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Anzeiger Gießen.
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Erster Blatt
165. Jahrgang
5amrtag, 15. November 1913
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Eofafiottsbrnd und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5chulstrahe 7.
VezuqSvrctS: monatlich 75Ps^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Aik.2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Zeileupreis: lokal 15 Pf^ auswärts 20 Meuuiq. Ehcfredakteur: '21. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und„Gerichts- faal": Karl Neurath; für .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 22 Setten.
Tageskalender aus dem Jahre 1813.
15. November. Napoleon nimmt den ihm angebotenen Frieden nicht an, und gibt Befahl zu neuen Rüstungen.
Politische Wochenschau,
Gießen, 15. November.
^.^..Darmstädter Mitarbeiter hatte vor einiger Zeit M>er die sich hinschleppenden Verhandlungen der hessischen Kammerausschüsse geklagt und es getadelt, daß die Ferieu- ordnung unserer Parlamentarier zu schlecht geregelt sei. 2tls noch vor wenigen Wochen heiß darüber gestritten wurde, ob man den „Wohnungsgelbzuschuß" beseitigen solle oder nicht, als man sich nicht einig zu werden schieu, ob ein Beamter auf dem Lande besser oder schlechter gestellt sei als sern Kollege in der Stadt, da gab es manches Kopfschüttelnd rmd die Aussichten auf ein baldiges Zustandekommen des lange ersehnten hessischen Besoldungsgesetzes schienen recl)t trübe zu sein. Auf einmal hat dann der großmächt'ige Finanzausschuß in ein strenges und geheimnisvolles Schweigen islch gehüllt und, wie es schien^ fieberhaft gearbeitet. Die iMinrster und Regierungsvertreter ■gingen im Ausschuß aus und ein, und es schienen sich endlich einmal große Dinge vorzubereiten. Gestern hat nun die Brut aufgehört, und die neugeborene Vorlage wurde den neugierigeit Augen der Oeffentlichleit enthüllt. Es war die höchste Zeit! Gleich- ^itig verkündigt man, daß am 2. Dezember die Zweite Kammer in ihre Beratungen eintreten wird. Wenn erst Tn etwa 14 Tagen die gedruckten Ausschußberichte über das ueu-e Gesetz vorliegeu, gibt es nicht viel Zeit zum Besinnen. Vs wird offenbar damit gerechnet, daß jetzt endlich der Bau gesichert und gefestigt dasteht, daß er nicht wieder, wie die früheren Werte der Regierung, eines Umbaues bedarf; die hessischen Beamten wollen unter den Lichtern des Weih- naclstsbaumes die wichtige Gabe nicht fehlen sehen. Wenn auch .das Gesetz erft am 1. 2lpcil des nächsten Jahres in Kraft tritt, so wird die frohe Botschaft bei den Beteiligten dach ungetrübte Freude erwecken. t
Die beunruhigende Zeit des Uebevganges, dies provisorischen Anstandes, ist vorbei, und ein fertiges, wohl gegliedertes neues System soll an die Stelle der veralteten Vorschriften treten. Man hatte eine Verein fachung des Klassensystems der Besolduirgsordnung gewünscht, und es ist mitgeteilt worden, daß die neue Vereinbarung auf 51 statt chlf die von der Regierung zuletzt vorgeschlagenen 81 Klassen ^sich beschränke. Das balbe Hundert ist wahrhafttg auch noch genug; die Treppe, die zu iben iNinistcrsesseln hinaufführt, ist nid)t mehr so himmelhoch und vielstufig; die Schranken !freilich konnten nicht alle beseitigt werden, und das alte Mort güt auch für die Staatsdiener: der Schuster muß Rbei seinem Leisten bleiben. Wer vermag, außerhalb der Beamtenschaft stehend, nun tzu sagen, ob bei der neuen Regelung alles vollkommen nach Gerechtigkeit und Verdienst gegangen ist! Es werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch, diesmal alleriei Auseinandersetzungen kommen und Beschwerden erhoben werden. Wer im großen und ganzen scheint das neue Werk einen Fortschritt zu bedeuten. Kleinliche Unter- fchiede, die nur unnötig böses Blut und Unzufriedenheit .machten, sind beseitigt worden, und mit der Abschaffung ldes Wohnungsgeldes wird man sich, da es ja für die größeren Städte Zulagen geben soll, schließlich auch abfindeu 'müssen. Ganz so gut wie in Preußen sind unsere Beamten .auch in den ireuen Vorschlägen nicht bedacht worden. Aber es handelt fid) nur noch um geringe Unterschiede, und es ist nun einmal unabweislich, daß die hessische Steuerschraube eine weitere Anziehung schlecht verträgt. Die Zeiten sind ^—M ■!— IIII II iSUMAJuHlWaro-TMSn UJBJU miw——
Die titcsjäljrigen Nobelpreise.
Die Verleihung der Nobelpreise hat in diesem Jahre Überraschungen hervorgerufen, denn sie sind zumeist Männern zuteil geworden, die dem großen Publikum kaum dem Namen nach bekannt sind. Aber das ist bei den naturwissenschaftlichen Nobelpreisen schließlich ganz in der Ordnung, denn es kommt darauf an, was diese Leute in ihrer Wissenschaft geleistet haben — und da sind sie denn auch bahnbrechend gewesen. Größeres Erstaunen hat die Verleihung des Literaturpreises an den in weitesten Kreisen unbekänn- ten Indier Tagore hervorgerufen, besonders in Deutschland, wo man entschieden mit der Auszeichnung des 70jährigen Rosegger rechnete, der ja auch von Stockholm aus mit ziemlicher Bestimmtheit genannt wurde. Immerhin ist die „Entdeckung" Tagores interessant genug, um hier etwas ausführlicher geschildert zu werden.
Der bekannte englische Maler und Zeichner William Mothenstein war vor etwa einem Jahr in Indien, und hier wurde feine Aufmerksamkeit auf einen Dichter gelenkt, der bei feinen indischen Landsleuten die höchste Verehrung genoß, den aber die offiziellen Kreise nicht zu beachten schienen. Dieser gefeierte Nachfahr der großen Poeten der Sanskritliteratur war Rabindra Nath Tagore, der jüngste Nobelpreisträger. Der Maler bestimmte den Dichter, der sich bisher in stiller Abgeschlossenheit und einsamer Versenkung gehalten hatte, mit ihm nach England zu kommen, und so erschien denn „das Licht aus dem Osten" zum ersten Mal vor einer europäischen Versammlung, auf dem Religionskongreß in Paris. In London wurde er als Indiens berühmtester Sänger gefeiert, und besonders der irische Poet W. B. Beats war von den Richtungen, die Tagore selbst in seinem fließenden und eleganten Englisch übersetzte, so entzückt, daß er eine englische Ausgabe von seinen Dichtungen unter dem Titel „Gitcmjali" d. h. Sangesopfer veranstaltete und mit einer schönen Würdigung einleitete. Das Buch, das dem eigentlichen Entdecker Rothenstein gewidmet ist, machte großes Aufsehen; die Auslagen folgen einander ununterbrochen,
imgünftig, und unsere Beamten sollen bedenken, daß sie vor den Trägern der freien Berufe, die in den wirtschaftlichen Kämpfen rauheren Stößen ausgesetzt sind, doch allerlei Annehmlichkeiten voraus haben. Immerhin wäre es besser gewesen, wenn die Zweite Kammer schon etwas früher zur Beratung hätte zusammenl'ommcn können; in Sachsen, Bckden und Bayern haben die Parlamente ihre Arbeiten schon be- goimen, und der Stoff, der in Darmstadt erledigt werden muß, ist nicht minder wickftig und schwierig wie die Geschäfte der anderen Bundesstaaten. Wir denken dabei weniger an die Zentrumswünfche in der Ordensgesetzgebung, über die man hoffentlich nicht allzu viel Zeit verlieren wird, als vielmehr vor allem an die Nachprüfung des neuen Gemeindeumlagengesetzes und ferner die in Aussicht gestellten Verkehrsverbesserungen durch Einlegung von Automobillinien. Gerade in der Provinz Oberhessen verspricht man sich von solchen Einrichtungen segensreiche Fortschritte.
