Marinesoldaten aufgestellt. Tie Angehörigen des Verunglückten saßen neben den Ministern.
— E i n posthumer Theatererfolg. Aus Heidelberg wird uns unter dem 12. Februar geschrieben: Samuel Lub linski, der 1910 verstorbene ostpreußisch.' Printer und Drama- ttler, kam heute am hiesigen Stadttheater zum überk-aupt erstenmal auf der Bühne zum Wort. Von seinen sechs hinterlassenen Dramen — drei sind davon iin Buchhandel erschienen — brachte der Direktor Johannes M c i ß e r des Heidelberger Stadttheatcre das letzte und bedeutendste zur Auffülmiug. In der Tragödie „Kaiser u n d K a n Z l e r" geht Lublinski durchaus eigene Wege. Einer der Höhepunkte int Kampfe zwischen Kaiser- und Papsttum der gewaltige Daseinskampf zwischen dem genialen Hohenstaufen laiser Friedrich II. und deut Papst Gregor IX. dient als bloße Folie für das eigentliche Problem Lublinstts: den Kainpf zwischen Friedrich II. und seinem Kanzler Peter von Vinea. Ter Dichter gestaltet eine Tragödie des Vertrauensbruches, die sich zwischen den beiden Hauptgestalien abspielr. ... Die Tragödie hat vor allem den Fehler, daß das Gewollte und Konstruierte zu sehr hervortritt. Die Idee des Dichters schwebt immer über den Personen. Zudem zersplittert sich das Interesse an den beiden Helden. Erst steht der grandios angelegte Staufenkaiser tnt Vorder gründ, immer mehr wird aber das Interesse an ihm verdrängt, und schließlich konzentriert sich alle Anteilnahme auf die Gestalt des Kanzlers. Jedenfalls kann mau aber sagen, das Lublinski zu bett geborenen Dramatikern gehörte, sein Stück enthält Aut lrttte voit hinreißender dramatischer Wucht. Die Aufführung, die sorgfältig einstudiert war, vermochte hauptsächlich durch di-' Darsteller der beiden Hattptfigurcn (Kock) und Boßhardtf Inter esse zu erwecken. Tas Jntmessc und der Beifall wuchsen bon Akt zu Akt.
h. Ein unbekanntes Werk Johann S eb astia n B a d) s. In der Königlichen Bibliothek zu Brüssel hat Antonio Tirabassi einen überraschenden Fund gemacht: er hat eine bislang unbekannte „Suite für Laute", die Johann Sebastian Bach zum Verfasser hat, ans Tageslickit gebracht. Tie Suite ist einem Herrn Schuster gewidmet. Tie Widmung, die Inschriften und der Titel sind in der damals üblichen Weise in französischer Sprackte abgewßt Selbst den Namen Schuster hat Bach zu „Schönster" französiert. Allem Anschein nach hat Bach die Suite in der Zeit von 1720 bis 1722 komponiert. Und zwar, wie wir dem „Guide Musical" entnehmen, für eine damals übliche „Tenor-Laute", die mehr als drei Oktaven umfaßt. Bad) hat sie in der gewöhnlichen Notenschrift geschrieben und nicht in der für die Laute gebräud)- lichen Notation, der Tabulatur.
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165. Jahrgang
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Ur. 59 Erstes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 15. Februar 1915
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und Harmonisierung beschließt das interessante Werk, welches in einer musikalischen Zeitschrift als die 'wsreulichste Novität der jüngsten Zeit bezeichnet ivnrbe.
