Ausgabe 
16.8.1913 Drittes Blatt
 
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Ur. 191

Drittes Blatt

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

TieGießener ZamUienblStler" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Urei,blatt für den Kreis ftiefjen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 16. August 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UnioersrtätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition unb Verlag: 51.

Redaktion:112. Tel.-Adr.:LlnzeigerGreßen.

Luther als Steuerzahler.

Heber dieses in der Zeit der Wehrsteuer besonders inter­essante Thema weiß dieStraßburger Post" (Nr. 825) eine eigenartige Aeußerung mitzuteilen. Sie findet sich in einem Brief Luthers an den Kurfürsten Johann den Beständigen von Sachsen, in dem der Reformator schreibt, daß er freudig aus seinen geringen Mitteln die Steuern bezahlen mürbe, die zur Sicherung der deutschen Reichsgrenzen gegen äußere Feinde notwendig seien. Der Brief stammt aus dem Jahre 1529, als die Türken vor Wien erschienen und in Teutschland die Furcht gehegt wurde, die asiatischen Sorben könnten das ganze Reich über­fluten. Damals forderten die Fürsten von 'ihren Untertanen den sogenannten Türlenpfennig, und als diese Forderung auch an Luther gelangte, richtete er an seinen Landesherrn folgendes Schreiben, in dem feine Stellung zurWahr­ste uer" des Jahres 1529 deutlich zum Ausdruck tarn:

Ich wollte auch gerne mit meinen Pfennigen bei dem Türken­zuge sein, und zwar unter denen, die willig beitragen, denn der Unwilligen sein genug. 3d: wollt auch gern ein gut Exernpel geben, dem Neid zu begegnen und andere aufiumuntem, immn sie Zehen, daß and) Tr. Marti aus mitsteure. Ich hoffe, <*5 würden die Gvoick-en, so id) und andere gehorsamen und freudigen Ge- müthS beitragen, Gott nicht minder wohlgefällig sein, als der Wittwen Sdrärflein und besser als die Tu taten, welche die Reichen mit Unwillen erlegen."

Die (Eröffnung des Haager $rieöen$palafte$.

Taö Werk ist vollendet, schon sind die Einladungen versandt: am 28. August wird, anschließend an den am 20. August im Haag zusammentretenden Friedens-Kvngreß, der prächtige Neubau des Fricdenspalastes festlich eröffnet werden. Das stattliche Bauroerk, das dank einer Stiftung Carnegies in großzügiger Form errichtet werden tonnte, erhebt sich inmitten eines prächtigen Parks: der Baustil lehnt sich an ältere flämische Formen an. Ein eleganter großer Turm beherrscht den ganzen Komplex der Gebäude und im Erdgeschoß öffnen sich hinter zehn Arkaden ebenfo viele stattliche Tore. Zum Smyrttoe führt eine große Stein­treppe, über die man in den imposanten Vorraum, das Treppenhaus eintritt. Sier liegen, ebenfalls im Erdgeschoß, rechts und linls von der großen Ehrentreppe, ein kleiner und ein großer öffentlicher Saal. Beide sind von Konferenz- zimmern und Beratungsräumen umgeben. Den Delegierten stehen besondere Zimmer zum Empfang von Besuchen zur Verfügung: es fehlt auch nicht an besonderen Rauchzimmern und Erfrischungsräumen. Durch Auszüge gelangt man in ba3 erste Stockwerk, wo die ständigen Geschäftsräume des ^Generalsekretärs des Internationalen Friedensbirreaus un­tergebracht sind. -Sier befinden sich auch die großen Archive, Arbeitszimmer, die prachtvolle Bibliothek und der Zugang zu den Tribünen der öffentlichen Sitzungssäle. Auch für die körperliche Bequemlichkeit der Friedensdelegierten wird ge­sorgt, schön eingerichtete Baderäume, Massiersäle und ein Friseursalon harren ihrer Gäste.

