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Nach einer kurzen Aussprache, an der sich General von Mcnz und Freiherr von Fritsch beteiligen, nimmt Frl. Tr. Kröhne- 4Lorms das Wort zu ihrem Korreferat über Wohnungshygiene. jlc betonte, wie notwendig es sei, baß die Frauenvereine aus die Anstellung beamteter Wohnungsinspektorinnen hinwirkten und in ständiger Fühlung mit der amtlichen Wohnungsaufsicht und -pflege blieben dadurch, daß sie sich zu Trägerinnen der öffentlichen Auf- tlarung und Belehrung über das Wohnungswesen unter den Frauen itnb zu Mitarbeiterinnen in allen den Zweigen der sozialen Fürsorge machten, die häusliche Besuche erforderten, und die als „Wohnungsergänzungen" anzusprechen seien, wie z. B. die .Hauspflege, Kindergärten, Horte, Lesehallen, Jugendwanderungen, Volksunter- haltungsabende usw.
_ folgende Vortrag des Dr. v. Oettingen-Berlin über die Schwestern- und Hilfsschwestemfrage im russisch-japanischen und in den beiden letzten Balkankriegen interessiert besonders.
An der Hand eines erheblichen Erfahrungsmaterials schilderte xfr-öortragenbe, wie Dank der großartigen Organisation des Russischen Roten Kreuzes die Schwesternfrage in der Mandschurei vorzüglich gelöst war. Auf dem Balkan lag die Sache wesentlich anders. Durch die geschichtlich eigenartige Entwicklung Serbiens, bas bis vor 50 Jahren unter türkischer Herrschaft stand, haben die Frauenbewegung wohl einen nationalen, aber nicht einen chari- tatiben Charakter angenommen. So gab es nur Helferinnen, die bei Ausbruch des Krieges entweder freiwillig sich einstellten, oder, wie die Schullehre -iinen, zur Krankenpflege gezwungen wurden, sofern sie bei dein allgemeinen Schulschluss ihr Gehalt weiter beziehen zollten. Der Vortragende schilderte seine Erfahrungen auf Belgra und Nisch, wo er in beiden Kriegen tätig gewesen war. xsn der europäisch anmutenben Stadt Belgra liest sich durch Straffheit der Organisation im Lazarett, durch Unterweisung and auch strenge Sichtung des Helserinnenmaterials ein erträglicher, stellenweise geordneter Betrieb durchführen. Im Innern des Landes, m Nisch und anderen Orten, stand es mit der Helferinnenfrage schlimm. An zahlreichen Beispielen erläuternd, schilderte der Vortragende zum Schluß, wie er sich im Kriegsfall eine schnelle Unterweisung der Helferinnen vorstellt. Er teilt das Wissen in zwöl Kapitel em, von denen acht ganz unumgänglich beherrscht werden müsseii, das ist: Disziplin, Lagerung des Verwundeten, Reinigung des Verwundeten, Speisen, Temperatur messen und Puls zählen, Verbandpslege, Körperpflege, Aufsicht über männliches (ungebildetes > Personal und etwas Kochen. Weitere vier Kapitel, deren Kenntnisse nicht sofort erforderlich sind, heißen: Zurichtung öon| Verbandsstoffen, bann Narkose, Asepsis und Bakterienlehre, ferner Anatomie, Physiologie, Krankheitspflege und endlich erste Hilfe in Unglücksfällen, Verbände machen und Assistenz.
Damit schließt dann die Tagung des Verbandes der Frauen- öeremc vom Roten Kreuz.
Im gleichen Saale wurde dann nachmittags 3 Uhr die Tagung des Verbandes deutscher Krankenpflegeanstalten vom Roten Kreuz begonnen Den Vorsitz in dieser Tagung führte Oberjustizrat Chuchul-Stendal.
Chefarzt Dr. Heller- Quedlinburg spricht über seine Erfahrungen bei der Schwesternausbildung. Der Redner steht dieser Frage pessimistisch gegenüber und zwar derjenigen, wo der Ausbil- Hungskursus durch ein Staatsexamen abgeschlossen wird. Betrübend ist die Tatsache, daß es immer nur gelingen wird, einen kleinen 4.eu wirklich brauchbarer Schwestern zu erziehen. Im großen und ganzen besteht ein recht fühlbarer Mangel an Schwestern. Tie Organisation des Roten Kreuzes dürfe nicht zur Durchgangsstation werden für solche, die diese Organisation nur ausnutzen wollen.
Heber die „freiwilligen Kriegshelferinnen in ihrer Bedeutung für die Schwestern unseres Verbandes" spricht Chefarzt Dr. R i ch- t e r - Berlin. Auch die Erfahrungen dieses Redners sind nicht er-, treulich. Er hat viel brauchbare Elemente unter den Helferinnen gefunden. Der Rebner berührt dann Organisationsfragen.
Um 0V2 Uhr schließt der Vorsitzende die Versammlung. Weiterberatung morgen vormittag 9 Uhr.
Donnerstag, 16. Moder W3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioevfitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^@51. Redaktion:^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen,
Ans Statt rrn- CattS*
Gießen, 16. Oktober 1913.
” Landes Universität. Auf eine 25jährige Tätigkeit als akademischer Lehrer blickt heute der Vertreter der alttestamentlichen Theologie an der Universität Gießen Dr. theol. et phil. Hermann Gunkel zurück. Prof. Gunkel (geb. am 23. Mai 1862 zu Springe bei Hannover! steht im
Tagung -er Deutschen Zraüenvereine vom Roten Rreuz.
bs. Darrn ft adt, 15. Okt.
_ Auch die heutige.Tagung zeigte den Saal des Saalbaues überfüllt, ^n oer vordersten Reihe saß wieder die Großherzogin mit ihren Hofdamen. Um etwa 11 Uhr erschien die Königin von Griechenland mit der Prinzessin Heinrich von Preußen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Die hohen Gäste blieben bis zum Schluß der Tagung und folgten den einzelnen Vorträgen nut sichtlichem Interesse.
einer kurzen Aussprache machte der Vorsitzende einige geschäftliche Mitteilungen und erteilte dann dem ersten Vortragenden des heutigen Tages, dem Geh. Rat Professor Dr. Pan n- w i tz - Berlin das Wort. Der Redner führte etwa aus:
Die Kriegsgefahr, die in letzten Jahren immer offensichtlicher auch "für fünfer Vaterland geworden, hat die Blicke des Publikums cuid) auf die an der Landesverteidigung systematisch in amtlich beteiligte freiwillige Krankenpflege gerichtet. Das Verhältnis 1910: 1913 beträgt betreffs der Vereinszahl in Preußen 1454:1647, in Bayern 359: 403, in Sachsen 45: 47, in Baden 403: 429, in Hessen 19:30, in Weimar 199:221, in Mecklenburg 31:32; betreffs der Gesanrtvereinsmitglieber in runden Ziffern in Preußen 450 000:557 000, in Bayern 60 000: 70 000, in Sachsen 9000:10 000, in Württemberg 40 000:42 000, in Baden 79 000: 88 000, in Hessen 5000:7000, in Mecklenburg 3000:3500. Das Gesamtvereinsvermögen hat sich wesentlich vermehrt. Die Zahl der zur Verfügung stehenden vollausgebildeten Schwestern vvin Roten Kreuz betrug vor 3 Jähren 3659, jetzt 4526. Die Zrhl der Krankenhäuser wird beständig vermehrt. An der Hebung der Volkserziehungspflege, speziell an der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und der Tuberkulosebekämpfung, sind die Vereine überall in wachsendem Umfange und mit gesteigerter Energie beteiligt. Die Kriegsvorbereitung der Vereine findet laufend in systematischer Bereitstellung des vom Kaiserlichen Kommissar der Freiwilligen Krankenpstege eingeforderten Personals und Mair ials für den Mobilmachungsfall ihren Ausdruck. Speziell der Kiuberfürsorge und Jugendpflege wenden die Vereine erhöhte Aufmerksamkeit zu, wobei die Zentralleitung der Landesvereine bemüht bleibe, durch systematische Regulierung der Bestrebungen die Vereinskrast zur höchsten Leistung zu bringen. Alles in allem bietet die Heerschau über die Deutschen Frauen-Vereine vom Roten Kreuz, wie sie der diesjährige Verbandstag in Darmstadt bietet, ein erfreuliches Bild freiwilliger Wohlfahrtsarbeit int Dienste des Vaterlandes.
