Ausgabe 
13.3.1913 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 15. März M3

Erstes Blatt

165. Zahrgang

Die heutige Nummer umfatzl 10 Seiten

VeznaSprei >: monatlich 75 Bi., viertel- jährlich J)if. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Bi.; durch die Post Pik. 2. viertel- jährl. ausichl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pi., auswärts 20 Pienniq. l5licircdaktcur: A Goetz. Pcrantivortlich für den politiichen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton",Vermischtes" und Gerichtssaal": st 9lcu- rath; fürStadt und Land": E.Heß; kür den Anzeigenteil: H. Beck.

Der französischeStörenfried".

In einem Teil der Presse ist einige Aufregung über i>ic ernst werdende Lage" entstanden. DieKöln. Zeitung", die bekanntlich oft amtlich inspirierte Artikel bringt, hatte bei der Begründung der neuen hohen Ausgaben für das Heer darauf hingewiescn, daß hauptsächlich von Frankreich die nächste Gefahr drohe. Denn der Balkan­bund müsse zwar mit in Rechnung gestellt werden, aber er sei doch nicht für die Ewigkeit geschaffen, und das OS- manentnm bleibe immerhin auch noch ein Faktor, mit dem gerechnet werden müsse. Der Störenfried aber sitze über der westlichen Grenze:

Nie ist das Verhältnis zu unserem westlichen Nachbar so gespannt gewesen wie heute, nie_ hat sich dort der Nachegcdanke so unverhüllt gezeigt, und nie ist cs so offenbar geworden, das; man in Frankreich die russische Bundeshilfe, die englische Freund­schaft nur zu dem Zweck beansprucht, Elsah-Lothringcn zurück

Alsbald stimmten andere deutsche Blätter in diese Fest steklung ein, so auch dieMünch. Reuest. Nachr.", dieTägl. Nundsclwu", dieN a t i o n a l z e i t u n g", die sich gar den Satz leistete: . ..

Die europäische Atnwsphäre ist derart mit Gewitterstoncn geladen, das; jeder mit der Möglichkeit einer furchtbaren Ent­ladung rechnen must. Die politische Lage, die eigentlich schon seit Jahren nicht mehr normal war, hat sich in den allerletzten Tagen verschlimmert."

Der ,^8erl. Lok.-Anz." schrieb ebenfalls von einer in Frankreich planmäßig orgaitisierten Verhetzung,indem man einerseits den lvirtschastlichen Wettbewerb durch eine geschickte Kampagne politisch auSbeutete und andererseits eine Wicdereroberung Elsaß^-Lothringcns in kürzester Zeit in Aussicht stellt."

Nun fragte es sich, ob die Regierung diese Parole einer schärferen Tonart Frankreich gegenüber, gewünscht habe, und wenn auch im Reichstage keine Anfrage mehr eingcbracht werden konnte, so sah sich Herr v. Bcthmann- Hollweg doch genötigt, dem anshorchenden deutschen Volke schon vor der amtlichen Veröffentlichung und Begründung der Wehrvorlage wieder ein paar Worte zu sagen. Gestern abend brachte dieNordd. Allgem. Ztg." eine Note, die sich mehr gegen die Ungeschicklichkeit des Kölner Artikels ^wendet, als gegen dessen Inhalt selbst. Es kann als fest­stehend erachtet werden, daß in unserer Regierung heutb ein etwas anderer Wind weht als noch vor ein paar Wochen. Man hat sich überzcngt, daß von einer Unischmeichclung Frankreichs ganz und gar nichts zu hoffen ist. Und so wird die starte Vermehrung des Heeres in Aussicht genom­men, für die man jetzt das Votksverständnis zu stärken sucht. Die plumpe Art jedoch, wie dieKöln. Ztg." auf die Franzosen schlug, schien aber mit Recht dem Reichs­kanzler eine Korrektur zu arheischen. Besonders da der französische Kricgsminisier vorgestern im Heeresausschusse eine so besonnene Erklärung abgegeben hatte, in der zu lesen stand, daß Deutschland aus begründeten Empfindungen heraus die neuen Rustamgen cingeleitet habe.

Die amtliche Richtigstellung.

Die gestrige Erklärung derNordd. Allgem. Ztg." lautet:

J,r einzelnen deutschen Zeitungen sind in bieicn Tagen alar micrende Artikel mit Bezug auf die gegenwärtige oder die dem­nächst zu erwartende europäische Lage verbreitet ivorden. Wie die amtlichen deutschen Stellen, welche diesen Artikeln gänzlich fernstehen, die Situation beurteilen, ist wiederholt in derNord deutschen Allgemeinen Zeitung" ausgeführt worden. Tie gemein­samen Bemühungen der Großmächte haben bereits, wie auch der englische Premierminister cs soeben klar festgestellt hat, werl volle Ergebnisse erzielt. Wir halten daran fest, daß es die;er gemeinsamen Arbeit gelingen wird, auch der iloch verbliebeneil Schwierigkeiten Herr zu werden. Diese Zuversicht hat eine be sondere Stärkung durch die von Europa dankbar begrüßte Ver einbarnng erfahren, welche Oesterreich-Ungarn und Rußland so eben über die Reduktion ihrer militärischem Maßnahmen ge

Nr. 61

Der «lehenrr Anzeiger erscheinl täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich KiehenerFaniilienblütter zweimal wöchentl.Urels- blatt für den Areis Giehen (Dienstag lind Freitag); zweimal moiiatl. Land- wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, * 99 _ < »»

säsS General-Anzeiger sM Gderhesien füT0^^e,e2oq"^^nmllnec Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Bilch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchnlstratze 7. vis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Diese Erklärungen verdienen die vollste Billigung. E. war anzunehnien, daß die Regierung nicht anders sprechen könne. Es ist aber bemerkenswert, daß die Kundgebung ; nicht etwa zn einem Vertrauensvotum für Frankreich wurde, int Gegenteil. Vielleicht war dem Vertreter derKöln. Ztg." im auswärtigen Amte angedentet worden, daß ein paar abweisende Worte gegen die französischen Hetzer nicht übel angebracht erschienen, aber er hatte dann diese An­deutungen eben mißverstanden und in täppischer Weise befolgt. Wie dem nun aber auch sein mag: Der kalte Wasserstrahl hat die Franzosen richtig getroffen, mb er wird vielleicht umso besser lvirken, als auch die englisch- Presse mitspritzt. Wir geben ant Schlüsse dieser Zeilen davon die Proben derWestminister Gazette".

Der Wochenplauderer derK r e u z zeit u n g",Prof. Schiemann, gibt in der Mittwoch-Nummer des Blattes auch einen Beweis, das; die einflußreichen Männeroben" heute die Lag' in einem anderen Lichte betrachten, als noch vor kurzer Zeit. Schiemann schreibt u. a. :

