Ausgabe 
2.4.1913 Zweites Blatt
 
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bürger meister Dr. v. Ibell, bcm ein klm sterisch aus- ßcftattctcr Ehrenbürgerbrief überreicht wurde, von den städtischen Körperschaften.

w. H ombürg v. d. H., 1. April. Heute morgen machte das Kaiscrpaar einen Spazierritt. Zur FrüfistuckStafel bei dem Kaiser und der Kaiserin ist der Prinzgemahl Heinrich der Niederlande geladen.

Vereinsnachrichten.

? B n d . N a u l) c i IN, 1. April. Die Ortsgruppe der D c u t s cl) c n Kolonialgosellschaft hielt heute ihre erste Hauptversammlung ab. Die Vorstandswahl ergab: 1 Vorsitzender Oberstabsarzt Dr. Schrode; 2. Vorsitzender Oberamtsrichter Fuhr; 1. Schriflsührer Lehrer Ostwald; 2. Schristst'ibrer Bahnmeister i. P. Bast; Rechuer Nechmmgssührcr Lange; Beisitzer Bademeister Kissel und Konditor Kollig. Tie Zahl der'Mitglieder ist aus 40 ordent­liche und 25 austerordentliche angewachsen.

Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Hessen.

Darmstadt, 1. Llpril.

Die Unglückseligen Verhältnisse im hessischen landwirtsckraft- lichen Genossenschaftswesen haben bekanntlich neben manchen anderen Unglücken auch dahin geführt, daß die Landwirtsck>aft- lirfK Genossenschaftsbank in Darmstadt sich zur Ansuchung eines Moratoriums genötigt sieht. Zu diesem Zwecke sand Ijeute im Städtischen SaaUmn zu Darrnstltot eine Versammlung der Land- imrtschaftlichen Genossenschaftsbank und der dieser angeschlossenen Genossenschaften statt, die eine UederfüNung des großen Saales zeigt. Diese Versammlung gab ein Spiegelbild der Stimmung, in der sich die hessische Landwirtschaft befand, und man darf sagen, daß man nicht allzu rosig in die,Zukunft sieht.

Ten Vorsitz in dieser- Versammlung führte Herr Schmitt- Guntersblum. Er erteilte zunächst Herrn Becker-Wörrstadt zu einer Darlegung über den gegenwärtigen Stand der Landw. Genossenschaftsbank das Wort. Dieser gestand ein, daß der Zu­stand der Bank kritisch sei; damit sötte aber nicht auch die Hoff- nuirgSlosigkeit ausgxspröchen sein. Der Aufsichtsrat, dem er. an­gehöre, schlägt einen Weg vor, der eine zwangsweise Abwick- lnng der- Geschäfte, d. h. also den Konkurs vermeiden würde. Ein Fehlgriff war die Gründung der- Reickrsgenossenschaftsbank, die sich zu sehr bei der Landwirtschaftlichen Kreditbank in Frank furt übernommen habe. Auch die Beteiligung bei der- Verwal- tungs- und Berwertungsgesellschaft in Frankfurt sei ein Unsegen gewesen. Die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank hat sich durch das Moratorium der Reichsgeiiossenschaftsbank in Darmstadt in ihren Mitteln beschränken müssen. Um der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank zu ermöglichen, ihre Geschäfte in Ruhe ab­zuwickeln, d. h. in eine stille Liquidation einzutreten, sei es nötig, daß eine neue Gesellschaft gegründet werde, die frei von all diesen Verbindlichkeiten sei Diese soll die Sanierung der alten Bank übernehmen. Der 9tufsichtsrat schlägt deshalb die Gründung einer neuen Zentral k ässe her hessischen landwirtschaftlichen Genossensckfasten vor. Alieu Genossenschaften wird der sofortige Beitritt zu der neuen Zeniralkasse dringend empfohlen. Weiter wird denjenigen Genossenschaften, Gesellschaften und sonstigen Körperschaften, welche Gläubiger der Genossenschaftsbant sind, empfohlen, dieser ein Moratorium zu gewähren, d. h. rechtsver­bindlich und bedingungslos zu erklären, ihre Guthaben jeglicher Art bis zum 15. April 1916 gegen Gutschrift von 4 Prozent jährlickier Zinsen stehen zu lassen, bezw. in keiner Form darüber zu verfügen.

