rert von "bcn vormittags empfangenen Abordnungen, im Rang sah man die .Herren und Tnineit des Tiplvmatischeir Korps, in den Logen die Generalität, die Minister und den hohen Adel mit Damen. In der großen rechtsseitigen Proszeniumsloge hatten sämtliche Botschafter mit ihren Gemahlinnen Platz genommen, daneben in der kleineren Loge Reichskanzler und Iran v. Bethmann-Hollweg und Staats- sekretär v. Iagow. Generalintendant v. Hülsen geleitete den Hof in die Groß«? Loge, lvo auch zahlreiche Fürstlich- l'citen Platz nahmen. (Gegeben lvurde der erste Akt von „Lohcnqrin" unter der Leitung des Generalmusikdikek- tors Leo Blech mit Berger in Ler Titelrolle. Rach der V-or- stellung hielten die Majestäten in dem blumengeschmückten Foyer Cerkle ab.
Die Gnadenerlaße des Kaisers
haben folgenden Wortlaut:
„Ich bin gewillt, aus Anlaß meines Regierungsjubiläums durch Erlas;
1. durch Milderung von Strafen int weiten Umfange Gnade zu üben und beauftrage 3ic deshalb, mir tn den dazu geeigneten Fällen Vorschläge zu Gnadencrweisen zu unterbreiten. Diese Vorschläge sind vornehmlich auf solche Personen zu richten, die zu ihren Straftaten durch Not, Leichtsinn, Unbesonnenheit und Verführung veranlaßt worden sind.
2. Ich will aus Anlaß meines 25jährigen Regicrungsjubi- läums den Militärpersoncn, gegen die bis zum^heutigen Tage int Bereiche der preußischen Militärverwaltung 5traten im D i s z i p l i n a r w c g e verhängt worden sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt, in Gnaden erlassen. > Ausgeschlossen von diesem Gnadetterweise bleiben die wegen Beleidigung oder vorschriftswidriger Behattdluug eines Untergebenen verhängten Strafen. Soweit verfassungsmäßig einem der hohen Konlingentherren das Begnadigungsrecht zustcht, bleibt dieses unberührt. Ferner bin ich gewillt, durch Erlaß oder Milderung mililärgcrichtlich verhängter Strafen in weitem Umfange Gnade zu üben, intb sehe in den dazu geeigneten Fällen. Vorschlägen zu Gnadencrweisen entgegen.
3. Ich will aus Anlaß meines 25jährigen Rcgierungsjuüi- läums denjenigen M i l i t ä r p e r f o n e n , gegen welche bis zum heutigen Tage int Bereiche meiner Marine Strafen, die im Disziplinarwege verhängt sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, in Gnaden erlassen. Ausgeschlossen von diesem Gnadencrwcise sind die wegen Beleidigung und vonchriits- wtdrigcr Behandlung eines Untergebenen verhängten Strafen. Ferner bin ich gewillt, durch Erlaß oder Milderung militär- gerichtlich verhängte Strafen,- in weitem Umfange Gnade zu üben und sehe in den dazu geeigneten Fällen Vorschlägen zu Gnadenerweisen entgegen.
4. Dem mit Zustimmung der erlauchten und hoben Protektoren der deutschen Landcskriegerverbändc von dieses tuno- gegebcnem Wunsche gern entsprechend, will ich das Protektorat über den Kyffhäuscrbund der deutschen Lau- deskriegcrv er bände hiermit übernehmen. Ich vertraue, daß der Geist echter Kameradschaft und einmütiger Hingabe an das große deutsche Vaterland, wie er sich bisher so erfreulich bewährt und auch in dem jetzigen gemeinsamen Wunsche bestätigt hat, allezeit ein unveräußerlick)es Eigentum der deutschen .Mricgemr» einigungen bleiben wird. Diesen köstlichen Schatz zu pflegen und zu hüten, werde ich mir im Verein nut den Landes- und Schutz- Herren der einzelnen im Kyffhäuserbund vereinigten selbständigen Landeskriegerverbände besonders angelegen sein lassen.
