bei der Wendeltreppe vor: mit ihm Kapitularvikar Domherr Dr. Kreutzwald und Kaplan Beryhaus. JmRitter- faal erwartete der Kaiser den Erzbischof in Gegenwart des Reichskanzlers, des Oberstkämmerers Fürsten zu Solrns-Baruth, des Ministers des Königlichen Hauses, Grafen zu Eulenburg, des Iuftizministers, des Ministers des Innern, von drei Kabinettschefs sowie des Kommandanten und der diensttuenden .Herren des Hauptguartiers. Ter Kultusminister, begleitet von dem Unter» staatssekretär Dr. v. Ehappius, geleitete den Erzbischof nebst Gefolge in den Saat und stellte ihn dem Kaiser vor, woraus die Vereidigung auf das Evangelienduch erfolgte. Tic Kaiserin empfing darauf den Erzbischof im Pfeilersaal. Um 1 Uhr war F r ii hst ü ckS t a se l beim Kaiser. Ter Kaiser saß zwischen dem Reichskanzler und dem Erzbischof. Heute abend 8 Uhr findet Familientafel bei den Majestäten statt.
Eine Ansprache des Erzbischofs.
Rach der Vorstellung durch den Kultusminister richtete Erzbischof Dr. v. Hartmann eine Ansprache an den Kaiser, in welcher es heißt:
Daß Ew. Majestät geruhen, diesen Eid Allerhöchstselbst ent» gegenzunehmen, darin erblicke ich dankbaren Herzens einen neuen Beweis der wohlwollenden Gesinnung, welche Ew. Majestät gegen die katholische Kirche hegen, deren Diener zu sein ich die Ehre habe. Als Erzbischof von Köln werde ich es mir nach den besten Kräften angelegen sein lassen, die Gesinnungen der Anhänglichkeit und Treue gegen die Dynastie auch in den Herzen der meiner Obsorge anvertrauten Gläubigen zu schützen und zu pflegen. Es erscheint mir das um so notwendiger, je kühner und verwegener die Mächte des Umsturzes und der Verneinung an den Fundamenten des Thrones wie des Altar es rütteln. Auf der anderen Seite ist es um so leichter, je einmütiger die begeisterte Liebe und Verehrung gegen den gegen« roärHgcn Träger der Krone alle Kreise durchdringt. Ew. Majestät hatten die Gnade, in diesem Jahre meiner bisherigen Kathedrale ein vrächtiges Glasgemälde zu schenken. Es gibt einen welthistorischen Moment wieder, wo Papst Leo III. Kaiser Karl den Großen im Hostager zu Paderborn aufsucht und um seine Hilfe bittet. Wenn ichs wage, bei diesem feierlichen Akt die innige Bitte auszusprechen^ Ew. Majestät wolle der katholischen Kirche und den Allerhöchlt Ihren Untertanen des katholischen Glaubens das so oft bewiesene gnädige Wohlwollen immerdar erhalten, so vertraue ich darauf, eine ebenso huldvolle Aufnahme zu finden wie Papst Leo III. bei Karl dem Großen.
Die Kailerrede.
