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10.9.1913 Erstes Blatt
 
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Ur. 212 Erstes Blatt 163. Jahrgang Mittwoch, P. September 1913

Sittzener Anzeiger

iV Wy politischen Teil: August

BLS General-Anzeiger sür Oberhessen MM

Annahme von Anzeigen Hotationsörud und Verlag der vrühl'fchen Univ. Such- unö Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe Sanb": E.Heß: Mr bcn bis Xüt?ag Sefchästspelle Büdingen, vahnhofflraye |6a. Anzeigenteil: H. Beck.

Das neue Weltwunder.

Der P an amakan al, der von Colon auf der Atlan­tischen Seite die Landenge in südöstlicher Richtung durch­schneidet, um auf der Pazifischen Seite bei Panama zu enden, und der in einer Länge von 80 Kilometer den Atlantischen mit dem Stillen Ozean verbindet, soll am 1. Januar 1915 offiziell für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden, doch wird er ganz erheblich früher, vielleicht schon in kurzer Zeit, für die Durchfahrt kleinerer Schiffe freigegeben werden. Da­mit wird ein Werk vollendet, das den Wundern der alten Welt getrost an die Seite gestellt und seiner technischen wie seiner wirtschaftlichen Bedeutung nach mit an erster Stelle unter den neuen Weltwundern aufgezählt werden darf.

Die wechselvollc, an tragischen Zwischenfällen reiche Ge­schichte des Panamakanals, umfaßt mehr als drei Jahrzehnte. Im Jahre 1880 beschloß die vom Erbauer des Suezkanals, dem Grafen Ferdinand L e s s e p s, gegründete französische Gesellschaft, den Panamakanal zu bauen. Im Jahre 1882 begann der Kanalbau, und am 5. Februar 1889 besiegelte das Urteil' des Pariser Zivilgerichtes, das die Auflösung der Ge­sellschaft aussprach, den nahezu beispiellos dastehenden Zu­sammenbruch der Gesellschaft, die mit einer Schuldenlast von 2i Milliarden Franks liquidieren mußte, und von der nichts übrig blieb, als das geflügelt gewordene Wort vom Panamaskandal, eine größere Anzahl Maschinen und die nicht allzu weit fortgeführten Vorarbeiten zu dem Werke. Nummer 2 und 3 wurden 1894 von der Compagnie Nou- velle du Canal de Panama übernommen, hauptsächlich um dem Erlöschen der Konzession vorzubeugen.

Im Jahre 1902 erwarben dann die Vereinigten Staaten von Amerika in Erkenntnis der ungeheuren wirtschaftlichen und politischen Bedeutung dieses Kanals sämtliche Rechte und Konzessionen der Gesellschaft für 40 Millionen Dollars, und daran schloß sich im folgenben Jahre der Gewaltstreich gegen die Republik Columbia, die dem Kanalbau Schwierigkeiten bereitet hatte. Ma.n arran­gierte eine Revolution in Panama, das sich selbständig machte, und dann wurde ein Vertrag dahingehend abge­schlossen, daß die Union gegen eine Zahlung von 20 Millio­nen Dollars das unbeschrankte Besitz- und Souveränitäts- rccht über die Kanalzone erhielt, doch mußte sie sich frei­lich dazu verpflichten, daß der Kanal neutral und allen Völkern zu den gleichen Bedingungen geöffnet sein solle. Schon vorher hatten die Amerikaner das zweite Hindernis in Gestalt des im Jahre 1850 mit England abgeschlossenen Clayton-Bulwer-Vertrages aus dem Wege geräumt, der jede Kanalverbindung zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean der gegenseitigen Kontrolle der beiden Staaten unterwarf und' deren Befestigung untersagte. Die Amerikaner benutzten die ungünstige Lage Englands zur Zeit des Burenkrieges, um sie zur Unterzeichnung des Hay- Pauncefote-Vertrages vom 18. November 1901 zwingen, der nur noch die beiden Beschränkungen enthielt, den Kanal nicht stärker zu befestigen, als aus polizeilichen Gründen notwendig wäre, sowie keinen Unterschied in der Behand­lung der Schiffe zu machen. Heber die erstere Bestimmung haben die Amerikaner sich gan-z ungeniert hrnweggesetzt und über die zweite in etwas genierterer Form durch eine Begünstigung der amerikanischen Küstenschiffahrt, liebet die Proteste John Bulls, die papierene geblieben sind, ging Uncle Sam mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit zur Tagesordnung über.