5. Am heutigen Tage ruht mein Auge mit besonderem Wohlgefallen auf dem bisherigen Erfolge der erst vor wenigen Jahren von mir angeregten Bestrebungen, die, aus eine umfassende Förderung dergeistigen u n d k ö r p c r l i ch e u Wohlfahrt der s ch u l c n t l a s f e n c n Jugend gerichtet sind. In Stadt und Land haben sich staatliche und kirchliche Behörden, Kreis- und Gemeindeverwaltung, Vereine und Verbände aller Art, vaterländisch gesinnte Männer und Frauen aus den verschiedensten Ständen und Berufen mit offener und williger Be
er, und damals, noch erschöpft vom schweren Blutverluste, soll er in sein Tagebuch mit zitternder .Hand das berühmte Sonett eingetragen haben: „Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben". Unerwarteterweise kam ihm die Rettung. Arbeiter, die in der dkihe mit einer Ausbesserung beschäftigt waren, stießen auf ihn und brachten ifrn zu dem Gärtner des Gutes Broß-Zschocher der sich Körners liebreich annahm.
Der verräterische UeberfaH von Kitzen hat feinem Teile Segen, gebracht. Napoleon war mit dem nur halb geglückten Streich wenig zufrieden, in Deutschland aber war die 5ntrüitung über den Vertragsbruch allgemein. Als Verthier .zur Rede gestellt wurde, suchte er sich herauszuredeu: „Ein Mißverständnis . . TieIWürttemberger waren die Angreifer." So suchte »er Franzose die Schmach auf Deutsche abzuschieben, aber längst hat die Forschung, festgestellt^ daß die Württeniberger bei dem Ücbersalle von Kitzen nur die Schuldlosen und widerwilligen Werkzeuge waren —. der Verrat haftet auf dem Namen der Franzosen.
*
Eine Studienreise iu die Schweiz.
lErkursion des klassisch-philologischen, des historischen und archäologischen Seminars der Universität Gießen nach der Schweiz. >
Durch die Fürsorge der Regierung, die zur Förderung der. römisch-germanischen Studien für eine 'ährliche Reise der Studierenden besondere Geldmittel vorgesehen hat, ist es den Mitgliedern der genannten Seminare ermöglicht worden, dieses Mal altrömische Kulturstätten im Schwarzwald und in der Schwei; näher kennen zu lernen. Nachdem unter Führung des Herrn Dr. Leonhardt Freiburg i. Br. am 13. Juni die Römerthermen zu Badenweiler Schwarzwald besichtigt und dann dem nahen Basel ein kurzer Besuch abgestattet ivoroen war, wurden die beiden folgenden Tage den Städten Brugg, Zürich und Angst gewidmet. In dem gastlichen Brugg hatten sich außer Herrn Dr Barthel vom römisch-germanischen Institut in Frankfurt die in Brugg ansässigen Herren Dr. Ecking er. Na t her, sowie der um die archäologische Erforschmig seiner Heimat eitrig bemühte Direktor der Heilanstalt Königsseldeu, Dr. Frölich, und insbesondere der Führer der Vindonissaforschung, Herr Rektor Dr. Heuberger, in der liebenswürdigsten Weise für die fachmännische Führung zur Verfügung gestellt. Es galt dort die Besichtigung der schon'von Tacitus erwähnten Rönlersiedlung Vindanissa . Wni- disch, die als Pforte zu den drei Tälern der Aare, Reuß i.'itb Limmat einen für die Römer militärisch höchst bedeutsamen Platz darstelltc. Hier wurde wohl zu vefpafianifcher Zeit ein großes Lager angelegt, und in jüngster Zeit hat die Gesellschaft pro Vindo- nissa beträchtliche Baureste aufgedeckt, ja sie wies Thermen, Tempel, Theater, Triumphbogen nach. Die Ruinen liegen im Anblick der Habsburg und des Schlosses Bruneck zumeist innerhalb des
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Erstes Blatt
163. Jahrgang
Dienstag, (7. Juni 1913
ietzener Anzeiger
Nr. ,39
Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, airyer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchenklich SiebenerFamUienblätter; zivcnnal ivöd)enil.Kreis: blatt für Öen Kreis Sietzen (Dienstag und Freitags; zweimal monall. Landwirtschaftliche seitfragen Fernjprech - Anschlüße :
Vezngsorst • monatkich7öP'., ourtet- lährhch Mk. 2.20; durch Abholo u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Bck.2.— viertel- jähvl. aiibschl. Bcflellq. Zeilenpreis: lokal l5Pf., auswärts 20 Pfennig. Ehefredakterii: A Goetz. Verantivortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes' und .Geiichtsfaal": K. Neurath: nir .Stadl und Land": E.peß; nir den Anzeigenteil: H. Beck.
