Ausgabe 
16.7.1913 Erstes Blatt
 
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Rumäniens Absichten.

Buk,arest, 15. Juli. Der heutige Ministerrat unter Sem Vorsitz ^esrKönias beschäftigte sich mit der -bet-bcr morgigen Er­öffnung des Parlaments zu haltenden Thronrebe und nnige durch den Kriegszustand notwendig gewordene Gesetzentwürfe.

Der n i g ist beute abend zur Ärmee abgereist.

Bukarest, 15. Juli. (Wiener Korr.-Bureau.) Maßgebende rumänische Kreise betonen, die Ansprüche Rumäniens seien noch heute die gleichen wie vor Beginn der Opera­tionen. Die Operationen würden solange fortgesetzt, bis die Krieg führenden einen Waffenstillstand abgeschlossen hätten. Ein weiteres Borrücken der rumänischen Armee steht bevor.

London, 15. Juli. Reuter erführt von maßgebender Stelle: Rumänien erfüllte eine der Aufgaben der Mobilisierung, näm­lich der Besetzung der neuen strategischen Grenze, und werd» jetzt versuchen, Bulgarien zu veranlassen, sich mit Serbien und Griechenland zu verständigen, um eine Störung des Gleichgewichts aus dem Balkan zu verhindern. Wenn dieses Bestreben zum Ziele gelange, werde ollem Anschein noch Rumänien seine Aufgabe erfüllt haben. Man hofft, nach der cndgültigeii Regelung werden Rumänien und die übrigen Balkanstaaten damit beginnen, zusammenzuarbeiten in dem gemeinsamen Bestreben, die eigenen Interessen zu verteidign. Wenn kein Einzelstaat die Vorherrschaft habe, werde sie wahrscheinlich den Anschluß Rumäniens an den Balkanbund, wie er immer in Zukunft sich gestalten möge, in sich schließen.

Die Räumung des türkischen Gebietes durch Bulgarien.

Sofia 15. Juli. DieAgence Bulgare" meldet, daß, ent­sprechend dem zwischen den Regierungen der Türkei und Bulgarien getroffenen Abkommen, gestern die Räumung der Gebiete jenseits der Linie EnosMidia von den bulgarischen und die Besetzung durch türkische Truppen begonnen hat.

Konstantinopel, 15. Juli. Tie türkische Armee hat die 'Linie Enos^-Midia besetzt. Der Aufmarsch ging rasch und glatt von statten. Die Bulgaren ließen einen Eisenbahnzug auf der Strecke zurück. Sie haben anscheinend weder die Dörfer noch die Bahnstrecke beschädigt. Zusammenstöße scheinen vermieden worden zu sein.

Grey über die Balkancreiguisse.