Dann erfolgte die Vereidigung auf das EvangelienbUch, worauf der Kaiser folgende Worte an den Erzbischof richtete:
Ich habe mich bewogen gefunden, das eidliche Gelöbnis der Treue, welches Sie, hochwürdiger Herr, soeben abgelegt haben, selbst entgegenzunehmen. Die Pflichten und Mühen des bischöflichen Amtes, aber auch sein reicher Segen sind Ihnen nicht fremd. Als Bischof von Münster haben Sie schon die Aufgabe erkannt und erfüllt, die Ihrer oberhirtlichen Führung anvertrautm Seelen in allen christlichen Tugenden zu unterweisen, sowie die Eintracht unter allen Bewohnern des Landes zu erhalten und zu pflegen. Ich habe daher zu Ihrer Er- wählung zum Erzbischot des ältesten Bischofsstuhles meiner Monarchie gern meine Genehmigung zugesprochen und erteile Ihnen meine landesherrliche Anerkennung. Sie haben an jenen denkwürdigen Vorgang erinnert, als Karl der Große von dem Papst Leo III. und Ihrem ersten Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl in Münster in schwerer Gefahr und Bedrängnis und Hilfe angerufen, an der Spitze seines Heeres den Papst herzlich begrüßte, ihm seinen mächtigen Schutz zusagte und dann, wie die Ueberlieferung meldet, Hand in Hand mit ihm in den neu erbauten Paderborner Dom einzog , um gemeinsam Gott den Herrn zu preisen. — Dies weltgeschichtliche Ereignis ist ein lehrreiches Beispiels fürden Segen eines vertrauensvollen Verhältnisses der Kirche zu dem höchsten Träger der Staatsgewalt und enthält zugleich eine ernste Mahnung. Ihre bisherige Amtsführung gibt mir die Zuversicht, daß Sie, dieser Mahnung eingedenk, auch in Ihrer neuen Wurde Ihre Geistlichen und Gemeinden lehren und an halten werden, mit der Anhänglichkeit an Ihre Kirche zu verbinden treue Ergebenheit gegen mich und mein Haus, warme Liebe zum deutschen Vaterlande und Gehorsam gegen die von Gott verordnete Obrigkeit. — In diesem Vertrauen will ich Sie meiner königlichen Huld und meines landes väterlich en Wohlwollens für Ihre Diözesanen sowie für alle meine Untertanen katholischen Glaubens in Gnaden Vers ichern und Ihren Eintritt in das neue Amt mit meinen besten Wünschen begleiten. Gottes Segen sei mit Ihnen!
Aus ßeffen.
Ans bet Kammer.
bs. Darmstadt, 13. Febr. Das Beispiel des Finanzausschusses der Zweiten Kammer, der den .Hauptvoranschlag so rasch erledigt hatte, hat Wunder gewirkt. In zwei verhältnismäßig kurzen Sitzungen hat das Plenum heute die allgemeine Besprechung zum Voranschlag beendet. Ein derartiges Tempo ist bisher noch nie angeschlagen worden. Diese schnelle Erledigung war darum möglich, daß sich die Redner von fast jeder parteipolitischen Reiberei fernhielten, und wo man sich solche doch nicht versagen konnte (wie Herr Ulrich), Neidete man sie in möglichst liebenswürdige Form, so daß Entgegnungen überflüssig wurden. Dazu kommt noch, daß die Parteien diesmal nur je einen Redner vorgeschickt hatten — und das merkwürdigerweise ohne vorherige Absprache. Geht es in dieser versöhnlichen Art weiter, so besteht die Möglichkeit, daß das Budget in den ersten Tagen des März unter Dach und Fach kommt. Allerdings redynet man noch damit, daß es bei den Besprechungen über die einzelnen Abteilungen des Voranschlags zu Zusammenstößen kommen kann: so besonders bei der Abteilung: Ministerium des Innern.
Der Redner der Fortschrittlichen Volkspartei, der 9(bg. Henrich, ist immer sehr sachlich, also keiner, der sich auf den Tribünen viel Freunde erwerben kann. Er arbeitet sich immer mit großer Gewissenhaftigkeit in ein umfangreiches Zahlenmaterial hinein. Natürlich trat er als Parteiredner wieder für die Revision des Eisenbahngemeinschafts-Vcr- trages -ein. Diese Forderung ist bei der Fortschrittlichen Volkspartei schon zu einem Dogma geworden.
Unter der Aufmerksamkeit des ganzen Hauses trug der Staatsminister Dr. v. Ewald seine grundsätzlichen Bedenken gegen den Beschluß des Finanzausschusses der Zweiten Kannner vor, der von der Regierung die Vorlage eines Gesetzentwurfes zur Ueberführung des Großherzoglichen Fa- milieneigenttcms in Staatseigentum fordert. Was er dagegen anzuführen wußte, war staatsrechtlich von großem Interesse, und die Landesvertreter nahmen seine Ausführungen auch ohne jeden Widerspruch bin. Voraussichtlich lvird man diesen Gedanken auch nicht weiter verfolgen. Tut man es aber dennoch, so geschieht es eigentlich ivvhl nur ’M Prinzips wegen. Daß diese Frage aber Im Sinne des Beschlusses des Finanzausschusses beantwortet werden wird, ist kaum anzunehmen.
Der Abg. Ulrich benutzte die allgemeine Besprechung Ivicber zu einer btalarebc, die voller Anklagen gegen die schlechte Gesellsd-astsordnung war. Ulrich und seine Freunde
allein wissen, wie dem Staate und dem Reiche zu helfen ist, ihnen allein ist die Erkenntnis der Wurzel alles Uebels verliehen. Diesmal hatte es der Offenbacher besonders auf den Minister des Innern abgesehen, von dem er behauptete, daß ihm die Bestätigung des Offenbacher sozialdemokratt- schen Beigeordneten EiAnert sicher nicht leicht geworden sein mag, eine Behauptung, deren Richtigkeit wohl der Minister auch selbst bestätigen wird. Auch zu der in Aussicht stehenden Wehrvorlage sagte der Sozialdemokrat sein Sprüchlein her. Natürlich brauchen hnr kein Militär; man schafft es nur aus Lust am Soldatenspieleu. Verständigen möge man sich? Aber man kennt ja das Lied, das die Sozialdemokratie immer singt. In einem Hause aber, wo man doch vor Männenn zu sprechen hat, denen man redliches Verständnis für politische Tinge zutraucn darf, und wo es vor allem darauf ankommt, praktische Politik zu treiben, fallen derartige Bolksreden doch wohl aus dem Rahmen.
E>n sozialdemokratischer Antrag.
bs. Darmstadt, 13. Febr Tie sozialdemokratische Fraktion des Landtages hat in Bezug auf die Gerichtsschreiber und Schreibgehilfen folgenden Antrag eingebracht:
„Die Äbgg. Adelung und Genossen beantragen zu Kapitel 89 des Hauptvoranschlags, 58 Stellen ministeriell verwendeter Gerichtsschreibergehilfen in Hilfsgerichtsschreiber (Assistenten--stellen umzuwandeln. Zu Kapitel 12 beantragen dieselben Abgeordneten, die Prozentzahl der angestellten Schreibgehilfen auf 40 Prozent zu erhöhen, ferner die Beitragsleistungen zur Angestelltenversicherung ganz auf den Staat zu übernehmen."
Deuffcbet Reick.
Beim Reichskanzler.
Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Beim Reichskanzler fand am Donnerstag.abend ein Diner für das Präsidium und die Fraktionsvorsitzenden des Reichstags statt.
Aus Stafct ttnö tand.
Gieße n, 14. Februar 1913.
Die hessische Politik von 1863—1871.
Im Oberhessischen Geschichtsverein sprach gestern Abend Professor Dr. Ernst Vogt über die hessische Politik von 1863 bis 1871. Er führte aus, daß es eine trübe Zeit für Hessen sei, über die er sprechen wolle. Der Kämpf um die staatsrechtliche Verbindung Deutschlands und Oesterreichs war der eigentliche Inhalt der hessischen Politik jener Zeft. Hessen war ein kleiner Mittelstaat, der durch seine Lage so recht als YNittler zwischen Nord- und Süddeutschland geeignet war. Der Staat war nicht einh itlich zusammengesetzt. Am schwersten wog daß der Hess sche B amtenftaat durch Denunziationen, Beförderung usw. charakterlos gemacht wurde. Dagegen sorgte er für Handel und G.w r've, namentlich aber für die Landwirtschaft. Die auswärtige Politik stand ganz unter der Leitung des Ministers von Dalwigk. Er war persönlich liebenswürdig und verstand es, sich 20 Jahre lang unter den schwierigsten Verlhiltnisseu zu halten. Dalwigk war großdeutsch-sörderalistisch, antipreußisch und hessisch-partikularistisch. Seinen Rückhalt hatte Heften an Rußland, dessen Kaiserin die Schwester des Großherzogs war. Dalwigk war ein Anhänger der großdeutschen Politik. Dalwigks Abneigung gegen Preußen beschränkte sich nid# auf Gesinnung und Worte, er trat überall für die Interessen Oesterreichs ein, namentlich auch in den Zollvereinsfragen. In der Schleswig-Holsteinischen Frage nahm Hessen entschiedene Stellung für die deutschen Landsleute; er suchte vergebens, Oesterreich zu einem entschiedenen Vorgehen in der Schleswig-Holsteinischen Frage gegen Preußen zu veranlassen. Bei dem Kriege von 1866 tonnte Dalwigk mit Recht erklären, daß er sich mit seiner Haltung für das Recht erkläre. Oesterreich ging mit großem Pessimismus in den Krieg. Der für Hessen ungünstigste Fall traf ein und Dalwigk mußte nach Nikolsburg gehen. .Am 29. Juli hatte Dalwigk eine längere Unterredung mit Bismarck, in der er seinen Rücktritt anbvt, wenn Hessen dadurch bessere Bedingungen erhalten könne. Preußen verlangte die Abtretting Overhessens, do'.ch wollte Dalwigk von der Trennung durch den Main nichts wissen. Bei den end- güttigen Friedensverhandlungen in Berlin bot Preußen für Oberhessen die Rheinpfalz oder Unterfranken. Mit russischer Hilfe kam Hessen endlich zum Ziel. Hessen verlor dabei nicht allzuviel. Es trat mit Oberhessen in den Norddeutschen Bund ein und auch Hessens Post kam unter preußische Verwaltung. Hessen blieb auch jetzt noch bei seiner antipreußischen Haltung und suchte mit Nachdruck die Konsolidierung der deutschen Verhältnisse unter Preußens Führung nach Möglichkeit zu stören. 1867 wollte Preußen ganz Hessen in den Norddeutschen Bund aufitehmen und stellte günstige Bedingungen, Dalwigk lehnte aber ab. Die Stimmung des Landes war für die Einigung, aber Dalwigk blieb nach wie vor ablehnend. Aus den Beziehungen Dalwigks zu Frankreich ist ihm der allergrößte Vorwurf zu machen. Das zu frühe Losschlagen Frankreichs fürchtete Dalwigk nickst so sehr, als Napoleons Sturz. Als die Schlacht bei Gravelotte geschlagen war, erklärte Dalwigk, er wollte gerne dem König von Preußen als Kaiser huldigen, wenn er Elsaß-Lothringen Deutschland zurückgewinne. Im März 1871 verlor dann endlich Dalwigk die ihm liebgewordenc Macht, er wurde in Gnaden entlassen. Er fühlte sich nicht von Bismarck besiegt, sondern von Roon und Mollke. Preußen habe hauptsächlich seinen Sieg dem militärischen Zu ammenbruch Oesterreichs und Frankreichs zu verdanken. Dalwigks Politik war vor und nach 1866 falsch zu nennen. Dalwigk hat nach Bismarcks Ansicht die Verzögerung der deutschen Einheit um mehrere Jahre erreicht, aber es war dadurch möglich, die Einigung Deutschlands schöner und herrlicher durch zuführen, als es früher möglich gewesen wäre. Das ist ein allerdings ungewolltes Verdienst Dalwigks.
Dem Vortrag folgte lebhafter Beifall, dem Ober- bibliothekär Dr. Ebel mit kurzen herzlichen Worten Ausdruck gab.
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*♦ Tageskalen der slic Freitaa, den 14. Febr.: Stadttheater: ,Ter Retter in der Not.' Anfang 8 Ubr.
A ka d. W a rt b u rg b un ö: Vortrag des Generalleutnants d. Henning: Rom und die Germanen. AdendS 8 Uhr in Steins Garten. .
** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Direktor der Bolksover in Wien Rainer Simons zu Wien die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem )vönig von Württemberg verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Friedrichs-Ordens erteilt.
. ** r allgemeiner Dorfkirchentag in Ber - LJn- . x2ni. meutern her hat in Bad Salzhausen der erste Dorfürchenkursus stottgeiunden. Ihm folgt nunmehr im An- Ublunc an bte 17 Tagung des Deutschen Vereins für ländliche Wohltahrts- und Vermalpflege der erste allgemeine Dorstirckvn
I tag am Donnerstag, 20. Februar ! Landwirte, Berlin SW., Dessanerstra
grvver <saal des Klubs der ße 14, vormittags 10 Ilbr J
Auf dem Programm steht ein Vortrag des Superintendenten von Lüpke-Auma über „Recht und Möglichkeit der Dorfkirche im Strom der Kultur" und des hessischen Pfarrer: E. Mahr-Langsdorf über die „Predigt des Gott- vertrauens auf dem Sorte".