Tie Baukosten des Friedenspatastes sind bekannt­lich zum größten Teil durch die Stiftung Carnegies be­stritten worden, aber an der Ausschmückung sind alle großen Kulturnationen beteiligt. Aus Deutschland stammen alle Schlössereisenteile und die sckföneu schmiedeeisernen Türen, Frankreich sandte Gobelins und Ssvres-Porzellan, Eng land die Glasfenster, Italien das Marmormaterial, aus Japan kamen prachtvolle Seidenstoffe, aus China Porzellan und aus der Türket kostbare alte orientalische Teppiche. Tie Schweiz steuerte die großen Uhren bei, Amerika die kost­baren Holzarten zur Innendekoration und So Ilan b lieferte als Wandschmuck Gemälde der flämischen Schule. Bei der festlichen Eröffnung werden, so weiß das Journal zu be­richten, Kanonen ihre Stimmen zu Frcudensalven erheben, so daß am 28. August ausnahmsweise die Artillerie für die Sache der Friedensfreunde wirken wird.

Giftiges Brot.

Das fcudxtc Frühjahr, der nod) nässere Vorsommer dieses Wahres und der fehlende Sonnenschein während dieser ganzen Zeit hat unsern Feldern trotz alledem einen reichen Crmesegcn de Wert. Der Landmann hat zwar viel Mühe, oas lagernde, mit Vogelwicken ganz verwachsene Getreide zu mähen, aber war haben rem Hungersahr, keine Teuerung des täglichen Brotes zu erwarten. Im Gegenteil, es ist reichlich gewachsen. Mit ihm zugleich ist aber ein schleichendes Gift gewachsen, auT das hier anfmersam gc macht werden soll: Das Mutterkorn.

Gebt man an einem reifen Kornfelde vorüber, so fallen dem Beobachter schwarze, bornartig gekrümmte Oktal bc aut, ineldk- neben den Körnern in den Aehren sitzen. Sie sind in gewöhnlichen Jahren in unserer Gegend äußerst selten, und wenn sonst welche für wissenschaftliche Untersuchungen gebraucht wurden, kam es vor, daß man stundenweit die Gemarkungen danach absucken konnte, ohne auch nur ein Stuck zu finden. In diesem Jahre aber ist Mutterkorn, in der Nähe unserer Stadt wenigstens, z. B in den Kornfeldern der Schwarzlach, an der Lahn usw., so reichlich, daß man, wenn die verbesserte Reinigung des Brotgetreides das Mutterkorn nicht auszufcheiden vermag, ehe es zu Mehl vermahlen wird, Schädigungen der menschlichen Gesundheit befürchten muß. Der Genuß selbst geringer Beimengungen von Mutterkorn unter dem Brot gibt nämlich Veranlassung zu jenen Krankheiten, welch? man von alters her unter den NamenÄr ic be I f r a n FI) e \V*> Kornstäupe",Brandseuche" oberAntoniusbrand" kennt und früher in vielen Gegenden epidcmisdf auftraten.

Während geringe Mengen des Giftes von den meisten Men­schen vorübergehend ohne Schaden vertragen werden könncit, ruft der fortgesetzte Genus? von Brot, welches Mutterkorn entkiält, schwere Krankheitserscheinungen hervor, die unter ungünstigen Umständen zum Tode führen können. Die Kranken werden von Schwindel, Schmerzen im Rücken und den Gliedern, ,\)autjucfen knebeln 1, Zittern und Zuckungen befallen. Tic Gliedmaßen wer den gerötet, sie schwellen an, schließlich bilden sich Brandblasen, cs stellt fick) Fieber ein, bis der Tod ein qualvolles Leiden endet. Bisweilen äußert fick) die Krankheit aber aud) in anderer Form. Es stellen sich Uebelkeit, Erbrechen und Durchfall ein, die Kranken leiden an Taubheit und Gesichtsstörungen, es entsteht Turft- gcfühl, Heißhunger, es treten Krämpfe ein, welche die Formen des Starrkrampfes annehmen können. In andern Fällen entsteht Wahnsittn ober Blödheit und auch in diesen Fällen soll "der Tod bisweilen einen traurigen Abschluß eines nicht rechtzeitig erkannten Leidens bilden. Die Dauer der Krankheit betragt 4 bis 12 Wochen.

Was ist Mutterkorn, wie entsteht cs, wie ist seine Verbreitung und wie läßt sie fid) bekämpfen? Wie erkennt man ferner ver­dächtiges Mehl und Brot? Diese Fragen lassen sich unter Ver meibung von wissenschaftlichen Fachausdrücken etwa folgender weife kurz beantworten:

Das schwarze, beim Durchschneiden innen violett aussehende Mutterkorn ist der Dauerzustand eines Pilzes, Clavieeps purpurea, wie die Kartosfelknolle der ausdauernde Teil der Kartoffelpflattze ist. Es ist für die Verbreitung desselben ganz gleichgültig, ob das Mutterkorn bei der Ernte ausfällt und auf dem Acker bleibt, ober mit dem Saatgetreibe ausglsär wird. In beiden Fällen ent­wickeln fid) aus ihm Ende Mai oder Anfang Juni, wenn bas Korn blüht, eine Menge roter ober gelblicher, stecknadel köpf großer Körper, bie auf Stielen sitzen. Aus ihnen werden, wenn sie ihre Reife erlangt haben, mikroskopisch kleine Sporen ausgestoßen, welche, vom Wtnbe verweht, auf bk Aehren des Roggens ge langen. Hier keimen sie in kurzer Zeit und verursachen die als Honigtau des Roggens bekannte Erscheinung. Diese süßlid) febmedenbe Flüssigkeit, die namentlich bei feuchtem Wetter oft so reichlich vorhanben ist, daß sie von ben Aehren abtropft, enthält die Pilzkeime in unzähliger Menge, welche von Insekten, die bei £>onigtau anlockt, von Aehre zu Aehre, von Felb zu Feld Ver breitung finden. Gelangt einer dieser Pilzkeime zwischen die Spelzen, an ein werdendes Sametiforn des Roggens, so ver­ändert sich dessen Zellinhalt, es entsteht Mutterkorn. Bei trockenem Wetter kommt cs zur Bildung des Honigtaues nur in sehr be­schränktem Maße und Sonnenschein tötet die ihm ausgesetzten Pilzkeime binnen wenigen Stunden ab. Es ist also verständlich, wie der Pilz in feuchten Lagen und in nassen, trüben Sommern, wie der gegenwärtige, die günstigsten Vorbedingungen 3um Ge­deihen findet. Außer auf Roggen kommt das Mutterkorn nod) auf verschiedenen Gräsern vor, von welchen aus die Kornfelder leickt infiziert werden tonnen. Tatsächlich findet sich in der Regel

freuten »Ku nfcfcbatt.

Weibliche -lcrzte

auf dem Internationale» Medizinischen Kongreß.

Wenn bei dem früheren in London abgeh.iltenen Internatio­nalen Mediziner-Kongreß im Jahre 1881 jemand davon gesprochen hätte, daß bet dem großen Kongreß für Medizin im Jahre 1913 die Aerzte aller Weltteile die Gäste ihrer Kolleginnen sein würden, hätte man den Kops geschüttelt und den Mann, der solches voraus sagte, zumindest für einen red t seltsamen Propheten gehalten. Und bod; ist das, was man einst als ausgeschlossen ansah, Ereignis ge­worden, in den dem Kongreß vorgelegten Berichten nehmen die Studien und Beobad untgcn nriblidter Aerzte sowohl ihrer Zahl als aud> ihrer Bedeutung nach einen sehr stattlichen Rang ein, und für die Stellung, bie sich bie Frau im Laufe der letzten Jahr­zehnte in der Heilkunde der Welt erobert bet, ist ein charakteristisches Zeichen das große Bankett, das in diesen Tagen die Kongreßteil­nehmer als Gäste in der Londoner Medizinischen Hochschule für Frauen vereinigt.

