Kreis Büdinaen.
T. Bingenheim, 15. Juli. Ein dreijähriges Kind als Lebensretterin seiner Mutter? Landwirt Eifer hatte lich 'gestern nachmittag mit seinen beiden älteren Kindern M seinem in Echzell, wo Turnfest stattsand, wohnenden Schwiegervater begeben. Seine Ehefrau blieb mit ihren b/^jäh-rigen und dreijährigen Kindern zu .Haufe. Abends . gegen 7 Uhr begab sie sich in den Kuhstall, um das Vieh zu 'füttern und die Kühe zu melken. Als sie mit dem Melken einer Kuh begonnen hatte, fing das neben dieser Kuh stehende Rind an zu stoßen. Die Kuh sprang erschreckt bei 'Seite. Die J-rau wurde dabei mit dem Melkstuhl nm- geworfen unb kam so unglücklich zu Fall, daß sie mit dem Unterleib auf ein Schemelbein fiel. Alsbald stellte sich -eine so starke Blutung ein, daß die Frau in Ohnmacht fiel. jÄas dreijährige Kind, das im Stall bei seiner Mutter war, schrie und holte sofort Nachbarsleute, die die ohn- .mächttge Frau ins Wohnl^aus trugen und ins Bett legten. Zum Glück war die I)icfic|c Schwester mit einer befreundeten Schwester aus Ober-Wihdersheim zur Stelle, die sofort das Bluten zum Stillen brachte. Inzwischen wurden der Echzeller Arzt, der Mann und der Schwiegervater gerufen, die alsbald erschienen und das Nötige anordneten. Wäre nicht das dreijährige Kind bei dem Unfall zugegen gewesen, so wäre eine Berblutuug eingetreteu.
Sport-
Vom Gießener Reitsport.
akademische Sportfest in Gießen hat kürzlich gezeigt, rote rege das x$ntcre))c für Sport in der akademischen Jugend gc- wordcn ist. -Ltc)c gro),? Beteiligung wäre üor wenigen Jahren noch undenkbar geweien. Die Gründe für diese auffallende Bewegung r nt<*^ not6 einmal zu nennen, es ist 'chon ost und aus- luhrhd) dargelegt worden, welch großen Einflikß der Sport auf t>ie_ <ctarfung der Volksgesundheit ausübt. Ich möchte nur einer beionderen Att des Sportes gedenken, die bei dem Feste noch nicht gezeigt werden konnte. Ich meine das Reiten
Wer, etwas Interesse für Pferde und Reiter hat, dem wird 4- -r Ausfallen jem, daß man in der letzten Zeit häufiger flotte Jwtl-Retter ueht, und öfter rote seither gehen Studenten mit oder ohne .Farben" in Reitstiefeln oder, wie es jetzt Mode ist, in Gamaichen und Sporen über die Straße. Ein Gang über den alten ^.randvlatz wird jeben staunen lassen über den regen Betrieb in der alten Reitbahn. Fast zu jeder Tageszei" sieht man mehrere ^heiter uch auf guten Pferden tummeln. Die Frage nach dem Grunde ist sehr einfach beantwortet: Tie Universitit hat einen neue n Jt e 11 [ e 6 r e r berufen, der es fertig gebracht hat, in der tiirzen Zeit von Anfang April dem schönen Sport soviel neue junger zu gewinnen. Freilich hat er auch ganz andere Pferde mi:- gebracht ja inzwischen schon wieder neue hinzugekaust. Während man früher nur schlecht gehaltene und schlecht gerittene Pferde bc- lommen konnte reitet man jetzt auf tadellos gepflegten, gut zu- gerittenen und sicheren Pferden, die mau sich ganz nach Größe und ' . aus suchen kann, selbst Kmabeu und Mädchen sieht man häufig am schonen kleinen Pferdchen unter Führung ihre> Lehrers vom Ausflug znruckkommew Uild wer sich die Milbe um,ml, einmal an bem Gittertor der offenen Reitbahn stehen zu bleiben, wenn gererbe eine Reitstunde gehalten wird, der wird sich freuen über die frische
ccrVtänbiqe Art, wie der neue Stallmeister seine Schüler in Die Geheimnisse der edlen Reitkunst einführt. Als alter Kavallerist hat er schon früher den Damen und Kindern der Offiziere Unter- richt gegeben, ein Beweis, daß er es versteht, die militärische Grobheit beifette zu lassen, wenn sie nicht am Platze ist. Mancher Student wird sie wohl eher einmal zu hören beiont in en, wenn er stw aicht genügend anstrevgt, den Anweisungen des Lehrers zu folgen, über gerade das, scheint der studentischen Jugend zu gefallen, daß mit militärischer Strenge und nach militärischer Art geritten wird. Dann kann der spätere Einjährige oder Offizier auch einen oireltcn Nutzen davon haben, wenn er im Dienst fein Pferd beherrschen muß. Gerade unter der Studentenschaft hat sich die neue schule viele Anhänger erworben. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Universität sich somit ein gwtzes Verdienst um die Förderung dieses edlen Sportes er- roorben bat. Vergessen darf man aber nicht, daß noch eine andere Körperschaft schon seit Jahren an der schonen Ausgabe arbeitet.
