Ausgabe 
16.6.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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von

euch Boccaccios beitcces Antlitz durch die Zeilen. Die Form mancherlei Irrungen, Kämpfen und Enttäuschungen schließlich der Rahmenerzählung, der er durch die wundervolle^lderung * durchgesctzt Ktte, daß, sein Werk nut ihm nicht untergehen nmickr.

Boccaccio in Deutschland.

(Zu seinem 600. Geburtstag.)

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3 ühr geöttnet1-

Der Reichöverband Deutscher Städte, dein weit über 600 deutscher Städte unter 25 000 Ein^ wohner angehören, überreicht dem Kaiser zu seinem Re- ßierungsjubiläum bekanntlieh eine HuldiaunAsadresse, die in der Kunstanstalt von Karl Häcker in Berlin hergestcllt ist. Tie Adresse hat folgenden Wortlaut:

Allerdurchlauclnigster, Gros mächtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

Am heutigen Tage feiern in froher 'EinmütigFeit mit dem ganzen deutschen Volke, die im Reick sverbande dculschcr Städte vereinigten kleinen und mittleren Städte unseres Vaterlandes in dankbarer Erinnerung und hoher Begeisterung das Jubelfest der 25jährigen, gesegneten Regierungszcit Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät. Sie bitten Gott, daß noch lange unter Eurer Majestät starkem Schutz das deutsch Vaterland blülxm und der deutsche Name überall in der Welt seinen mad# trollen Klang bcivahren möge! Tas ganze deutsche Volk wird in ernster Stunde dem Ruse seines Kaisers mit derselben Begeisterung folgen und Gut und Blut für das Vaterland opfern, wie einst in der großen Zeit vor hundert Jahren, tue Bürger der kleinen und mittleren Städte aber werden beweisen, daß sie sich von keinem anderen: Teile unseres Volkes übertreffen lassen in Liebe und Tretts^ zu Kaiser und Reich, zu König und Vaterland, das gelobt Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät alleruntertänig st der Reichs­verband deutscher Städte, Verband der Städte unter 25 000 Einwohner.

Das letzte Blatt macht die S ch l u ß s u m m e namhaft, welche der Reichsverband dem Kaiser zum Jubiläum spendet. Die hul­digenden Städte haben Stiftungen im Gesamtwerte v o n 1 080 300 Mark gespendet.

Die Feier in Karlsruhe.

Karlsruhe, 14. Juni. Zur Vorfeier des 25jäh- rigeu Regierungsjubiläums des Kaisers veranstaltete die Bürgerschaft der Stadt heute abend einen Fackelzug, an dem gegen 4000 Personen, darunter hundert Vereine mit 89 Fahnen, und die studentischen Korporationen teil­nahmen. Ter Groß Herzog, der mit der Großher­zogin gegen Abend öon Schloß Zwingenberg hier wieder cingetroffen war, nahm im Beisein der Großherzogin Hilda und der Großherzogin Luise sowie des Prinzenpaares Mar von Baden den Zug von dem Schlvßaltane aus ab und hielt dabei folgende Ansprache:

Zur eindrucksvollen Vorfeier des Regierungsjubiläums un­seres Kaisers versammelt, ist es uns ein Herzensbedürfnis, un­serer treuen Liebe und Anhänglichkeit an Seine Majestät, unsern geliebten Kaiser, warmen Ausdruck zu verleihen, und, indem wir ihm unsere ehrerbietigsten Glückwünsche darbringen, zu rufen: Seine Majestät der Kaiser, unser erhabener Schirmherr des Deutschen Reiches, er lebe hoch! hoch! hoch!

An die Feier vor dem Schloß, die burd) Musik und Gesangsstücke eingerahmt wurde, reihte sid) ein Fest in dem prachtvoll beleuchteten und mit Lampions geschmückten Stadtgarten.

Eine Ansprache des Präsidenten der württembergischem Zweiten Kammer.

