licher, als man glaubt." Ter Kaiser sagt: „Man hat mich schlecht erzogen; ich habe keinen großen ,<oof kennen gelernt, jetzt werde ich das nachl-vlen; ich werde nicht immer umherfahren.^ Und er macht den fremden Herren gute Eindrücke, man glaubt an seine Besonnenheit und .Friedfertigkeit. Zum Kaiser von Oesterreich hat er eine besonders herzliche Zuneigung, die auch einigermaßen erwidert wird. — „Zu mir," sagt der Herzog, „hat er gutes Vertrauen; ick kann es nur erhalten, wenn ich mich nicht aufdränge, sondern ihn kommen lasse." — Dies war das klügste Wort, das er gesprochen; Gott gebe, daß er die Enthaltung habe, danach zu handeln. . .
Siebleben, 12. September 1890.
. . . Auch Ihnen sind, wie uns allen, die Augen scharf auf den Kaiser gekehrt; man möchte aus der Gegenwart Günstiges für die Zubrnst hoffen. Ta muß ich Ihnen auch ein intimes Urteil von Hahnke nritteilcn. Er sagte neulich seinem hiesigen Vertrauten, der beim Herzog gegenwärtig als militärischer Begleiter fungiert, daß ihm nie eine größere Ähnlichkeit vorgekommen sei als in dem Wesen des Kaisers und dem seines Oheims.*) Und ich meine, er hat nicht unrecht. Wie Jung-Wilhelm in seinem Aeußern weit mehr dem Prinzen von Wales und Winburg (in ihrer Jugend« gleichst als einem Hohenzollern, in Kopfform und Gliederbau, so hat auch seine Seele ein anders nuanciertes Gefüge. Tie Selbstsucht ist anders, sein Verhalten zu den Geschäften anders, statt der pÄurntiscken Ehrlichkeit der Hohenzollern, die zuweilen Schwerfälligkeit wurde, ist hier eine weit behendere Rührigkeit und ein flüchtiges dilettierendes Springen, um die Hindernisse, statt der inneren Blödigkeit und dem bescheidenen Selbstbewußtsein, das bei manchen der früheren Unbehilflichfeil wurde, hier überniäßiges Vertrauen auf Stellung und Machtmittel, auf die Theaterwirkungen des Augenblicks. Zn den Hohenzollern größere Wahrheit und Zuverlässigkeit, hier übergroßes Streben nach dem Schein, übergroße Freude an den Wirkungen. Noch glaubt der junge Herr an sich: aber er ist in Gefahr, daß dies Vertrauen, sein moralischer Halt, «mletzt Seiner wird . . . Heber ihre geheime Courage sind die hohen Herren untereinander nicht übel unterrichtet, und es wird in diesen Kreisen als ein Glück betrachtet, daß der Kaiser von Rußland**) trotz seiner Bärennatur im Grunde ein Feigling sei.
Wiesbaden, 19.-21. März 1890.
Tie Kanzlerfrage, die soziale Bewegung und dieser Reichstag sind drei Probleme, von denen jedes einzelne einem Staate nni> einem Monarchen die schwersten Aufgaben stellt, und diese drei harten Nüsse zu gleicher Zeit aufzuknacken, wer soll dazu seine Kinnbacken hergeben? Für Jung-Wilhelm wird es eine Lehrzeit, weit schwerer, als wir sie ihm wünschen durften, und für uns andere eine harte Zett. Irre ich mich, wenn mir vorkommt, als ob schon jetzt, bevor Bismarck seinen Sitz geräumt hat, die
*) Prinz von Wales, nachmals König -Eduard VII. von England.
-*-*) Alexander III,
Vorboten einer führerlosen, schwierigen Zukunft durch die Seelen fliegen?
Wiesbaden, 11. Januar 1891.
Es war wir auffallend, von einem Berliner Besuch unter anderem zu erfahren, daß Jrrng-Wilhelm dort im ganzen weit mehr beliebt ist, als man außerhalb annimmt. Taß er so rührig ist und sich um alles kümmert, immer eine „eigene" Meinung hat, gefällt der Menschheit sehr, und es schadet ihm auch nicht sehr, wenn er sich in seinen Reden verhaut. „Tie Meinung ist doch gut." Möge diese Stimmung lange währen, so lange, als die Begeisterung der Primaner bestehen wird, die er von zwei unangenehmen lateinischen Aufsätzen befreit hat! Doch diesen werden die Lehrer, wie zu hoffen steht, anderes Unangenehme an die Stelle setzen . . .
