Ausgabe 
12.4.1913 Fünftes Blatt
 
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tSrjrffttHsten <®5 bet vs-n Ser R.grrcTing vorgeschkckgenL 5ZßcgJ rrchüKstr tnörr, Sen ©tagcljinutew vollstäubig zu über- M«, aus wodchcrn tSc^-c sic hie Gtaicrn aufbrntgcn. Mr eint bürri^ VcrmogenSstcrrcr hat sich crgeittttch nur Dr. Psrrsche asägeflyaxfcea. W<rs bk Sozialdemokraten rooficn, ist Har; sie wollen eine Beraulugnuo durch die RcichSbchördcn. (Lacher! b. b. Sop.) DaS ist bei den hohen Kosten ganz unmög-- !ich. Den LmslchstcmpeL bei ©rtrataufen muß man ermäßigen; ex Hat jehr läbatcnö auf ben GrrmdstückZharckuck ßctoirtt

ALg. Graf d. Pofadsrvskh (b. f. P.)2 \

c5 ijl eine Forderung der Gerechtigkeit, daß die nerren haften von den Besitzenden getragen werden. Es ist ober eine Täuschung, wenn man glaubt, weiterhin von der Auferlegung neuer rndirekter Steuern absehen zu laaaau

3*6 bull ntrey nur mit einer Vorlage beschäftigen und mich gegen dos Erbrecht des Staates aussprccheri. Ich be­dauere, daß die Verbündeten Regierungen diese Vorlage wieder eu,gebracht hoben. (Sehr gut! rechts.) In den Motiven wird erklärt, die FoMÄierckande seien gelockert. WaZ muß da ein Aus­länder vom deutschen Familienleben denken! Ich bedauere, daß die Regierung ein solches Zerrbild vom deutschen F a m i l i e u l e b e u gibt. Und zwar lediglich aus finanziellen Gründen! Auf dem Komiliengefühl beruht aber das Heirnats- llvsühl, auf diesem die Vaterlands liebe. Gewiß, unsere VerkehrS- verhälttnsse, unsere genxilüge Armee, unsere Beamtenschaft, unsere Silbe Herrn affen bedingen, daß der Wohnsitz häufig verändert wird. Die Fanrilienbande werden dadurch bis zu einem gewissen Grade' gelockert. Da wäre es Pflicht der Regierung gewesen, alles zu hat, nm diesem Uebclftanbc entgegenzutretcn. (Sehr richtig! rechts.) Es sicht fast so aus, als ob cS cm Unrecht wäre, irneziuartet eine Erbschaft zu bekommen. Dann müssen Sie auch die Lotterie abschaffe u, sie bringt auch' unerwartete Gewinne.

Nun sagt man: die Leute Tonnen ja ihr Testament machen. Aber Viele haben die Angewohnheit, unerwartet zu fterben.: Andere haben einen Widerwillen gegen Testamente. Es gibt! auch Leute, dir nicht testrerfälsig sind wegen ihrer Jugend oder, wegen eines Verfalls ihrer gersügen Kräfte. Wenn nun b i d Behörden entscheiden sollen, ob den gesetzlichen Erben! einer nichttestierfähigen Person etwas gegeben wird, bann kann! man sich auf etwas Schönes gefaßt machen. (Zurufe: Sie müssen, cS sa wissen! Hmlerkeit.) Erbitterte Prozesse zwischen Erl 'n und dem Fiskus werden die Folge sein. Gerade den, niinberbenüttetieH und rcchtsunkuTidigeu Klassen wird das Ver­mögen entzogerr werden. (Zuruf: Die haben ja Teins!) Auf bie1 Versprechungen in den Motiven ist wenig zu geben. D i v Regierungen wechseln, dafür bin ich ja ein, lebendes Beispiel. (Große Heiterkeit.) Dieser Gesetzes-^ Vorschlag ift em tiefer Eingriff in das Familienrccht und daS Familienvermögen. Es liegt bxe Gefahr vor, daß man auf diesem Wege werter fortschreitet. Ich hoffe, daß dieser Vorschlag an der Schwelle der Beratungen abgelehnt wird. (Sehr gut! rechts.)