Der am 26 Juni 1908 vom Kongreß der Vereinigten Staaten beschlossene Kanalbau ist verhältnismäßig schnell und glatt fort- und durchgeführt worden. Wie wett sich

freilich die aus Rücksicht auf die schnellere Fertigstellung des Kanals gewählte Form des Schleusenbaues in bei Praxis bewähren wird, bleibt abzuwarten. Daß man in der Union selbst in dieser Beziehung nicht ganz ohne Besorg­nisse ist, geht daraus hervor, daß man sich für alle Falle auch die ursprüngliche Konkurrenzlinie, die Mkaragualinie, gesichert hat.

Die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung des Panamakanals leuchtet ohne weiteres ein. An die Stelle des langwierigen und teuren Eisenbahntransports, auf den man zwischen View York und. San Francisco 23 Tage für Frachtgüter rechnet, wird der billigere und schnellere Schiffstransport treten. Wird dL'ch die Entfernung von New York nach San Francisco von 13 615 auf 5292, die von New Yorl nach Valparaiso von 8339 auf 4630 See­meilen verkürzt. Ter Weg von New York nach Schanghai, der bisher durch den Suezkanal geht, wird durch den Panamakanal von 12 589 auf 10994, der nach Yokohama von 13 337 auf 10 005, der nach Sidney von 14 568 auf 10146 gekürzt. Der größte Teil von China, Ja­pan und Australien und vor allem natürlich die Westküste Südamerikas wird also der Union näher gerückt und ihre Konkurrenzmöglichkeit gegenüber den europäischen Staaten, wobei in erster Reihe England und Deutschland in Betracht kommen, erheblich verstärkt, denn für Jamburg und Bre­men bringt der Panamakanal lediglich eine Erleichterung des Verkehrs nach den westamerikanischen Häfen.

Zu der wirtschaftlichen Bedeutung tritt für die Union noch die strategische, denn ter Seeweg der Kriegsflotte von der Atlantischen zur Pazifischen Küste, der bisher vier Monate in Anspruch nahm, wird auf weniger als ein Viertel ver­kürzt und dadurch die Stellung der Union im Stillen Ozean, also Japan gegenüber wesentlich verbessert. Es ist freilich klar, daß sich damit auch die Reibungsmöglichkeiten erhöhen und sich einigermaßen unbegrenzte Möglichkeiten für neue militärische Rüstungen eröffnen.

Die Verhandlungen in Konftantinopel.

Konstantinopel, 9. Sept. Den bulgarischen Dele­gierten ist auf ihre Schritte wegen der Vorkommnisse in- müldschina von türkischer Seite erwidert worden, daß die Pforte nichts von diesen Ereignissen wisse. Auf Be­fragen erklärten die bulgarischen Delegierten nach der ersten Sitzung, sie glaubten bei den Türken den guten Willen zu bemerken. Das Preßbureau untersagte der lokalen Presse, über die Ereignisse andere als amtliche Darstellungen zu veröffentlichen. In den letzten Tagen machte sich in der türkischen Presse eine Polemik gegen die Bul­garen bemerkbar.

K o n st a n t i n o p e l, 9. Sept, lieber die gestrige Sit­zung der türkisch-bulgarischen Konferenz wird noch bekannt, daß die Verhandlungen einen allgemeinen Charakter tragen. Die türkischen Delegierten machten keine Vorschläge bezüg­lich der Grenzlinie und stellten feine Anträge zu der Natio­nalitätenfrage. Die bulgarischen Delegierten verlangten eine bestimmte Stellungnahme zu dieser Frage. Sie erwarten schriftliche Vorschläge. Die Versammlung beschloß, z u n ä ch st priva tc Sitzungen abzuhalten ohne Hinzuziehung von Beiräten und Sekretären und ohne Abfassung von Protokol­len. Heute abend findet in dem Hotel, in dem die bulgarischen Delegierten wohnen, eine private Zusammenkunft der Dele­gierten statt.

Das blutige Bciramfest.

Auf dem Umwege über Sofia werden nunmehr genau­ere Einzelheiten über den Mutigen Zwischenfall während des Beiramfestes in Adrianopel gemeldet. Sie zeigen, welche

tiefgehende Meinungsverschiedenheiten trotz äußerlich eini­gem Vorgehen zwischen alt- und jungtürkischen Offizieren noch immer bestehen. .....

