165. Jahrgang
Swetter Blatt
Nr. 87
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
der
sochten mehrere Expeditionen ahne endgültigen Erfolg g gen ic; im Frühiahr sind sie sogar angrisfsweise gegen die ranzösischrn Gruppen vorgegangen. Sie belagerten den französischen Posten in dem Dorfe Käkabeuna, bei welchem unsere Schutztruppe jetzt Widerstand fand. Tas Dorf ist der Mittelpunkt des Gebietes des Ssanga-Ssanga-StammeS.
über den Gesundheitszustand des Angeklagten Beck Auskunft' geben soll. Tr. Best hat den Angeklagten int Untersuchungsgefängnis öfters behandelt. Beck ist stark nervös und herzleidend.
Die „Lietzener SamiUenblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das «Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen“ erscheinen monatlich zweunal.
Vie McOel-Modauer Genosienschastskrise.
bs. Darmstadt, 14. April.
Als erster Zeuge wird der Kreisarzt Tr. Best Vernommen,
Deutsche Keloiticn.
Kampfe in Neu Kamerun.
Berlin, 14. April. Tie Abteilung der 9ieu* Kam eruner-Gr anzexp edition, die von Wesso am Ssanga aus in westlicher Züchtung nach Dschua zu arbeitet, ist bei den dort sitzenden Eiu g e bo r c u e n st ä in m e n der Ssanga-Ssanga auf e r n st h a f t e S ch w i e r i gkei t e n ge- stoßen. Die zur Unterstützung der Expedition von Ngara- 6infam herbeigerufene elfte Kompagnie der Schutztruppe fand bei den' Dörfern Kakabeuna und Dzalong hartnäckigen Wider st and, wobei ein Soldat fiel und mehrere andere verwundet wurden. Die Lsanga-Ssanga sind als ein kriegerischer Stamm bekannt. JhreUnterwerfungwurdeVondenFranzosen nicht durch geführt. In den Jahren 1908 bis 1911
Auf die Frage de3 Verteidigers Rechtsanwalt Neuschäffer, ob ein so kranker Mensch überhaupt imstande sei, einen Posten, wie den eines Rechners, der so große Verantwortung mit )id) bringt, auszufüllev, antwortet der Zeuge, daß er die Leiden Becks nicht für so schwerer Natur erachte, dass Beck nicht imstande ei, diesen Posten zn versehen. Es gäbe sehr viele Mensck-eu, die unter gleichen Umständen derartige Stellungen einnä'hmcn.
Es wird dann fortgefahren in der Vernehmüng des Zeugen Revisor Müller, die am' Samstag unterbrochen werden mutzte. Er gibt seine Wahrnehmungen töieder, die er als Revisor in Nieder-Rtodau gemacht hatte. Wenn auch die Zustände fidj: in mancher Hinsicht seit brr Tätigleit Becks gebessert hätten, so tonnte man von einer nnrklich geordneten Geschäftsführung dach nicht sprechen. Tie weitere Vernehmung des Zeugen behandelt in der Hauptsache die Trüge, ob die Urkunde, die zur Deckung des Fehlbetrages von 2/5 000 Mk. von Aufsichtsrats- und Vor- tandsmitgliedern ausgestellt wutde, wirklich :rnst g m int toir oder nicht. Ter Zeu^e behauptet nach wie vor, das; es sich nur um' eine Scheinurkunde gehandelt habe, und niemand sei der ?bn- sicht gewesen, das; seine Untnffchrift ihn zu einer Zahlung verpflichtete. Ter Sachverständi.P-', Reg.-Rat Bastian ridtfet an den Zeugen die Trage, ob er der Ansicht gewesen sei, datz, wenn nur ein Teil der Schuld durch andere Einnahmen gedeckt werden konnte, die Urkunde wenigstens für den Rest Gültigkeit haben könnte. In dieslM Falle wäre die Einstellung der Urkunde unter die Aktiven durchaus berechtigt'kgewesen. Es werden dann im einzelnen die Ges choatsv erbindungen zwischen Nieder-Modau und der Genossenschaftsborlk in Frankfurt besprochen.'
Ein weiterer Zeuge ist der Rechtsanwalt Hoffmann II. aus Darmstadt, 5er Konkursverwalter des Spar- und Kredit- Vereins ist. Er '-berichtet über das Konkursverfahren. Die Passiven betrugen na^ der lKonkursbilrnz 2 521 019. Mk., die Aktiven 926 000 Mk., so l^itz eine Ver schul düng von etwa 1600000 Mk. vorhanden war. ?Sr Zeuge ist zu dem Ergebnis gekommen, datz das greifbare Vermögen der Mitglieder des Kreditvereins nicht ausreichend sei, um h-iese Verschuldung zu decken. Tas greifbare Vermögen tpird weit unter 1 Million bleiben. Das^ Vermögen des reichsten Mitglredes wurde aus 209000 Mk. veranschlagt, und nach diesem Vermögen mutzten nach dem Genossenschaftsgese^ auch die anderen Mitglieder herange^wgen werden. Bereits bei Bekanntwerden der ersten Nachrichten von einem Verlust haben viele Mitglieder versucht, ihre Verwögen beiseite zu bringen. So haben sie z. B. ihre Vermögen aitf die Kinder überschrieben. Aber alle diese Schiebungen wurden angefochten und mit wenigen Ausnahmen für im gültig erklärt. Ter Zeuge bekundet weiter, datz er, wo er nur konnte, den Versuch gemacht habe, Zwangsvollstreckungen zu vermeiden. Man hibe z. B. mit den Angehörigen der Mitglieder verhandelt uflv. Ter Zeuge schildert, wie angesehene Männer.zu ihm gekommen seien und Tränen vergossen haben, als er ihnen auseinanderfetzen mußte. daß sie tatsächlich um* ihre Habe gebracht seien. Diese Erfahrungen seien die traiirigflen gewesen, die er bisher in seinem' Benife gemacht hohe. Von der Genossenschaftsbank und ihrem' Direktor Ihrig bar der Zeuge den Eindruck gewonnen, daß sie den Verein nicht in der richtigen Weise beraten hätten.
Der Zeuge geht dann weiter aus bk Folgen des Bankkrachs ein. Gegen die Genossenschaftsbank und gegen Ihrig hat er eine Regreßklage eingereicht. Darin Hatz er geltend gemacht, daß sie bei der Ausstellung der Bilanzen mitgewirkt und Bilanzverschleierungen Vorgenommen hätten. Es kam bar auf hin zu Verständigungsverhandlnngen, und im Dezember 1912 ist eine solche Berständigug auch erzielt worden und zwar auf folgender Grundlage: Die Genossenschaftsbank bitte eine Forderung von 369 000 Mark zum Konkurs angemelbet. Sie hat dann diese Forderung um 200 000 Mark ermäßigt. Weiter hat die. Genossenschaftsbank sämtlick>e Engagements übernommen, die Nieder- Modau bei der Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft hatte. Durch diese Verständigung sei bann auch erreicht worden, daß dic Summe von rund 500 000 Mark abge stoßen weiden konnte, die bei der Verteilung einer Könkursdivideude also nicht berücksichtigt zu werden brauchte. Die Haftbarkeit der Mitglieder wird durch diese Abstoßung aber nicht berührt, da immer noch mehr als 1 Million zu decken bleibt. Lediglich den Spareinlegern kommt sie zugute.
Rechtsanwalt Hoffmann II. geht bann auf eine Reihe wer ter er Privatklagen ein, die die Folge des Krachs waren. Es kommt auch zu einer eingehenden Aussprache zwischen dem Ver leidiger Zlwigs, dem Justizrat Hallwachs, und dem Zeugen, die sich besonders um die Tätigkeit der Genossenschaftsbank für Rieder-Modau nach dem Krach dreht. Der Zeuge hat nämlich die Behauptung ausgestellt, daß die Bank nichts getan hätte, um die. entstandene Not zu lindern. Justizrat H all wachs widerspricht dem ganz entschieden.