"Eisenbahnpersonalien Ernannt wurde Rangier, führer Marschek in Gießen zum Rangiermeister. Versetzt wurden Reserve-Lokomotivführer Glaab von Hungen nach Cbenoben, Lokomotivheizer R ocker von Oberroden nach Hungen, Rangierführer Bender von Frankfurt nach Fried- berq, Schaffner Wteßner von Gießen nach Wetzlar. Die Prüfung bestanden die Hilfsschaffner FritzinS, Leun, Volk, Adam, Kaiser, Lang und Jung in Gießen zum Schaffner.
Stadttheater. Es sei besonders darauf hm. gewiesen, daß die Benefizvorstellung für den Regisseur und Charakterkomiker unserer Bühne, Hermann Norden, am nächsten Sonntag abend ausnahmsweise um 8 Uhr beginnt. Zur Aufführung gelangt das Lustspiel .Die Herren Söhne', das dem Benefizianten Gelegenhest gibt, in einer prächtigen Rolle sich zu zeigen.
*• Bakof'S Ka mm er-Lichtspiele zeigen ab Samstag den deutschen Meistersilm Königin Luise, der nit Genehmigung des Kaisers von der deutschen Biograph. Gesellschaft Berlin? ausgenommen wurde.
** D i e deutsche Ostmark. Ter Kaufmännische Verein und der Ottsgcwerbeverein veranstalteten gestern abend in der neuen Aula einen von allen politisckrrm und konfcssioncltcn Ten denzen freien Vorttag über die deutsche Osttnarl De L15. führungen des Vorttagenden, Herrn Leutz-Spitta aus Berlin, waren klar und verständlich. Die prächtigen, tolerierten Licht- bilder machten den ohnedies interessanten Vortrag iwch wen- voller und lehrreicher. Herr Leutz-§vitta gab in großen Um einen einen Ueberblick über die Geschiäste jener Gegenden unser« Vaterlandes. Daß sie von An'ang an von Slaven bewohn: gewesen sind, wie man häufig zu lesen bekommt, ist eine mehr ober weniger bewußte Geschickstsfälsämng. Erst zur Zeit der großen Völkerwanderungen rückten die Slaven in die bis dahin von rein germanischen Völkerschaften bewohnten Gegenden ein. Karl be Große und noch mehr der geniale Kaiser Otto der Große haben zuerst diesem Vordringen Einhalt geboten. Otto der Erste (der damals die Markgrafschaft Meißen, daS heutige Königreich Sachsen, als Bollwerk gegen die Slaven Leider haben seine Nachfolger das so schwer Errungene nicht fest-nhalteu vermocht Eine glänzende Epoche für die Ostmark begann erst viel spöln mit der mühsamen Eroberung und Kolonisierung der jetziger Provinzen Ost- und Westprcußcn durch den Teuftchritterorda (1231—1400). Da entstanden die berühmten Ordensschlöfter Marienburg, Gollub, Rehden, Schwetz, Mewe usw. und in der Städten erwuchs ein kräsliges Bürgertum. Danzig, Thorn. Elbing Graudenz, Kulm, Marieniverdcr, Könitz und anbei? weisen noch heute viele Zeichen an diese vergangene Blütc^eit in Gestalt vor. architektonischen Denkmälern und Bauten auf. Infolge der Un einigleft der Deutschen und der inneren Zwistigkeiten im Citai gewannen die Polen schließlich wieder die Oberhand. In br: Schlackst von Tannenberg (1410) wurde das Ende mit Schrecken für den Orden herbeigesührt. Unter polnischer Herrschaft sank da- Land von der Höhe seiner einsttgen ftültur völlig berat, nachdem im Frieden von Thorn (1466) ganz Westpreußen dem Orber an die Polen verloren gegangen mar. Erst durch den Friedei! i von Oliva wurde Preußen 1660 unter dem Großen Kurfürst»!1 von der Lehnhoheit Polens unabhängig. Das Zeitalter Friedrichs des Großen brachte sodann die verschiedenen Teilungen des Königreichs Polen unter Preußen, Oesterreich und Mißland. Zu Neubesiedelnng der Ostmark durch deutsche Aussiedler lag den ..Alten tfritr besonders am Herzen. Er hat ben Grund langsamen Hckung des Gebietes ans dem polnisck>en ilenb ar legt und ü. a. den Bromberger Manat bauen unb das Land fiiltv I verieN-lassen. Im zweiten Teile seines Vortrags ging ^tr Leutz-Spitta näher auf die Arbeit der AnsiedlungSkommckfi» ein und führte Bilder von Dörfern mit ihren Kirchen. Schulrr unb blitzsaubernen Häusern vor. Der Redner wies noch aut bit großen Verdienste hin, die sich der Deutsche Ostmarkenverkä i durch Aufklärung und Förderung des deutschen Gedankens il i der Ostmark erworben hat. Er legte die Ziele des Vereins bar I und berichtete über seine Erfolge. Begeisterter Beifall brr zahl reichen Zuhörer dankte dem Redner für feine sachlichen unb intcr essanten ?lus führungen.
** Ein Kursus in statischer Berechnung vor Baukonstruktionen fur Bauhanbwerker unb Bau tcchnikcr, den die Zentralstelle für die G?werbe in Darm ft a b t von Ingenieur Ackermann zum dritten Male abbalt'-n (56t. nimmt am Samstag, 15. Febr., seinen Anfang, sofern sich ernt ausreichende Teilnehmerzahl cinfinbet. Eine Anzahl Anmeldungen liegen bereits vor, jedoch müßten sich iwch weitere Teilnehma melden, was in dem Kursus am Samstag-Nachmittag noch ge> schehen kann, um frin Zustanbekonnnen zu sichern.
•• Eichbk ft immunqen. Wir verweisen auf die im heutigen Kreisblatt veröffentlichte Bekanntmachung des Polizei« amteS über die Vorschriften iür die B e s i tz e r e i ch p f l i ch t i g er Meßgeräte und die Bestimmungen der Maß- und Gr« wichtSvolizei.
** Einbruchsversuch. In der Nacht auf Tomterltee versuchten Diebe in einer Fellhandlung am Krosdoefet Weg einzubrcchen, wurden aber durch den großen Hofhund verscheucht. Sie ließen drei große Pappschachteln, in denen das g» stohlene Gut verborgen werden sollte, am Platze zurück. Leiber ist dabei der wertvolle Hofhund verunglückt. Er war an einer Kette befestigt, sprang aber über die Einfriedigung und blut mit der Kette hängen, so datz er erdrosselt am Spalier ousgo ftinden wurde. Ermittelt wurde, daß die Pappschachteln von einem Unbekannten in einem hiesigen Geschäft gekauft wurden.
** Kellerbrand Gestern abend gegen y«10 Uhr rourb: in einem Hause der Kaplan s gass« ein Kellerbrand enthaft Die herbeigebolte Feuerwehr löschte den Brand unb stellte fest, daß ein Holzbalken in der Decke brannte. Die Entstehungsursache wird zurückgeführt aus die am Nachmittag von städtischen Av beitem ausgeführte Schnakenvertilgung durch Ausbrennen bti Kellers.
** Erster Ausflug der Dienen. Am DienStap und Mitttvoch waren Frühlingstage und die Bienen konnten ihren ersten Ausslug, den sogenannten Reinigungsausflug, vornehmen. Gleichzeitig muß eine Prüfung der Futter« Vorräte erfolgen, denn noch immer sind die Bienen auf diese angewiesen. Nach Aussage der Imker sind die Bienen bis jetzt recht gut durch den Winter gekommen.
Kreis Alsfeld.
OK. Alsfeld, 13. Febr. Zweimal konnte in der letzten Tagen im Kreise Alsfeld das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert werden. In Ni ede r-Gem ü nden wurde sie von den Eheleuten Konr. Herbst gefeiert. Sn erhielten zur Erinnerung das Bild des Großherzogs, ntü eigenhändiger Unterschrift versehen. — In Ohmes der Altbürgermeister Schmitt und seine Gemahlin das 50jährige Ehejubiläum. Das Jubelpaar erhielt durch Shei- rat Dr. Heinrichs ein vom Grosiherzog verliehenes Bill mit Unterschrift. Der Bischof von Main^ sandte wen« falls ein Glückwunschschreiben. — Das Schulerbadtr der neuen Stadtschule wurde in dieser Woche jum erfteti Male in Benützung genommen. Bon den 892 Kn aber unb Mädchen der Stadtschule badeten 264 Knaben und 228 Mädchen. Das Volksbad erfreut sich ebenfalls eines seht guten Besuches.
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lärm' ßfcää!
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