Am ersten Beircmttagc befanden sich der Kriegsminister, Ge- ncralissimus Izzet-Pascha, die Generale Hurschit- und Abuk- Pascha, dann der Mali Hadschi Agil und andere in einem ^aale des Konaks, um die Beirainwünsche des Osfizierkorps und der städtischen Notabcln entgegenzunehrnen. Auch Enver-Bei er­schien und gratulierte allen mit Ausnahme des Generals Ab uk-Pascha. Hurschit-Pascha versuchte die beiden Gegner unter Hinweis auf die religiösen Vorschriften des Beiramsestes zu versöhnen und führte Enver-Bei zu Abuk Pascha. Ta Enver- Bei sich sträubte, rief Abuk-Pascha das türkische Schimpfwort: Laß diesen .Purscht! Von einem Verbrecher brnuebe ich keinen Glückwunsch!" Enver antwortete in ähnlichem Tone mit dem Schimpfwortc:Pesaweng!", worauf Muk-Pascha wütend aufsprang und seinen Revolver auf Enver-Bei ab feu­erte, der am Arm verwundet wurde. Ter Vorfall wurde lofort nach Konstantinopel telegraphiert, worauf die Regierung befahl, dem Abuk-Pascha den Säbel abzufordern und ihn zu verhaften. Als die Offiziere der Komiteepartei zur Ausführung des Befehls bei Abuk erschienen, widersetzten sich die Offiziere seiner Division dieser Verhaftung. Es entspann sich em wü­tender Kamps mit Säbeln und Revolvern, wobei fünf Offiziere getötet und gegen 20 verwundet wurden.

Ob es schließlich gelungen ist, den Todfeind Enver-Beis, den General Abuk zu verhaften, ist noch nicht bekannt..

Die Entscheidung über die Südostgrenzc Albaniens.

Rom, 9. Sept. DieAgenzia Stcfani" meldet aus Athen: Gestern abend haben die Vertreter der Groß- Mächte der griechischen Regierung eine Kollektiv noN überreicht, in der die E n t s ch e i d u n g e n der Londoner Boi- schaftervereinigung über die Südost grenze Albaniens I enthalten sind.__________________________

Ausland.

Der amerikanische Senats nahm die Tarifvorlage mit 44 gegen 37 Stimmen nach Abweisung aller Zusatzanträge an. Der Republikaner Lafollctte und der Progressist Poindextcr stimmten dafür, die Demokraten Ransdell und Thornion dagegen.______________________________

Das Marinclustschiff£ f verunglückt.

Helgo land, 9. Sept. Das M a r i n c l u f t f ch i f f L 1" traf unter Führung des Kapitänleutnants 6 an ne be strömendem Regen vor Helgoland ein, überflog die Insel in langsamer Fahrt und begab sich bann in See, um mit der Hochseeflotte Aufklärungsmanöver auszuführen.

Da s Marineluftschiff ist bann abenbs ge­gen 7 Uhr, 18 Seemeilen von Helgoland, ver­unglückt. Von der Besatzung sind, soweit be­kannt, 6Personen gerettet. Das Luftschiff i st gesunken. Es hatte den Tag über ruhiges Wetter gehabt, gegen Abend setzte aber ein orkanartiger Sturm mit Regen ein.

Wie das Marine-Luftschiff-Kommando erfährt, sind fol­gende Personen gerettet worden: Oberleutnant Wendt und Grimm, Obermaschinistenmaate Lehmann und S ch ö n w e l d e r, die Funkenmaate Spieleru.Hell- g e m e i e r, der Name der siebenten geretteten Person ist noch nicht abgegeben worden.

Sobald das Unglück desL 1" bemerkt wurde, eilten Torpedoboote zur Unglücksstelle. An Bord des Luftschiffes L 1" befanden sich Korvettenkapitän Metzing, Komman­deur der Marine-Luftschiff-Abteilung, Kapitänleutnant Hanne, der Führer des Luftschiffes, ferner die Oberleutnants zur See Wendt, Freiherr von Maltzahn, Grimm, Ingenieur Wehner, Obermaschinist Lehmann, Steuermann Zimmer­mann, Obersignalmaat Kischner, Bootsmaate Bansmer,

Der Wettbewerb

um die deutsche Botschaft in Washington.