Aber auch das, was man den besitzenden Klassen auf erlegen kann, hat seine Grenze, wenn man nicht die Erwerbsfähigkeit schädigen will. (Lachen links.) Wir haben schon viele Finanz-! «formen gehabt. Keine hat geholfen. Die Welt wird alt und wieder jung, der Mensch hofft ewig auf Besserung. (Heiterkeit.) Cs werden auch nod) neue Finanzreformen wieder­kommen. Da erwächst für die Negierungen die unbedingte Pflicht, auf die größte Sparsamkeit hinzuwirken. Alle Lurns- ausgaben müssen gestrichen werden. (Zuruf links: Warum haben Sie das nicht als Staatssekretär getan.) Wenn ich Ge­legenheit gehabt habe, habe ich es getan. (Zuruf links: Wo denn?) Soweit in meinem Einfluß gestanden hat, habe ich es nntner getan. Die verbündeten Regierungen sollten die Aus-j gaben d^r Gemeinden schärfer kontrollieren. (Widerspruch links.j Sie sollten keine Luxusausgaben dulden. Es muß endlich Spar^ samkeit einziehen, aber nicht mit schönen Worten, sondern mit Laten. (Beifall.)

ReichsschatzsekretLr Kühn:

Der Vorredner hat sich mit bemerkenswerter Scharfe gegen das Erbrecht des Staates gewendet. Soweit e5 Gründe nn einzelnen dagegen angeführt hat, werden sie selbstverständlich des näheren geprüft werden und soweit als möglich berücksichtigt werden. Ich muß mich aber dagegen wenden, wenn er behauptet, bie Begründung zum Entwurf sei ein Zerrbild des deutschen Familicillebens. Das ist tatsächlich nicht richtig. Nebenbei be­merkt ist die ganze Begründung nicht neu. Sic hat dem Reichstag genau in demselben Wortlaut schon 1909 Vorgelegen, und damals sind diese Bedenken nicht erhoben worden. Wenn die Begründung des Entwurfs erklärt, es sei nicht zu leugnen, daß Das Gefühl der Familienzusammengehörigkeit in weiten Kreisen Ides Voltes sich außerordentlich gelockert habe, so ist eine Fest-! stellung einer Tatsache, die gewiß in anderen Ländern genau wie bei uns beobachtet wird. Das ist doch aber nichts Verletzendes. , Ich sehe auch nichts Anfechtbares in der Erklärung, daß die Regierung sich nicht entschließen konnte, die Grenzen enger zu ziehen. Dieser Passus des Entwurfes soll nur den Anwürfen begegnen, die von Anhängern des Erbrechts des Staates erhoben -werden, welche die Ausschließung noch näher stehender Verwandt­schaftsgrade befürworten. Es ist auch kein Grund zur Annahme' vorhanden, daß etwa spätere Regierungen weitere Fort­schritte auf diesem Wege machen werden. Im Gegenteil, der Entwurf von 1908 ging weiter als der jetzige. Es ist also viel eher eine rückläufige Bewegung zu konstatieren. Die Finanz-, Verwaltung findet sich damit ab, daß ihr von der Gegenwart feine! Kranze geflochten werden. Wer vieles nimmt, wird! jedem etwas nehmen. (Große Heiterkeit.^

Abg. Emmel (Soz.):

Bon patriotischem Opfermut ist bei den Konser - v a t i b c n wenig zu spüren, sie würden wieder am liebsten indirekte Steuern bewilligen. Das Zentrum würde sie dabei gern unterstützen, wenn die Wahlen von 1912 nicht eine so beredte Sprache führten. Die einzigen grundsätzlichen Gegner dieser Steuern sind wir Sozialdemokraten. Der heutige Staat dient der Ausbeutungsfreiheit der Besitzenden, die Arbeiter haben des­halb fein Interesse, ihn zu stutzen. Die Gewerkschaften haben seit 1891 für 160 Millionen Unterstützungen gezahlt. (Hört! Hört! bei den Soz.) Solche Einrichtungen lassen sich nicht ohne Beamten schaffen, die viel schlechter bezahlt werden, als etwa die Direk­toren des Bundes der Landwirte. Die konservative Partei sollte zuerst dafür sorgen, baß, ihre eigenen Kassenderhätt-! nisse nicht das Licht der Oefsentlichkeit zu scheuen haben. Wir, werden selbstverständlich nur Steuern bewilligen, die unbedingt erforderlich sind, am liebsten wäre es uns freilich, wenn die' Militärvorlage ab gelehnt würde. Graf Posadowfty hätte für die eiserne preußische Sparsamkeit eintreten sollen, als er noch im Amt stand. Die Zuckerfteuer ist eine Verbrauchssteuer und darf deshalb nicht verlängert werden.