ist der vor einigen Jahren gegründete Gießener Reiter- v er ein. In seinen Bemühungen ist er sogar eifriger gewesen, aber ohne die Beihilfe der Universität, welche die Stelle zu vergeben hat, war eine Aenderung der Verhältnisse nicht möglich gewesen. Durch ein glückliches Zusammengehen dieser beiden 'und — auch nicht zu vergessen — durch Vermittlung des Regiments konnte diese glückliche Wahl in der Person des Stallmeisters getroffen werden. Für die fernere Unterstützung der guten Sache sorgen Universität, Neiterverein und Offizierkorps in gleicher Weise durch die rege Benutzung der Reitbahn und des ausgezeichneten Pferdematenals. Sind doch die £ fixiere, die nicht ein eigenes Pferd besitzen, jetzt in der Lage, sich ein gut gehendes Pferd zum Dienst zu leihen. Möge der schone und seit alter Zeit wohl angesehene spott so weiter gedeihen, möge die akademische die bürgerliche und die militärische Jugend Gießens auch fernerhin Körper und Sinn stählen in dem Bestreben, eines edlen Tieres Herr zu werden.
Kirche nnd Schrrle.
— M a u l b a ch, 15. Juli. Am Sonntag, den 13. Juli' fand hier das Gnstav-Adolfsfest des Zwrigvcrcins Homberg-Kirtorf statt. Am Morgen wurde ein Gottesdienst für die Jugend abgebalten. Die Festpredigt in dem Hauplgottesoicnst hielt Pfarrer S ch w a l in aus Bnrggemünden. Daran anschließend erstattete Pfarrer V el- t e r den Jahresbericht. Wenn auch die gesammelten Gaben etwas mehr betragen als im Vorjahr, so ist ein gewisser Stillstand nicht zu leugnen. Tie Nachfeier fand im Freien statt. Ansprachen hielten Pfarrer Weiß aus Bieber bei Offenbach über die Verhältnisse der ev. Gemeinde daselbst, Pfarrer Steiner aus Tecken- bach Jiber evangel. Glaubenstreue, und Pfarrer Tannenberger aus Schwarz über das Evangelium unter den Tschechen in Norb- böhmen Das Fest in dem schön geschmückten Orte war von bestem Wetter begünstigt und erfreute sich eines regen Besuches. Es wurde wesentlich versck)önt durch die Mitwirkung des Kirckten- chors Obergleen und des Männergesangvereins Maulbach. Tie Gesamtlollekte betrug 83,61 Mark. Hiervon wurden für Bieber 73,11 Mark bestimmt und 10,50 Mark der evangelischen Sache unter den Tschechen überwiesen. Mit einem Tankeswort nn alle Beteiligten beschloß der Ottsgeistliche, Psarrer Wörißhoffer, die wohlgelungene Feier.
Lnftschiffnhrt.
B n c ,14-Juli. Leutnant Farcin flog gestern mit einem Passa- gter ohne Zroncbenlandung von Pau nach Chateaudun, eine Strecke von ungefähr 580 Kilometern, und stellte damit einen neuen Weltrekord für Pasfagierflüge auf.