Aus Berlin wird unS geidiricben: Um einen Neubau der h S en Botschaft in Washington war ein Wett­bewerb ausgeschrieben worden, dessen Einfälle jefct im Ber­liner A rchite kt c n h a u s c zu sehen sind. Auch ohne die Namen dec^ einzelnen Bewerber zu kennen, ist testzustellen, daß sich eine aanze Reihe ausgezeichneter Bautünstler an diesem Ausschreiben Wigt hat. Im Gegensatz zuden meisten derartigen Konttir- ren-en ist das Gesamtniveau der emyclautenen Arbeiten rech rtnG&iS Es zeigt sich hier ein Architektennachweis, der höchst

« MateUen zur Bewältigung einer solchen monuincntalcn ^^^ntatwen Aufgabe mitbringt. Es werden eine ganze Menge Är interessanter und gualitätvoller Lösungen dargebotcn wie wir sie an derlei Staatsbauten nicht gewohnt sind.

Die Petersburger Botschaft des Peter Behrens c rttfem die Architeklurcn Schinkels waren die Vorbilder, di^dft meisten der Bewerber in hohem Mäße beeinflußten Wenn s» n,!ch wirklich originelle Leistungen nicht eingegangen sind, so M ?nr Bannkreis dieser Architekturen manches sein durch- emhhmbcnc und manches großzügig angelegte Werk entstanden Am ^Preisgericht scheint allerdings diese Großzügigkeit unerwünscht I sein Es ging bei der Beurteilung an allen Bauten, tzie^ninnumental und in einem höheren Sinne repräsentativ angelegt war^n vorbei und verteilte die Preise scheinbar mit Absicht an KSrturen die im Sinne kleiner französischer Lchlotzchen aus- ^einacht waren Womit bei diesem Wettbewerb recht eigentlich die Wttder ?ekönt und die Preise konventionellen Darstellungen mürben Der Möhringsche Entwurf, aus den so

Breis fiel, hat unstreitig Vorzüge b£ Grundrisses die aber iV nirh miftenhin in Architektur umgesStzt worden sind. Diese "rSifpftnr ift im Stil das, was unsere Reglerungsbaumeister preußisches Barock zu neunen pflegen. Und die Mietshausfassade, mit der ein Seitengebäude sich heraus,treckt, macht die,e» aus- >aefrischte Barock nicht gefälliger. Franz -L b b r i o t Aranksurt), der den 2 Dreis davontrug, hat nach altbewährtem Rezept zwei Seitenflügel und einen halbrunden Mitteltrakt hervorgezogen und bk e« Schema mit entsprechenden Räumlichkeiten auszumllen Per= futfrt Wobei der Thronsaal eine Kreissvrm erhielt, an der, wie man sieht, die Preisrichter schon herumkorrigiett haben Das Dül fers ch e Proiekt (3. Preis ist aus dem heute üblichen Waren­haus wv entwickelt, was für ein Botschafterpalais vielleicht doch nicht ganz der richtige Ausgangspunkt märe. Feiner und formal

sehr viel reizvoller bietet sich der mit dem 4. Preis gekrönte Ent­wurf von Engler und Scheibner dar, der altpreußische Tradition immerhin lebendig zu machen wußte. Qualitäten dieser Art in gleichem, wohl gar in noch höherem Maße gibt es unter den nicht ausgezeichneten Arbeiten in Menge und es ist sehr zu hoffen, daß das Auswärtige Amt, das in Petersburg den Mut zu einem Behrens gefunden hat, sich nicht dem Votum dieses Ausschreibens fügt sondern sich auf die Seite der deutschen Architektenschast schlägt, die hier einen recht hohen Grad von Leistungsfähigkeit bewiesen hat und gerechterweise beanspruchen darf, daß dieses vor­handene Können in Amerika durch einen wahrhaft monumentalen Bau repräsentiert werde. Daß der Behrenssche Bau in Rußland eine lebhafte Aussprache entfesselt chat, war wohl kein Schade: sehr viel schlimmer wäre es doch gewesen, wenn der deutsche Bot­schafter ein Palais erhalten hätte, an dem alle Welt achtlos oorüber- geht. Es ist anzunehmen, daß die maßgebenden Stellen, die sich sür jenen Bau entschieden haben, auch in Washington einen Botschafts­bau errichten lassen werden, der den Amerikanern zeigt,, daß man an der neuen deutschen Architektur nicht mehr achtlos vorüber­gehen Tann. Paul Westheim.