Im Jahre 1881 nxir diese Hochschule gerade begründet worden, sie zählte laum 23 .Hörerinnen, und die Frage der Zulassung von Frauen zum mebutnnd-.u Studium zählte mehr Gegner als Verteidiger L>eute wirken nicht nur in allen Weltteilen wunderte, ja Taufende von Frauen als Aerzte; auch auf dem Gebiete der medizinischen Forschung und vor allem auf organisatorischem Ge biete haben sich viele iveiblidre Aerzte einen Namen gemacht, der int Reick, der medizinischen Wissenschaft einen guten .'dang hat. Als Prof. Tuffier bei dem Bankett davon sprach, daß man stolz fei, Gäste der" weiblichen Kollegenschaft zu sein, sagte er mehr als eine leere Schmeichelei. Tenn an der Tafel sah man Aerztinnen, wie Tr. Mar» Scharlieb, die jahrelang als akademische Lehrerin an der Universität Madras wirkte, burch eigene Initiative die gewaltige Organisation schuf, die heute im weilen indischen Reiche in der är.jtlidxn Behandlung der eingeborenen Frauen so viel Segen stiftet, und bie auf Grund ihrer mannigsacken Veröffent­lichungen die goldene Medaille der Univerf'ität Ebinburg erhielt. Wie groß ist heute bereits nur in London die Zahl der Frauen, die im mcdiffnif'chen Berufe hohe und verantwortungsvolle Stel- lui'eicn beHeiben. Fräulein Tr. Aldrick Blake ist erster Chirurg an dem neugcfdxmenen Frauen krankenhaus, als amtlicher ärzt­licher Berater des Londoner Graffchastsrates wirkt Frau Tr. Tidcnfon Bcrrv, die zugleich am Alexandra-Hospital für Kinder eine leitende Stellung einnimmt, und so ließen sich noch viele an­führen.

Einer der tüchtigsten Augenärzte, eine Autorität auf diesem Gebiete, ist Fräulein Tr. Amy Sheppard, die als Chirurg am New Korker Frauenkrankenhaus wirkt: eine der berühmtesten weib-I ffchen Aerzte aber bleibt Tr. 9.1haube Abbott, die in Kanada an'

der Mc Gill Universität wirkt und nicht nur in Kanada, sondern auch in den Vereinigten Staaten^ als eine Autorität auf bcm Gebiete der Pathologie gilt. Als Chirurgin hat sich Tr. Sarah Palmer in Boston einen großen Namen gemacht kurz, bie Zeit ist bereits gekommen, da es nicht mehr möglich ist, alle weiblichen Aerzte von Bedeutung einzeln aufzuführen. Tie Zahl der Forschungsberichte und Vorträge, bie von weiblichen Aerzten bei bcm fetzigen medizinischen Kongreß in London vorgelegt würben, Üderstetgt 200 und ebenfo gr >f ist die Zahl ber weiblichen Teil nehmet- an dem Kongreß. Besonders auf dem Gebiete der >Nnder- heilfunbc haben die Frauen wertvolle Arbeitcm von wissenschaft- licker Bedeutung tu verzeichnen, darunter auch die Studien von Tr. Julia C. Lathrop, die als Präsidentin des amerikanischen Kinbcramtes in den Vereinigten Staaten in führender amtlicher Stellung das Kinderheilwesen ber Union beaufsichtigt.

