Ausgabe 
14.6.1913 Zweites Blatt
 
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Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

leisten. Zum mindesten soll!- die Forderung der Negierung wieder- l Wchrordnung b- hergeiwllt werden. «Heeres dien st

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tbe Duke l'Enghein to fre Shot".

Bonaparte nach fal-

nate Touüainr L' Ouvertüre'

.Bonaparte zerstört den pa

nand the VII. of his just rights at Bayonne.

Bonaparte und

wir bc- dcs

Wil Bin

Stunden.

8 wd 10 Uhr

lamtes Darmstadt, K. L.

Beircffcnb Befreiung t o m aktiven resdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse (einziger Er­nährer hilfloser tVcDÜlien ufiu.) in der bisherigen rücksichtsvollen Weise auch in Zukunft Anwendung finden. Angenommen iverdcn ferner Resolutionen, wonach die Soldaten mindestens jähr­lich vier Wochen Urlaub erhalten sollen, wonach der Ur­laub für die berittenen Waffen in erhöhtem Maste gewahrt wird und die Urlaubszeiten für die aus der Landwirtschaft slainmendcn Soldaten tunlichst in der Erntezeit erteilt werden sollen.

(binc Resolution fordert Maßnahmen, um d e n T r a i n z u heben, auch eine Aenocrung des Namens in Erwägung zu 4'ehen und dafür Sorge zu tragen, das; die volle Leistungsfähigkeit des Trains für den Fall der Mobilmachung iicher gestellt wird. Gegen diesen Antrag erheben sich unter stürmischer Heiterkeit des Hauses die Konservativen und die Sozialdemo­kraten. Die Resolution wird im Hammelsprung mit 188 gegen 128 Stimmen abgclehnt. Auffällig war die verhältnismäßig starke Differenz in der Zahl der Ja- und Nein-Avstimmenben. Nachdem eine weitere Resolution durch einfaches Erheben von den Plätzen zur Annahme gekommen war, öffnete sich plötzlich die Ja- Türe, und in einem neuen einseitigen Hammelsprung zog Dr. Oertel an der Eviste, eine ein Dutzend starke Reihe von Käufer« bativen, in den Saal, cm erschütterndes Gelächter im ganzen Hause hervorrufend.

triorischen aber unglücklichen Toussaint L' Cnucrtürc". Ter bc- kannte Negergeneral aus Haiti nrirb in Ketten gescssclt, Napoleon vorgcsührt. Es ist zweifellos der Augenblick, wo ihn Leclcrc nach seiner Verhaftung 1802 und seiner Ueberführung nach Frankreich in das Fort (your bei Besancon bringt.

7.Bonaparte and the infamouö Godoy dcsrauding Ferdi-

Abg- Frhr. b. Gamv (Rp.):'

Ich kann diesen Wunsch für Ostpreußen nur wiederholen. Geben Sie Ostpreußen den nötigen Grenzschutz durch Kavallerie. Wir müssen c5 verhindern, daß im Falle eines Krieges mit Ruß­land Ostpreußen mit Russen überschwemmt wird. Tas können wir natürlich nur durch Kavallerie erreichen. (Abg. Lebe- bou (Soz.): Verlegen Sie doch die Garde-Kavallerie nach Ost­preußen!) Ja, was soll dann für Schlesien geschehen? Mit Scherzen kommen wir nicht weiter. (Abg. Ledebour: Das ist unser vollster Ernst!) Was hat denn Ostpreußen verschuldet, daß man es so brutal behandelt?

Kriegsminister v. Heerntgcn:

Ter Gedankeiigang der letzten beiden Rcdnör ist durchaus richtig. Ich habe in der Kommission die nötigen Auskläruiigen gegeben, welche Vorkehrungen getroffen sind. Die Heeresver­waltung ist sich durchaus ihrer Pflicht bewußt, den deutschen Boden zu schützen. Das Resultat ist die Vorlage. Geben Sie uns die Mittel, unsere Pflicht in vollem Umfange zu erfüllen, darum bitte ich den hohen Reichstag. (Beifall rechts.)