Blankenberghe, 13. September 1892.
Was Sie über die RegierungslUnst hoher Bekaimten schreiben, sind goldene Worte. Aber Caprivi ist ein größerer Schlaukopf, als Sie ihm zutrau cm. Er weiß den Kaiser zu behandeln — er gibt ihm nach, und das ist an sich keine Kunst: aber er verstehe doch allmählich, ihn an der Leine zu behalten, und wenn nicht etwas Unberechenbares eintritt, so setzt er sich als unentbehrlich durch. . .
Wiesbaden, 21. November 1892.
. . . Tie große nationale Menge wird diesen Winter einen Ruf nach Bismarck erheben, dem der Kaiser nicht zu widerstehen vermag; der wird ohnedies durch Aeußerungen der Mneigung Seinmütig werden. Tie Frage ist, will Bismarck wieder regieren oder treibt er nur Nachesport? Will er noch einmal in den Stuhl, so werden ihn Mttliouen Fäuste hineinheben.
Er wird nicht lange darin irin. Entweder ruft ihn der alte Germanengott Wuvtan hinauf in seinen Heldensaal oder er fällt, durch seine eigene Größe zerbrochen. Wahrscheinlich wird er den Gedanken, noch einmal auf das Seil zu gehen, mit Verachtung zurückweisen; dann, wenn die Forderung heftig wird, nimmt er trotz allem an, damit auch sein Schicksal sich vollende' Tenn er gehört zu denen, welchen nicht beschieden ist, ruhig sich auszuleben . . .
Wiesbaden, 30. März 1895.
. . . Jedem großen geschichclicken Leben wird zuletzt ein tragisches Schicksal bereitet: durck vieles, was man erlebt und getan hat, borniert man sich selbst die Uubrfangenhmk, innere Freiheit und Größe; je länger man sich gelrend macht, desto größer wird die Macht der widersttcbenden Kräfte. Auch Bismarck mußte das erleben. Hätte ihn der Kaiser noch kurze Beit tm Amte ertragen, er würde sich an Junkern, lUtramonianc.n und Sozialisten abgenutzt haben, und sein Scheiden wäre eine dauernde Bitterkeit geworden. Jetzt aber ist gerade das. was ihm als der größte Schmerz und uns anderen als sein P l mgnis erschien, die Erhebung seines Alters geworden. Eine Popularität und eine, Betätigirug der allgemeinen Dankbarkeit, mie sie nie ein Deutscher gehabt hat. Seine Entlassung ist sein letztes großes Glück, seine Sühne geworden. . .
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Die „Gießener §amilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krefsbkitt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- kragen" erscheinen monatlich zweimal.
Das Sesihsteuer-ttompromib.
Berlin, 13. Juni. Die Verhandlungen über das V e s i tz st e u e r k o m p r o m iß sind gestern von den Parteiführern im Beisein des R e i chs s ch a tz s e k r e t ä r s fortgeführt worden. Zum erstenmal haben die Konservativen «ich lelciligt. Dem Scimtzsekretär wurden die Vorsckstäge unterbreitet, doch konnte er noch nidxi mitt eilen, wie sich die verbündeten Regierungen zu dem Kompromiß stellen. Zentrum und Konservative wiesen er neut darauf hin, daß sie mir bei ganz bestimmten Kautelen zur Sclwnung besonders des ländlichen rrindescrbes bereit seien. Tie „Rundschau" teilt mit, es werde eifrig daran gearbeitet, die Vcrständigu- g bis Samstag abend zum ^kbschluß zu bringen. Zugestimmt hätten bis gestern abend noch nicht der größte Teil der Konservativen und ein kleiner Teil des Zentrums. Tie „Boss. Ztg." hört, der agrarische Teil des Zentrums und die Frrikonservativen wollten von dem Kompromiß wenig wissen, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß sich der größte Teil des Zentrums mit den Liberalen und den Sozialdemokraten zu einer Meln'heit rusammenfinden werde. . Tie fortschr. Bolkspartei fordert, daß niart allein das Kindes, sondern anck das Gattencrbe heran - gezogen wird. Sie verlangt, daß der Sckeckstemvel und der Ver kehrsstempel aufgehoben werden. Mclweren Blättern zufolge be zeickmet das sächsische F i n a n z m i n i st e r i u m den Kompro- mißvorschlag der Reick>svermögenSzuwachssleuer als einen voll- ständigen Ruin der Finanzen der Einzel stauten. Die grundsätzliche Stellung der säckn'iscken Regierung gegenüber der Vei-mögens^uwachssteuer bleibe sich gleich, ob der Zuwachs von 2000 Mark oder von 20 000 Mark an besteuert werden solle.