London, 15. Juli. Beim Schluß der Sitzung des Unter­hauses erwiderte Sir Edward Grey auf die Anregung eines Mitgliedes wegen einer britischen Intervention im neuen Walkankriege, die Erwägung über den Charakter des Krieges und tue Leidenschaften, von denen er begleitet sei, zeige augenscheinlich, daß bloße Worte außenstehender Mächte nicht geeignet feien, oie Lage zu, beeinflussen. Grey fragte, ob er das Haus um einen Kredit ersuchen dürfe, der zur Beilegung des Balkankrieges Ver- iwendung finden solle. Uno selbst wenn dieser Kredit bewilligt würde, was könne man in dem Kriege zwischen Serbien uno Bulgarien tun? Schon die geographische Lage der Kriegführenden bringe es mit sich, daß das europäische Konzert dort nicht als ^Ganzes Vorgehen, sondern einem Teile das Mandat zur Exekutive iübergeben müsse. Tas europäische Konzert sei um die Beendigung des Krieges sehr besorgt, es sei aber für das Konzert außerordent­lich schwierig, den Frieden mit Zwangsmaßregeln herbeizuführen. Was durch die Uebereinslimmung der Mächte für den Frieden getan werden könne, werde sicherlich geschehen. Die Lage sei gegenr wärtig folgende: Bulgarien wandte sich an Rußland, nm die ^Einstellung der Feindseligkeiten zu erlangen. Griechenland und Serbien seien bereit, in die Einstellung zu willigen, aber unter Bedingungen, die Bulgarien annehmen müsse, bevor sie dies täten. Was das türkische Vorgehen anlange, so sei ihm «Grey) versichert toorben, daß es die Absicht .der Türkei sei, nur das Gebiet jenseits der Linie EnosMidia zu besetzen. Solange die Türkei bei dieser Wbsicht bleibe, sei auch ihr gegenüber keine Ausnahmemaßregel nötig. Tie Grenze werde durch eine internationale Kommission -festgesetzt. Inzwischen sei es natürlich, daß Bulgarien auf der -einen, die Türken auf »>er anderen Seite Wacht hielten. Er vertraue, daß die Türkei bei ihrer Absicht 'bleibe. Ein .Hinaus- -gebtn über die Grenzlinie würde die bestehenden Schwierigkeiten vermehren. Eine andere Angelegenheit von vitaler Wichtigkeit /fei, daß die Großmächte fortgesetzt in Berührung blieben und deinen Schritt unternähmen, der Schwierigkeiten zwischen ihnen ^verursachen könnte. Dies Ziel erstreben die Mächte seit Ausbruch Les Krieges und würben es dauernd weiter erstreben. Sie seien" betreffend Albaniens zu einer Entsck-eidung gekommen. Diese lEntscheidung trug zur Aufrechterhaltung der Harmonie zwischen shnen wesentlich bei. Es sei natürlich, daß irichls, was im -gegenwärtigen Kriege gesehehe, die bereits erreichten Entscheidungen, i>ic einen wertvollen Aktivposten für die Harmonie zwischen den >Mäckcken darstellten, umzustoßen geeignet sei. Grey schloß: ,,Der »günstigste Ausblick, den ich. dem Hause bieten kann, ist, daß, erstens, Der jetzige Krieg so erschöpfend und so schrecklich in seinem Cha­rakter ist, daß er nicht lange dauern wirb, zweitens, daß schon seine bloße Intensität ihn zum Mscbluß bringen wird, drittens, daß sich ans ihm hoffentlich keine Komplikationen ergeben, die einer Großmacht den Zusammenhang mit einer anderen rauben !und das europäische Konzert in Gefahr bringen. Die erste Sorge des europäischen Konzerts ist, sich selbst und die Harmonie zwischen feinen Teilen zu bewahren. Wenn das nicht gelingen sollte, dann wäre dies für Europa unheilvoller als alles andere, was sich bisher ereignete. Es ist -jede Aussicht vorhanden, daß die Mächte fortdauernd in Berührung miteinander bleiben werden und daß sie, wie sie die bisherigen Komplikationen überwunden haben, auch durch Bewahrung dieser Fühlung die Komplikationen über­winden werden, die in Zukunst. entstehen können." Das Haus nahm die Ausführungen Greys mit lebhaftem Beifall auf und vertagte sich sodann.

Verschiedene Nachrichten-

Paris, 15. Juli. Rach einer Blättermeldung aus Belgrad habe die serbische Regierung die Aufmerksamkeit b-er Großmächte auf die angeblich zwischen der provisorischen Regierung A l b a n i c n § und den Führern der bulgarischen K o m i t a t s ch i s schwebenden Verhandlungen gelenkt. Die serbische Regierung habe auf die schwierige Lage hingcwiesen, in der sie sich befinden würde, falls die Albanesen und bulgarischen Komitatschis zu einer Verständigung gelangen und die serbische Grenze angreisen würden.

Paris 15. Juli. Die internationale Finanz- ckom Mission wird nur noch zwei bis drei Sitzungen abhalten und dann nach einer für den 18. anberaumten Plenarsitzung in die Ferien gehen. Die Konstantinopeler Meldung, daß die türkischen Delegierten aus der Finanzkommission ab» berufen worden sind, wird als unrichtig bezeichnet.