Gegen diese indirekten Steuern protestieret wir, weil sie allen sozialen Momenten ins Gesicht schlagen. Mit dem Wehr-! beitrag und den dazu vorgeschlagenen Veränderungen sind wiri einverstanden. Drückebergereien dürfen aber nicht Vorkommen- Das gilt natürlich auch für die Fürsten. Die in der Vorlage! vorgesehene Erhebung der Matrikularbeiträge ist eine Nmgehungl des Budgetrechts des Reichstags. Glauben Sie, daß in Preußen oder gar in Mecklenburg ein wirkliches Befitzsteuergefetz zustande kommen kann bei der bekannten Steuerscheu der Junker'? Den Reichstag sollte daher das Besitzsteuergefetz selbst machen. (Vize^ rnräsideitt Dove weist den Redner nachträglich darauf hin, daß' f?6pn früher festgestellt sei, daß der Ausdruck .Drückebergerei" tu Ai der jmrlameutarisch'm Ordnung nicht vereinbar ist.) Der Sk-rmmelruf ist an den ,Fortschrittlern vorbeigegangen. Wenn

NationaLweralen jetzt uwfallen, werden sie es vor ih^nj Walern zu verantworten haben.

\ ReichAchotzsefrekär Kühn:

yMchdem der Herr Präsident schon die Aeußerung des Dor- redner^ zurückgewiesen hat, daß eine Drückebergerei der Fürsten nicht gleimlbet werden forme, liegt mir noch daran, zu konstatieren) bapfchttz den Gehalten des Westcoeitrages so populär gemacht hat wsie die ho.chh« rz i.fje . E r ij-ar.u n g .(Gelächter bei den

SosiCubcntofEnt-cn-.) ber Buub>esfürsteu, auch ihrcrserts zu oen iiajten des Gesetzes veizutragen. Es ist ferner nicht richtig, daß die Finanzverwaltung mit jeder Steuer, die sie bekommt, ein- verstanden ist. Sie muß bieimebr darauf sehen, daß die Steuer! sticht bloß ihrem Interesse, sondern auch dem wirtschaftlichen Inter-! esse entspricht und das Interesse des Reiches, der Bundesstaaten und der Allgemeinheit gewahrt wird,

Abg. Noland-Lücke (9?atL):

Finanzielle Kriegsbereitschaft ist eine Der-- ftärtung der Friedensbürgschaften. (Sehr richtig!) DaS gilt auch vom allgemein-wirtschaftlichen Standpunkt. Die Ausgabe von 120 Millionen Kassenscheinen kann anscheinend das Bestreben der Reichsbank, ihren Goldvorrat zu vermehren, unterbinden. Aber die Vorteile werden für unser wirtschaftliches Leben größer fein als die Nachteile. Dasselbe gilt auch für die Ausprägung von 120 Millionen Silbermünzen. Für 240 Millionen wird das Reich Tirmter gut sein. Jedenfalls kann die Verstärkung beS Kriegsschatzes eine gewisse Beruhigung Hervorrufen, und eine wesentliche Stärkung unserer Macht bleibt diese finanzielle Kriegsrüstung. Wir wissen auch ganz genau, was wir wollen. ^(Lachen bei den Soz.) Baffermann hat neulich ausdrücklich betont, daß die lausenden Bedürfnisse bc5 Reiches nur auf dem Wege der allgemeinen Besitzsteuer gedeckt werden sollen, und wir wollen unter allen Umständen eine allge­meine Besitzsteuer. Wir können sie uns nur vorstellen a l s eine Erbau fall st euer bezw. eine Reichsverrnögenssteuer. lBe'mll links.)