Der .Lokalanzeiger" veröffentlicht einen Artikel „G egen das S t e u e r ko m p r o mi ß". Torin wird erklärt, daß die Dcrmögensruwachs- und die Vermögensfeststellungsgebühr den Steuerzahlern Unheil bringen würden. Tie Parteien hätten gar keinen Ueberblick über die Wirkung, die ihre Komvromißvorschlägc auf das Wirtschaftsleben auÄlben werden. Tie Zeit sei zu einer sorgfältigen Durchberatung aller neu aufgetauchten Gedanken viel zu kurz. Ter Bundesrat dürfte im Interesse seiner Autorität gegenüber dem Volke eine solche Gelegenhetts- und Verlegenheitsgesetzgebung nickt mitmachen. Ferner sei es weder vaterländisch noch sozial gedacht, bei dem Wehrbeitrag nach dem Ausschußbeschlüssen nur die dünne Oberschickt der wohlhabenden und reirium Kreise ins Auge zu fassen imb sie über das Maß ihrer Kräfte von neuem in Anspruch zu nehmen. Auch die Befreiung der Toten Hand sei nicht gut zu heißen.
I
xsiunme_t>on Zahlungsmitteln dem Verkehr glatt entzogen, und dies müßte erhebliche Folgen nach sich ziehen. Ein lehrrrick-es Bei tMel in dieser Hinsicht biete die Krisis von 1 907, wo
um j eben Preis Gold an sich j u ziehen oui ü h t e. Tie Folge nfar, daß die betten mit Amerika wirt Ichattlich am meisten verbundenen Länder in sehr ernste Mitleidenschaft gezogen wurden. Aus Deutschland wurden damals etwa 120 Mill. Mark herausgezogen, und diese Entziehung batte außerordentlich gefährliche Folgen. Tas entzogene Gold floß natürlich im nächsten Jahre wieder zurück.
Würden wir zur Schaffung des zweiten Juliusturms ohne jeden Ersatz 120 Millionen aus dem Verkehr nehmen, so Würden ähnliche schlimme Folgen eintreten. In diesem Falle würde dann auch die Einwirkung eine dauernde bleiben, zumal in der jetzigen Zeit, wo der Zinsfuß sehr hoch sei und auch weiter hochgehalten werden müsse, wäre die Heraus- ziehung von 120 Millionen Zahlungsmitteln außerordentlich gefährlich. Richtig sei natürlich, daß für die Reichsbank die Kassen- lcheine feinen vollen Ersatz für das Gold bedeuten, aber hier komme eine höchst merkwürdige Erscheinung zu Hilfe, nämlich ein enormes Anwachsen des Bedarfs an ileinen Kassenscheinen und Noten, wie er sich namentlich seit 1911 in steigendem Maße bemerkbar mache. Es hänge dies wohl damtt zusammen, daß bei den Lohnzahlungen die Zahlung in Papier immer stärker in Gebrauch komme. Die Vermehrung der Reichskassenscheine sei daher eine dringende Notwendigkeit, wenn auch selbstverständlich die Vermehrung der Umlaufsmittel in vernünftigen Grenzen gehalten werden müsse. Tie Reichskassenscheine hätten ja aller- dings keine formelle Deckung wohl aber sei ohne Zweifel eine wirtschaftliche Deckung vorhanden.
