Ausgabe 
14.2.1913 Zweites Blatt
 
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unserer Seewohr ganz anders

Landheer. DasZcntrumer

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die Hälfte der Gerichtskoften.

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von Schöffen bei den Jugend ftrafkammern wurde ab- gelehnt, ebenso die Einführung von S P ez i a l s ch ö f f e n. Weiter wurde die Zulassung der grauen a b g c l e h n t mit 14 gegen 12 Stimmen, und ebenso die Zulassung der Lehrer zum Schösfenantt mit 14 gegen 11 Stimmen: für diese Forderung stimmten nur die Fortschrittliche Bolkspartei und die Sozial- oemoTraten.

Die Ankunft Ser kaiserlichen Zamilie in Berlin.

Berlin, 13. Febr. Prinz Ernst August der mit der Kaiserlichen Familie hier eingetroffen ist, erhielt heute die Ordre, nach der er bei dem Ziethen-Husaren- Regiment eingestellt ist. Der Prinz reichte jedem Offizier die Hand. Im Lustgarten folgte der Vorbeimarsch des Ziethen-Husaren-Rcgiments in Aigen. .Hierauf gingen die Herrschaften ins Schloß, irw sie im Pfeilersaalc von den Obersten, Ober- und Bizeoberhofchargen empfangen wurden, deren Glüedmiinsche das Brautpaar darauf entgegennahm.

Deutschland; wiitschastliche Lage im Krieg.

Gießen, 13. Februar.

Der vom alldeutschen Verband (Ortsgruvpe Gießen) veranstaltete Vortragsabend war sehr zahlreich besucht. Ter Vor­sitzende, Freiherr von Liebig, gab einen allgemeinen lieber- blick über die letzten Weltereignisse und wies darauf hin,' daß nur eine starke auswärtige Politik den Frieden erhalten, unser Ansehen stützen und uns vor wirtschaftlichen Schäden bewahren könne. Tie Negierung sehe ein, daß sie seither mit unzuläng­lichen Mitteln gearbeitet habe, und die in Aussicht stehende, durch die öffentliche Meinung geforderte Militärvorlage liefere den Beweis, daß der alldeutsche Verband wieder einmal recht gehabt habe, als er schon vor Jahren auf die in unserem Vcr- teidigungswesen vorhandenen Lücken aufmerksam machte. Ten militärischen Vorkehrungen aber müßte die für den Kriegsfall notwendige wirtschaftliche Seite als ebenbürtig erachtet werden. Damit erteilte er Amtsgerichtsrat Lattmann -Schmalkalden das Wort zu dessen VortragDie wirtschaftliche Lage Deutschlands im Kriegsfalle".

In seinem ersten Teile führte der Vortragende aus, wie der Krieg von 1870/71 auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutsch­lands wirkte. Die erste Folge der Kriegserklärung war natur gemäß eine ungeheure Ängst, eine kaum zu beschreibende Panik, die sich im Steigen und Fallen der Kurse an der Börse, im Sinken der Preise der Rohstoffe zeigte. Tas Herausziehen des baren Geldes aus dem Verkehr bedingte eine gefährliche Geld­krisis, womit ein Heraufgehen des Zinsfußes bis 10 Prozent Hand in Hand ging. Äirch die Annahme der Landung bet französischen Flotte litt der See- und ganze Auslandslfandel, unser Wirtsckxlstslebeu nmrde schwer erschüttert. Auch für die Landwirtschaft bedingte das naturgemäße Fallen der Getreide- Preise ganz bedeutende Verluste. Aber schon nach den Schlachten bei Metz trat größere Ruhe ein, hervorgerufen durch das Zu­trauen zu unserem siegenden Heer. Die ängstlichen Kreise be­kamen wieder Mut, nach der Katastrophe von Sedan sank der Zinfuß wieder auf 4*'. Prozent. Tas Wirtschaftsbild verschob sich immer mehr zu unseren Gunsten. Es gelang, die Märkte, die vorher Frankreich gehörten, uns mehr und mehr zu sichern. Dies war der Fall in der Rübenzuckcrindustrie, in der Montan­industrie und in der Handschuhfadrikation, bezüglich deren eine Handelskammer berichtete, daß die Bestellungen aus Amerika nicht alle zu erledigen waren. Tie Herstellung der für den Kriegsbedarf nötigen Artikel ermöglichte die Herübernahmc von Arbeitskräften aus anderen, zur Zeit lahm liegenden Industrie­zweigen. In der nun folgenden 3. Periode, die nach der Kaiser­krönung zu Versailles ihren Anfang nahm, machte die Börse ei» glänzendes Geschäft. In der sicheren Annahme baldigen Friedens zeigte sich der allenthalben sicher zu erwartende Auf­schwung. Gelder wurden flüssig. Ein neues ungeahntes wirt- schaftliches Leben setzte ein, das sich, von manchen Kreisen abge­sehen, im allgemeinen in aufsteigender Linie bewegte, nicht zum wenigsten bedingt durch die anfangs bcr_80cr Iahte einsetzende deutsche Wirtschaftspolitik Bismarcks Sehr interessant nxtren die Bemerkungen des Redners über die Art und Weise, wie man deutscherseits die für den Krieg nötigen Gelder beschaffte, wobei bervorgehoben zu werden verdient, daß die Kriegs- an lei de größtenteils von kleineren und mittleren Geldleuten gezeichnet wurde und daß die Finanzgrößen anfangs vollständig versagten, sich sogar, wie das Haus Rotschild in Frankfurt,

