Ausgabe 
17.5.1913 Viertes Blatt
 
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viertes Blatt

M. \\5

165. Jahrgang

Erscheint täglich mu Ausnahme des Sonntags.

isse, 22-24 Ztm.

einer Stunde wieder"

und Wegelagcrinncn Jahre lang schlimmes Unheil anrichteten. Berühmt wurden die Verbrecben der Moll Cutpursc, die als Taschendiebin anfing und später eine der gesürchtetsteu nächt lichen Reiterinnen in den Hügelgegenden von Hampstcod wurde. Sie,arbeitete" stets allein und miirN' auch mehrfach festgenommeu, aber immer gelang es ihr, durch grosszügige Bestechungen alle Beugen zum Schweigen zu bringen, so das', sie nie verurteilt werden konnte. Sie starb schliesslich in dem stattlichen Älter von 74 Jahren friedlich in ihrem Bette: Moll Cutpurse war dabei ein Original: in ihrem Testament setzte sie eine große Summe zum Ankauf von Handschuhen aus, die ihren Bekannten geschenkt werden sollten: und in ihrem letzten Willen bestand sie auch darauf, anders als gewöhnliche Sterbliche, nämlich mit dem Gesicht nach unten, bestattet zu werdeu. Zwei andere berüchtigte Strastenräuberinnen Englands'waren Anne Holland und Moll Jones. Beide ni- beiteten stets allein, achteten ein Menschenleben gering, begingen manche Mordtaten, wurden aber schließlich doch von ihrem Schick­sal ereilt und endeten am Galgen. Und dasselbe Schicksal traf auch Johanna Brace»: sie war die,Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers, lerute den Straßenräuber und Einbrecher Brace» kennen und lunrbc bald seine Genossin. Eines Tages aber raubte sie auch einen reisendeit Oberrichter aus: das Opfer ruhte nicht, bis die gcheimnisvotle Räuberin entdeckt war: sie starb aut Galgen im Mter von 21 Jahren. .

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Kawassen nichts zu tun hat, als auf der Insel hin n'nd her zu gehen, in der sicheren Erwartung, nichts Gesetzwidriges zu entdecken. Tie Leute von Adaialeh sind nämlich außerordent­lich friedfertig und seit Meuschengedenken ist keiner mit den Gerichten in Berührung gekommen. Was mögen nun die Leute von Ädakaleh jahrein, jahraus treiben? Das bißchen Landwirtschaft ist bald abgetan, den ganzen Tag schwatzen, spazierengehen oder im Cafe Herumsitzen kann m<m auch nicht, und so besteht denn ihre einzige Ab­wechslung darin, daß sie allwöchentlich die Stadt Or- s o w a aufsuch en, wo sie ihre Landesprodukte verkaufen. Sie sind übrigens eine weitere Annehmlichkeit von Zollabgaben befreit, ebenso, wie sie nicht mili­tärpflichtig sind, oder wie inan jetzt sagen muß: waren. Das wären die Menschen, der Insel. Haustiere gibt es nur sehr wenige: einige 20 Kühe, die von J-rauen gehütet werden, und außerdem zwei Hunde, die im Be­sitze der Zollbeamten sind. Das Ansehnlichste Bauwerk der Insel ist wahrscheinlich die Moschee, die im Innern eine besondere Merkwürdigkeit birgt: dort sind wohlge­zählte tausend große Holzlügeln in einer langen Reihe an der Wand hingelegt, und wer nach deren Bestimmung fragt, erfährt, daß sie zum Abzählen der 6000 Gebete bienen, die beim Tode eines «Gläubigen auf der Insel gesprochen werden.

DieEiehener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich Dir,Landwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Frauen als Wegelagerer.

.In mexikanischen Gesellschastskreiseu wird ein ungclvöhulichcs Abenteuer viel besprochen, das vor kurzem ein wohlhabender mexikanischer Gutsbesitzer in der Provinz Ehihuahua zu be stehen hatte. Er hatte in der Stadt bei der Bank Geld zu Lohu- zahlungen abgehoben. Auf dem Heimwege zu seinem Gute tauchte plötzlich an einer Wegkreuzung ein maskierter Wegelagerer vor ihm auf und zwang ihn mit vorgehalteuem Revolver, den Beutel mit den Löhnen herauszugeben. Durch eine List gelang cs dem Herrn, den Räuber zu entwaffnen, die Rollen waren vertauscht, und als der Straßenräuber seine Maske abnchmcn mußte, er­kannte der Gutsbesitzer in dem Wegelagerer zu seinem Staunen und seinem Schrecken die junge hübsche. 18 jährige Tochter seines besten Freundes und Gutsnachbaru. Die junge Dame gestand dann, daß sie durch die Lektüre von Abcnteurerromanen dazu getrieben worden sei, auch einmal eine solche Bcraubungsszcne zu erleben.

Der Fall hat in Europa seine Vorläufer gehabt: eine eng lifche Zeitschrift erinnert in diesem Zusammenhänge an eine junge vornehme britische Aristokratin, die Mitte des 18. Jahrhunderts auf Putnct) Heath bei einer ähnlich gefährlichen Beschäftigung festgenommen wurde: aber auch hier wurde ein gerichtliches Nachspiel vermieden. Die junge Dame hatte dem Ehrgeiz, Räuber taten zu verrichten, nicht widerstehen können: und sie trieb in der Gegend ihr Unwesen, bis sie eines Tages und durch einen merkwürdigen Zusall von einem erfahrenen echten Straßenräuber entlarvt wurde. Als der Räuber in der Nacht auf der Straße einhcrwanderte, tauditc plötzlich mit vorgehaltencr Pistole eine Gestalt vor ihm auf, und der Wegelagerer selbst mußte nun die berüchtigten Worte hören:Das Geld oder das Leben." Aber dem erfahrenenFachmann" gelang es, seine Angreiferin zu entwaffnen: und es zeigte sich, daß sie die Tochter einer der berühmtesten altenglischen Aristokratcnfamilie war. Sic hatte heim lief) Fechten und Schießen gelernt und schon manch.'» vorüber reisende» Kaufmann ausgeplündert, weniger des Geldes wegen, als um desVergnügens" willen. Zn Ehren des Straßen räuberd, der diesmal beinahe das Opfer geworden wäre, muß gesagt ivcrdeu, daß es ihm gelang, die junge Dame davon zu überzeugen, daß es von ihr nichtfair" sei, armen wirklichen Straßenräubcru Konkurrenz zu macheu.

Aber in diesen Fällen handelte es sich um junge, romantische Damen, die durch abenteuerliche Lektüre ans Abwege getrieben worden waren. Die Krimiualgeschichte weist dagegen eine ganze Reihe von Beispielen aus, in denen Frauen als Straßenräuber

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Vie vergeßene Cürieninse! in der Donau.

Kein Mensch hat seit den Tagen des Berliner Kongresses an Ädakaleh, bie türkische Insel in der Donau, gedacht. Nun aber, wo die österreichisch-ungarische Monarchie sie end­gültig mit Beschlag belegt, beschäftigt dieses merkwürdige Fleckchen Erde die Oeffentlichkeit mit einem Male lebhaft. Merkwürdig genug ist die Insel in der Tat, denn ihre Einwohner, die nur wenige hundert Meter von Ungarn, von Rumänien und von Serbien entfernt leben, beschäf­tigen sich eigentlich mit nichts, als der edlen Kunst des dolce far nreute. Der Rosen- und Weinbau, den die .Insel alsLandwirtschaft" betreibt, macht nämlich fast gar keine Arbeit und mit der Herstellung der Ziga­retten, der einzigen Industrie der Insel, ist es ähn­lich bestellt. Wer Ädakaleh besucht, ffnbet daher gewöhn­lich die ganze Bevölkerung eifrig dabei, wie sie sich emsig dem Nichtstun hingibt. Das erste, was einem beim Be­treten der Insel in die Augen fällt, sind die Festungsan,- lagen. Ädakaleh ist seit uralten'Zeiten befestigt, und schon die Legionen des römischen Kaisers Trajan haben dort Festungswerke angelegt. Von diesen sieht man.freilich nichts, sondern die in Trümmer liegenden 'Festungswerke stammen aus der Zeit Leopolds 1. In den 124 Jahren, die dir Türken die Insel in Besitz haben, sind dieFestungen" aber ooIIEontmen verfallen. Durchschreitet man dieFestnngs- mauer", so steht man in einem Gewirr von Gäßchen und bemerkt sogleich, daß man im echten Orient ist. Das Bild ähnelt, freilich in winzigem Maßstabe, dem einer kleinen türkischen Stadt: im Bazar sitzt hier der Fleischer, dort hält der Bäcker feine Waren feil, und es fehlt natürlich nicht das Cafe mit seinen im Freien stehenden Tischchen! Wo anders sollten sich die Männer von Ädakaleh auch auf­halten! Sie sitzen rauchend und schwatzend um die Tische herum und reden von den Dingen, . die ihre Gemüter be­schäftigen, also gegenwärtig von der gewaltigen Um­wälzung, die sie betrifft. Abgesehen von diesemBrenn­punkte be?> Verkehrs" macht die Insel einen verschlafe­

