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Zweites Blatt . 165. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. J AA a a ? ▲ -a
Die ..»ietzever Zamillenblätter" werden dem 1 g / i E | R
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das M i'i H flL M R 1^, H, wLB &
„Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal V 18 V V V
wöchentlich. Die „LandwirtschäfUichen Seit- /r ' < r
fragen" erscheinen monatlich zweimal. Seneral-Anzeiger für ©berrpeffen
Sreiiag, 14. November 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e<^51. Redaktionell!» Tel.-Adr.: ZlnzeigerGießen.
Die Ablehnung der amerttamschen Ultimatums.
Mexiko, 13. Nov. Huerta hat das von Lind übermittelte amerikanische Ultimatum nicht beantwortet und es damit abgelehnt. In dem Ultimatum ist bis gestern abend 6 Uhr Zeit gegeben worden, zu erklären, daß er einen neuen Kongreß nicht zusammentretcn lassen werde. Im Falle der Ablehnung dieser Forderung würden die vereinigten Staaten nicht mehr mit ihm verhandeln.
Dc;r amerikanische Spezialgesandte Lind ist gestern abend um 3 Uhr nach.Veracruz abgereist, da er bis um 6 Uhr keine Antwort auf das von ihm Huerta überreichte Ultimatum erhielt.
New P'ork, 13. Nov. Nach einem Telegramm aus Nogales an der mexikanischen Grenze hat der persönliche Vertreter Wilsons, Hule, dem Konstitutionalistenführer C a r r a n z a einen endgültigen schriftlichen Vorschlag übermittelt. B eidc Teile lehnen es ab, sich über die Art des Vorschlages zu äußern; doch verlautet, daß die Vereinigten Staaten für die Aushebung des Waffenausfuhrverbotes u. a. Garantien für die Wiederherstellung der Ordnung, für die Sicherheit der Amerikaner und anderer Ausländer, sowie für die Bildung einer ordnungsmäßigen Regierung fordern. I
Nasch einem Telegramm aus Mt^ico haben die Insurgenten am Dienstag abend begonnen, den Verkehr zwischen der Hauptstadt und Veracruz zu stören. Sie hielten 100 Meilen südlich von Mexiko einen Zug an, in iß handelten das Personal und raubten Geld im Betrage von beinahe einer Million P e o s , des der Regierung gehörte. Auch eine große Geldsendung, die Eigentum eines Privatunternehmens ist, wurde geraubt. Die Passagiere blieben unverletzt, doch wurden ihnen alle Wertgegenstände abgenommen.
Die Associated Preß meldet aus Mexiko City: Hier sind erneut Meldungen eingetroffen, daß PräsidentHuerta g e f l o h e n sei, da er unauffindbar ist. Das Gerücht, welches seit ein paar Tagen umgeht, daß er beabsichtige, auf einem deutschen Dampfer nach Europa zu entkommen, findet keinen 'Glauben, da Huerta in seiner Lebensführung keine Regelmäßigkeit beobachtet. Es sei vielmehr wahrscheinlich, daß Huerta doch wieder auftaucht. Der amerikanische Geschäftsträger erklärte heute Mittag, daß neue Entwickelungen nicht zu verzeichnen wären.
Washington, 13. Nov. Am späten Abend teilte Präsident Wilson einem Journalisten mit, in 12. Stunde habe sich in der Angelegenheit der Abdankung Huertas etwas ereignet, das ihm die Situation erheblich günstiger erscheinen lasse. Mehr zu sagen lehnte Wilson jedoch ab.
politische Lagerschart.
Das nächstjährige preußische Eisenbahnanlcihegesetz, das zurzeit im Ministerium der öffentlichen Arbeiten vorbereitet wird, wird außer den üblichen Forderungen (Ausbau von Bahnen, Neubau von Sekundärbahnen, Verstärkung der Betriebsmittel) zwei interessante Forderungen stellen. Zunächst werden weitere Mittel für die Elektri sterung der Berliner Stadtbahn gefordert werden, um nach Beendigung der Vorarbeiten im Nahmen der Vorlage von 1913 (Bau von Kraftwerken, Bestellung elek Irischer Antriebmaschinen) mit dem Umbau der Strecke in den Jahren 1914 und 1915 beginnen zu können. Zunächst wird die innere Stadtbahn elektrisch ausgebaut (Charlotten- burg-Rummelsburg). Diese Strecke kann wahrscheinlich schon 1916 in Betrieb genommen werden. Der Ausbau der übrigen Strecken erfolgt allmählich, so daß also zunächst gemischter Betrieb stattfinden wird, auf den Außenstrecken noch Dampfbetrieb. Der Umbau des Bahnhofs Friedrichstraße — dessen erste Bauraten der Etat fordern wird — wird auf die Einführung des elektrischen Betriebs schleppend einwirken.
Die zweite Forderung ist der Bau der größten Eisenbahn brücke der Welt, der Brücke von Stralsund nach Rügen, eine Brücke, die doppelt so lang sein wird, wie die Strecke Brandenburger Tor—Schloß in Berlin. Nach den Vorarbeiten zu urteilen, wird diese Brücke, die eine Eisenbahnfahrbrücke, eine Fuhrwerksbrücke
Lin Zubiläum öcr Wissenschaft.
Wenn am 14. November das berühmte „Institut Pasteur" Unter Anteilnahme der wissenschaftlichen Kreise aller Länder sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feiert, so geht dies Erinnerungs- fest (an dem der Präsident der Republik, Poincars, persönlich teilnimmt' keineswegs allein Frankreich an. In der Tat ist das seit dem Jalüe 1888 bestehende Institut eine internationale Gründung, an der sämtliche großen Kulturstaaten, nicht in letzter Linie Deutschland, beteiligt gewesen sind. Nachdem Louis Pasteur durch seine aufsehtmerrcgenden Versuche die Wirksamkeit der Schutzimpfung gegen Tollwut nachgewiescn, nachdem seine medizinischen Theorien in der antiseptischen Behandlung bei chirurgischen Eingriff'-- und der .Besiegung des gefährlichen Kindbettstebers sich sich glänzend bewährt hatten, eröffnete .die Pariser „Akademie der Wissenschaften" eine internationale Subskription, deren Ertrag (etwa 21/» Millionen Franken) zur Errichtung einer „Versuchsanstalt zum Studium der ansteckenden Krankheiten" unter Leitung Pasteurs verwendet wurde. Der damals schon hochbetagte Gelehrte konnte dem mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestatteten Jnftitut bis zu seinem am 28. September 1895 erfolgten Tode Porstehen. Von seinen direkten Mitarbeitern sind ihm Duclaux, Chambcr- land, Nocard, Grancher in die Gruft.gefolgt, Emile Roux unb Mctchnikoff, Gelehrte von.Weltruf, leiten noch heute die Arbeiten.
Den Umfang und die Schwierigkeit dieser wissenschaftlichen Versuche vermag man ungefähr zu ermessen, wenn man die feit 1887 herausgegebenen 27 voluminösen Bände der „Annales de 1'Jnstitttt Pasteur" sowie die zahlreichen Mitteilungen durchblättert, die das Institut den gelehrten Gesellschaften des Jn- und Auslandes hat zugehen tauen. Mohr als 2000 Schuler (darunter Hunderte von anerkannten Gelehrten) haben un Verlaus der fünfundzwanzig Iahte in der Anstalt der Rue Dutot: und dem nahebei in der Rue be Baugrrard errichteten „Hopttal Pasteur" ihren bakteriologischen Studien nachgehen können. Von den praktischen Resultaten der Arbeiten seien erwähnt: Vorbeu- <mngs- bezw. Heilserum gegen Dlplftherctls, , Starrkramps Gesichtsrose Kindbettsieber, Durchfall, Pest, Hirnhautentzündung, Vergiftung durch Schlangenbiß, Rückfallfieber, Schlafkrankheit, ansteckende Krankheiten der Haustiere (z.. B. der Schafpocken). Sodann sind die Umwälzungen zu nennen, ,inc das Studium der antiseptischen Substanzeir und der chemischen Arzneimittel in der Chirurgie (Sterilisation der Luft Md des Wassers, Mseptisation
