bet Betrieb eingestellt, b:r Lohnäusfall der Arbeiter hrirb vom Arbeitgeber ersetzt.
Am selben Tage fällt überall der Schulunterricht aus. Dafür werden Schulfeiern mit Vorträgen und Gesängen veranstaltet, auch Bewegungsspiele und turnerische Hebungen ber Jugend stattfinden.
Auch wie in anderen Kreisen des Landes wird in den gemeinden des Kreises Gießen der 18. Oktober in würdiger und erhebender Weise gefeiert, so werden Eichen gepflanzt, welche die Erinnerung an die Ereignisse vor hundert Jahren stets wach erhalten sollen und werden. Der Kreis- Obst- und Gartenbau-Verein hat etwa 60 solcher Eichen den Gemeinden kostenlos zur Verfügung gestellt und sich hierdurch den Dank vieler erworben. (Wie die Feiern in den einzelnen Ortschaften gehandhabt werden, haben wir schon größtenteils mitgeteilt. Außer den bereits veröffentlichten Festordnungen gehen uns noch folgende zu:
l. WatzeNborN Steinberg, 16. Oft. Eine große Volle r s ch l a ch t f e i e r iinbet Samstag und Sonntag statt. Samstag «bend ist Zapfenstreich durch das Dors nach den Obersteinberger Höhen, wo ein Fr enden feuer abgebrannt wird. Sonntags wird Festgottesdienst abgehalten, an welchem sich alle Vereine beteiligen. Mittags um i Uhr findet ein Fest zu g statt, voran schreitet die Schuljugend, es folgen die Festjungfrauen mit der Eich?, der Orts-, Schul- und Kirchenvorstand, der Kriegerverein und sämtliche übrigen Vereine. Auf Mocks Wiese findet allgemeines Jugendfest statt. Den Schülern werden Brezeln verabreicht. Im Anschluß an die Jugendspiele ist Preisverteilung. Turnverein und Gesangvereine wirken mit. Die Festrede hält Pfarrer Sommer lad. Am Sonntag abend feiern die Vereine in ihren Vereinswirtschaften.
Groß en-Linden, 17. Ost. Eine besonders schöne Jahrhundertfeier ist in der Gemeinde Grvßen-Linden geplant worden. Während am Samstag unter Glockengeläut ein Fackelzug stattfindet und ein Freuden feuer abgebrannt wird, ist am Sonntag Festgvttesdienst, Festzug, Pflanzung einer Jahrhundert-Eiche und ein Festbankett in der Turnhalle.
L. Echz-ell, 16. Ost. Auch hier findet am 18. Oktober abends ein Fackelzug und Abbrennen eines Freudenfeuers statt. iAuch soll eine Linde gepflanzt werden.
L. Friedberg, 17. Ost. Die hiesige Garnison wird am Samstag vormittag Gottesdienst in der Stadtkirche haben. In der kath. Pfarrkirche findet am Samstag Festgottesdienst (Predigt mit Tedcum) statt. Anläßlich der Feier des 18. Oktober werden die Geschäfte möglichst alle um 7 Uhr abends geschlossen.
4> Bad .'.'anheim, 16. Oft. Neben der in größerem Maßstab vorgesehenen städtischen Feier am 18. Oktober wird nun auch der I u n g d e u t s ch l andbun d, wie die Vertteter der dazu zählenden Vereine (Wandervogel, Fahrende Gesellen, Jugend- und Männerverein, Turnverein und Sportverein) noch in letzter Stunde beschlossen haben, des Jahrhunderttages besonders .gebenfen. Er wird für das Freudenfeuer sorgen, das gegen 6 Uhr aus dem weit in die Lande ragenden Johannisberg abgebrannt werden soll. Oberlehrer Dr. Strecker wird dabei die Ansprache halten, während beim Pflanzen der Eiche und beim Festkommers Oberlehrer Kredel und Pfarrer Wissig die Redner sind. An dem Festung am Nachmittag beteiligen sich außer den beiden Schulen, dem Stadtvorstand und den Behörden noch 9 Vereine und eine Militärkapelle.
$ Nieder-Weisel, 16. Ott. Auch hier wird zur Jahr- bunbertfeier am 18. Oktober ein Erinnerungsbaum und zwar eine Linde gepflanzt. Abends wird ein Freudenfeuer abgebrannt.