Die frei schaffenden Stände im Reiche haben die Aussicht auf riue baldige neue Regelung der Sonntagsruhe erhalten. Die neue Gesetzesvorlage, die wir gestern veröffentlichten, bedeutet eine Verkürzung der Arbeitszeit an Sonntagen und stellt somit einen sozialen Fortschritt dar. In den offenen Verkaufsstellen dürfen die Angestellten im allgemeinen nicht mehr, wie bisher, fünf Sttrnden, sondern nur noch drei Stunden beschäftigt werden. In Städten, wo des Sonntags viel aus Landkundschaft gerechnet wird, kann die zuständige Ver- walttlngsstelle eine Beschästigungszrit von vier Stunden zulassen. Um eine große Reform handelt sich's also nicht. Wir wollen aber der großen Zahl hierbei in Frage kommender kaufmännischer Angestellten die kleine Erleichterung, ihrer Berufsbürde herzlich gönnen. Den Ladeubesitzeru und Gewerbetreibenden wird das neue Gesetz keine wesentlichen Ungelegenheiten bringen. Man sieht, wie trotz des vielfachen Rufes nach einer Verlangsamung unserer Sozialpolitik in unseren Reichsämtern regsam gearbeitet wird.
Das Präludium zur Wiedereröffnung des Reichstags vollzieht sich leider unter den mißharmonischen Sturmglocken einiger Entrüstungs-Affären. Der bedauerliche Vorfall in Zubern hat auch nach der amtlichen Untersuchung und Veröffentlichung ihres Ergebnisses noch ein sehr unvorteilhaftes Aussehen. Wenn auch der Ausdruck „Wackes" keine allgemeine Bezeichnung für die Elsässer, sondern für ver- lodderte und verlumpte Kerle ist, so war die eigenartige Rechtsbelehrung jenes Leutnants, der den Sturm heraufbeschworen hat, doch im höchsten Grade vom Uebel. Der an- maßliche Redeschwall, die pathetische Aufforderung zum Waffengebrauch, das waren doch Dinge, die mit dem Dienstbereich eines Leutnants gar nichts zu tun haben sollten. Das unnötige taktlose Gerede, das auch in anderen deutschen Landen eine Ablehnung hätte erfahren müssen, war doppelt unangebracht in den Reichslanden, wo es zwar gilt, eine entschiedene d e u tsche Gesinnung hochzuhalten, wo aber Beamte ober Offiziere in ihren Äeußerungen ober Kund- gebungen alles Herausfordernde vermeiden müffpn. Die Militärbehörden können nichts besseres tun, als den unvorsichtigen Leutnant auf eine minder exponierte Stelle ab» zuberufen, und wenn der Fall im Reichstag zur Sprache kommen sollte, darf man wohl auf etwas geschicktere amtliche Erklärungen hossen, als die bisherigen Zeitungsnotizen sie enthielen.
Auf den sozialdemokratischen Bänken wird es noch mehr Entrüstungsschreieigeben, und zwar wird gegen die Maßregel des Reichskanzlers in Sachen des „Rüstungs-Ausschusses" Sttirm gelaufen werden. Wir veröffentlichen heute an anderer Stelle gewisse Kriegserklärungen der sozialdemokratischen Fraktion. An sich war es gewiß zu billigen, daß gerade oer Abgeordnete Dr. Liebknecht in diesem Ausschüsse als befangen abgelehnt wurde, aber daß der Staatssekretär Dr Delbrück von „verfassungsmäßigen Bedenken" sprach, wird und der Inder hat die beste Aussicht, einen Welte.rfolg in englischer Sprache zu erringen, wie früher der Perser Omar Chajjam, und wie dieser ein britischer Klassiker zu werden. Auch in Amerika ist Rabindra bann aufgetaucht, hat auch dort mit seiner sanften wohllautenben Stimme seine Lieder vorgetragen und in Kirchen- über indische Philosophie gesprochen, und überall, wo der Mann vom heiligen Strome erschien, ging ein seltsamer Zauber von ihm aus; man bewunderte die schone hochgewachsene Erscheinung mit dem grauen Haar unb Bart, bem fremdartigen Kostüm, unb so mancher hielt ihn, wie feine Lanbsleute, für einen Heiligen, wenn er die Hänbe über ber Brust gefaltet, in ben großen dunklen Augen ein innerlich glühenbes Seelenseuer, dahin- schritt.
