Ausgabe 
26.9.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 226

Effcheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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aller Schärfe die Ansprüche auf die sein Vorgänger stillschiveigend

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keinen Eid verpflichtet, mit Hannover wieder ausnimmt, hat ruhen lassen?"

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Politische Tagesschau.

Die braunschweigische Frage. '

Ein Berliner Blatt bringt einen Artikel über den Stand der braunschweigischen Verhandlungen, der vielfach als offi­ziös angesehen wird. Wenn diese Voraussetzung richtig ist, so müssen wir leider annchmen, das, die preußische Regie­rung der braunschweigischen Thronbesteigungsfrage^nicht die­jenige Bedeutung beilegt, die dem Interesse des Staate s entspricht. Wenn es richtig ist, daß man dem jungen Prinzen von Braunschweig und Lüneburg einen ausdrücklichen Ver­zicht aus Hannover ersparen will, wenn es weiter richtig ist, daß der Brief, den der Prinz seinerzeit an den Reichskanz­ler gerichtet hat, für ausreichend erachtet wird, um seiner Thronbesteigung kein Hindernis in den Weg zu legen, so bleibt eigentlich alles beim alten, und man be­greift nicht, warum Preußen überhaupt jemals beim Bun­desrat Schritte getan hat, um das Wclfenhaus nicht zur Re­gierung in Braunschweig gelangen zu lassen.

In der Kvrr. wird weiter zu der Frage wie folgt Stellung genommen:

Wir haben bereits früher zugegeben, daß der Bries des Prinzen an den Reichskanzler, loyal ausgelegt, eine gewisse Si­cherung für Preußen darskellt. Dieser optimistischen Anschauung steht aber der Umstand entgegen, aus den wir mit aller Schärfe bingcwicsen haben, daß die welsische Partei und ihre Führer den Inhalt jenes Briefes als etwas Sclbstverständ- li^-es ansehcn und ihn in einer Weise interpretieren, die den Ansprüchen des Wclfcnhauses aus Hannover in keiner Weise Ab- bru.d- tut. Wir haben ferner festgestellt, daß noch; nach jenem Brief der Herzog von Cumberland Führer der W c l f e n p a r t e i empfangen hat, und haben daran die Frage geknüpft, ob der Herzog mit der wclsischen Parteiorganisation in Hannover einverstanden ist und ob er diese Agitation mit materiellen und autoritativen Mitteln unterftüßt. Beide Fragen sind soivohl von welfischer wie von feiten der preußischen Regierung begreiflicherweise unbeantwortet geblieben. Unter diesen Umstän­den können wir unseren hannöverschen Freunden darin beipflich­ten, daß man wenigstens von dem zukünftigen Herzog von Braun schweig einen glatten Verzicht auf Hannover verlangen muß, und daß die Erfüllung dieser Forderung die einzige ge­nügende Sicherung für Preußen ist, daß nicht in Braunsrhwcig eine Regierung eingerichtet wird, die für den inneren Frieden des preußischen Staates bedrohlich werden kann.

Wenn in dem Artikel derTägl. Rundschau" aufs neue auf den Fahneneid des Prinzen hingelviesen wird, so wird datei übersehen, daß er als selbständiger Bundesfürst aus dein aktiven Verband des Heeres ausscheidct und dann durch den Fahnen­eid nicht mehr gebunden ist. Ueberbaupt ist es ein durchaus abzulehnender Gedanke und mit fürstlicher Souveränität unver­einbar, daß die Ausübung von Regierungsrechten nach irgend einer Richtung hin eine Bindung durch einen früher abgelegten militärischen Eid erfährt. Wenn endlich in Aussicht gestellt wird, daß man dem alten Herzog von Cumberland gewisse Verpflich­tungen auferlcgen will, so legen nrir dein gar keine Bedeutung bei. Mag man den alten Herzog ruhig beiseite lassen.

Worauf es ankommt, ist, daß der neue Herzog von Braun­schweig i n bin d e nder Form, wie sie nur durch den Ver­zicht zu erreichen ist, alle jene Verpflichtungen mit übernimmt, und zwar nicht nur für sich, sondern auch und das ist besonders zu beachten für seine Deszendenten. Denn wer kann es garantieren, daß unter den Nachfolgern des neuen Bundes fürsten sich einer findet, der, juristisch und moralisch durch

Von verschiedenen Seiten gelzcu mir Klagen zu, daß Sic die Kölnische Volkszeitung" nicht halten, obwohl dieses Blatt durch seine Auslandsmitarbeiter, die vielfach Missionare sind, sehr dankenswertes Material für Auswanderer bietet. Da Sie eine erhebliche Subvention von Reichsmitteln genießen, darf ich an­nehmen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um dem angesehenen Zentrumsblatt die Tür zu öffnen und bitte um gefällige Mit tetlung, ob Sie meinem Wunsch zu entsprechen gedenken.

Dazu bemerkt dieTgl. Rdsch.", der wir diese Notiz entnehmen:

Matthias Crzberger aus Buttenhaufen ist wirklich ein ganz seltener Vogel. Man hatte längst geglaubt, cs gebe nichts mehr mobei er nicht schon in eigener Person nach dem rechten gesehen hätte. Und siche da, man hat sich doch getäuscht. Hoffentlich er­fährt man, nb die Zentralauskunftsstelle sich diese Verfügung des hoffnungsvollen Buttenhauseners hat gefallen lassen, und ob laus dem nicht so ist Herr Crzberger bereits an den Rcichs- ranMcr, als die nächste der ihmnachgeordneten" Stellen die Entziehung der so zart erwähnten Reichssubvention verfügt hat.

Versandhaus Maße 29.

Freitag, 26. September M3

Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'scheir Unioersiläls - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

TieSiebener Hamilicnblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gichcn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Hochschule Dr. Adalbert Kolb zu Darmstadt auf sein Nach» mchen mit Wirkung vom 16. September 1913 aus bcin Staatsdienste entlassen.

" Sch ul an gelegen Heiken. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Hel den bergen. Mit der Stelle ist Organisten» und Lektorendienst verbunden.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:e^All2. Tel.-Adr.: AnzeigerÄteßen.

vom Naturforscher- und Aerztetaa.

Wien, 25. Sept. Zu Ehren der deutschen Natur­forscher fand im Rathaussaale ein von der Gemeinde Wiens veranstaltetes Festessen statt. Der Einladung hatten etwa 1400 Gäste Folge geleistet. An dem Bankett nahmen unter anderem Teil: Minister des Aenßem Graf Berchtold, Minister des Innern Heinold, Unterrichtsminister von Bussarek, von der deutschen Botschaft Botschaftsrat Prinz Stolberg-Wernigerode, Vertreter d-er sächsischen und bayri­schen Gesandtschaft, der Statthalter, die Spitzen der Zivil­und Militärbehörden. Im Laufe des Mahles hielt der Bürgermeister einen Trinkspruch und sagte:

Wir danken unserm Kaiser für seine innige Freundschaft zu Kaiser Wilhelm II., dessen kraftvolle Persönlichkeit deutschem Wissen und deutscher Arbeit den Erdball erobert

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Neuregelung der Krankenversicherung. Vom 1. Januar 1914 sind sämtliche Angestellte bis zu einem Jahreseinkommen von einschließlich Mk. 2500 und sämtliche Lehrlinge gesetzlich der Krankenversicherung unterworfen. Tie Wichtigkeit dieser gesetzlichen Maßnahme veranlaßt, wie auS *em Anzeigenteil ersichtlich, die Ortsgruppe Gießen im TeutschnationalenHandlungsgehilfen-Verband nächstenSamstag, öen 27. September, abends Uhr, im Saale des Hotels .Einhorneine öffentliche Versammlung abzuhalten, in der -Herr Julilis Schellin aus Frankfurt er. M. einen aufklären­den Vortrag

über: Die Umwälzung der gesetzlichen Kranken Versicherung, Rechte und Vorteile für die Angestellten'/

Eine Verfügung Herrn Erzbergers.

Der Abgeordnete Erzberger hat an die Zcntral- auskunfts stelle für Auswanderer folgendes Schreiben gerichtet:

Kreis Lauterbach.

Wall en rod, 25. Sept. Tic O b st der st e iaer u n a an unteren Mrei51tra[>en hatte eine große Anzahl von Kauflieb- ' Habern herbetgezogen. Wohl war der Obstbehang kein übervoller, ' Baume tragen dieses Jahr nichts, aber dennoch ein guter.

Xie Prepe waren recht ansehnlich, der >!orb voll Aepfel stellte sich : manchmal sogar auf 4 Mark, im Durchschnitt auf 3 Mark. Zwel- Koen gibt es (ner gar keine. Man bezieht sie ans der Wetterau. : vter koftete anfänglich der Zentner 5 Mark, jetzt kostet er 3 Mark.

Kreis Friedberg.