Iraymg his osstcers and cowardly deseriing his lroops in Egypt": Und rechts wie bei allen die deutsche Bilderllärung:Bo­naparte niederträchtig seine Offiziere verrathend und feige ver­lassend seine Truppen in Egypten."

5. Die Hinrichtungsszene des Herzogs von Enghien, des unglücklichen Emigranten, der unter Verletzung des Völkerrechtes in Ettenbeim in Baden gefangen genommen wurde und einem of­fenbaren Justizmord zur Einschüchterung der Bourbonen zum Opfer fiel. Die Titel lauten:Bonaparte öfter a mock trial ordering

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- ftrafec 7. (irpebitioii und Verlag: e^ä) 51. Rebaltion:d^Aii2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen»

Abg. Merlin (Rp.):

Der Reichskanzler hat recht, wenn -er sagt, daß seht der Augenblick des Handelns gekommen sei. Die sechs Ka- vallerieregunenter halten auch wir für nötig schon für unseren Greuzichutz. Die Heeresverwaltung darf keinen Zollbreit deutschen Landes ungesichert lassen. Aber auch die Ostgrenze Schlesiens be- dars eines stärkeren Schutzes als jetzt. Oberschlesien z. B., cm -©ebict so groß toic Elsaß-Lothringen, hat eine ganz unge - nugsnde Militärische Deckung. Und ein großer Teil unseres Nationalvermögens ist in der dortigen Industrie an­gelegt! Wir wünschen ja nur Kavallerie gegen Kavallerie I Man muß den Teufel mit Beelzebub anslreiben. Machen Sie aus dieser Frage keine Part.lsackie. Geben Sie Schlesien, von dem die Befreiung Deutschlands ausgegangen ist, den Schutz, den cs braucht.

Kriegsminister b. Heeringen:

Ich kann die Nusführungen des Vorredners nicht unwider­sprochen lassen. Er Hot verschiedene Fragen angeschnitten, die in der Budgetkomniission schon erledigt wurden, auf die ich hier in der Oeffentlichkeit nicht so eingehen kann, wie cs notwendig wäre. Ich habe dort auck nachgewiesen, warum es nicht möglich ist, die Gardekavallerieregimenter in die Provinz zu verlegen. Wir haben in der Kommission auch die Notwcndigkeii der sechs Kavallerieregi­menter nachgewiesen. Werden sic liicht bewilligt, so bleiben empfindliche Lücken in der Rüstung. (Beifall rechts.)

Die Aussprache schließt.

Der Antrag R o g a l l a v. B i e b e r st e i n (fonf.) auf Be­willigung von acht Kavallerieregimentern wird mit 302 gegen 67 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt. Tasür stimmte mit den Konservativen nur Die Reichspartei.

Der Antrag B a s s e r m a n n (Natl.), die Regierungsvor­lage, sechs neue Kavallerieregimenter, wiederherzustellen, wird mit 203 gegen 159 Stimmen bei 6 Enthaltungen a v g e l e h n t. Dafür stimmten mit der Rechten die Nationalliberalen und ein Teil des Zentrums.

Es bleibt also bei drei neuen Kavallerieregi­me n t e r n. Artikel 1, der die Friedenspräsenzstärke auf 659 563 Mann festsetzt, wird angenommen.

Der sozialdemokratische Antrag, die U e b u n g s z e i t e n so zu legen, daß die Einberufenen die Möglichkeit haben, an den Wahlen zum Reichstag und zu den Landtagen teilzunehmen, wird a b g e l e h ,i t.