Nach dem Vortrage verliest der Vorsitzende einige Telegramme, io hatten Glückwünsche zur Tagung gesandt die Königin von Württemberg, die Großherzogin von Baden, die Herzogin von Sachsen, die Großherzogin von Sachsen-Weimar und die Prinzessin Ludwig von Bayern.
Dann hielt Frau Oberbürgermeister Lauter- Karlsruhe einen Vortrag über
Wohnungsfürs orge und Frauen vereine.
Die Einleitung des Vortrags gipfelte in den Feststellungen: Die Wohnungsfürsorge bildet den Kernpunkt aller sozialen Probleme. Wohnungsfrage ist im tiefsten Grund Frauenfrage, deshalb muß die Mtwirlung zu ihrer Lösung eine Aufgabe der Frauenvereine sein.
Die Rednerin behandelte in ihren Schilderungen: 1. Den Einfluß der Wohnung auf Gesundheit, Familienleben und Sitte ihrer Bewohner. 2. Die Notwendigkeit der Wohnungsfürsorge und was Staat und Gemeiitde schon dafür getan haben. Gesetze
LeiPzig
52. Lebensjahre. Er studierte von 1881—1885 in Göttingen, Gießen und Leipzig und promovierte am 15. Oktober 1888 zum Lic. Am 16. Oktober 1888 habilitierte er sich in Göttingen, war dann in gleicher Eigenschaft in Halle a. S. tätig und folgte 1895 einem Rufe als a. 0. Proseffor an die Universität Berlin. Am 6. Nov. 1902 wurde er Ehrendoktor der Theologie. Seit 1907 wirkt Gunkel in Gießen als Ordinarius und Nachfolger B. Stades.
•* Die Einwohnerzahl Gießens hat sich am Mittwoch um mehr als 700 vermehrt. Die Rekruten hielten gestern ihren Einzug in die Garnison Gießen, die ihneit nunmehr für zwei Jahre ein gastliches Heim bereitet. Bei der Maschinengewehrabteiltmg treten nur 30 Rekruten ein, sie besitzt nunmehr eine Gesamtstärke von etwa 60 Mann.
** Die städtischen Freibäder an der Lahn wurden vom 1.—20. September von 1198 Männern und
Frauen benutzt. Die Gesamtbenutzung der Anstalten in drei letzten Jahren stellt sich wie folgt:
20 586 26 714 42 614
Rückgang in den beiden letzten Jahren gegenüber 1911
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Eichener ZamUienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigeleot, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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politische Tagesschau.
3ur Aufstellung eines EinfnhrnngsgesetzeS für das neue Strafgesetzbuch
schreibt man uns aus Berlin, Ende Oktober ein ncJ m •^Qn-mcntreten' der aus folgenden Herren besteht: .deichsgerrchtsrat Dr. Ebermayer (Vorsitzender), Geh. Oberregterungsrat Tr. Joel, Geh. Oberjustizrat Cormauu, Kammergertchtsrat Dr. Kleine, Ministerialrat Tr. Meyer, Frank Dieser kleine Ausschuß wird voraus- stchtlrch bis zum nächsten Sontmer tagen.
M , .,er ^0,n großen Strafrechtsausschuß in ^jähriger Arbeit ausgearbeitete E n t w u r f e i n e s neuenStraf- k \ lmrb erst frühestens Ende 1914 verössent- Lid)t werden, da zunächst zu ihm noch Erläuterungen ausgearbertet werden müssen.
Eine Denkschrift über Patcntagenten
im des Innern ausgearbeitet worden. Tic
Denkschrift untersucht die Beschwerden über die Patent- ggenten, die Konkurrenten der Patentanwälte, erkennt diese Beschwerden als begründet an, macht aber keine Vorschläge für einen gesetzgeberischen Schutz. Tie Tenlschrist empfiehlt dagegen, um das rechtsuchende Publikum zu schützen, die Geschäftspraktiken dieser Agenten öffentlich bekannt zu geben und das Publikum über die dadurch entstehenden Schaden aufzuklären.
