Ausgabe 
18.8.1913 Erstes Blatt
 
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frag c triefet stark in den Vordergrund rifricn. Den Beschwerden ^Bu^aricns wegen der türkischen Wiederbesetzung von Adrianopel scheint kein Erfolg bei den europäischen Kabinetten zu blühen. Die Ueberschreitung der Maritza durch die Türken ist der nachte kFrredensbruch. Schon als vor etwa 8 Tagen die Nach- -richt ein traf, daß die Türken die Ortschaft Sosli am rechtien Marrtzauscr besetzt hätten, ist hier auf die Unzweckmäßigkeit dieses Verftrhrens hingewiescn worden. Inzwischen sind die Türken noch 'weiter nach Westen marschiert. Dieser Marsch liegt, wie immer er von der Militärpartei begründet und von der Zivilregierung entschuldigt wird, keineswegs im Interesse des osmanischen Reiches. Er Zwingt t>:c Kabinette und die öffentliche Meinung gegen die Türkei, für die Bulgaren Partei zu ergreifen. IDer Uebermut der Militärpartei ist daher bedauerlicherweise nur ge­eignet, die Positionen der Türkei zu schwächen.

Sofia, 18. Ang. Ter Kaiser von Rußland rich­tete an den König Ferdinand aus Anlaß des Jahrestages seiner Thronbesteigung eine herzliche Glück w un s ch- dep e s ch e.

Ein Rncktrittsgesuch d6s Grafen Berchtold.

DieVossische Zeitung läßt sich aus Wien melden: Die Demission des Grafen Berchtold istnichtanbenom- men worden. In einer dreiviertelstündigen Audienz beim Kaiser in Ischl habe Graf Berchtold seine Demission an­geboten.

DerLokatanzeiger" erfährt dagegen in Berlin: In hiesigen unterrichteten Kreisen liegt keinerlei Bestä­tigung des Wiener Gerüchtes über einen Rücktritt des Grafen Berchtold vor. Graf Berchtold teilt das Schicksal aller verdienten Staatsmänner. Man vergißt völlig, welche j Dienste er der österreichisch-ungarischen Monarchie an der Spitze der Auswärtigen Geschäfte geleistet hat. Gerade vom Standpunkt der Dreibundpolitik, als deren treuester Anhänger sich Graf Berchtold stets bestätigte, ist es erfreulich, daß mit einem Rücktritt des Grafen Berchtold zurzeit nicht zu rechnen ist.

Der Kaiser in Homburg.

Homburg, 18. Aug. Der Kaiser hörte gestern den Vortrag des Vertreters" des Auswärtigen Amts Gesandten v. Treutler. Heute vormittag nahm das Kaiserpaar am Gottesdienst in der Erlöserkirche teil. Zur Frühstückstafel toaren Herzog Alexander von Oldenburg, Prinz Albert von Schleswig-Holstein und Pfarrer Holzhausen geladen.

Ter österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeni-Mariach mit den .Herren der Botschaft ist heute abend hier eingetrosfen und hat in Ritters Park­hotel Wohnung genommen.

Bebels Begräbnis.

Zürich, 17. Aug. Bei prächtigem Sommerwetter fand heute die Leichenfeier von August Bebel statt. Um 2 Uhr setzte sich der Trauerzug in Bewegung, das Musikkorps an der Spitze. Weiter hinten folgten 200 Kranzträger und zwei mit Kränzen hochbeladene Wagen. Der Sarg war reich mit Kränzen geschmückt. &n 14 Wagen folgten bi_e Familie Bebels und die näheren Au- perwaudten; daran schlossen sich eine Abordnung, darunter der Vorstand der deutschen sozialdemokratischen .Partei, zahlreiche Mitglieder der Reichstagsftaktion und eine lAbordnung des Ständerates von Zürich. Es folgten mit mehr als 200 Fahnen Vereine aus Zürich und der ganzen Schweiz, Olles in allem etwa 9 00 0 bis 10 000 Personen. Ter Weg war auf beiden Seiten von einer dichten Menge besetzt. Auf dem Friedhöfe sprachen von den Abordnungen u. a.: Die Reichs- Kagsabgeordneten Molkenbuhr, Fischer, Legien, ferner Greulich, .Mira Zetkien, van der Velde-Brüssel, Viktor .Adler-Wien und Trölstra-Amsterdam. Zum Schluß fand eine von 1000 Personen chefuchtc Trauerversammlung auf der Rothwand-Wiese statt, die mit der Ärbeitermarseillaise endete.