Dann wirb über die Resolutionen der Budget- ko m m i s s i o n abgestimmt. Angenonimen werden Resolutionen, wonach die Erivartung ausgesprochen wird, daß n u r V o l l t a u g- l i ch e e i n e ft cl 11 werden, und wonach der Reichskanzler er­sucht wird, dafür Sorge zu tragen, daß die Bestimmungen der

schem Verhöre ordiniert den Herzog T' Enghein erschossen zu werden". 6.Bonaparte destroyiug the Patriotic but unfortu-

. Abg. Liesching (Vp.):

SBir bewilligen die Vorlage nur dem Volk zuliebe. Man lut so. als ob ohne die 3 Reiterregimenter nichts bewilligt würde, wahrend luir dock) so sehr viel bewilligen! (Sehr wahr! bei der Vp.) Die Kavallerie hat heute nicht mehr die Bedeutung für den Angriff, wie früher. Uno wenn wir sie bewilligen, wissen doch gar nicht, ob sie nach Ostpreußen kommt; die Garnison stimmt der Kaiser. ES kann überdies genug im Innern Landes dislozierte Kavallerie an die Grenze verlegt werden.___

Kriegsminister hat zugegeben, daß das Leben m den Großstädten zum Luxus verleitet; ein Einjährigenkavalleriejahr kostet dreimal mehr wie bei einer anderen Truppe. Auch die Spielerprozesse geben zu denken. Es wäre ganz gut, einen Teil der Kavallerie den Versuchungen der Großstädte, z. V. Berlins, zu entziehen. (Beifall bei der Vp.)

DieGießener SamtHenblätttr" werben bem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, baS Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatltch zweunal.

Samstag, K Juni M

Rotationsdruck unb Verlag der Brülft'scheii UniversikätS - Buch- unb Steinbruckerei.

R. Lange, Gießen.

Neben Preußen kniet Jerome, mir gefalteten Händen um Gnade flehend. Rechts ipenbfit sich drei bclrönt- Häupter, die mitE»n- federatwn of the Rine" unddas Rheinische Bündnis'" be­zeichnet sind, an Oesterreich, das ober mit der Hand abwehrt. Tie Figuren sind also Perjonifitationcn ihrer Länder uno auch so bezeichnet, Napoleon und Jörornc aber tragen ihre eigenen Namen. Tarin liegt eine feine Unterscheidung der Legitimität. Tem Publikum vor und hinter der Bühne gefällt dasSpiel" so gut, daß die einen die Hüte schwenken und in die Höhe wcrfeit, andere jauchzen und springen und dritte dasBulletine 29 nie" undTespatches" mir frohen Mienen lesen. Hebet der Bühne ist auf kleiner Bildfläche eine allegorische Szene angebracht: Europa kniet vor Victory und empfängt das be­freiende Schwert. History zeichnet in einem Buche die Geschehnisse aur. Ein Spruch erklärt oie Szene: Aus seiner Hand das fal- land schwart der Sieg ergriff und sagte:Sicher nun, (furoim, dcine Freiheit". Dann hängte es hoch in dein Ruhmes-Tcmpel auf, für Rußland eine Trophee so lange da giebt's Zeit. Cixt eine Seite Geschichte da schreibt, fort bciimt soll." Tiefer Spruch stellt mit seinem holprigen Deutsch tr Uebertragung eines eng» liidrcit mit besserer Stilistik dar. Tas fallende Schwert Na­poleons steht also in Beziehung zu der Allegorie.

Tas Tuch ist ein interessantes Stück aus einer großen Zbit. Karl Weiner.

Ein Gift in der Ausat n. u ngslust der Men­schen. Daß empfindliche Personen in einem mit Menschen, über­füllten, schlechtgelüfteten Raum ohnmächtig werden, ist eine be­kannte Tatsache. Hrsprünglich nahm man an, daß Mangel an Sauerston und Ucberichuß an Kohlensäure und Ammoniak die Ursache sei. Pettenkoser zeigte indessen, daß der Sauerstoff in solchen Räumen nicht vermindert und die Kohlensäure nicht g. ' nügcnd vermehrt ist, um Krankheitserscheinungen zu verursachen. Tann mürbe die Theorie ausgestellt, daß in der Ausatmungs- lust ein Gift enthalten jein müsse, welches nur sehr schwer nachzuwcisen sei. Nach Versuchen D r. F a r in a chi d i S im In­stitut für Pathologie zu Genua scheint in der Tat ein Giftstoff in der Ausatmungsluft des Menickien enthalten zi- sein .Kon­densationswasser, in dem die Atmungsluft ausgefangen war, wurde Meerschweinchen und Menschen eingespritzt Namentlich letztere bekamen danach Betäubung, AtmungSbeschlcunigung, Zuckungen uhd.,_ so daß es ganz den Anschein hat, als toenn eine giftige Substanz in dem Wasser vorhanden wäre.