Ein Bolksparteiler erklärt sich als Gegner der Vorlage. Er glaube, die 120 Millionen Gold würden in der Praxis eben doch der Reichsbanl entzogen werden, während man sich gerade darum bemühe, diesen Goldbestand zu erhöhen. Eine Begründung für die Ansammlung des Silberschatzes sei überhaupt nicht gegeben. Tatsächlich sei auch der Bedarf an Silber nur gering, selbst in der Weihnachtszeit mit ihrem relativ hohen Bedarf. Seine Partri lehne jedenfalls die Verwendung des Silberschatzes in Kriegszeiten ab, da ohnedies die Rrichsbank über einen höchst unerwünschten Bestand au Silbergeld Dornige. Um das Silber zu kaufen, müsse man 50 Millionen Mark Gold an das Ausland abgeben, noch dazu, wo schon die Heeres- vorlage eine Verschlechterung unserer Gold- decke nach sich ziehe, da infolge der Entziehung von Arbeitskräften die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte und damit die Goldentziehung gesteigert werde. Es wäre viel richtiger, d i e Reichsbank würde anstelle des Rrichskriegsschatzes einen un - an tast baren Goldschatz anlegen. Man könnte auch daran denken, eine Reichsanleihe im Ausl ande zu begehen, um dadurch den Goldbestand zu erhöhen. Nach seiner Ansicht wäre es das beste, die ganze Frage zu vertagen und im Zusammenhang damit die ganze Baniverfas- sung zu revidieren.
Herr von Glasen app erwiderte darauf, der Sinn des Silberschatzes sei auch, daß im Falle des Ausbruchs eines Krieges der Bedarf an klein st en Zahlungsmitteln außerordentlich steige. Für die Militärverwaltung sei die Ausstattung der Kriegskasse mit Silber eine Notwendigkeit, man müsse also auch die Elastizität der kleinsten Zahlungs mittel vermehren. Die Reichsbank selbst aber könne die Rücklage nicht schaffen, da dadurch ihr Metallbestand allzusehr verwässert würde. Sin Zentrumsmitglied tritt der Auffassung des nationalliberalen Redners bei und meint, es sei zweifellos, daß der Verkehr die kleinen Scheine und Noten sehr gern aufnehmen werde; die Vorstellung über den Wert des Papiergeldes habe sich sehr geändert. Er halte es für zweckmäßig, die Verwendung des Silberschatzes in Friedenszeiten mit Garantien zu umgeben.
T i e Volkspartei stellt den Antrag, die Verwendung des Silberschatzes in Fri c d e n s z ei t e n auszu schließen.
Die Weiterberatung wird auf morgen vertagt.
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Aus Gustav Kreistags Briefen.
Der junge Kaiser und der alte Kanzler.
Die Briefe Gustav Frehtags an Albrecht von Stosch, den verdienten General und Admiral, sind soeben bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart ericksteucn. Tas Buch wird Aufsehen viachen. Was vom Jahre 1864 bis 1895, d. h. in der Zeit zwisckum dem ersten und letzten Briefe, die Oeffentlrchlrit besonders beivegte, das sinder fast ausnahmslos seinen Reflex in bieicn Briefen. Vieles, was sich hinter den Kulissen der Weltgcschickste abspieltc, wurde Frei)tag bei seinen Beziehungen zum Koburger Hose und zu bedeutenden Zeitgenossen bekannt; an den Freu iw gab er es in seinen Briesen weiter, und so ist die Ausgabe drcser Brrcsc auch reich an Ueberrasckmngen für die Ocfsentlichkeit, umsomehr, als dieser dnrckmus nationalgesinntc deutsche Mann die ge^chicht- lichen Ereignisse ans nächster Nähe, ohne den Schimmer der ontzws- tradiiwnellen Koiwcnienz sieht und scharf beurteilt. Wir grien heute einige Briese wieder, die in die erste Regieruugszett Wtt-
fÜ6cen' Siebleben, 26. August 1890.