Geh. Rat B i ch m anu, der nach diesem Redner spricht, betont, daß auch der- L^erbandsausschlnst der Hessischen landwirt­schaftlichen Genossenschaften ein großes Interesse an der Sanie rung der Genossenschaftsbank habe. Dabei ist zu berücksichtigen, dast auch der Verband mit einer Schuld von 217 000 Mk. am Gemüsenschaftsbankhaus beteiligt sei. Mit dem Verbände würde aber auch der Berater der Genosseujchcksten fallen. Er bitte deshalb dringend, das vvrgeschkagene Moratorium anzu­nehmen.

Rechtsanwalt W i nd i sch sieht die Notwendigkeit einer Liaui dation nicht ein, denn es bestehe keine Gewähr, daß nicht das Aktien oder Gefchüftsguthaben dabei txertoren gehe. Die neue Zentralgenoffenschaftsbank solle nur interimistisch tätig sein. Die Genossenschaftsbank dürfe nicht ganz vom Erdboden verschwinden. Wem: alle zusammenhalten, könne es nicht schief geben.

Nun macht Bankdirektor Zobel Mitteilung von der Bilanz vom 31. Dezember 1912. Danach weist die Bank an Aktiven auf: An Kasse Kupons 180000 Mk, an Wertpapieren 351000 Mark, an Beteiligungen 650000 Mk., darunter bei der Preußen kasse und laudwirtsch. Treuhandgesellschaft 110000 Mk, an Wech­seln 880 000 Mk., an Gut traben bei Banken 8137 000 Mk, dar­unter an Beteiligungen 110000 Mk., baruntcr 100 000 Mk. bei der Preußenkasse, an Wechseln 880000 Mk., Guthaben bei Banken 8137 000 Mk., darunter 8 029 000 Mk. bei der Reichsgenossen schaftsbank, der Rest von 108 000 Mk. befindet sich bei anderen Banken. Guthaben bei den Genossenschaften am 31. Dezember 1912 9 385 000 Mk., darunter- befindet sich die Forderung an die Verwaltungs- und Verwertungsgesetlfchaft mit 4 913 000 Mk., sonstige Guthaben, lausende Rechnungen 138 000 Mk. Dem ftel-en gegenüber Grundkapital 2 500 000 Mk., Reserven 550 000 Mk., Rückstellungskonto 200 000 Mk., Schulden bei Banken 488 000 Mark, Schulden an Genossenschaften 6 451 000 Mk., Schulden an lausenden Rechnungen zusammen 190 500 Mk., Schulden im Scheckverkehr 480000 Mk., Sparkonten 95 800 Mk., Depositen­einlagen 9 202 000 Mk., von der Bank gegebene Akzepte 282 000 Mark, von der Bank gegebene Bürgschaften 36 000 Mk., uner- bobenc Dividenden 2100 Mk., passive Hypotheken 216 300 Mk. rückständige Wohnungskosten und Zinsen 8000 Mk.

Dies ergibt -eS wurden nur runde Zahlen genannt) einen genauen Verlust von 992 097.06 M k. Dieser Verlust, fährt der Direktor fort, erscheint kolossal, nachdem man immer gewohnt war, von einem Gewinn zu hören. Der Vorstand habe es aber für seine Pflicht gehalten, eine den wirklichen Verhältnissen Rechnung tragende Bilanz aufzustellen. Die Be­teiligung an der Reichsgenossenschaftsbank in Höhe von 500 000 Mark ist bis auf l Mk. abgeschrieben, ebenso die Beteiligung an dem Konkurs von Niedeimiodau mit 300 000 Mk. Ferner wurde abgeschrieben der Geschäftsanteil an der Verwaltungs­und Verwertungsgesellschaft.

In der Aussprache dankt Landtagsabg. W o 1 f - Stadecken dem Herrn Becker- für die Klarstellung ber'ganten Sachlage. Dazu hätte man aber früher kommen müssen. Auch hätte man Sach- oerftänbigenrat holen müssen. Der Verlust wird sickwr 5 Millionen betragen. Dem Moratorium müsse man zu stimmen, damit nicht die Gegner sagen, daß man in Hessen, dem Mutterlande des Genossenschaftswesens, kein Vertrauen mehr zu den Genosseusckraften habe. Herr Fresenius tritt gleichfalls für das Moratorium ein Rechtsanwall Dr. Mainzer- Darmstadt ist ber Ansicht, daß unbedingt Schritte getan werden müssen, um eine Sanierung der GeuossensclfaftSbank he r bei zu führen. Aber- klare Verhältnisse müssen geschassen werben. Die mitgeteilten Ziffern sind aber nicht aus­reichend. Man müsse immer daran denken, das; iwch vor kurzem eine Bilanz nmgetcilt wurde, die anders lautete, obwohl die Ver hälinisse, wie sie liegen, betannt waren. Es wurden Forderungen in die Bilanz ausgenommen, die sich nicht pari einbringen lassen so z. 'B. an die Re<chsgenossensckraftsban k. Wenn dieser Verwaltung ein Moratorium bewilligt werden würde, würde man vor weiteren Ueberraschungen nicht sicher sein. (Lebl-after Beifall ) Man darf nicht immer schachteln und schieben wollen. Ein Moratorium darf nur auf einige Monate bewilligt werden. es müsse ferner eine Kommission eingesetzt werden, die die Verhältnisse genau prüfe

Herr Becker betont, dast er in den Auftichtsrat berufen wurde um das Vertrauen zurückzuerobern, das dec Bank verloren ge­gangen war. Er rnckclst bann Mitteilungen über seine Tätigkeit.

Ein Herr Graf warn, dringend vor unüberlegten Schritten. Dem Vorstände wie dem Aufsichtsrate könne er aber fein Vertrauen entgegenbringen Dr. Knapp hebt hervor, dast Sanieren nur heisst, Geld beschaffen. Der genossenschaftliche Weift allein ist nichts nütze. Das (Mb könne nur eine Bank geben, unb ha-* Ift str diesem Falle die Preußische Zentralgenoffeirschrftska>fr. Der

Redner unterstützt den Gedaüken der Neugründung, da die prenstische Bank nur dann das Gelb bergeben würbe. Eine Vorführung ber alten Bank sei unmöglich, da sie ja nicht zahlen lärme. Tie Be­dingungen der Preußischen Zentralkasse seien durchmis annehmbar: 1000 Mk. Haftpflicht, Geschäftsanteil 500 Mk. Einen anderen Weg gäbe es nicht. Die Liguidation kann nur durchgeführt werden, wenn neues Geld beschafft wird.

Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt-Worms unterstützt die Ausführlmgen der Rechtsanwälte Windisch und Dr. Mainzer. Lehrer- O f e n l o ch aus Finthen widerspricht der Bildung einer besonderen Kommission. Herr Kämmerer will von einem Moratorium nichts wissen, da er sich mit den Mitgliedern seiner Bank noch nicht habe beraten können. Justizrat v. Brentano spricht sich für das Moratorium und die Gründung einer Zen­tralkasse aus. Derjenige, der einem Moratorium widerspräche, begehe ein großes Unrecht am Genossenschaftswesen. Die Re­gierung kann hier nicht eintreten, bas würde zu unübersehbaren Konseguenzen führen.