Kreis Friedberg
m. Bad-Nauheim, 15. Juli. Ter seit drei Wochen vor- ühwundene frühere Speditionsgehilfe Heinrich Eichenauer von Wisselsheim wurde am Samstag abend im Steinsurther WÜld- wen Erhängt aufgefunden. Das Nauheimer Amtsgericht konnte die Identität Eichenauers nur durch Angehörige und Bekannte icftildlcn, da das^Raubzeug das Gesicht des Unglücklichen total 5crrrciicn hatte. Sorgen um seine finanzielle Zukunft haben den Mann in den ^od getrieben. Pfarrer Weck von Steinfurth bcerbigtc ihn am Sonntag abend mit lirchlichen Ehren. — Ter saalbau „T ha l v f i e n h o f" des Herrn Gustav Graulich dahier gtng durch Kauf für 92 000 Mark einschließlich Inventar in den Besitz des Küchenchefs des Parkhotels, Hch. Müller, über. — eine reckst bezeichnende Arbeitsvergebung sand dieser Tage hier "att. Tie Stadt hatte die Deißbinderarbeiten sur die Stadt- scksule ausgeschrieben mit einem Voranschlag von 1500 Mark Tvur noch nicht ganz 700 Mark mußte dem Mindestfordernden die Arbeit zugeschlagen werden, weil dieser unbedingt auf, Ucbertragung ber Arbeit bestand, trotzdem ihm von dem Stadtbauamt gesagt wurde, daß er für diesen Betrag kaum die Rohmaterialien liefern könne.
Hessen-Nassau.
w 5ranffurt, 15. Juli. Zu der Stiftung für deutsche Künstler des kürzlich in Cannes verstorbenen Bildhauers Josef Kowarzik aus Frankfurt teilt der Testo- inentSvollsirecker mit: Von kleineren Ungenauigkeiten der hierüber gebrachten Meldungen abgesehen, handelt cs sich um eine Stiftung nur des Ehemannes Kowarzik, während eine Verfügung der Gattin de§ Künstlers zurzeit nicht in ötagc steht. Dementsprechend ist auch die Stiftung nach ihrer finanziellen Tragweite keineswegs als „Millionenstiftung* zu bezeichnen.
— Bad Salzhausen, 14. Juli. Mit den Frankfurter Schulferien bat hier die H o ch i a ison begonnen. Alle Hotels und Vennonsbänser — auch die beiden erst kürzlich neu eröffneten — nnb fast v o l l besetzt. Trotz der bisher ungünstigen Witterung können die hiefinen Gastwirte und Vermieter mit dem Geschäftsgang recht ziürieden sein. Großen Verkehr bat das Ernst-Ludwia- »enn gebt acht. Es ist von beinahe 100 kaufmännisch Angestellten, üerren Und Tarnen, aus allen Gegenden Deutschlands besucht Bad Salchausen, das viele von ihnen kaum dem Namen nach gekannt haben, gefällt mit feiner reizenden Umgebung allen so gut, dan sich manche nach Ablauf ihres auf drei Wochen feftgefei.ten veimausenthaltes noch weiter bei Privaten eingemietet haben, um ihren ganzen Urlaub hier zu verbringen. Allwöchentlich spielt etn- mal eine gute Theateraesellschaft im Kursaale. Gestern nachmittag bot der Gesangverein „Orvhens' ans Geiß-Nidda mit einem Konzert im Park recht schöne Meinungen; abends "wurde hinter dem Kur- häufe em Feuerwerk abgebrannt. T-as herrliche Schauspiel hatte auch viele Zuschauer aus Nidda und den ninliegenden Dörfern hierher gelockt.
Emen ganz besonders behaglichen Aufenthalt bietet da- a u h a u s z u r P o st kBesttzer Wilh. Gerstle' in K eiten- b a tn. ilt noch solch ein gutes Haus alter Art, das etwas aus ferne Ehre hält unb darauf stolz ist, wenn es feinen Gästen bann wo Ist in. Es liegt an ber Bahnstrecke Ludwigshafen— Landau—Saarbrücken _ und ist also beaueni zu erreichen. Drei Taler stoßen dort zusammen, aus deren Mitte sich wieder ein malcrncher Bergkegel, von schroffer Klippe gefront, erhebt. Grade bicifrn gegenüber, selbst an den Waldberg gelehnt, schaut das Gasthaus in den Talgrund. Wer ein Liebhaber von Forellen ist, dem darf verraten roerben, daß der Wirt Herr der Forellenbäche ringsumher ^ht. unb seine Gäste reichlich daran teithaben läßt. Nach allen Seiten ist Gclegeiihik zu schonen Spaziergängen und lohnenden Wanderungen. Sowohl die Hauptbahn, deren Stationsgebäude über dem Gasthaus aus dem Walde lugt, als . ine Klcin- frabn .durch das Lautertal, die nahe habet mündet, führen auch leimt in die weitere Umgegend, wie z. B nach bem bargen und fagenreicheii Annweiker ufw. Ueberall vereinen sich Natur und Geschichte, um für Auge und Herz Wcide und Erauickung zu biellm. Wer's versucht, wird sicher mit dem Schreiber in den Rus cinftimmen: Fröhlich, Pfalz, Gott erhalt's! S.
Vereinsnachrichten.
•* D e r Sch ,i tzenverein Gießen begeht am 27. und 28. Juli fein 3öjähriges Jubiläum mit einem großen Preisschießen und Volks'eit. Von Freunden des Schießsportes sind sehr ivertvolle Ehrengaben in großer -Anzahl gestiftet worden.
△ H e n d) et h eiin, 13. Juli. Sein 50 jähriges Fa hn e n- jubilä'nm feierte der Gesangverein „Teutonia". Tie Festrede hielt Schreinermeister Mandler, der jebem der Gastvereiue zur Erinnerung an die Feier ein Gedenkblatt übergab.
— Leihgestern, 14. Juli. Bei dem aeftem in Echzell abqehaltencn 20. Gauturnfe st des GaneS Wetterau errang der Turnverein .Frisch auf* Leihgestern folgende Preise: In der Oberstufe der Turner H. Volk den 1. Preis nnd den EHrenoreis, einen silbernen Pokal, ber Turner O. Heß den 21. Preis. In der Unter- ftiifc d. Binz den 26., Otto Arnold ben 35. und W. Brück den 53. Preis. — Am 3. Angust feiert der Verein sein lOiährigcs stiftimgsfest.
--Orten berg, 14. Juli. Tas 50jahrige Jubelfest des Turnvereins O r t e n b e r g vom 28. - 28. (. Mts. dürste einen glanzvollen Verlaus nehmen, beim ber Verein wirb nur Vorzügliches bieten. So werben besonbers bie Geivanbtbeitsübungen (Freiübungen) ber vom Gan gestellten besten Turner für die Fest- besucher etwas ganz Neues sein; solche turnerische Glanzleistungen sind in unserer Gegend nicht zu sehen. Diese Hebungen werden zurzeit auf dem .Deutschen Turnfest* in Leipzig gezeigt. Auch das Wetturnen der Damenriegen und der Schüler, wie das der Turner wird das Publikum recht erfreuen. Eine eigens gebaute elektrische Anlage wird abends farbenprächtige LicHtefiekte erzeugen. Künst- lerijche Genüsse iuirb des weiteren die 15 Mann starke Kapelle ber 24er Dragoner unter Leitung ihres Obermusikmeisters bieten.
+ M ü n chholzh ansen , 14. Juli. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, feierte unser Männergesangverein unter äußerst reger Beteiligung am Sonntag unb Montag sein 25jähriges Stiftnngs- seit. Die Festrebe hielt Lehrer Beckmann; Fräulein Sd;iieiber, -rochter bes Dirigenten, überreichte bem Verein eine Falmenschleife.
---Rod heim a. d B., 15. Juli. Bei dem zu Daubringen abgehaltcncn Wcrtungsjingen errang der hiesige Gesangverein „L i ed e r k r a n z" den vierten Platz unter 17 Vereinen. Nach dem Urteil des Sachverständigen, Herrn Prof. Trautmann-Gießcn, hatte sich der Verein den schwersten Chor gewählt und kann daher mit seinem errungenen Erfolg wohl zufrieden sein.
” Personenzüge. Zug 535 Gicßen-7-Grünberg— Mücke fährt nur Mittwochs, Samstags, Sonn- und Feiertags und am 10. April und 13. April 1914. Nur Sonn- und Feiertags geht er bis Mücke, sonst nur bis Grünberg. Ec fährt in Gießen ab 1115 Uhr abends. — Der Zug 533, Gießen ab 638 Uhr abends, verkehrt nur Werktag? und am 19. November. Nur Samstags und vor Feiertagen geht er bis Mücke, sonst nur bis Grünberg. Der Zug 534 beginnt nur MontagS und nach Feiertagen in Mücke, sonst in Grünberg. Abfahrt in Mücke 430 Uhr, Abfahrt in Grünbcrg 440 Uhr morgens.
* Ausstellung von Kinder- und Seminar- schiilerinnen - A rb eiten. Vor drei Monaten, ist der Bürgerkindergarten eröffnet worden. Er erfreut sich seitdem großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Die Kleinen folgen strahlenden Auges dtt» Anleitungen ihrer Lehrerin und tummeln sich bei fröhlichem Spiel im Freien. Mit den Kindern freuen sich die Eltern, zufrieden, ihre Lieblinge so gut aufgehoben zu wissen. Um den Wert der Kindergärten für unsere Kinder nnd für die Familie überhaupt immer weiter zu verbreiten, wird vom 19.—21. Juli Schiffenbergec Weg 15 und Gattenstraßc 30 eine Ausstellung von Kinderarbeiten und Arbeiten der Seminarschülerinnen veranstaltet werden. Am Montag, den 21. Juli, finden vor- und nachmittags Spiele der Kleinen statt. Die Angehörigen der Kinder, aber auch alle Kinderfreundc werden hiermit herzlich eingeladen. (S. Inserat.)
** .Unleserliche Unterschrift hebt die Rechtsgültigkcit auf, so entschied die Strafkammer in M.-Gladbach. Eine Frau hatte ihr Kind einige Tage unentschuldigt vom Schulbesuch ferngehalten. Eine daraus- l)in gegen sie erlassene polizeiliche Strafverfügung war auch vvm Sck)öfsengerichtz bestätigt worden. Auf ihre Berufung hin hvb die Strafkammer das Urteil auf und stellte das Verfahren ein, weil die polizeiliche Sttafverfügung, da sie ferne leserliche Unterschrift traget rechtsungültig sei.
'* Zusammenstoß. Gestern vormittag 11% Uhr stieß auf dem hiesigen Bahnhof bei der Klinikbrücke eine aus dem Lokomotivschuppen fahrende Lokomotive mit dem Packwagen eines Leerzuges zusammen und sperrte aus mehrere Stunden das Gleis Gießen—Wetzlar. Der Schnellzug 1208 sowie die Personenzüge 1212 und 130 nach Koblenz und 1239 nach Köln mußten bis zur Blockftation Klein-Linden auf falschem Gleis und der Schnellzug 107 Uhr von Coblenz mußte von Klein-Lindcn durch den Güterbahn. 'M in den Personenbahnhof geleitet werden. Verletzungen von Personen sind nicht vorgekominen, der Sachschaden ist unerheblich.
jaju führt, daß bie an sich gegebene Haftung der Straßenbahn für Betriebsunfälle entweder ganz wegfällt ober daß der Verletzte nur einen Teil seines Schadens zugebilligt erhält. In dieser Hinsicht interessiert der nachstchrnoe Rechtsstreit.
Am 11. November 1911, abends 6 Uhr, wollte der Fabrik- direktor H. aus Lugau in Sachsen, der sich besuchsweise in Berlin aushielt, in der Schloßstraße in Steglitz ein tlliito anrufen. Er war zu diesem Zwecke vom Bürgersteig über die Gleise ber Straßenbahn, die dori auf einem besonderen Bahnkörper liegen, hinweg auf die Bordkante getreten. Er glaubte sich bann durch ein aus anderer Richtung tommenbes Auto, das nahe an ber Bordtante fuhr, gefährdet, und trat desh-slb einige schritte zurück. Dabei hatte er aber nicht bemerkt, daß im selben Augenblick.' von Berlin her ein Sttaßenbahnzug kam. H. nnirbc von dem Mvlorwageri gegen einen Baum geschleudert und ihm Der linke 'Fuß abgefahren Er verlangt nunmehr auf Grund des Reichs- hastpslichtgefetzes von der Westlichen B e r l i n e r ^V o r o r t - bahn Schadenersatz. Diese wendet ein: der schaden sei ausschließlich aus das Verschulden des Klägers zurückzuführen.
