Ausgabe 
13.10.1913 Zweites Blatt
 
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m. 2^0

163. Jahrgang

Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

vertretettag der Nationalliberalen Zugend.

auf die Pflege des Reichsgcdankcns wie auf die Wahrung der Interessen Ihres Heimatstaates bedachtes Wirken gestaltete Ihre Tätigkeit als Mitglied des Bundesrates zu einer für das Reich und Bayern in seltenem Grade ersprießlichen. Für alle diese treuen, unschätzbaren Dienste, welche die Geschichte Bayerns ehren­voll verzeichnet, sage ich Ihnen l>erzlichen und aufrichtigen Dank. Möge Gott Sie noch lange Jahre freudiger Schaffenskraft mir und dem Lande erkalten. Das ist der von Herzen BonimendelWunsch, mit dem Ich Ihren 70. Geburtstag geleite. Mit der Versicherung huldvollster Gesinnung bin Ich Ihr wohlgeneigter Ludwig, Prinz­regent. _______________

Ein verstimmter, von innerer Krankheit geplagter Mann ist Fürst Katsura gestorben. Noch im vergangenen Jahr hat er Europa bereist, und in Petersburg traf ihn damals die Nachricht vom Tode des Mikado. Jetzt ist er seinem kaiser- ichen Herrn nachgcfolgt.

jung angenommen:

Der Jungliberale Vcrtretertag erkennt die hohe Bedeu­tung der Religion für Volk und Staat an. Er ist überzeugt-, von der Notwendigkeit des Bestandes und der staatlichen An­erkennung der Kirche und religiösen Gemeinschaft als Aus­drucksform religiösen Gemeinschaftslebens. Unsere Gesetzgebung in religiösen und kirchlick>en Angelegenheiten ist mit der Ent­wicklung des religiösen Lebens in der Gegenwart nicht fort­geschritten. Sie entspricht nicht den liberalen Forderungen nach Gerechtigkeit, Gewissenfreihcit und nach Erziehung zum friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Glaubensbekennt­nisse im nationalen Staate. Der Vertretertag fordert daher die nationalliberalcn Fraktionen int Reich und in den Einzel­staaten auf, mit Nachdruck eine Reform der einschlägigen staat­lichen Gesetzgebung zu betreiben, die den Tendenzen des Li­beralismus Geltung verschafft. Als besonders dringend be­zeichnet der Vertretertag die Reform der Rechtsstellung der Dissidenten, des Verhältnisses des Staates zu innerkirchlichcn Fragen und der Stellung des Staates zur Schule."

^Leipzig, 12, Okt.

Nach einem Vortrag des ersten Vorsitzenden des Reichs- vcrbandes, Rechtsanwalt Dr. Robert Ka uffman n-Stuttgart wurde nachfolgende Entschließung angenommen:

Der Vertrctcrtag spricht der Nationalliberaleu Reickss- tagsfraktion und ihren Führern Bassermann und Schiffer ilfrcn Dank aus für die außerordentlichen Verdienste, die sic gemäß der großen Tradition der Partei um das Zustandekommen der großen Wehrvorlage und ihrer sozial gerechten Deckung sich erworben haben. Der Vertrctcrtag erwartet nun­mehr von der Regierung, daß sie sich der Notwendigkeit einer imperialistischen Politik nicht länger ver­schließt und daß sic daher von den Machtmitteln, die ihr der Opfermut der Nation zur Verfügung gestellt hat, int Gegen­satz zu bisher Gebrauch macht und soweit es möglich ist, den unentbehrlichen Zuwachs an Macht und Ge­biet verschafft. Zu diesem Zweck ist eine bis auf den Grund gehende Reform des diplomatischen Dienstes dringend erforderlich. Nickt Adel und Vermögen, sondern die Befähigung muß der einzige Maßstab für die Vertreter des Deutschen Reick>es im Auslande sein. