegion. Die Versammlung faßte einen Beschluß, wonach die Behörden, namentlich die an der Westgreuze, aufgefordert werden sollen, wirksame Niaßnahmen zur Aujtlärung der Bevölkerung zu ergreifen.
Damit war die Tagesordnung erledigt. An die Versammlung schloß sich ein gemeinsames Essen und eine Besichtigung des Völkerschlacht-Denkmals.
An den Kaiser wurde folgendes Huldigungstcle- g r a m m gesandt:
„Eurer Kaisers, und Königs. Majestät wiederholt die in Leipzig tagende zweite Hauptversammlung des Deutschen Wehrvereins ehrerbietigst das Gelöbnis unwandelbarer Treue. Im Namen von 78 000 Einzelmitgliedern und 200000 körp'erschastlichen Mitgliedern dankt die Hauptversammlung Eurer Majestät für die von der Regierung Eurer Majestät im Reichstage vorgeschlagenen Verstärkung der deutschen Wehrmacht, die der Deutsche Wehrverein vom Tage seiner Gründung an erbeten und befürwortet hat. gez. Keim."
Ferner wurde folgendes Telegramm an den Kronprinzen gesandt:
„Eurer Kaisers, und Königs. Hoheit dankt die in Leipzig tagende zweite Hauptversammlung des Deutschen Wehrvereins ehrerbietigst und von Herzen für die kernigen, deutschen Soldaten- und Reitcrgcist atmenden Worte in Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit „Wafsenbuch". Als Vertreter von 78000 Einzel- mitgliebern und 200 000 körperschaftlichen Mitgliedern, Männern und Frauen aus allen Ojauen des Reiches bittet die Hauptversammlung Eure Kaiserliche nnb Königlidie Hoheit, huldvollst bas Gelöbnis treuer Ergebenheit und Liebe entgegennehmen zu wollen. gez. Keim."____
hessischer Emttaa des Bundes der technischen industriellen Beamten.
m. Offenbach, 19. Mai. Unter dem Vorsitz des Ingenieur B n r m e st e r - Gießen tagte hier am gestrigen Sonntag der hessische Gau des Bundes der technischen industriellen Beamten, dem die Ortsgruppen Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Hanau, Hersfeld, Höchst, Mainz, Offenbach, Wetzlar, Wiesbaden und Worms angehören In einer öffentlichen Versammlung am Samstag hielt Ingenieur S a u d r o ck - Berlin einen interessanten Vortrag über die .Ziele und Wege der dlngestellienbeiveguua". Die 6fauverhand- lmigen wurden gestern morgen mit dem Geschäftsbericht des Gauleiters G r a n z e n - Stuttgart eingeleitet, aus dem hervorgeht. daß b:e Entwickelung des Gaues Heffen, der zurzeit 1150 Mitglieder zählt, in auisteigender Linie begriffen ist. Von besonderer Bedeutung für die Angestellten war der Vortrag des Frankfurter dlrztes Dr. H a n a u e r über die „Arbeitszeit im technifchen Beruf". Er beleuchtete vom medizimfchen Standpunkte die hygienische Seite der technischen Arbeitsstätten. Bei der englischen Arbeitszeit müsse mindestens % Stunde Mittagspause gewährt werden. Es folgte eine Aussprache. Die übrigen Punkte der reichhaltigen Tagesordnung betrafen die Berichterstattung über die Tätigkeit der Verwaltungsstellen (Referent Ingenieur , R o g a tz - Frankfurt), die fündige Werbearbeit (Jng. Mederle - Frankfurt) und die Besprechung der Ergebnisse des Bundestages (Ingenieur Fuchs- Darmstadt).


