Ausgabe 
14.11.1913 Erstes Blatt
 
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Aeitag, H. November 1915

165. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

Liensljahr 1500 'JJtait Gehalt

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Die Unterzeichnung der türkisch-griechischen Zriedenrvertrager- Athen, 13. Nov. Der griechisch-türkische Friedensver» trag ist um Mitternacht unterzeichnet worden.

In der griechischen Kammer, deren Verhandlungen sehr zeitgemäß eröffnet worden sind, hat der König eine Botschaft verlesen, in der er seinem Volke und seinen Kämpfern dankt für däs erfolgreiche Werk bei den Balkanverwicklungen. Er

Londoner V ertrag, der, so hoffe ich, demnächst! durch den Vertrag von .'Athen verstärkt werden wird, hat den Großmächten die Bestimmung der Südgrenze des neuen Staates Manien und die endgiltige Regelung des SchickMs der Aega- iscben Inseln ntit Ausnahme Kretas übertragen. Ich hoffe, dal; bic" Lösung dieser Fragen raschest erfolgen und, indem sie die nationalen Bestrebungen der interessierten Völker so wert als möglich befriedigen wird, dazu beitragen wird, den Frieden int Orient noch mehr zu kräftigen.

Deutsches Reich.

1 Der Kaiser empfing am Donnerstag den Bischof von Limburg August Kilian. Dem Empfang wohnten der Kultus­minister und der Chef des Zivilkabinetts bei.

Eine Denkschrift über die Aivilversorgung der Militäranwärter wird dem Reichstage zugehen, in der Aufklärung über die Aussichten der Militäranwarter gegeben wird und die Klagen über die zu lange Wartezeit der Anwärter zerstreut werden. Die Einstellung.ist allerdings stellenweise schlep-

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In Bezug auf die Besoldung dcr V ol ks schull chrer hatte dem Ausschuß ein Antrag eines Mitgliedes vorgelcaen, ivelcher aber über die Regierungsvorlage hinaus .einen lährlrchen Kostew auswand von etwa 400 000 Mark verursachen würde Dieter An­trag wurde in Micksickt auf die hohen Slolten vom Ausschuß ab­gelehnt und folgende G e Hal t s s k a l a n JJJc J W

Die Neugestaltung

der hessischen Besoldungsvorlage.

Aus Darmstadt wird uns vom 13. November ge­schrieben :

Die Beratung der Beamten- und Lehrer-Besoldungs- Porlage der Regierung ist in der heutigen Sitzung des .Finanzausschusses der Zweiten Kammer endgültig zum Ab­schluß gekommen, sie hat die einstimmige Billigung der Aus- ffchutzmitglicdcr gefunden. Der Vorsitzende des Finanzaus- kschusses, Abg. Dr. Osann, hat uns über die neue Gestal­tung der Vorlage und deren Zustandekommen im Ausschuß folgende Mitteilungen gemacht:

Boranzustellen ist die Bestimmung der Besoldungsord« .iiintg, daß kein Beamter in den Dienstbezügen, die er seit irenr Inkrafttreten des Gesetzes hatte, verkürzt werden soll. 'Soweit hier Unterschiede vorhanden sind, werden den Be­amten diese solange gewährt, bis sie durch die Erhöhung in .den gesetzlichen Dienstbezügen ausgeglichen sind. Der von der Regierung vorgeschlagene Wohnungs g e l d z u s ch u ß hat als solcher eine Annahme im Ausschuß nicht gefunden. «Es ist vielmehr der Wohnungsgeldzuschuß, und zwar im .allgemeinen der ziveiten Klaffe des Negierungsvorschlags, rin deu Gehalt mit einbezogen worden; daneben, werden Ortszulagen für die Beamten mit dem Amtssitz in den Städten Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und- Gießen gewährt. Die Ortszulage, die nicht pensionsfähig ist, beträgt für Beamte der Gehaltsklassen 110 50 Mk., in den Gehaltsklaffen 1136 75 Mark und in den Gehalts- kl affen 3746 150 Mark.

Der Gehaltstarif ist wesentlich vereinfacht wor­den dadurch, daß eine Reihe von Beamtengruppen, welche toon der Regierung getrennt waren, vereinigt worden sind. Aian kam sonach von 81 verschiedenen Klassen des von der Regierung vvrgelogten Besoldungstarifs auf 51, und durch diese neue Klassifizierung wurden die Gehälter in »manchen Klaffen gegenüber der R e g ier ung s vo r^ tage erhöht; insbesondere trifft dies bei den unteren Beamtenklassen zu. Bei den mittleren Beamten sind außer den von der Regierung vorgeschlagenen gehobenen -Stellen 10 weitere vorgesehen, unter ihnen sieben bei der Oberrechnungskammer. Die sog. akademischen Lokal- beamten sind, einem langjährigen Wunsche entsprechend, untereinander sämtlich gleichgestellt worden. Nur sind für die Dienstaufsicht führenden Amtsrichter in den Städten Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und Gießen je 500 Mark, sodann für die Dienstaufsicht führenden Amtsrichter bei solchen Orten mit mehr als zwei Amtsrichtern j-e 400 Mark, für die übrigen Aufsicht führenden Richter je 300 'Mark nick)t pensionsfähige Stellenzulagen vorgesehen. In ähnlicher Weise sind die Vorstände der Finanzämter Darm- stadt I, Mainz I und Offenbach mit je 500 Mark, Worms und Gießen mit je 300 Mark nicht pensionsfähigen Stel­lenzulagen versehen worden. Dagegen wurde der Antrag der Regierung, den Posten von Amtsgerichtsdirektoren in Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und Gießen cin- zurichten, nicht zum Beschluß erhoben.

Es ist nicht möglich, an dieser Stelle alle Bemnlenlategoricn int einzelnen zu erwähnen; dies muß dem Tarif überlaßen bleiben. Nur einige davon seien hier hervorgehoben: Die Schuldicner sind nach dem neuen Tarif untereinander gleichgestellt und erhalten

1600 bis 1950 Mark Gehalt. Ebensoviel sollen die Landgestüts- diencr und desgleichen die Brückenwärler beziehen, bei welchen aber für Brückenmärter an den Ueberfahrtsstellen an Stelle der < Nebenbezüge eine feste Vergütung von 300 Mark tritt. Damm­wärter und Forstwarte sind auf 1600 bis 2270 Mark, plus 70 Mk. Bekleidungsgeld, gefonmren, Aufseher und Wärter von Straf­anstalten auf 1750 bis 2250 Mark, ebenso Kreisdiencr und Amts gcrichtsdiencr an festem Gehalt, in welchem die Gebühren von 200 Mk. für die ersten und von 500 Mk. eingerechnet werden. An­gestellte Schreibgehilfen, deren Zahl auf 227 erhöht wurde, er­halten 1800 bis 2250 Mark. Gendarmen und Gendarmerre- Wachtmeister kommen auf 1800 bis 2250 Mark mit den bisherigen Nebenbezügen; Steueraufseher erhalten ebenfalls 1800 bis 2250 Mark. Die Bczirksstcucraufseher und die Auffeher bei den Hanpt- steuerämtcrn sollen nach 15 Dienstjahren eine pensionsfähige Zu­lage von 200 Mk. erhalten. Die Probatoren bei der Oberrcchnungs- kammer kommen auf 2300 bis 3200 Mark, die Gendarmerie-Ober­wachtmeister auf 2700 bis 3200 Mark Mit den fcitherigcn Nebcn- bezügen, die Hilfsgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern und die Registratoren bei den Amtsgerichten auf 2100 bis 3300 Mark, die Psandmeister auf einen Höchstgehalt von 3300 Mark. Die Kanzlisten bei den Ministerien und der Oberrechnungskammer stellen sich auf 2600 bis 3400 Mark: es bleibt aber den im Amt befindlichen Kanzlisten der bisher etwa günstigere Gehalt und die Aufrückungssrist gewährleistet. Kültnrtcchniker und Hochbauaiis- scher kommen auf 2500 bis 4100 Mark, Kreisamtsgehilfen, Aktua- riatsassistenten auf 2500 bis 4100 Mark, die Reallehrer an den höheren Lehranstalten,ckuf 2400 bis 4700 Mark; außerdem er­halten die Lehrer an der Taubstummen- und der Blindenanstalt, sowie der Anstalt für Blödsinnige eine Zulage,von 200 Mark. Die mittleren Beamten, Kreisamtsbureauvorsteher, Gerichts­schreiber, Buchhalter bei der Hauptstaatskasse, Bezirkslassierer, Kreisgeometer und ähnliche Beaurte erhalten 2500 bis 4800 Mark; den Gerichtsschreibern wird ein Diensteinkommen von 300 Mark als Nebenbezug garantiert; die Bezirkskassimer in Darmstadt, Mainz I und II, Offenbach, Worms und Gießen I (aber erst nach Vereinigung der Aemter in Gießen) erhalten je 200 Mark Stellenzulage. Die gehobenen mittleren Beamten kommen auf 3400 bis 5400 Mark, die außerordentlichen Profes­soren an den Hochschulen auf 3500 bis 6150 Mark. Tic aka­demischen Beamten, welche wie schon erwähnt, untereinander gleich­gestellt sind, erhalten 3400 bis 7400 Mark; auch hier sind die Zu­lagen der Dienstaufsicht führenden Richter, wie auch der Vorstände der Finanzämter, bereits oben behandelt. Die ordentlichen Professoren der Landesuniversität kommen auf 5500 bis 8100 Mark, die Tirefforrn der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen auf 7000 bis 8300 Mark, die Steidräte auf 7000 bis 8600 Mark, ebenso die Oberlandesgerichtsräte und die Direktoren der Landgerichte. Die Provinzialdirektoren erhalten 8700 bis 10 500 Mark, den Provinzialdirektoren in Darmstadt und Greßen wird eine Repräsentationszulage von 1000 Mark bewilligt. Die Räte in den Ministerien beziehen 9000 bis 11000 Mark. Die Gehalte der Minister werden von 12 000 auf 15 000 Mark erhöht nebst den bisherigen Ncbrnbezügen. Wie bereits bemerkt, kann eine vollständige Wiedergabe der Klassi­fizierung hier nicht erfolgen, weil der Raum dafür nicht vor­handen ist.

Für die D i e n st w o h n u n g werden entrichtet und am Ge­halt abgezogen für die Beamten in Klasse 110 250 Mark, in Klasse 1123 300 Mark, in Klasse 2436 400 Mark, in Klasse 3740 550 Mark, in Klasse 4146 750 Mark und von Klasse 47 ab 1000 Mark. Diese Sätze enffprechen den Wohnungsgeldzuschüssen der Beamten ohne Tiensttvohnung in den eben angeführten Klassen. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die vorstehen­den Bezüge den pensionsfähigen Gehalt der Beamten be­deuten. Hinzukommendie Ortszulagen von 50, 75 oder 150 Mark in den größeren Städten, wie sie bereits oben mitgeteilt sind. D i e Pension der.Beamten soll auf 85 Proz. ermäßigt, dagegen das Witwengeld gegen seither 30 aus 35 Proz. erhöht werden; für die Beamten, welche sich eine höhere Pension verdient haben, soll die höhere Bension auch ferner in An­satz kommen.