.... Einen Tag Ivar ich in Rrinhardsbrunn, bat ben Herzog Ernst von Kobnrg-Gotha, über den ^bsnck, oct Bismarck zu erzählen mW referiere nach seinen Worten Ursache des Konfliktes keine Einzelheit, sondern der Kampf um dre Herrschaft. Als ich ungeladen nach Berltn kam,, sagte der Kaiser sogleich: „Du kommst wegen Bismarck. Es ist nur ganz recht, gehe hin, versuche, was Tu vermagst, beim fo, wie es ist, kann es nicht bleiben." Darauf begann er die Klage: er (Bismarcks saß Monate in Varzin, ich schreibe und telegraphiere, er soll m der und der wichtigen Angelegenheit zu einer Bespreckmng Herkommen, er kommt nicht, ja, zuletzt antwortet er gar nicht (.-) Tas muß anders werden. Mso Herzog zu Bismarck. -Lieger kommt ihm mit Umarmung entgegen und fangt laut an zu schluchzen Ter Herzog bietet seine Vermittlung an und rejenert ihm die Klagen des Kaisers. Bismarck antwortet: „Unter feinem Großvater und auch Vater habe ich esrienw gehalten; ich brauch in großen Fragen meine Zeit, um mit nur fertig zu werden und die Tinge vorzuberriten; dieses,Zögern von vier, v^^-iiochen hatte der alte Kaiser immer respektiert Herzog: .„Mer dem jungen Herrn ist das doch nicht zuzumuten. Darauf Bismarck. ,Ja, er selbst will alles leiten: es ist Zett, daß ich gehe^Man intrigiert gegen mich." Und letzt kam wie aus der Champagner- flasche die Geschichte mit Bötticher und dem Schwarzen Adler- orben, die er als die schmerzvollste personlick/e,Kränkung empfand, so daß der Herzog ganz erstaunt war imb sagte: „Um so eme wichtig leit wie eine Ordensverleihung können Durchlaucht Sämierz empfinden; dergleichen ist gar nicksts, wo es sich um io Ernstes handelt " und er sprach, wie er berichtete, mit viel genmöer Un- o^angenbeit Über diese Begebung. Aber das wollte nicht Helsen. Disrnarck fuhr fort, über die Belechigung zu.klagen, und lagte hrieber weich: ,Feh muß gehen, ich kann nicht bleiben. Es rtar also vergebens. Ter Herzog beurteilt, ^ung-Wtthelm etwa ebenso, wie andere, die wir kennen, über ihn denken ^och um cnige Striche vertrauensvoller: „^eme Reisen sind biel nutz-
Aus Hessen.
Die Besoldungsvorlage im Finanzausschuß.
rb. Darmstadt, 13. Juni. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt auch heute wieder eine Beratung über die Bcsvldungsvorlag" ab, zu welcher zahlreiche Regierungsvertreter mit den Rrinistern ^an der Spitze erschienen waren. Die Beratung drehte sich heute lstuipt- sächlich um den Besoldungstarif, dessen zum Teil nicht unerheblich von der Besoldungsordnunq des.Jahres 1898 abweichende Sätze eingehend besprockien wurden. Die Fortsetzung der Beratung soll am nächsten Mittwoch'erfolgen. Wenn die jetzige gemeinsame Beratung mit der Regierung zu Ende geführt ist, wird der Ausschuß noch in einer erneuten Beratung ohne Regierung die zu fassenden Beschlüsse zu erörtern und die Abstimmung vorzunehmen Haden, um die ganze Vorlage für die Beratung im Plenum festzustellen. Ob diese Abstimmung schon jetzt erfolgen kann, oder ob sie erst nach den Sommcrferien vorgenommen wird, steht noch nicht fest. Die Zweite Kammer hatte bekanntlich am 14. März einstimmig den Beschluß befaßt, die Regierun.g zu ersuchen, .bis zum 1. Juni d. I. den Entwurf eines Besoldungstarifs vorzulegen, der sich möglichst an die bestehenden preußischen EKHaltssätze mischließt laus sch ließlick Wohnungsgeld) ohne diese Sätze zu überschreiten. Mesem Ersuchen hat sich in seiner letzten Sitzung auch der Finanz-»
Die Erhöhung ver Nriegsschatzer im Sudgetaurschutz.
:: Berlin, 13. Juni.
