Eine Kundgebung in Prag.
Prag, 12. Oft. Nach einer von zweitausend Personen, meistens, I s r a e l i t e n, besuchten P r o t e st v e r s a m m l u n g gegen den Kiewer Ritualmordprozeß versuchten mehrere hundert Teilnehmer vor dem russischen Konsulat eine Kundgebung. 'Die Polizei sperrte die zum Konsulat führenden Straßen ab uni) räumte die umliegenden Seitenstraßen. Vier Personen wurden festgenommen.
Aus Stadt und
Gießen, 13. Oktober 1913.
Trin k e rfü rs o rg e stel l e für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Asterweg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 6l/2—8 Uhr.
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** Die Freiwillige Gail sch e Feuerwehr Gießen beging am Samstag abend in der Turnhalle des Turnvereins sein 58. S t i f t u n g s f e st, zu dem neben den Mitgliedern und Freunden der Wehr eine große Zahl von Ehrengästen und Vertretern der städtischen freiwilligen Feuerwehr und der Heuchelheimer Wehr erschienen war. Unter den Ehrengästen sah man die Herren Regierungsrat Lan- g ermann, Stadtbaumeister Branddirektor Braubach, die Stadtverordneten Professor U r st a d t, H a b e n i ch t und Winn. In der Ansprache begrüßte Hauptmann Wenzel die Erschienenen und wies mit Dankbarkeit auf das gute Einvernehmen mit den vorgesetzten Behörden hin. Regierungsrat Langermann sprach der Wehr den Glückwunsch des Provinzialdirektoriums aus, er schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. Den Glückwunsch der Stadtverordneten überbrachte in humorvollen Worten Professor Urstadt, während Stadtbaumeister Branddirektor Braubach die warme Anteilnahme des Oberbürgermeisters an der Entwicklung der Wehr zum Ausdruck brachte. Ein Diplom für 15jährige Dienstzeit überreichte er dem Mitgliede Ludwig Schneider. Zeugmeister Riebel sprach im Namen der städtischen freiwilligen Feuerwehr. Die darauf folgenden Darbietungen zeugten von dem Bestreben der Wehr, auch in der Pflege der Geselligkeit nicht zurückzustehen, wenn es gilt, Geburtstag zu feiern. Der Gesangverein „Heiterkeit" brachte unter der Leitung des Lehrers Becker stimmungsvolle Lieder zum Vortrage. Musiker der hiesigen Infanterie-Kapelle führten den musikalischen Teil der Vorträge aus. aus. Ein nettes Lustspiel „Duft" wurde von den Damen Fräulein L i n d e n st r u t h, Wink und Richter und den Herren Gröninger und Meinhardt mit Erfolg aufgcführt. Den Beschluß bildeten stimmungsvolle lebende Bilder „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!", zu denen Herr Weiß den verbindenden Text sprach. Bevor man zum Tanz überging, brachte der Hauptmann einige cingclaufene Glückwunschschreiben vom Oberbürgermeister Mecum, von der Frankfurter freiwilligen Feuerwehr, von der der Stadt Wetzlar, vom Geheimen Kommerzienrat Heichelheim und von Herrn Raimund Wagcnschein zur Kenntnis.
•* D i e Haselnußsträucher haben in diesem Herbste nur geringen Fruchtbehang. Auch die Eichen tragen durchweg keine großen Fruchtmengen. Wenn die hierauf bezügliche Bauernregel sich bewahrheitet, hätten wir einen gelinden Winter zu erwarten.
Landkreis Gießen.
-m Hungen, 13. Oft. In der evangelischen Kirche wurde nm Sonntag das Erntedankfest gefeiert. Eine Menge schöner, auserlesener Früchte aller Art waren am Altar niedergelegt worden, die später dem Krankenhause zur Verwendung überwiesen wurden. Auch am Abend sand ein Gottesdienst statt, bei dem die Kirche zum ersten Male in elektrischem Licht erstrahlte. — Am 28. ds. Mts. findet hier Bürgermeisterwahl statt, da die Amtszeit des allseitig beliebten Bürgermeisters Fendt abgelaufen ist.
Kreis Schotten.
