Ausgabe 
25.9.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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Verhandlung sortgefahren.

Der $ Rosenthal vor der Ztraskammer.

er

großem Geiänck anfgcbaut ist, wird uns gezeigt, nnc Mädchen ver mhrt. ausgebkutcl und von ihren Zuhältern mißhandelt werden. Das ist nun nicht cttva Pikant, sondern einfach grob, brutal und widerwärtig. Man kann sich des Schauderns nicht erwehren, wenn man diese Szenen an sich vorüberziehen sieht. Wie damit der Moral gedient werden soll, und welche Lehren die Zuschauer aus dem Stücke ziehen können, bleibt unklar. Das ist ja auch nur ein Vorwand, und in Wirtlichkeit gehen die Leute in das Theater, um den -Sinnenreiz zu genießen, den dieser Akt erzeugt.

Meid) daraus kantDas Skelett im Hause". Da sehen wir eine teine Familie; die Mütter vernachlässigt den Haushalt, um in der Gesellschaft zu glänzen, und der Vater sucht seine Unterhaltung an anderen^ Orten. Der Sohn, ein besonders liebenswürdiger Mensch, dessen Sinne stets vom Alkohol umnebelt sind, erzählt der Mutter, da,; der Vater noch eine andere Wohnung hat, in der eine liebens­würdige Freundin das Szepter führt. Ter Vater wird prompt hin- ausgeworsen, und die edle Tochter geht mit dem edlen Manne, um ihn nicht allein zu lassen. Im zweiten Akt erfahren wir, daß der immer noch nicht ganz nüchterne Sohn sich verheiraten will, und zwar ausgerechnet mit der Freundin des.Vaters, die sich nach einer geregelten bürgcrlidtcn Eristenz sehnt. Gleichzeitig erzählt die holde Braut, daß sie ihren bisherigen Lebenswandel nur eingcschlagcn habe, um sich an den Männern zu rächen, die sie zwangen, in einem Warenl)ausc für einen Lohn zu arbeiten, der ihr nicht gestattete, ihren Hunger zu stillen, geschweige denn, Pariser Toiletten zu kau­fen. Der Vater hört von der Verlobung und warnt den Sohn, was dieser ihm mit einer Ohr'eige quittiert. Ter alte Herr nimmt das nicht weiter übel, wahrscheinlich, weil cs ja doch in der Familie bleibt, wodurch allerdings seine Opposition gegen die Ehe unlogisch erscheint, und versöhnt sich mit dem Svrößling, und die beiden kom­men überein, daß ihre gleichzeitige Bekanntschaft mit dem kleinen Mädchen eigentlich sehr niedlich ist. Das holde Kind wird gut ver­sorgt tind verschßvindet, woraus die übliche allgemeine Versöhnung eintritt.

Wenn die Saison so weiter geht, kann sie noch recht heiter werden. Alle europäischen Beurteiler Amerikas werden dringend gebeten, uns nicht mehr den Vorwurf zu machen, daß wir prüde und heuchlerisch angehaucht sind; unsere Theater können lederzeft den Gegenbeweis erbringen.

vernommen. Diese kannte Rosenthal schon länger und hatte Ver­trauen zu ihm. Sie ist ihm Anfang April auf der Straße begegnet und er frug im Laufe des Gesprächs, ob die Zeugin über flüssiges Geld verfüge, das er für einen gewissen Spieß gut gebrauchen; könne. Er wolle 6000 Mark dafür bezahlen. Frau Henze erklärte, sie habe zwar Papiere, doch wolle sie sich die Sache überlegen. Frau Henze sprach mit ihrer Tochter über den Fall und tele­phonierte dann an Frau Rosenthal, die an den Apparat kam, sie möge ihrem Manne sagen, daß aus dem Geschäft nichts werden könne. Am Abend kam Rosenthal trotzdem. Er redete ihr zu, ihm die Papiere über 5000 Mark bis zum 3. Juli gegen eine Vergütung von 100 Mark zu überlassen, wozu noch die Koupons kämen. Er würde die Papiere auf einer Bank hinterlegen, sie bekomme den Depotschein und noch ein Cchuldanerkenntnis. Darauf erhielt Rosenthal für 5000 Mark Wertpapiere. Am anderen Morgen ist Frau Henze zu Rosenthal gegangen, hat ihm gesagt, es sei ihr doch zu ängstlich, sie wolle auf die 100 Mark ver­zichten, er solle ihr die Papiere zurückgebcn. Da erklärte Rosenthal/ er sei nicht mehr in bereit Besitz, sie seien schon weggeschickt.