Wir feiern den Tag lGeburtStag der Königin Luise) in Zeilen einer politischen Schwüle, toic sie den Befreiungskriegen vorausgegangen ist, und die Forderungen, die heute an uns ge­richtet ivcrben, l o n n c n s e h r wohl d a h i n a n s ni ü nde n, daß unsere gesamte Kraft daran gesetzt werden muß, nm deut- von Ost und West drohenden Sturm siegreich die Stirn zu bieten. Daß wir mit dieser Möglichkeit, nm Nicht z n s a g c n W a h r s ch ein lich leit, zu rechnen haben, kann heute nicht mehr zweifelhaft sein. In Frankreich i|t der Gedanke der Revanche seit den Tagen Boulangers nie lebendiger gewesen als heute, in Rußland arbeitet eine Koterie gewissenloser Politiker daran, der friedlichen Gesinnung des Zaren und seiner vornehmsten Berater Kokowzew und Ssaß.mow, ihren Willen auf.-,nichtigen und jenen Kampf zwischen Slawen und Germanen zu erzwingen, von dem ihre hochmütige Phantasie die endliche Zertrüuimerung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns erwartet, dank der Unter stützung Frankreichs und der Mithilfe Englands, auf die >ie rechnen, als sei das Kriegsbündnis bereits znm Absthlnß gelangt. Es ist der alte Traum, für ben Bakunin bereits 1848 sich auf dein Kongreß der slawischen Revolutionäre in Prag begeisterte, und der seither in wechselndeii Formen immer aufs neue lebendig mürbe. Er lebt Henle wie damals, unb aus bem offiziellen Jubel, ber bas 300 jährige Jubiläum der Romanows begleitet, klingt mißtönend der Ruf des Hasses hervor, der uns und dem österreichischen Nachbarn gilt und sich mit ausschweifenden Planen verbindet, die einerseits auf den Besitz Konstantinopels gerichtet sind, andererseits die Beherrschiiilg des fernen Ostens als selbst verständliches Ziel der russischen Politik ins Auge saßen. M a u glaube nicht daß hier mehr gesagt wird als der Wirklichkeit entspricht, lieber die Richtung ber fran fisch en Gedanken ist mau bei uns im allgemeinen leidlich unter richtet. DaS Mindeste, was ihnen als notwendige Leistung nuferer seits erforderlich scheint, ist ein Plebiszit in Elsaß-Lothringen, das, wie sie erwarten, sich für den Anschluß an Frankreich ans- spricht so schreibt Herr Renö Pinon in feinem' BuchI Alle­in ap; ne ct la France". Noch patriotischere Köpfe denken an die Rheingrenze, alle aber sind darin einig, das; nichts geschehen dürfe, was als eine Anerkennung des Frankfurter Friedens betrachtet werden könnte.

Ein Beispiel französischer Hetzerei wird wieder aus M o n.'li n s (Departement Mi er) gemeldet

Der Oberst des dritten berittenen Schützen-Regiments Mordacq hielt an seine Rekruten eine A n s p r a ch e, in der u. a. sagte:Alle Völker bereiten sich zum Kriege vor. Unsere Nachbarn vermehren ihre Mannschastsbesländ- und ihre Rüstungen in dem Gedanken, uns zu zer­schmettern, 'sobald sie den günstigen Augenblick sür gekommen erachten. Mer sie haben ohne den französischen Patriotismus gerechnet. Frankreich will nicht besiegt wer ' den und ist deshalb zu allen Opfern bereit. Es wird das 1 Geld und die Soldaten hergeben, die man braucht. An­gesichts der durch nichts gerechtfertigten Herttitssorderungen i haben sich alle Franzosen erhoben. Die französische Jugend reklamiert die dreijährige Dienstzeit als ein Gesetz des - Heils, und die Familiimväter geben ihre Söhne freiwillig i für ein weiteres (Dicnstjahr her."

Die Erklärung des französischen Kriegsministerß.

politische

Da» preußische Abgeordnetenhaus

ist am gestrigen Mittwoch in die O st e r f c r i e n g gangen. Es hatte seit dem 22. Oktober 1912 getagt und rund -0 Sitzungen seit dieser Zeit abgehalten Die ,verligstellnwgi des Voranschlags zum i. April d. I. ist dem Landtag eben-1

Der Beifall, mit welchem diese Worte von den Aichängern dieses Ministeriums aufgenommen morben sind, ist sehr bezeichnend. Wir können Asauith wegen seines Freimutes nicht zürnen. Aber, welche Rolle spielen diejenigen Franzosen, welem auf eine |o trügerisch-e Polüik von nicht uerbanbener ober unmöghdKr Huw- leistung spekuliert haben. Sie haben nur das französische Volk getäuscht, das sich in eine gefährliche Rulw einschläiern lreh, aus wels.er es jetzt durch das überrasck)ende Geständnis Awmths au,-- geschreckt wird.

DieWestminster Gazette" schreibt:

Einige deutsche Blätter sagen, daß die Schlüssel ber Situa­tion in britischen Händen läge. Das ist vielleicht ein zu großes Kompliment für uns, aber wir können nachdrücklich betonen, baß soweit wir Einfluß besitzen, wir ihn rückhaltlos gebrauchen werden, um der wahnsinnigen Idee eines P r ä v e n t r v- k r i e (i c s zu steuern. Wenn Frankreich wirklich eine europäische Verschwörung gegen Deutschland ausheckte, die unsere und Ruß­lands Zustimmung bedürfte, für einen Krieg, von dein General Bernhardi geträumt, so können wir die absolute Verncherung abgeben, daß wir keinerlei Anteil d a r an nehm en m ii r b c n. Wir freuen uns, bie Franzosen als unseren Freund betrachten zu können, aber wenn unsere Freunde eines wlchen Wahnsinns fähig wären, wäre es unsere Frennbespflrcht, sie zurückzuhalten und nicht aufzuhetzen. Natürlich halten wir bie)c ganze Panik für grundlos. Aber bie Verhältnisse in Europa sind jo, baß wir nichts tun dürfen, was falsche Besorgnisse ober falsche Erwartungen erwecken könnte, fonbern müssen unermüblcch unb unentmutigt für bie Entspann u n g zwischen Trivle-Ententc und Dreibund wirken, bie heute Europa am meisten nottut und bereit Durchführung bie stärkste Sicherheit für den Frieden fein würbe.

^o^Wenn^ßt den erwähnten Artikeln anbererseits die geplante beutsche Heeresverstärkung mit einer an gebt ich e u Ver­schlechterung der Beziehungen Den tschUnbo mi t bem einen ober anberen Nachbar mo11vtert wtrb, die zu einem kriegerischen Konflikt b r a n g e, , o sind derartige Ausführungen nut bas Ent, chi e benfte zur ü cf z uweise n. Daß bie gesamten enropanchen Machtverhältnisse bnrch bie Vorgänge aus bem Balkan eine Ver f(f)iebung erlitten haben, von ber mtttelbar auch Deutichland berührt wirb, ist eine jedem einleuchtende Tatsache, solange ber ewige Meltsriebe noch nicht garantiert ist, muß Deut,chlanb bannt rechnen, baß es in einem Kriege genötigt sein kann, seine weltgestreckten Grenzen nach mehreren Seiten zu vertelblgen, nub baß es bercln t nm 'seine Existenz ringen wirb. Für einc ,olckw Eventual.tat, bie Deutschland gegen seinen Willen ansgeiwtigt werben kann, soll die neue Wehrvorlage Vorkehrung tresten, indem sie m Aus fübrunn der allgemeinen Wehrpflicht bie niilitartaiinlifbe, nher bisher sreigelafsene .unge Mannschaft, zum dienst mit ber Wach heranzieht Kein Deutscher wirb bie Verantwortung auf sich nehmen wollen, daß in einem Kampfe, der uns.an,genötigt werden sollte, nicht alle Wehrpflichtigen als Solda en zur Verteidigung von Hans unb Herl; bereitstehen. ^te,e l eberzengung. da,', e unsere Pflicht ist, hierfür Vorjorge zu tresten, ist so sehr Ge meingut des ganzen Volkes, baß ,ic durch die ,ede Grundlagen eutbehrenben Kriegstreibereicn nur entstellt werben kann.

Jnbem wir dies nachdrücklich betonen, muffen wir gleick>zcttig gegen die maßlose Sprache Front m a ch e N, mit oci in einigen französischen Zeitnwgen unsere Heeresvorlage als enr Herausforberung und Drohung g eg en Fra n kr c i c hinzustellen versucht wird. Unserer nationalen Wurde entspricht es, solchen Hetzereien e n t g e g e n z u t r e ten, aber kaltblütig unb ohne Stimmungsausbrnche, bie im ,mi lande und Auslande Mis-verstäubnisse hervorrnscn unb die am Bewahrung des Friedens unter den Großmächten gerichtete Hal tung unserer Politik verdunkeln.

Die politische Lage und die fortschrittliche Volk^partei.

ds. Darm stabt, 12. Marz. Die Fortschritts ch e Volks Part ei veranstaltete heute adenb im Kaisersaal eine öffentliche Versammlung, bie einen guten Besuch au, zuweisen hatte. Als Redner des Abenbs sprachen bie Landtags- abgcorbnetcn Justizrat Grünewald-Gießen unb Henricki- Dannstabt über:Die politische Lage in Hessen'. Den Vorsitz führte Stabtverorbncter Säen g.

Abg. Henrich führte aus: Die wirtschaftliche Lage Ijftbc sich in ben letzten zwei Jahren gehoben. Mit bem Abbau ber Steuern solle man aber vorsichtig fein. Der Slcbncr geht bann auf bas Besolbungsgefetz ein, bas nicht befriedigt habe, besonders nicht in bezug auf bie Lehrer. Wir sind ber lleberzeugung, daß wir mcljr erreicht hätten, wenn bie Natiolialliberalen ,e,tgeblieben wären Auch bie neue Vorlage befriebigt nicht. Die Grunblage ber Vorlage ist keine schlechte. Welche Aussichten die Vortage hat, ist schwer zu sagen. Wirb bie reaktionäre Mehrheit bie Sache machen, bann geschieht es nur mit Nachgabe an ben Banerubunb, also es kommt zu einer Venachteiligung^ber Beamten. Man hat uns vorgeworsen, wir verlassen unseren Staubpunkt in ber Frage ber Trennung von Kirche unb Staats Auch in ber Zoll- srage wirb unsere Stellung verkannt. In ber Frage des Abbaues des Zolles sind wir nicht einig, lieber Hessen schwebt bie schwarz- blaue Fahne. "'Auch bie Nationalliberalen gehören bazn. xsn Hessen nimmt bie nationalliberale Partei bie Stellung uadi rechts ein, im Gegensatz zu ber im Reiche. Die Partei bcs Baneriibnnbes ist die politisch einflußreichste. Die nationalliberale Partei steht vor einer Trennung. Sie wird innerlich ausgem'orfcht. Wir haben diese Tatsache zu beklagen, da die liberalen Elemente zu brauchen sind. Der jetzige Führer der Partei findet keine Worte nach rechts, nur nach links. Wenn man liberal arbeitet, darf nidii niemand ausschalten, das war aber im Fall Dr. Linse der Fall. Die nationalliberale Partei soll im Kreise Bingen-Alzeh entscheiden ob sie liberal ist. Ich habe erfahren, daß das Wahl' Bündnis zwischen Nattonalliberalen und Bauernbund fertig ist. Nach Beifall spricht

Abg. Grünewald-Gießen: Wir sind int Landtag nut (wenige, aber einig. Es steht den Nationalliberalen schlecht an, uns Meinungsverschiedenheiten vorznwerfen. Ich habe nie von Natiolialliberalen eine liberale Aeußerung gehört. Sie haben die Allüren einer konservativen Partei. In unseren Reihen be- fiubim sich auch Nationalsoziale. Ich habe dieser Verschmelzung mit Bangen entgegengesehen. Aber ich bin überzeugt worden. Die von uns in der Besoldnugssrage gefaßte Resolution ist bc- bentnngsvoll. Unsere Nackigabc hat uns recht gegeben. Der Redner geht bann auf bie ReiMpolitik ein. Der schwarz-blaue Block ist nicht uiebergerungeu. Mein Antrag, Wahlprüsungen an das Oberlandesgericht» zu überweisen, hat int Laude Widerhall gefunden. Wie das Schicksal des Antrages sein wird, läßt sich heute nicht sagen. Die Neichspolitik wird von ber Militär­vorlage und ihrer Deckung beherrscht. Grünewald wendet sich gegen die Abstimipeluug der Jahrhundertfeier zu einer monarchischen. Nicht aus Königswort stand das Volk auf, sonders in dem Bewußtsein seiner Größe. Der Gmst Lessings, Schillers usiv. war in ihm. Nicht allein auf bie Abweisung bcs Joches ber Frembberrschaft war es bem Volke zu tun, sondern auch auf die persönlick^ Freiheit. Man nmß sich mit ber Frage eine# Tom men beit Kriege s lwschäftigen. Der Üiebner wendet sich gegen Hetzartikel in den -Blättern. Man wird es sich sehr überlegen, ob man einen Krieg herb erführen soll Man soll mit diesem Gedanken nicht spielen. , Die Wehr- Vorlage stärkt die Position des Zentrums. Eine Mlclpiung der Wehrvorlage hat dem Liberalismus noch nie Vorteil gebracht. Ob bie Besitzsteuer nur ein Sanb in bie Augen Streuen sein soll, läßt fick schwer sagen. Die bauernbeu Ausgaben werden n»ohl wieder aus de u allen Wege eckigebracht luerbe.n Tie St llnn., fieüicr Partei zur Sozialdemokrat i e legt der Redner dahin fest, daß man diese Partei zur Mitarbeit herauzieheu soll, wodurch der Groll dieser Partei herabgemiudert würde. Die Partei.macht es uns sehr selpver im Landtage, mit ihr zusaminenzuarbeiten. Sie benehmen sich rauh. Abg. Grünewald kommt, tuntu auf den Beamten stand zu spi'echen, der zum Liberalismus gehören .müsse. Man dürfe ben Bemnten bnrch eine geringe Besoldung nicht in Versuchung führen; ich will bas nicht näher anbeuten. Dieser mit lebhaftem Beifall aiifgeiiomnieueu Rebe schließt sich eine Ans- sprache an, an ber sich u. a. auch ber Abg. Korell Ingelheim, Lehrer Gehr mann, bet ans Unrichtigkeiten inbezug aus Be­hau ptuugeu über bie imtionalliberale Bartei erwibert, beteiligten.