nen Eindruck. Wer etwa meint, er könne in ein Geschäft gehen, um Zigaretten zu kaufen, gibt sich trügerischen Hoffnungen hin, denn das Geschäft ist, gewöhnlich geschlos­sen, und der Inhaberkommt in einer Stunde wieder"

Redaktion, Expedition und Druckerei: Scbnl- straße 7. Expedition und Verlag: e^Döl. 'Nedaktion:<LE112. Tel.-Adr.: fttnzeigerGießeu.

Äreisrinderzuchtverein Gietzen für Vogelsberger Vieh.

Gießcu, 15. Mai.

Im Anschluß an die hcutc von der Landwirtschaftskammer auf Bichlers Hardt zu Gießen veranstaltete Bezirkstierschau sand die ordentliche Hauptversammlung des Kreisrinderzucht- vereins Gießen für Vogelsberger Vieh statt. Der Vorsitzende des Vereins, Regierungsrat Dr. Merck, erstattete zunächst den Jahresbericht für das abgelaufenc Geschäftsjahr 1912. Es ist hieraus zu entnehmen, daß der Verein auch im letzten Jahr sich weiter gut entwickelt hat. Die Zahl der angekörten Tiere in den angeschlossencn 13 Ortsvercinen, ist aus 347 angewachsen. Im Geschäftsjahre wurden neu angekört: 11 Bullen und 77 Kühe und Kälber. Bedauerlicherweise konnte bic_ im Herbste vor­gesehene Kreistierschau, verbunden mit einer Sonderausstellung für den Verband mitteldeutscher Rotviehzüchtcr, megen der stark ausgetretenen Maul- und Klauenseuche uicht stattsinden. Hierdurch wurde ben Vcreinsangchörigeu die erhoffte öffentliche Darstellung ihrer Zuchtlcisrungcn und die Erlangung der verdienten Aner­kennung entzogen. Zu dieser Ausstellung waren aus dein Ver- einsgcbiet bereits gemeldet: 2 Bullen, 9 Kühe, 3 Kalbinnen. Tie als teilweiser Ei'jatz für die ausgefallene Kreisschau von dem Verbände mitteldeutscher Rotviehzüchtcr zu Bieden­kopf veranstaltete Verbandsausstellung war wider Erwarten aus dem Vereinsgebiet schlecht beschickt und somit sind auch oic errungenen Erfolge bedeutend hinter den Erwartungen zurück- gcblieben. Diese schlechte Beteiligung ist aus die allgemeine un­günstige Zcitlagc zurückzuführcn. Nach einer von dem Vorsitzenden verlesenen Statistik des Schlachthosdirektors zu. Wetzlar waren von den im Jahre 1912 daselbst geschlachteten Tieren: froh 795 Vogelsbergern = 43 tuberkulöse 5,4 Prozent: von 677 anderen Rassen 86 tuberkutösc 12,55 Prozent. Hieraus ergibt sich, daß die Vogelsberger Nasse wesentlich weniger tuber kulösc Tiere ausweist gegenüber anderen Rassen. Der Vorsitzende gab die von der Verbandsversammlung mitteldeutscher Rotvieh­züchter getroffenen Beschlüsse und Vereinbarungen bekannt. Es ist als wünschenswert bezeichne! worden, daß bei gemeinsamen Veranstaltungen auch die Zusammeugehörigkrit der Uuterverbändc in ihrer Benennung zum Ausdruck zu kommen habe. Mit der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft sotten hierüber Vereinbarun­gen getroffen werden.

