Ausgabe 
17.2.1913 Erstes Blatt
 
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Gestern fand in der Universität wiederum eine Ver­sammlung muselmanischer Frauen statt Nach mehreren patrüttrschen Ansprachen wurden Sammlungen eröffnet Einige Frauen spendeten Schmuckgegcn- stände. Die Gattin des Ministers des Innern gab ihren ganzen Schmuck her. Die pattiotischcn .Kundgebungen in der Provinz dauern fort.

Reue Angriffe der Montenegriner.

Konstantinopel, 16. Febr Tas Pressebureau teilt mit: Am 14. Februar griffen die Montenegriner mit 16000 Mann und zahlreichen Kanonen die türkische Stellung auf dem Tarebosch und bei Berlitz« an. Tie Türken leisteten energischen Widerstand. Die Monteiregri- ner mußten sich unter Zurücklassung von sechs Kanonen und 3000 Verwundeten zurückziehen.

Ein türkischer Panzerkreuzer zum Sinken gebracht.

DieAgence Bulgare" meldet: Ter türkische Panze r- kreuzerAssar - i - Tewfi k", unter dessen Schutz der Versuch einer Landung türkischer Truppen bei Podima an der Küste des Schwarzen Meeres gemacht wurde, stieb auf eine von den Bulgaren gelegte Mine, erlitt ernsthafte .Havarien und scheiterte. Tie Minenlcgerabteilung und die Küstenbatterie zerstörten das Kriegsschiff vollständig und brachten es zum Sinken. Ein türkisches Transport schiff, das sich an der Lan­dung bei Scharkoej beteiligt hatte, ist samt der Bemannung von der bulgarischen Artillerie, zwei Kilometer südlich dieser Ortschaft in Grund gebohrt worden.

Englisches Eiugreiseu in Ärcta.

Athen, 16. Febr. (Agencc Alhsnei Wie aus Kanca gemeldet wird, begab sich der Kommandant deseng­lischen KriegsschiffesYarmouth", bevor er die Suda-Bay verließ, mit einer Kompagnie Seesoldaten an Land, ließ die Flaggen der Großmächte und die türkische Flagge unter militärischen Ehrenbezeugungen ein zieh en und die Flaggen nach den betreffenden Konsulaten und die türkische Flagge nach dem deutschen Konsulat 'bringen. Unmittelbar dar­nach wurde anstelle der türkischen Flagge die griechische gehißt. Ter Generalgouverneur von Kreta und eine zahl­reiche Menge begaben sich nach der Suda-Bay. Die Be­geisterung der Kreter ist unbeschreiblich.

Ein bulgarischer Gegenvorschlag für Rumänien.

Sofia, 16. Febr. Wie von zuständiger Seite ver­lautet, hat Tr. T a ne w dem rumänischen Delegierten Ghita den bulgarischen Gegenvorschlag überreicht, wel­cher zwar den rumänischen Forderungen nicht vollständig entspricht, aber doch einigermaßen entgeqen- kommt und überdies den Wunsch enthält, die Verhand­lungen zu beschleunigen, die somit fortgesetzt werden könnten. Tie Gegenäußerung Rumäniens wird jetzt er­wartet Sollte diese wider Erwarten Bulgariens un­lustig lauten, so gedenkt die bulgarische Regierung die Vermittlnny allerGroßmächte zur gütlichen Bei­legung der Streitfrage anzurufen.

DrcAgencc Roumaine" dementiert formell die Nachricht eines Berliner Blattes von einem Ultimatum ^Rumäniens. -

Diplomatenwechsel

Der bisherige preußische (Hesanbtc in Darmstadt, Freiherr v. I e n i s ch , der bereits für den Posten des kaiserlichen Botschafters in Rom bestimmt war, erkrankte Ende Januar an einem schweren .Herzleiden, das ihn nunmehr veranlaßte, seinen Abschied aus dem Reichs- und Staatsdienste zu erbitten. An seiner Stelle ist der bisherige Gesandte in Brüssel, v. F l o t o w, für den Bot- schafterpostcn in rliom ausersehen.

Der neue Botschafter Hans von Flotow wurde am 10. Sep­tember 1862 in Felsen tragen geboren, steht also im 51. Lebens­jahr. Er rvar 1892 als Regicrungsasscssor Hilfsarbeiter im Finanzministerium, trat 1893 zur diplomatischen Laufbahn über und kam als Zweiter Sekretär zur Botschaft nach Washington und von dort im September 1895 an die Gesandtschaft in Dresden, von wo er 1898 nach dem Haag versetzt wurde. Hier wurde er zum Legationsrat ernannt mrd erhielt April 1900 die Stellung eines Ersten Legattonssekretärs. Noch im Juli des- fetben Jahres wurde er der Gesandtschaft am pävstlichcn Stuhl in Rom zugcwiesen, in welcher Stellung er bis 1904 blieb. Er hat also vier Jahre als Diplomat in der italienischen Hauptstadt geweilt. Von Rom ging er als Erster Botschastssckrctär nach Varis und bat hier während der schwierigsten Periode des Marokkokonflitls in Abwesenheit des Fürsten Radolin die Bot­schaft wiederholt selbständig geleitet. Nachdem er 1907 den

in Maske und Spiel machte Herr Volck als Range. Frl. Gat s re y als zungentüchtigr Lotte ging tapfer ms Zeug: ebenso aner- kennenswett waren Fräulein de Bruhn als anmutige fltnb mäuligc Elfe nnd Fräulein Elly L h a l e als vorwitzig patzigcS Röschen. N.

Das Scheitern der Spitzbergen hilssexpedition.

Kristiania, 16. Februar. Die norwegische Hilfs­expedition out Spitzbergen, die die verunglückten Deutschen in der Wiidebav retten wollte, ist gescheitert. Tie Expedi- iion ist Dienstag nach Green Harbonr zurückgekehrt. Sie wurde durch liefen Schnee, scharfe Kälte von mehr als 40 Grad und anhaltenden Sturm gezwungen, umzukelwen. Nahrungs­mittel und Kleider witrbcn Jn der Dicksonbav hinterlaßen. Tie Leute haben viel gelitten. Sieben Hunde sind tot, zwei Schlitten zertrümmert Tie Norweger sind bereit, es nochmals zu ver­suchen. Es sehlt jedoch an Hnnden und Schlitten Wenn Hunde und Material nicht zeitig aus Norwegen eintreffen, bestehl nur geringe Aussicht, die Deutschen ja retten. Ter Eisfiord ist jetzt eisfrei, ein schnellgehendes Schiff wird wahrscheinlich Vordringen können

*

Die Vorbereitungen für eine neue Hilssexpedition für die Schröder- Strantz Expedition sind am Samstag in einer Be sprechuna in Frankfurt a. M wesentlich (? gefördert worden. DemBett. Lokalanz." zufolge sollen die Beratungeit heute nach­mittag in Bettin, wo inzwischen Geheimrat HcrgeseU ringe- troffen ist, fortgesetzt, eventuell zu Ende geführt werden. Cf ne namhafte Summe für die Zwecke einer neuen Hilssexpedition, die unter beutid>er Oberleitung steht, aber mit einem norwegischen Schiff ausgefühtt werden soll, ist vom Grafen Zeppelili gestiftet »vorden.

Kapitän Scotts letztes Lächeln Ter- Minc- nuttograph brachte den Londonern noch einmal den Polarforscher und seine Gefähtten in allen Tetails vor Augen, als er schon längst in jenem einsamen Zttt in Eis unb Schnee Dio Augen auf immer geschloffen hatte. Vor einigen Monaten fübric ein Lon­doner Theater die letzten Films vor, die der Photograph der Spedition mit nach Englano gebracht batte Diese Bilder geben dem Beschauer einen merkwürdig genauen Eiii'uick in das Leben der Forscher. Es roaren teuic grotzartigeu 3 atür «nen im ewigen Schnee, sondern eben mir das tägliche Lebe- nnd Treiben der

Domtelan Dr. Schäfer t-

Bamberg, 16. Febr. Ter Reichstagsabgeordnete Prälat Tr. Schädler ist vergangene Nacht um 12 Uhr gestorben.