Sie erhielt einen Schulbsck>ein, nnterzeichnet von den Eheleuten; Rosenthal. Rosenthal gab ihr dann nock) 5000 Mk. in Mzcptew des Spieß, obgleich sie erklärt hatte, sie verstehe von Wechseln nichts. Die Zeugin erklärt, wenn sie gewußt hätte, daß Rosenthal nm 2. April verschuldet war, hätte sie demselben die Papiere nicht an- verttaut.

Rosenthal tritt weinend auß der Anklagebank und sagt mit lallender Stimme, er werde später versuchen, der Witwe Henze wieder zu ihrem Geldc zu verhelfen; wenn er seine Strafe ver­büßt habe, werde er arbeiten, um alles wieder gut zu machen.

Der Vorsitzende sagt darauf zu dem ganz gebrochen dastehenden Mann: Ihre guten Vorsätze können den Witwen und Waisen, die Sie ums Geld gebracht haben, nichts nützen. Sie haben leichtfertig und unverantwortlich, gemein gehandelt in der Art, wie Sie diese Frau und andere Leute ums Geld gebracht haben; das hätten Sie bei Ihrem Tun bedenken sollen. Nun, da Sie vor einer Strafe stehen, haben Sie Reue, das will ich Ihnen glauben.

Staatsanwalt Trümpert richtet an die Zeugin die Frage, ob ihr von den Verwandten des Angeklagten nidyt eine Schadlos­haltung angeboten sei. Tie Zeugin verneint dies; sie hat an den Vetter nach Aftika geschrieben, und der bat bedauert, das; sie durch seine Verwandten in eine traurige Lage gekommen sei, er hat aber abgelehnt, audi nur einen Teil des Verlustes zu ersetzen. Auf Be­fragen bemertt die Zeugin, sie müsse nun von ihrer schmalen Pen­sion leben; durch den Verlust des Gbldes sei die Zukunft ihrer Tochter sehr in Frage gestellt.

Postschaffner Hahn- Gießen sagt aus, er kenne Rosenthal schon lange. Er habe ihm ftüher schon mehrere Male 1000 Mk. auf ein halbes Jahr geliehen und dafür jedesmal 30 Mk. bekommen Die Tarlehen wurden jedesmal pünktlich zurückbezablt. Im März 1912 lieh er Rosenthal auf dessen Ansuchen 2000 Mk., im August 1912 weitere 2000 Mk., wenige Tage darauf noch 3500 Mk. und int Februar 1913 1500 Mk., also zusammen 9000 Mk., die zu 12 Proz. verzinst wurden, aber heute noch ausstehen. Rosenthal

von Rosenthal angenommen. Am 25. April, also 14 Tage vor dem Zusammenbruch, brachte Rosenthal nock) 2000 Mk. Akzepte auf Spieß u. Co. in Homburg, er wollte 200 Mk. Nachlassen, dock; ließ sich der Zeuge auf diesen Handel nidit mehr ein.

Mattke erklärt, wenn Rosenthal, den er als einen anständigen und soliden Gesd)äftsmann seit längerer Zeit kannte, ihm gesagt halte, daß alle diese Wechsel, von denen 2270 Mk. unbezahlt und protestiert sind, nur Geschäftspapiere sind, bann hätte er sie nicht angekauft. Auf Befragen erklärt der Zeuge, er habe Rosen­thal in keinem Falle gefragt, ob die Papiere Kundenakzepte seien, und aud) nicht nach seinen Verhältnissen. Rosenthal hat ihm nock; 5 Freiburger Lose und 200 Mk. Reichsanleihe, diese ohne Koupons und Talons überreick;t, wofür er ihm 200 Mk.

er gemeint hat. Die Handlung beschränkt sich darauf, daß ein un­erfahrenes junges Mädchen in ein Freudenhaus gelockt und recht­zeitig durck) einen Sittenpolizisten gerettet wird. In dem zweiten

träges an Albanien fallenden Gebiete besetzt und daß sie den Albanesen die für sic unentbehrlichen Straßen nach den Märkten Tjakova und Prizrcnd gesperrt hätten, so daß unter den Malissoren Hungersnot herrsche. Tic Serben wiederum versichern, daß die Albanesen plündernd und raubend in serbisches und angeblich auch in montenegrini­sches Gebiet eingefallen seien. Es wird natürlich schwer sest- zustcNen sein, wer der Angreifer und wer der Angegriffene ist. Als verdächtig erscheint cs, daß die Serben erst jetzt, nachdem sic bei Dib r a Prügel bekommen haben, an Europa appellieren, aber zum Schluß dürfte wohl auch hier das Heincsche Wort gelten: Und es will mich schier bedünken, daß sic alle beide stinken! Jedenfalls tut ein schleuniges diplomatisches Eingreifen dringend not, damit das geplagte Europa nicht, bevor noch der gegenwärtige Balkankuddel­muddel halbwegs geordnet ist, unversehens durch einen neuen Krieg int alten Orient unliebsam überrascht wird.

Serbien mobilisiert!

Belgrad, 24. Sept. Ein Königlicher Ukas hat die Mobilisierung der Moravadivision angeordnet und eines Teiles der Reservisten aller Divisionen.

Tic Montenegriner.

Cctinjc, 24. Sept. Eine amtliche Veröffentlichung besagt, die Regierung verfolgt die Ereignisse und Wirren in Albanien mit ununterbrochener Aufmerksamkeit und ist hauptsächlich bemüht, die Grenze gegen die unablässigen Ein­fälle der Albanesen zu schützen. Truppen, welche dazu die­nen, die Grcnzgarmsonen abzulöscn und gegenüber den Dro­hungen der Albanesen zu verstärken, sind bereits abgegangen. Nichtsdestoweniger b c st e h t die Befürchtung, das; man g e z w u n g e n s e i n könnte, energischere M a tz- nah m c n zu ergreifen, wenn sich die Lage verschärfen sollte.

Ein serbisch-bulgarisches Scharmützel.

Sofia, 24. Sept. Nach einer Meldung der Agcnce Bulgare sind die bulgarischen Grenzposten bei den Dörfern Vlado vtzi und Ritsch im Bezirke Strumitza von serbischen Soldaten und türkischen Baschibozuks angegriffen worden. Das Gewehrfeucr dauerte mehrere Stunden.

Belgrad, 24. Sept. Die für die Operationen gegen die Albanesen aus acht Regimentern gebildete Drindtvtsion befindet sich auf dem Marsche nach der albani­schen Grenze.