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Lin historisches Taschentuch.

G i e ß c n, 14. ^Funi 1912.

Im Besitze von Frau Lina Fischer, Wwc, Keplerstr. 5 hier, bestirdel sich ein rotbedrucktes Tuch in Serviettengröße mit Ab- tÜbungen ans den Napoleonischen Kämpfen mit Europa. Die Bilder sind durchaus der Entrüstung über des Korsen Taten und dem Spott, der seit Dezember 1812 einsetzte, entwachsen. Ter Bildertitel ist zweisprachig: links in englischer, rechts in deutscher Sprache. Die Zahl 55 auf dem äußersten Randc scheint mtr eine Herstellungsnummer zu sein und läßt darauf schließen, daß es wohl ein im Frühjahr 1813 leicht gangbarer Markiartikel war. Rrngs- um läuft ein Bandornainent mit Trauben und Weinblatt. An den 4 Ecken befindeit sich ovalePorträts" mit folgendem Uittcr- und erklärenden Umschriften: 1. Schill; ohne Umschrift, dieser be­durfte cs nicht, da jener Held zu bekannt war. 2. T- Christophe; Umschrift: One of ten patriots shot at Moskow 25. ^ept. 1812. 3. Hermann Friese; Umschrift One of sour patriots shot at Bremen 5. April 1813. 4. Hoffer. Damit ist natürlich Andreas Hofer gemeint. Auch hier fehlt wie bei Schill die erklärende Um schrist um das Oval, weil sein Name ein vertrauter Klang im Ohre der Patrioten >var. Die beiden Umschriften lassen mich, da sie nur in englischer Sprache gegeben sind, vermuten, datz das Tuch in England hergestcllt ist.

Um die Hanptdarstellung in der Mitte des Tuch- nber die Flucht Napoleons ans Rußland gruppieren sich 8 Bilder, die von den früherenVerbrechen" iso ist C5 gemeint, des Er­oberer- erzählen. 1. Bonaparte receiving ^osephine the cast off Mistreß of Barras with the command of the Army or In: rechts die Uebersetzung:Bonaparte empfangt Josephine, die verworfene Geliebte von Barras mit Befehle über die xst ahcmidie Armee " Ta- Bild zeigt Bonaparte auf den Knien vor ^osevhine.

9 3 inlt) 4 sind Darstellungen aus dem ägytifchen <yeldzug: Bonaparte in Egypt prosessing himself a Mahometan and trampling on the Bible'Bonaparte in^EgYvten beftnnend fich einen Mahomedaner tritt die Bieblc mit <yu)ieii. ^an- grknni liegt aus der Erde, der Koran imro ihm von eurem Mu- hrmedanei entgegengehalten. Er steht, in halbknieender Haltung gebeugt, mit über der Brust gekreuzten Armm Nun tolgt die Mich von Lanfrey in der Erpedition d ÄhVte verurteckte Metzelszene:Howaparte ordermg hw Soldiers toN ve upon tbe Tutt ch Prisoners at Jana"Bonaparte bepehlt seinen Soldaten auf die Türkischen Gefangenen zu Jana zu rcuerm End- l ich kommt die hastige Einschiffung nach Frankreich, ixe ^.riLpp.n flehen verzweifelt am ägyptischen Ufer:Bonaparte rneanly be­

bet ehrlose Godoy bekriegen Ferdinand VII. um seine billigen Rechte zu Bayonne." Ter spanische Trnporlönmiling Godoy ist hier so ^geiennzeichnet, wie ihn die önentliche Bteinnng nach seinem Sturze 1808 beurteilte. Tics Bild stellt die 'Verhand- lungeii zu Bayonne dar, zu denen Karl IV. ja Godoy zuziehen ließ.