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an der französischen Anleihe beteiligten. Erst nach den großen Waffen taten unserer Armee rückten sie aus ihrer Reserve heraus.

Was nun die allgemeine Weltlage anbetrifft, ist der Redner der Ansicht, daß ein Krieg zwischen Teutsckland und England wohl kommen werde, nicht weil wir ihn wollen. Wir haben kein Interesse, einen Krieg zu wünschen: im Gegenteil. Mer Deutsch­land bat jetzt schon die geistige Führung übernommen, es ist nur eine Frage der Zeit, dann bat es England in allen Stücken überholt, kaufmännisch, technisch, wirtschaftlich. Tas muß zu einer Auseinandersetzung führen. Und die große Kriegsgefahr, in der wir, ohne unfern Dillen, vor anderthalb Jabren nachweis, bar schwebten, muß uns veranlassen, die Augen offen zu haben und gerüstet zu fein. Tie leisten dem Vaterland keinen Dienst, die in Paris den Glauben erwecken, ein großer Teil des deutsche, Volkes antworte int Ernstfall mit einem Streik, sondern du richtige Vaterlandsliebe besteht im Erkennen des wahren Sach, rerhalts und entsprechendem Handeln.

In seinem zweiten Teil befürwortete der Vortragende bi Fragen: Was kostet ein Zukunftskrieg? Wie gestaltet sich bi wirtschaftliche Lage im Kriegsfall? An der Hand der durch bi Kriege in den letzten Jahren entstandenen Kosten lBurenkri Russifch-japanischer Kriegs und auf Grund r>erfd>iebcnttüf) au gestellter mutmaßlicher Berechnungen kann man annehmen, b ein Krieg uns täglich rund 18 Millionen Mark kosten kann, macht fürs Jahr 6500 Mark oder ungefähr 1 40 unseres Ritional-M vermögens ober den 6. Teil des Jahreseinkommens. Beschälst werden diese Kricqskosten durch die im Juliusturm in Svanda» vorhandenen 120 Millionen Mark, sowie durch Anleihen, wobei zu bemerken ist, daß dieses Geschäft sich nm so einfacher und besser gestalten wird, ie günstiger unsere Lage im Frieden ist ie mehr auch unser Volk darüber aufgeklärt ist, daß das Geld int Katt eines Krieges nirgends besser aufgehoben ist, als auf bei SVorkassen und daß ein starkes Schwert zu Wasser und zu San) auch hierbei von der besten Wirkung ist. Im Fall eines ffriegtj. j wird man natürlich bestrebt sein, den Gegner wirtschaftlich in ieber Weife zu schädigen Ties geschieht durch Entziehung der Rohprodukte, Sperren der Greinen und durch den wirtschaftlicher Boykott ganzer Lander. Das sicherste Mittel, gegen solche Maß­regeln geschützt zu sein, ist die wirtschaftliche Befreiung vaw Auslande. Wir haben zu unserer Landwirtschaft,das Vertrauen, daß sie infolge noch intensiverer Wirtschaft und infolge der Durch­führung der inneren Kolonisation noch mehr als seither die Erträge steigert und so die selbständige Ernährung des Volke- gcwährleistet. Daß auch die andern Faktoren, daß besonders die Svndikate sich im Fall eine» Krieges ihrer Pflicht gegen das Wirtschaftsleben bewußt sein mögen, das darf wohl billig erwartet, dürfte aber fetzt schon auf gesetzlichem Wege geregelt werden. Zuletzt wandte sich der Redner an das gesamte Volk, dessen Bestreben dahin gehen müsse, in sittlich-religiöser Beziehung auf der Höhe zu sein Er schloß mit den Worten: ..Wir wolle« alle den Frieden, aber ein Appell an die Furcht darf fein Ech- in Deutschland finden." (Lang anhaltender Beifall.)

verelnrnachri^ten.

* Kriegerverein Gießen. Tie Hauptversarmm hing fand am Mittwoch abend im Verein ^lvkal statt. Herr Waas erstattete den Kassenbericht, her für da" nbnrfaufene Jahr mit 2179.16 Mk. Einnahme und 2167.23 Mk s?(ir-cp be abschließt. Das B-wmöaen ausschl. Inventar und BibNetb! beträgt 4870.10 Mk Nach dem Bericht des ersten Schrift­führers M ö b u s zählte der Verein zu Ende des Jahres 382 Mitglieder. Seit Bestehen dos Krieaenvcreins find an Unterftühungen 12 297 Mk. verausgabt worden. Tie Vor­standswahl batte folgendes Ergebnis: Als erfter Borfinm- der wurde Staatsanrnalt Trumpert einstimmig wieder­gewählt: als zweiter Bowi«'en.der Herr Möbus, der eine Wiederwahl als Schriftführer mit Rücksicht auf ferne 25jährige Amtstätigkeit ab lehnte, neu-, und als Rechner Herr Waas wiedergetvählt. Erster Schriftführer wurde Herr H ö n i g. Weiter wurden die Herren Haupt, Moser, Kling, Rohleder, Heß, Rück, Dickors, Stichs. Stoll, Gerate Schiffnie und Welz wieder- und Müller. Nickel fr. ittW Wachsen neugewählt. Mit einem vom ersten Vorsitzende« auf den Kaiser und Großherzog von Hessen ausgebrachten 5)och schloß die Versammlung.

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iwteok Tat zeWn u.'Sal erkennrmg d u. Preussen 1 bau- n. Mas Herbst oder 20. Mai. Bu ffeffen post SO Pfff.

Arbeiterbewegung.

m. Offenbach, 13. Febr. In der Schuhfabrik von L Liebmann Oöassia, die rund 400 Arbeiter beschäftigt, baber. 239 organis iertc Volla rbeiter ihre Kündigung eingcreichl. Den Anlaß zu dem Vorgehen bilden Lohndiffercuzci., die dadurch hervorgerufen wurden, roeü die Firma Lohnkürzung«» eintreten lassen will. Tie Firma begründet ihre Maßnahme m* schwierigen Geschäftsverhältnissen, den außerordentlich gefteigertt» Lcderpreisen ufw.

der Artillerie. , - - °

Von nation {liberaler Seite wurde als Komeguenz eines Beschlusses eine Ausdehnung der Verkürzung der Dienstzeit auf die ganze McttLiic befürchtet, während doch die Verhältniise bei ~ " geartet seien als gegenüber dem

,vulu,ytl.t. ______ /klarte, daß es die Ueber»

tragung a u r *b i c Marine ablehnen würbe. Schließ­lich wurde die Entschließung des Zentrums mit der obenerwähnten

Sie Zleischnot vor dem Deutschen candwirtschoftrrat.

~ Berlin, 13. Februar.

Tie Tagesordnung des heutigen dritten Berbandlungstages des Deutschen Lanbwirtschafisrats wies als erstes Thema auf Tie Organisation der deutschen Fleijchversorgung". Die Bericht­erstatter v. Stockhausen (Berlin» und Obersürgermeiiter von Wagner (Uhni legten gemeinsam eine Entschließung vor, in der zur Abhilfe die Bildung und der Ausbau von Vieherzeugungs­und Viehverwertungsgenossenschaften empfohlen n>erden, ferner langfristige Lie'ernngsvorträge und Zusammenschluß brr Fleischer in genossenschaftlichen Organisationen. Der erste Vortragende ivanbtc sich entschieden dagegen, daß die Landwirtschaft an bet Fleischteuerung des letzten Jahres schuld gewesen sei. Selbst ein Bericht aus gegnerischem Lager habe zugegeben, daß die Schuld an. der Dürre und der Futtermittcllnapph.il lag. Tie ablehnende Antwort der Städte auf den Vorschlag, langfristige Lieferungs- Verträge abzuschließen, sei nur eine Ausflucht gewesen und sei ans das mangelnde Verständnis der Städte für die Lanbnnrt- schaft zurückzufülwen. Ter zweite Vortragende, Oberbürgermeister Wagner empfahl vor allem die Bildung von ländlichen Pro» butlivgenossenschasten, als bereu Abnehmer bie Städte in Betracht kommen sollten.

In der Aussprache bezeichnete es Ministerialrat v. Braun (München, als falsch, wenn man behaupte, daß die Uebernahmc der Fleischvcrsorgung seitens der Städte einen Schritt zum soza- liftisckxn Zukunflsstaat bedeute. Tie Stabte hätten schon vieles im öffentlichen Interesse übernommen, ohne Schaden gelitten zu haben. Hofbesitzer Bieber (Ochsenwärder) meinte, daß der wach­sende Wohlstand mit an der Fleischteuerung schuld sei. Die Arbeiter wollten jetzt nicht mehr bas Fleisch essen, das sie früher ge- gesfen haben. Landesökonomiorat B ckh (Rathsberg bei Er­langen) erblickte die Ursache der Fleischteuerung in den hohen Preisen für Magervieh.

Das folgende Thema der Tagesordnung betraf diewirt­schaftliche und soziale

Hebung der Landarbeiter".

Hierzu lag folgende Entschließung vor: Der Deutsche Land- wittsckxlfttat hält die wirtschaftliche und soziale Hebung der Land­arbeiter für eine der wichtigsten Aufgaben der landwirtschaft­lichen Vertretungen und er empfiehlt dieselbe auf jede Weise zu fördern, um einen ausreichenden seßhaften Landarbeiterstand wieder heranzuziehen. Dies um so mehr, als in der Zunahme der aus­ländischem Arbeiter bie Industrie unb Landwirtschaft bei gleich­zeitig steigender Landflucht eine ernste Gefahr für die gesamte Bolkswirtsckwft und Jbie Ernährung jxs Volkes namentlich für den Kriegsfall erblickt worden mnß und eine mißbräuchliche Aus­dehnung der Freizügigkeit auf jugendliche Arbeitskräfte vielfach Platz gegriffen hat."

Als Vortragende zu dem Thema waren besttmmt Landrat v. Batocki (Blcdau) und Reichsrat Freiherr v. Thüngen- Thüngen.

Mehrheit angenommen. , , . .

Beim TitelZulagen für Offiziere" beantragt bet Berichterstatter Fortfall b er Zulagen für die oberen Chargen und dementsprechend Kürzung des Postens um 12 000 Mark. Ter Staatssekretär begründete die Notwendigkeit der Zulage mit der außerordentlich hohen Zahl der unterfteuten Offiziere und Beamten und den hieraus sich ergebenden Ver­pflichtungen Ter Str eich ungsantrag wurde indes an­genommen. Beim TitelAus 5ands zulag en" bezweifelt der Berichterstatter die Notwendigkeit eines Marineattaches in Buonos Aires. Ter Staatssekretär gibt Aufklärung dar­über, ein Marinoattachö für die südamerikanischen. Staaten sei ein Wunsch des Auswärtigen Amts. Von n at i q n a IJ i be- raler Seite wird der Posten mit Rücksicht auf die Beschäfti­gung unserer Werften verteidigt, woran gerade das Reich ein Interesse habe. Ter Staatssekretär betonte weiter die müitariicbc Bedeutung dieser Stellen. Ein Sozialdemokrat ist priirzipiell dagegen, wie er erklärt, aus deutsch-patriotischem Interesse, um das stetig wachsende Wettrüsten zu beschränken. Tic Abstimmung wurde auf morgen vertagt, um erst die Meinung des Aus­wärtigen Amtes zu hören.

Beim KapitelJndienslhaltungen" beantragt der Bericht­erstatter, daß die Zulagen (Tafel- und Mossegelder) nur bezahlt werden für die Tage der dauernden Abwesenheit bei Fahrten auf hoher See. Er bittet um Aufstellungen über die Höhe der danach zu streichenden Kosten. Staatsjckrotär v. Tirpih gab hierzu folgende Erklärung ab: Ich glaube, es ist niemand in dieser hohen Kommission, der sich nickst ganz klar darüber ist, daß ich an dem Tage, an dem dieser Antrag Gesetz wird, aufhören werde, Staats­sekretär dos Reichsmarineamts zu sein. Ich halte diesen Antrag für gänzlich undurchführbar. Freie Ver­pflegung für Offiziere unb Mannschaften in Seo und im Hafen ist unerläßliche Vorbedingung für einen geregelten Ticnftbctricb an Bord Solange bie preußische und deutsche Marine besteht und in allen fremden {Marinen ist freie Verpflegung vorhanden. Mohr habe ich in dieser Angelegonl>oit nicht zu sagen.

Ein Z o n t r u in s r e d n o r bleibt dagegen bei der Notwendig­keit von Tafel- und Messegeldern bei nur kurze Zeit dauernden Fahrten, sowie nur beim Liegen im Hafen. Ebenso ein Sozial­demokrat, der Auskunft wünscht über die jetzt geltenden Be­stimmungen über bie Auszahlung solcher Gelder.

Morgen Weiterberatung: dann follen auch die Bestimwungen über die Mcssogclber unb Aufstellungen über ben pekuniären Effekt gegeben werden.

Ter Wahlprüfnngsausfkbutz

erklärte heute die Wahl des Abg. Dr. Arendt (Rp., Manns­feld) für g ü l t i g.

Anahme der grundlegenden Bestimmungen be8 Leuchtolgesetzes in zweiter Lesung.

Der Leuchtölausschuß trat heute in die zweite Lesung ein. Hierzu lag eine Rcihc von Anträgen vor, gemeinsame Anträge der Rationalliberalen und Volkspartei, Anträge dor Sozialdemo­kratie und solche vom Zentrum. Ein Antrag des Zen­trum s verlangt erneut die Vorlegung weiteren Materials, sowie bie Vorlegung der Verträge. Zahlreiche Vertreter dos 3 c ii t r u m ü bemühten sich in vielfacher Wiederholung früherer Ausführungen um den Nachweis, daß die Versorgungs­möglichkeit nicht gegeben sei.

Boi der Abstimmung über den grundlegenden § 1 wurden die beiden ersten Absätze in der Fassung dor Rogie- rungsvorlago, der dritte Absatz in der Form angenommen, daß die Ucbertraaungsbeftlgnis des Bundesratsan Dritte" goslrichen, aber die Ucbeitragung an, eine Aktien­gesellschaft ermöglicht wurde. Es heißt jetzt:Sofern das Reich die im Absatz 1 bezeichneten Befugnisse nicht selbst aus­übt, können sie durch den Bundesrat an eine Aktiengesellschaft iVortriol'sgcsMchaft gemäß den Varschrifteii dieses Ge­setzes übertragen worden." So wurde ber §1 mit den Stimmen aller Parteien gegen das Zentrum, von dein der Abg. Zehnter mit dor Mehrheit stimmte, an- genommen, und mit derselben Mehrheit auch der 8 2 mit der Aondcrnnq, daß die Konzessionsdauer statt auf 30 auf 20 Jahio festgesetzt wird und eine Konzessionsverlängerung nur mit Zustimmung des Reichstages gestattet wird.

Morgen Woitorboratung.

Der Ausschuß für die Jugendgerichte.

verhandelte beute über bie Frage der obligatorischen Einfüh­rung der Jugcildgoi-ichtc, die Zulassung der Frauen, der G.'ist- lickicn und der Lehrer als Schöffen. Die sozialdemokratischen Und voltsparteilichen Redner verlangten die Eingliederung in den gosanilcn Gerichtsoerfassungsorganismus unter Streichung der Worte:besonders geeigneter Pcrwnen". Mit einem Vertreter dos Zentrums, der schwere Bedenken gegen die Zulassung der E^eist- lichen als Schöffen erhob, bekämpfte auch Dr. Müller-Meiningen, der seinerseits die Zulassung der Frauen und der Lehrer bean­tragte, die Zulassung von Geistlichen im Interesse des religiösen Friedens und der Geistlichkeit selbst. Besonders gefährlich fei. daß der Geistliche als Schnlaufsichtsbeamtcr der Vorgesetzte des Lehrers sei, dos airdoron Sck)öffon. Ein Nattonalliberaler, Pro- sossor v. lialTer, schloß sich dom fortschrittlichen Redner an, wieder holte die Bedenken gegenSpczialschöffon" und beantragt, btc Frauen bei der Verhandlung gegen Mädchen als Jugendschöffen zuzulaffen, da die Fran besonders sachverständig für solche Ver­handlungen sei. Ein iiationanibcratcr Redner trat im Gegensatz zu seinem Partcigonosfon für Spozialschoffon ein unb beantragt, daß in einem Verfahren nur ein Lehrer ober ein Geistlicher, nicht beide zusammen als Schöffen funktionieren können. Ein polnischer Abgeordneter verlangt den Ausschluß der Volksschullehrer, da diese in Posen Germanisatoron seien. Hiergegen wendet sich ein Ro- giernngSvertreter.