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unb Verordnungen, Wohnnngsinfpektion, Erbauung von Kleinwohnungen, .Gartenstädte, Erstellung von Familien- ober Kleingärten als Ergänzung ber Jnnenstabtwohnungen. Viel ist schon erreicht, viel bleibt zu tun übrig. Die Vortragende wandte sich bann ber Frage zu: Wie können Frauenvereine hier mithelfen? Zuerst Interesse wecken für bie wichtige Aufgabe, sowohl in ber Stabt wie auf bem Lanb, wo die Wohnungsverhältnifse ebenso rciormbebürftig sind. Allerbings haben hie Frauenvereine nicht die Mittel zur Erbauung von Kleinwohnungen, aber sie können sich, - wie in Baben, dem Lanbeswohnnngsverein anschließen unb Mitglieder ber Baugenossenschaften werden unb deren gemeinnützige Bautätigkeit unterstützen. Besonbere Aufgabe ber Frauenve'reine ist Wohnungsaufsicht und -pflege. Mehr als bisher muß die Mithilfe der Frauen dazu herangezogen werben, und in den Wohnnngskommisfioiten ber Gemeinben sollten stets bie Frauenvereine vertreten sein. Es genügt nicht, gute Wohnungen zu schaffen, es muß verhütet werden, baß sie nicht verwahrlost werben, das ist Wo hnu n gs au f si cht, und es muß baiür gesorgt werden, daß auch minderwertige Wohnungen so gut unb sauber' gehalten werden, daß sie demwch ein Heim für bie Familie bilden. Das ist Wohnungspstege unb beides bas Amt unb die Aufgabe der Frau. Da aber freiwillige Hilfskräfte manchmal versagen ist die Anstellung einer Beamteten Wohnungsinspektorin, wie dies in Hessen schon zur segensreichen Verwirklichung gekommen ist, in jeder größeren Gemeinde oder einem Laubbezirk zu erstreben .und zu begrüßen. Ferner könnten bie Frauenvereine Flugblätter herausgeben und verteilen, welche in faßlicher und gebrängter Form praktische Regeln und Ratschläge über Wohnung und Wohnungshaltung verbreiten. Wenn in dieser Meise alle Kräfte zusammenwirken, kann das hohe und für das Wohl unseres Volkes so bedeutungsvolle Ziel mehr und mehr erreicht werden: Ein Heim für Alle.
Deutscher Protestantentag.
, _ ** Berlin, 15. Okt.
Der Deutsche Proteftantenverein, der im Jahre 1863 von liberalen Protestanten aus ganz Deutschland ins Leben gerufen wurde, trat heute hier zu seiner 50. Hauptversammlung zusammen.
Einleitend sand in der Neuen Kirche ein Festgottesdienst statt, bei dem Pfarrer D. Kirmß (Berlin) über den Spruch aus Joh. 17 predigte, während Hauptpastor Stage (Hamburg) sich über bie Geschichte des Deutschen Proteftantenvereins verbreitete unb babei besonbers auf ben starken Aufschwung ber kirchlich-liberalen Bewegung in den beiben letzten Jahrzehnten hinwies.
Der heutigen Hauptversammlung lag zunächst ber Jahresbericht vor. Der Vorsitzenbe Justizrat Krämer (Berlin) eröffnete alsbann die Verhanblungen mit einer Begrüßung ber Teilnehmer und widmete den verstorbenen Mitgliedern des Vereins, vor allem Karl Schrader und Pfarrer Jatho herzliche Gebenkworte. Darauf sprach an erster Stelle
Prof. Dr. Schmidt (Basel) über
„D as freie Christentum, sein kirchliches Recht und seine religiöse Aufgabe".
Im Anschluß an ben Vortrag bes Professors Schmibt würbe folgenbe Entschließung einstimmig angenommen: „Der 26. Deutsche Protestantentag zu Berlin spricht die Erwartung aus, baß die größeren evangelischein Landeskirchen im Schutze des Gewissens der Pfarrer und Gemeindeglieber sich nicht mehr von den kleinen Schwesterkirchen deutscher Zunge beschämen lassen, sondern endlich die agenbarischen Freiheiten schaffen unb damit alle Beteiligten zu freudig wetteifernder Arbeit im Dienste der Kirche aufrufen werden. Bekenntnisse, bie nur mit geistigem Vorbehalt zu leisten sinb, können nur Quellen des Mißtrauens unb der Schwäche sein und streiten nüber bie Ehre jebes protestantischen Kirchenwesens".
Auf Antrag von Pfarrer Schulz (Brandenburg) wurde gleichzeitig beschlossen, sie durch den Vorstand des Deutsck^n Protestantenvereins dem Evangelischen Oberkirchenrat zur Berücksichtigung zu übersenden.
Am Nachmittage fand eine Versammlung ber Freunbe des Allgemeinen evangelisch-protestanttschrii Missionsvereins unb eine solche ber kirchlich-liberalen Frauen statt. Hier sprach Fräulein Margarete H e n t s ch k e über „Die Mitarbeit ber Frau im evangelischen Gemeinbeleben". — Den Tag beschlossen fünf Volksversammlungen bes Deutschen Protestantentages in ben verschiedenen Stadtteilen Berlins, in denen u. a. Pfarrer D. Pfann - kuche (Osnabrück), Pfarrer Nenber (Ohligs), Pastor Janssen (Kiel), Stabtschulinspektor D. Jensen (Berlin), Pfarrer Tribukeit (Tilsit), Sic. Eberlein (Stettin), Pfarrer D. Franke (Liegnitz), Pfarrer D. Kautzsch (Dresben), Reichstagsabgeordneter Pfarrer Heyn (Berlin) Und Landtagsabgeordneter Sic. Traub (Dortmund) als Redner auftraten.
1913
Männer 13 356
Frauen 7 232
Zweites Blatt 165. Jahrgang
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Seltersweg 81
Programm für ienstag, den 14- Mitt- od), den 15, Tovncrs- g,dc,il6„orcitaa,dcn 17. Oktober 1913.
An der See tnlttiite Naturausnabm. Die Liebesgeschichte einer Kreolin
Hervorragendes Drama, idolarhatschon wieder einmal Pech
Wochenübersicht des Union-Theaters
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Xarnoch3Tage!
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erklärt sich durch das ungünstige Badewetter.
** Gießener V 0 lksbad. Im dritten Vierteljahr 1913 wurden im Volksbad 33 045 Bäder verabreicht (gegen 33 810 im gleichen Zeitraum des Vorjahres). Es ergibt dies im Turchschnitt für den Tag 359 Bäder (357). Von den genommenen Bädern entfallen auf Schwimmbäder: 14 062 (12108), Volksbäder zu 10 Pfg.: 3524 (3137), Wannen- und medizinische Bäder: 4871 (4789), Brausebäder: 10125 (7407), Dampf- und Heißluftbäder: 463 (567). Die Personcn- wage wurde 945mat benutzt, 10 Personen besichtigten die Anstalt.
** Ter Blumenschmuck unserer Stadt zeigte im vergangenen Sommer abermals eine erfreuliche Weiterentwicklung, sowohl in der Art der Bepflanzung, wie auch an Zahl der geschmückten Häuser. Ten reichsten Blumenschmuck hatten die .Häuser in der Stephansnrark, in der Nähe der Universitätsbibliothek, der neue Stadtteil zwischen Bahnhof und den neuen Kliniken, dann die obere Frankfurter Straße, Wilhelmstraße, Moltkestraße, Marburger Straße, Landgraf-Philipps-Platz, Brandplatz und im Innern der Altstadt die Marktstraße, die Schilleiffkraße und das Garnisonlazarett, von öffentlichen Gebäuden die Stadtmädchenschule angelegt. Wenn man aber annehmen wollte, daß es vornehmlich der wohlhabende Teil der Bevölkerung sei, welcher Sinn für Blumenschmuck habe, so irrt man sich. So zeigte die von ausschließlich kleinen .Leuten bewohnte Katharinengasse mit ihren 37 Blumenfenstern einen viel reicheren Blumenschmuck wie die benachbarte Bahnhofstraße, die, von veveinzelten Ausnahmen abgesehen, fast nur kahle Fenster zeigte. Trotz des verregneten, sonnenarmen Sommers war die Entwicklung des Blumenflors, namentlich überall da, wo man die Pflanzen in geräumige Kästen gesetzt hatte, eine sehr üppige Und infolge der schönen Herbsttage im September blühen die Geranien überall noch in sommerlicher Farbenpracht. Wer aber seinen Fensterschmuck durchwintern will, muß sich beeilen, ihn innerhalb desi Hauses unterzubringen, denn die nächsten Nächte können stärkeren Frost bringen. Von den 2002 Wohnhäusern, welche das Adreßbuch verzeichnet, hatten im ganzen 332 Blumenschmuck an der Straßenseite. Das ist schon etwas, aber für Gießen noch nicht genug.