— Zum Untergang der S e o t t s ch e n Expedition wird aus C h r i st ch u r d) (Neuseeland), 12. Febr., gemeldet: Die „Terra Nova" hat alle brieflichen Aufzeichnungen der Scott- sdien Expedition heimgebracht, einschließlich der Privattagebücher, die den Hinterbliebeneil der Verunglückten ausgeliefert werden. Kapitän Scott hat sein Tagebuch bis zum 24. März geführt. Man hätte auch die Leichen zurückbringen können, aber die Rettungskommission beschloß einstimmig, sie in ihrem Schneegrabe zurück;»lassen. Leutnant Evans, der jetzt die Expedition leitet, lehnte es ab, sich über das Ende des Kapitäns Scott und das der anberen Mitglieder der Expedition zu äußern. Tie Notschlittcn haben häufig versagt, so daß die Expedition ordentlick) froh war, als der letzte unbrauchbar geworden war. Leutnant Evans wird Kapitän ScottS Darstellung der Erpediiion vollenden, die dann in Buchfoxm veröffentlicht wird. Ale an Bord der „Terra Nova" Befindlichen sind wohlauf und man sieht ihnen die Anstrengungen und Entbehrungen nicht an, die sie durchgemacht haben. — Leutnant Evans teilte in einer Unterredung mit, daß die Rettungs- expeditioit die Absicht gehabt hätte, Kapitän Scott und seinen Kameraden ein großes Fest zum Empfang zu bereiten. Sie hätte alle Vorbereitungen dazu getroffen und alle Telikatessen, die der Schifssvorrat bieten konnte, waren anfgetischt. Sie kam mit fliegenden Fahnen im Winterquartier an. Eine große Menschenmenge begrüßte das Schiff mit lauten Zurufen. Als Leulnaut Evans Kapitän Scott nicht auf dem Schiffe sah, rief er: Alles Wohl au Bord? Tann erfuhr er das Schicksal der Expedition. Tie Strecke, die Kapitäu Scott zurücklegte, beträgt 1842 englische Meilen. Kapitän Scott hatte am 10. März am But Point zurück sein wollen. Auf die Frage nack; den Vorräten an Heizmaterialien in den Depots erklärte Leutnant Evans, Kapitän Scott habe Vorräte für einen Monat nack) dem mutmaßlichen Datum seiner Rückkehr gehabt. — Professor David in Sydney, der die antarktische Expedition Mowsou mitmachte, hat erklärt, daß Kapitän Scott und seine Gefährten durck) Skorbut oder eine ähnliche Krankheit mitgenommen gewesen sind.
— Eine Gedächtnisfeier für die Opfer der Expedition Scott fand am Freitag mittag in der St. Pauls- Kathedrale in London statt. Der König, die Minister, das diplomatische Korps, der Lordmayor von London und Vertreter aller Schichten der Bevölkerung waren anwesend. Der König erschien int Wagen, ohne Eskorte: er trug Admiralsuniform. Ueberall waren Trauerfahnen gehißt. Erne ungeheure Menschenmenge umgab die Kirche. Bet beit Chören war eine .Abteilung
Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten.
Apolitische Wochenschau.
Gießen, 15. Februar.
Ter Kaiser läßt die katholische Kirche nicht entgelten, , was das Zentrum sündigt. Unter der Führung des Herrn Srzberger hat im Budgetausschuß der schwarze Stift her- , körnrnliche und berechtigte Zubilligungen an die Marine I Offiziere rücksichtslos dürchstrichen und den Staatssekretär ' »■ Tirpitz zu der unwilligen Erklärung getrieben, daß er bei Annahme dieser Streichung dlirch den Reichstag aufhören | werde, noch länger Staatssekretär zu sein. Der Unwille | $>e§ verdienten Beamten ist vollauf begründet. In der- I selben Sitzung des Ausschusses hatte eine Mehrheit des k Zentrums und der Sozialdemokraten für das nächste Jahr I eine Vorlage auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit I für Marineinfanterie und Matrosenartillerie gefordert. Tie 1 Bolkspartei hat sich dabei der Abstimmung enthalten, da die | Bedenken des Staatssekretärs nicht einfach von der Hand I zri weisen seien. Es heißt nun zwar, daß die Zentrums- | sraktion dem Heißsporne Erzberger noch nicht endgültig , gestimmt habe, aber die Stimmung ist doch recht deut- lltd) gekennzeichnet. „Was gehn mich d eilte Freuden an!", Iso erklärt die schwarze Maid unserer Regierung, und sie I wischt ob der Jesuitentrennungsschmerzen sich dabei wieder | eine Krokodilsträne aus den Augen. Und dann kramt I sie in der Marinehausl>altsküche herum und führt an dem «unschuldigen Geschirr das aus, was der Kaiser einmal Ibtv elsaß-tothringtschen Verfassung angedroht hatte. Die r Pressediplomaten aber reden beschwichtigend um den auf- I schreckenden Tatbestand herum und singen den angekün- I tagten großen Regierungsvorlagen ein seltsames Will- I kommenslied. Zuerst die Te.rungsvorlage, nachher die Mass rinevorlage! fordert die „Köln. Bolksztg." „Es geht nicht ss mehr an, daß ins Blaue hinringewirtschaftet wird, so daß | nran nachher nicht mehr aus noch ein weiß. Die Deckungs- ssfrage muß also zuerst 'gelöst sein, ehe der Reichstag ■ irt der Heeresfrage endgültige Beschlüsse fassen tonn. Eine | Zurückstellung der Deckungsvortage hinter die Wehrvor- । tage würde geradezu einen Berg voit Schwierigkeiten an- l heiufen. Ist dagegen für die Deckung gesorgt, dann wird | hie Wehrvorlage unzweifelhaft so glatt und so schnell wie * "aiini eine ihrer Vorgängerinnen Gesetz werden."
Wir fürchten, es ist ein bißchen Heuchelei dabei int Spiel, wenn das Blatt sodann in sanften Tönen ver- * Mjert, „nur eine große, festgeschlossene Mehrheit, die nicht . nur die Wehrvorlage bewilligt, sondern auch durchhält da. Ido es gilt, die Opferwilligkeit des deutschen Volles vor | aller Welt zu beweisen", werde die Erwartungen und Hofs- ifungen des Kaisers ganz erfüllen. Tas Zentrum fürchtet, ■ Bei vorheriger Bewilligung der militärischen Forde- g rrmgen könnte nachher, bei der Teckugg, die „nationale Tcbeitsgemeinschaft" gesprengt werden. Mit andern Wor- 1 ten: die Regierung muß uns, den Schwarz-Blauen, bei g Ö<r Finanzvorlage klein beigeben, wenn sie die Mililär- li öwriage durchbringen will. Der Zentrumsdiplomat erhebt | b<i ganz deutlich die Pistole, um sie dem schwankenden Ifcerrn v. Bethmann-Hollweg, der noch im Zweifel darüber Izri sein scheint, ob er das Volk in Bezug auf die Heeres- ■ v«rstärlung „recht versteht", auf die Brust zu^ setzen.
Nach der Rede des Reichskanzlers beim Festmahle in: W Deutschen Landwirtschaftsrat ist anzunebmen, daß die an- I gekündigten Vortagen schon in den allernächsten Tagen
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gleichzeitig das Licht der Oeffentlichkeit erblicken werben. Ist ntati sich dann klar darüber, daß die Militärvorlage nötig ist, so wird man sie unter allen Umständen bewilligen müssen. Dann wird sich zeigen, ob die „nationale Arbeitsgemeinschaft", zu der das Zentrum sich rechnen will, die Hoffnungen und das Vertrauen der Regierenden erfüllt. In der „Köln. Volksztg." aber werden dem Kanzler schon die Bedingungen diktiert: keine Ausdehnung der Erbschaftssteuer, sondern Vermögenssteuer.
Der Kaiser läßt, wie gesagt, die katholische Kirche das Spiel des Zentrums nicht entgelten. Er hat nach vielen Feierlichkeiten dieser Woche, Reisen und Reden, Muße gefunden, bem neuen Kölner Erzbischof Dr. v. Hartmann persönlich den Treueid abzunehmen. In den Ansprachen, die bei dieser Gelegenheit gewechselt werden, mußte ein Satz des Kaisers besonders auffallen. Die auf dem Glasgemälde der Kathedrale in Münster dargestellte Begegnung Karls des Großen mit Papst Leo III. hatte bekanntlich zur Folge, daß Kaiser Karl über die, Alpen zog und die unbotmäßigen Bewohner Roms, über die der Papst sich beschwert hatte, zur Rechenschaft zog. Dafür setzte Leo am Weih- uachtstage des Jahres 800 „dem von Gott gekrönten großen Friedenskaiser der Römer" die Krone des wiedererweckten weströmischen Kaisertums aufs Haupt. Das alles, so dachte und meinte Wilhelm II., sei ein lehrreiches Beispiel für den Segen eines vertrauensvollen Verhältnisses der Kirche zu dem Staatsoberhaupt und enthalte zugleich eine ernste M ah n u n g. Hier folgte eine Pause: der Kaiser sprach sich über die ernste Mahnung, die doch wohl nach Rom klingen sollte, nid)t weiter aus. Wir erinnern uns aber alle, daß die kaiserliche Regierung wegen bekannter hirtenbrieflicher Unternehmungen beim,Vatikan Vorstellungen erhoben hatte. Kaiser Karl hatte auf Wunsch des Papstes in die römischen Verhältnisse eingegriffen, cheute mischt sich Pius X. in die Angelegenheiten d-'s Deutschen Reiches ein. Der Kaiser ging mit einem Gedankenstrich darüber hinweg, und seine Rede ilang für die Katholiken in die herzlichsten und freundlichsten Zusicherungen aus. Trotzdem erdreistet sich die „Köln. Volkszeitung", in der Besprechung der Rede dem Kaiser vorzuhalten, es scheine, als ob er nicht gewillt wäre, beiden Konfessionen gleiche Rechte und Freiheiten zuzuerkennen. Tenn er habe zur Aufhebung des Jesuitengesetzes nickst das wünschenswerte M a ch t !v o r t gesprochen ! „Sollen die Katholiken unter ihrem christlichen Kaiser all ihre Kräfte entfalten zum Kampfe gegen Umsturz und Unglauben, dann müssen sie zunächst frei sein." So spricht das einflußreiche Blatt, das berufen ist, mit dem Kölner Erzbischof in den engsten Beziehungen zu stehen. Klingt es nicht wie eine Rechtfertigung, daß das Zentrum noch hin und wieder seine Hand der Sozialdemokratie zu gemeinsamem .Handeln entgegenstreckt'?