4- Schotten, 10. Olt. Unter sehr zahlreicher Beteiligung ans allenTeilen des Landes fand auf dem Lehrer- cheim die diesjährige Hauptversammlung des Vereins „Lehrerheini Vogelsberg" statt. Den Verhandlungen ging nach einem gemeinsamen Mittagessen die Weihe .der Backes-Ei ehe voraus. Der 1. Vorsitzende, Lehrer Ludwig D e r n-Offenbach, wies in seiner Festrede auf die großen Verdienste hin, die der ehemalige Obmann Backes sich um die Erhaltung des Lehrerheims erworben hat. Schulrat BackeS-Groß-Gerau, ein Sohn des Gefeierten, dankte im Namen der Familienangehörigen für die dem Vater erwiesene Ehrung. Bürgermeister Kro m ni - Schotten übernahm das finnige Denkmal im Namen der Stadt, und gelobte, es allezeit zu schützen und in Ehren zu halten. Darauf nahm die Hauptversammllmg im großen Saale des Heims ihren Anfavg. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden und durch den Obmann des BezirkS-Lchrervereins Schotten, Lehrer Karl Linck-Rudingshain, nahm die Versammlung zunächst die üblichen Berichte entaeaen, die durch den Schriftführer Gg. Dir lamm, Nieder-Eschbach, und den Rechner Fr. Held, Schotten, geboten wurden, Nach der NechnungSablage betrugen die Einnahmen Mk. 8998,64, denen eine Ausgabe von Mk. 8977,96 gegenüberstand. Die von Clarins, Langen, inS Leben gerufene Stiftung „Lehrerfrauendank an Vater VackeS" ist auf 2500 Mk. angewachsen. Nach dem durch den Vorsitzenden dargebotenen Jahresbericht ist die Zahl der Mitglieder wieder um 121 gewachsen und die Schuld auf Anteilscheinen hat sich im letzten Jahre außer der regelrechten Amortisation um volle 1000 Mk. vermindert. Ter Voranschlag wurde mit 3410 Mk. in Einnahme und Ausgabe gutgeheißen, für Vorarbeiten zur Erlangung einer Geldlotterie 100 Mk. bewilligt. Zur Rückzahlung wurden 6 Anteilscheine ä 50 Mk. auSgelost. Die auSscheideuden Vorstandsmitglieder Deru-Offenbach, König-Mainz, Dirlam- Nieder-Eschbach, Spieß-Mörfelden, Trinka nS-Darmstadt wurden durch Zuruf wiedergewählt. Gemäß den gestellten Anträgen wurde beschlossen, einen Fonds für baldige Erweiterung deS LehrerheimS zu gründen und der Errichtung eines Luft- und Sonnenbades näherzutreten. Nach mehrstündigen angeregten Verhandlungen übermittelte Lehrer ClariuS-Langen dem rührigen Vorstände den Dank des Vereins.
Kreis Friedberg.
r. Bod-Nauheim, 10. Oft. Ein Studien- auSschuß, bestehend aus dem Magistrat und den Stadtverordneten des bekannten englischen Seebades Brighton, besuchte heute nachmittag unser Bad und machte unter Führung des KurdireftorS Oberst v. Frankenberg einen Rundgang durch unsere Badeanlagen. Besonders eingehend wurden das Kur- und KonzerthauS besichtigt, da Brighton die Absicht hat, ein neues Kurhaus zu bauen, und die Herren des Studien- ausschuffes beauftragt sind, Eindrücke zu sammeln.
Kreis Wetzlar.
r. Kinzenbach, 11. Oft. Der älteste Bewohner und Veteran Johannes Bevler wurde am Freitag nachmittag von dem Kriegerverein, deß'en Gründer er war, und vielen anderen Leidtragenden zur letzten Ruhe gebettet. Der Verstorbene genügte seiner Militärpflicht im zweiten Garderegiment von 1849—1851 und stand im 85. Lebensjahre.
Lin Dampfer in Srand.