Herr Hallstein aus Posen ist der Ansicht, dast die hessische Genossenschaftsbank mit einem großen Verlust zu rechnen haben wird. Man habe sich auf faule Sachen wie die landwirischaft- liche Kreditbank eingelassen. Der Redner ist für ein Moratorium, und sei es auch nur auf 1 Jahr. Auch ber neu zu gründenden Zentralkasse müsse man beitreten. War man im Reiche früher stolz auf die hessischen Organisationen, so ist man es nach den neuesten Erfahrungen nicht mehr. Der Redner fchlost mit ber Aufforderung, die Spareinleger zu beruhigen.

Herr Wols-Stadecken macht Aenderungsvorschläge zu einer vorgeschlagenen Entschließung. Dr. Mainzer-Darm­stadt ipeift nochmals auf das Gefährliche der Sage hin. Wenn das Moratorium nicht bewilligt werde, wird ber Zusammenbruch von Niebermodau ein Kinderspiel gegen Darmstadt sein. Dem jetzigen Vorstände dürfe man keine Vermögensverwaltung an- öertrauen. Rach weiteren Ausführungen des Oekonomierats Wal­ter, des Lehrers Solms- Nierstein und des Landtagsabge­ordneten von Brentano wird folgende, von dem Rechtsanwalt Windisch stammende Erklärung angenommen:

Es wird beschlossen: 1. Die ©laubige r, soweit sie Ge­nossenschaften sind, gewähren vorerst Stundung bis 31. De­zember 1914 unb erklären ihre Zustimmung, ihre Guthaben jeg­licher Art bis zu diesem Termin gegen Gutschrift von vier Pro­zent jährlicher Zinsen stehen zu lassen.

2. Es toirb eine Kontrollkommission von 5 Mit­gliedern gewählt unter Zuziehung von banktechnischen Beamten unb mit dem Recht der Kooptation, die die Verhältnisse der Bank untersucht und alle 6 Monate Bericht erstattet und Vor­schläge macht.

3. Die neue Z entralg eno sscnsch astskasso tritt zwischenzeitlich in Tätigkeit.

Diese Entschließung wird ohne Widerspruch angenommen. Der vorgerückten Stunde wegen ivird von der beabsichtigten Wahl des Ausschusses Abstand genommen. Diese soll bei der nächsten Hauptversammlung vorgenommen werden, die in etwa vier Wockwn abgehalten werden wird.

Sfmftcr Deutscher 8ceschiffahrtL-Tag.

Berlin, 1. April.

Der Deutsche Nautische Verein und der Verband c u t f'tfi- e r Seeschifier-Verein traten gestern vormittag im großen Saal der Berliner Handelskammer zu dem 5. Deut­schen Seeschiffahrtstage zusammen, um eine Reihe wich- tiger Jöerufefragen zu erörtern. Eine große Anzahl von Reichs und Staatsbehörden hatten Vertreter entsandt. Aus bcirt gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht des Deutschen Nautischen Vereins geht hervor, das; die Lage für die Seeschiffahrt im Berichtsjahr glänzend war und daß Die günstige Entwicklung erst durch den Balkankrieg rmt seinen politischen Folgen gehemmt wurde.