[] Marburg, 16. Oft. Der Gewerbeverein und bte Innungen beschlossen, wegen der Jahrhundertfeier am Sonnabend ihre Gesckstifte um 10 Uhr zu schließen. Ter Kwnfmännrsche Berern beschloß, um 1 Uhr Ladenschluß eintreten zu laßen.
F. C. Schlüchtern, l 5. Oft. Am 18. Oktober wird hier die vom ffriegeruerein gestiftete Gedächtnis täfel für die Veteranen der Befreiungskriege 1813 14 am Kriegerdenkmal in Gegenwart der Behörden und der Vereine enthüllt werden.
Die Feier in Leipzig.
Leipzig, 16. Oft. Heute vormittag erfolgte hier die feierliche Beisetzung der Ueberreste mehrerer in der Schlacht bei Leipzig gefallener russischer Offiziere. Vor der Kapelle
Johannisfriedhofs fanden sich als Vertreter des Zaren der Großfürst Kyrill mit Gefolge, eine russische Militär- abordnuirg, der sächsische Kriegsminister Frhr. v. Hausen sowie eine große Anzahl von Offizieren der Leipziger Garnison ein, an der Spitze der Kommnadierende General v. Kirchbach und der russische Botschafter in Berlin Swerbe- jesf, sowie der russische Gesandte in Dresden Baron Wolff. Tie Trauerparade stellte die Leipziger Garnison. Zum Fahren der Särge wurden sechs mit Pferden bespannte Feldgeschütze verwendet, deren Rohre entfernt waren. Die Feier begann mit einer Seelenmesse in der Halle des Johannisfriedhofes, bei der verschiedene hohe russische Geistliche mitwirkten. Dann formierte sich der Zug zum Abmarsch nach der russischen Kirche, voran Ulanen, dann Infanterie und Artillerie, deren Lafetten mit den Särgen folgten. Drei Särge bergen die Gebeine gefallener Offiziere, der vierte die Gebeine unbekannter russischer Krieger. Die Särge wurden bis an den Eingang des Grabraumes gefahren und dann von russischen Offizieren zum Grabraum getragen. Nach Beendigung der Trauerfeier betrat der Großfürst mit Gefolge den Grabraum und nahm an der Beisetzung teil.
Die Feier in Wien.
Wien, 16. Oft. Mit großer Feierlichkeit und unter Entfaltung eines großartigen militärischen Gepränges sowie unter der Teilnahme der gesamten Bevölkerung Wiens wurde heute vormittag die Gedenkfeier der Völkerschlacht bei Leipzig begangen. Am Schwarzenbergplatz waren zwei große Estraden errichtet. Hier versammelten sich der Hof, die gemeinsamen Minister, das österreichisck)e Kabinett, die Generalität, der Bürgermeister mit der Stadtverwaltung und zahlreiche Abgeordnete, sowie Mitglieder der Familien Schwarzenberg und Radetzky. Auf dem weiten Schwarzenbergplatz hatten Deputationen der an der Schlacht bei Leipzig beteiligten Regimenter mit ihren alten Feldzeichen, die Zöglinge der österreichischen und ungarischen Militärakademien und die Kadettenschulen Aufstellung genommen. Längs des Weges, wo der Kaiser kommen sollte, bildeten Regimenter Spalier, ebenso die Garnison Wiens mit Militärkapellen.
Kurz vor 10 Uhr fuhr der Kaiser in einem offenen Leibwagen im Schritt auf den Festplatz. Unweit des Schwarzenbergplatzes verließ er den Wagen und begrüßte zunächst den Erzherzog Franz Ferdinand und die übrigen Erzher^öge. Hierauf begab sich der Kaiser, während der Schubertbund das Gebet vor der Schlacht anstimmte, zum Denkmal, zu dessen Füßen er einen Lorbeerkranz niederlegte. Unter den Klängen der Volkshymne bestieg der Kaiser dann den Wagen zur Rückfahrt.