für die Redaktion 112, __ w
MkM" General-Anzeiger für Oberhessen
für die Tagesniinimer Rotationsdruck und Verlag 6er vröhl'schen Umv.-Vuch- und Steinöruckerei R. Lange. Reöattion, ErpeöMon unö Druckerei: Schulstrahe 7.
bis oonnutags 9 Uhr. Geschäftsstelle Vüöingen, Bahnhofstraße 16a.
Tageskalcnder aus dem Jahre 1813.
17. ^yiiiii. Auf Napoleons Befehl wird das Lützowsche Freikorps trotz des bestehenden Waffenstillstandes bei K i tz e ii verräterisch überfallen.
Erhebung des „provisorischen hessischen leichten" xHNanterieregimentes zu einem wirklichen Regiment ^f.ni dcamen Gardefüsilier-Regiment, so- mit Gründungstag des heutigen 2. hessischen I n f.- R e g t s. Kaiser Wilhelm Nr. 11 6 in Gießen.
Zum Regierungsjubiläum des Raffers.
Der Hauptfesttag in der Reichshauptstadt.
Berlin , 16. Juni. Ter heutige Festtag murde bei prächtigem Wetter morgens um 7 Uhr durch ein großes Wecken etngeleitet, während das Trompeterkorps des 2. Garbeulanenregiments von der Sck)loßfapellenkuppet Choräle bliest Eine große Menschenmenge lauschte vom Lustgarten und «Schloßplatz aus den seicrlicheu Klängen und wartete auf den Anmarsch der 7000 Knaben und Mädchen der B e r l i n e r G c m e i n d e s ch u l e u , welche gegen 8 Uhr Ist Min anriirften, um den Majestäten vom Großen Schlosth-of aus ein Ständchen zu bringen. In musterhafter Ordnung, geführt von den Lehrern, marschierten sie, die Mädchen in weißen Kleidern und Blumenkränze int Haar, die Knaben mit Schlcisen in den Reichsdarben geschmückt, ein. Feierlich klang, dirigiert von Rektor .Hoffmann, als erster Chor der Choral" „Dich seh ich wieder, Morgenlicht." Das frische Festlied „Brüder und Schwestern windet die .Kränze" solche Ergreifend klang „Aus der Jugendzeit". Dann schloß das Prograilim kräftig mit dem „Teutsckien Lied". Erstaunlich mar es, wie richt ls- mijch und dynamisch fein schattiert die einzelnen Chöre zum Vortrag kamen. Nach dem Berklingen des letzten Liedes brachte Oberbürgermeister Wermuth ein Hoch auf die Majestäten aus, uud aus all deu jugendhetlen Kehlen grüßte ein dreifaches Hurra! das Kaiserpaar, welches mit den Prinzen und .Prinzessinnen des königlichen Haufcs von den Fenstern des 1. Stockes den Vorträgen lauschte. Tie Nationalhymne folgte, und musterhaft, wie sie gelommcu waren, zogen die 7000 Säuger ab unter Tüchcrschmenken und Hurrarufen hinauf zu den ^Najestäten, die unaufhörlich dankten. — Außer dem Oberbürgermeister Wermuth wohnten auch Stadtverordnetenvorsteher Michelet und stellvertretender Stadtverordneteuvorstcher Cassel dem ß-eft bei.
Um 9.15 Uhr nahmen dann die Majestäten int Speisesaal der kaiserlichen Wohnung die Gratulationen des engeren Hofes entgegen, um 9.30 Uhr int Pfeilersaal die Glückwünsche des Kronprinzenpaares, der Prinzen und Prinzcssiitneit des könig- lichen^Hauses sowie der hier anwesenden Prinzen, Prinzessinnen und Souveräne altsürftlichcr .Häuser. Anschließend daran sanden im Königszimmer die Gratulationen der Palastdamen der Kaiserin statt, im Rittersaal die der Hoschargen, des Geheimen Kabinettsrats, der Generaladjutanten, der Generale und Admirale ä la suite Snd der Flügeladjutanten, endlich in der Schwarzen Adlerkammer die Gratulation der Hofstaaten und der Gefolge.
Ter G r oß verzog v o n Hessen traf um 10.12 Uhr auf Bahnhof Charlotte«burg ein und wurde vom Prinzen Heinrich empfangen. Er nahm im königlichen Schloß Wohnung. Um 11 Uhr traf der Großherzog von Baden auf dem Anhalter Bahnhof ein. Prinz Eitel Friedrich der znm Epfang erschienen war, geleitete ihn nach dem töniglichen Schlosse.
Bei dem Empfang im Kapitelfaale des Kgl. Schlosses waren u. a erschienen Bertteter der Provinzialverbände, von Städten und Landschaften. Für die Stadt Berlin war Oberbürgermeister Wermuth erschienen. Sodann erschien die Teputation des Deutschen Städtetages, die Stiftungen im Werte von 23 bis 25 Millionen überreichten. Es erschienen der Reichsverband Deutickier Städte, die Rektoren der deutschen Universitäten und Hochschulen, die Vertreter der Akademien der Wissenschaften, Vertreter der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft, des Kyff Häuser-Bundes, des Deutschen Flottenvereins, der Deutschen Kolonialgesellschiaft, der Katholischen Missionen usw., sowie der Kaiserliche Aeroklub und Wohltätigkeitsvereine zur Ueberreidyung von Adressen oder Geschonten.
Um 12 Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß nach dem Zeug- Hause, begleitet von seinen sechs Sölmen sowix seinem Schwiegersohn, sowie den Herren des Hauptquartiers, unter dem Jubel ciisck* ungeheuren Menschenmenge. Vor dem Zenghause stand eine Ehrenckompagnie. Die Salut-Batterie des Ersten Garde- Feldartillerie-Regiments feuerte einen Salut von 101 Schuß. Ini Lichthofe ließ der Kaiser einen Armeebeschl des Kaisers von Oester reichs^verlescn und brachte selbst ein dreifaches Hurra auf heu Kaiser Franz Iasos aus. Nach der Rückkehr ins Schloß war um 1,15 Uhr Familienfrühstückstafel.
Parlamentarische Vertreter beim Kaiser.
Die Vorstände des Reichstags, des Ab- g e o r d n e t e u h a u s e s u u d d e s H e r r e n h a u s c s (Präsidenten, Viz-epräsidcnten, Schriftführer u. Quästoren) wurden! am Montag vormittag vom Kaiser empfangen. Tie Herren überbrachten dem Monarchen die Glückwünsche der Parlamente, die Präsidenten des Landtags madrteii gleichzeitig die Meldung von der Neukonstiturcrung der beiden Häuser des Landtags. Im Reichstage sand am Montag ein internes Festessen des Vorstandes und der Beamten statt.
Die Nationalspende zum Kaisei jnb'läum für die christlichen Mi sioüen in den deutschen Kolonien
ist am Montag vormittag im Schlosse zu Berlin dem Kaiser durch eine Abordnung überreicht worden. Das vorläufige Ergebnis der evangelischen Sammlung, die bis zum 30. Juni fortgesetzt wird, beträgt 2503 486 Mk., das bereits abgeschlossene Ergebnis der katholischen Sammlung 1 300000 Mk., so daß Seiner Majestät insgesamt bereits rund 3800000 Mk. zur Verfügung gestellt n. erben konnten.
Empfang einer Marineabordnung.
Berlin, 16. Juni Der Kaiser empftng freutc~ben Großadmiral Prinzen Heim ich von Preußen an der Spitze einer Deputation verschiedenem Offizierskorps und der Beamten ber M a r i n e , die als Geschein einen silbernen Adler für den Flaggen stock der K a i s e r y a ch t „H o he n z o l l e r n" mit einer Adresse überreichten.
Ausfahrt und Operiivorstellung.
Berlin, 16. Juni. Der Kaiser uud die Kaiserin machten heute nachmittag eine Ausfahrt im offenen Automobil, wobei sie von vielen Tausenden, die sich Unter deu Linden und im Tiergarten ergingen, mit andauernden .Hochruseu begrüßt wurden. Um 6"> i Uhr war im königlichen Schloß bei ben Majestäten Familieutafel für bie anwesenben Fürstlichkeiten, für die Gefolge Marschalltafel. Gegen 8 Uhr begaben sich die Majestäten nach dem Opern hause, wiederum von der dicht gedrängten Menge mit herzlichen Zurusen begrüßt. Ter Zuschauerraum beS Opernhauses war mit Nelkengeranken in allen Schattierungen von Rot unb Teppichen geschmückt. Im Parkett sah man Offiziere, Beamte, Bertreter'ber Stabt Berlin, Männer ber Wisfenschaft unb Kunst unb viele Her-
Der Ueberfflll aus die Lützower bei Hitzen.
(17. Juni).
Ter Waffenstillstand war geschlossen. Es war verabredet worden, daß bis znm 12. Juni beide Parteien sich hinter die vereinbarten Temarkationslmien zurückzielien sollten. Für das Lützowsche Freikorps, die „schwarze Schar", entstand dadurch eine schwierige Lage. Der Maior von Lützow hatte, zuleN nicht ohne ®lüd, hinter dem Rücken des Feindes operiert und war sogar bis na<i Hof vorgestoßen. Dort ereilte ihn die Nachriebt von dem Abschlüsse des Waffenstillstandes, und es crivuchs Lützow jetzt bie lü-iLierige unb zugleich peinliche Aufgabe, sich aus dem feindlichen unb neutralen Gebieie bis an seine Demarkationslinie zu ziehen. Unb nicht allein, daß bi eie Sache an sich schon schwierig genug war, so bestand auf französischer Seite auch noch unzw-eiselhait der Entschluß, gcrabc dem Lützowschen Korps an den Leib zu gehen. Lützow und Stein, in diesen beiben Persönlichkeiten witterte der erbitterte Napoleon die eigentlichen Träger teuer geistigen unb idealen Bewegung, deren Geivalt er in diesem ftriege wohl fühlte, bereit Wesen er aber nickt verstand, unb die er darum auf einige, wenige „Schwärmer"-Natnren zu rückführen zu müssen glaubte. Jetzt bot sich, da das Lützowsche Freikorps von Hof bis an bie ilbe zurüchzugehen und dabei eine starte französische Ucbcr- macht zu paisirren l>atte, eine willkommene Gelegenheit, der „wilden, verwegenen Jagd" ein Ende zu machen, und so schickte der Kaiser an den Herzog von Padua sogleicki einen geheimen Befehl nach Leipzig, fliegende Kolonnen zu bilden, um die Parteigänger im Rücken ‘ber Armee, „besonders einen preußisckien Major von Lützow" abzufangen. . ,3 ..
Lützow nahm seinen Weg von Plauen über Gera unb Zeitz gegen Leipzig bin, wo er am 17. bei dem etwa zwanzig Kilometer iüdlick) von Leipzig gelegenen Dorfe Kitzen stand. Er harte es für das Rickrtigste gehalten, sich selbtt einen Ossizrer auszubitten, her seinen Marsch bürd' die stündlichen Linien zu letten hatte. Allein während der sächsische, ihm überwiesene Offizier ihn geleitete, bereitete der Divisionsgen-eral Fournier, dem der Herzog von >Padua die 2IuSsüfrrung der geheimen Ordre Napoleons übertragen hatte bereits alles vor, um bie Lützower tn die (vallc zu locken. Lützow sah sich bald feindlichen Truppen gegenüber; es "Waren Württemberger, unter der Führung des ^beritlcutnanti' iwn Keckster Lützow, der eine etwas schwerralltge und biebere ^atur mar, hegte keinerlei Mißtrauen, unb m Keckster ranb er fluch einen ritterlichen Gegner, ber ihm mit letncm Ehrenworte lafür stand, daß nichts gegen ihn uiUeriwmmcn werben lolltc. Aber als der mürttcmbergifd? Dberitleutnant nach der Unter- -tebung zu brn Seinen zurückkchtte, ba trar er hort den General kiyourmer, ber ifrm aufgeregt zuschrie„Greifen ^ic bie IreuBen In, Sie sind mir mit Ihrem Kopfe veraMwottlich, baß kein
Preuße durchkommt: gehen Sie, gehen Sie geschwind!" Dem ehrlichen Württemberger blieb hiernach nichts übrig, als dem Masor von Lützow loyal Kenntnis davon zu geben, daß er Marschordre gegen ibn erhalten habe und sich baljer an das ihm gegebene Ehrenwort nicht mehr binden könne. Diese Nachricht aber hat den Major nicht mehr erreicht, — das Schicksal ging seinen Gang. Als es bereits zu bännern begann, bemerkte Lützow, baß feinb- lidic Reiterei im Begriffe war, das Dors Kitzen zu besetzen. Es war nricberum württembergisckw Kavallerie unter Dem Befehl ocs Generals Cirafen Normann. In Begleitung seines Adjutanten Theodor Körner ritt der nun doch beunruhigte Major zu dem Grafen Normann, um sich Aufklärung zu erbitten. Während er mit ihm verhandelte, ließ General Fournier den Grasen Normann an- rocifcn, Lützow augenblicklich sestzunelf-men. Allein auch diesmal bcirälutc sich bie württembergische Ihre. Gras Normann weigerte sich bes ftanzösischeti Befehls. Als^ Lützow mit Fournier direkt verhandelte und sich auf den WafsenstillstanD berief, da schrie ber Franzose wütend: „Waffenstfllstand für alle, nur nicht für Sie?"
Das war wenigstens Wahrheit und Lützow wußte jetzt, woran er war. Bald sah er sich in Gefahr, umklammert zu werden, die ersten Schüsse fielen — man weiß nicht recht, von welcher Seite, und öer Kampf entbrannte. Tie Lützower waren in einer schwierigen Lage. Sie waren umzingelt, in der Minderzahl, ihr Enttomnuu durch Häuser unb eingezäunte Götten erschwert. Bald bedeckten dann auch zahlreiche ber tapferen Reiter die Walstatt. Ter Major von Lützow selbst war bereits verwundet vom Pserde gesunken, als der Cbcrjäger Beszwarzewski mit einer schnell gesammelten Schar heransprengte and Den Major aus Dem seinD- iichen Knäuel heraushieb. Man setzte ihn auf ein Pserd, von dem ein Jäger schnell herabsprang, und es gelang, den Führer der schwarzen Schar durchzubringen: mit einigen zwanzig seiner Jäger sckstug er sich bis nach der Gegend bvn Eisleben durch. Der tapfere Beszwarzewski hieb sich mit einer anderen Schar von etwa neunzig Mann bis zur Elfter durch und ent tarn über die Mulde. Waren auch die Verluste des Freikorps schwer, so war doch der Plan des erbitterten Napoleon unb seines Schergen Fournier, die ganze Schar zu vernicksten, nicht gelungen.
Unter Den Opfern befand sich auck der berühmteste aller Lützower: Theodor Körner. Gleich im Anfang des Ueberfallee war er durch ^»rei Hiebe am Kopfe verwundet worden, und nur ein schneller Sprung seines Pferdes rettete ihn vor dem vierten, der vermutlich tödlich gewesen wäre. Das treue Tier, von seinem Sporn angciricbm, rettete ihn in ein nafreö Gehölz. Um die von ihm mitgefüfrrre Kriegskasse in Sicherheit zu bringen, ntsckstoß sich der Sck-werverwundeie zu demILeii'uche, das Torf Groß-Zschockwr zu erreichen. Tort aber verließen ihn die .Kräfte. Er glaubte sein Ende nabe, die Sinne vergingen ifrm, erst am Morgen erwachte