Das erste Thema bei- Tagesordnung betraf das Befahren des Kaiser'-Wilhelm Kanals ohne Lotsen. Die Kanalverwattung hat angesichts des bestehenden Lotsenmangels genehmigt, daß kleine und mittlere lotsenfreie Dampfer hinter Lotsendampfern fahren dürfen. Mit dieser Erlaubnis sind wohl die Reeder, aber nicht die Kapitäne zufrieden. Der entgegengesetzte Standpunkt kam auch in den Vorträgen und der Aussprache zum Ausdruck. Ter Präsident des Kanalamtes, Geheimrat Kautz erklärte, daß die Verwaltung alles tun werde, um den Lotsenmangel zu beseitigen unb daß das Rrickfsamt des Innern und baS Reichsschatzamt ihre Mitwirkung dazu zugesagt hätten. Navigationslehrer W e l tz i e n (Hamburg) sprach hieraus über den Befähigungs­nachweis für die Führer von Fluß-, Haff- unb L u.ft fahrzeugen. Es wurde hierzu eine Entschließung an­genommen, in der ber Bundesrat aufgeforbert wird, einen Erlaß über den Befähigungsnachweis herauszubringen, aber dem See­schiffahrtstage Gelegenheit zu geben, sich gutachtlich darüber zu äußern. Kapitän Ben dir (Hamburg! berichtete über un­lautere Stellenvermittlung für Schiffsjungen. Tie Versammlung beschloß, die schulentlassenen Jungen, die sich dem' <Seemannöberuje widmen wollen, vor gewerbsmäßigen Stellen- Dcrmittlern zu warnen und mit einer entsprechenden Bitte um Unterstützung an die deutsche Presse heranzutreten. Seelusttge Jungen sollen aus die Seemannsheime der deutschen SeemannS- misfton aufmerksam gemacht werden. Landesversicherungtzrat Hansen (Kiel) berichtete über die Seemannsheime im Auslände, die eilte segensreiche Tätigkeit cntfaüeten. Tie Versammlung be­schloß, die Regierung um weitere Unterstützung dieser Wohlsahrts- cinriebtung zu bitten. Tie Verhandlungen werden morgen fort­gesetzt.

Am heurigen letzten Beratungstage sprach an erster Stelle Pros. Dr. Perels -Hamburg! überBegriff und Behand­lung von Kriegskontrebanbe nach der Londoner SeekriegsrechtS- dellaration". Kapitän Boe Huer -Hamburg und Dr Lie- sau -Bremen» berichteten über die Ausbildung der Schisfsoffi- ziere in her Gesundheitspflege. Direktor Huldcrmann von der Hamburg-Amerika-Linie hielt einen längeren Vortrag über die Lage ber Seeschiffahrt, Uwbei er betonte, daß er den Optimis­mus jener Kreise nicht teilen könne, die mit einer Fortdauer ber Hochkonjunktur rechneten. Tie hochgespannte Tätigkeit im Wirtschaftsleben unb die politische Beunruhigung hätten am Geld­märkte Verhältnisse geschassen, die notwendig einschr-änkeud auf die Wirtschaftstätigkeit wirken müssen. Kapitän Huberv-Ber­lin) sprach über die Erweiterung der Fahrtbefugnisse für Schiffer auf kleiner Fahrt, und Kapitän Boehner -Hamburg? über die Verwendung von Bojen zur Uebmnittclung wichtiger Nachrichten. An letzter Stelle sprachen die Kapitäne Hahn (Leer' und Budde (Hamburg' über Signale für Dampfer. Darnach wurde die Tagung in ber üblichen Weise geschlossen. Am Abend fand im Hotel Adlon ein Festmahl statt.

Vermischter.

* Million e n ko 'nkur S. Das alre, angesehene Bankhaus Gustav Puppe in Küftrin l>at Konkurs angemeldet. Der Inhaber ein alter Bürger- von Küstrm, der zahlrriche-Ehrenämter bekleidete unb ein Einkommen von 40 000 Mark versteuerte, hat mit seinem Sohn Küstrin verlassen. Von Berlin aus hat ber Sohn die Er­öffnung des Konkurses beantragt. Es handelt sich um einen Millionenkonkurs. Viele kleine Leute haben ihr ganzes Vermögen verloren; auch wird der .Konkurs den 9iuin zahlreicher angesehener .Küstriner Geschäftsleute zur Folge haben. Die ganze Stadt ist in großer Aufregung. An die Frau des jungen Puppe ist rin Schreiben ihres Mannes aus Berlin des Inhalts gelangt baß Vater und Sohn bei Ankunft des Schreibens nicht mehr am Leben seien. Die Firma Gustav Puppe ist im Jahre 1835 ge­mundet worden lyeschäftsinhaber ist der Sohn des Gründer^ Gustav Puppe, Prokurist dessen Sohn, ber ebenfalls Gustav heisst' Für btc Firma zeichneten Vater- und Sohn, jeder für sich allein rechtsverbindlich. Die Firma ist Zahlstelle für die Zinsscheine und gezogenen Obligationen der Ober-Oberbrnchdeichkrsse v;r Lotalanzeiger meldet: Der Konkurs des Bankhauses Puppe in K ü ft rin dürfte sich als einer der größten Herausstellen, die sich in den letzten Zähren ereigneten. Wie verlautet, sollen die Passiven nach beit vorläufigen, aber nicht nackpzu prüf enden Schatzungrii sich.

auf 25 bis 30 Millionen Mark belaufen. Weiter wird gemeldet: Tie Gefamtsumme der Verbindlichkeiten des Bankhauses Puppe ist noch unübersehbar, doch ist eine Schuldenlast von ungefähr anderthalb Millionen wahrscheinlich. Sehr viele kleine Leute der Stadt unb Umgebung, eine Anzahl Offiziere und Verwaltungsbeamte sollen zum 2ri( schwer geschädigt fein. Die geschlossenen Depots sind vollkommen intakt, es ist dagegen mög­lich, das; die offenen Depots angegriffen sind.

München, 2. April. Der Fehlbetrag bei ber Firma Hagen-Pappenherm, dessen Inhaber sich kürzlich im Starenberger See ertränkte, beträgt nahezu dreiviertel Millionen. Tie Depots sind angegriffen.

*^D e r englische Thronerbe, der ivährend den letzten 1'-ragen in Friedri ch s h a f c n zu Gast weilte, ließ sich "ach dem Automobilausflug nach Bregenz z>var bewegen, den Rückweg bis Lindau im Wagen zu machen, von Lindau ab aber trat er den Marsch zu Fuß an und traf, hocherfreut von ber reizvollen Landschaft des Sees und seiner Umgebung, hier ein. Xen Abend verbrachte der Prinz bei dem Grafen Zeppelin. Gestern vormittag 10 Uhr trat der Prinz nach Verabschiedung von dem Grafen Zeppelin die Rückfahrt an. Sie führt über Heiligenberg, Tuttlingen nach Stuttgart.

®rofjfeuer. Am Montag abend brach in den Ziegelei- toerfen der Aktiengesellschaft Gebrüder Vetter in Langen­steinbach, Amt Ettlingen, gegen 8 Uhr Großseuer aus, daß binnen 2 Stunden das ganze Fabrikgebäude mit den Neben gebauben einäffberte: nur das Maschinen Haus steht nock>. Der durch Vei-sicherung gedeckte Schaden wird auf 350 000 Mk. geschätzt, tie Gemeinden Reichenbach und Langensteiiibach waren gestern abend ohne Licht und fverden es auch iwch in nächster Zeit bleiben müfien, bis die Lichtanlage der Ziegelei wieder be- ttiebsfahig hergestellt sein wird.

E* falscher Offizier. AuS Thorn, 31. März, wird gemeldetIn ber Nacht zum Freitag erschien, wie jetzt bekannt wird, auf dem Artillerieühungspla'e Weist Hof ein Mann in Offlzierumform und gab sich dem Posten gegenüber als Reserv- yjn^cr au^, wobei er einen Namen nannte. Als sich der angeb- liche Offizier an den dorr stehenden Geschützen zu schaffen machte, ries ihn der Posten <tn und gab, als er entfloh, dreimal Feuer, ohne al>er zu treffen. Die Nachforschungen waren erfolglos.

Märkte.

