Ausgabe 
11.12.1913 Erstes Blatt
 
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Vie Eichener 5taL!o.rordnetenwahl vor Sem Lreisasrsch'ch-

'# Gießen, 11. Dez.

Gestern nachmittag verhandelte der Kreisansschuß unter .Vorsitz des Regierungsrats Welck-r über die beiden Ein- -sprüche des Joh. Gg. "Bfaff und des Packers Kumpf gegen die Wahl der Gießener Stadtverordneten. Die Stobt Gießen war durch den Oberbürgermeister Mecum vertreten. Für Pfaff war außer diesem Recbtscmwalt Fischer erschienen, während Kumpf persönlich seinen Einspruch vertrat. Die Wahlvorsteher des 1. und 2 Bezirks, Stadtverordnete Loe- ber und Jann, sowie fast sämtliche neu gewählten Stadt- verordneten waren zur Stelle, ebenso war der mit Lehrer Valentin Müller in Konkurrenz gewählte Lehrer Hagyenmüller zur Verhandlung geladen. Es werden die Eingaben von Pfaff und Kumpf verlesen: Darin wird gerügt, oaß Konrad Martin und Adam Schaum gewählt haben, weil sie in der Wählerliste stehen, obgleich sie am Tage der Wahl und schon vorher nicht mehr in Gießen ge­wohnt haben. Ter Schneider Heinrich Loos jr., der nicht in der Wählerliste eingetragen war, sei zu unrecht zur Wahl zugelassen worden, während dessen Vater, der in der Wählerliste eingetragen, und auch zum Wählen berechtigt war, zur Ausübung des Wahlrechts nicht zugelassen worden sei. Ferner habe sich in -einem, wie der Oberbürgermeister zugibt, sogar in zwei Bezirken je ein Wahlzettel mehr bei Feststellung des Wahlergebnisses vorgefunden als über- Haupt Wähler abgestimmt haben. Ferner bemängelt Pfaff, daß eine Anzahl von Stimmen, die ihm zugesallen seien, zu unrecht für ungültig erklärt worden seien.

Der Oberbürgermeister, der zu den Wahl­anfechtungen sich gutachtlich geäußert hat, steht nach dem .Inhalt seiner verlesenen Erklärung auf dem Standpunkt, daß Loos jr. tatsächlich irrtümlich und zu unrecht das Wahlrecht ausgeübt hat und daß dessen Vater infolge eines Versehens sein Wahlrecht nicht hat ausüben können. Weiter -stehe fest und sei zuzug-eben, daß bei der Feststellung des -Wahlergebnisses in zwei Abstimmungsbezirken je ein Zettel mehr vorhanden war, als überhaupt Wähler abgestimmt haben. Diese Einspruchsbegründung sei rechtlich anznerken- nen, denn es sei unmöglich, festzustellen, welcher Zettel in den Urnen der beiden Bezirke doppelt abgegeben ist. Es Jei auch möglich, daß in einem Wahlumschiag von dem «treffenden Wähler zwei verschieden lautende Zettel ent- '^al.'n gewesen seien, die dann beide für ungültig hätten 'erklärt werden müssen. Unter Berücksichtigung aller Mög­lichkeiten ergebe sich die in einer Tabelle nachgewiesene Tatsache, daß die Wahlünregelmäßigkeitcn zu 27 verschie­denen Kombinationen berechtigen, welche aber für die Wahl der 14 auf 9 und 6 Jahre gewählten Kandidaten ohne Be­lang sind, da es sich für oiese gleich bleibt, ob der eine 23 Stimmen mehr oder weniger erhalten hat. Anders liegt der Fall bei den auf 3 Fahre gewählten Kandidaten, Geschäftsführer Heinrich Fourrer, Mobolhändler Brück und Lehrer Haggenmüller und dem mit der gleichen Stimmen­zahl wie Haggenmüller in Frage kommenden Lehrer Valen­tin Müller. Die vier zuletzt rn Frage tonunenben Kandidaten sind hinter'sich nur^nit e^iner sDiffercnH von einigen Stimmen und der Lehrer Haggenmüller sogar nur durch das Los gegen seinen .Kollegen Müller als gewählt erklärt worden. Die übrigen Einwande gegen die Wahl erklärt der Ober- bürgermeister für unberechtigt. Alle die von den Gegnern angeführten Punkte ließen sich zur Begründung des <Än- spruchs nicht verwerten, oder seien unerheblich oder im Fall Pfaff zu allgemein, ohne Angabe von Beweisen vor- getragcn.

Rechtsanwalt F i s ch e r als Vertreter Pfaffs läßt einen Teil dieser Punkte auch fallen, er steht aber auf dem Stand­punkt, daß, nachdem der Kreisrat auch von Amts wegen sich der Anfechtung der Wahl angeschlossen habe, er als Vertreter seines Klienten noch weitere Tatsachen Vorträgen könne, die die Anfechtung der Wahl weiter begründen und dartun könn­ten, daß die ganze Wahl aufgehoben werden müsse. Es sei nicht mach dem Gesetz verfahren worden, welches vorschreibt, daß die Feststellung des Wahlergebnisses nach beendeter Wahl erfolgen soll. Die Wahl und die Ermittlung des Ergebnisses müssen nach der Städteordnung als ein einheitlicher Akt hintereinander vorgenommen werden. Hiergegen sei ver­stoßen worden. Man habe den Wahlakt geschloffen, ein Er­gebnis verkündet, am nächsten Tage gezählt und gerechnet und erst zwei oder drei Tage nach der Wahl deren Ergebnis endgültig festgestellt. Auch in Mainz habe man dies Ver­fahren zum Gegenstand eines Einspruchs gegen die Stadt­verordnetenwahl gemacht.

Oberbürgermeister Mecum bemerkt, daß die Städte- prdnung diese Handhabung der Wahlfeststellung nicht vor- schrcibe, daß aber auch eine solche Durchführung an der Un­möglichkeit des menschlichen Vermögens scheitern müßte. Denn es könne kein Mensch, der den ganzen Tag beim Wahl­geschäft gearbeitet habe, nun noch 24 Stunden hinterdrein, wie es Rechtsanwalt Fischer verlangt, an der Feststellung des Wahlergebnisses arbeiten.

Rechtsanwalt Fischer sowohl wie der Packer Kumpf erklären, es müsse die ganz-e Wahl aufgehoben werden. Es handle sich um einen einheitlichen Wahlakt, von dem man einen Teil nicht bestehen lassen kann, wäh­rend man etwa einen Teil als ungültig aufhebt.

Rach halbstündiger Beratung verkündet Regierungsrat Weicker

das Urteil

des Kreisausschusscs. Danach wird die Wahl des Heinrich Fourier, des Möbelhändlers Brück und des Lehrers Haggenmülirr für ungültig erklärt. Die Ko st en des Verfahrens werden je zu einem Drittel der Stadt Gießen, dem Bau­unternehmer Johann Georg Pfaff und dem Packer Kumpf auferlegt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. Dezember 1913.

Ein Wort zur Berufswahl.

Dom Leiter des städt. Arbeitsnachweises in Gießen erhalten wir folgende Ausführungen:Was soll aus unserem Jungen wer­den?" Das ist die Frage, die sich Eltern und Vormünder oft sorgenvoll vorlegen. Einsichtige und ihrer Verantwortung bewußte Eltern und Vormünder wollen ihren Sohn etwas lernen lassen Nur wer etwas gelernt hat, bringt es wcüer in der Welt^ nur wer etwas kann, wird gesucht und findet dauernden Erwerb' Ein verfehlter Berns bedeutet oft auch ein verfehltes Leben. Des­halb ist die Berufswahl eine der- wichtigsten Lebensfragen und die Grundlage für inneres und äußeres Glück.