Mit Franz Xaver' Schädler, der an den Folgen eines Schlaaanfallcs gestorben ist, verliert das Zentrum einen seiner besten Redner und die Zeutrumsfrak.ion des Deutschen Reichstages ihren zweiten Vorsitzenden Tr. Schädler ist im 62. Lebensjahre gestorben Er saß feit 1890 im Deut­schen Reichstage und bis vor kurzem auch in der bayrischen Kammer. Tas Zentrum in Bayern hat bekanntlich seinen aristolratisch-lonservaliven und seinen dcmokratisch-radi- falcn Flügel. Es läßt sich aber schwer entscheiden, ob der verstorbene Tomdeian Tr. Schädler zu der einen oder der andern Heercshälfte zu zählen war. Er war zu diplo­matisch, als daß er nur der einen Richtung hätte beige rechnet werden tonnen. Aber demagogisch wirkte er. TicKöln. .Ztg." erinnert daran, daß Tr. Schädler 1902 in Mannheim sagte:Manner der Arbett! Wo findet man wirkliche Hilfe? Vielleicht heim modernen Staat? Ter hat nur Kanonen und Steucrzettel!" Bon ihm stammt auch das vielgebrauchte Wort: von derkochenden Volksseele", hie am Ueberschäumen sei.

Franz Sckaebler, Tr. jur. can., wurde am 5. Dezember 1852 in Oggersheim sB.-A. Ludwigshafen o. Rh.1 als her Sohn eines Polizei lommissars geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Speher, oblag seinen Ilniversitätsstudien in Würzburg und Innsbruck und trat sodann in das Klerikalseminar Speyer ein. Bald daran! bezog er auf Wunsch ferner Vorgesetzten und Lehrer die päpstliche Universität in Rom. Am 22. August 1875 wurde er zum Priester geweiht. In der Seelsorge war Dr. Schaedler sieben Jahre tätig und zwar als Kaplan in Kaiserslautern.und an der Anima in Rom (zwei Jahre», sowie als Pfarrer in Wals­heim. Da brachte dos Jahr 1882 einen Wendepunkt in seinem Leben: er wurde zum Religionslehrcr am Königs. Gymnasium Landau (Pfalz) ernannt. Als er 1882 RcligionsProfessor wurde, ward der junge Politiker mehr und mehr ins politische geben hiueingczogeu. Eichstätt, die alte Bischofsstadt, schickte 1890 Schädler in den Reichstag, danach brr Wahlkreis Ingolstadt in den bayerischen Landtag. Seit 1899 blieben ihm die Wähler Bam­bergs treu, das ihm dann auch später als Domkapitular und Tomdekan zur zweiten Heimat gcroorben ist.

Prefseftimmen.

Berlin, 17. Febr. (Eig. Drahtbericht.) DasBer­liner Tageblatt" schreibt:

Mit Tr. Schäbler ist einer ber Führer des demokratischen Flügels des Zentrums dahingcgaugen, ber wegen seines lau ter en Charakters auch bei seinen Gegnern volle Achtung ge­noß. Der Wahlkreis Bamberg, ber eine sichere Domäne des Zentrums ist, stehl vor einer Rcichstagsneuwahl.

Berliner L o k a l a n z e i g c r":

In dem Parlament, wie in Zeutrumsversammlung erwies sich der Löwe aus Kur Pfalz mit feinem lauten Organ und ber durch Psläzer Laune und Lebhaftigkeit gehobenen Redetveise als hervorragenbe Kraft. Für das 3 ent rum bedeutet Schöbt ers Tod einen schweren Verlust. Auch seine Gegner, deren er viele hatte, werden ihm den Tribut der Achttmg nicht versagen.

Berliner M o r g c n p o st":

Dr. Schädler verband volkstümliche Derbheit nrit einer höchst ansehnlichen Dosis diplomatischer Begabung. Er galt wohl nicht mit unrecht als einer derHaupturheber des langjährigen schwarz- roten Bündnisses zwischen Zentrum und Sozialbcmokratie in Bayern. Ein starker demokratischer Einschlag war bei dem Bamberger Tomprobst nicht zu verkennen. Persönlich war ber