Jeder, auch Sie (nach rechts) hält seine Anschauung für richtig, wir sind nun einmal der Ueberzeugung, daß diese Bedürfnisse durch eine gerechte allgemeine Besitzsteuer gedeckt werden müssen, und z w a r unter allen -I mftände n. Sie, meine Herren vom Reichsschatzamt, die Sie uns den Entwurf des Wehrbeitrags ein- gebracht haben, sind sich klar darüber, daß der Weg einer Ver­mögenssteuer der richtige ist. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn der Kataster über Vermögen und Einkommen erst einmal da ist, dann heute oder morgen die Tatsachen mit den entsprechenden Folgen ganz von selbst eintreten werden. Herr Paasche hat gestern gesagt: wir kaprizieren uns nicht auf bie Erb­schaftssteuer, nicht auf die Vermögenssteuer. Ich gehe noch weiter: Wir können ja beides machen. (Beifall und Heiterkeit!) Machen Sie die Reichsvermögenssteuer so wenig drückend, die Erbschastsfteuer so schonend wie möglich, dann können wir die hundert Millionen, die etwa gebraucht werden, auf beide verteilen. Wenn wir für die einmalige Milliarde % Prozent vom Vermögen brauchen, so werden wir für die 50 Millionen nur etwa y< pro Mille zu erheben brauchen.

Die 50 Millionen durch die Erbschaftssteuer könnten wir durch eine ebenso schonende Behandlung aufbringen. Aber das, was das Reich notwendig braucht, muß bewilligt werden. Die L e i st u n g sfähigkeit der Einzel st aaten wollen wir! selbstverständlich nicht antasten. Sie werden Schwierigkeiten haben, wenn das Reich ihnen einen Teil des Bedarfes toegnimmt.j Ich verspreche mir aber eine erziehliche Wirkung davon. Die Bundesstaaten werden bann den Bundesrat anhalten, auch jede" Ausgabe genau zu prüfen. Wir denken gar nicht daran, die wirt­schaftliche Selbständigkeit der Bundesstaaten einzuschränken. Im Gegenteil, wir haben alle Ursache, die Vorteile, die darin liegen, daß wir noch gewisse Stätten haben, wo man ruhiger und genüg- famer lebt, vielleicht auch in der Arbeit, als in der Großstadt, uns zu erfaHcn. Wir müssen das Material, das die Großstädte verbrauchen, uns zu erhalten suchen. Wer es mit der weiteren Entwicklung der Kräfte des Deutschen Reiches ehrlich meint, wird eine berechtigte Eigenart der Bundes- st a a t e n gern anerkennen. Vielleicht könnte auch noch eine Wehrsteuer in Betracht kommen. Natürlich soll sie nur die treffen, die cm Einkommen haben, das eine gewisse Grenze über­schreitet.

Die kleinen und mittleren Vermögen bis zu 30000 Mark etwa müssen nach Möglichkeit geschont werden. Wenn wir auch das Scherslein der Witwe heranziehen müssen, wird es unserem Ansehen im Auslande nicht dienen. Die Lösung wird darin -liegen, daß wir uns auf ein gewisses Mindesteinkommen bei der Heranziehung der Vermögen einigen und außerdem' be­sondere Bestimmungen für die großen, keinen Gewinn abwerfen­den Vermögen treffen. Bei der Heranziehung der Aktiengesellschaften kann es sich nur um die bilanz­mäßig vorhandenen freien Reserven handeln. Die Regierung hat anscheinend auch gar nicht bie Absicht gehabt, bie stillen Reserven heranzuziehen. Die Einzahlung des Wehrbetrags muß in mehre­ren Terminen erfolgen. Es dürfen nicht auf einmal 500 Mil­lionen dem Geldmarkt entzogen werden. Die Vereinheitlichung der Stempelabgaben ist zu begrüßen. Eine zu hohe B e l a st u n g der Versicherungsprämien muß man vermeiden. Wir sind bereit, dem Grundgedanken der Ertveiterung deS Erbrechts beS Staates entgegenzukommen.