Deutsches Resch»

Die Reform des Strafrechts.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Am 18. August beginnt der letzte Sitzungsabschnitt des Strafrechtsausschusses. Die Arbei- 6eiten sollen mit allem Nachdruck weiter gefördert werden. Man hofft, daß der Schluß der Sitzungen Ende Oktober erfolgen kann, worauf dann die Auflösung des Strafrechtsausschusses zu gewärti­gen ist. Zur Aufstellung eines endgültigen Strafgesetzbuchentwurfs wird voraussichtlich ein kleinerer Ausschuß berufen werden, dem nur Vertreter der beteiligten Dienststellen angehören, nicht aber auch außerhalb der beteiligten Ressorts und Ministerien stehende fachgelehrte Juristen.

Gegen bic französische Fremdenlegion!

Eine am gestrigen Sonntag von etwa 40 Fremdenlegionären .besuchte Versammlung in Köln beschloß, im nächsten Mo­nat große Kundgebungen gegen den Eintritt in die "Fremdenlegion Uu veranstalten. Zu den Versammlungen sollen namentlich die mili­tärpflichtigen jungen Leute eingeladen werden, um sie vor dem Ein- . tritt in die französische Fremdenlegion zu warnen und sie mit bin Greueltaten, den Entbehrungen und den Widerwärtigkeiten in der Legion bekannt zu machen.

sprachen hat, hören könnten, so würden sie gewiß von ihrem Irrtum überzeugt sein, und nicht zögern, ihn gut zu machen. Ich glaube immerhin, daß Ihnen die vollkommene Schlicht­heit und Ehrlichkeit meines Zeugnisses genügen wird."

Das Ende der Hutnadel. Wie lange und heiß ist tim die Hutnadel gestritten worden! Poliz-eiverbotc mußten gegen die gefährlichen Spitzen erlassen werden, die nicht nur in den Händen wutschnaubender Frauen ab und zu, sondern auch in ihrer drohenden Stellung am Hut eine gefährliche Waffe bildeten. Auch die Damen selbst klagten darüber, daß sie sich mit diesen langen Dingern die schönsten Kopfzierden zerstörten. Tas soll nun alles ein Ende haben. Bon England aus wird das Ende der Hutnadel proklamiert. An iljre Stelle tritt ein ebenso harmloser wie anmutiger Gegenstand: das Kinnband, das den Hut nicht > minder festkält, aber in weniger provozierender Weise. Es ist begreiflich, daß die neue Mode der Hutbänder gerade in England die begeistertsten Anhänger findet, denn hier 'hat man auch schon früher, besonders zur Zeit jener Moden, die nach der bekannten Zeichnerin Kate Greenwap ihren Namen haben, das Kinnband aus dem Reich der Kinderwelt in das Kostüm der Großen emporgehoben. Nunmehr, da die großen Schuten, die Hauben und Hüte aus Großmutters Truhe 'wieder modern werden, tritt auch anstelle der kalten spitzen Hutnadeln das liebliche breite Band mit der koketten Schleife in feine Rechte. Eine Fülle eleganter und kleidsamer Formen bietet sich der Mode­dame bar Die Samtbänder sinb in Schwarz oder auch in starken Farben, wie Purpur und .Hellblau, gehalten: sie werden mit dem einen Ende an den .Hut angenäht, und bann vermittelst eines Dropfts und einer kleinen elastischen Schleife an dem anderen Ende des Hutes befestigt. Am besten eignen sich für das Kinn­band Hüte mit weichem Kopf und breitem Tüllrand, wie sie jetzt so modern.sind, der Matrosenhut mit Samtkopf und schwarzen Tüllrüschen, der rate Samthut, mit farbigem Bande garniert. Daneben tauchen bereits Formen auf, bic, wie in der Blütezeit der Jncroyables, die Mitte halten zwischen einer Babymütze und einem Lanrpenschirm, und bald werden wir wohl im Zusamm«mhang mit bem Kinnband die Fülle jener grotesken und «originellen Formen begrüßen dürfen, die der Befestigung selbst durch die größte und sAtzeste Hutnadel widerstrebten.