In der Abstimnunig wird die Einführung des Ob­ligatoriums der Jugendgerichte bei den Amtsgerichton nad) den fortschrittlichen Anträgen mft 18 gegen 9 konservanve unb Zentlnmsstimmen angenommen. DaS Obligatorium für bie Jugcndurafkammorn gelangte mit 14 gegen 12 Stimmen zur Annahme. Dor Antrag ber Sozialdemokraten auf Einführung

f chließuug befchloffen, die für das nächste ^ahr eine Vorlage auf Einführung der 2jährigen Dienst­zeit der Marine-Infanterie und Matroien-- Artillerie fordert. Staarssekretär v. Dir Pitz äußerte seine schwersten Bedenken gegen die Annahme dieser Entschließung, un Interesse der Marine unb ber Landesverteidigung überhaupt. Es müsse an ber dreijährigen Dienstzeit festgchalten wer den, wenn die Durchführung der Aufgaben der Matroien Artillerie, die mit denen der Fußartillerie nicht verglichen worden können, nicht in bedenklicher Weise beeinträchtigt werden sollen.

Tie Fortschrittliche Volkspartei enthielt sich der Abstimmung mit Rücksicht auf das vielfach None in den Er- klärnngen des Staatssekretärs, das erst zu prüfen sei. Tagegon wurden vom Zentrum die Einwendungen der Verwaltung nicht zu hoch eingeschätzt in .Erinnoriing an die Vorgänge bei Verkürzung der Dienstzeit für das Landheer. Im übrigen würden, wie der Borttotor des Zentrums meinte, die Schwierigkeiten durch Organisationsänderungen behoben werden können, namentlich bei

Gictzcner Strafkammer.

Gieße«, 12. Febr.

Viehseuche vergeben.

Der Landwirt I. K. III in Hergersdorf batte Anfang No­vember vor. Jahres eine Schafherde aus Preußen in das Grotz- Herzogtum eingeführt und dabei eine Reihe kroisamtlicher An­ordnungen nicht befolgt Die Strafkammer erblickte in biesm Untcrlassungon zwei Übertretungen der Verordnung und erkannte auf eine Geldstrafe von zweimal 10 Mark.

Biehseuchovergchcn.

Dor Landwirt H. Fl. in Froionstoinan hatte anfangs Oktobcr vor. Jahres eine Kuh, die er in einem benachbarten vreußischrn Torf gekauft hatte, in sein Gehöfte, in bem noch anderes Klaue,- vich untergebracht war, eingestellt. Es tvurbe auf zwei Geü- strafen von je 15 Mark gegen ihn erkannt.

Konkubinat.

Die Wäscherin Ww. O. M. in Büdingen war bon bat Schöffengericht Bübingen mit 14 Tagen Haft bestraft toorhei, weil sie, obwohl bereits im Januar vor Jahres wegen KonkubinaS mit einer Geldstrafe bestraft, gleichwohl das außereheliche Zu­sammenleben mit bem Arbeiter I. B. nicht ausgegeben hatte. Ihre Berufung gegen dieses Urteil führte zu einer Herabsetzung, der Strafe auf 10 Tage Haft.

Unbegründete Berufung.

Wegen der lieberrocijunn an bie LandeSpolizoibehördc urb der damit drohenden Unterbringung in ein Arbeitshaus batte bei wegen Bettelns bestrafte Metzger G B. von Trois a. b. 2bc Berufung gegen ein Urteil dos Schöffengerichts eingelegt. Diöe wurde indessen mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen weg«» Bettelns und Landstreicherei als unbegründet verworfen.

Unbegründete Berufung.

Der Spinneroibesitzer H. B. in Lauter war wegen leicht« Körperverletzung, begangen an Betriebsleiter H. G, von bfii Schöffengericht Grünberg zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden Die Strafkammer verwarf die Berufung.

In der Privatklage fache

des H. E. in Gießen gegen den A R. daselbst wegen Beleidig«» kam es zu einem Vergleich. Miteinbegriffen wurde zugleich aun eine an dom Schöffengericht anhängige Privatklage der Partei«- Die boleidigenben Aoußerungon wurden hiernach zurückgenommn: unb jeder Teil übernahm bie auf feiner Seite entstandenen Kost«

Osram Drahll amp e n

Unzerbrechlich.