Viewer mitgeteilt, baß bei der Pariser Aufführung in allen Einzelheiten genau die Bayreuther Aufspürung des Parsiials als Vorbild befolgt werden wird und dem Parsifal int Fe­bruar eine Aufführung von Tristan und Isolde, ebenfalls nach Bayreuther Muster, folgen werde. Tie Regie wird Ernst van Dyck übernehmen, die rmrsikalisdie Leitung Camille Ehe- villard. die Rollen werden ausschließlich von deutschen Kümtlern dargestellt und zwar von den Sängern und Sängerinnen, bte auch bei der Bayreuther Ausführung mitgewirkt haben. Zu diesem Zwecke hat Astrue mit folgenden Künstlern bereits Ver­trage abgeschlossen: Frau Leffler Burckhard, Bertha Morena, Marie Wittich, Frau Kraus-Osborne, Paul Bender. Max Ta- wison, Fritz Feiuhals, Alois Hadwiger, Felix von Kraus, ftarl Perron, Fritz Vogel,tröm, Sistermans und Vilmos-Bcck. Für die 24 Symphoniekonzerte, die im kommenden Winter in Paris veranstaltet werden, hat Astrue als Dirigenten nebst Debussy und Tukas gewonnen: Weingartner, Otto Lohse, Bruno Walte Hausegger, Max Schillings, Busoni, Mengelberg, Rinskops und Znghelvrccht.

7® inP alast der Künste" in St. Pctersbur a, -tie bildenden Kümtler St. Petersburgs sind seit Jahren in- NNern in arger Verlegenheit, als es an geeigneten Ausstellimgs-' raumen mangelt. Tie alten Säle des'.Hauses der lH?stllsck)aft zur KunMorderung können dem Mangel ebensowenig abhelfen, wie die Mmeumssälc Kunstakademie. Man ist daher gezwungen, KunNausstellungen in zufällig leerstehenden Wohnungen, unter sument ganz unmöglichen Lichtverhältnissen, zu veranstalten. D.'e- |em Zultand wird nun in absehbarer Zeit ein Ende gemacht werden. Tie Präsidentin der Kunstakademie Großfürstin Maria Pawlowna hat bewirkt, daß der Zar zum besagten Zwecke ein im Zentrum der Stadt belegenes Grundstück und aus seinem Dispositionsfonds eine Million Rubel der Kunstakademie zu- gewiesen hat. Der Palast der Künste Erd ein grandioses Ge­bäude im Stile des für Petersburg ckwrakterifl iüben Empires werden. Die Entwürfe stammen vom Rektor der Kunstakademie Prof. L. N. Benois. Tas Gebäude wird mehrere große Aus­stellungsräume, eine Bibliothek, einen Konzertsaal üsw. enthal­ten. Der Bau soll zu Ende 1914 beendet werden. Ter Palast der Künste wird sich hart neben-dem Museum Kaiser Alexanders IH. befinden, das in einem Monumentalbau, dessen Urheber Rossi ist und der ursprünglich der Palast eines der Söhne Kaiser Pauls I, war, untergebracht wurde.

geliehen hat.

Damit war die Verhandlung 8V» Uhr erschöpft.

th.

2$mslasiö<

Ter König von Griechenland ist am Mittwock; vormittag um 10 Uhr von Paris nad) London a b g c r e i ft.

th. Gießen, 2!.'. Sept. (Fortsetzung aus bcm 2. Blatt.)

Ter Gastwirt Richard Mattke Bad-Nauheim bekundet, daß dem Rosenthal im Februar d. Js. einen Spießschen Wechsel über 350 Mk. diskontiert habe, später habe er von dem gleichen Akzeptanten weitere 450 Mk. Wechsel angekauft. Am 20 März brachte ihm der Angeklagte Rosenthal 450 Mk. auf Wohlfahrt Braunfels. Tas Papier ist zum Teil bezahlt und wird wohl vollständig gedeckt werden. Rosenthal hat bei all den Geschäften stets erklärt, die Wechsel sindprima" und dann bin ich ja

Tageskalender ans dem Jahre 1813.

2 5. September. Treffen bei Braunschweig, in kni Die märkische Landwehrreiterei unter dem Obersten von Marwitz die Franzosen schlägt.

Gestern nachmittag wurde in der Verhandlung sortgefahren. Als erste Zeugin wurde die Witwe des Lokomotivführers Henze

D:r alkrneue-fe Valkankrieg.