** Unterbietungsverfahren. Die Stadt hat für die erstmalige Reinigung der etwa 220 Fenster der neuen Ober-Realschule an der Stephanstraße ein Unker- bietungsverfahren ausgeschrieben, das folgendes Ergebnis hatte: Wilhelm Koch Fensterputzer: 119 Mk., Glas- und Gebäudereinigungsinstitut S. Hanau: 191 Mk., Witwe Hofmann: 200 Mk., Karl Heller: 284 Mk. Die Unterschiede sind, wenn man bedenkt, daß es sich nur um Arbettslöhne handelt, eigentlich etwas groß.
** Ein „neuer Erreger" der Blinddarmentzündung. Eine großartige Entdeckung auf medizinischem Gebiete hat ein Schneidermeister in Büdingen gemacht und damit schnell im „Büdinger Anzeiger" die nötige Unterstützung gefunben, da dieser die Entdeckung mit großem Eifer sofort ausgriff, um seinen Lesern die Erleuchtung folgendermaßen mitzuteilen:
„Auf Grund langer Beobachtung glaubt ber Schneidermeister K. Schmitt aus Büdingen ben Urheber der Blindbarrnent- zünbung in einem kleinen, sehr stinken Tierchen entbccft zu haben, bas in erster Linie in sehr süßen Spalierbirnen lebt. Wenn man eine mit ben bösen Lebewesen bewohnte Birne verspeist, so kommen bleie natürlich in bie Eingeweibe. Dort stechen die Tiere den Blinddarm am Wurmfortsatz an unb führen eine Eiterung herbei, bie je nach ber Empfänglichkeit des betroffenen Jndivibuums rascher ober langsamer vor sich geht." Wer also den Genuß der Birnen meidet, verhütet bei sich den Ausbruch der Blinddarmentzündung!
Kreis Lauterbach.
~ Heblos, 15. Okt. Am 27. Juli d. I. hat der Aus-^ Hilfsbahnwärter Gg. Fö lsing von hier an dem Bahnübergang der Kreisstraße Lauterbach-Alsfeld das 3 Jahre alte Enkelchen des Bahnwärters Johs. Friedel dadurch gerettet, daß er das Kind, welches unter der geschlossenen Schranke hindurch auf das Schienengleis gesprungen war, kurz vor dem heranbrausenden Zuge mit eigener Lebensgefahr von dem Gleise entfernte. Für diese mit Mut und Entschlossenheit bewirkte Rettung des Kindes wurde ihm vom Großh. Ministerium eine Geldprämie von 25 Mark verliehen, die ihm heute durch das Kreisamt Lauterbach nebst einer besonderen Anerkennung überreicht wurde.
Starkenburg unb Ntseinhefsen.
ch. Bingen, 14. Okt. In Bingen sand am Dienstag in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der staatlichen unb stäbtischen Behörden unb ber Bürgerschaft die Einweihung ber neuen Schulräume für die Baugewerk- 1111 b Gewerbeschule statt. Schon seit längerer Zeit hatte die Schule mit Raummangel zu kämpfen, unb so beschloß bie Stabtverorbnetenvcrsammlung, bas ehemalige Amtsgebäude für die Zwecke ber Schule um* zubauen. Dieses ist ein solides Bauwerk aus bem 14. Jahrhunbert. Die erforderlichen Mtttel in Höhe von rund 70 000 Mark würben