und eine Passantenbrücke aufnehmen wird, ein neues Weltwunder werden. Vor allem soll die Brücke unsere handelspolitischen Beziehungen zu dcu skandinavischen Ländern verbessern. Tie Stralsundfähren können den Verkehr nicht mehr bewältigen. Der Güterverkehr über diese Fähren hat in den letzten 10 Jahren um 1300 Prozent zugenommen, eine Zahl, die bisher nirgends erreicht worden ist. Der gesamte Einfuhr- uni) Ausfuhrverkehr nach Schweden geht jetzt über Rügen, d. h. er wird im Interesse beider Staaten und ihrer Dampffahrverbindung Saßnitz-Trelleborg über Rügen geleitet. Während 1903 rund 100000 Güterwagen über den Strelasund setzten, davon 95 000 nach Schweden bestimmt, müssen jetzt über 350000 Wagen im Jahre übergesetzt werden. Diese Leistung ist nur möglich, indem die Fähren jeden Tag 150 Fahrten machen und teilweise sogar die ganze Nacht fahren. Tie kleine Station Altefähr auf Rügen ist dadurch eine der größten Güterstationen Pommerns geworden. Zur Bewältigung des Verkehrs zwischen Rügen und Schweden sind bereits neue Güterfähren (Route Saßnitz- Trelleborg) im Bau, die weiter vermehrt werden sollen. Jede Fähre macht täglich 2 bis 3 Fahrten in 24 Stunden. Die Rügener Riesenbrücke wird auch Rügen selbst Nutzen bringen. Rügen wird demAuto mobilverkehrerschlossen und soll in seinem Kleinbahnnetz später ausgebaut werden, sowie die Bergener Hauptlinie ausgebaut ist. Der Ausbau der Rügener Bahnen wird den Zweck haben, den Reiseverkehr nach den Bädern auf Rügen zu beschleunigen und von Berlin aus durchgehende Züge nach diesen Bädern abfertigen zu können, nötigenfalls mit Umgehung von Bergen durch eine neue Bahn Altefähr-Garz-Putbus- Binz-Sellin-Göhren-Thiessow. Der Bau dieser Bahn ist jedoch erst nach Fertigstellung der neuen Brücke möglich.
GcrrchtrsaaL.
X W e tz l a r, 11. Nov. Gestern wurde vor dem Schöffengericht dahier die Privatklage des Reichstagsabgeordneten für Wetzlar Franz Behrens in Essen gegen seinen fteisinnigen Gegenkandidaten Prof. Dr. Schloßmann in Düsseldorf verhandelt. Es handelt sich um den Vorwurf, Behrens habe als Gegner der Koalitionsfreiheit der Landarbeiter gegen deren Bewilligung im Reichstag gestimmt und suche hier wie sonst sich an der Wahrheit vorbeizunindcn. Nach einer ausgedehnten Beweisaufnahme beantragte Rechtsanwalt Fischer-Gießen die Verurteilung des Angeklagten, da der Wahrheitsbeweis in keiner Weise erbracht sei und die Absicht der Beleidigung aus der ganzen Form des Vorgehens sich ergeben, während Tr. Biesantz-Köln in Anspruch nahm, der Wahrheitsbeweis sei geführt, berechtigte Interessen wabrgenommen und eine Beleidigung nur erwidert. Das Gericht hielt den Wahrheitsbeweis für nicht erbracht und verurteilte den Angeklagten zu 5 0 Mark Geldstrafe und Publikationsbefugnis. Es stellte insbesondere fest, daß Behrens der Vorwurf einer wissentlichen Unwahrheit in irgend einem Falle nicht gemacht werden könne.
Universitäts-Nachrichten.
— Geheimrat Prof. Dr. Josef König, der bekannte Vertreter der Hygiene und Nahrungsmittelchemie an der Universität Münster i. W. begeht am 15. November seinen 70. Geburtstag.
— Dem früheren ordentlichen Professor für spezielle ^Pathologie und Therapie sowie gerichtliche Tierheilkunde an der Tierärztlichen Hochschule zu Stuttgart, Dr. Richard K l c 11, ist die Oberamtstierarztstelle in Urach und dem früheren ord. Professor für Pharmakologie und allgemeine Therapie, sowie Hufbeschlagkunde an dieser Hochschule, Dr. Gustav U e b e l e , die Stadtdirektionstierarztstelle in Stuttgart übertragen worden.
— Aus R o st o ck wird uns berichtet: Zum Nachfolger des von der Lehrverpflichtung entbundenen Geh. Konsistorialrats Prof. Dr. Hashagcn auf dem Lehrstuhl der praktischen Theologie an der Universität R o st o ck ist der Pfarrer an der Annenkirchc zu Dresden, Dr. theol. Gerhard Hilbert, unter Ernennung zum ordentlichen Prpfcssor berufen worden.
— Ter ordentliche Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der böhmischen Universität in Prag, Hofrat Dr. Karl P a w l i k, ist in den dauernden Ruhestand getreten; zu seinem Nachfolger wurde der a. o. Professor daselbst, Dr.. Wenzel Pitha , unter Beförderung zum Ordinarius berufen.
Im Alter 6on V5 Jahren ist am 12. d. Mts. der ord. Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte an ber, deutschen Universität in Prag, Dr. Ladislaus W e i n c ck, gestorben, der Haut und der Schleimhäute' hervorgerufen hat. Schließlich sei darauf hingewiesen, wie die bakteriologischen Forschungen eine ganze Reihe von Industrien Brauerei, Destillation, Lohgerberei usw.), ferner die Milchwirtschaft und den Ackerbau mit neuen Methoden ausgestattet und damit weit ertragreicher gemacht haben. Es versteht sich von.selbst, daß die hervorragenden Forschertaten, durch die fick auf aal' Wen Gebieten gleichzeitig die nicht- franzöfifchen Gelehrten, vor allem die beut)dien Mediziner, ans- zeichneten, hier nicht geschmälert werden sollen; aber was die bahnbrechenden Arbeiten Pasteurs für sie als Anregung und Leitziele bedeuteten, haben Männer vom Range xines Robert Koch, Gafffy, Behring, Löffler, Ehrlich, Wassermann u. a. oft genug neidlos anerkannt.
Erinnern wir schließlich an die.zahlreichen wissenschaftlichen Expeditionen, die vom Institut Pasteur speziell in die Tropengegenden zum Studium der verheerenden ansteckenden Krankheiten (Pest, Cholera, Malaria, gelbes Fieber, Lepra, Schlafkrankheit) pntsandt worden sind .und deren Mitglieder nicht selten mit wahrem Heroismus um die Durchführung ihrer schwierigen Aufgabe zu kämpfen verstanden. Ihnen reihen sich die Mäzene an (1894 öffentliche Subskription: 1 Million Franken, Stiftung des „Hospitals Pasteur" mit 100 Betten, Stiftung von seften der Baronin Hirsch: 2V2 Millionen, Stiftung Osiris: 20 Millionen u. ä.), deren großmütige Spenden beweisen, daß derWert der Anstalt gebührend gewürdigt wird. Ihre Arbeiten befassen fick) gegenwärtig l-auptsächlich mit der Bekämpfung der Syphilis, des Krebses, der Lepra, der Tuberkulose. Wenn man erwägt, daß der letzteren von hundert Personen, die zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr sterben, allein 42 Menschen zum Opfer fallen, so wird man abschätzen können, was die Forschungen des Instituts Pasteur für das Wähl' der gesamten Kulturwelt bedeuten, O. K.
— Die diesjährigen deutschen Ausgrabungen in Korfu. Prof. Wilhelm Dörpfeld hat auch in diesem Jahre obwohl der Kaiser, der Veranstalter der Ausgrabungen auf Korfu, während des Balkankrieges der Phäakeninseln fern geblieben ist, die Ausgrabungen in kleinerem Maßstabe fortgesetzt. Hauptsächlich sind zwei Arbeiten ausgeführt worden: erstens wurde der Tempel von Garitza, dessen vor zwei Jahren aufgefundene Skulpturen den Anstoß zu den Grabungen auf Korfu gegeben haben, weiter ausgedeckt, und zweitens wurde nach der Stadt der tzome-
Landwirtschaft.
— Kirch-Göns, 13. Nov. Am nächsten Samstag und Sonntag findet hier eine lokale Geflügel- unb Kani n chen- Ansstellnng statt. Bis jetzt sind schon 120 Nummern an- gemelöet worden. DaS eingelieferte Material ist vorzüglich.
vermischter.
— Ein unbekanntes Notizbuch Hebbels.^ Ein bisher unveröffentlichtes Notizbuch Hebbels, das Christine Hebbel Pros. Richard Maria Werner, dem kürz!ick) verstorbenen Herausgeber der Werke des Dichters, schenkte, soll jetzt von der Wiener Bibliophilongefellschaft in Faksimile herausgegeben werden. Das Original dieser Hebbel-Religuie soll bann nach des Gelehrten letztem Willen dem Wesselburener Hebbel-Museum geschenkt werden. Die Notizen enthalte« Aphorismen, SzenenskiMn zu Genoveva. den Nibelungen, Demetrius, sowie Cnttvürfe zu Gedichten.
* Hochwasser. Infolge der schweren Regengüsse führen der Rhein und seine Nebenflüsse Hochwasser. Wie aus Rastatt gemeldet wird, ist die Murg über die Ufer getreten unb hat das Murgtal voll ständig überflutet. — Aus Zürich, wird noch gemeldet: Das Hochwasser der Birs überschwemmte ein ganzes Viertel in Münster im Berner Jura so rasch und so stark, daß in die Hütten der Tunnelbau-Gesellschaft zur Rettung der Insassen Löcher in die Dächer geschlagen werden mußten. Im Juragebiet sind gewaltige Wassermengcn unter Blitz unb Donner niedergegangen. —_ Infolge der andauernden Regengüsse steigen die Gebirgsbäche im Schwarzwalde und in den Vogesen ununterbrochen. Tie Murg ist in der verflossenen Nacht bereits stellenweise über ihre Ufer getreten. Der Oberrhein ist bei der Schustermscl in den letzten 24 Stunden um 62 Zentimeter, der Rhein bei Maxau um 83 Zentimeter gestiegen.
* Doppelselbstmord. In einem Hotelzimmer in Lausanne wurde der Pariser Kaufmann Emil Guilleraud tot und dessen Begleiterin eine Frau Mazze sterbend ausgefunden. Man glaubt, daß das Paar sich mit Morphium vergiftet hat. Die Beweggründe der Verzweiflungstat sind nod) nicht aufgeklärt.
* Unfall bei einem Kirchen bau. Aus Obertsrot bei Gernsbach (Murgtal) wird gemeldet: Gestern nachmittag 4 Uhr ereignete sich bei einem Kirchenneubau ein schwerer Unglücksfall. Fünf Maurer und der Bauführer Fischer waren im Begriff ein Gewölbe im Mittelschiff der Kirche fertigzustellen, als plötzlich das Gewölbe einstürzte, und das Gerüst nut den fünf Maurern und dem Bauführer zu Boden fchleu- berte. Obgleich sofort Hilfe gebracht wurde, konnte man nur vier Maurer schwer verletzt aus. den Trümmern hervorziehen, der fünfte war sofort tot. Ter Bauführer wurde auf ein Nebengerüst geschleudert und kam mit leichteren Verletzungen davon.
Kleine Tageschronik.
Die Bürgerschaft von Lübeck hat den Aittrag des Senats, 150000 Mark zum Einkauf von RadinM zu bewilligen, ein- stimmig angenommen.
Märkte,
§ Grünberg, 13. Nov. Ter heutige sogenannte letzte „Gallus markt" glich im Wetter seinem Vorgänger, es regnete den ganzen Tag. Ter Schwcinemarkt hatte eine recht starke Auffahrt von Jungschweinen aufzuweisen. Ta auch eine starke Nachfrage herrschte, so entwickelte sich ein flotter Handel bei gesunkenen Preisen. Rian bezahlte das Paar Ferkel kleiner Art mit 30—35 Mk., mittlerer 40 | 45 Mk., größter mit 45—50 Mk. Bei diesen Preilen muß beachtet werden, daß die Herbstpreise stets hinter den 'Frühjahrspreisen stehen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter bieier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Rod heim, 13. Nov. Seit Samstag abend erstrahlt unser Torf in elektrischer Beleuchtung, und kaum kennt man die Straßen wieder, die bei dem herrschenden Schmutzwttter ohne Beleuchtung .geradezu unpassierbar waren. Um so schöner jetzt das neue Licht, unb dank den Anordnungen der Gemeindevertretung brennen an den Endpunkten und den Hauptplätzen die Lampem durch, bis gegen 3,iG Uhr morgens. Wir alle müssen dieses mit Freubett begrüßen. 9Lbcr einen Wunsch möchte der Schreiber dieser Zeilen an dieser Stelle noch äußern, der sämtlichen Arbeitern am .Herzen liegt. Die meisten Arbeiter müssen nad) dem 6 Uhr- Zuge im Dunkeln gehen. Dem könnte mit leidster Mühe ab- geholscn werden, wenn die Daucrlampen bis ein Viertel nach 6 Uhr brennen würden, was gewiß keine großen Kosten beanspruchen und für nufere Arbeiter eine große Bequemlichkeit bringen würde. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß hier etwas geschaffen wirb, was ein Bedürfnis der Verkehrssicherheit ist. B c über.
rischen Phäaken gesuckst. Für den Gorgo-Giebel, dessen Abguß, vom Kaiser geschenkt, nun im Berliner Museum steht, waren bisher die westliche und östliche Front und der große Altar vor der letzteren ausgedeckt worden. Im nächsten Jahre soll dest Tempelplatz vollständig frei gelegt werden, wozu jetzt die Vorbereitungen getroffen wurden. Dabei ergab sich die Möglichkeit, aud) die noch nicht gesicherten Abmessungen des Tempels genau sestzustellen. Unter den Einzelfunden sind bemerkenswert mehrere Architekturglieder des Tempels, einige Stücke seines älteren Dach- schmuckes aus weißem Marmor, ferner ein paar Köpfe kleiner figürlicher Terrakotten, wohl von Weihegaben, und endlich das Hinterteil eines größeren Kopfes aus Porosstein, der möglicherweise zu dem Gorgogiebel gehört. Tie Suche nad} der Stadt der Phäaken fand im nordwestlichen Teil der Insel statt, weil das Homer^che Efws, das bisher immer verläßliche Angaben hat, darauf zu beuten schien, trotzdem die Phäaken immer noch von hervorragenden Gelehrten nur für die Fährleute erklärt wurden, die die harten ins Jenseits fahren. Auf der Höhe der Kephalt- Halbinsel hat Dörpfeld, wie er im „Archäologischen Anzeiger" berid/tet, die Reste einer vorhistorischen, aus dem zweiten Jahrtausend stammenden Ansiedlung entdeckt, die in mancher Hinsicht zu der Homerischen Stadt des Alkinoos paßt. Kleinere Ausgrabungen, die am Rande des Plateaus torgenommen wurden, förderten eine ähnliche Kicktur zutage, wie Dörpfeld sie in der Ebene von Nidri auf Leukas-Jthaka gefunden hat. Die Keramik ist monvdwom, nur einige Scherben zeigen rnykenischen. Firnis unb rnykenische Form. Laider sind, wie sich jetzt schon konstatieren ließ, Teile der Ansiedlung ins Meer gestürzt unb in anderen Teilen sind die Mauerwerke ganz zerstört, weil sie von keiner schützenden Erdsdstcht bedeckt waren, auch in den letzten drei Jahrtausenden niemals mit jüngeren Anlagen überbaut worden sind. Obwohl die Lage der Ansiedlung und die Gestaltung ihrer Landschaft sehr gut zu bett Schilderungen Homers paßt, zögert Dörpfeld noch, sie für die Stadt der Phäaken zu erklären, weil die bisher gefundenen. Reste zu ärmlich sind, als daß man bei lhuen an den mit rnykenischer Pracht ausgestatteten Palast des Alnnoos denken konnte. Auf jeden Fall aber ist jetzt auf dem^Borgelnrga Kephali die erste prähistvrisd>e Ansiedlung auf der ^u>el Korin gefunden Nwrden, ein für die Frühzeit Griechenlands wichttges Ergebnis der diesjährigen Mrbetten.