Ans StaM und Land-

Gießen, 18. August 1913.

T r i n k e r f ü r s o r g e st e l l e für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Aslerweg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 6'/,8 Uhr.

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** Das Großherzoglich Hessische Regierungs­blatt, Beilage Nr. 17, enthält: 1. Verzeichnis der Vorlesungen, Uebungen und Prakttka, welche im Wintersemester 1913/14 in den sechs Fachabteilungen der Großherzoglichen Technifchen Hochschule zu Darmstadt abgehalten werden. 2. lieber sicht der von Groß- herzodlickwm Ministerium des Innern genehmigten Umlagen des israelitischen Friedhofverbandes Dalsheim im Kreise Worms für 1913. 3. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern.für das Rechnungsjahr 1913 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der israeli­tischen Religionsgemeinden des Kreises Büdingen. 4. Ueber­sicht der für das Jahr 1913 (Rj) genehmigten Umlagen zür Be­streitung der Bedürfnisse der israelittschen Religionsgemeinden des Kreises Alzey. 5. Berichtigung.

** Neue Sonntagsfahrkarten? Die Eisenbahn­direktion Frankfurt a. M. stellt zurzeit Erhebungen an wegen Einführung vou Sonntagsfahrkarten auf derSolms- bachtal-Bahn, Strecke GrävenwiesbachAbshausen Wetzlar.

*' EinOchsenfest" für unsere Soldaten. Es war ein schönes Bild des Soldatenlebens, welches uns am Samstag mittag auf dem Hinteren Trieb am Eulenkopf ge­boten wurde. Das Regiment war in der Nacht vom Freitag zu in Samstag zwischen 2 und 3 Uhr ausgerückt zu einer sogenannten Vormanöoerübung und sollte nach Rückkehr am Rande der Garnisonsgemarkung auf freiem Felde Biwak beziehen und abkochen. Zwischen 11 und 12 Uhr kamen die Truppen trotz der Anstrengung des Nachtmanövers im strammen Schritt angerückt. Die Gewehre wurden zusammen­gesetzt und es begann die Verteilung von Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln usw. Auch für den Durst war gesorgt und das nötige Holz für das Feuer war bereit. In kaum 10 Minuten waren die Mannschaften mit dem zu einem Mittagessen Nötigen versorgt. Ueberall flammten die Kochfeuer auf, und geschickt begannen die Mannschaften die Zurüstungen trotz der recht primitiven Einrichtungen. Als Feuerstätte diente ein eiligst im Erdboden hergestelltes Loch, das nach einer Seite, um dem Feuer Luft zuzuführen, offen war. Mit einer Geschick­lichkeit, auf die jede Köchin stolz sein könnte, wurden Kar­toffeln geschält, sauber gewaschen. Wir sahen, wie das Ochsenfleisch in Würfeln zu Gulasch geschnitten wurde. Andere Mannschaften bereiteten sich einen Ochsenbraten mit Kar­toffeln. Doch wurde auch Bouillon gekocht, und zwar wurde die Kochkunst nur in den Feldkesseln getrieben, die jeder einzelne Mann mit zur Stelle gebracht hatte und die einfach über Knüppel am prasselnden Feuer hingen. Bei diesem Treiben schaute der Himmel mit lachendem Gesicht drein, die Militärkapelle ließ ihre Weisen ertönen, und zahl­reiche Zivilisten fanden sich ein und verfolgten mit Interesse das Leben und Treiben des Krieges im Frieden.

** Die Gieß euer Affäre Rosenthal. In unferm Blatt vorn 14. August berichteten wir von dem Betrug des Rosenthal, begangen zum Nachteile einer Wirts-- witwe. Bon unterrichteter Seite wird uns hierzu mitgeteilt:

Rosenthal hat den Betrag von 11 500 Mark, den er als Depot" haben wollte, unter Hingabe von angeblichen Garantien unter anderin eines vollständig wertlosen Schuldscheines; der Schuldner verfügte über keinen Pfennig Vermögen, er war in Konkurs und unter der Beteuerung, er wisse daß geschrieben stünde, daß man keine Witwe betrügen dürfe, seine Schwiegermutter sei selbst eine Witwe, erhalten.