• Nackdeni gestern der Gesetzentwurf über das Erbrecht des Staaies in erster Lesung erledigt mar, begann der Budgetausfchuß heute mit der Beratung des Gesetzentwurfes über Aende- r u n g e n i m inanzwese n, und Mar bei den Paragraphen, welche die Erhöhung des Zvriegssck,atzes betreffen. Wahrend der wzialdernokratische Berickterstcttter, Dr. «Sübc Fum, nach rin- gelyenbcr Begründung die Ablehnung ber Vorlage vor- schlägt, tritt ein Mitglieb der Volkspartei lebhaft für diese S chutz- hnaßregel für den Fall der Mobilmachung ein. Gerade in den ersten Tagen der Mobilmachung werde der Bedarf an Umlaufsnittteln gewaltig steigen, und wenn bann das Reich ftebenhundert-walizig Millionen fsttark Noten durch die Ueber wei'Ung von zwnhundertvierzig Millionen Mark Gold an die Reichsbank emtög(irfye, so bedeute' dies eine we.seittliche «Erleick terung. Zu wünsck)en sei allerdings, daß die Regierung auf eine Verwendung des Silberschatzes schon in Friedenszriten vrn- zichte, da man sonst befürcht en milsse, daß das Silber nach Mwick lung ber Krisis nickst rasch genug wieder aus der Reic^bank herausgezogen werden könne.
Ter S cha tz s e l r etä r begründet die Regierungsfordernng. Deute nach vierzig Jahren fri naturgemäß das Bedürfnis nach einer i Erhöhung des Kriegsschatzes entsprechend der gewaltigen Stei aerung der finanziellen Ansprüche in den ersten Tagen einer Mobilmachung hervorgetreten. Die Einwirlimg ber Heraus- richung von hiindertztvanzig Millionen Mark Gold ans dem Verkehr werde wohl' überschätzt. Tie Ausgabe von Kassenscheinen werde eine erwünschte Steigerung ber Umlauffsmittel in Zehn- marhoerten ergclten. Eine Verschlechterung bes Status der Rrichsbank sri durch die i'lüsgabe von Kassensck>rinen nicht zu befürchten, denn letzten Endes sri nicht die Rrichsbank zur Einlösung verpflichtet.
Etti N a t i o n a l l i v e r a l e r begründet den zustimmenden Standpunkt seiner Partei. Tas Reich lasse in der Praxis . die ReiMsolon>echsel der Kassenscheine fomniifsivnswrise einlösen. Daraus folge, daß die Reichsbank tatsächlich jederzett die Reichskassenscheine bei der Reichskasse rinlösen könne. Er bitte aber um Anerkennung dieser R e ck t s a n f s a s s u n g durch die Regierung. >veil die ansdrücklickw Feststellung dieser Rechts läge die Entscheidung erleichtere. Der erhöhte Kriegsschatz fr- deute zweifellos auch eine Festtgung des wirtschaftlichen Lebens in Handel und Industrie für den Kriegsfall; man müsse alles tun, was dazu diene, das panikarttge Empfinden zu Beginn des 'Krieges rinzuschränken. Der stellvertretende Reichsbankspräsident v. G l a s e n a p p macht eingehende Mit- tciluitgcn über die Verkehrsfunktionen der Reichsbank. Die wirt- sck»aftlickw Entwickelung vollziehe sich immer mehr in der Richtung «einer intensiven Verwebung aller Kreditverhält- nisse. Notnrendig sei eine regelmäßige Liguidierung dieser Kredit- Verhältnisse bei Monatschluß und in höherem Maße bei Quartal- scklluß und zivar besonders Ende September und Ende Dezember. Diese Liguidationstermine beanspruchen eine gewaltige Vermehrung der Ilinlaufsmittel. Im Falle eines Kriegsausbimches werbe die ganze Kreditunterlage des Wirtschaftslebens erschüttert. Der Metallbestanb des Kriegsschatzes werde nun unter gewöhnlichen Verhältnissen ganz aus dem Kreditsystem ausgeschaltet, so daß also im Falle eines Ausbruches eines Krieges entsprechend dem enorm gesteigerten Bedarf plötzlich neues Metallgeld zur Belebung der wirtschaftlichen Beziehungen in Umlauf komme. Diese Funktion könne aber offenbar nur erfüllt werden, wenn der Metallbestand wirklich dem Verkehr c n t zogen fei. Die Anlage von Wechseln usw. würde, den Kriegsschatz eben mit dem Kreditsystem verweben, das er im Kriegsfälle stützen soll, und das wäre dann eine Unmöglichkeit. Würde man nun die notwendige Summe au Gold durch eine Anleihe aufbringen, so würde diel
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volle Pension 350j clektr-Acht. PillaW°!^ j,x ■
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Kt. 13Z Dritter Blatt 163. Jahrgang
Erscheint ISglkch mit Ausnahme des Sonntags. «
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejfen