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Die vorstehende neue Gehaltsskala für die Volksschullehrer wird gegenüber der Regierungsvorlage einen Mehraufwand von etroa 160 000 Mark erfordern. Der Finanzaus ckmß beschloß werter, bei der Pensionierung die Wohnung der Lehrer mit. o00 Mart ^anstatt bisher 400 Mark) in Ansatz zu bringen. Ferner wurde bestimmt, daß die Gehalte der Volksschullehrer dem Staat gegen­über nur insoweit zu einem Anspruch auf Pension berechtigen. sollen, als sie den Betrag von 4300 Mark nicht übersteigen.

Soweit der offizielle Ausschußbericht. Mau wird ge­wiß im ,ganzen Hessenlande erleichtert aufatmen, daß cs dem Finanzausschuß endßfl) na.ch monatelangen, mühevol­len Verhandlungen gelungen ist, das große Implizierte Werl der Bcsoldungsresorm glücklich zuin Abschluß zu bringen und einstimmig zu einer Einigung darüber zu ge­langen. Das konnte nur erreicht werden durch rastlofe Ar­beit und gegenseitige Konz-essionen der verschiedenen Partei­vertreter und man darf wohl hoffen, daß die nun vorliegen­den Ergebnisse der Beratung im allgemeinen auch die be­rechtigten Anstände der Beamten und Lehrer befriedigen und deren Beifall finden werden

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Form gibt. Auf einem dauerhaften Scherengerüst, das oben durch gebogene Stäbe zusamüreng eh alten wird, wird ein Filztuch auf­gehängt, das int Winter noch mit DZassser übergossen wird. Der

Lorschungrreise nach Pamir, ausgeführt im Auftrag des Gießener Museums für Völkerkunde.

.Bon Dr. M. von Schultz -Hamburg.

Während sich die Tätigkeit der meisten deutschenGesell^ schaffen für Erd- und Völkerkunde" darauf beschränkt, einem größeren Kreis von Interessenten die neuesten Ergebnisse der geogrophisckzen Forschung zu vermitteln, sowie den Mitgliedern Sie Frück te andauernder Bemühungen zur Erfoffchung der engeren Heimat in Vereinsveröffentlichungen in die Hand zu geben, ist es nur ganz wenigen Vereinen möglich, sich an der Wissenschaft lichcn Arbeit selbst zu beteiligen durch Ausrüsten und Aus­senden von Erpeditronen/ Dazu gehören eben Mittal, deren Höhe die Leistungsfähigkeff der meisten Vereine weit übersteigt. Wenn die GießenerGesellsck)ast für Erd- und Völkerkunde" am gestrigen Abend demnach in der Lage war, einen Bericht über eine For- fschimgsreise entgegenzunehmen, die von Gießen aus Anregung und Mittel zur Durchführung erhalten hatte, so verdankte sie es L»er Freigebigkeit des Begründers vom Gießener Museum für Völkerkunde, Geh. Kommerzienrat Dr. W. Gail. Don diesem -mit einem größeren Geldbetkrag ausgerüstet, konnte die Reise in den Jahren 1911 und 1912 sich der Erforschung des Pamirs 'zuwenden, geführt von einem Kenner der in Bett acht kommenden Gebiete, Dr. A. von Schultz.

Ter Pamtt bildet das Biirdeglied zwischen Europa und Asien, den riesigen Wächter des Dores, durch das schon von ältester Zeit her die Völkerwogen von Osten nach Westen geflutet sind. Vermöge seiner Höhe und seiner unwirtlichen Gliederung bot der Gebirgsstock den bedrängten Ureinwohnern rettende Zuffuckff, so daß sie sich (Ifjer in ihrer Ursprünglichkeit und rassenrein bis auf unsere Tage erhalten konnten. Das etwa 100 000 Qua­dratkilometer umfassende Gebiet beherbergt beute ungefähr 30 000 Arier und einige Tausend Mongolen. Das Pamigebirge ist ein jugendliches Faltengebirge, dessen Aeuheres durch mancherler tek­tonische Ursachen eigenartige Formen angenommen hat. Tief eingefdwittcre Erosivnstaler und mäckwige Gletscherbildung geben dem Lager feinen Charakter. Gewaltige Schuttmoränen füllen

auf der andern Seite Täger 511 gewinnen. Die steigenden Fluten hatten aber die Bewohner zur Flucht gezwungen; nur die kraffig­sten und damit zum Trägerdienst geeignetsten Leute hatten noch ausgeharrt und konnten nun in den Dienst der Reisegesellschaffl treten. Bei einer Kälte, die das Quecksilber gefrieren ließ, also etwa von 40 Grad, wurde der Uebergang über die Steil abhänge ins Werk gesetzt. Die Wassermasseit tn?s Tales wirkten als Wärme­speicher und sandten andauenrd >Wolkenschleier empor, die die Hänge vereisten und ungefähr alle Stunde in einem dichten Schneegestöber niedergingen. Ottir durch fortgesetztes Stufenschla­gen war ein Uebersckreiten der Eishange durchführbar. Ilm den Sckutttiegel selbst, unter dem ein ganzes Dorf mit seinen 150 Ein­wohnern verschüttet war, zu übersteigen, war cht ganzer Tag notwendig, ttotzdenr feine Ausdehnung nur 4 Kilometer betrug.

Der Zentral-Pamir, eine Fortsetzung Tibets, sindet seine höchste Grhebrmg in dem Massiv des Mustagata. Auch hier macht sich bei der Formenbildung die Eiwvirkrmg ehemaliger Ver­gletscherung fühlbar, doch besteht ein auffallender Gegensatz zum Westen. Während die Randgebiete scharfe Dämme bilden, ist im Innern des Pamirs alles verschwommen, die Umrisse verwaschen. Die Täler sind breiter, von fteUaufragenben Zinnen überhöht. Infolge der starken steinespaltenden Frostwirkung rieseln von den Abhängen unablässig Schuttmassen zutal, die als sogen. Wanderschutt" von dem Wasser fortbewegt werden. Trümmer- massen bedecken den ganzen Talboden, nur dem allerspärlichsten Pfianzen»vuck>5 Raum gewährend. Pferde sind bis etwa 5000 Mtt. Höhe noch brauchbar, wenn sie nicht mit Gepäck beladen werden. Zur Beförderung wird daher der Vak lGrunzochse) benutzt. Auch das zweihöckerige Kamel wird bis zu einer Höhe von 5000 Mtr. noch als Lasttier verwandt.

An Menschen finden sich lim Zenttal-Pamjr nur nomadi­sierende Mongolen, die sich ungewöhnlich rassenrein gehalten haben, wenn auch hrer und da einmal der Einschlag türkischen oder fe- mitischen Blutes unverkennbar ist. Mtt ihven Ziegen und Schafen ziehen sie von einem Hochtal zum andern. An die kriegerischci Ver­gangenheit der Kirgisen erinnert das ZusamMensttömen der männ­lichen Bewohner, wenn sich irgendwo etwas Außergewöhnliches er­eignet, wie z. B. die Ankunft eines Fremden. Auf ihren kleinen, ausdauernden Pferden kommen sie au3 einer Eittfemung von 100 und mehr Kilometern zusammen, um die Ankömmlinge anzustau­nen. Reiterspiele und ein Wettrennen beschließen gewöhnlich den denkwürdigen Tag. Während die' Mrsäffigen Arier im Westen in LehmhüLde wohnen, begnügt sich der Nomade des Ostens mit einem Zelt, dem er Iwegen der Gewalt der Stürme eine runde

die Hochtäler. . , . . _

Inr Februar 1911 führte ein heftiges Erdbeben zum Einsturz eines Berg Hangs, der von einem Fluß unterhöhlt War, fo daß das ganze Tal aftgefoerrt jüurbe, die Wassevmvssen zu einem feeartigen Becken ausstauend. Die Reisenden Mußten dieses Ueber- -schwemmungsgebiet passieren und den Schuttriegel übersteigen. Von der Sckfwierigkeit des Weges erhält man einen Begriff, wenn man bedenkt, daß zu einem Weg von 20 Klm. Luftlinie 6 Tage gebraucht wurden. Mitten im Winter wurde das über- ------------..... ---------