Stuttgart, 14. Juni. Zu Beginn der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer hielt Präsident v. Kraut folgende Ansprache:

Morgen werden es 25 Jahre, seit der Kaiser die Regierung angetreten hat. Auch uns in Süddeutschland ist es ein Bedürfnis, im Rückblick auf die verflossenen Jahre dem Träger der kaiser­lichen Würde unsere Glückwünsche zum Regierungsjubiläum dar- bringen zu tonnen, den herzlichsten Dank dafür zu sagen, daß er die hervorragende Stellung des Deutschen Reiches int Rate der Völker erhallen und gefestigt hat, und daß er die Macht­entwickelung Deutschlands im Innern wie nacki Außen, zu Wasser

T i e Ems-Nassauer Stein-Fe st spiede. Tas Programm für die Ems-Nassauer Stein-Festspiele ist in der letzten Ausschußsitzung endgültig festgelegt. Danach sollen die Festspiele am 6., 9., 11., 13., 16. und 19. Juli stattfinden. Nach Bedarf können an den freien Zwischentagen Ausführungen ein- gefdoben werden. Tie Spiele werden, wie schon bekannt ge- gebeu, durch Ansprachen berufener deutscher Männer eingeleitet. Vorgesehen sind 1200 Tribünen-Plätze, welche sämtlich num­meriert sind. Tie Feiern beginnen nachmittags gegen 5^ Uhr. Tie Naturbühne liegt im Mühlbachtal unterhalb der Ruine Stein, neben dem historischen Steins-Häuschen, in dem Stein den größten Teil seines politischen Lebenswerkes schrieb. Tas Steins- Häuschen, in dem auch Ernst Moritz Arndt und andere Freunde Steins oft weilten, haben die Nachkommen des großen Staats­mannes in dem Zustande erhalten, wie es Stein verlassen hat.

Wagner und Nietzsche. In diesen Tagen rüstet sich das deutsche Volk, den hundertjährigen Geburtstag des großen

Eine der interessantesten Episoden im Leben des Meisters int Reich der Töne ist die Begegnung mit dem Philosophen Fried­rich Nietzsche, davon bringt ein Jefjr dxrrakuwistisches Spiegelbild das foeft Nr. 20 derGartenlaube". Ter betreffende Artistck schildert das erste Zusammentreffen der' beiden im Siaufc des Verlegers Brackhaus in Leipzig, daran zuudüiefjenb die weitere Ausgeltaltung ihrer Beziehungen. Den Beschluß bildet natürlid) das absprechende Urteil Nietzsches über den toten Wagner, der ihm einstmals als die Verkörperung des Ideals crfdjteir Und gerade das ist das Interessante an diesem Aufsatz, das uns schon vom rein menschlichen Standpunkt itahe geht, daß wir sehen, wie sich die beiden so schnell sanden und wie sich dod> schließlich ihre Wege trennten.

Das Kino im nigs schlo ß. Aus London wird berichtet: Im Buckingham-Palast wird jetzt ein Kinematographen- Theater eingerichtet, in dem besonders die jüngeren Mitglieder der königlichen Familie und ihre Freunde ihre Unterhaltung finden sollen. Ter König und die Königin halten Filmdar- stellungen von Ereignissen der Zeitgeschichte für ein ausgezeichnetes Mittel, die Welt kennen zu lernen, und so haben sie (inen kleineren Saal für diese Zwecke einrichten lassen. Tie englische Königssamilic hat schon häufig ihr Interesse an Kinodarstellungen bezeugt: so fand im Jahre 1911 bereits eine Galavorstellung im Balmoral-Schlosse statt, bei der die Bilder von der Krönung und der Investttur des Prinzen von Wales in farbiger Aus­führung gezeigt wurden und bei allen Zuschauern große Be- gemerung erweckten. Seitdem sind Vorstellungen in Sandringham veranstaltet worden, bei denen u. a. Szenen von dem Besuch des Königs in Indien und von den großen Königsdurbar gezeigt wurden.

ff. Eidechsen, die die Cholera verbreiten. Wäh­rend der letzten Choleraepidemie in Tunis hat ein französischer Arzt, Dr. I. Soere, untersucht, ob Eidechsen die Cholera ver­braten tonnen, und die Antwort auf diese Frage ist bejahend aus­gefallen. In Sidi-Abdallah sind die grünen Eidechsen im Sommer lehr zahlreich. Sie sucl>en ihre Wahrung unter den Abfällen auf den Feldern und können hierbei leicht .Krankheitsleime in sich aufnehmen und sie weiter verschleppen. Soere hat nun, wie dieNatur" berichtet, nachgewiesen, daß die Choleraoibrionen mandjntal eine tödlich endende Darmentzündung, manchmal da­gegen nur vorübergehende Störungen Hervorrufen. In beiden Fällen aber bleiben die Vibrionen im Darm der Tiere nm Leben und werden mit den Ausleerungen entfernt. Diese Aussonderung von Cholerakeimen kann mehrere Tage lang anbauern, so daß die Eidechsen die Clwlera in der Tat verbreiten können. Gleiche Versuche mit Tnphusbazillen führten zu dem Ergebnis, daß eine Gefahr der Verbreitung durch Eidechsen für den Typhus nicht besteht.