Dieser stille Mystiker, ben nun so plötzlich ber Spruch der Stockholmer Akademie aus dem Schatten frommer Andacht und beschaulicher Ruhe in bas grelle Licht der weitesten Oefsentlichkeit gerückt hat, ist im Jahre 1861 zu Kalkutta geboren. Er stammt aus einer altangesehenen, srom- imejH unb künstlerisch begabten Familie. Sein Vater, ber Maha Rif hi, ist bekannt wegen seiner Frömmigkeit, sein Bruder Dwijendra Nath ist ein berühmter Philosoph. Zwei andere Verwandte, Gogonendra Nath unb Abininbra Nath Tagore finb namhafte Künstler; sie haben sich ebenso wie ber Philosoph von ben alten Traditionen losgesagt und wollen Indien einer neuen Zeit und einer modernen Bildung Zufuhren. Auch Rabindra hat ben modernen Ideen Herz und Haus geöffnet; so hat er auf seinem Gut eine S ch u l e gegründet, deren Lehrer europäffche Bildung haben. Aber sein Denken und Dichten wurzelt doch noch ganz in den Wundern altindischer Kultur und Schönheit, und mit einer stillen Resignatton sieht er in sich den letzten Dichter des alten Indiens, der noch tief hineinaetaucht ist in ben Weisheitsbronnen ber Vergottung unb der Alleinheit.
Tagore, der zuerst als Musiker auftrat unb mit einer Oper begann, ber auch alle feine Gedichte selbst vertont hat, soll in feinen Dramen, Romanen, Novellen unb .Ge
nick) t überall recht verstanden werden. Es handelt sich bei der Nachprüftmg ber Rüstungslieferungen ja nicht um eine rein parlamentarische Tätigkeit, was schon daraus hervorgeht, daß auch eine ganze Reihe von Nich tpur lum eu- tariern in ben Ausschuß berufen worben sind. Der So- zialdemokratte, die doch sonst auf freundschaftliche Beziehungen mit Negierung unb bürgerlichen Parteien kein großes Gewicht legt, wirb es baher nicht viel helfen, wenn sie jetzt bie „gekränkte Leberwurst" spielen will, lieber* bies hat sie doch noch andere Sachverständige wie HerrU Dr. Liebknecht, und wenn Herrn Noske noch eine andere „Autorität" auf dem Gebiete des Hecreswesens beigegeben worden wäre, so wäre damit bock) auch ber Zweck erreicht worben, ben bösen Panzerplattenfirmen nichts burch bie Finger sehen zu lassen. Aber man braucht alleweil etwas Opposition, unb so wirb ein halber ober gar ein ganzer Tag mit uferlosen Neben verschwenbet werden!
Der Kaiser begab sich Freitag abend um 11 Uhr mit dem Sonderzuge nach Kiel.
Ein Festabend beim Neichstagspräsiden- t e n. Zu Ehren des augenblicklich in Berlin versammelten Ausschusses des Deutschen Handelstages hatten der Präsident des Handelstages und Frau Dr. Kämpf für Freitag Ein la düngen zu einem Abendessen in den Fest- räumen des ReichstagSpräsidialg eb ä ud e S ergehen lassen. Gegen 150 hervorragenbe Persönlichkeiten der amtlichen wie ber kommerziellen unb industriellen Wett waren der Einladung gefolgt, an ihrer Spitze ber Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg, die Staatssekretäre Krätke unb Dr. Lisco, bie Unterstaatssekretäre Wahnschaffe unb Dr. Zimmermann.
2Iais!a$iö.
Erzherzog Franz Ferbinand unb Gemahlin finb Freitag mittag zum Besuche bes Königspaares nach England abgereist.