Auf dem Lande wird die väterliche Mrtschaft und das elter­liche Haus häufig oen Jungen als willkommene Arbeitskraft auf» nehmen. Darüber darf aber die Zukunft des Jungen nicht ver­sessen werden. In allen Berufen, tm Kvufmannsstand, im Hand «erk Unb in der Landwirtschaft wxrden beruflich und fachmämnfch

rejV <9-10, 11. Strafe L. **<?)<>

12. 13.

Der hessische Landesausschuß des Deut­

schen F l o t t e n v e rein s hat die nächstjährige Haupt­tagung oer sämtlichen Kreis- und -Ortsgruppen des Groß­herzogtums Hessen der Ortsgruppe Offenbach über»

Üädter Photographenfirma wurde von der Photographen- Zwangsinmmg zu Darmstadt wiederholt wegen marktschreie^ rischer Reklame auf Grund des Statuts in

gut ausgebiloe^ Kräfte verlangt. Deshalb darf die Berufsaus­bildung, auch wenn der Junge im Aternhause bleibt, nicht ver­nachlässigt werben.-

Manche Ellern, auch solche, die über Mittel verfügen, und, angelockt durch den sofortigen Verdienst, so kurzsichtig, ihre Jungen sogleich als jugendliche Arbeiter in eine Fabrik oder in ein gro*- jcrcs Werk zu geben. Der ungelernte Arbeiter verdient zwar gleich und er verdient anfänglich vielleicht mehr als der junge Geielle, aber er muß gewärtig sein, bei jeder Konjunkturschn«nkung seine Stelle zu verlieren, imb wenn er älter wird, braucht pder will man seine Arbeitskraft nicht mehr. Der beruflich ausgebildete Handwerker, Kaufmann, Landwirt aber ist bedeutend rm Vorteil, ein anfängliche? Opfer wird aufgehoben durch reichlichen Verdienst und dauernde Stellung.

Sogleich muß der Junge etwas lernen,, nicht hier und da ansangen, diese und jene Tätigkeit ergreifen, sondern fo gleich nach der Schulentlassung etwas Bestimmtes ergreifen. Ter Beruf ist eine wichtige Schutzwaffe in der häufig Tut das ganze Leben entscheidenden Zeit nach der Schulentlassung und bewahrt vor dem traurigen Los moralischer Verkommenheit, in,die so viele, kaum der Schule entwachsenen Jungen, auf der Landstraße und tn der Großstadt geraten. Diese Elemente stammen vielfach vom Laude, wo ftkrzsichtige und pflichtvergessene Eltern und Vormünder nicht rechtzeitig durch das vorbeugende Mittel emer Berufswahl cingcgriffen haben. . .

Um mm den Eltern und Vormündern, ohne tm geringsten in ihre eigenen Entschließungen einzugreifen und ohne ihnen die Verantwortung für ihre Kinder unb Pfleglinge abzunehmen, einen Fingerzeig imb einen Bestand in der Frage der Berufswahl zu bieten, haben sich Schulen, Handwerkskammern, Landwirtfchasts» kammern, gemeinnützige größere Vereine und Gesellschaften im Großherzogtum Hessen und in der Provinz Hessen-Nassau zu- ammengetan (Mitteldeutscher Arbeitsnachweisverband in Frankfurt a. M.T, um die Berufsberatung undLehrstellenver- mittlung in die Hand zu nehmen. Lesen Sie den Wegweiser, den wir zunächst für hie Handwerkerberufe ausgestellt haben. Sic brauchetr nicht die Großstadt aufzusuchen, sondern Sie können auf Dem städtischen Arbeitsnachweis Gießen jederzeit christlich und mündlich Auskunft über Berufsfragen erhalten. Ver­trauensmänner der Handwerkskammer stehen Ihnen zur Seite, Damit die Lehre auch Erfolg verspricht und ein guter Meister nach- gewicsen wird. Durch /die Verbindung der gemeinnützigen Stellen mit einer Reihe gleichartiger Institute steht eine große Anzahl von Stellen auch auswärts zur Verfügung.