üftiebberg, 25. Sept. Nächsten Montag beginnt tm Lehrerseminar ein 14tägiger Kursus für Biologie. >Zahl- rcic^c Volksschullehrer haben sich dazu gemeldet.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. O ffenb ach, 26. Sept. In der gestrigen Stadt- P e l"°. st? t en) i tz u n g führte die Frage der Ernennung des bisherigen Oberasfiftenten G i e g er i ch zum Schlacht- ho f I nspe kto r, die erst in nichtöffentlicher Sitzung ver­handelt werden tollte, eine lange und äu ßer st lebhafte die mitunter sehr scharfe Formen an- staym. Bet dieser Gelegenheit wurden alle möglichen Sachen über die schlechten Verhältnisse im Schlachthof vorgebracht, die vom Beig Kappus als unwahr zurückgewiesen und "'^erlegt wurden Beig. Kappus stellte fest, daß die schein­bar fchlechten Verhältnisse lediglich Tr. Ro ß k o p f und Herr Becker heraufbeschworen hätten, in Wirklichkeit aber alles fo geordnet im ^chlachthof zugehe, wie es unter der früheren Zeitung nicht der Fall war. Nach weiterer heftiger Rede und Gegenrede wurde Giegerich unter Belassung in seiner bisherigen Gehaltsklaffe zum S ch l a ch t h o f i n s p c k t o r gegen 8 Stimmen gewählt.

Die von de r Stadt schon seit Jahren ge­wahr t e u n e n t g e l t l i ch e H e b a m m e n p f le g e wurde dahm ausgebaut, daß die Wöchnerinnenpflege unabhängig von der Armenpflege dem Hauspflegeverein des e v a n g e l i s ch e n F r a u e n v e r e i n s übertragen wurde. Der mit dlefem Verein abgeschlossene Vertrag wurde mit der Aenderung angenommen, daß die Hauspflege bei einem regel- mafzigen Wocheneinkommen bis 25 Mark ohne Vergü­tung übernommen wird. Bei höheren Einkommen bis 50 Mark find cnlfprechende Sätze vereinbart worden. Diese neue loyale Einrichtung fand einstimmige Annahme.

h Rüsselsheim, 25. Sevt. In den Opelwerken sind die Diebstähle von Metall, Leder usw. trotz der denkbar schärfsten Aufsicht und jedesmaliger Anzeige bei Gericht an der Tagesordnung. Infolgedessen hat das Groß-Gerauer Schöffengericht in fast jeder Sitzung einen Dieb oder mehrere Diebe abzuurteilen. Auch die nächsten Termine werden sich wieder nut zahlreichen .Opeldieben' zu beschäftigen haben.

Hessen-Nassau.

... Hunger, 25. Sept. Seinen Verletzungen erlegen i,t der 1/iahrige Junge, der kürzlich vom Rad gestürzt war Und dabei durch die mitgeführte Sense schivere Ver­legungen erlitten hatte.

Au^W mit vj0 GarbenlelK'?A?uhr.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 26. September 1913.

** Tageskalender für Freitag, den 26. September- ..Onkel Braiig' lAnton Melzer aus Wiesbaden). In Steins Garten abends 8K Uhr. .

" Stadttheater. Die EröffnungS-Voritellung, Kleists .Vrrnz von Homburg', gibt verschiedenen Fachmitgliedern Gelegenheit, sich mit größeren Ausgaben einzufuhren. Tie Titelrolle spielt der neue jugendliche Held Herr Ferdinand Steinhofer vom Neuen Stadttheater in Kottbus. Der Hur» fürft wird von dem Nachfolger des Herrn Kliewer, Herrn Paul Schubert vom Stadttheater in Kattowitz, gegeben, die Kurfürstm von Frl. Auguste Frenzel vom Stadttheater in Metz und die Natalie von Frl. Anna Stettner vom Neuen ^.Heater in Hamburg. Im übrigen ist das gesamte Herren- personal in der Eröffnungs-Vorstellung beschäftigt, zu der die Proben bereits im Gange sind.