Wie wir in einem Teil unserer Auflage noch am jSamstag bekanutgegeben haben, ist der Dampfer Volturno, der sich auf 10. Oktober auf der Fahrt nach Rotterdam befand, einer Meldung aus Liverpool zufolge, auf offenem Meere in Brand geraten. Nach einem drahtlosen Telegramm sollen 121 Personen gerettet worden sein, doch sollen bei Namensaufruf 26 3 Personen gefehlt haben. Nach den neueren Meldungen scheint die Zahl der Vermißten geringer zu sein, doch ist das Unglück immer noch fürchterlich genug. Uns gingen seither folgende Nachrichten über den Unfall zu:
Liverpool, 11. Oft. Die Cunard Line hat heute früh 6.20 Uhr ein drahtloses Telegramm von ihrem Dampfer „Carmania" erhalten, wonach der der Uranium-Linie ge- gehörige Dampfer „Volturno", der auf der Fahrt nach New Hork begriffen war, am Morgen des 10. Oktober um 9.20 Uhr in 48 Grad 25 Min. Breite und 34 Grad 35 Min. Länge in Brand geraten und int Stiche gelassen worden sei. Die Ueberlebenden seien alle aufgefunden worden. Tie Zahl der Personen, welche durch 16 zu Hilfe geeilte Dampfer gerettet worden sind: Carmania 11 Personen, La Touraine 40, Minneapolis 30, Rappa Hanneck 19, Czar 102, Narragansett 29, Aevonian 59, Kroonland 90, Großer Kurfürst 105 und Seydlitz 36, im ganzen 521 Personen. Unvollständige Listen.der Geretteten befinden sich an Bord der „Carmania" und werden von Queenstown abgesandt werden. Ter Proviantmeister des „Volturno" nennt folgende Zahlen der an Bord befindlichen Personen: 24 Passagiere 1. Klasse, 540 3. Klasse und 93 Mann Besatzung, insgesamt 657 Personen. Von dem Dampfer „Kroonland" wurden ausgenommen der Kapitän der 1., 2., 3. und 5. Ingenieur und zwei Telegraphisten. An Bord des „Narragansett" befinden sich die Bäcker und der Steward der 3. Klasse, an Bord des „Czar" der Proviant meister und der Arzt, an Bord des „Großen Kurfürsten" 19 Personen, deren Namen noch nicht bekannt sind.
London, 11. Oft. Die „Evening News" meldet aus Fishguard: Als der Dampfer „Carmania" den drahtlosen Hilferuf der „Volturno" empfing, setzte er sich mit Volldampf in Bewegung; mit mehr Heizern machte er zwanzig Knoten gegen den rasenden Sturm. Er erreichte die „Volturno" am Mittag und fand das Vorderteil in hellen Flammen stehen. Das brennende Schiff rollte heftig und seine Schrauben hatten sich in die Bootstaljen verwickelt, welche sechs Boote zu Wasser bringen sollten. Von diesen kamen jedoch nur zwei vom Schiff ab, während vier andere durch furchtbare Seen an den Schiffsseiten zerschmettert wurden, wobei alle ihre Insassen ertranken. Tie „Carmania" versuchte vergeblich, ein Boot zur „Volturno" zu senden und manövrierte dann 100 Fuß von ihr entfernt. Man sah die Passagiere eng auf dem Hinterteil des Schiffes zusammengedrängt, während die Besatzung versuchte, die Flammen zu bekämpfen. Acht große Dampfer erschienen im Laufe des Nachmittags. Als sich gegen Abend der Sturm gelegt hatte, setzten alle Schiffe Boote aus, die aber die „Volturno" nicht erreichen konnten. Bei Einbruch der Nacht benutzte die „Carmania" ihre Scheinwerfer, um die mit den Wellen kämpfenden Schwimmer und Boote aufzufinden. Um 9 Uhr abends brachen die Flammen mittschiffs durch. Darauf erfolgte eine Explosion und nunmehr war das Schiff dem Untergang geweiht. Es wird sodann eine anschauliche Darstellung gegeben von dem Schauspiel, wie sich die „Volturno" von mächtigen Dampfern in einem Kreis umgeben sah, auf deren Decke sich Tausende von Passagieren befinden. Infolge der bergehohen Seen war es unmöglich, Hilfe zu bringen. Um 9.30 Uhr hörte man nahe der „Carmania" Geschrei und sah Zwischeudeckspassagiere mit Rettungsgürteln im Wasser. Ein Scheinwerfermann wurde an Bord geholt. Andere Schreie starben bald dahin. Bei Tagesanbruch schwamm die „Volturno" noch, die Passagiere waren noch auf dem Hinterteil zusammengedrängt. Der Seegang hatte wesentlich abgenommen. Eine Flottille von Booten umgab das Heck der „Bolturno".
Schreckensszenen an Bord.