Welche Folgen das frohe Ereignis int Kaiserhause, die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Welfen Prinzen, der im Juni oder Oktober die Hochzeit folgen soll, in den dynastischen und parteipolitischen Verhältnissen des Herzogtums Braunschweig haben wird, ist heute noch nicht ganz klar. Der Herzog von Cumberland fühlt sich an den Cid gebunden, den er am Sterbebette seines Vaters ge- ciftct hat: nicht zu verzichten auf die Ansprüche seiner Tynastie. So bleibt denn die Bedingung des Bundesrats- .'eschlusses vom 29. Februar 1907, unter der allein das Velfenhaus den Thron des Herzogtums Braunschweig besetzen darf, einstweilett unerfüllt. Zweifellos aber wird
Regers Ronden und romantische Suite.
Vom Konzcrtverein wird uns geschrieben: M a x R e g e r s „Tonnen", Ov- 112, haben gelegentlich des Dortmunder Mger-Musikfestes 1910 ihre Uraufftihrung erlebt. Dem Werk in ein Gedickt von Martin B o e l i tz zu Grunde gelegt, .welches bäte neuromaatische, sehnsuchtsvolle Stimmung, die in der Lyrik Dar 90er Jahre au, her Tagesordnung stand, repräsentiert. Gerade diese Stimmung ist es, von der sich Reger ange^ogeit fühlt, bi’ er aber erweitert und vertieft. Wenn, man von -Reger als dem lWtestantisd.-eu Komponisten für Choralvorspiele, Kantaten spricht, lb trifft diese Bezeichnung wohl für diese mit Recht zu; mdeß zagt sich gerade in den „Nonnen", ebenso stellenweise and) in tau lOOten Psalm der Einfluß seiner katholischen Jugenderziehung. 5iit den „Nonnen" schlägt er die Töne myjttscher Andacht an, im engsten Zusammenhang mit kirchlich katholischen Vorstellungen. Wir werden in eine Klosterkirche geführt, wo beim Klang der Silberqlocken junge Nonnen inbrünstig zur Mutter Gottes beten. Tas Flehen verstärkt sich zu selmsuchtsvollern Rusen nach dem Gottessohn, der in ihrer Vorstellung nun aus dem Rahmen des Utarbildes beriwrtritr und ihre Stirn berührt. ^ie)c Situation mystischer Verzückung schildert Reger in ergreifenden Tonen. Schon in der Orchestereinteilung sind wir in die weihrauchdurch- jTgene Stimmung versetzt, weldfe die -sinne zur höchsten Ekstase o:ttreibt.
Die Komposition lehnt sich an das Gedicht an. Tie Munk o:bnet eine Leidenschaft, die wir selten in Reger,chen Werken in io greifender Weise wiedersinden. Tas Chorwerk wird auch dem, Iwt vor Regerschen Werken eine gewiße Sck>eu hat, gefalleii, btt eS in der Tat - ine reiche Melodienfülle darbictet. Noch mehr kickt dies von der „r o m a n t i f d) c n Suit e", Op. 12.), die m der Ri:gersd)en Kompositionsweise geradezu eine lleberraschuiig dar- sl ält Die Suite welche allenthalben mit glanzendem Ersolg zur Alafführüng kam, verdankt ihre Eiitstchnng der Aiiregung einiger b«r schönsten Eichenoorffschen Dichtungen, die auch den einzelnen Sitzen unterlegt find. Hier redet Reger, von bellen anderen Ubmpositionen'man Kontrapunktik und die benfbar schwierigsten Nrarbeilungcn von Tönen gewöhnt ist, eine andere -Bprackse. 'beer spricht 'er in vollen Zügen mit warmem Herzeii und ge- slMder Innerlichkeit zu dem Hörer. Das Werk zersallt in drei ' Tu le: ein Notturno, ein Scherzo und ein Finale, -i-as anmutige zarte Notturno (Hörst du nicht die Quellen gehen) ist eui Stück echter Waldpoesie. Ihm folgt ein ^reizendes, hie und da fl i den Sommeriiachtstraum criniierndes Sckferzo (Bleib bei ims, , ter habeii den (Taiizplan im Tal^. Ein wuchtiges, mit iiiajcitatischeii j Tiompctenllängen einsetzendes Finale (©teig nur <3onnc, aus -< d 2 Höhen), toicbcnim ein Meisterwerk Rcgcrschcr Polyphoine
Prinz Ernst August später ein treuer Bund es fürst des Reiches iverden. Tie Versöhnung der beiden ruhmreichen Geschlechter der Hohenzollern und Welfen ist auf a le Fälle, welche Geschicke auch über das Reich hinziehen mögen, erfreulich. Was nützt es, darüber zu klagen, daß die Erinnerung an das Königreich Hannover noch nicht allenthalben vergessen worden ist'? Nur die Zeit heilt Wunden, und das Karlsruher Ereignis ist wohltuender Balsam gewesen. _____________________
Urregsmüdigkeit.