schwemmte Tal auf Eisschollen überschrfften, jun. in einem Dorfe^ eingedrungene MuHamedaniKmus hat die vorherrschende Natur­

religion nicht völlig zu verdrängen vermocht. Der Geisterglaube ist noch allgemeffi verbreitet und Hübet in der Verehrung heiliger Steine und in den Teufelsmasken sinnfälligen Ausdruck. Der Acker­bau wird noch mit Idem einfachsten Gerät der indogermanischen! Völker, dem Holzpflug, ausgeült. Lange und kunstvolle Wasser­leitungen sorgen für Ersatz der natürlichen Bewässerung. Auch das Drescheii des Oletteides wird noch in der Urform besorgt, indem ancinant>ergebunbenc Ochsen und Esel im Kreise auf den Garben umhergetrieben werden. Zum Schutze des Getteides gegen die massenhaft vor ko mm enden Sperlinge werden kleine Stein­türme in den Felbern errichtet, von denen auä der Wächter durch Steinwürfe die ungebetenen Gäste verscheucht.

Die verkehrstecknischen Schwierigkeiten werden oft auf eine staunen erregende Weise überwunden. Zum Ueberschreiten der Flüffe und Seen bienen Floße, die aus aufgeblasenen Ziegenhäuten be­stehen, welck' durch ein Gerüste von Stangen zusammengehalten werden. Brücken aus Baumstämmen, die mit Weidenzweigen zu- sammengebnnden sind, überspannen die schwierigsten Flußläiife. Ganz besonders bewunderungswert aber sind die Leitern, ja ganze Systeme von Leitern, mit deren Hilfe allein ein Besteigen der glatten und steilen Felsübergänge möglich gemacht wird.

Gute LickHilder veranschaulichten den Borttag. Das Material selbst im Museum für Völkerkunde am Lanbgraf-Philipv-Platz aufgestellt. Dort bietet fick) am nächsten Sonntag von 11 bis 1 Ühr Gelegenheit, unter sachkundiger Führung die Neuerwer­bungen zu besichttgen, die in diesem und dem Vorttag von Koch- Grünberg erwähnt wurden.

Die Freilegung der Bastionen des Heidel- berget Schlosses. Ms Heidelberg wird uns geschrieben: In einem Vortrag in der Universitätsaüla machte der bekannte Kunstgelehrte Professor Dr. Karl Neumann einen Aufsehen er­regenden Vorschlag hinsichtlich des 'Heidelberger Schlosses. Er wies auf die mächtigen Bastionen hin, die dem Schlosse an der Stadtseite vorgelagert sind, die aber so vom Bergwald übemnicfcr! würden und unter den Bäumen versteckt liegen, daß nur wenige von ihrer Existenz eine Ahnung haben. Es handelt sich um die Karlsschanze unter dem Zeughause, die Norbbatterie unter­halb des Altans und die Bastton am Fuße des dicken Turmes. Von diesen Bastionen sind bis auf die Eckbastton, die beim Ein­sturz des dicken Türmes zerstört wurde, noch sehr bedeutende Stücke vorhanden. Die Linie dieser Basttonen muß wiedm iickü- bar gemacht werden, was eine gewaltige Beßerung des ^chloß- bildes bedeuten würde. Das Schloß würde, wenn die Baülons- [inie freigelegt ist, einen Sockel erhalten, der bis übt fehlt, -ite Schloßruine ragt heute aus einem grünen Meer von Baumkronen heraus. Aber sie ist nicht in dem Maße Rume, daß es gleich- gülttg wäre, wie ihr Bild umrahmt wffd. Würde man die Sockel