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Die heimischen Pflanzen im Bild. Aus Frank­furt a. M., 9. September, wird uns geschrieben: Was die Flora des Main- und Mittelrheintals und des Vortaunuslandes an Ku l tur- und wildwachsenden Pflanzen bietet, das trug in einem langen Leben die vor fünfzehn Jahren ver­storbene Blumenmalerin Elisabeth Schultz auf 1 260 pracht­vollen naturgetreuen Bildern in Gouachefarben zusammen. Tie Sammlung ist gegenwärtig zum erstenmal vollständig in dem Senckenbergmuseum ausgestellt. Neben dieser Prachtschau hat die Verwaltung noch zahlreiche andere Pflanzenbilder, vom 17. Jahr­hundert beginnend, der Oeffentlichkeit zugängig gemacht. Tie älteste Sammlung stammt von Marie Sibylle Merian (1647 1717).

Der neue Schlager des Lustspielhauses. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die harmlosen Nichttgkeiten, durch die das L u st s p i e l h a u s für das so wenig anspruchsvolle Ver­gnügen des Großstadtpublikums sorgt, sind um eine neue ver­mehrt worden: Der Turfschwank777:10" von O t-t o Schwartz und Earl Mathern nimmt es an Banalität und Flauheit der Mache mit allem auf, was vomHusarensieber" bis zuMajolika" uns in diesem ,,Musentempel" geboten worden ist. Wenn man verrät, daß in diesemTotospiel", in dem aber von Rennen wenig vorkommt, ein englischer Spion als gefährlichste Waffe der deut­schen Invasion Insektenpulver sich zu verschaffen weiß, daß zwei adlige Habenichtse um das Töchterlein eines reichen geadelten

jüdischen Kommerzienrates ein Hindernisrennen reiten und der brave ehrliche Prokurist der kommerzienrätlichen Firma als schneidiger Jockey den Preis davonträgt, daß der Held und gute Engel des ganzen Stückes, der Tausendsassa, der allen aus der Patsche hilft, der Lehrling Sally Tavidsohn, eine Glorifizierung aller semitischen Rasseneigenschaften darstellt, so hat man alles gesagt, was an diesem Schwank bemerkenswert ist. Natürlich ent­fesselten die beiden Hauptrollen, Prinzipal und Lehrling, von den Herren Richard Georg und Franz Arnold vortrefflich dargestellt, großes Gelächter, und es gab einen jener Erfolge, die sich nur in Kassenrapporten und Aufführungszifsern ausdrücken lassen.

Wettbewerb im Bilde. Aus Auerbach a. d. Bergstr., 9. Sept-, wird uns geschrieben: Der Verkehrs-Ausschuß der Berg­straße veranstaltet im Oktober-November d. I. einenWettbewerb im Bilde" für Photographien, Gemälde, Aquarelle und schwarz­weiß Zeichnungen von den dem Verkehrs-Ausschuß angehörenden Orten an der Bergstraße, einschl. Lindenfels im Odenwald. Tie Bedingungen für den Wettbewerb wurden Anfang August bekannt- gemacht. Eine über Erwarten große Zahl Bewerber um die Konkurrenz haben sich gemeldet, so das; sich die einzelnen Orte entschlossen haben, die zuerst bereitgestellten Preise zu erhöhen und weitere Preise zu errichten. Dem Preisgerichi stehen nun­mehr fast 2000 Mark Geldpreise zur Verfügung, neben einer An­zahl Ehrenpreisen. Ta der Wettbewerb mit einer Ausstellung verbunden ist, dürste er eine sehr günstige Verlaufsgelegenheit bieten. Ferner ist geplant, das eingegangene Material etwa ein halbes Jahr lang als Wanderausstellung in großen Städten auszustellen, sowie die ausgewählten Photographien dem Bund Deutscher Verkehrs-Vereine in Leipzig für seinen Photographie- Wettbewerb einzureichen und auch damit die .Internationale Aus­stellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914" zu beschicken. Die Bedingungen sowie der Nachtrag werden kostenftei versandt durch den Vorsitzenden des Verkehrs-Ausschusses der Bergsttaße in Auerbach-Hessen.

E i n Verlagsjubiläum. Tie weltbekannte Verlags- firma C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck,, deren Verdienste vor allem auf wissenschaftlichen Gebiete, besonders liegen, beging am 9. September das Jubiläum ihres 150jährigen Bestehens. Das Unternehmen, das in Nördlingen, wo sich noch jetzt die Druckerei befindet, im Jahre 1763 gegründet wurde, hat erst feit 1884 unter Oskar Beck, dem gegenwärtigen Inhaber, seinen Sitz in München Herrn Oskar Beck wurde aus Anlaß der Jubiläumsfeier von der philosophischen Fakultät der Uni­versität München der Chrendoktorlitel verliehen.