Nachdem die Wirtswitme von den zerrütteten Vermögens­verhältnissen und von dest anderseits verübten Betrügereien Kenntnis erlangt hatte, suchte sie naturgemäß ihr Geld ivieder zurückzuerhalten. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit Rosenthal über die Zahlungen, die ratenweise erfolgen sollten, und die Beibringung von evtl. Bürgen zogen sich über eine Woche hin. Von einerungestümen Zurückvcrlangung der Papiere" kann daher keine Rede sein. Ebensowenig von der behaupteten angeblichen Drohung, denn es ist naturgemäß und allzu selbstverständlich, daß der Vertreter der Wirtswitwe angesichts der Sachlage nicht nur berechtigt, sondern auch vervflichtet war, zur Wahrung der Rechte der Gläubigerin einen derartigen Schuldner aus das strafrechtliche und moralisch verworiene Tun hinzumcisen.

Nicht dies angeblichescharfe Vorgehen" dies war der Schuldner seit langer Zeit schon gewöhnt (siehe Gerichtszeitungi und ließ ihn auch kalt nicht diese angebliche Drohung haben den Schuldner indie Enge getrieben und ihn zur Flucht veran­laßt", solidem seine Kenntiiisl,ahme, daß seine übrigen Betrügereien und Manipulationen größtenteils durchgesickert seien und wohl über kurz oder lang unbedingt zur Kenntnisliahme der zuständigen Strafbehörde kommen müßte.

** Der Ausb rech er Stephen Will, der sich aus dem Provinzialarresthau.se selbst Urlaub genommen hatte, um eine Fahrt an den Rhein zu unternehmen, den man aber in Koblenz festgehalten hat, ist am Freitag nach­mittag in der Ost-Anlage wieder eingetroffen. Man hatte, so schreibt uns einer unserer Mitarbettev, dem gefährlichen Menschen, um feiner sicher zu sein, sofort nach seiner Ein­lieferung Fesseln angelegt, aber zum Erstaunen der Gefängnisbeamten hatte sich der Mensch in ganz ku rzer Zeit der Fesseln entledigt. Erneut noch schärfer ge­fesselt, glaubte man sich wegen des Menschen nicht mehr beunruhigen zu sollen. Aber nach kaum einer halben Stunde pfiff Will die MelodieFrei ist d-er Bursch" und ging dabei stolz wie ein Spanier ohne Fesseln in seiner Zelle auf und ab. Ter Wärter traute seinen Augen nicht, und als er den Will frug, wie er es denn fertig bringe, die festen Bande zu lösen, dla meinte er, das fei eine Kleinigkeit, man müsse dies nur verstehen. Auch eine dritte, erneute Fesselung war vergeblich. Will streifte die schwersten Ketten ab, als to-enn es gar nichts wäre. Ter Beamte der Staatsanwaltschaft, dem man von diesem noch nie dagewesenen Vorfall Meldung erstattete, war nicht wenig überrascht und meinte mit Recht, den Men­schen könne man ja für Geld sehen lassen. Er ordnete eine besondere Bewachung des Gefangenen bei Tag und Nacht an und erbat von der Zellen st rafan st alt Butz­bach eine besonders schwere und komplizierte Fesselung für den Gefangenen, aus der sich W. sicher nicht zu losen imstande ist. Wie der Ausbrecher, der ganz ohne Mittel war, so schnell nach Koblenz gekommen ist, darüber verweigerte er bei feiner Vernehmung jede Aus­kunft. Auch darüber, wie es ihm möglich war, beim Ver­lassen des Provmzralarrefthauses die verschiedenen schweren Schlösser zu öffnen, erklärte er sich nicht äußern zu wölben Humorvoll meinte Will, er werde doch nicht so dumm sein, das zu verraten, denn er werde wieder versuchen ins Freie zu kommen. Er könne jedes noch so feste Kunst- schloß öffnen, und es wäre ihm ein Leichtes gewesen, in jener Nacht, als er die gastliche Stätte an der Ost-Arttage verlassen hat, noch wettere Zellentüren zu öffnen, um auch

anderen Gefangenen zur Freiheit zu verhelfen; er habe dies aber unterlassen, weil ihn die Mitgefangenen nichts an- gingen. Will hat bis zu seiner Aburteilung (Ende des Monats) in Untersuchungshaft ^ub ring en. Man wird den gefährlichen Verbrecher jetzt strenger hüten. Uebrigens trifft feinen der Beamten ein Verschulden für die Flucht des Will. Tas Provinzialarresthaus, das, abgesehen von kurzfristig zu Strafe verurteilten Uebeltätem, nur zur Unterbringung von Untersuchungsgefangenen dient, ist für solch geschulte Vögel wie Will nicht berechnet.

