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16.8.1913 Erstes Blatt
 
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Ur. I9L

Ter »ietzener Anzeiger creftetm täglich, außer Sonulags. - Beilagen: viermal loixbentlicf) GießeverZamilievblSNer, zweimal wöchentl.Xrei§- vlatt fßrzen Xreis «iehen (Dienstag und Freitag»,- zweimal monatl. Land- Mirlichaftliche Leitsragen Fernivrech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Derlaq u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Sitfcm. Lima h me von Anzeigen für die TageSnuminer bil vormittag? 9 Uhr.

Erster Blatt 163. Jahrgang Zamrtag, sb. August 1915

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GletzenerAnmger

Pera>,tivortl»ch für den

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag -er vnihl'fchen Univ.-Vuch- nnö Stcinörnderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. ^'^r den

Seschäslrftele vüdingen, vahnhofstratze 16a. Anzeigenteil:'r>. Beck.

Die heutige Nummer umfahl 14 Seiten.

politische wochenschatt.

, Giefzen, 16. August.

. ~xc Sozraldcmokratic hat einen neuen, schweren Sclilag ttlutcn. Sic Beklagt einen inneren Stillstand, eine Lau heil unb Unzufriedenheit ihles Massenanhanges, so daß ihre Führer nach neuem Rüstzeug nmschauten, um die Zuversicht toxcber zu beleben und der Agitation wieder Erfolge zu sichern. Da ist der Mann ins Grab gesunken, der allein früher imstande gewesen ist, die Geister aufzupeitschen und die revolutionäre Idee zu entzünden. Bebel war es ge­wesen, der nach Wahlniederlagen die rote Parteifahne mit ungebrochenem Mute hochhielt und -nach als beinahe Siebzig, jähriger, nach den Blockwahlen des Jahres 1907, unentwegt das ^Rorgenrot des Zukunftsstaates verkündete, der bei allen Gärungen innerhalb seiner Partei wie ein strenger Jupiter die feindlichen Götter wieder beruhigte Bebels Stanie war das Panier der Massen, die es mit Jubel be­grüßten, wo es sich zeigte und damit bewiesen, daß das demokratische Gleichheitsideal zerberstet vor der lebendigen tzerrschergeivalt der Persönlichkeit! Und nun ist der alte Führer, der schon längere Zeit stille geworden war, so daß Unsicherheit und Mißmut in die Reihen der Partei ein­kehrten, ganz von der Bühne abgegangen. Was wird die Folge sein bei der notorischen Eifersucht und Unverträglich- lichkeü der Führer zweiten Gradeü, die der Umsturzpartei noch verbleiben? Wo ist unter ihnen ein überlegener Geist, dem die Massen folgen, der die Unbotmäßigen zügelt und die in taktischen Meinungsverschiedenheiten getrennten Heercshaufen eint? Wem gehört die Zukunft, den Radi­kalen oder den Revisionisten? ES begibt sich das seltsame Schauspiel, daß manche Blätter der äußersten Rechten herz­lichere Worte finden beim Tode des bedeutenden Partei­mannes als verschiedene Organe demokratischen Charakters. Bebel hat die demokratischen Großblockenthusiasten eben so manchesmal enttäuscht? Er wollte nicht nur nicht in einer Linie mit der nationalliberalen Front stehen, sondern er hat auch so manchesmal die freisinnige und demokratische Bruderl-and zurückgewiesen. Darum wird jetzt von dem äußersten Linksliberalismus seine Bedeutung als führender Politiker verkleinert und ihm die Schuld daran zugesprochen, daß die Erfolge der Linken zurückgeblieben seien. Freilich hat Bebel in den letzten Jahren mitunter auch dem Hyper radikalismus, wie er in Ledebcmr und Rosa Luxemburg das Haupt allzu kühnlich erhob, manche strafende Lektion erteilt, im ganzen aber gehörte sein Herz der marxistischen Ägi tation, und revisionistische Neuerungen in der Taktik wies er beharrlich zurück. Wie aber stehen heute, nach Bebels Tode, die Großblockaussichten, die nicht mehr in die Parole: vvn Bassermann bis zu Bebel" ausklingen können? Wir sahen, daß an dem Tage, da Bebel sein Leben aushauchte, die Berliner Genossen in zahlreichen Versammlungen dar über stritten, ob bei der gegenwärtigen Stagnation im Parteileben nicht endlich das frisch-fröhliche Horn der Mchfenstreikparole geblasen werden solle. Und es fielen wieder viele harte Worte gegen das auf dem Boden des heutigen Staates stehende Bürgertum, das durch den all gemeinen Massenausstand endlich mürbe gemacht und niedergeritten werden solle! Tie Revisionisten um Frank, Tavid und Bernstein haben es bei dieser unzweifelhaft