Noch immer bewsgien sich die Geschicke auf dem Kriegsschauplätze kaum Dom Flecke. Zu verwundern ist das nicht; nach dem entsetzlichen Kriegselend und unerhörten Anstrengungen würde der Friede auf beiden Seiten willkommen sein. Und doch sind die letzten dipbomabischen Ereignisse vergeblich gewesen. Heute stehen sich zwei amtliche Meldungen gegenüber, eine aus Konstantinopel und eine aus Sofia. Die Türken reden sich vor, die Lage in Konstantinopel sei für sie glänzend; die Bulgaren wollen die Stadt, in der Feuersbrünste ausgebrochen seien, auch neuerdings beschossen haben:
Konstantinopel, 14. Febr. (dlmtlidier Kriegsbericht.) Der gestrige Tag verlief ruhig für Adria nopel. An dec T s ch a t a l d s ch a l i n i e sind unsere Erkundungen durch Kolonnen eifrig tätig. Der Feind befestigte die nordöstlich von Akala gelegenen Höhen und will durch Artilleriefeuer die Bewegungen unserer Erkundungskolonnen verhindern. Eine unierer gemischten Llbtcilungen am linken Flügel rückte von Surgunköj vor und zwang den Feind, sich gegen HaratsdBsÄi-Tschistlik zurückzuziehen. Bei V u l a i r fiel nichts Bedeutendes vor.
Dem „Sabah" zufolge haben die Assumtionisten in Adriano p e l an die hiesigen Assumtionisten telegraphiert, die Stadt besitze noch Lebens niittel für acht Monate. Ter Sckwl- unlerricht werde fortgesetzt, und der ^Gesundheitszustand der Stadt sei ausgezeichnet. Es manaele bloß an Zucker, ^Wrnfcnm und Salz. Die Telegraphendirektton nehme außer der offiziellen Korrespondenz aud) private Funtentelegramme vis zu aausig Sorten an. Ein türkischer Offizier, meldet die „Sabah", weiter, habe seiner Familie funkeutelegraphisd) mckgeteilt, es seien Lebensmittel und Akunition im Ueberfluß vorhanden.
Sofia, 14. Febr. (Agence Bulgare.' Die Beschießung Adrianopels dauert fort; in einigen Stadtteilen siiid Feuersbrünste ausqebrod)en. Ein türkisches Detachem'ent ist mit den Waffen ins bulgarische Lager dertiert.
Auf den anderen Kriegsschauplätzen ist der gestrige Tag ruhig verlaufen, lieber die Landung der Türken bei Tscharkei werden folgende Einzelheiten gemeldet: Während die Schladw bei Bulair im Gange war, unternahmen die Türken zwei .ittlometer Von Tsdmrkoej eine Landung. Am 8. Februar brachten 40 Transportschiffe und zahlreiclfe Segelschiffe ein Landungskorps unter dem Schutze von sieben ober acht Panzerschisfen borthin. Es wurden ackt Bataillone gelandet: 15 000 bis 20000 Mann blieben auf ben Transportschiffen. Am Nachmittag schlossen die bulgrischen Truppen die drei Kolonnen die Flanken deS Feindes ein und zwangen ihn durch einen Bajonettangriff, zum Meer zurückzugehen. Auf dem Schlachtfeld wurden 1000 Tote aufgefunben. Tie Türken ließen eine 20 Meter lange Sdstffstreppe und neun Aluminiumspontons im Stich.
Die neutrale Zone in Adrianopel.
Paris, 14. Febr. Bezüglich des Planes der bulgarischen Regierung, den in A d r i a n o p e l eingeschlossenen Ausländern die Vorstadt Karagatsch als neutrale Zone anzuweiseu, wit^d hier darauf 'hiugewiesen, daß Kara- gatsch in dem 'gegenwärtig von den Bulgaren besetzten Bereich liege, baß es sich also um einen Auszug aus Adria-