Tas neue Reich Albanien, über dessen Entstehung sich Europa nicht wenig getvundert hat, und das mit seinen 32 000 Quadratkilometern und rund 900 000 Einwohnern etwa doppelt so groß ist, als Montenegro, aber hinter Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Serbien erheblich zurücksteht, während es etwas größer ist als die jetzige europäische Tür­kei, wurde als Vcrlegenheitsprodukt begründet, weil man dies bisher der Pforte gehörige Gebiet nicht zum Zankapfel der angrenzenden Balkanstaaten werden lassen wollte. Ge­nauer Kenner Don Land und Leuten hatten die Konstttuie- rung eines albanischen Staatswesens von vornherein für ein sehr gefährliches Experiment erklärt und die Besorgnis geäußert, daß Albanien nicht eine Verstärkung, sonhcrn eine dauernde Erschütterung des Gleichgewichts auf dem Balkan bedeuten werde. In der Tat stellt dies neue Staatswesen nicht etwa eine geeinigte Nation, sondern ein Chaos dar, ein Gemengsel von Stämmen, die sich von jeher unterein­ander befehdet haben, deren Interessen stets auseinander gingen und die nur in einem übereinstimmten, daß Vieh- diebstaht und Blutrache zu den wichtigsten Lebcnsäuße- rungen gehören. Darm bat ja die Staatskunst der alten Türkei bestanden, daß sie die verschiedenen albanischen Stämme gegeneinander ausspielte, und daran ist die Politik der jungen Türkei in Albanien gescheitert, daß sic diese Taktik aufgab.

Ms Oesterreich, weil cs Mbauien nicht den Ita­lienern, und Italien, weil es Mbauien nicht den Oester­reichern gönnte, den Beschluß faßten, dieses Staatsgebildc ^als eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben zu rufen, redete man sich in Wien und Rom ein, daß mit dem Amte der Verstand kommen werde, daß die Albanesen, wenn sic erst auf sich selbst gestellt seien, auch die nötige staatliche Befähigung entwickeln und daß vor allem die Sorge vor den gemeinsamen Gegnern zur Einigkeit zwingen werde. Der bisherige Verlauf der Dinge hat diese Hoff­nungen und Entwürfe zu Schanden gemacht. Wie früher der Ehrgeiz der einzelnen Stammeshäuptlinge das Land in unaufhörliche, blutige Wirren gestürzt hatte, so droht jetzt der Ehrgeiz Essad Paschas, der schon bei dem Kampf um Skutari eine so verdächtige Rolle gespielt hatte, zu einem blutigen Bürgerkriege zu führen, und das, während der Feind vor den Toren steht, während zwischen Serben und Albanesen heftige Grenz kämpfe stattsinden und auch die Montenegriner sich bereits regen.

Während die provisorische Regierung Albaniens, gestützt vor altem von den kriegerischen Miriditen, Vallona zur albanischen Hauptstadt erkor, hat sich Essad Pascha mit Unterstützung der Stämme im Innern für Durazzo er­klärt, indem er zugleich in offener Rebellion gegen die Ne­gierung in seiner Heimatstadt Tirana die österreichische Flagge hißte, hoffentlich und voraussichtlich ohne Ermunte­rung oder 'gar Unterstützung von österreichischer Seite!

Die Albanesen hätten aber um so weniger Anlaß, sich den Luxus derartiger innerer Kämpfe zu leisten, da ihnen der äußere Feind hinreichende Beschäftigung bietet. Der Grenzkrieg mit 'Serbien ist längst über den Rahmen der auf dem Balkan üblichen Bandcnkämpfe hinausgegangen, und

droht, leicht zu internationalen Verwickelungen führen. Eben deshalb hätten Oesterreich und Italien als die Nächsten da­zu alle Ursache, durch schleunige Intervention den Streit noch int Keime zu ersticken. Natürlich schiebt jede Partei die volle Schuld auf die andere. Die Albanesen behaupten, daß serbische Truppen die auf Grund des Londoner Vcr

, . SicJBarifer Parsifalvesetzung. Tirektor Ga-

... . . . - - - . tzer kommenden Januar im Theatre des ChampS

Akt, der eigentlich überhaupt das ganze Stuck bildet, und'ElYsses den Parral zur Aufführung bringt, hat einem Inter-?