immer mehr um sich greifenden Stimmung in ihrem Lager wahrlich nicht leicht. Und wenn auch den zaw dernd lauschenden Massen noch mit einigem Nachdruck die Bedenken und Gefahren des Massenstreiks für den Einzelnen und für die sozialdemokratische Bewegung giseint wurden es wagte doch kailin einer der

Führer, sich gegen die baldige Anwendung des neuen Gewaltmittels auszusprechen. Aus dem bevorstehenden Par teitage in Jena werden zwar die Gegensätze wieder einmal sehr deutlich zum Vorschein kommen, aber den Sieg wird doch wohl auch hier der Radikalismus davontragen, der zwar nicht wagt, den Termin zum Losschlagen anzusetzen, der aber den Mund desto voller nehmen und den verblen­deten Parteimassen mit dem Schwenken des neuen roten Sturmbanners neuen Mut einzuflößen suchen wird.

Im Reichstage aber, wo 111 Genossen ihre Kunst zeigen sollten, ist die Partei nicht vom Flecke gekommen. Und gegen die Taktik, Die bei der Erledigung der Heeresvorlage und ihrer Deckung von der sozialdemokratischen Fraktion eingeschlagen worden ist, hat sich darum lauter Widerspruch erhoben. Wird man in dem roten Parteilager noch etwas vom Parlamentarismus erwarten, nachdem oer letzte große Kämpe aus denkwürdiger Zeit das Feld geräumt hat? Wird der Schwerpunkt der sozialdemokratischen Tätigkeit künftig nicht mehr als bisher außerhalb des Parlamentes liegen? Dann wurden die bürgerlichen Großblockidcologeii nichts zu hoffen höben. Doch es ist müßig, jetzt schon Zukunfts­bilder an die Wand malen zu wollen. Der große Kladde­radatsch, den Bebel erträumt hat, liegt sicherlich noch in weiter Ferne . . . Vielleicht geht aber ein innerer Partei­kladderadatsch bald von statten, sodaß die Revisionisten ihre eigenen Wege gehen und |)a5 Ziel des Zukunftsstaates immer mehr umnebelt wird.

Das national gesinnte Bürgertum durfte dem dahin­geschiedenen alten revolutionären Kämpfer Gerechtigkeit zuteil werden lassen. Er glaubte wirklich an seinen Zu- lunftsftaat! Temperament und Eharakter, treue, zähe Ar­beit für die Klasse, aus der er sich mit beispielloser Energie heraufgearbeitet hatte, ehrliche, innerliche Ueberzeugung. sic machten diesen Menschen, der so unversöhnlich in seinem Kampfe war und doch ein ganzer Mann genannt werden mußte. Darf man bestreiten, daß er in seinem Sinne Gutes gewollt hat? Daß dem Staate und der Gesellschaft Fehler und Unvollkommenheiten anhaften, daß bei der Verteilung der materiellen Güter den Mühseligen und Beladenen oft ein trauriges Los verbleibt, dieses Empfinden hat die leiden­schaftliche Seele dieses drängenden Politikers so tief durch­zittert, daß seine Einseitigkeit uns nicht abstoßend berührt und daß seine Jagd nach Utopien, sein blinder Kampf gegen die ganze Staatsordnung menschlich verständlich erscheinen kann. Denn Bebel blieb auch in seinem persönlichen Leben aufopfernd und anspruchslos. Bürgerliche Tugenden zierten ihn: Fleiß, Strebsamkeit, schlichter Familiensinn. Wenn man ihn einst auf der Höhe seines Wirkens sah, wie er mit dem Feuer seiner Beredsamkeit Tausende elektrisierte, wie er mit siedender Ueberzeugung das Unrecht darlegte, das der Staat an den armen und niederen Schichten begehe, da konnte es einen wohl überlaufen, als sei es keine unedle Sache, die dieser Mann mit feinen donnernden Angriffen führe. Dazwischen zeigte der Fanatiker dann auch Proben eines herzhaften Humors, der einen anderen Winkel seines Herzens nicht unvorteilhaft erhellte. Freilich hatte Fürst

Bülow reckt, wenn er dem lebhaften Kritiker immer wieder cntgegcnbielt, daß ihm die rNarhait über feine positiven.Ziele mangele, daß er einzelne Vorkommnisse in ungerechter und verhetzender Weise verallgemeinere und daß die sozialdemo­kratischen Ideale, namentlich vom Zukunftsstaate, im höch­sten Grade verschwommen seien. Die Zeiten dieser Rede- lämpfc sind nun vorbei. Heute haben in Bebels Lager theo­retische Wächter und zankende Literaten das Wort. Ob sich die Massen nun durch das ZauberwortMassenstreik" ein­sangen lassen und dem Ruse eines Berliner Genossen folgen wollen, welcher meinte, das; jetzt die Zeit gekommen sei, wo die Massen neue Opser bringen müßten? Nach dem neuen Jenaer Parteitag wird man ja wohl sehen, wohin die Reise geht.

Die Türken regen sich!

Während die Frage bon brainila vorläufig in den Hinter­grund gerückt ist, weil Rußland fein Revisionsbemühen allmählich zurückzieht, tritt das Adrianopelcr Problem wieder hervor Bon verschiedenem Seiten wird heute über­einstimmend gemeldet, daß die Pforte in einer neuen Note an die Botschafter nicht nur an ihrem früheren Standpunkt festhält, also auf dem Besitz von Adrianopel besteht, sondern noch droht, Gebietsteile über die Maritza hinaus zu be­setzen und einen Truck auf Bulgarien auszuüben und es zu direktem Einverständnis mit den vollzogenen Tatsachen zu zwingen. Tie Begründung dieses Vorgelzenö, daß die Bulgaren in den von ihnen besetzten Gebieten mit lieb er­griffen gegen die türkische Bevölkerung fortführen, ist wohl etwas künstlich zurechtgemacht. Hand in Hand mit dem diplomatischen Schritt der Pforte gehen die Vorbereitungen der Heeresleitung, die in Mrianvpel und Kirk Kilisse rege militärische Rüstungen vollzieht. Wir erhalten folgende Meldungen:

Eine neue türkische Rote in der Frage von Adrianopel.

Petersburg, 16. Aug. Die Botschafter Deutschland-, Oesterrcickrs, Frankreichs und der Türkei und die Gesandion Ru­mäniens und Serbiens hatten mit Safonow längere Unterredungen. Der lebhafte Meinungsaustausch unter den Diplomaten wurde durch die gestrige Zirkularnote der Türkei l>ervorge- rirfcn, die in Form eines .Anhanges an die alte Antwort ben Mächten übergeben wurde. Obgleich der Inhalt noch geheim ge­halten wird, verlautet aus gut informierter Quelle, die Petersburger diplomatischen .Greife ständen stark unter dem Eindruck der Er­klärung der Türkei, nicht nur Adrianopel behalten zu wollen, son^ dern auch ern st eGegenmaßregelnzuergreifen, falls Bulgarien nicht die Greueltaten auf bem erober­ten ehemaligen türkischen Gebiet einstelle. Ob­gleich die Türkei prinzipiell mit der in der Antwort des Groß- wesirs an hie Mächte erwähnten Grenzlinie einverstanden sei, so behalte sie sich doch vor, eventuell das Gebiet jenseits der Maritza zu bcfcfxn, um Bulgarien zu jünngen, direkte Verhand­lungen mit der Türkei zu führen. Durch) diese soll der Beschluß der Londoner Konferenz hinfällig gemacht werden, »vas den end­gültigen Verlust Abrianopels für die Bulgaren bedeuten würde.

In einer weiteren Depesche aus Konstantinopel heißt es: In Adrianopels und Kirk Kilisse herrscht fieberhafte Tätigkeit. Die dortigen Stellungen werden durch täglich neu ei n treff enbe Truppenteile verstärkt Beson­ders in Kirk Kilisse wird Tag und Nackst an den Befestigungerr gearbeitet. Es herrscht hier aber bezüglich einer Verständigung mit Bulgarien eher Optimismus, denn in türkischen Kreisen, die mit der Stimmung in Bulgarien vertraut sein müssen, werd

Mac-Mahon und Bazaine

in den Tagen vom 18. bis 22. August 1870.

. Emile Olivier, der Neswr der französischen Historiker, setzt rmhiaulois" seine interessanten Veröffentlichungen über den Krieg von 1870 71 fort. Seine jüngste Arbeit enthält wertvolle Auf schlüfse über die Beziehungen zwischen Mac-Mahon und Bazaine tn den kritischen Tagen von Metz. Vom 17. August an war Mac- Mahon oberster Leiter der französischen Kvieasoperationen. Er wurde von Palikao und vom Ministerrat auf das dringendste gt> bctcn, iofort dem arq bedrohten Bazaine zu Hilfe zu eilen. Mac- Mavon in in einer überaus kritischen Lage. Er weiß nicht, welchen

er einschlagen soll. Der direkte Weg ist versperrt: Bazaine kann nur noch nach Norden oder nach Süden ausbrechen. Wenn olio Mac-Mahon ihm zu Hilfe eilen will, so muß auch er ftd> » vordwärt" oder südwärts bewegen, aber et* bleibt ohne jene Nachricht von Metz. Vorläufig sucht er Palikao durch ein -"legramm zu beruhigen:Sagen Sie bitte dem Mmmerrat, da» cr auf mich zählen 'kann, und daß ich alles tun werde, um mich

A»Pne .u vereinigen." Er muß warten. Endlich am Abend oes 18. August erlw.lt er von Bazaine ein Telegramm:4 Uhr la nachmittags. In diesem Augenblick wird ein Angrin, der vom -^ntg von Preußen persönlich geleitet wird, mit beträchtlichen Mraitcn ausgeführi: die Truppen 'halten sich bis letzt gut, aber ote '-oatterien mußten das Feuern einftellen." Genaues über den einzuichlagenden Weg ist aus dieser Depesche nicht zu er,eben. Daraus Stunden bangen Schweigens. Die Nacht vergeht m grau

Ungewißheit. Endlich am 19. August V-1 Uhr erhält er

-epeiche Bazaines vom Abend vorher:8 Uhr 20 abends, sch komme soeben vom Schlachtfelde zurück: der Angrm war chr lebhaft. In diesem Augenblick ,7 Uhr> hört dasjhicr aus. ln,e» Truppen bleiben in ihren Stellungen". ,

Mac-Mahon begreift, daß irgendetwas geschehen mutz. Ltilt- IC9cn hätte so viel bedeutet, wie: wir können nicht oorrücken. -r schickt Bazaine folgende Depesche:19. August. JEknn ^ic ich glaube, gezwungen werden, in den nächsten rtiinbcn neb -u.rükkzuziclien, so weiß ick bei der großen Entfernung zwuchen Slr und Ihnen, nicht, wie ich Ihnen zu Hilse kommen kann ohne ^aris 5U entblößen. Wenn Sie etwas anderes beichlretzen. Innen Aw es mich sofort wissen". Der 20. August vergebt ohne Nach- cckt vom Schlachtfeld. Mac-Mahon befindet sich in Berzwelsl.mg U'bcr die Karten gebeugt, sucht ec chnen das Geheimnis der Ret- * -ng und den Ausgang der blutigen Kampse zu entreißen. Er tirbe nicht zögern, wenn er vor sick eine klare, mthtarudjc Aui- ?cbe hätte- er würde sie, koste es, was es wolle, aussuhren, aber ir das Ungewisse hinaustappen kann und dars er nicht, u.er Ge­lenke, einen treuen Waffengefährten im stufte lassen zu müssen, biü<?t ihn nieder. Er gesteht es später selbst ein: ,^Jch tvar, das nerß ich zugestehen, sehr unentschieden. Es zerriß mir das Hery, i daß ich Bazaine, den 'ich jeden Augenblick an der Maas austauchen güubte, im Stiche lassen mußte., Aber auf der anderen Seite >

schien es mir durchaus notwendig, Paris zu decken und Frankreich die einzige, ihr noch zur Verfügung stehende Armee zu erhalten".

Er entschließt sich deshalb zu warten, bis er von Bazaine genauen Bericht bat. Er telegraphiert an den Ministerrat:8 Uhr 45 Min. morgens. Tie Erkundigungen ergeben, daß die drei feind­lichen Armeen so ausgestellt sind, um Bazaine den Weg nach Brieh, Verdun, Saint-Mihil abzuschneiden. Ta ich die Rückzugslinie Bazaines nicht kenne, obwohl ich bis heute morgen marschbereit war, denke ich, daß ick bicrblciben muß, bis mir der Bericht ge­kommen ist, ob Bazaine nach Norden oder nach Süden aus- geroieften ist."

Gegen Mittag reißt ihn eine Mitteilung Stössels aus feiner ruhigen llcbedegung. Tiefer machte ihn auf die Nähe der feinbüdten Kavallerie und auf die Gefahr nned Uebersalles aus- merffam. Mac Mahon schrie ihn an:Sie haben mir schon einmal gesagt, daß diese Kerls verteufelt tapfer find: eine Ab­teilung Mabillerie könnte nach einem Nachtmarfch bereits über­morgen da fein:Wir müssen deshalb morgen nach Reims aum­brechen." Dies bedeutete in Wirklichkeit nichts anderes als: Riuk- zug auf Paris. Von Reims aus konnte sich Mar-Äkahon nicht mehr mit Bazaine vereinigen. Aber sein ganzer militärischer Instinkt galt Paris. Er telegraphierte an Palikao:20. August, 4 Uhr nachmittags. Ich werde morgen nach Reims ziehen. Denn Bazaine nad. N irden ausbricht, werde ich nickst mehr im­stande fein, ihm $u Hilfe zu kommen: wenn er nach Süden durch­stößt, so könnte ick- ihm bei der großen Entfernung auf keinen Fall nützlich fein." Palikao antwortet in einem Telegramm um 5 Uhr: ,<3d) betrachte es als durchaus unumgänglich, daß Sic Bazaine zu Hilfe eilen. Bedenken Sie den moralischen Effekt, den die Erfchmung Ihrer Armee auf die verlassenen Truppen machen Muß, die sich so heldenhaft geschlagen haben."

Am Ntorgcn des 21. August setzt sich Mac-Mahon nach Reims in Bewegung. Er hatte mittlerweile durch Rvudrr erfahren, daß sich der >tzronprinz gegen Paris bewege. Er muß ihm also zuvor- komrnen. Palikao macht nochmals den Versuch, chn zur Hilfe­leistung für Bazaine zu gewinnen. Es nützt aber nichts. Mac- Mahvn NTidersprichr entschlossen. Er muß Paris decken, und setzt sich am 2o. August dorthin in Bewegung:Den Tod im Herzen," sagte cr,habe ich diesen Entschluß gefaßt. Ich weiß wohl, daß ich der Feigheit, einen Bafsenkameraden im Stiche gelassen zu haben, beschuldigt werde. Aber über meinen eigenen Ruhm fetzte ich das höhere Interesse Frankreichs. Ich durfte cne letzte Armee, die vielleickst bald vor Paris mit den gesamten deutschen Streit­kräften kämpfen mußte, und vielleicht den Sieg gewinnen könnte, nickst auss Spiel feren." Diesen Gedanken hat er auch in dem Aufruf an die Armee, in dem er seine Handlung verteidigt und an die Tapferkeit der Soldaten appelliert, ausgedrückt.

VvndenSckicksalenderGrönlandexpedition des. Hauptmanns Koch ist noch nacfeutragen: Die Expedi-;

tion bestand außer dem Leiter aus dem deutschen Meteirvlogchr Dr. Wegener,^ dem dänischen Matrosen Larsen und dem Isländer Bifus Sigurd son, und wurde von dem Saxiff Godt- baab am 24. Juli 1912 auf dem Eise an der Lstkuste Grönland gelandet. Sofort nach der Landung entliefen 13 von den 16 mit- gebrachten Ponhs. 'Es gelang jedoch, 10 wieder einzusangen, am 1. September hatte die Expedition mit dem gesamten Material Kap Stop erreicht. Das neue EiS bot jedoch große Schwierigl'nten, da es noch nicht tragbar war, und die Eppedition verlor em Motorboot, das unter ging. Erst nach Verlaus von drei Wochen war das Eis stark genug, um Sd^itttn und bic Pferde zu tragen. Dr. Wegener kam dabei zu Fall und brach eine Rippe, er über- wand jedoch diesen Unfall bald, worauf bte Expedition am 13. Ok­tober das Winterquartier beziehen konnte. Trotz großer An- frrengungen gelang es der Expedition nicht, Königin Luisen-Land zu erreichen, und Hauptmann Koch besck^ dah-.'r, auf dem In­landeis zu überwintern, und nickst auf dem Lande. Tas Wimer- hauS, das den Namen Borg erhielt, wurde 15 Kilometer östlich von dem mittleren Teil Von Königin Luifen-Land errichtet. Dann mürben die Pferde bis auf fünf geschlachtet, welche mit übemrnfern sollten, und das Fleisch der getöteten Pferde wurde als Kraft­futter für die letzten fünf verwandt. Chtbe Oktober wurde eine Schlittenreise nach Königin Luisen-Land unternommen Be: biefer 'kürzte Hauptmann Koch in eine 12 Meter tiefe Gletscherspalte und brach das rechte Bein. Drei Monate darauf war er an das Winter Haus gebunden, und die Sck,litten reife konnte erst im Mir; wieder ausgenommen werden. Am 20. April verlief r-te Erpedit^n das Dmterauartier mit fünf Schlitten und fün' Pferden, um den 1200 Kilometer langen Marsch über das Inlandeis noch der West- ckuste Grönlands anzutreten. Sie mußt: u. a. w?o?n schleckten Wetters unter einer Klippe 35 Stunden lang ohne Speise liegen, da der Proviant auwezohrt war. Am 15 Juli wollte man weiter- ziehen, aber die Teilnehmer waren so erschöpft vor öunaer, Kalte und Feuchtigkeit, daß sie nicht vermochten, sich einen Weg durch den tiefen Schnee zu bahnen. In diesem Zustande erfolgte ihre Rettung durch das Boot des Paslvrs Chemnitz.

Ein Filmdrama Gerhart Hauptmanns ver­boten! Aus E h r i ft i a n i a wird berichtet: Die Polizei benach­richtigte sämtliche Kinematogravhen-Besitzer und Filmverkrufer der Stabt, daß sie voraussichtlich dieBorführungdesFilms Atlantic", der die Filmdramattfierung des gleichnamigen Romans von Gerhart Hauptmann barftellt, verbieten werde. Tie endgültige Entscheidung könne die Polirei allerdings erst binn treffen, wenn sie den Film gesehen habe. Sic glaube jedoch, daß der Film sich Nickst zur Bonührung eignen werde, weil wohl­bekannte tragische Episoden des Inhalts zur Volksbelustigung dienten.

kf. Joseph auf der Bühne. Ter Joseph der Bibel ist bekanntlich schon mehr als einmal als dramatischer Held bar# [eftdlt worden, noch nie aber in einem so glänzenden Rahmen,