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Bayreuther Meisters würdig zu begehen. Seit 30 Jahren weilt Richard Wagner nicht mehr unter den Lebenden, ober als er von uns ging, tat er es in dem Bewußtsein, daß er sich nach

jener auS dem verpesteten Florenz geflohenen Gesellschaft klas­sische Geltung verliehen hatte, taucht immer wieder auf bis zu den Novellensammlungen der Romantik und Gottfried Kellers. Nachdem sid) bereits die Schwankbücher der Reformationszeit ieid)lid) von ihm genährt hatten, kommen in dem für Kuriosi­täten schwärmenden 17. Jahrhundert neue Bearbeitungen seines Dekameron, nrie etwa jene von 1646, die den Titel führt: Zweihundert der allerschönsten neuen .Historien, hievevor hun­dert durch den weitberühmten Boccaccio beschrieben, jetzt aber mit hundert vermehret."

Die Dramendichter, die um einen Stoff verlegen sind, finden ihn in dem unsterblichen Buch, von Hans Sachs, der jo mache traurige Geschichte des Boccaccio dramatisiert hat, bis zu Les­sing, der diesereiche Quelle theatralischer Produktion" für seinen Natban ausnutzt. Die Erzähler, die einmal ausgelassen und frei sein wollen, wandeln auf seinen Spuren, so Wieland, der sid)einen ehrlichen Nebenbuhler des Boccaz" nennt. Während aber alle diese am Stofflichen hingen, bat uns den Künstler in Boccaccio erst die Romantik entdeckt in bem großen Aufsatz Friedrich Schlegels,Nachrichten von den poetisdxm Werken des Johannes Boccaccio", in dem der Dichter alsVater und Meister der Novelle" gepriesen wird. Man kann sagen, daß die Blüte der Novelle, die Deutschland dann im 19. Jahrhuitdert erlebte, daß die Meisterwerke eines Keller und Heyse und all der andern dem Florentiner viel von ihrer vollendeten Form verdanken.

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Das Jubiläum des Kaisers.

In vielen Städten des Reiches und fast allen deut­schen Kolonien des Auslandes hat man bereits begonnen, das Jubiläum des Kaisers sestlid> zu begehen. Der Reichs­tag hat am Samstag eine besondere Festsitzung abgehackten, in der Präsident Tr. Kaempf eine kurze, aber des Tages würdige Ansprache hielt, in der er sich von Uebertreibungen fernhielt und die doch die herzlichen Gefühle des Volkes wahr zum Ausdruck brachten. Auch das preußische Ab­geordnetenhaus l>at eine solche Festsitzung gehabt, und in der lvurttembergischen Kammer hat der Präsident v. Kraut die Treue und Anhänglichkeit der Süddeutfdsen bekundet. Mehrere Bundesfiirsten l>aben Straferlasse herausgegeben. Der Großhcrzog von Hessen ist mit vielen anderen Fürsten nad) Berlin geeilt, um den Kaiser persönlich zu beglück­wünschen., Die gegenwärtig etwas festmüde Stadt Gießen begnügt sid) mit einer stilleren Feier; am gestrigen Sonn­tag hatten die gläubigen Gemeinden, wie wohl überall im Reid)e, Festgottesdienst, und heute wird in den Schulen die Erinnerung an die Tage vor 25 Jahren begangen. Die Behörden, mit Ausnahme der Post, haben ihre Räuma gesdstossen. Das Militär wird von dem Kaisertag natürlich am meisten bewegt, und so war am gestrigen Sonntag gemeinsamer Gottesdienst, heute früh Wecken.der Regirnents- mufck und um 103/j Uhr Garnisonappell. Heute nachmittag, um 6 Uhr findet im Offizier-Kasino auch ein Festessen statt.

Empfänge am llaiserhofe.

Berlin, 14. Juni. Um 12 Uhr empfing der Kaiser im Sternsaal des königlichen Schlosses den türkischen Botschafter zur Entgegennahme der Iubiläu ms- geschenke des Sultans. Um s/il Uhr empfing der Kaiser den Kardinal-Für st b i s ch o f Tr. v. Kopp mit Monsignore Prinzen Crey und anschließend daran bett Eoad- jutor des Primas des B e n c d i k t i n e r o r d e n s Abt von Stetzingen. Bei der Frühstückstafel um 1 Uhr saßen der Kaiser zwischen Prinzessin Heinrich und dem Kardinal- Fürstbischof Tr. v. Kopp, gegenüber die Kaiserin zwisck)en dem Prinzen Heinrich und dem .Erbprinzen von Sachsen- Meiningen. Au der Tafel nahmen auch teil der Reichs- tanzlcr, der Kultusminister v. Trott zu Solz, der Chef -es Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rat v. Balentini, Prinz (tret) und der Abt v. Stetzingen.