<Berid)t$faaL
(bsl Darmstadt, 16. Oft. Ein interessanter politischer Prozeß spielte sich heute vor der Strafkammer ab: Nach der Wahl zur Zweiten Hessischen Kammer im Kreise Wörrstadt (November 1911) erschien in der Liberalen Wochenschrift ein Artikel, der dem Bürgermeister Kreiß von Ober-Saulheim den Vorwurf machte, Wahlzettel, die den Namen Korell trugen, als solche mit dem Namen Wolf-Albig verlesen habe. Auch der Lanwvirt Karl Köster von Ober-Saulheim hatte in einer Erklärung den gleichen Vorwurf gegen Kreiß erhoben. Wegen diesen Vorwurf erhob sowohl das Kreisamt Oppenheim als auch der Bürgermeister Kreiß Klage wegen Verleumdung. Die Sache wurde zunächst vor bem Schöffengericht ausgetragen. Der verantwortliche Redakteur Kuhlmann der Lib. Wochenschrift wurde zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt, Köster aber sreigesprochen. Der Wahrheitsbeweis der Angeklagten wurde als nicht erbracht angesehen. In der heutigen Verhandlung vor der Sttaskammer kam es zu einer Verständigung. Kuhlmann gab die Erklärung ab, daß ihm die Absicht einer Beleidigung ferngelegen habe. Köster erklärte, auch ihm habe die Absicht einer Beleidigung ferngelegen. Kreiß gab sich mit diesen Erklärungen zufrieden. Kuhlmann erklärte sich bereit, die Gerichtskosten zu tragen.
vermischtes.
• Grubenunglück in Belgien. Aus Brüssel wird gemeldet: In S e r a i n g bei Lüttich wurden gestern in einer Grube sechs Bergleute verschüttet. Drei Leichen wurden geborgen.
* Der wiedergefundene P i ntur.i cchto! AusRorn wird gemeldet: Das mis der Pfarrkirche von Spell cnhoenbctc Bild Pinturicchios wurde in London in einem Koffer verpackt, wiedergefunden.
Märkte.
(] Marburg, 16. Oft Der Samstag-Wochemnarkt wird wegen der Jadrhundertstier bereits am Freitag abgebalten werden.
fc. Wiesbaden, 16. Oft. Heu- itnb Strotz markt. Angesahren waren 13 Wagen mit Hen und Stroh. Man notierte: Hen 6,00—7,20 Mk. Stroh (Nichtstroh) 5,00—5,20 Alk., Krumm- ftrob 0,00-0,00 Mk. - Fruchtmarkt. Hafer 16,80-17,20 Mk. Astes je 100 Kilo.
kirchliche Nachrichten
Evangelische Gemeinde.
Samstag, den 1 8. Oktober: Gottesdienst.
3n der Stabtfirdjc.
Vormittags 10 Uhr: Militär-Gemeinde: Festgottesdienst zur Erinnerung an die Befreiung Deutsch- lands vor 100 Jabren. Pfarrer Schwabe.
Wetteraussichten in Hessen <ür Samstag, den 17. Oft. 1913: Meist trüb und wolkig, stellenweise Niederschläge, mild, südwestliche bis westliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Schwerer Absturz des Luftschiffes L2.
Johannisthal. 17. ©ft. Das Luftschiff L 2 fiel nach dem Aufstieg aus 300 Meter Höhe über der Rudower Chaussee herunter. Sämtliche Insassen sind tot. Näheres ist noch nicht bekannt.
Berlin, 17. Oft. Das Marineluftschiff „L. II." explodierte heute vormittag um 10 Uhr kurz nach seinem Aufstieg vom Flugplätze Johannisthal in 300 Meter Höhe. Sämtliche Insassen sind tot. An Bord befanden sich außer der Fahr- besatzuug der Abnahme-Ausschuß unter Führung des Korvettenkapitäns B e h n i s ch vom Reichsmarineamt und als Vertreter der Zeppelinwerke Kapitän Ludewig. Die Unfallstelle liegt etwa 500 Meter westlich vom Flugplätze Johannisthal. Uebcr die Ursache des Unglückes ist noch nichts bekannt. Die Namen der Verunglückten werden alsbald veröfsentlicht werden.
Der weitere Verlauf der Weifensache.
Berlin, 17. Oft. Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Nachdem der Bundesrat den preußischen Antrag angenommen haben wird, werden Negierung und Landtag von Braunschweig die näheren Bestimmungen über die Thronbesteigung des Herzogs, insbesondere auch die Höhe der Zivilliste festzusetzen haben. Hierüber soll in einer geheimen Sitzung des Landtages verhandelt werden. Alsdann wird der Herzog von den Beschlüssen benachrichtigt und gebeten werden, Ort und Zeit zum Empfang einer ans Vertretern der Regierung und des Landtages von Braunschweig bestehenden Abordnung bezeichnen, die ihm das Ersuchen um Uebernahme der Regierung überbringen soll. Bald darauf wird der feierliche Einzug des Herzogs Ernst August und seiner Gemahlin in Braunschweig stattfinden.
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