tapferen Männer, weit von jedem Leben und doch glücklich in ihrer Kameradschaft. Man sah sie in den Zelten und außer­halb, wie sie die hundert kleinen Nöte bewältigten, dem Tode Trotz boten und doch ben Mut zum Scherzen nicht verloren. Man sah sie um den kleinen Ofen während die Suppe kochte, und man sah, wie es ihnen schmeckte. Dann tarnen die Pseifen an die Reihe, ein letztes Rauchwölkchen, ein letztes Wort, dann krochen sie in die dicken Schlafsäcke, wie große Raupen und nah beieinander. Damit soviel wie möglich von der kostbaren Därme erhalten bliebe. Dann ilinrmertc der Film plötzlich aus und alles war dunkel. Und die Zuschauer saßen ganz still und starrten ans den leeren Lichtschein. Viele wußten, das Scotts Gattin und Mutter unter ben Zuschauern waren und dies Kapitel aus dem Leben bes fernen Mannes mit ansahen. Viele fühlten cS auch rin klein wenig als Kränkung, baß Amundsen zuerst den Pol erreicht hatte. Einem oder dem anbern aber blieb nur ein Eindruck: Sootts energisches, lachendes Gesicht, das aus dem hell erleuchteten Film lebensvoll ein letzt esmal anftauchte wie es schien, hatte ber Kamerad an seiner Seite einen Scherz gemacht dann ein Riedettanchen, ein paar Bewegungen, die ihn im Pelz des Schlaffackes verschwinden ließen, dann die Nacht.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter ber Filchnerschen Südpolar expedition Dr. Barko, Dr. Brenn ecke, Dr. v. Goebel, Dr. Heim, sowie bet erste Offizier Lorenzen, der zweite Offizier Müller itnD ber Chefingenieur Hemccl vom ExpttrilionsfchiffTcutschtanb" sinb mit dem heute morgen von Buenos Aires angelommcncn DampferCap Vilano" in bester Gesundheit zurückgekehrt. Zum Empfang hatten sich Ver­treter der Seewatte und der Geographiscfen Gesellschaft ringe» ftmden. Heute abend finbet eine Zusammenkunft der Fahrttnl- nehmer statt, der auch $ er tretet ber Secwartc und ber Geo­graphischen Gesellschaft beiuwkmen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- 'chatt. In Wz en starb am 13. d. Mts. ber Chirurg, a. o. Professor an ber Universität unb Vorstand ber 2. chirurgischen Abtküung bes füllgemeinen Krankenhauses Primararzt Tr. mcb. Rubolt Frank im 51. Lebensjahr. Ein Röntgenkursus für auswärtige praktisch: A.wzle wirb rwm 3. bis 11. März d. I. an ber ,K einer Akabeinic für praktische Aerzte abgebaltcn werben. Folgende Vorttöge unb Demoustrai'oncu sind nmichinbiqi

Titel unb Rang eines außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigten Ministers erhalten hatte, wurde er Ende des genannten Jahres unter Ernennung zum Wirklichen Legattonsrat als Vor­tragender Rat ins Auswärtige Amt versetzt Ende 1910 wurde er zum Gesandten in Brüssel ernannt. Herr von Flotow ift ein Nachkomme des berühmten Komponisten.

Ter ans dem Staatsdienst fthetoenbe preußische Gefandte m Darmstadt Freiherr Martin v. Rücker-Jeuifch ist erst 51 -^ttbre alt Seine schnelle und jetzt so plötzlich beendete Karriere verdankt er seinem Bettet und intimen Freunde, dem Fürsten Bülow. Sein Batet, ber frühere hanseatische Ministerresident in Loitdon und Hamburger Senator wat ein Bruder der Mutter des Fürsten. Herr v Jenisch, der übrigens ouck ein Kotpsbruder des .Kuriers ist, trat nach kurzer Tätigkeit im Justizministerium in den -lienit des Auswärtigen Amtes über und mürbe 1886 Attache bet ber Botschaft in Washington Er war bann Botschaftssekretär in Wien, Buenos -V.C s unb London. 1897 wurde er Botschaftsrat und war in dieser Gigern drnft vier Jahre lang in Brüssel tätig, von wo er 1901 als Vortragender Rat in die politische Abteilung des AusN-öttigen Amtes berufen wurde. Im Iahte 1902 erhielt er Titel und Rang eines Gesandten und kam als General kom'ul nach Kairo. Kurz bevor er 1906 als preußischer Gesandter nach Tarmstadt Versetzt irurhe, verlieh ihm der Kaiser den 'JIM, und als Besitzer des Familienfideikommisses Martm-Jemfck- Blumcnbors-Frcfenbüren die Freiherrnwürde. Ten Namen Jenifch hat er von der Familie feiner Mutter, nach dem Ausslrrben des Maui.esstammcs bei Famüre Ionisch übernommen. Er ist anch Bi sitzet des ausgebchnleu Jcnischschen Familtentideikommrsscs unb feit 1905 mit seiner Cousine Gräfin Thyra Grote vermählt.

Kölnern unb ben Berlinern ergriff

chödler nidjf

.ausgriprmbct Partei. 'eine Smnvatbi.- möge aber wobl fa> zuletzt auf Seiten bet Kölner gestanden haben.