Nach gewissenhafter Prüfung füllen Sie das Ihrem Sohn mit- gegebcnc Formular pus und lassen Hie es an seinen Lehrer ab- gebcn. Wenn Sie sich nicht für einen bestimmten Beruf entschlicßeir können, so gehen Sie selbst zum städtischen Arbeitsnachweis, der Ihnen gerne behilflich ist.

* * Tageskalender für Donnerstag, den 11. Dezember: A l l d e u t i ch e r Verband: Tr. Alb. Ritter: .Oesterreichs und Deutschlands Niederlage tm Balkankriege." In Steins Garten abends 8X Uhr. .

* * Der Großherzvg empfing am 10. Dezember den Ge­heimen Reg.-Rat Dr. Wagner, Kreisrat in Dieburg: den Ober­aktuar Mann von Gießen ; den Aktuar Dosch von Gießen: den Architekten S e u l i n von Gießen; den Oberpfarrer Knott von Schlitz.

^Ernennung. Der Großherzog hat am 10. Dezember den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein, Richard P1 i 11, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach mit Wirkung vom 16. Dezember 1913 ernannt. <

* * AusdemSchuldienste. Uebertragen wurde am 4. Ds* zentber d. I. dem Lehrer Ernst Herbst zu Maar, Kreis Lauter­bach, die erledigte Lehrerstelle zu Ruttershausen, Kreis Gießen; dem Schulamtsaspiranten Kvrl Eberle aus Bingen die erledigte Lehrerstelle zu Wingershausen, Kreis Schotten.

* * Die Großh. Hessische Staatsschuldenver­waltung erläßt folgende Bekanntmachung : Die am 2. Ja­nuar 1914 fälligen Zinsen der in das Hessische Sta ats- schuld b u ch eingetragenen Forderungen werden bei allen in Be­tracht kommenden Hessischen Kassen und bei den Reichsbankanstal­ten vom 18. Dozcmber 1913 ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die StaatSschuldenkassc die durch die Post oder durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuch­zinsen überweisen.

** Eingabe der medizinischen Fakultäten an denReichskanzler. Nach demBerl. Tagebl." haben sämt­liche medizinische Fakultäten der deutschen Universitä­ten sich in einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt, um einer allgemeinen Einigung zwischen der A e r z t eo r g a-. n i s a t i o n und den K r a n k e n k as s e n im Reiche die Wege zu ebnen.

**Tie Handwerkskammer teilt uns mit: Eine Da ein­

genommen. Ter hiergegen eingelegte Rekurs ist sowohl von der Aufsichtsbehörde, Großh. Kreisamt Darmstadt, wie auch von dem Provinzialausschuß Starkenburg verworfen worden. Von letztge­nannter Behörde war auch die Handwerkskammer gehört worden, die die Innung auf Grund ihres Statuts zu dem betätigten Vor­gehen für befugt erklärte. Vor kurzem sand die Angelegenheit noch­mals ein Nachspiel vor dem Provinzialausschuß Starkenburg. Die Firma unterließ die Reklame nicht und wurde daher fortgesetzt von der Innung für jede Annonce in Strafe genommen. Hiergegen erhob bic Firma Beschwerde bei Großh. Krcisamt Darm­stadt mit der Begründung, daß nickt jede Anpreisung als neue Verfehlung angesehen und mit Strafe belegt werden könne. Das Kreisamt Darmstadt hat die Besckwerde abgcwiefen und der Pro- vinzialauSschuß trat nunmehr dieser Entscheidung ebenfalls bei. Hiermft ist das Vorgehen der Innung, die in der Grundfrage von der Handwerkskammer wirksam unterstützt mirbc, von alten In­stanzen gebilligt und im Interesse des reellen Handwerkerstandes eine überans wichtige Entscheidung in einer das Erwerbsleben stän­dig bewegenden Frage getroffen.

** Vorn Konzertverein wird uns geschrieben: Dem ftntm verklungenen Beethovenkonzert folgt schon am nächsten Sonntag, den 14. Dezember, ein weiteres Konzert in der neuen Aula in Gestalt des 2. Solistcnabends. Der kurze Abstand und die Verlegung in die Weihnachtszeit lagen ursprünglich nicht in der Absicht der Konzcrtlcitung. Allein mit Rücksicht auf die Künstler und von anderer Seite schon feftgelegte Veranstaltungen konnte ein Ausweg nicht gesunden werden. Auf dem Programm stehen die beiden Namen Walter Soomer und Alma Moodie. Der Kammersänger Walter Soomer von der Dresdener Hofoper singt zum ersten Male unb aller Voraussicht nach zugleich zum letzten Male in Gießen, denn das Land des Dollars wird ihn den deutschen Bühnen äbspenstig machen. Er geht schon mitte nächsten Jahres nach Amerika. Soomer gehört zu den überragenden Künst­lern selbst unter den gefeiertsten deutschen Baritonistcn. Tic Grund- gewalt seines Basses, die Pracht und hohe .Kultur seines Organs und die unvergleichliche Gestaltungskraft sinp männiglich bekannt. Ms erkorener Darsteller des Hans Sacks und Wotan ist er seit fahren der Mittelpunkt der Künstlcrsckar bei den Bayreuther Fest­spielen, anerkannt als einer der Vortrefflichsten und gepriesen selbst von den Kritikern strengster Richtung. Soomer war langjähriges Mitglied der Leipziger Oper unb der Günstling unb Stolz ber ömligen Muiikfreundc, die seinen Weggang nach DreÄren nicht ver- ickinerzen konnten. Auch im Konzertsaal haben Soomers glänzende Gaben und sein außerordentliches Können höchste Bewunderung gefunden. So darf man seinem Vortrag Löwescher Balladen und der großen ilrxc aus Marschncrs Vampyr, die er hier singen wird, Äs1^^?»^^"^s^/^cgensel)en. Für den instrumentellen Griäcuuuig, cm Wunderkind, in der Hflü n 0 61 c gewonnen worben. Die ?5in,c1 »unstlerrn stammt aw, Australien und wohnt jekt in Brüf- cl. debet ihren künstlerischen Werdegang ist chlgend^s £ S» '«Fr F11 ^igte Alma ZWüc einemiß^ordentttcke ima.kaftsckc Begabung und, erhielt Vwlinunterricht in

Frer vcrmat, dann in Brustel, bei dem au^eÄuSn toioe?

bCC frlrf) £«TCVeinc verM?enbe T^hnik^nm 1 west-ekannren Namen gesausten hat (Mtsmfci) beroSä6riaen

Meininger ko nzerte in Gießen durfte sie dem hier weilenden Max Reger Vorspielen, der ihr ein solches Interesse entgcgenbrachte, daß sie im darauffolgenden «Sommer bei ihm in Meiningen haupt­sächlich Bach, Beethoven und Brahms studierte, um sich int Ensemblespiel zu vervollkommnen. Als Beweis ihres ganz unge­wöhnlichen Talents mag die.Tatsache angesehen werden, daß sie die unglaublich schwierige Ausgabe, das Brahmsschc Violinkonzert mit dem Meininger Orchester zusammenzuspieten, überraschend unb bewundernswert bewältigte. Lluf Empfehlung Szigetis bat sie an seiner SteNe unlängst in einem Kdnzert in Eötßen gespielt. Im Laufe dieses Jahres konzertiert Alma Mwdi in Berlin, Brüssel, London usw. Die Künstlerin, die in den musikalischen Ent­wicklungsjahren steht, verfügt über einen großen Ton, verblüf­fende Technik und auffallcnbe Reift: in ihrem Spiel. Selbstver­ständlich muß sie weiterstudieren, unb bazu hat sie in Max Reger einen strengen Lehrmeister gefunden, ber über sie wacht unb ver­hindern wirb, baß sic alsu n b e r k i n d" ausgenützt nnrb. Tie Begleitung für bieses Konzert bat in freundlicher Weise Derr Prvfest'or Trautmann selbst übernommen, wofür ihm alle Musikfteundc Dank wissen werben. Uebrigens war es unver­meidlich, die Geige als Soloinstrumeut in zwei unmittelbar auf­einanderfolgenden Konzerten zu verwenden^ weil die beiden Künst­ler, Szigeft und Alma Moodie, nicht anders als für diese Taten verpflichtet werden konnten.

** Gießener Freilandgruppe. Am Dienstag abend fprack auf eine Einladung der Gießener Frcilandgruppe hier Kapitänlcutnant a. D. Hans Paasche im stark überfüllten großen Hörsaal der Universität überFr ei deutsche Jugend". Ein frisches Soldatenlied ersetzte die sonst üblichen Bcgrüßungsworte. Der Vortragende entwarf dann ein Bild von den Problemen und dem Ringen unserer Zeit. Geknechtet sind, so führte er aus, wir unter einen Industrialismus, der uns mit Lurusgütern über­schwemmt, die nicht nur keinen Wert haben, sondern auch überall nur großen Schaben bringen. Eine kleine Klasse von Menschen hat es nur des Gewinnes wegen darauf abgesehen, ine Bedürfnisse zu vermehren und ihre Güter zweifelhaften Wertes auszudrängen und das mit einer Sicherheit, ber heute noch bic meisten Tribut zahlen. Tie Sache, bas tote Ding, hat ben Menschen unterjocht: sein «Selbst unb sein natürliches Leben ist zerstört. Zur De- ftiebigung seiner Luxusbedütfnisse scheut ber Mensch auch nicht vor einem Eingriff in bie Natur zurück, unb ganze Ticrklasseir müssen aussterben, tuet! ber Kulturmensch sie braucht, um sie auf seinen Hüten aufzutragen. Aus bieser Knechtschaft unter eine Kultur"- unb Luxus-Sitte hat sich bie Jugcnb befreit. Sir ist hmausgewanbert in bic freie Natur mit leichtem Gepäck unb frohem Herzen. Sie hat bie Einfachheit unb bie Lebensfreube gesucht unb alle entnervenben Genußmittel unb BetLubungsgiste wie Alkohol unb Nikotin, bie man ihr oufbrängen wollte, hinter sich gelaffen. Von bieser Jugenb wirb eine Erneuerung ber Kultur unb eine Gesunbung unseres Vaterlanbes ausgehen, benn nur ein körper­lich starkes unb einfach lebenbes Volk kann auf bie Dauer ber Trager einer hohen Kultur sein. In bieser Vaterlanbsliebe ber Tat fanden sich auch alle, die in ber Aussprache in manchen Punkten abweichenbe Meinungen geäußert hatten.

**Zur schnellen Abwickelung des Postschalter­verkehrs währcnb ber Weihn achtsz eit kann, wie uns vom Postamt geschrieben wirb, bas Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung ber Weihnachtspakete sollte nickt lediglich ober vorwiegenb bis zu ben Abcnbstunden verschoben, sonbern namentlich Familiensenbungen, tunlichst an ben Vormittagen aufgegeben werden. Selbstfrankierung ber cin-mliefemben Weihnachtspakete durch Postwertzeichen sollte bie Regel bUbcn. Mit seinem Bedarf ian Postwertzeichen müßte sich ein jeder schon vor dem 19. Dezember verseheit. ZeitungsbestÄlungen dürften nicht in ben Tagen vom 19. bis 24. Dezember am Schalter ber Poftanstalten angebracht werben. Für Die am Postschalter zu leistenden Zahlungen sollte der Auflieferer das Geld abgezählt bereit halten. Die Befolgung dieser Ratschläge würde ber Post unb bem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen.

** Das Großherzogliche Hauptsteueramt Gießen teilt uns mit, baß die Amtsräume des Haupt­steueramts am ersten Weihnachtsfeiertag, dem 25. b. Mts., von 10 bis 12 Uhr vormittags zur Abfertigung von Postpaketen geöffnet frnb.

** Zur Krebsbekämpfung. Der Hessische Landes- Verein für Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten ist neben seinem bekannten Aufruf an bie Allgemeinheit auch an die hessischen Städte herangetreten mit bem Ersuchen, unbeschadet ihrer eigenen Mapnahmen, die von dem Lanbesoerein beabsichtigte umfangreiche Tätigkeit durch einen Jahresbeitrag von 500 Mark zu unterstützen. Dem Antrag wurde städtischcrseits jedoch nicht zugesttmmt, da man erst Ermittelungen über die Stel­lungnahme der übrigen hessischen Städte einholen will.

>- ** Der heutige Tag hat für Sammler ein besonderes Interesse. Eine Karte, die heute vormittag zwischen 9 und 10 Uhr in den Briefkasten geworfen wurde, trägt den Stempel V.-Dc.

tragen.

** Die Äeihnachtsausstellung in der Handarbefts» und Kunstschule Landmann findet, wie aus dem Anzeigenteil ersicht­lich, kommenden Sonntag statt. Wir macken darauf aufmerksam, besonders da dieselbe nicht wie sonst üblich Samstag und Sonn­tag, sondern mit Rücklicht auf die Weihnachtsaufführung in der Turnhalle, nur Sonntag zu sehen ist.

^*JhrenBranbwunden erlegen ist das Dienst­mädchen Christine Garben, öas in der Nacht auf Dicns» tag in ihrer Dachkammer auf der Süd-Anloge durch Um­fallen der Lampe schwer verbrannt worden war. Ma.n hatte sie in die Klinik gebracht; dort starb sie zwei Stunden nach ihrer Einlieferung.

Kreis Friedberg.

O Friedberg, 10. Dez. Heute nacht wurde in der Bahnhofswirtschaft eingebrochen. Geld und« waren wurden gestohlen. Allem Anscheine nach hat man es mit erfahrenen Einbrechern zu tun.

v. Bad-Nauheim, 10. Dez. In einer gestern abgebaltenen Versammlung des Heimatsvereins hielt Lehrer Oßwald einen sehr interessanten Vortrag über die Salzflora Bad- Nauheims. Der Redner, der sick in eingehendem Studium mit dieser Sache befaßt hat, schlug b(t>r, daß unsere Bade Verwal­tung eine Schutzstelle schaffe, auf der bic botanischen Merk­würdigkeiten angcpflanzt werden, um sic vor dem Aussterben und der Vernichtung zu bewahren. Bedeutende Botaniker aus Halle, Frankfurt und Gießen haben schriftlich ihren Beifall zu dieser Idee ausgedrückt. Für dieselbe Versammlung war ein Vortrag bc5 Dr. Martin überVeitstanz" angckünbigt worben, boch mußte bieser wegen ber vorgerückten Zeit ausfalleu.

Starkenburg und Rhcinheffcn.

rm. Darmstadt, 11. Dez. In Lorsch a. b. B. ist gestern abend ein großes Schadenfeuer ausgebrocken, dem 3 Scheunen, Ställe und Wohnhaus zum Opfer fielen. Die Ursache ist bis jetzt nicht ermittelt worden. Tie Geschä­digten sind versichert.

m. Offenbach, 11. Dez. Die Einwohnerzahl der Stadl Offenbach ist nach den neuesten Feststcklungm des Offenbacher Meldeamts auf 80163 gestiegen. In der Wohnung des be- farmien Jmpsgegners, Ingenieur Wegener, wurde von der Kriminalpolizei eine Haussuchung vorgenommen, wobei etwa 1000 Exemplare von Nr. 50 und 6000 Exemplare von Nr. 52 der von Wegener herausgegebenen ZeitschriftDie Jmpffrage" be­schlagnahmt wurden. Von ber ersteren Nummer waren bereits 50 000, von der letzteren 92 000 Exemplare vertrieben.

6. Mainz, 10. Dez. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde beschlossen, für baß neue städtische Krankenhaus eine besondere KrankenhauZ-Depu-