Hochschule. Der Groß Herzog hat den außer- etatsmäßigen außerordentlichen Profeffor an der Technischen

darauf bis dieser Entwurf Gesetz wird, kann nicht gewartet werden. Es steht einmal noch ganz dahin, bis wann er überhaupt dem RetcksStag vorgelegt wird, es werden noch Jahre darüber lnngehen andererseits ist man jetzt schon in parlamentarischen .Sirenen davon überzeugt, daß eine Einigung über die Bestim­mungen des Entwurfs nur äußerst schwer zu erzielen sein wird

Er, ist deshalb schon wiederholt auf die Dringlichkeit eines besonderen Schutzgesetzes hingewiesen und ein solches schon bOr der. allgemeinen Regelung des Strafgesetzes begehrt worden In diesem kirnte Hot sich zuletzt Der Verein preußischer Medizinal- beamten in Breslau ausgesprochen, im gleichen Sinne haben die Abgeordneten Schiffer und van Calker in der vergangenen Session bei der Reichsregierung angefragt. Bis jetzt hat sich diese ab- lehnend verhalten, sie wird aber nicht umhin können, angesichts des Drängens der öfsenttichen Meinung ihren Standpunkt zu andern und aus ihrer Reserve herauszutreten. Tie Frage ist so wichtig und von so eminenter Bedeutung für den Schutz den wir von der Gesetzgebung verlangen können und müssen, daß, ihre Regelung nicht auf die lange Bank geschoben werden darf.

?^anrUur-t a- 25. Sept. Der Umbau des ® 'p lelli au,es. Der Mannte Theaterspezialist J.rofe,]or -ittmann (München legte heute den maß­gebenden Körperschaften seine Pläne für den Umbau des Schauspielhauses vor. Danach ist eine Verkürzung des Zufchauerraumes um vier Meter und die Umwandlung der Buhne in eine schiebe- und Seitenbiihne vorgesehen. Auch eine Aenderung der Beleuchtung ist ins Auge befaßt. Tie Verkleinerung des Zuschauerraumes kostet allein 500 000 Mk Unter diesen Umständen wird die Stadt mit Rücksicht auf thre knappen finanziellen Mittel wohl vorläufig auf die Ver­wirklichung des Projekts verzichten müssen.

h. Sindlingen, 25. Sept. In der Generalversammlung des Sindlingcr Vorschiißvereins wurde eine Unterbilan; von rund 50 0 0 0 Mark fcstgestellt. Den Mitgliedern des Vorstandes und Auffick.tsrats wurde anheimacstellt, die Hälfte der Fehlsumme zu decken, wettere 16 000 Mark sollen dem Reservefonds ent­nommen werden, den Rest sollen die Mitglieder mifbringen. Ein Beschluß wurde bisher nicht gefaßt. Tie Verluste sind durch allzu vertrauensselige Ausgabe von Kapitalien für Hypotheken ent­standen.

FC. Fulda, 25. Sept. 64 Gastwirte hatten sich um die hiesige Bahnhofswirtschaft beworben, die Gebote von

Landkreis Gießen.

A $( u § dem Kreise Gießen, 25. Sept. In den Schulen der Landorte haben diese Woche die Herbst» oder Kartoffelferien begonnen, welche drei Wochen dauern.

Kreis Alsfeld.

A Alsfeld, 25. Sept. Der Vogelsberger Höhenklub hatte einen Wettbewerb in Blumenschmuck an Fenstern iind auf Ballonen eingerichtet. Es erhielten dabei erste Preise : Geometer Schade, Assessor Scherer, Geometer Heineck, Kreis­rat Dr. Heinrichs, Gg. Bücking, Th. ©immer, Job. Gg. Kraft, Albert Seitz, Hauptmann Heidemann und Otto Koch.

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werden aus S ch l e s i e n mitgeteilt. Der Großherzog Wil­helm Ernst von Sachsen-Weimar hat, wie dieSchles. Volksztg." mitteilt, im besten Teile des Kreises M ü n - sterberg herrliche, wertvolle Güter, deren Gesamtgröße 9223 Hektar beträgt, und die den größten Grundsteuer­reinertrag aller schlesischen Grundbesitzer aufweisen, näm­lich 273 940 Mark, aufgei'auft. Trotzdem kauft die Verwal­tung Sr. Königl. Hoh. in Heinrichau, Kreis Münsterberg i. Schles., noch fortwährend Bauerngüter auf und verleibt sie der ohnehin so großeu Herrschaft ein. So sind ungefähr in den Jahren 1909 bis 1912 in dem schönen Bauerndorfe Krclkau, Kreis Münsterberg, 276 Morgen Land von der Herrschaft erivorbcn ivorden durch Ankauf der Bauerngüter Nr. 2 und 50. Im Jahre 1891 betrug die Größe des 'herrschaftlichen Besitzes in Krelkau innerhalb der Landgemeinde mit Schimmelei und Wiescnhof 224 Hek­tar, im Jahre 1909 357,8 Hektar, im Jahre 1912 426 Hektar- Die Fläche dort hat sich seit 1891 beinahe ver­doppelt. Aehnlich steht es in Ält-Heinrichau: dort sind seit sechs bis acht Jahren, zuletzt im August d. I., schöne Bauerngüter und die 55 Hektar große Scholtisei dem großherzoglichen Besitz cinverleibt worden. Im Jahre 1891 hatte die Herrschaft in der Landgemeinde Alt Heinrichau noch gar keinen Grundbesitz: im Jahre 1909 sind bereits 57 Hektar angelaust, im Jahre 1912 sind es 125,5 Hektar und im Schlesischen Güteradreßbuch sind außer der Erb- scholtisei die Bauerngüter 7, 8, 9 als zugekauft zu ersehen. Jetzt im letzten Monat ist wiederum ein Bauerngut der Herrschaft einverleibt worden. In Renmen sind drei Be­sitzungen, in N euhos ebenfalls drei selbständige Existenzen aufgekauft und aufgehoben worden. Wi llw'itz hat auch bereits ein Gut einbüßen müssen.

Ein noch viel schlimmeres Bild zeigt sich dem Freund der inneren Kolonisation, wenn er seine Schritte nach dem besten dortigen landwirtschaftlichen Streife lenkt, nämlich nach Nimptsch: dort sieht es in zwei Bauerndörfern öde ans: denn nicht weniger als 37 Rustikalgüter sind im Lause der Zeit von Herrn Amtsrat R h o d e - .>turttwitz auf­gekauft, die zusammen ein A r e a l v o n e t w a 3 1 0 0 M o r- gen Bauernland ausmachen. Sage und schreibe aus nur zwei Bauerndörfern über 3000 Morgen, wo soll das hin? Die schmucken Gehöfte von Kniegnitz, ein ehemaliges Muster-Bauerndorf, sind einsam und leer geworden: ein fremdes Volk hat seine Wohnsitze in den Bauernhäusern aupgeschlagen.

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5chutz vor verbrecherischen Irren

und gemindert Zurechnungsfähigen.

Vom Reichstagsabgeordneten Landgcrichtsrat Strack wird uns geschrieben:

Der Knabenmörder Ritter in Berlin, der von den Sachver­ständigen für gemindert zurechnungsfähig erklärt wurde, ist vom Schtvurgcricht wegen Totschlags zu 5 Jahren Okfängnis ver­urteilt worden. Seine Straftat hat damit eine Sühne gefunden daß damit aber das wenigste getan ist, weiß jeder Einnchtige' Nach Verbüßung seiner Freil>eitsstrase muß der Verurteilte nach Niaßgabe der heutigen Gesetzgebung wieder auf die Pienschheit losgclassen werden, obwohl dieser Sittlichkeitsv<;rbrechcr eine stete Gefahr für seine Mitmenschen bedeutet. X

Es darf hier an den Fall Reiff, der ja in Gießen zur Genüge bekannt ist, erinnert werden. Er war wegen Sittlichkeitsoerbrechen mehrmals vorbestraft, er war geistig defekt uno sogar in Irren­anstalten untergebracht gewesen, trotzdem genoß er wieder die Freiheit, bis er endlich ein Opfer fand, das er tötete. Untäter von dem Schlage Ritters und Reiffs werden durch zeitige Frei- heitsltrafen niemals von ihren verbrecherischen Neigungen ge­heilt, die Oessentlichkeit har einen Anspruch darauf, daß hier wo die Strafen nicht ausreichen, andere Schutzmaßrcgeln getroffen werden.

Ter Voreutwurf zum Strafgesetz hat allerdings diesem Schutz- ^bedürsms Rechnung getragen, nach ihm sind Personen, die infolge ihrer geistigen Beschaffenheit nicht verantwortlich gemacht werden können, auf Grund richterlicher Entscheidung in einer Anstalt unter,mbringcn, Personen, die infolge geminderter Zurechnungs­fähigkeit milder bestraft werden, nach Verbüßung ihrer Strafe in Verwahrung zu nehmen.

h a t (Es haben wohl auch noch andere Faktoren mit­gewirkt.) Wir gedenken der alten freundschaftlichen Be­ziehungen zur nachbarlichen freien Schweiz und wer­den nie vergessen, daß die erhabenen Souveräne der Staaten, deren Gelehrte zum Kongreß nach Wien geeilt sind, den Trägern der Wissenschaft und Forschung unab­lässig mächtige Förderer gewesen sind.

Schließlich brachte der Bürgermeister ein Hoch auf Kaiser Franz Josef, Kaiser Wilhelm II. und auf den Präsi­denten der Schweiz aus, in das die Anwesenden begeistert einftimmten.

Zweites Blatt . 163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Ob erheben

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