Weiterhin soll dahin gewirkt werden, daß die Abstufung der Geldpreise für Mitteldeutsches Rotvieh in Ucbcreinstimmung mit den für Tieftandschläge gebracht wird. Bezüglich des Exports von Zuchttieren nach den Kolonien erklärte erläuternd Landmirt schaftsiammcr-Sekretär Schwarz, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes ist, daß an die auszuführenden Tiere große An­forderungen wegen der Widerstandsfähigkeit zu stellen sind und daher nur Weidetiere in Betracht gezogen merben können. Die Zucht aus dem Vereiuögebiet Gießen habe nicht berücksichtigt werden können, da hier der Gedanke des Weidebetriebs die ihm

gebührende Berücksichtigung noch uicht gesunden habe. Es seien etwa 14 Tierc, darunter 8 <7 weibliche und 1 Bulle aus dem Kreise Schotten exportiert und dabei recht ansehnliche Preise bezahlt werden. Preise von 700 Mark und mehr seien Durch­schnittspreise gewesen. Sekretär Schwarz empfahl dringend beit Weidcgang. Wegen der Nichtbeschickuug der Straßburger Ausstel­lung gibt Sekretär Schwarz bekannt, daß ursprünglich eine Be­teiligung nicht beabsichtigt gewesen sei. Eine nachträgliche An­meldung durch den Verbandsvorsitzenden sei wegen Verspätung zurückgewiesen worden. Es wird daher empfohlen, nunmehr dahin zu wirken, daß zu der int nächsten Jahre in Hannover statt­findenden Ausstellung das ersordertiche Material herangezüchtet und sich auch in ausgiebiger Weise beteiligt werde.

Mit der Kreuzung mit Frankcuoieh habe man in Busenborn und in Heuchelheim Versuche gemacht. Während man in Busen­born nur gute Ergebnisse zu verzeichnen habe, lassen die Versuche in Heuchelheim ein endgittiges Urteil nod) nicht zu. Hierüber wird später berichtet werden.

Allgemein bedauert wirb, daß die Vertragstätigkeit im Kreis- vereiu nicht so sehr gewürdigt wird, da doch die>e Einrichtung einen belebenden Einfluß auf die Vereinstätigkeit ausübe.

Für die Bezirkstierschauen hat der Verein der Landwirt­schaftskammer einen Kredit von 250 Mark zur Verfügung ge­stellt, der als Ehrenpreise an Vereinsmitglicder vergeben worden ist. Es haben erhalten: Die Gemeinde Queckborn für einen Butten = 100 Mark, Menges Witwe Graßen-Linden für eine Kuh = 80 Mark und Karl Pitz-Lauter für eine Kalbin = 70 Mark.

Nach der Rechnung für 1912, die in Einnahme mit 648,37 Mark und in Ausgabe mit 598,43 Mark abschlicßt, wird dem Verein von der Bezirkssparkasfe Gießen 60 Mark und von der Bezirkssparkasse Grünberg 50 Mk. Zuschuß gewährt. Beklagt wirb die mangelhafte Abljeserung der Milglieberbeitcäge. An Aus­gaben erscheinen nur die Verwaltungskosten. Das Vermögen des Vereins ist auf 23339,49 Mk. angewachsen, das in Sparanlagen und in Wertpapieren besteht. Bon letzteren ist im Geschäftsjahr ein Stück zur Rückzahlung gekommen.

Die Rechnung wird genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt.

Bei der Vorstandswahl wird der seitherige Vorstand einstim­mig wiedergewählt. Er setzt sich zusammen: Regierungsrat Dr. Merck Direktor, Rentner Klein-Gießen stellv. Direktor, Kreis- amtSgebilse Bechrold Sekretär^ und Rechner, Bürgermeister .Heß- Leihgestern, Hirz-Watzenbvrn-Strinberg und Beigeordneter Fuldat- Grünberg Bezirksvertreter für die Bezirke Ober-HörgernLang- Göns, Gießen und Grünberg.