Deutsches Neich.

B a l e st r a n d , 15. Juli Ter Kaiser arbeitete heute vor­mittag allein und nahm später die Vorträge der Chefs des Militär und Marinekabinetw entgegen, ferner die des Vertreters des Slus- toärtigen Amtes, Gesandten von Treutler. Heute nachmittag machte der Kaiser einen Spaziergang an Land.

Vorgestern stürzte ein Matrose vom KreuzerKolberg" während einer Bergbesteigung ab. Bei den Bergungsvi-r- suchen erlitt ein O f f i z i e r ernste Quetschungen, doch besteht feine Lebensgefahr. Die Leiche des Matrosen wurde abends ge­borgen.

Berkin, 15. Juli. Ter Prinz von Wales, der augen­blicklich inkognito eine Reise durch Deutschland macht, kam heute im Automobil von Leipzig zum erstenmal nach Berlin. Er brauchte für die Fahrt nicht ganz 3 Stunden. In seiner Be­gleitung befinden sich Major Cardogan und Professor Fiedler. Der Sekretär des Prinzen und die Dienerschaft waren schon vor gestern mit der Dahn eingetroffen. Bald nach seiner Ankunft unternahm der Prinz mit Professor Fiedler (Universität Oxford einen Spaziergang durch die Stadt, der sich auf mehrere Stunden auSdehnte.

Kick, 15. Juli. Tas zweite Geschwader der Hoch­seeflotte trat heute abend 7 Uhr seine Sommerreise an.

2tiisiano.

Pa ris, 15. Juli. Ter deutsche B-ot/cha f t er hat alles erforderliche veranlaßt, um den genauen Sachverhalt des Ran­cher Vorfalles festzustellen.

Der Ministerpräsident und.der Kriegsminister werden dem Armeeausschusse auseinandersetzen, daß sie hauptsächlich dar­um b ve Einstellung der Zwanzigjährigen befürworten, weil diese Einrichtung in Deutschland bestehe und dort zu keinerlei ernsten Unzuträglichkeiten führte. Die Armeekommission befindet sich bereits im Besitze von Statistiken über Krankheiten der mit 18, 19 und 20 Jahren eingetretenen Freiwilligen, Die Krank heitsfälle foären weniger zahlreich als bei den mit 21 und 22 Jahren Dienenden. Falls die Kammer für diese Maßnahme stimmt, ist die Regierung bereit, sie in der zweiten Hälfte des November durch­zuführen. Tie Negierung wirb nicht die Vertrauensfrage stellen, aber energisch für die Einstellung der Zwanzigjährigen eintrcten.

London, 15. Juli. Das Oberhaus lehnte^ die zweite Lesung .der Home r ule bi ll mit 302 gegen 64 Stimmen ab und nahm einen Antrag Lord Landsdownes an, die Bill zuvor dem Urteil der Wählerschaft zu unterbreiten.

Madrid, 15. Juli. Aus Tetuan wird vom 12. d. M. gemeldet: Die Kämpfe haben seit zwei Tagen wieder be­gonnen, namentlich am Freitag wurden die Spanier, die mit 12 000 Mann einen Ausfall machten, während des ganzen Tages beunruhigt, sie verloren 6 0 Tote, darunter drei Offiziere, und 150 Verwundete. Die Spanier kehrten in ihre ursprünglichen Stellungen zurück, nachdem sie mehrere Tuars verbrannt hatten. Die Hitze ist außerordentlich.

Peling, 15. Juli. Die Feindseligkeiten in Kiangsi, wo der abgesetzte Gouverneur der Provinz Lilichtschun, der General Hwang Hsing an der Spitze der Rebellierenden die Kiangsi-Truppen Puanschikais, die der Regierung Respekt ver­schaffen sollen, zu vertreiben sucht, ferner die Sprengung eines Magazins in Kaifun und andere Versuche, der Regierung Schwie­rigkeiten zu machen, werden als Anzeichen betrachtet, daß die Jungchina-Partei entschlossen sei, eine Entscheidung herbeizuführen. Puanschikai hat 'Verstärkungen ins Pangtsetal gesandt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Juli 1913.

** Tageskalender für Mittwoch, den 16. Juli. Die Anlageinusik findet beute nachmittag 5' < Uhr statt (nur bei gutem Wetter). Spielplan: 1. Mein Regiment! Marsch von H. Blankenburg: 2. Ouvertüre zur OperMignou* von Thomas: 3.Anna, was ist denn mit dir?" Walzer aus der Operette »Der liebe Augustin" von L. Fall; 4. Original-Schwälmer-Tänze von I. Lewaller.

Zirkus Althoff. Mittwoch und Donnerstag abend 81/* Uhr: Vorstellung. .

** Sommerurlaube der Minister. Finanz­minister Dr. Braun, der durch die Beratung der Besol­dungsordnung im Finanzausschuß besonders stark in An­spruch genommen war, weilt seit mehreren Wochen in der Schweiz und wird gegen Ende der Woche wieder hierher zurückkehren. Dann tritt Minister des Innern v. Hom- bergk seinen Urlaub an, während Staatsminister Dr. v. Ewald wegen des jüngst eingetretenen freudigen Er­eignisses bei seiner Tochter, Freifrau v. Gustedt, erst im September seine Erholungsreise nach der Schweiz an- trcten wird.

**" Hessische Handwerkskammer. Der Deutsche Reichstag hat in den vergangenen Wochen die M i l i t ä r v o r - läge einer eingehenden Beratung unterzogen und die Forderungen der verbündeten Regierungen auf HeereSverstärkung zum Gesetz erhoben. (Gewaltige Summen sind es, die zur Turchführung dieses Gesetzes von dem deutschen Volk getragen werden und es gehört zur Hauptaufgabe der Interessenvertretungen der verschie­densten Berufszweige, dafür Sorge zu tragen, daß diese in das Wirtschaftliche Leben zurückströmenden Summen in zweckmäßige Bahnen gelenkt werden und hierbei möglichst alle Erwerbszweige in gleicher Weise Berücksichtigung sinden. Insbesondere kommen bei all diesen Lieferungen und Neubauten die verschie­densten Handwerkszweige in Betracht und wurden durch die in der Oeffentlichkeiit in letzter Zeit öfters behandelten Anschauungen der leitenden Militärbehörde über das Vergebungswesen in Verbindung mit den Wirkungen der Militärvorlage berechtigte Wünsche und Hofsnungen hervorgerufen. Es dürste bekannt sein, daß von der Interessenvertretung des Handwerks seit langen Jahren an der Verbesserung des bestehenden Unterbietungsverfahrens gearbeitet wird. Sind auch die maßgebenden Behörden in mancher Hinsicht den Forderungen des Handwerks entgegengefommen, so verbleiben doch immer noch verschiedene Punkte, die häufig Anlaß zu neuen Klagen geben. Die bevorstehenden, zum Teil in Angriff genom­menen Bauarbeiten und Lieferungen haben auch die hessische Hand­werkskammer veranlaßt, bei den maßgebenden Militärbehörden dahin vorstellig zu werden, daß bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen in erhöhtem Maße die Interessen des Handwerks Be­rücksichtigung finden, insbesondere wurden die schon jahrelang vertretenen Punkte erneut der Beachtung empfohlen. Die haupt­sächlichsten Forderungen gehen dahin, die Arbeiten bei Kasernen­neubauten stets in getrennten Losen zu vergeben, die am Platze ansässigen Handwerker möglichst zu berücksichtigen und nur solchen Angeboten den Zuschlag &u erteilen, diees ermöglichen, ge­diegene Arbeit zu liefern und dabei einen a n - gemessenen Verdienst zu erzielen. Ferner sollte nicht nur bei Erstellung von Neubauten, sondern auch bei der Herstellung der Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände nach Möglichkeit eine korporative Beteiligung der Innungen und Vereinigungen des Handwerks, wie dies in letzter Zeit erfreulicherweise mit gutem Erfolg namentlich von den Verwaltungen einiger größeren Städte geschieht, herbeigeführt werden. Im Interesse der Regierungen und des Staates muß es liegen, einen leistungsfähigen Hand­werkerstand -sich zu erhalten und werden die Handwerker allen Behörden, die ihre Bestrebungen in weitblickender Weise unter­stützen, hierfür Dank wissen.

Verwendung im Beamtend ienst. Mittels Erlasses vom 17. Juni weist der preußische Eisenbahnminister die Eifenbahndireklionen darauf hin, daß die Arbeiter tunlichst in der Neihenfolge ihres Dien st alters zur Ausbildung im Beamtendienst heranzuziehen sind. Bei der Heranziehung zum ständigen HülfSbeamtendienst sollen unbillige Verzögerungen möglichst vermieden werden. Bei erforderlich werdenden Zurückziehungen auS dem Beamten­dienst kommen hierfür diejenigen Hülssbeamten in Betracht, die auf den beteiligten Dienststellen zuletzt in den Veamten- dieuft übernommen wurden. Soweit angängig, sind in solchen Fällen geeignete Perfonalverschiebungen vorzunehmen, um die Zurückziehung älterer HulfSbeamten zu vermeiden.

** Gießener Stadttheater. Hoheit tanzt Wal­zer. Das gestrige Gastspiel des Kurtheaters in Bad-Nauheim brachte uns eine neue Operette, Hoheit tanzt Walzer, ohne daß man sagen könnte, vieles wäre neu gewesen. Einen großen Teil der Witze haben unglaublicherweise die Fliegenden Blätter schon vor- >veg genommen und was übrig bleibt, das ist eine sehr gute Unterhaltung. Tie Melodien sind oft recht hübsch, nicht immer neu, aber darum umso wirkungsvoller. Eine Hoheit, die natürlich wieder mal in einen armen Tcusel verliebt ist, der Gott weiß warum, Kellner geworden ist die Verfasser behaupten, weil er nicht zum Hofkapellmeister ernannt worden sei. Tas ist halt mal so, und er ist furchtbar traurig darüber besonders, als ihn die Hoheit an ihrem Hochzeitstag zum Hofkapellmeister er­nennt. Der Sanner spielt der Lanner und Hoheit tanzt Walzer. Von nun an ist das GasthausZur silbernen Bretzel" hoffähig und die armen Leutchen, denen es gehört, werden vom I drohenden Umfall gerettet weil Hoheit AaLtz« tanzte. Wies

ist>Hdf, nett, lieb, nur der Ochsenwirt nicht, das ist ein Flegel und er .kriegts tüchtig gesagt. Das geschürt ihm recht warum will er auch die Tochter des Bibliothekars hei­raten, der an seinem Jubeltage pensioniert wird. Warum? Die Darstellung war wieder sehr gut. Herr Ähnelt, den auch den reichen Ochsenwirt vortteßlich verkörpette, zeichnete für die Regie verantwortlich und hatte für recht ansprechende Bühnen­bilder und eine gute Einstudierung gesorgt Eine allerliebst« Hoheit war Frl. Koppen höser, eine niedlick)e Lisi Fräulein Josepha, die trotz einer starken Unpäßlichkeit ihre Rolle an- eickennenswert durchführte. Einen flotten Peperl, vollHannus und Sentimentalität verkörperte Herr Kurt Harden. Als Strampfl tat sich Herr Gottfried hervor. Sehr lustig Wirkte Fräulein N a t h u s i u s als Hofdame. Ein reizendes Pärchen, das sich außerordenttichen Beifalls zu erfreuen hatte, bildeten die beiden Töchter des Herrn Obergardcrobiers Steuernagel, die das Lied von der Mrinoline sehr hübsch vortrugen. Die musikalische Leftung hatte Herr Röhren.

** D i e Rechts schutzstelle für Frauen und Mad - chen macht darauf ausmerksam, wie wichtig die neuen Bestim­mungen über die Berechtigung, Lehrlinge zu halten und anzuleiten, für die Kreise der weiblichen Handwerker: Schneiderinnen, Fri- 1 seusen, Putzmacherinnen, Weißnäherinnen und ^Stickerinnen sind, i Nach diesen Bestimmungen ist heute keine Schneiderin, Putz- 1 macherin usw. berechtigt, Lehrlinge anzuleitcn, die nicht tm Be- | sitze des Meisterbriefes oder eines behördlichen Ausweises über 1 die Befugnis, Lehrlinge auszubilden, ist, und auf diese Tatsack>e ' können Eltern sowohl als auch Handwerkerinnen nicht nachdrüü lich genug hingewiesen werden. Die meisten der Handwerkerinnen sind sich gar nicht bewußt, daß ihnen mit der Gewerbenovelle vom 30. Mai 1908, die am 1. Oktober 1908 in Kraft trat, eine Berechtigung verloren gegangen ist, die sie scheinbar besaßen. Es soll aber an dieser Stelle nochmals auf die llebergangs- beftimmungen aufmerksam gemacht werden, die mit dem 1. Ok­tober 1913 außer Kraft treten. Allein der behördliche Ausweis über die Befugnis oder der Meisterbrie' berechtigen zur Annahme und Ausbildung von Lehrlingen. Allen anderen Personen ist die Anleitung von Lehrlingen untersagt und sie machen sich im Falle des Zuwiderhandelns sttafbar bis zur .Höhe von 150 Mk. oder bis zu 4 Wochen Haft. Für alle, die es bisher unterlassen haben, die Vorschriften der Gewerbeordnung zu erfüllen, wird es von außerordentlicher Wichttgleit und Bedeutung sein, die kurze Spanne Zeit auszunützcn, in der die llebergangsbestimmnngen noch Kraft haben. Vom 1. Oktober d. I. an ist es unmöglich, das Versäumte nachzuholen. Es ist daher Pflicht der Reckstsschutz- stelle, im Interesse der weiblichen .Handwerker auf den Besuch von Meisterkursen hinzuweisen.

** Er lehrte ihn, mit Geld umgehen. Gestern mittag erregte am Bahnhofsplatz eine lustig? Prügelszene Aufsehen. Ein Vater aus der Provinz mar mit seinem 13- jährigen So'lm am Marktplatz in die eleltrische Bahn ge­stiegen. Ter Alte hatte beim Einsteigen 20 Pfennig in ben Schlitz geworfen und dann im Innern des Wagens Platz genommen, während sein Svrößling beim Wagenführer ge­blieben war. Nach deut Verlassen des Wagens an der End­station frug der Vater den Sohn, wo er die 50 Pfennig habe, die er ihm gegeben habe: der Bub erklärte, er habe genau wie der Vater und andere Fahrgäste dies auch getan haben, das Geld slo nach und nach an jeder .Haltestelle in den Schlitz geworfen. Warum hast du das nur getan, frug der Vater erregt. Es haben's doch die anderen auch so ge­macht, meinte der Junge. Wart', ich will dich mit Geld umgehen lehren, meinte der Alte, und nun setzte es kräftig eine Lektion, die erst im Bahnhofsgebäude ihr Ende erreichte, als dort stxhende mitleidige Leute auf Befragen des Va­ters erfuhren, warum der Knabe Püffe und Schläge er­hielt. Unter Lachen legten sie sich für den gezüchtigten klei­nen Verschwender ins Mittel.