Au» Statt und Cand»

Gießen, 17. Februar 1913.

Gießener Fachwcrkbautcu.

$ro'

Bamberger Domprobst bei allen Patteien beliebt und auch dir schärfsten Gegner feiner Weltanschauung gebenden an ber Bahre des Heimgegangenen mit Sympathie seiner menschlichen Vorztzge.

T c u t s ch e Tageszeitung:

Im bayerischen Zentrum spielte Dr. Sck^dler neben Pichler unb Drterer eine Hauvttolle unb vermittelte öfters zwischen diesen unb Tr. Heim. In bent Ri cht»n»s ftr eit zwischen ber

IHoöeros Rücktritt.

Tie Geschichte Mexikos ist seit der (Srintbung des Frei« staates "bis zur Uebernuhmc der 'Präfidentfcüaft durch Vor- firio Tiaz eine Geschichte von Aufstäudeu unb Unruhen gewesen Auch Ttaz hat bekanntlich einen Vorgänger q stürzt, als er 1877 sich zum Präsidenten wählen ließ. Ab er war wirklich ein Berufener für dieses Amt, und als

von 1880 bis 1884 in Gonzales einen bestechlichen Nachfolge 'rbielt, band die Nation von da an ihren Tiaz auf ben Präsibentenstutzl fest unb fuhr unter feiner harten Hand unb seinem ehrlichen Sinn wohl dabei. Immer seltener wurden die Ausstände, die früher zu ben nationalen Einrichtungen Mexikos gehört hatten, und das war, wenn bic Tätigkeit Potfirio Diaz' abgeschätzt worden soll, fch'icßlich der Haupt, fegen brr Herrschaft, die er auf dem Präsidentenstuhl Mexi­kos ausubte. Mit Madern aber, der ibn nutet kluger Benutzung feiner Fehler im Mai 1911 endlich verdrängte, fotzte wieder eine sehr blutige Revolution ein, bic im Novem­ber 1910 begann unb dem Lande durch die Zerstörung so vieler Anlagen großen Schaden zufugtc. Noch nicht ein Jahr lang hat Madero die Macht innegehabt, und eine Revolution Hal auch ihn schon verschlungen.. Madero muß man das Urteil schreiben, daß er feine vornehmsten Absichten nicht nur verleugnet, sondern selber durchkreuzt hat. Die Fäden, die von seinem Präsidentensitz zu den Trusts der Vereinigten Staaten hinüberreichen, liegen ziemlich zutage und flogen ihn an

Mexiko, 15. Fobr. Nach einer heurigen Sitzung des Senats Hal sich die Mehrzahl der Senatoren in ben Nattonalpalast begeben, um die Abdankung Ma­tz e r o s zu verlangen.

De La Barra begab sich heute morgen in Begleitung des Befehlshabers der Bunbostruppen, dos iörigabegcueral« F. Angeles, zu Made ros und erhielt nach einer Be­sprechung mit ihm die Erlaubnis, mit Tiaz über einen Wassenftill st and und über die Ernennung eines Aus­schusses aus Mitgliedern beider Parteien zu konforierenW ber die Regelung der Sage erwägen soll. Darauf begeh sich dieser zu den Stellungen der Jnsurgouten und drang in Tiaz, er möge im Hinblick auf die drohende Einmischung des Auslandes auf einen Waffenstillstand eingehen. Tiaz erklärte sich hierzu bereit, aber zur Veriwndlung über den Friedens sch luß nur dann, wenn vorher Madero unb Vize- präfibenl Suarcz sowie das ganze Kabinett ab geboult hätten.

Mexiko, 16. Febr. Heute morgen um 2 Uhr ist ein Waffen still st and auf 24 Stunden abgeschlossen worden

Ob Madero nun abgctzcmkt hat, ist unsicher.