8. Das letzte der Randbilder bringt die Verzichtleistung des Papstes auf seine weltliche Herrschaft am 25. Januar 1813 in Fontainebleau. Ter Kaiser diktiert vom Thron herunter dem abwehreiiden Papst:Bonaparte wickedly and ungratendh) de- priving the Pope of his Territorial Possessions"Bona­parte gottlos und undankbar beraubet Seiner Heiligkeit den Papst die Besitzungen zu seinem Gebiete gehörig."

Diese 8 Bilder, die in chronologischer Reihenfolge das Mittel­feld umschließen und die mit ihrem kolonialen Interesse ogl. 2., 3., 4., 6.) wieder auf die Herstellung in England schließen lassen, werden im (Gegenstand, in der grotesken Art der Tar- stcUung und im Umfang übertroffen von dem Bilde in der Mitte, dessen Titel die Idee der Darstellung wiedergibt:Stage of Europe, Dec. 1812. Europäische Schaubühne in De­zember 1812." Links nahen Rußland und Schweden, mit ge­zücktem Schwert 'Napoleon verfolgend. Dieser, eine Porträtkarri- katur, läßt den Degen fallen und streckt die Hände nach Preußen aus, das jedoch auch gerade das Schwert aus der Scheide reißt.

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Angenommen wurde Weiler eine Resolution, die einen Gesetz» enfmurf zur Erhöhung der Unter st ft tz ung von Familien der Mannschaften fordert. Bestrebungen auf Hebung und Auf» rcchterhaltung der Schießfertigkeit insbesondere bei Reservisten unb Landwehrmännern sollen gefördert werden. Es soll dafür ge» 'orgt werden, daß Gemeinden die Vorschriften über Anstellung von Militäranwärtern nicht umgehen. Die Leistungsfähigkeit der frei, willigen Krankenpflege soll für den Fall der Mobilmachung sicher gestellt werden. Ersparnisse sollen gemacht werden durch Einfüh. rimg einer einheitlichen Uniform für Krieg unb Frieden, durch Einstellung von inaktiven Ofizieren in Stellen, für die die Feld- diensttauglichkeit nicht mehr die unbedingte Voraussetzung ist usw. Bei der Lieferung von Staatsaufträgen sollen nur solche Arbeit- gebet berücksichtigt werden, die ba§ Koalitionsrecht unangetastet lassen usw. Das ortsansässige Gewerbe soll bei Lieferung beton, ders berücksichtigt werden. Das ^riege-material soll möglichst durch die reichseigenen technischen Institute geliefert werden.

Die Dauer der Dienstpflicht.

Die Sozialdemokraten beantragen, einen Artikel la einzu- fügen, wonach das Wehrgesetz künftig die Bestimmung erhalten soll, daß während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heere bic Mannschaften ein Jahr zum ununterbrochenen Dienst bei den Fvhnen verpflichtet sein sollen. Dazu liegt eine Resolution ber Kommission vor, die erforderiichen Maßnahmen zu einer Reform des Einjährig-Freiwilligen -Dien- st e s im Sinne einer (Erweiterung unb Erleichterung bic $u- lassung auf Grunb auch aus der Fachausbildung einzuleiten. Eine Resolution der Volkspartei verlangt eine Gr« leichterung und Verkürzung der Dienstzeit für das stehende ^ccr durch spätere Einstellung oder frühere Entlassung ber Mann- schäften und ferner eine gesetzliche Verkürzung der Dienst, zeit für das stehende Heer entsprechend der besseren geistigen und körperlichen Ausbildung der Jugend. Endlich beantragt die Volks« Partei noch, die Resolution der Kommission dahin zu ergänzen, daß auch erU'iesene bervorrageiide Leistungen aus dem Gebiet des Turnens zum einjährigen Dienst berechtigen.

Abg. Dr. Gradnancr (Soz.'

begründet den Antrag seiner Partei. Alle Privilegien im HeereS« dienst müssen verschwinden. Die geistigen Fortschritte des Volkes rechtfertigen die allgemeine Einführung der einjährigen Dienst­zeit. Diese würde den Schutz des Reiches übrigens besser ge« wahne,sten, als das jetzige System. Man sollte durch inter­nationale Vereinbarungen auf eine allgemeine 3er« k ü rzung der Dienstzeit hinwir.cu. Dann würde auch das gegenseitige Mißtrauen der Staaten, von denen letzt keiner an die Friedfertigkeit der andern glaubt, aufgören/ Von der fortschrittlichen Resolution versprechen wir uns nichts; denn sie ist schon im Vorjahr beschlossen unb hat nicht gewirkt. Aber ivir wollen natürlich dafür stimmen. Die praktische Durchführbarkeit der einjährigen Dienstzeit erscheint zweifellos; man wird eben den immer noch vorhandenen unnötigen Ballast bei der Aus­bildung der Soldaten über Bord werfen. Die Soldaten werden nicht als Menschen behandelt, sondern von dem Volte und der Volksfreiheit losgelöst. Worte von hoher Stelle, daß sie im gegebenen Falle auf ihre eigenen Brüder und Eltern schießen müssen, kennzeichnen so recht das Wesen des heutigen Militarismus.

Das Haus vertagt sich.

Sonnabend 11 Uhr: Weiterberatung.

Schluß 6 Uhr.

* Karl «hm.

-onnt-g. !» 3«"' j WM verbunden mit onzeFt

Srima ivfiehlt zu MMw Heinr. 'M»!"'., teinitr.

Privat- anziinter richt

At zu stier Wr .Banfe r*

j/Krricbt it zu jeder Tageszeit Scimidt,T«W' Mi-tisteingasse 31.

eteranen, ehern, ner Jngcndwehr. rtdj.fci.Milt,

in Kompagnie.

ehend aus

Mb. Deutscher Reichstag.

161. Sitzung, Freitag, den 13. Juni. ?hn Tische des Bundesrats v. H e e r i n g c n.

«- P^üsident Dr. Kacmps eröffnet die Sitzung um 1 15 Minuten.

Zweites Blatt 163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Generai-Anzeiger für Oberheffen

Das Gesetz zur Einführung des Gesetzes über den Unter- stutzungswohnsitz im Königreich Bayern wird in erster und zweiter Lesung angenommen.

Ae zweite Lesung der Mehrnoriage.

(Vierter Tag.)

Abg. Nacken (3entr.):

~aÖcn staben führende Herren aus den bürger- ltchen Parteien Anlaß genommen, Stellung zurDcckungs- f c a 9 c nehmen. Ich folge den Herren auf diesem Wege nicht, weil unsere Stellung in dieser hochbedeutsamen Frage bekannt Vt. ~r. Spapn hat vor einigen Tagen unseren Standpunkt im Aameu ber Fraktion präzisiert: Keine Ausgabe ohne Deckung. Wir begrüßen aber bie Erklärungen der Herren aus r. b ?i r g c r I i d) e n Parteien, die dahin gingen, daß sie bereit sind, an der Deckungssrage einmütig mitzuarbciten. Wir Jinb ber Ansicht, daß bei gutem Willen eine Einigung derb ärgerlichen Parteien wohl möglich ist. (Hört! Hort! und Sehr richtig!) Wo ein Wille ist, muß auch ein Weg fein. A uch wir sind zur Mitarbeit bereit, um dieses hochbedeutsame notwendige nationale Werk zu fördern. (Härt' Hott! und Sehr richtig!) T e r R e i ch s ? a n z l e r hat die rasche Verabschiebuiig ber Wehrvorlage verlangt, aber auch bie gleich- zeitige Erledigung der Deckungsvorlage. (Sehr richtig' und Widerspruch.) Der Reichskanzler hält die Erledigung der Wehrvorlage ohne die Deckung für unmöglich. (Sehr richtig! und Widerspruch.) Er hält Wehrvorlage und Deckungöfrage für ein einheitliches Ganzes. (Sehr richtig! im Zentrum, Wider- fpritd) links.) I n diesem Sinne arbeiten und kämpfen wir mit der Regierung .

2Bir sind bereit, die Maßnahmen zum Schutze unseres Vater­landes dem Reiche nicht vorzuenthalteii. LLir haben in ber Kom­mission auch eine Reihe von Resolutionen angenommen, im ganzen vieruiibzwanzig. Allen bürgerlichen Parteien ist es ernst mit biesen Resolutionen. Wir haben daS Vertrauen zur Militär­verwaltung, daß sic diese Wünsche deS Reichstags respektieren wird. In dem Augenblick, wo baS bculsche Volk so große Opfer bringen muß, bie allerbingö notwendig sind, müssen auch die Wünsche unb Beschwerben des Volkes Beachtung finden. Sie können nicht immer gleich in gesetzgeberischer Form Erledigung finden, da ist es notwendig, den Weg ber Resolutionen zu beschreiten. Resolutionen sind das einzige Mittel, die Wünsche des Volkes der Regierung näher zu bringen; wir begrüßen daher die entgegenkommende Erklärung des Kriegsministers, daß die meisten von ihnen ohne weiteres annehmbar seien. Bei Ver­abschiedung dieser Vorlage müssen mir vor allem bic Erwartung auösprechen, baß angesichts ber großen Ausgaben bic Heeres­verwaltung bic größte Sparsamkeit walten unb allen Luxus möglichst cinschränkcn läßt. Auch bic sozialen Aufgaben der Zeit soll bie Verwaltung nicht vergessen. Wir rechnen darauf, daß die Regierung bic in unseren Resolutionen nicbergelcgtcn Wünsche auch erfüllen wird. DaS deutsche Volk würde eine ablehnende Haltung der Regierung nicht verstehen.

Abg. Roqnlla v. Bieberstein "(Kons.):

' Wir sind nicht in der Lage, ber Interpretation, die der Abg. Bassermann ber Rede deS Reichskanzlers gegeben hat, zu- zustiMinen. Der Kanzler hat auöprücklich erklärt, daß er die Er­ledigung der Heeresvorlage und bje Bereitstellung ber Mittel für gleich wichtig halte. Unb das ist unsere Auffassung auch, unb sie entspricht auch, wie wir meinen, der Auffassung des gesamten beutfdien Volkes. (Lachen links.) Der Vorwurf deS Abg. Dr. Müller-Meiningen, baß wir die Erledigung ber Heeresvorlage ver­schleppen, ist unbegründet. Wir tveisci ibn mit aller Entschieden­heit zurück. Wir haben nicht die langen Sieben gehalten und die Vorlage nicht mit Resolutionen belastet. Jeden Eingriff in die Kommanbogewalt bcs Kaisers lehnen wir ab. In ber Dccknngs- fragc stehen wir durchaus auf dem Boden der Vorlage. An der Forderung der Kavallerieregimenter wird bie Regierung nach den ErUärnngen des Reithskc.nzlcrs unb des Kriegsministers hoffent­lich mit aller Entschiedenheit festhalten. Wir müssen für unsere Greiizprovinzen sogar zwei ganze Kavalleriebivisio­nen haben. Das gilt namentlich für unser Ostpreußen, bas große Reservoir für die Pferde der ganzen deutschen Armee. ES kann nur durch Kavallerie geschützt werden, die so stark fein muß, baß sic selbst angreifen unb so dem Sturm ber russischen Kavallerie begegnen könne. Unsere ostpreußischen Jungs toüibeu, auf unseren vortrefflichen Pferden beritten, das Allerbeste