Landgericht II und Kammergericht zu Berlin haben die Straßenbahn nurverurtc ilt, dem Kläger ein Viertel des schabens zu ersetzen, mit drei Vierteln seiner Ansprüche ist her Kläger abgcwiesen wordcn. In seinen Entschcibungsgrünben führt das Kammergericht aus: Es fragt sich, ob den Kläger ein eigenes Verschulden an hem Unfall trifft. Das ist zu bejahen. Ter Kläger hatte nach dem lieberjdyreiten des Bahngleises einen Standpunkt gewählt, wo er an unb für sich ungefährdet stehen konnte. Tenn zwisck-en dem Straßenbahn- gleis unb her Bordkante war ein Zwisck>enraum von 1,30 Meter. Wenn der Kläger aber, um einem Auto auszuweichcn, mehrere Schritte zurücktrat, ohne fick: umzufchen, ob etwa ein Straßenbahnwagen naht, so banbclie er fahrlässig. Tiefe grobe Fahrlässigkeit ist als bie überwiegende Ursache des Unfalls anzuseheii. Ter Kläger ist blinblings zu roeit zurückgerrcten, obwohl er von seinem Standpunkt aus einen aus Berlin kommenden Motorwagen auf eine Entfernung von etwa 80 Metern in seiner ganzen Größe sehen konnte. Zudem hat auch, wie festgestellt ist, der Wagenführer Glockenzeichen gegeben. Gegenüber der groben Fahrlässigkeit des Klägers ist die BetriebSgcsalw her Straßenbahn ab- znwägen. Mit Rücksicht auf die allgemeine Gefährlichkeit des Straßenbalmbetriebes erfchien cs angemcifcn, b-n Anspruch des -Klägers nicht ganz abzuweisen. Immerhin ist baS Verschulden <ibes sflägers ein so überwiegendes, daß er drei Viertel des Schadens ^selbst tragen muß.
Das Reichsgericht hat dieses Urteil des Kammer- .gerichls bestätigt unb bie von beiden Parteien eingelegten -Revisionen z u r ü ck g e w i e s c n. Dabei bemerkte der höchste Gerichtshof zur B e g r ü n b u n g: Es ist lein Zweifel, daß der 'Kläger schuldhaft gehandelt hat. Ter fragliche Straßenbalm- roagen war nach her Feststellung deS Kammergerichts bereits zu ber Zeit, als her Kläger das Gleis überschritt, so nahe, daß der Kläger ihn sehen mußte. Er hätte bann aber, um bem Auto auszuweichen, nur mit größter Vorsicht jiirü-firctcn dürfen. Ob das Maß, nach welchem b'rs Kammergericht den Schaden ver- -teilt, richtig ist, mag zweiselhaK fein: aber ein augenscheinliches Unrecht ist damit keiner Pattci geschehen.
Wandern und Reifen, Bäder und Sommetfrifdjen. Der Pfälzerwald.
Wer noch unschlüssig ist, wohin er diesen Sommer seine Schritte lenken unb wo er seine Erholung suchen soll, der sei hiermit ganz dringend auf den Pf älzerwalh aufmerksam gemacht. Er ist merkwürdig wenig bekannt. Die Pfalz hat ja einen guten Namen als Wcinland, und ben feurigen Türkheimer oder Konigsbacher trinkt man bei uns gerne. Aber von dem Gebirge, bas den größten Teil der Pfalz bedeckt, an defsen Rändern sich bie Rebenhügel in bie Rheinebene senken, weiß man zumeist sehr wenig. Allenfalls kennt man ben ganz im Norden gelegenen Tonnersbcrg, der mit feinen 687 Metern von den Höhen bei Tarmstadt aus sichtbar ist.
Und doch gehört dieses Bergland zu ben reizvollsten unserer deutschen Mittelgebirge. Ein mächtiges Sandsteingcbirge, zieht cs sich mit den dieser Formation eigenen langgestreckten Rucken unb fünften Kuppen von der Norbgrenze her Pfalz bis südwestlich von Straßburg hin, wo es in bem 1008 m hohen Tonnon seine höchste Erhebung erreicht. Jenseits der Psälzcr Grenze nennt man es die Nvrbvogesen, in der Pfalz selbst Haardt und »Pfälzerwalb. Zeigen and) feine Berge nur mäßige Höhen, so sind sie dafür itmio lieblicher mit ihren prächtigen Waldungen, meist gemischter Kultur zum -teil nut wundervollen alten Beständen, die von bequemen durchzogen, ebenso dem ruhebedürftigen Luftschnapper, wie dem Wandcrluuigeii ihre Reize erschließen. Üeberall ragen aus ben Xalcrn, von ben Höhen unb Abhängen bie mächtigen Tandstein- Fu durch verschiedenartige Verwitterung erzeugten
, ti'chcn normen, bte von Sage und Lieb umwoben sind । Tcufcl8tnd), ^iingferniDrunq usw.V Zahllose Burgen haben sich flU J?.X.nen ?h?Pcn ausesiedett, zum Teil tief in den Fcls einge- grabcn, und ihre maleriickicn Ruinen grüßen in die Täler hin- ein. Unb biejc ^aler selbst mit ihren rasch strömenden klaren ,torrilenbadier., teils stille, anmutige Wiefcntälcr, teils wie bat Mittlere Lautertal, mit schmucken Törfcben besiedelt, aebören mit zum Anzieliendltcn dieses schönen Berglandcs.
für gute Unterkunft ist gesorgt. Ueber den qanvn Pialzerwald zerstreut liegt eine Menge Heiner Luftkurorte und Sommenrtzchen, in denen man bei mäßigen Preisen gut aufgehoben ist.
Märkte.
or Frankfurt a. M., 16. Juli.. (Oriq.-Teleqr. des „Gieß. Anz. ) Amtliche Notierungen der l eutiaen Frucli t markt v rei ie Weizen (hiesiger) 20.75—21.00, Kurbesüfcher Mk. 20.75—00 00 Wetterauer Mk. 00.00—00.00. 9?oggen (hiesiger) Mk. 17.2 » 'bis l?50' ^crf,e (Wetterauer) Mk. OO.OO—uO.OO, Gerne, Franken, Pfalzer Ried Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 1^.75—15.00, Mais Mk. 14 60 bis 14.90, Weizenmehl 0 Mk. 32,50—32.75, Weizcnmehl 1 Mk. 30.50—30.75, Weizenmehl III Dck. 27.25—27.5 ', Mioqaen- mehl 0 Mk. 27.75—28.00, Rogqemnehl Ott TU. 26^0—26 75 Roggenwehl I Mk. 00.00—00.00, Weizenklei- Mk. 9.00-9 50* Weizenldialeii Alk. 9.00-9.25, Roqqenkleie Mk. lO.OO-lO^ö' Malzkeime Mk. 12.25—12.75, Biettrcber 12.50—12.76, Raus Mk 0v.0u-C0.00. Alles per 100 Kg. ab hier. ~
ie. Frankfurt a. M., 16. Juli. (Qrig.-Teleqr. des ,Gie'r. Anzeigers*.) Ra rto f fe( mar ft. Man notierte: Kartoffeln m Waggons Mk. 6.00—6.5^ im Kleinhüiidel Tlf. 7.50—8.03 für je 100 Kg.
ü. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 16. Inli. Anfaetneben waren 1322 Schweine. Vollsieiscknge Schweine von 80 bis 100 ktr Lebendqewickit 62.50-67.no Tlf.," Schladitaewicht 80.00-81.00 Mk., vollsieischige Schweine unter 80 Lebendgewicht 6200-64.00 Mk., Schlachtgewicht 80.00- 81.C0 Mk.: vottflcischwe Schweine von 100—120 ki» Lebendgewicht 62.00—64 00 Mk Schlachtgewicht 80.00-81 Mk.-. vollsieischige Schweine von 120 ms 150 ker Lebendgewicht 62.00-64.00 Mk- Schlachtaewickit 80-81.00 TIL Geschäft ziemlich rege, a.isverkaljt. C9ina)I9C,v,rt)l