** Keine schlechten Zeiten. Tie Klagen über schlechte Zeiten, zunehmende Teuerung, scheinen nicht zuzu­treffen; denn sonst könnten die Stempelabgaben für Ver­gnügungen bei den Kreisämtern und in den Städten Darmstadt, Bensheim, Offenbach, Gießen, Bad-Nauheim, Friedberg, Mainz, Alzey, Bingen und Worms nicht von Jahr zu Jahr beträchtlich steigen. So stiegen bei den Kreis- Ämtern die Einnahmen für Singspiele und Schaustellungen von 18 859 Mk. in 1910 auf 26 292 in 1912, die für Tanz- beluftigungen auf Kirchweihen von 73 005 Mk. auf 76 891 Mark, die für sonstige Tanzbelusttgungen von 113 712 Mk. auf 125 815 Mk. In den genannten Städten stiegen die Ein­nahmen für Singspiele und Schaustellungen von 10 041 auf 25 914 Mk. und die für Tanzbelusttgungen von 41649 auf 48 029 Mk. Insgesamt stiegen von 1910 bis 1912 die Ein­nahmen für Lustbarkeiten im Großherzogtum Hessen von 157 266 auf 202 941 Mk. ober um runo 25 Proz.

** Gesangs wett st reit. Welche Opfer die Ge­sangswettstreite an die Gesangvereine und Sänger stellen, hat ein Sänger eines wettstreitlusttgen Vereins aus dem Kreise Gießen berechnet. Tie vielen Gesangs­stunden stellten an die Kasse des Vereins große Anforde­rungen. Tie Singstunden werden in Wirtssälen abgehalten, der Wirt sieht darauf, daß. auch etwas verzehrt wird. Die Reise zum Wettsttett kostet wiederum Geld, ein neuer Anzug, ein neuer Hut war erforderlich. In besagtem Verein ent­fallen auf den einzelnen Sänger Geldausgaben von 40 bis 50 Mk. für einen Wettstreit, bei 40 Sängern sind das rund 2000 Mk. Im günstigen Falle erhält man dann einen Preis Don 100 bis 200 Mk., die meisten Vereine gehen natürlich leer aus. Das sind unerfreuliche Erscheinungen der Wett­streite.

stiller und stiller wird es in den nächsten Tagen in unserer Stadt. Die höheren Schulen und die Vorlesungen in der Universität sind schon seit 14 Tagen geschloffen. Am Samstag machten die Volksschulen Ferien und morgen, Dienstag, in aller Frühe rückt das Regiment an§, zuerst nach Griesheim auf den Truppenübungsplatz, um von da ins Manöver zu gehen.

Landkreis Gießen.

O Heuchelheim, 17. Aug. Infolge der unbeständi­gen kühlen Witterung war unser Kirchweihfest nicht nach Wunsch besucht. Ter Zuspruch aus der Stadt war eben­falls nicht so stark wie in früheren Jahren. In 6 Gastwirt­schaften wurde zum Tcmz aufgespiett.

L i ch, 17. Aug. Der GesangvereinMännerguartett" un­ternahm gestern und heute bei einer guten Beteiligung von An­gehörigen und Freunden einen Ausflug nach dem Niederwald und verband damit eine Rheinfahrt bis Koblenz. Die Hofteite des Gemeindcrcchners Hch. Zimmer, ein Teil des ehemaligen Södel- hoss, ging durch Verkauf für den Preis von 13 000 Mk. an Gen­darmeriewachtmeister Weber über.