*

Sur 27. Tagung bcs Allgemeinen Deutschen grauen Vereins in Gießen vom 6.-8. Oktober 1913. ®ir werden gebeten, mitzuteilen, baß folgende öffentliche vaupt vertrage für _bic Abende festgesetzt worden find: Es sprechen am 6. ktober: Frl Tr. Marie Bernays überBesteht ein ursach lid-er Zusammenhang zwischen der Frauenbewegung und dem Geburtenrückgang?" Äin 7. Oktober: Frl Tr. Gertrud Bäumer überWirtschaftliche Tatsackfen und Kulturforderungen in der Frauenfragc", und Frl. Helene Lange überTer Weg zum Frauen­stimmrecht". Am Nachmittag des 8. Cttober soll eine Jugendoer fammlung stattfinden. Ein ausführliches Programm wird im September veröffentlicht werden.

Ten Wert der Frauenreckts schütz st eilen, von denen eine bekanntlich auch in Gießen ihre segensreiche Tätigkeit entfaltet, haben aus der 5. Generalversammlung des Recktsschutz- verbattdes für Frauen zu Düsseldorf im Juni b. I sackkun- b 1 g e Manner mit besonderer Wärme anerkannt. Wir ent­nehmen den: Centralblatt des Bundes Deutscher Fraucnoereine o.te «vrauentrage" Nr. 8 vom 16. Juli 1913 folgenden Bericht - _ ~cr Regterungspra,ident Tr. Kruse bezeichnete die Rechts- fchuvtattgkeit als die sympathischste Erscheinung in der Fraucti- benxgung Ihr Leittnottv sei bie herzliche Liebe der Frau zur ^rau^unb dteie Arbeit, auf Liebe gegründet, schaffe eine Fülle . regens -ter Sberlandesgertchtspräsident Tr. Ratjen tagte in enter herzlichen Ansprache u. a.: Das Beftteben, jebem zu feinem Recht zu verhelfen, läßt die Frattenrechtsschutz- IteHcn mit der Justizverwaltung Hand in. Hand gehen. Es ist dringend notwendig, daß. die Frau sich mit der Frau be­raten kann, denn die Rechtsordnung hat etwas Hartes, Jwin- gendes, und kann nicht jede Person einzeln berücksichtigen, ^a int es mit großer Freude zu begrüßen, daß es Frauen sind, dtc j eitle Unwissenden, Schutzlosen belehren, Frauen, bie die

auch das meiste Mutterkorn an den Rändern ber Kornfelder, n»o diese an rasige Raine ober Wiesen grenzen. Cs ist daher ge­boten, sie vor der Roggenblüte zu mähen Feuckstgelegene Aecker sind zu entwässern und der Anbau von Roggen aut Feldern, die erfahrungsgemäß viel Mutterkorn hervorbtingen, burdi andere Feldfrückste zu ersetzen. Ein Rabtkalinntel ist das Abiudfen beö Mutterkorns vor Beginn ber Ernte, bock dürfte sich zu dieserShbcit, bfe sich durch den Verkauf des gesammelten Mutterkorn^ in die Apotheken bezahlt madicn würde, aus Mangel an Zeit kaum jemand finden. Es bleibt darum immer als letztes bie Zuversicht aut eine gründliche Reinigung sowohl des Saatgetreides wie auch ganz besonders im Interesse b?r menschlichen Gesundheit d<s- jenigrn, welches, zu Mehl vermahlen, das wichtigste Volksnab- rnngsmittel barstellt. .Wie weit diese Hoffnung durch die ver­besserten Reinigungsmasdünen ihre Beredttigung hat, ist mir nicht bekannt.

Mehl, welches viel Mutterkorn enthält, ergibt eine bläuliche Färbung bis< Brotes. Geringere Mengen ermittelt man auf einfache Weise, wenn man einen Neinen Löffel voll Mehl mit ber fünf - bis zehnfachen Menge Wasser und ettvoS Salzsäure einige Minuten lang kocht und hierauf den dünnen Mehlbret auf einen weißen Teller streicht. Das Mutterkorn erschemt al-- bann in Form kleiner bräunlid) roter bis purpurfarbiger Pimktchen. Bei bem Erwärmen mit etwas Malilauge entwickelt mntterkorn haltiges Mehl jenen nnbenvärtigen Heringsgernd), der bet nebe­ligem Wetter bisweilen auch auf ben Feldern wahrzunehmm ist, die vom Honigtau befallen sind. R.

Vie Tätigkeit des chemischen Untersuchunqsamtes für Sie Provinz Sberhessen für das Zahr |9t2.

Ans bcm Berichte über die Tätigkeit des dternischen Unter- suchungsarntes für bie Provinz Oberhessen für baS RedmungS- jahr 1912 entnehmen mir folgenbe-5:

Ter Umfang des Geschäftsbetriebes hat sich im Berichtsjahre erheblich erweitert Tie Untersuchungen in Ausübung der amt­lichen Nahrnngsmittel- und Weinkontrolle find vermehrt worden. Auck) von privater Seite ist das Untersuchungsamt mehr in An­spruch genommen worden. Tic Zahl ber Untersuchungen betrug im Berichtsjahre 1929 gegenüber 1535 des Vorjahres.

Die Untersuchungen verteilen sich: ai auf Nahrnngo und Gennßmittel 1670 Proben, b) auf Gcbrcnichsgegcnstanbc 118 Pro­ben, c) auf lwgienisch-plnisiologisch chemische und gerichtliche Untere suchungen 54 Proben, d) auf technische Untersudrungen 87 Proben.

Von den NahrungS- und Oknuhmitteln mutzten 231 14no wegen Verfälschung und Vcrborbensein uttb von ben (Gebrauchs- nben 29 = 24,6% beanstandet werden 3u

Bcanstanbungen ist folgendes zn bemerken: Bon den nntersucksten W u r [t w a r e n mußte eine größ, rc Anzahl beanstandet werden, weil sie unter Zusatz von Kartoffeltnehl hergestellt waren. Dem Milchverkehr wurde erhöhte Aufmerksamk.it geschenkt. Don 735 im Verkehr erhobenen Milchproben mußten nidft weniger als 176 Proben 24".. beanstandet werden. Tie Bcanstanbungen er­folgten: ai wegen Wässerung in 58 Fällen, b) wegen Entrahmung Fällen, c) wegen Wässerung und gleichzeitiger Entrahmung in 3 Fällen, dj wegen zu niedrigen Fettgehaltes in 55 Fällen, e) wegen starken Schmutzgehaltes in 7 Fälleti. Die Wasserzusätze schwankten zwischen 5 und 80°0, die Fettentzüge zwischen 0,5 und 2°o. Ter durchschnittliche Fettgehalt der Milchproben betrug nach Ausschluß der gewässerten und entrahmten Proben 3,65f/b. Die hohe Beanstanbiingszisfer von 24"o läßt eine scharfe Uebcrwachung des Milchverkehrs geboten erscheinen.

Bei verschiedenen Bnttcrproben wurde ein zu hoher Wassergehalt bis zu 10".. festgestellt. In einem Falle war Butter mit Margarine vermischt. Bei Essig war häufig ein zu geringer Gehalt an Essigsäure, und bei Weinessig das vollständige Fehlen von Weinbestandteilen zn beanstanden. Zwei Prober, gerösteter Kaffee waren mit Dextrin überzogen und wiesen einen Wasser­gehalt von 9 bis 10»0 auf. In Ausübung der W e i n k 0 n t r 0 l l e wurde ein Weißwein wegen Ueberftredung und einer wegen zu starken Verschnittes mit AuSlandwein beanftanbet. Vier Südweine gaben wegen falscher Bezeichnung zu einer Beanstandung Ver­anlassung. Von dem zur Untersuchung eingelieferten Trink- wasser entfprad) eine größere Anzahl nicht den An fordern naen, die man an ein gutes Trinkwasser stellt. Es konnte der Zufluß jaucheartiger Stoffe zum Brunnenschächte festgcstellt werden.

Tos L e itn n gSwasser der 2 t a b t Gießen wurde im November einer eingehenden chemischen Untersuchung unter­zogen. Gegenüber bcm Vorjahre hatte sid) die Ziifammenf'etzung

Dinge mehr mit dem Gemüt auffassen als der Mann, UNO deshalb von der ratsuchenden Frau besser verstanden werben. Es muß unb wird das Bestreben her Manner fein, solch edler Arbett Gerechtigkeit wiberfahren zu lassen. Tci Lanbtagsabgeorb- ncte Tr. Beumer sprach bern Verband and) bie lebhafteste An­erkennung seitens ber übrigen Tus'eldorfer Männerwelt aus, nachbem er von den Juristen willkommen geheißen feiWenn <oit im Parlament die Hilfe der Männer br.udeu, so soll sie Ihnen werben. Gesegnet sei Ihre Arbeit 5um Nutzen des Ge meinwohls unb zum Nutzen des großen deutschen Vaterlandes." xei Beigeordnete Ti. M 0 st als Vertreter des abwesenden Cher- bürgermeisterS bewillkommnete die Versammlung in beoonderS warmen WortenManch' glänz ndere Versammlung hat hier fdjon getagt, aber feine, die ber Stadt mehr Ehre gemacht hat, als die heutige. Mit wenig Gepräge nad> au reu verbreitet

Verband 10 viel Segen, der in bcm Bewußtsein: ich helfe! feinen Lohn trägt. Tiefe Tätigkeit ber Frauen erfüllt uns Mitbürger mit Stolz. Ich habe ben Auftrag der Stadt, deren herzltchen Tan! zum Ausdruck zu bringen unb Sie als hwch- gcichätztc i^äfte tnilirommcn zu heißen." Justizrat Kehren gab rur bie Anwaltskammer die Versicherung ab, baß sich deren Mitglieder auch künftig gern in den Dienst ber guten Sache stellen werben. Tic Landesverficherungsanstalt unb ber Verein 4rinfariuriorgc ließen durch Lanb.srat Tr. Schellmann die beiten Wünsche für einen erfolgreichen Verlauf ber Tagung überbringen. Tic Frauenarbeit bedeute eine erfreuliche Ent­lastung im Reichsversicherungswefen und fei eben io tvünschens- roert, wie die wirksame Frauenarbeit in der Trinkerfürsorge.

~ ~ Mütter-Pensionen 1 n Amerika. Das von dem Staate New Jersey eingefüforte PennonSgesetz für Mütter ist fetzt in Wirksamkeit getreten. Nack den Bestimmungen des Gesetzes fallen fünftig alle 23ihnen, bie kein Vermögen besitzen und.Kinder haben, sich dabei aber durch eigene Arbeit ernähren müssen, vorn etaate eine Beihilfe zur Erziehung und Unterhaltung ihrer Kinder gewährt bekommen. Im 6 Fällen find nach Prüfung der 23er* hältnissc bereits laufenbe Pensionen bewilligt worden Tie Witwe Katharine TuHar, die zwei Kinder hat und sich durch Uebernafome von Haushalttmgsarbeiten durchschlägt, erhält fortan von der Staatskasse monatlich 56 Mk.: Tfoercfa Cannon, bie 3 Kinder hat und ein kleines Ladengeschäft betreib, erhält 72 Ml. im Monat, unb die Wäscherin Florence 7ft:cdericks mit 4 Kinbern 88 Mk. Die Höck ste^ Pension, die bisher ausgesetzt ururo?, erhält Frau Verona Foß, die ihre 6 kleinen Kinder durch ihren Verdienst al? Fabrikarbeiterin ernährt. Tie Staatskasse hat differ tapferen Mutter bis auf weiteres eine Beihilfe von 120 Mk. im Dconat ausgesetzt.