Healismus auf der amerikanischen Sühne.

Von Georg von S k a l, New Dort.

Man darf uns Amerikanern wahrhaftig nicht mehr vorwerfen daß wir hinter Europa zurückgeblieben sind und von dem Theater verlangen, baß cs uns Vorgänge, die gegen die strengen Regeln der Sittlichkeit verstoßen, nur mit sieben Schleiern verhüllt zeigen darf. Wir haben wirklich in dieser Beziehung schnelle Fortschritte gemacht. Dor ein paar Jahren wurde uns in bcm StückTer bequemste Weg" gezeigt, wie Choristinnen, die mit ihrer Gage nicht auskommen, sich Nebenverdienste vcrsckjaffcn; dann kamIm Rah­men des Gesetzes", woraus wir lernten, nnc ein unschuldig zu Zuchthausstrafe verurteiltes Mädckjen sich an ihrem Verderber rächen und ihm Hab und Gut rauben kann, ohne einen Pa­ragraphen des Gesetzes zu übertreten. Endlid) dürfen wir einen Einakter nicht vergessen, in dem sich Vater und Tochter in einem Absteigequartier trafen, als dort Feuer ausbrickst. Leiber kommt es zu keiner Aussprache, denn die Tochter wird schnell gerettet, der Pater aber nimmt sich die Begegnung so zu Herzen, baß er den heroischen Entschluß faßt, in den Flammen umzukommen und ihn auch sofort ausführt.

In diesem Jahre sind gleich bet Beginn der Spielzeit zwei Stücke erschienen, die an Deutlichkeit nicksts zu wünschen übrig lassen und den Schluß erlauben, daß man in Amerika alles bis in die kleinste Einzelheit erklären muß, ivenn man darauf rechnen will, das; das Publikum die in einem Stück enthaltene Moral erkennt. Freilid) ist cs mit dieser Moral so eine Sache, und oft genug muß man onnebmen, daß es dem Autor viel weniger daraus ankommt, sein Publikum zu belehren, als ein recht effekt­volles Stück zu schreiben. Jedenfalls hat cs den Anschein, als ob ein großer Teil des Publikums sowohl wie der .stritifer die erzieherische Mission des Theaters dahin aufsaßt, daß es recht scheußliche Dinge Vorbringen muß, um abschreckend zu wirken.

Diesen Eindruck macht wenigstens das mit großem Erfolg anf- genommcnc DramaDer Köder". Ter Verfasser möchte wohl die Sittlichkeit fördern, indem er die häßliche Seite eines schlechten Lebcnsioandels zeigt und die traurigen Folgen eines Fehltrittes vor unsren, Augen entrollt. Er verschleiert nichts, deutet nichts an und gibt sich nicht mit Symbolismus ab. Eins hat er vor Ibsen voraus: die Menschen werden sid) nie darüber streiten, was

setn Fortgang könnte, schon weil hierbei die kaum cinge- schließlich derjenige, der darauf steht und nock) gut für die Be-' dämmte österreichisch-russische Eifersucht wieder zu erwachen träge ist. Auf eine Auskunft über Lüll-Gießen, die der Zeuge droht, leicht zu internationalen Verwickelungen führen. Eben cingcholt hatte, und die ihn als zweifellos zahlungsfähig fclnl- ~ "' -....., berte, hat Mattke dann nock) einen Lüllwechsel über 1500 Mk.

dcs ersten Tages abends Gießen, 25. Sept.

*?' Erstes Blatt 163. Jahrgang Donnerstag, 25. September 1913

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