Den Bedenken des Grafen PosadowSkp wird man aber Wohl Rechnung tragen müssen. Das Rezept für die Veredelung der Matrikularheiträge ist so dehnbar, daß es nicht die Schaffung eines gerechten Besitzsteuergesetzes verbürgt. Das Wertzuwachs­steuergesetz ist geeignet, wie fein anderes, ganz verschiedene Er­trage zu liefern. Die Ankündigungen des Grafen Westarp auf Erhöhung der Talonstcuer und des Stempels für ausländische Aktien werden wir mit größter Reserve prüfen.

Das .<5aus vertagt die Weiterberatung auf Sonn­abend 11 Uhr; außerdem Petitionen.

Schluß 6% Uhr.

Zum Beginn der Ghm-prozesser.

4 Dortmund, 10. April.

Ter hiesige Schwurgerichtssaal wird sehr bald die Stätte eines Riefenprozesses sein, )uic ihn in solchem Umsange die Ge­schichte der deutschen Strafrechtspflege noch nicht verzeichnet hat. Ist doch die Tauer der Verhandlung, zu der 150 Zeugen und 10 Sachverschudige geladen sind, auf nicht weniger als fünf Monate berechnet. Zur Anklage stehen die Schiebungen, die zum Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank und ihrer Filialen oder Tochtergesellschaften führten. Als Hauptangeklagter erscheint der ehemalige Tirektor O h m der Niederdeutschen Bank, der bereits wegen 'DePotunterschlagung in der gleichen Sache mit acht Monaten Gefängnis und 2100 Mk. Geldstrafe belegt worden ist. Ohm hatte es verstanden, durch Gründung von zahlreichen Filialen dem Geschäftsverkehr der Bank einen bedeutenden Auf­schwung iziu geben, dem aber die baren Mittet der Bank nicht ge- tnadtfen waren. Zu statten kam ihm, daß er gute Beziehungen zum katholischen Klerus unterhielt unb daher seiner Kundschaft gegenüber besonders vertrauenswürdig erschien. Gerüchte, daß es mit der Bank nicht besonders gut stehe, waren schon lange im Umlauf, durch prompte Abwicklung der eingegangenen Verpflich­tungen wußte Ohm aber jedes Mißtrauen zu zerstreuen. Ins­gesamt sollen bei dem Konkurs der Bank und ihrer Tochtergesell­schaften an .50 Millionen Mark verloren gegangen sein. 'Die Hauptanklage ht dem bevorstehenden Verfahren lautet jetzt gegen Ohm und 15 Mitangeklagte auf Vergehen gegen das Handels-

ge,etzL-uch. mutige Lärafsalle sind tat Laufe der VormüerstuAmg von der StaatsaravaLtschaft fallen geloffen worden. Lonaus- sichtlich wird irräuer mir an vier Wochentagen verhondtlt werdet: Als Verteidiger werden 25 Rechtsanwälte tätig sein.

ff Marburg, lO.FApril. Als der Liederverein, der dem Hessischen Sängerbund angehört, im Herbste sein 70jähriges Besteben beging, veranstaltete er auch ein Konzert, das von bem hiesigen Zeitungen günstig besprochen wurde. Einige Zeit fuätet erschien in einer Sangerzeitung eine in hohem (Stabe abfällige Kritik, bureb bie sich besonders der Dirigent des Vereins, Engelhard!, beleidigt fühlte. Arlch der Gesangverein Liederkranz, der ebenfall- ein Konzert veranstaltete, wurde in ber Krüik gehörig mitgenommen, wahrend die Liedertafel großes Lob erntete. Tie Folge maie-i längere Auseinandersetzungen in den hiesigen Zeitungen, bie an ed)ätfc nichts zu wünschen übrig ließen. Ter Beklagte machte nellend, daß er nicht bie Person, sondern bie Sache habe treffen wollen. Daß er mit dem Dirigenten der Liedertafel bekannt |ci und auch den Uebungsstunben dort beiwohne, sei richtig. Ta- Gericht war der Ansicht, baß gegen eine fabelnbe Kritik nichts zu machen fei, der Beklagte habe jedoch geschimvit unb bas sei nicht erlaubt. Tas Urteil lautete auf 50 Mk. Geldstrafe.

X. Hanau, 9. April. Vor bem1 Schwurgericht hatte sich heule ber 27 Jahre alte Hänbler Paul Wilhelm Müller aus Berlin zu, verantworten. Jnsolge mangelhafter Erziehung schon früh auf bie schiefe Ebene geraten, tarn' der Angeklagte naß Ver­büßung einer Zuchthausstrafe im Dezember v. I. in bie Ful- baer Gegend. Am 15. Dez-ember morgens gegen 6 Uhr erschien er mit einem gleichfalls heruntergekommenen Menschen beim Bahn- . hossvorsteher der Station Wiesen und verlangte Fahrkarten nach 1 Eisenach, welche ihm aber nur bis Fulda verabfolgt werden konnten. ! Tem Beamten waren die beiden unheimlichen Gestalten so ver- dächttg vorgekommen, daß er dem Bahnhof Fulda deren Eintreffen signalisierte. Der dortige dienstttiende Ober^lhnassistent benach­richtigte^ bie Polizei, worauf sich ber Schutzmann Groß nach dem Bahnhof begab. _ Nachdem der Zug gegen Vi8 Uhr eingetroffen, stellte sich Groß an der Ausgangssperre zur Beobachtung der ankommenden Reisenden auf. Als er sich Müller, der ihm durch sein scheues Wesen ausgefallen war, nähern wollte, feuerte dieser aus einem mit Bleikugeln geladenen 7-Millimeter-Revolver einen Schuß 'auf den Beamten ab, der in der linken Bruftseitc einschlug. Durch die dicke Kleidung, des Beamten wurde die Durchschlags­kraft der Kugel so abgeschwächt, daß er keinen Schaden erlitt Der Verbrecher schoß auf ber Flucht den ihm nachsetzenden £nmb' eines Hilfs Nachtwächters nieder und entkam wie sein Kumpan. Er teufte feine Schritte nach Gersfeld, wo er ..gegen 9 Uhr morgens dem Polizcidiener Johannes Kümmel in bat Weg lies, bem er burch seine primitive Kleidung ausfiel. Ms er ihn zur Fest­stellung seiner Personalien ansprechen wollte, wandte er sich zur (Flucht. Durch bie Ruse des Polizeidieners aufmerksam ge­macht, drehten sich vier vor deut Verbrecher gehende junge Bur­schen um. _ Ms Müller dies bemerkte, feuerte er eine Kugel ab. Tann schoß er die Waffe noch einmal ab und traf den mittler­weile herbeigekommenen Polizeidiencr am rechten Fuß. In ber allgemeinen Verwirrung enttarn er auch hier, wurde aber zwei Tage später in ber Nähe von Weyhers verhaftet. Das Schwur­gericht verurteilte ihn wegen Totschlagsversuchs, Bebrohung und gefährlichel' Körperverletzung $u 4 Jahren ß Monaten Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust.

w. Straßburg i. E., 10. April. Bor dem Schöfsen- gerichte würbe heute vor großem Anbrang des Publikums ein Sensationsprozeß verhandelt. Die Wirttn Eugenie Bierlein des bekannten RestaurantsElsässische Taverne" und ihre Tochter Alice Bierlein hatten sich wegen Betrugs zu verantworten. In den Jahren 19081912 hatten zahlreiche Kellnerinnen des Lokals sich beschwert, daß ihnen zu wenig Bierinarken an dem cmgerech- nti.cn Betrag verabfolgt worden seien. Nach Ansicht der Staats­anwaltschaft soften bie Kellnerinnen um etwa 2000 Mark betrogen worden fein. Das Gericht nahm in zahlreichen Fallen den Betrug als erwiesen an und verurteilte die Wirttn zu 700 Mark (Selb* strafe ober brei Monaten Gefängnis unb zur Tragung ber Kosten bie nickst unerheblich sinb, da insgesamt 42 Zeugen geloben waren. Die Tochter würbe freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte fünf Monate Gefcnttznis gegen Frcru Bierlein und einen Monat Ge­fängnis gegen die Tochter beantragt.