Paris, 12. März. Nach einem Bericht desFigaro' lauteten bie Erklärungen, welche Kriegsminifter Etienne gestern im S? e e reSa n s fchußdc r K a m in e r abgegeben hat, im wesentlichen folgenbermaßen:

Da sich bie europäische Läge, iusvesoubere infolge berlBalkan ercignisse geändert hat, darf man sich nicht Wundern, wenn Deutschland sein M i l i t ä r g e s e tz e von 1 907. 19 11 Und 1912 als unz u r ci ch en d ausiel) t und durch eine neue Vorlage seine unverzüglich mobilisierungsfähigen Manu schastsbestäude auf 800 000 Manu mit Ausschluß der Reservisten erhöht. Teutsetzlaub erblickt in ber Stärke seiner Armee eine Bürgschaft bes Friebens. Seit 40 Jahren Irat das republilauische F rank r e i ch eine entschlossene friedliche Polilik ohne jeden Angriffs gedanken verfolgt. Es will mehr denn je bei dieser Polilik verharren unb gergbe biete Politik ist es, welche Frankreich zwingt, bas Beispiel Deiitschlaubs itachzuahmcu. Frank reich kann bies wegen ber stetigen Abnahme seiner OK-burteuzifferu nur mittels einer Verlängerung ber Dienstzeit erreickwn unb es wirb nach Wiebereiufühning bes b r e i j ä h r i g e u Di e n st e s einerseits gleich Deutschlanb einige sofort mobilisierungsfähige Armeekorps ohne Reserven haben, andererseits werden diejenigen Truppen, welche Zeit haben, ihre Reservisten abzuwarlen, viel stärker sein, infolge der großen Zahl von aktiven und gut ans gebildeten Soldaten, welche die Reservisten einrahmen werden. Sv wird man anstatt ber Truppenkörper, wo bie Reservisten die Mehrheit bildeten, nunmehr Truppenkörpec hoben, wo die aktiven Soldaten in der Mehrheit sind.

Die Erklärnngen Etiennes mach!en dem,z-igaro" zu­folge auf den Ausschuß einen ausgezeichneten und tiefen Ein druck Ein Mitglied des Heeresaussclnisses erklärte einem Be­richterstatter, daß c t w a 2 0 Mitglieder f ü r und 10 gegen die dreijährige Dienstzeit seien.

Die Hoßnunq auf kiiglische Hilfe.

Ueber die von Premierminister A s q n i t h abgegebene Erklärung, daß England 1'eiitcrbi Ve rp flich l u n g Vir Entsendung einer starken Armee nach Europa habe, schreibt derEclair":