** Tie elektrische Ueberland-Anlage der Provinz Oberhessen schreibt uns: Sie haben in einem Bericht über den Provinzial-Fenerwehrtag in Ober-Ros­bach die Nachricht gebracht, daß ein Vortrag über das Ver­halten gegenüber den Hoch- und Niederspannungs-Leitungen der Ueberland-Anlage in Brandfällen ausfallen mußte, weil unser Herr Oberingenieur v. Stadler nicht erschienen wäre. Wir bitten Sie höfl.^ dies dahin zu berichtigen, daß ui> ferem Herrn Cbering, v. Stadler überhaupt nicht bekannt gewesen ist, daß er» in Ober-(Rosbach den Vortrag über das obengenannte Thema halten sollte.

** Berichtigung. In dem gestrigen Aussatz über die Gießener Hütte ist ein unliebsamer Druckfehler unterlaufen; in der zweiten Spalte, Zeile 18 von unten muß cs Gesamt- vcrcin heißen statt Gesangverein.

** Die Landwehr kommt. Heute wurde eine Land­wehrkompagnie bei den Ilkern formiert. Die Leute sind 14 Tage zur Fahne eingezogen.

Landkreis Gießen.

# Muschenheim, 15. Juni. Eine wesentliche Ver­kehrsverbesserung ist jetzt durch den Umbau der alten Wet­terbrücke an der Straße Dorf-Güll-Muschenheim geschafsein Durch Entfernung der alten schweren Mauern rechts nnd links der Brücke und unter 2lusnutzung der als Eisbrecher dienenden Brückenpfeiler hat man die früher 3 Meter breite Brückenfahrbahn auf 5 Meter verbreitert, so daß, sich zwei Fuhrwerke darauf bequem ausweichen können. Rechts und links der Fahrbahi^ bat man je meterbreite, mit Zement­fliessen befestigte, erhöhte Fußsteige angebrackft, die nach der Flußseite durch ein eisernes Gitter abgeschlosseir sind. Der Brückenumbau, der unter Benutzung der bestehenden alten Anlage in Eisenbeton von der Eisenbeton-Gesellschaft, früher Lolat, in Gießen hergestellt wurde, ist nach dem Entwurf des Kreisbauinspektors Hechler überaus geschickt und je­denfalls recht billig ausgeführt. Zu loben ist auch, daß un­mittelbar an der Brücke, die am .Ende einer Straßen kurve liegt, elektrische Beleuchtung hergestellt ist.

Kreis Büdingen.

1. Stockheim, 14. Juli. Sein 14. Bundessest feierte der Nidder-Skemental-Sängerbund; damit verband der Gesangverein Eintracht * zu Aulendiebach sein 25jähriges Jubiläum. waren auS der Umgegend 20 Gesang­vereine erschienen. Durch einen Massenchor der Bundes- vereine wurde das Fest eröffnet. Die Festjungfrauen führten ein Festspiel auf.

Kreis Lauterbachs

E. Lauterbach, 15. Juli. Die im Jahre 1902 auS bereitgestellten Mitteln der Sparkaffen des Kreises Lauter­bach gegründete Volks wände rbücherei ist jetzt in 32 Gemeinden des Kreises aufgestellt worden. Die Ergänzung der Bücher erfolgt jetzt durch Zufchüffe deS Staates und des Kreises, so daß immer mit neuen Auflagen auS der deutschen Dichter-Gedächtnisstiftung in Hanlburg-Großborstel und der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung in Berlin ge­sorgt werden kann. Einen bedeutenden Zuwachs erhielt die Bücherei durch ein Vermächtnis der verstorbenen Frau Dr. (Salmberg, der sogen. Calmbergbücherei, welche allerdings nur für die Wandergruppe der Stadt Lauterbach bestimmt ist. Im letzten Verwaltungsjahr wurden 4000 Bücher auS- gegeben. Sämtliche Wandergruppen werden von Lehrern verwaltet, so daß Verwaltungskosten nicht entstehen. In Lauterbach ist die Ausgabestelle im Kreisamtsgebäude unter­gebracht.