London, 11. Ott. Die hier vorliegenden neuen Meldungen über den Untergang des Dampfers „Volturno" lauten wesentlich zuversichtlicher, als die ersten Nachrichten, u. in einzelnen Telegrammen, die zuletzt aus Newyork eintrafen, wurde dieZahld er Opfer mit nur ne unzehn angegeben. Der Brand auf dem „Volturno" brach im Borratsraum aus und breitete sich infolge des heftigen Windes schnell auf das ganze Vorderschiff aus. Es wurden sogleich drahtlose Hilferufe ausgesandt,^ die den Erfolg hatten, daß nach etwa drei Stunden der erste Dampfer in der Nähe des Schiffes erschien. Es war dies die „Carmania". Im Laufe des Nachmittags trafen noch eine Reihe großer Dampfer ein, amerikanische, englische, russische und die deutschen Schiffe „Seydlitz" und Großer Kurfürst". Alle diese Schiffe legten sich in einem großen Bogen um das brennende Schiff und versuchten bei dem herrschenden Sturm nach Möglichkeit an das Schiff heranzukommen. Erst gegen Mitternacht gelang die Rettung eines Teils der Passagiere. Die Besatzung des Schiffes wurde in der Hauptsache gerettet. Während des Brandes auf dem „Volturno" sollen sich auf dem Hinterdeck, wo sich die Passagiere zusammendrängten, wahre Schreckens
szenen abgespielt haben. Hunderte von Personen soller. bwfi umdieRettungsboote gekämpft haben. Um 1Ü Ultz abends explodierten die Kessel, und dies verschlimmerte t>ie Sage.
Der Vertreter des Londoner Bureaus der Cauadian Northern Steamfhip Company fugte, er fürchte das Aller- schlimmste und habe keine Hoffnung, daß von den v e r m i ß t en 2 3 6 P e r s o n e n (?s noch irgend jemand lebt. Tie Passagiere waren fast sämtlich Auswanderer, namentlich Russen, Polen und Galizier. Der „Volturno" wurde vor fünf Jahren für den Auswaudererdiciist gechartert und kann tausend Passagiere befördern. Die Offiziere des Dampfers waren Engländer, die Mannschaft bestand hauptsächlich aus Holländern. Das Schiff gehört der Canadian Northern Steamship Company, war aber von der Uraniumdampfer- gesellschaft gechartert. Ter Wert des Schiffes wird auf 45 000 Pfund Sterling geschätzt. Es soll in voller Höhe versichert sein.
Das Rettungswerk des „Großen Kurfürsten".
Bremen, 11. Oft. Von dem Dampfer „Großer Kurfürst" des Norddeutsck>en Lloyd traf ein drahtloses Telegramm von der Unfallstelle des „Volturno" ein, das folgendermaßen lautet: Wir empfingen die Hilferufe vom „Volturno" am Donnerstag nachmittag um 4 Uhr aus dem 48. Grad 50 Min. nördlicher Breite und 35. Grad 6 Min. westlicher Länge. Der „Volturno" wurde in total brennendem Zustande gefunden. Das Feuer entstand anscheinend durch eine heftige Explosion im Vorderschiff, wobei verschiedene Passagiere und Mannschaften getötet wurden. Elf Dampfer befanden sich an der Unfall- stelle. Es wehte ein heftiger Nord-Nordweststurin bei hoher See mit Dünung. 2 Boote des „Großen Kurfürsten" waren die ganze Nacht von 9 Uhr abends bis 3.15 Uhr früh unterwegs. Eine Annäherung an das Wrack war säst unmöglich; die Rettung war nur durch Ueberbordspringen möglich. Der „Volturno" sandte ein Boot mit fünf Manu, welche ausgenommen wurden, während das Boot gleich darauf sank. Vom „Großen Kurfürsten" wurden insgesamt gerettet:, 86 Passagiere, zwei Offiziere, ein Maschinist und 16 Matrosen. Insgesamt von allen Schiffen wurden 523 Personen gerettet, zirka 100 Personen werden vermißt. Die „Carmania" und „La Touraine" suchten die Unfallstelle ab. Nach zwei vollbesetzten Booten des „Volturno" wird gesucht. Ein Erfolg ist unwahrscheinlich. Das Wrack bleibt für die Schiffahrt gefährlich. Die Schiffbrüchigen sind wohl versorgt und gut placiert und setzten die Reise fort.
Die Unfallstelle.
Das Unglück hat sich mitten im Atlantischen Ozean zugetragen. Die Stelle liegt in nordwestlicher Richtung von den Azoren auf der großen Schiffahrtslinie, aus der die Ozeandampfer zwischen Newyork und Europa verkehren. Daher erklärt es sich, daß dem brennenden Schiff in kurzer Zeit so viele Dampfer zu Hilfe eilen konnten. Das Meer ist an der Unglücksftelle etwa 4000 Meter tief.
Hamburg, 12. Oft. Wie eine der Hamburg-Amerika- Linie zugegangene Radiomeldung besagt, befand sich ihr Passagierdampfer „Graf Waldersee" gleichfalls beim „Volturno". Die Passagiere und Mannschaften des „Volturno" waren aber bis auf die in den vermißten Booten des „Volturno" befindlichen Personen bereits von den anderen Schiffen ausgenommen worden. „Graf Waldersee" kreuzte zehn Stunden erfolglos bei der Unfallstelle, um die vermißten Boote aufzufinden.
Bremen, 12. Oft. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Seydlitz" meldete heute morgen 5 Uhr drahtlos: „Retteten Sechsundvierzig vom „Volturno"."
UnivcriitätdsTlad?ric^tctt*
— Prozessor Dr. Friedrich Schulthetz, Ordinarius der semitischen Philologie inKonigsbera i. Pr, bat einen Rui an die Universität Straßburg i. E. ginn Frühjahr 1914 erhallen und angenommen. Er wird dort Nachfolger des nach Göllingen gebenden Prozessors E. Littmann.
Kleine Caqeschronik.
In Münchsdorf bei Kassel entstand Feuer. Bis mittags waren 1 5 Wohnhäuser abgebrannt. Acht Familien sind obdachlos.
In Drage (Schleswig) wurde der 80jährige Landmann Wehden in seiner Wohnung von Einbrechern erschossen, die eine größere Summe raubten.
Lingesanöt.
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Gießen, 11. Oft.
Von einer hiesigen Frau erhalten wir folgende Zuschrift?
Ich bin ein altmodischer Mensch, habe aber ein starkes Interesse an den Strömungen der Neuzeit. Deshalb habe ich int vollgepfropften Saal die abendlichen Borträge des Allgemeinen deutschen Frauenvereins angehört. Zunächst den über den Geburtenrückgang, über den ich mir bisher noch kein graues Haar hatte wachsen lassen. 1
Fräulein Dr. Bernays bewies haarscharf, daß die ntobeme Frauenbewegung mit dem Geburtenrückgang absolut nichts zu tun hat. Nachdem ich nach Art der altmodischen Menschen alle ihre Worte im Herzen bewegt habe, muß ich zugeben, daß der Geburtenrückgang im allgemeinen der Frauenbewegung nicht in die Schuhe geschoben werden kann. Im Gegenteil glaube ich, daß sie den angeführten Hauptursachen dieses Uebels nach Kräften entgegenarbeiten möchte.
Andererseits bewirkt aber die Frauenbewegung, die jedes Mädchen durch die Wahl eines Berufs selbständig zu machen sucht und dies schon in hohem Maße erreicht hat, aber dadurch eine Verminderung der Eheschließungen. In alten Zeiten nalrm das Mädchen aus guter Familie, nachdem es, am Fenster seine Jugend verhäkelnd, etwa vergeblich auf den Mann seiner Liebe gewartet hatte, schließlich in der Regel den Ungeliebten, der ferne Achtung, eine gute Stellung und eine Glatze befaiV Es wußte, daß es Pflicht und Trost sei, dem ungeliebten Gatten zu gehorck)en. Das Schreckgespenst beruflosen Altjungserntums hat Tausende und Abertausende in die Ehe getrieben. Ein befriedigender Berus schützt vor diesem Sckrritt der Verzweiflung« Ebensosehr bietet er auch eine Belvahrung vor Verführung, der sonst mehr Mädchen zum Opfer fallen würden. Auch die berufstätige Frau in der Ehe mutz die Zahl ihrer Kinder beschränken. Woher soll sie die Zeit nehmen, ihnen die Honig- l.ärte abzuputzen? Es existiert also doch in vielen Fällen ein > Zusammenhang zwischen Frauenbewegung und Geburtenrückgang, | wenn auch der Wegfall gerade dieser Geburten im Einklang steht I mit dem verfeinerten Moralempfinden des Einzelnen. H.
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