Bei Festsetzung des Voranschlags für 1913 entspann sich eine angeregte Aussprache über die Frage der Beschickung der Weiden, sowie über die vorzunehmenden Jungvieh-Prämiierungen. Aus der Besprechung» an der sich der Direktor, Krcisveterinärarzt Dr. Kuell, Sekretär Schwarz, Altbürgermeister Krämer-Steinbach, Gilbert-Heuchelheim u. a. beteiligten, war der allseitige Wunsch zur Förderung und Unterstützung dieser Bestrebungen erkennbar. Die Fungvieh-Prämiieruugen wurden zur Erhaltung einer guten Nachzucht uud für die Aufzucht von Zuchttieren überhaupt für unentbehrlich bezeichnet. ES wurde daher einstimmig beschlossen, in dem neuen Voranschlag Mittel zur Gewährung von Bei- bilsen in Höhe von 10 Mark für jedes zur Weide getriebene Tier, auch zur Veranstaltung von Jungvieh-Prämiierungen, die nach den von der Landwirtschaftskammer ausgestellten Grundsätzen vor- genommen werden sollen, bereit zu stelle». An Preisen sollen für Tiere von 46 Monaten 3 Mark, 69 Monaten ö Marl und von 912 Monaten 8 Mark zuerkannt werden. Zur Durchführung eines dreijährigen Turnus werdeil die Orte des Vereinsgebiets iu drei Gruppen (Gruppe 3 Leihgestern, Großen- Linden und Heuchelheim, Gruppe 1 Irin Linden, Watzenborn- Steinberg und Steinbach, Gruppe 2 Grünberg, Beltershain, Göbelnrod, Queckborn und Lauter« eingeteilt. Mit Vornahme der Prämiierungen wird die Körkommission betraut.

Die Arbeiten werden in diesem Jahre mit Gruppe 1 be­gonnen. Zur Gewinnung von Mitteln soll versucht werden, die Gemeinden des Vereinsgebiets zur Leistung eines Beitrags zu veranlasseu. Es wird vorgeschlagen, diese Beiträge nach der Anzahl der vorhandenen Zuchttiere bemessen zu lassen, ctma so, daß bei einer Anzahl bis zu 20 Tieren -= 5 Mark, bis 40 = 10 Mark und bis 60 15 Mark und über 60 20 Mart zn entrichten seien.

Die gegenseitige llcbcrtragbarfcit der vorgesehenen Kredite wird gutgeheißen. Der Voranschlag wird hiernach in Einnahme und Ausgabe auf dcu Betrag von 639,94 Mk. festgesetzt.

Zwei Fraucntvpeu. Einen interessanten Versuch, die Vorliebe der Fraueu für hübsche Kleider psychologisch zu erklären, hat der englische Pstichiater Dr. C.'T- Ewart bei der letzten Sitzung der psychiatrische» Abteilung der britischen Royal Society os Medicine unternommen. Der Forscher führte den Aerzten eine Patientin vor, die anWaschmanie" leidet und sich nicht von der Vorstellung befreien kann, sich fortwährend waschen und baden zu müssen, so daß sie damit buchstäblich ihre Tage aussüllt. An diesen Fall anknüpsend versuchte Dr. Ewart eine psychologische Klassifizierung jener Frauen, die sich fast unausgesetzt mit ihrer Kleidung beschäftigen und stellte dabei zwei verschiedene Typen aus. Bei dem einen Frauentypus beruht die Putzsucht nur auf Eitelkeit, sie will ihre Tvilettcnschätzc ent­falten, will Aufsehen erregen, will elegant aussehen, will nach außen Eindruck machen. Bei dem anderen Typus erwächst die Putzsucht aus eine Art Irreleitung des Schönheitsgefühles, sie lieben das Schöne und Anmutige, suchen es mit allen Mit­teln an sich selbst zu erfütten und werden so, wenn auch auf anderem Woge, ebenfalls von ihrer Toilette abhängig. In der Praxis unterscheiden sich diese beiden Typen sehr scharf: bei her pon Gefallsucht geplagten Frau beschränkt sich der Toiletle-

luxns fast ausschließlich aus Stücke, die gesehen iverden, auf das Aeußcre, während jene Kleidungsstücke, die nach außen nicht zur Geltung fommen, fast immer schlimm vernachlässigt sind. Bei dem anderen Tyvus wird die Sorge für Kleidungsstücke, um so größer, je näher das betreffende Gewand der unmiilelbaren Be­rührung mit dem Körper liegt. In beiden Fällen aber, so führte der Gelehrte ans, begleiten stark lustbctonte Gcsühlser- regnngcn das Anziehen schöner und hübscher Gewänder. Die Patieurin mit der Waschmanie ist dafür ein Beispiel: ihr ist die Vorstellung von Körperpflege und Sauberkeit so unentbehrlich geworden, daß sie das fortwährende Waschen und Baden fast mechanisch als einen Genuß empfindet,nicht anders als der Rhythmus eines Walzers gewisse Muskelerregungen mit sich bringt."