Ic. Frankfurt a. M. Schweineinarktbericht vom 2. April. Anfgetrieben waren 1934 Schweine. Vollfleischio.e Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 60.50-64.00 Mk., Schlachtgewicht 78.0081.00 Mk.» vollsteischige Schweine unter 80 k^ Lebendgewicht 60.0062.50 Mk., Schlachtgewicht 7880? 0 Mk.; vollrleischige Schweine von 100120 k» Lebendgeivicht 60.0064,00 Mk Schlachtgewicht 79.0081 Mk.; vollfleischige Schweine von 120 bis 150 krr Lebendgewicht <0.00-64.00 Mk., Schlachtgewicht 7981.00 Alk. Geschäft mittelmäßig, bleibt llederstand.

ie. Frankfurt a. M., 2. April. (Orin.-Telegr. vesGieß. Aiiz.") Slmlliche Notierungen der bclltigen Frucht marktv rei ,'e. Weizen (hiesiger) 21.0000.00, Kur-hessischer Mk. £0.9021.00, Wetterauer Alk. 00.0000.00. Roggen (hiesiger) Mk. 17.50 bis 00."0, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.5018.50, Gerste, nrauken, Pfälzer Ried Mk. 17.50-1^.50, Hafer Mk. 17.5019.00, Mais Mk. 15.25 bis 15.75, Weizenmehl 0 Mk. 32.5032.75, Weizenmehl I Alk. 30.5030.75, Weizenmehl IHM. 27.25-27.5', Roggen- nrehl 0 Mk. 27.7528.00, Roggemnehl 0/1 Mk. 26.5026.75, Roggenmehl I Mk. 00.0000.00, Weizenkleie Mk. 10.6011.80 Weizenschalen Mk. 11.0011.15, Roggenkleie Mk. 11.2511.50, Malzkeiine Mk. 13.0013.25, Biertreber 14.0014.25, Raps Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab fiter.

fc. Frankfurt a. M 2. April. (Orig.-Telegr. desGiest. Anzeigers^.) K a rt o s f e l m arkt. Man notierte: Kartosfelir in Waggons 3)tk. 4.004.50, im Kleinhandel Mk. 5.005.50, für je 100 Kg.

Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 31. Mürz 1913.

Weizen 100 Kg. 21.2521.50 Mk. Weißbrol 2 iig. 56 Pfg.,

Roggen 100 Kg. 17.7518.00 Mk. Schwarzbrot 2Kg. 48Pfg,

Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kalber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 7795 Alk.

'/, Kg. Schlachtgw. 81-107 Pf.

7,_, , 78-81

7, Kg. 92-100 Pfg.

7, 9498 , 7, , 90-110

Getreideprcise in Mannhe im

Brotpreise in Gießen

Ein Geschenk des Meeres

könnte man Lebertran nennen. Doch ist dieses, um richtig ausgenutzt zu werden, erst einer Behandlung zu unterziehen, wie ja auch z. B. ein Diamant erst, nachdem er Bearbeitung und Schliff erhalten, den rechten Wert für uns bekommt. Dem Lebertran müssen im Scottschcu Herstellungs-Berfahren, seine ihnl anhaftenden Nachteile, wie schwere Verdaulichkeit, unangenehnier Geruch, fviderlichcr Geschmack, ge­nommen 'werben, um ihn zuträglicher und wohl- schmeckender zu machen. Die so gewonnene Scotts Lebertran-Emulsion besitzt alle Vorzüge des gewöhn­lichen Tranes in erhöhtem Maße, wirkt appetitan­regend, ist äußerst nahrhaft und bekömmlich, selbst für einen empstndlichen Gaumen unb Magen. Bei regelmäßigem Gebrauche von Scotts Emulsion wirb oft nach kurzer Zrit eine allgemeine Krästezunahme beobachtet. Wer solche herbciführen will, der möge sich je eher desto besser zu einer Kur mit Scotts Emulsion entschließen. Doch hüte er sich vor Nachahmungen und

gebrauche nur Scotts Emulsion! CV«