Die Sitzung schließt um 1 Uhr. Fortsetzung morgen vormittag 8V2 Uhr. _______________
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:e^I12. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen»
Dienstag, 15. April 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Vmschenschasler-Nommers in Frankfurt.
Frankfurt a. M., 13. April.
—. Etwa 1200 Burschenschafter hatten sich gestern aus dem ganzen westlichen und südwestlichen Deutschland im Saalbau zu einem glänzenden Kommers zusammengefunden. Rechtsanwalt Dr. H erm an n (Marburgs leitete Den Abend mit einer Begrüßung ein; dann folgte das brausend aufgenommene Hoch auf den Kaiser und endlich Theobald Zieglers (früher Straßburg) Festrede auf die die „deutsche Burschenschaft". An der Hand des Burschen- spruchs „Ehre, Freiheit, Vaterland" wob er ein köstliches' Bild deutschen Studententums. Unter fast beispiellosem Beifall wies er die Anwürfe des ^geordneten Liebknecht auf die Studentenschaft zurück, nicht minder aber auch die Versuche, in Straßburg die Freiheit der Wissenschaft zu knebeln. Mit einem herzlichen Appell an die Studenten, die eigene Bildung stets vorerst zu pflegen, und ein em1 Wunsch, datz die Älma mater Francofurtensis das Ideal einer Universität des 20. Jahrhunderts werden möge, schloß unter stürmischem Jubel Professor Ziegler seiiie Aus- sichrungen. Eine Fidelitas, die weit in den jungen Morgen hineinragte, schloß die prächtige Feier.
Arbeiter, die in Frankreich Beschäftigung gefunden haben, sind heute früh dorthin ab gereift. Aus Gent wird gemeldet, daß die Wegearbeiter streiken, daß aber in den Flachs-- und Baumwollfpinnereien und Webereien die größte Zahl der Arbeiter sich bis jetzt dem Ausstand nicht an- geschlosfen hat. In der Metaklbranche dieser Gegend ist aber der Ausstand vollkomnreu. Zwischenfälle werden bis jetzt nicht gemeldet.
Im Hafen von Antwerpen ist, nach einer später ein gegangenen Meldung, der Streik ein partieller. Soldaten und Gendarmen bewachen die Petroleum- und Holzlager. In Huy streiken zweidrittel der Arbeiter, in Verviers etwa die Hälfte 6500; in der Umgegend von Verviers befinden sich 5600 im Ausstand. In der Umgegend von Brüssel werden rund 6000 Ausständige, in Bassin und Charleroi rund 60000 gezählt, von denen 30 000 Bergleute sind. Schätzungsweise wird die Zahl der Ausständigen auf dem Lande von Lüttich aus 50000 angegeben. Es werden verschiedene Sabotagefälle gemeldet, so von den Eisenbahnstrecken in der Nähe von La Louviere.
preußischer Abgeordnetenhaus.
Berlin, 14. April.
Nachdem es am Sonnabend noch gelungen war, die Beratung des gesamten Staatshaushalts zu Ende zu führen, konnte man sich heute kleineren Vorlagen znwenden. Der Gesetzentwurf betreffend die Bewilligung weiterer Mittel zur Verbesserung der W-ohnungsverhaltnisse von Staatsarbeitern und gering besoldeten Beamten imrb ohne Aussprache in dritter Lesung verabschiedet. Es folgt die zweite Beratung des 'Gesetzentwurfs, betretend die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in den Provinzen Brandenburg, Pom- mern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Westfalen sowie in der Rhein- Provinz und in Hohenzollern. Der verstärkte Gemeindeausschuß beantragt unveränderte Annahme und die Zustimmung zu folgender, vom Herrenhaus bereits genehmigten Entschließung: „Die sittliche Hebung und Festigung der männlichen schulentlassenen Jugend, die durch das vorliegende Gesetz gefördert werden soll, bedingt auch die religiöse Fortbildung in der Konfession ber Fortbildungsschüler. Die Regierung wird daher er- fuchct, die Ausführung dieser Ausgabe in einer dem reiferen Alter und den Bedürfnissen der Zeit entsprechenden Form zur Gel- tung zu bringen."
Das Zentrum hat seinen in der Kommission abgelehnten Anttag aus Einführung der religiösen Unterweisung als obligatorischen Unterrichtsgeaenstandes für die Plenarsitzung wieder ausgenommen. Abg. Dr. Heß Ztt.) beanttagt schriftliche Berichterstattung über die .Kommissionsverhandlungen und zu diesem Zweck Rückverweisung der Vorlage an den Ausschuß. Damit hat er indes selbst bei den Konservativen kein Glück, obwohl er daraus pocht, daß es sich hier um die Wünsche der zweitgrößten Partei handelt. Der Abg. Herold (Ztr.) will sich schließlich damit zufrieden geben, wenn den Gemeinden das Recht eingeräumt würde, durch Statut die religiöse Unterweisung obligatorisch einzuführen. v .
Nationalliberalerseits wird der Zentrumsantrag durch den Abg. Wohlfahrt abgelehnt, durch den dein Zentrum zum soundsovielten Male gesagt lvird, daß die religiöse Unterweisung nicht in die Fortbildungsschule gehört. Auch der Landwirtschafts- minil'ter Frhr. v. Schorlern er lehnt den Anttag nach wie vor ab, wenn auch mit höslick-en Worten und unter Hrnwew aus das Entgegenkommen, das die Regierung dem Zenttum in dieser Sache .bereits bewiesen hat. In ber Abstimmung fallen die Zentrums- ,an träge. In der Gesamtabstimmung wird das Gesetz in 3. Beratung gegen die .Stimmen der Sozialdemokraten, der beiden Dänen und eines Teils des Zentrums angenommen. Dre Entschließung deS Ausschusses wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. ■
Der Gesetzentwurf Verbesserung ber Oder unterhalb Breslau wird nach den Ausschußbeschlüfftn in 2. Beratung angenommen und in 3. Lesung verabschiedet.
Dann werden einige Denkschriften und Rechnüngsnachwene zur Kenntnis genommen und schließlich eine Anzahl Bittschriften erledigt. Eine Eingabe um Verleihung des passiven kommu- rrratat' Wahlrechts an die Lchrer der öffentlichen Volksschulen be . antragt der Ausschuß ber Regierung als Material zu uber- weisen. Abg. Ernst (Vp) beantragt Ueberwenung zur Berück sichttgung. Dieser Anttag ttnrb indes durch die Stimmen der Konservattven und des Zentrums abgelehnt.
Der Budgetansschutz des Abgeordnetenhauses nahm mit allen gegen 6 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend Maßnahmen zur Verstärkung des Deutschtum s in den Provinzen West Preußen und Pofen an. Weiter wurde ein Anttag Viereck und Genoffen angenommen, die yreußisch- Staatsregiemng zu ersuchen, in den überwiegend polnischen Teilen der östlichen Pwvinzeir den deutschen Handel und Gewerbestand namentlich in den Grenzstädten wirtschaftlich zu stärken, insbesondere 1. durch eine beschleunigte Besiedelung der Umgebung der Städte mit deutschen Bauern und Arbeitgebern, 2. durch Förderung des Realkredits auch über die Grenze der Mündel- isicherhett hinaus, 3. durch bessere Ausbildung der Geioerbe- 'treibenden in den Fachkcnntnisfen und in Rechnung und Buckvuh- rung 4 durch Förderung des gewerblichen Genvnenschaftswesens unter Ermöglichung des Anschlusses vereinzelter Gewerbetteibenden und 5. durch Förderung der Seßhaftmachung Gewerbetteibender in eigenen Wohnhäusern. _______________
Der Katfer in Homburg.