D i e eugenische Hochzeit. Aus New Port wird berichtet: Die sortgeschrittenen jungen Damen Amerikas finden immer mehr Geschmack an jener wunderlichen neuen Mode, nach der die Braut bei ihrer Trauung um auch als Frau und vor dem Altar ihre Fraueu uud Menschenrechte zu wahren den Text ihres Ehegelöbnisses selbst auf setzt. Die jüngste Vvr- tampforin dieser neuen Form der Trauung ist Miß Di'lia F. Dana, eine Entritochter des Dichters Longfcllvw und eine SrbiwftxT jenes Herrn Edmund Dana, der im vergangenen Jahre eine ethische Hochzeit" schloß, deren ivundecliches Zeremoniell den Zeitungslesern noch lange Stoss zur Belustigung bot. Miß Dana heiratet einen Harvard Studenten Robert F. Hutchinson, und mit dem feierlichen Ernste, der der Sache angemessen ist, teilte sie jetzt der Oeffentlichkeit mit, daß sie am Altar statt des üb­lichen Ehegelöbnisses sagen wirb:Ich, Delia F. Dana, nehme Dich, Robert F. Hutchinson, zu meinem gesetzlichen Gemahl: und ich gelobe, Dir gegenüber getreulich alle jene Pflichten zn erfüllen, die aus dem Ehestande hervorgehen: nnd ich hoffe ein treuer Kamerad nnd Helfer zu sein. Als Svmbol dafür über­gebe ich Dir daher' diesen Ring."Und während ich die letzten Worte spreche," so fügt die junge Dame hinzu,streife ich an Mr. Hutchinsons dritten Finger der linken Hand einen schweren Silberring." F-ränlcin Dana ist eilte überzeugte Anhängerin der .eugenischen Lehre und erklärt:Die Eheschließung müßte wie jeder andere Beruf vorher erlernt werden, nicht anders wie etwa die Krankeitpflcge. Ich habe eifrig die cngcnischcn Lehren studiert und bin zn der Ueberzcugnng gekommen, baß ich für den Ehestand mit allen seinen Pflichten geeignet bin." Dann aber verkündet sie das Evangelium der Probeehe, die es allen Ede- schließenden ermöglichen soll, sich wieder zu trennen, wenn sich int Laufe deS Zusammenlebens (rgibl, daß sie zueinander schlecht passen.

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so weiß vielleicht ein Kind anzugeben, und in einem anderen scheitert der Versuch daran, das; ein halbwüchsiger Junge, der mit der Bewachung des Ladens betraut ist, sich sanften Traumen hingibt, aus denen man ihn nicht mit rauher Hand reißen mag. M und zu sieht man auch eine Frau die Straße überschreiten. Natürlich üsh sie, wie es der türkische Brauck) will, tief verschleiert.

Das einzige, was der Insel Leben verleiht, sind die Kinder, die auf Ädakaleh erstaunlich zahlreich, so zahlreich wie die Rosen- und Weingärten sind. Auf jedem Fleckchen Erde, das nicht mit Rosen oder Wein bebaut ist, treiben sich die Kinder herum, die Jungen mit dem unvermeidlichen, troddelngeschmückten Fez, auf dem Kopfe, die Mädchen bar­häuptig, sodaß man ihre fünf oder sechs Zöpfe herum- banmeln sieht. Einige, wohl nicht besonders scharfsichtige Reifende, die Adaläleh besucht haben, ' behaupten sogar die Einwohnerschaft der Jnlsel:.. «an die 300 Seelen bestehe nur aus Kindem. Das ist aber nicht wahr, im Gegenteil, auf Ädakaleh gibt es erstaunlich alte Leute. Der Patriarch der Insel, der alte Ibrim Selim, muß heute feine 107 Jahre auf dem Rücken haben. Unter den übrigen, lebenden Bewohnern der Insel ist noch verschie­denes zu erwähnen: da gilbt >es ein paar österreichisch- ungarische iZollbeamte, außerdem aber die tür­kischen 'Behörden, an deren Spitze der Mufti'oder Gouverneur steht, den der Sultair ernennt. Dieser glück­liche Insulaner, dessen Stunde nun geschlagen hat, Hot wahrlich kein schweres Amt, und nocßi besser hat cs die ausübende Gewalt von Adaialeh, die in Gestalt von vier

Samstag, 17. Mai (913

* Rotationsdruck und Verlag der Arühl'schen Universiläts - Bucb- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gieße».

Meter anzugebeir Staffen und Losen chnung ftattfinbel en, mit passendn im 22. lsv. M h. Bürgernieistew i die Eröffnung in it stattfindet.

3.

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