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Der Besitzer des Hauses Sonnniftraftr 6, Herr Jcan Weisel, ließ 1906 ben Putz an ber Straßenseite seines Hansis aus-> bcffcrn. Hierbei zeigte sich, baß unter dem Putz sehr schönes alte» Facknwrk vorhanden war. Im Hose aber fand man offene Galerie» in brei Geschöffcn übereinander, die beiden oberen Geschoffe waren zugemauert. Das Haus entstammt dem Jahre 1609 Aul An­regung des Denkmalpflegers entschloß sich ber Besitzer, das Fach­werk an der Straßenseite unb an der freistehenden Giebelseitc seines Hauses freizulegen und schließlich auch die am Hofe gelegenen Galerien wieder zu öffnen. Die örtliche Bauaufsicht lag in ben Hänben bes Regierungsbaumeisters Kuhlmann. Das Fachwerk an ber Straßenseite ist charakteristisch für seine Zeit, es zeigt au Eck- unb Buntzvfosten benwilden Mann" mit langen Fuß- streben und mit Kopfknaggen. Die Pfosten sind sehr stark, bi'' Eck­pfosten haben fast 10 Zentimeter im Querschnitt. Die alle stäbtisckien Fachwerkhäuser im Gegensatz zum Durchschnitt ber ländlichen Gebäude weist auch dieses Haus reiche Schnitze­reien, besonders an ben Eckpfosten und an bett kräftig in Er- sckteinung tretenben Balkenlagen auf. Unb ebenfalls im Gegen- fatz zu beit ländlichen Bauten hat es zweifellos einst bunten Farbenschmuck besessen. Leiber hat man in früherer Zeit ein-, mal bas Fachwerk verändert badurch, baß man bic Fenster ver­größerte unb zu btefem Zweck bic Fensterbrüstungsriegcl tiefer setzte unb einige Zwisckcnvfosten verschob. Das Fachwerk besitz» baher nicht mehr ben schonen gleichmäßigen Rhythmus, den es in ursprünglicher Form gehabt haben muß. Eine sehr große An­zahl von Fachwerkhäusern ist in Gießen noch vorhanden, ganze Straßenzüge weisen saft uirunterbrodiene Reihen von Holzhäusern auf, bereu Fachwerk lriber noch unter bickeu Putzschichten ver-- borgen liegt. Welch schöne ©trafenbilber würben »ich ergeben, wenn auch in Gießen, wie sonst allenthalben im Lande, ein Haus nach dem anbern allmählich frrigdegt würbe? Freilich ift Lor- sichr am Platze, (s? gibt Fachwerke, die bereits derartig bei* änbert sind, baß das Freilegen keine Verschönerung bebrütet würbe. Ter H o f des Deiselschcn Hauses aber ist für Gieß« einzig in feiner Art. Die offenen Laubengänge erinnern an bic schönsten Höfe Alt-Frankfurts, Nürnbergs unb anderer Städte. Kräftige, geschweifte Stützen mit weit ausgreifen den Kovsbänban tragen bic oberen Balkenlagen unb teilen zweimal die langge­streckten (Kelänbcr, bic ans bichtstehenben, gcbrehten Stäben ge Lilbct sind. Daß wir im Erdgeschoß eine Zweiteilung, in den oberen Geschossen aber eine Dreiteilung sehen, mag seinen Grund ö praktischen Erwägungen haben: man wollte wo bl unten im Hol möglichst nrenig Pfosten haben. Es ist dies aber auch für bic ästhetische Wirkung nur günstig: aklzugroße Gleichförmigkeit ist badurcd vcrmicben. Wenn die Sonne in den Hof fällt und ben Laubengängcn Lickt unb Schotten gibt, haben wir ein altertüm­liches Bild von höchstem Reiz.

** Tageskalender für Montag, 17. Febr. Konzert­verein. Jn ber Stabkirche: M i8 8a eolemnis. Abends7Uhr.

Titclverleihung. Der Groß Herzog hat dem Anitsrichtcr bei dem Amtsgericht Lorsch Adolf Plagge den Eharakter al? dlmisgerichtSrat" erteilt.

Lehrerperfonalien. Nachträglich in den Ruhe­stand versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Darm­stadt Otto Kreuz wegen gehörter Gesundheit, unter Zurück­nahme seiner Entlastung aus dem Schuldienste.

**Jn den Ruhestand versetzt wurde der Kanzlei- diener bei dem Landgericht der Provinz Cbethrffcn Ern» Kliffmüller, zurzeit in Darmstadt, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung feiner langjährigen Dienste.

** Der 75. Kreisturntag des Miltelrheinkrci- ses wurde gestern in ber Turnhalle ber Bockcnheimer Turn gemtinbe abgcbalten. Ihm ging am vorher gebe nbcn Tage eine Sitzung bes Kreisausschusses voraus. Er bewilligte ben Tarn vereinen zu Ccelback, Rheinböllen, Sttaßebersbach, :)icfbain lOtt Glabback Unterstützungen zu ihren Turnhatlehauten und 100 Sn

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