8 Straßburg i._ Els., 10. April. Recht er baut i chc Zustände scheinen auf dem hiesigen städtischen Schlacht Hof zu herrschen, wie aus einer Verhandlung vor dem Schöffen­gericht hervorgiug. Ang>?llagt war der Fleischergeselle I esset, der beschulbigt wurde, verborvenes Fleisch aus bem Schlachthofe enlwenbet ^u haben. 'Dieses Fleisch verkaufte er an den Fleischer- meister Drehfus, ber sich daher mit zu verantworten hatte, weil 'er bieses Fleisch in den Verkehr gebracht «hatte. Dieser Handel würbe besonders in verdorbenen Lebern betrieben. Der Ange­klagte behauptete, daß ein solcher Handel nichts Neues (sei, sondern seit jeher im Schlachthofe in großem Umfange betrieben würde. Ein als Zeuge Vernommener Floischergeselle, der auf dem Schlacht- Im f tätig war, sagte aus, daß auf bem1 Schlachthof alle Gesellen st ehlenmüßten, sonst Wmen sie nicht aus. Aeser Zustanb bestäube schon an zehn Jahre. Angesichts bieser Aus­sagen beschloß ber Gerichtshof, zunächst bie Sache zu vertagen, um Noch weitere Zeugen über bie SchlachthosherWtniffe zu laden

GSngesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 10. April. Wer sich bas in bet Wetzsteingasie bestehenbe Tanzlehrer Schmibtsche Haus einmal näher ausieht, wirb zugeben, baß ein berarttges Verkehrshindernis toohl kaum noch hier besteht. Der Schreiber bieses Eingesanbts ist saft all­täglich Zeuge, wie Fuhnverke nur unter ben größten Schwierig­keiten die (Stäle passieren, unb es ist keine Settenheit, baß manch­mal ber Fuhrwerksverkehr durch das Zusammenkommen mehrerer Wagen stockt. Für ben Straßenpassanten ist diese Stelle eben­falls gefährlich, da es an einem freien Durchblick fehlt. Die Kirchstraße wirb von Wagen verhältnismäßia wenig benutzt, da die Wetzsteingasse als Zuftihrweg nach bem Linbenplatz usw. ge­eigneter ist. Die Stabt hat an anderen Straßen Häuser angekauft, wenn die Verhältnisse burch Vorspringen ber Häuser in bas Sttaßengebiet ungünstig waren. Dasselbe sollte auch hier ge» schehen. H. F.

Märkte.

ka, Fraukfttrt n. M., 11. April. Heu- und Strodmarkt. Angefahren waren 7 Wagen Heu, 0 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Neu 3,2011,50 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 0.000.00 Mk^ Wirrstroh 0,00-0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft sehr schleppend. Die Zufuhren waren aus Dem Kreise Dieburg.

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Die Behauptu in Deutschland bie die direkten, ist kanzler am danken, der M di Meten, ak ob Mi das heil von Aff v. Bethmann hat ' Frankreich wie ,o v schaftlichen Merahi gedrückt, wie Vm iZänbem. An Abc tunqen chre erhcbliÄ das historisch Gewon denen die vesschieden trockenen, zahlenmatz lassen. Dazu fonnni oder enger gezogene selbst als seiner Wie ÄhnMlls auf die H kfjming der krwer steht ber Staat, desse Hollweg ist, allen i erzielt an nichtstechr üerroaltung und at Eisenbahnen, Ms dc oder nach Maßgabi Einnahmen des Kei Ärigen Ländern pr dagegen Großbrita 4,14: Oesterreich 5 mäßig hohe Sinnt wesentlichen Teil ai stzstems, wie es i in seinen Uckersch direk te Steuer! so hätten wir Priv bahnen angelegte K ca. 4 .Warben Ma eiMe Einkommen, W\tf uutetiäat bei

und EmkommcnM mnlünfte aller Ar dieser Stmerbeträ jetzt erzielten Eise: tftäre in Höhe von sind wir berechtig uchen Tarifpoliti'k nidirekte Lteuerft Sestihrlen 2147 <r fcnto stecken' Mindestens 10 M Msehen. Das ^dols Magner neq wonach afft

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