Hamburg v. d. H., 14. April. Der Kaiser, die Kawerin und ^das Gesvlga begaben sich heutt nachmittag Mr Saalburg und Verfolgten. längere Zeit dre Schanzarbeiten. Anwesend waren u. a. aucg Gerier-al Hrlde- m a n n und Baurat Jakobi. Das Wetter ist -alt Sonnenschein und Schneefall wechseln ab. Der Kaffer horte am späteren Nachmittag die Vortrage b-cs de. Aus
wärtigen Amtes Gesandten v. Drerrtler und des Ches» be» 'Zivilkabinetts Wirklichen Geheimen Rats v. ^enttnu Der Oberhof- und Hausm'arschall Graf Eulenburg hat chomburg 6erI3nnber Naüe Saawurq Kitt tiv.e aus beit beiben Mainzer Pionier-Bataillon-,; M'aminengesteltte Kompaxnie eine SB al büb u n g ab. i Sta tajer (»etegenKtt kerben tnttfi int Interesse ber LmtesforMnnss auf Koft-N freiwillig geftiftrter Mittel, des Saorburgsont» efr-mahfle römische^ Limesanlagen rekonstruiert. Dre entstehenden Schanzen werden den Besuchern der Saalburg späterhin em möglichst getreues Bild römischer lLagerbefestrgungen geben.
Mehener Anzeigen
Geileral-Anzeiger für Gberheffen
Ver Anschlag auf den Kenig von Spanien.
Madrid, 14. April. Der verhaftete Anarchist Alegre erklärte im Laufe seines iVerhörs wiederholt, er ha b e die Hinrichtung Ferrers rächen wollen. Man fand bei ihm mehrere auf Ferrcr bezügliche Zeitungsartikel und eine Poslckarte mit einem Frauenporttait, die die von ferner Hand -geschriebenen Worte trug: „§>enriette, wenn du mich liebst, so räche meinen Tod! Es lebe die Anarchie!" Alegre ist oerhettatet, aber kinderlos. Er gestand, daß er den Revolver vor kurzem in einer Pfandleihanstalt gekauft habe. Nach einer anderen «Version habe Alegre die Behauptung aufrecht erhalten, datz ihm der Gedanke an die Tat erst int Augenblick des Vorbeireitens des Königs gekommen sei. Im $ erlaufe des Verhörs soll er gesagt haben, er fei glücklich darüber, datz der König unverletzt sei. Aus seinen weiteren Geständnissen geht hervor, datz er alles mögliche, darunter auch philosophische Schriften gelesen und falsch verstanden hat. Er wird jedoch keineswegs als geisteskrank angesehen, da er die an ihn gerichteten Fragen in klarer Weise beantwortete. Er gibt sich auch bezüglich der Folgen,^ die fein Verbrechen ür ihn haben wird, keiner Selbsttäuschung hin.
Raphael Sanchez Alegre, der den Anschlag auf den König verübte, ist in Barcelona geboren. Als er wegen anarchisttscher Umtriebe aus Frankreich ausgetoiesen worden war, begab er sich vor anderthalb Monaten nach Barcelona. Vor einem Monat kam er nach Madrid, um Arbeit zu suchen. Diese sand er in einer Tischlerwerkstätte, wo er bis Freitag arbeitete. An diesem Tage ließ er sich seinen Lohn aus- zahlen und verschwand.
Die Polizei fand bei ^Alegre einen an seine Fra 11 gerichteten Brief vor, in welchem es heißt: „Du bist der geistige Urheber meiner Tat. Wenn Du mir geschickt hättest, um was ich Dich bat, wäre das Attentat, dessentwegen ich ersäwssen werde, nicht geschehen. Wenn Du diesen Brief erhältst, ist die Tat bereits getan."
Alegre wurde zweimal verhört. । Er erklärte, er habe die Tat allein vollbracht, und zwar aus Gründen, die er nicht nennen wolle. In das Gefängnis zurückgebracht, verweigerte er die Nahrtmgsaufnahme und verlangte, so bald als möglich erschoften zu werden.
Weitere Verhaftungen.
Die Polizei verhaftete gestern abend nach einer .Haussuchung vier Spanier, zwei Männer und zwei Frauen, die zusammen ein Zimmer bewohnten, wo man Verzeichnisse von Anarchisten in Beschlag nahm. Bei dem verhafteten Zranzosen wurde ein Notizbuch gefunden. Er wurde in geheime Haft gebracht, weil er sich in seinen Aussagerr widerspricht. I •
Eine Erklärung des Ministerpräfidenten.
Madrid, 14. April. Ter Ministerpräsident erklärte einem Redakteur des „El Liberal":
Die Regierung hatte alle erdenklichen Vorkehrungen anläßlich der gestrigen Truppenparade getroffen. Ww schon bei früheren Gelegenheiten, habe eranonymeAnzeigen erhalten, welche aut die Möglichkeit eines schlimmen Vorkommmsfes hm- miefen. Gras Rvmanones fügte hinzu: „Diejemgen, welche die sofortige Hinrichtung des Attentäters verlangen und uns auffordern, Versolaungs und Unterdrückungsmaßregeln zu treffen, erwidere ich, daß die liberale Partei ihren Ueber- lieserungen entsprechend regiert t im Sinne des Gesetzes, der Ge- reck'tigkeit und der Fittheit. Wenn man diese Haltung nicht als entfärechenb ansehen und eine UnterdrückungsPolitik von uns verlangen werde, so möge man es sagen. Wir werden dann zurücktreten, um anderen Platz zu machen. Man muß so sprechen, denn in Spanien ist es nicht so wie in anderen Ländern Europas, ivo niemand an einen Ministcrwechsel denkt, weil das Staatsoberhaupt der Gegenstand oder das Opfer emes An,chlagS war, den niemand voraussehen kann."
Der Minister des Innern teilte mit, daß Alegre in den Polizeilisten nicht als Anarchist eingetragen war. Alegre soll kürzlich feiner in Barcelona wohnenden Familie brieflich mitgeteilt haben, daß er feinen anarchistischen Ideen ,-ntsage und gleichzeitig um Geld gebeten haben, damit er -rach Chile auswandern könne.
Der allgemeine AurftanS in Belgien.
Brüssel, 14. April. Nach den bis mittags vor- lieaenden Nachrichten wird in den Gebieten Von Eh ar- ser 0 i in beu ©ru&en saft trotlftimbto wenixiMuZnahmen gestreikt In der ir.eta(Lur<p|d)cn Branche tft ber üiu»ftaiib nur partiell, und in den Glasbläsereien wirb der Streik erft morarit beainnen. Die Gendarmen und die Truppen Stoufc™ in der Gegend. Bis heute hat sich keen. 3 wisch en fall ereignet. Aus La LouV iere wird ge- mÄdet daß etwa 3 5 0 0 0 ® a n it ft r e i ke n, dre stch namentlich aus Grubenarbeitern zusammensetzen. Dre Trambahnen verkehren noch htzute, dann aber erwartet m^diE Einstellung des Betriebes. Mrs Lut rch wrrd gemeldet daß in den Kohlengruben der Umgegend die Überarotze Zahl der Arbeiter streikt. In der natronalcn Waffenf^rrk srnd von 3500 Arbeitern nur 1400 erschienen. AÄ Bor?nage tvirb gemeldet, daß in dem.Bezirk Von Mons bis heute «Nein 35 000 Grubenarberter ftreuen. ^n de^Eifenindustrie streiken 3000 Personen. In den Far- i bereierl ist der Streik vollständrg; m den Tabatfabriken feietitüe Hälfte des 'Personals. In der keramischen Branche >r-uht^die Arbeit vottständig. In den Sprmtgstoffabrcken zahlt mmr 20 Prozent Streikende. Du tu Belgren wohnhaften
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