Eine Anleihe für Militärzwecke in Fran k« reich. In ber Nachmittagssitzung ber französischen Kammer, am Freitag, brachte ber Finanzminister Dumont den Gesetzentwurf über eine Anleihe von 1300 Millionen Franks für außerordentliche Ausgaben bes Militärbudgets und Marokko während dreier Etatsjahre ein. Die ber Vorlage 'beigegebene Motive begrünben die Wahl des Typus ber dreiprozentigen eitrigen Schuld, welche als bas richtige Werkzeug für ben Krebit des Staates zu betrachten sei; Staats fonbs würben ihre privilegierte Stellung wieder- eriangen, sobalb bas Parlament gemäß ber Vorlage bis Steuerfreiheit ber Zinserträge beschlossen haben werde. Es wird hinzugefügt, daß die Regierung die beständige Sorgfalt nicht nur ber militärischen Vorbereitung des Landes für ben Tag, wo es heiße, „zu den Waffen", sondern auch für1 die finanziellen Vorbereitungen und ber Amortisierung ber Staatsschulden als ihre gebieterische Pflicht betrachte. Die Motive zeigen weiter, baß ber Rückkauf der neuen Renten an der Börse die daß Budget am wenigsten belastende, für den Staatskrebit günstigste Art der Tilgung sei, und drücken die Meinung aus, daß nach etwa 30 Jahren die für ben Dienst der Anleihe dienenden 75 Millionen in voller Höhe ber Tilgungskasse zugeführt werben können, und daß wahrscheinlich nach weiteren 30 Jahren ber Nominalbetrag ber ewigen Schuld nicht nur um ben Betrag der neuen Anleihe, sondern auch int weiteren von über zwei Milliarden, zusammen über 3l/2 Milliarden Franks, abgenommen habe. In jedem Jahre wirb bie Staatskasse bie Summe von 75 Millionen Franks erhalten, bie zur Zahlung ber Zinsen und zur Amorttsatiou der neuen Anleihe vevi wendet werben soll. Diese 75 Millionen Franks werden burch dichten das umfassendste Bild von bem Denken, Wesen unb Sein seines Volkes und Laubes gegeben haben; man rühmt seinen von ihm selbst in englische Prosa übersetzten Gedich- ten im Original eine Feinheit bes Rhythmus, eine Zartheit ber metrifrf)en Gestaltung und Glut ber Farbe nach, die in einer fremden Sprache nicht wiederzugeben sind. Seine Kunst mag sich mit manchen literarischen Strömungen ber Gegenwart, mit Maeterlinck unb Bergfon berühren, unb so sich ihr großer Erfolg erklären.
Alfred Weiner in Zürich ist ein Elsässer; Mühlhausen ist seine Vaterstadt; gegenwärtig steht er im 47. Lebensjahre. Er hat in Zürich unb Paris studiert, wurde bann in Zürich Assistent unb bekleidet dort seit 18 Jahren am eidgenössischen) Polytechnikum eine Professur. Sein Spezialgebiet ist ber Teil per Chemie, den Pasteur im Jahre 1848 an bahnte, als er an Weinsäure das optisck-e Drehungsvermögen der sogenannten Links- und Recktsverbindungen entdeckte. Heute ist hieraus, nicht zum wenigsten durch die Untersuchungen Werners, ein sehr verwickeltes, außerordentlich schwieriges Gebiet geworden, in dem jedoch noch vieles vollkommen dunkel ist. Auf den Untersuckungen Werners beruht hauptsäck-lich bie Entbeckung neuer, optisch aktiver Ver- binbungen, beren optische Aktivität nicht auf ein asymmetrisches Kohlcustoffatom zurückgeht, sondern bei denen andere Elemente die Rolle dieses einen asymmetrischm Kohlenstoffatoms übernommen haben, z. B. Kobalt, Chrom, Rhodium ober Eisen. Bei den optisch aktiven Stossen mit einem afmnmetriid^n Köhlenstoffatom denkt man sich dieses Atom in der Mitte eines Tettaödcrs angeordnet/ und die Valenzen werden nach den Ecken dieses Tetraeders ge- gerichtet vorgestellt. Diese Thevrie hat Werner erweitert und darauf die eweiterte Theorie durch Verfluche bestätigt: er nimmt nämlich an, daß es außer den Valenzen ober Wertigkeiten der alten Chemie noch sogenannte Nebenvalenzen gibt, die nicht Atome und Atome ober Atomgruppen aneinanderfesseln, sondern gesättigte Komplexe aneinanberbinben. Diese Anschauung hat zu einer reichen Entwicklung ber Theorie von der Isomerie geführt. Tie räumliche Anordming stellt Werner hierbei durch, das Oktaeder (anstelle des früheren Tettaöders beim Stoßenftoffatom', dar, uird das Metallatom ist dabei in der Mitte des Oktaeders angebracht zu benFen. Bei dieser Oktaederformel sind nun zwer Anordirungoarten der Kernsubstituenten möglich, so daß eine „Trans-" unb eine „Eis-"Stellung möglich iftz unb diese cheo-