2$. Grünberg, 17. Aug. Der Privateifenbahnbeamtenver- em des Bezirks der Wettertalbahn unternahm am vorigen Sonn­tag und heute seinen üblichen Familienjahresausflug. Ein go- sebmückter Eisenbahnzug brachte die Teilnehmer von Butzbach nach Müntzer, von hier ging es dann über Wetterfeld und Lauter nach der N e u m ü h l e, wo für Unterhaltung reichlich gesorgt war und dann weiter nach Grünberg. Von hier erfolgte abends die Heimfahrt.

Grün berg, 17. Aug. Infolge der fortgesetzten Einbrüche wird es den Bewohnern unserer Gegend unheimlich. In Ruppertenrod wurde gestern in einer Wirtschaft einge- brochen. In Saasen brachen am Donnerstag beim Gastwirt Schepv Spitzbuben ein und hießen Zervelatwürste, Schwartcmmagen und Speckstücke mitgehen. Aehnlich wie in Beltershain brachen sie von der Scheuer aus ein Gefach heraus um in die Speise­kammer zu gelangen. Die Diebe sind bis Gießen marschiert. Bei dem Bahnwärter an der Leppermühle kehrten sic ein; der ahnungslose Mann gab den Fußgängern gern das gewünschte Wasser. Dem Landwirt Karl Petrie-Beltershain gingen gestern von Gießen aus die gestohlenen 5 Mark (Wertpapiere) durch die Post wieder zu.

Kreis Alsfeld.

X Ruppertenrod, 16. Aug. In der verflossenen Nacht wurde hier ein sehr kecker Einbruch in drei Gast­häusern ausgeführt. In dem einen Fall drangen die Ein­brecher in den Keller, stahlen sechs Flaschen Wein, zwei Flaschen guten Branntwein und einen Limburger Käse. Im anderen Fall stiegen die Diebe in die Wohnstube des Gast­wirts. Unmittelbar an dem Wohnzimmer schliefen die Wirts- leute in der Kammer. In dieser Wirtschaft hießen die Ein­brecher nur ein halbes Kistchen Zigarren und eine Mark mitgehen. In der dritten Wirtschaft fliegen sie durch einen im Erdgeschoß befindlichen Raum ein, der früher als Schmiede gedient, und betraten den Keller. Lier taten sie sich gütlich an Bier und Branntwein. Die Gendarmerie war morgens zur Stelle, und von Gießen kam ein Kriminal­beamter mit einem Polizeihund. Ter Hund konnte aber keine Spur mehr aufnehmen. Nachmittags kam das Gericht von Grünberg, um den Tatbestand aufzunehmen.

Kreis Friedberg.

L Friedberg, 18. Aug. In dem Hause, in welches das Bataillonsbnreau kommt, werden eben Ställe für drei Pferde des Bataillonskommandeurs und des Adjutanten und außerdem eine Wohnung erbaut. In die Usavorstadt kommen die Wagen für das Bataillon und die Krankenwagen. Viele Arbeiter sind beschäftigt, das v. Helmolt'sche GntshauS als Wohnräume für die Mannschaften von drei Kompagnien, mehrere Feldwcbelwohnungen, eine Kantine usw. herzurichten; auch an dem Hause für Munition wird eben gebaut.

r. Bad-Nauheim, 17. Aug. Der durch sein im vorigen Jahre im hiesigen Kursaal abgehaltenes Konzert auf das beste eingeführte Bauersche Gesangverein-Gießen veranstaltete heute einer Einladung des Großh. Kur­direktors folgend in Gemeinschaft mit der Kurkapelle auf der Kurhausterrasse ein Doppelkonzert. Trotz des wenig günstigen Wetters es war kühl war die Terrasse vor­züglich besucht. Die Darbietungen deS Vereins fanden sehr reundliche Aufnahme und wurden mit lebhaftem Beifall aus­gezeichnet. Der Verein ist an Zahl nicht groß und kann nicht durch Maffenwirkung imponieren. Seine Stärke liecft in der Feinarbeit. Einzelne Chore, wie beispielsiveise das schwierige Thalatta^ von Heuser zeugten von großem Fleiß, den Dirigent und Sänger auf die Einstudierung verwandt haben. Dem beliebten Dirigenten Herrn Otto Görlach, der hierin sehr gutem Andenken steht, muß man hohe Anettennung für