Das Gedenken an Kaiser Friedrich.

Potsdam, 15. Juni. Das Kaiserpaar nahm heute am Todestage des Kaisers Friedrick), am Gottesdienst in der Garnisonkirche teil, wo sick) die Gemeinde und die Abord- mutgen der Potsdamer Gardercgimenter versammelten. Außer den Herren des Hauptquartiers waren anwesend: Kriegsminister v. Heeringen, Generalstabschef v. Moltke und Kommandant v. Kleist. Das Kaiserpaar traf um 10 Uhr im Automobil aus Berlin mit dem Prinzenpaar Ernst August, dem Herzogspaar von Braunschweig und Lüneburg ein; ferner waren alle Minder des Kaisers, außer dem Kronprinzen, der erst morgen eintreffen kann, die Ge­schwister des Kaisers, außer der Königin von Griechen­land, anwesend. Tie Festpredigt hielt Hofprediger Richter.

Nach dem Gottesdienst bcgabei« sick) die Majestäten zum Mausoleum. Bei der Friedenskirche legten sic Kränze am

Welcher Tag im Jahre des Herrn 1313 der Ehre sich rühmen darf, dem großen Erzähler und Gelehrten Giovanni Boccaccio, das Lck>en geschenkt zu haben, das ist im Tunkel der Zeiten vergessen worden, und mir die Vermutung bestellt, daß der 16. Junt sein Geburtstag war. So steht denn das ganze Jahr ein wenig int Zeichen des genialen Florentiners, den ein Zu­fall in Paris zur Welt kommen ließ und dessen Name und Wcr hing noch heute lebendig ist. Der Motivenschatz unlterblidjer Geschichten, den er mit lachendem Munde in seinem Tetameron als ein leichtes Nebcnwerk anmutiger Erzählerkunst sammelte, hat tausendfältige Frucht getragen und ist zu einer jener^ un- versieglichen Cucllen geworden, die die Weltliteratur Kit Jahr­hunderten speisen. »

Auch in Deutscistand ziehen sich die leuchtenden Spuren Bve- caecioS wie Goldadern durch die Dichttmg bis auf unsere Tage. Die Stoffe, denen er den klaren heiteren Stempel seiner Penön lichkeit aufprägt, beschäftigen nod) immer die Dichter und regen sie zu neuem Sdjaffcn an: man denke nur an Hauptmanns Griseldis". Von luftigen Operettenmelodien umklungen, man bert der Dichter selbst in Suppes hübschem Werkchen nod) heut über unsere Bühnen. Und so war es von Ansang an. AIS die deutsche Sprache int 15. Jahrhundert so weit gediehen war, um sid) die Prosadichtungen der weiter iortgcidirittenen ita­lienischen Literatur zu eigen zu machen, als der Humanismus die deutschen Geister berührte und eine freiere, Tur die kecke Muse Boceaccivs empfänglichere Stimmung schuf, da wurde der gesamte Dekameron durch einen gewissen 'Mrigo in» xeuticbe übertragen; eine der Inkunabeln der deutschen ^ruckkunst, die bald nad) 1471 erschien, enthält all die traurigen und lrvh- lichen, die lehrreichen und spottenden Geschichten, aus denen von nun an Svruchdichter und Meistersinger, Erzähler von schwanken uitb Verfasser von Novellenbüchern, Epiker und Dramatiker Idiot­ien. Neben diese Gesamtübersetzung traten bald Uebcrtragungen einzelner Novellen: die ehrwürdigen Begründer unlerer lieber- s^ungskunst, die Niklas v. Wh le und Albrecht v Eh behoben il>r Talent an Novellen, wie denen von Gutscardv und ^igi- Rtonba und von Griseldis versucht. Der deutsche Hmmanist S t e i n- höwel erschloß eine Fundgrube merkwürdiger Begebenheiten und rührender Abenteuer dem deutschen Schrifttum, indem er eins der großen lateinischen Werke des Dichters, das von den be- rühmten Frauen" handelte, seinen Landsleuten als em ipan- «ndes Lesebuch bescherte. Wo man feit bteier 3eit in bcut|d)en Äschern unterhaltende Dinge sammelte und erzählte, ra^Kickt

Sarge Kaiser Friedrichs nieder. Um UV» Uhr trafen die Majestäten am Neuen Palais ein. Um 12i/2 Uhr empfing der Kaiser im Muschelsaale des neuen Palais die Herren des kaiserlichen Hauptguartiers zur Ueberreichung eines Geschenkes des .Hauptquartieres, später Kapitän Trotha vom Marinetadinett. Um ein Uhr war Familicntafel bei den Majestäten, an der die Kinder der Majestäten und die Ge- schwifter des Kaisers teilnahmen.

Der Feftsonntag in der Reichshauptstadi

Berlin, 16. Juni. Die Berliner Fe st st raßen bildeten am gestrigen Sonntag das Ziel ungezählter Tau­sender von Menschen. Verkehrsstörungen waren die unvermeidliche Folge des Andranges, der durch den Strom der Fremden von Stunde zu Stunde verstärkt wurde. Unter den Linden hatte man drei fliegende Rettungs­wachen stationiert, die in zahlreichen Fällen meist leich­terer Art in Anspruch genommen wurden. Die Haltung der Menge war während des ganzen Tages musterhaft. Erst gegen Aband ebbte der Strom der Schauffeudigcn etwas ab. Am meisten belohnt fühlten sich diejenigen, die Unter den Linden dem Kaiferpaar begegnet waren, als es von Potsdam herüber kam.

Berlin, 16. Juni. Alle Morgenblätter widmen an erster Stelle dem Kaiser Jubiläumsartikel. Die erste Seite fast aller Zeitungen ist mit reichem Bildschmuck versehen. Eine Anzahl Blätter legen künstlerisch ausge­stattete Sonderbeilagen bei, in denen das Lebenswerk des Kaisers von berufenen Federn gewürdigt wird.

Eine Feier des preußischen Abgeordnetenhauses.

Berlin, 14. Juni. Die Mitglieder des Abgeord­netenhauses vereinigten sich heute mittag im Abgeordneten­hause zu einem Festmahle, wobdi der Präsident Graf Schwerin-Löwitz eine Rode hielt, in welcher er u. a. sagte:

Aus dem ganzen 'Erdenrund wird in diesen Tagen unser Kaiser als der treuste und machtvollste Hort dcS Friedens ge­feiert und dod) war er nicht minder ein .Mehrer des Reiches an Land wie an Leuten. Um rund 19 Millionen wuchs während seiner Regierungszeit die Bevölkerung des Reid>eS, nahezu ver­doppelt hat sich das Nationalvermögen, der Wert unserer jähr­lichen Gütercrzeugung wie das ArbeilScinkommen der lohnarbeiten­den Bevölkerung. Fast auf das dreisache stieg der Außenhandel, und damit rückte Deutschland neben England an die zweite Stelle der Wellhandelsstaoten der Erde. Welchen a l l e r per­sönlichsten Anteil hat nidjt gerade daran der Kaiser burd) die SclMwng einer achtunggebietenden Flotte! Tod) weit höher müssen wir das nie rastende Bemühen des Kaisers schätzen, dem Volle die höchsten innersten Werte und sittlichen Ideale zu wahren und zu pflegen. Nachdem der Redner sodann den Kaiser als den Bekenner einer tiefen christlichen Weltanschau­ung und als den von höchsten sittlichen Idealen erfüllten Monarchen, als bedeutenden Mann und kraftvolle, stark aus­geprägte Persönlidsteit gefeiert hatte, vorbildlich auch durch das cd>t deutsche Familienleben im Kaiserhause, fuhr er fort: Zu. dauerndem Segen wird das alles dem Volke nur werden, wenn es dessen sid) nidst nur dankbar bewußt wird, sondern auch den festen Willendaraus schöpft, sid) den herrlichen Sd)atz, den wir am Kaiser haben, sich von Niemand rauben und schmälern zu lassen. (Starkes Bravo!) Tarum müssen auch alle Jubiläums­feiern in diesen Tagen ausllingen in dem Gelöbnis unverbrück)- iidjfter Treue und Anhänglichkeit zu dem geliebten Herrsd)erhause. Treue um Treue! Tann wird auch die fernere Regierung des Kaisers eine glcid) gesegnete, toie die abgelaufene es unter Gottes Beistand gewesen ist. Ter Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und König.

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- Erües Blatt 163. Jahrgang Montag, 16. Juni 1913

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Annahme von Anzeigen n 1 x « Xz f H V * ^GerichtsfaalK.Neu-

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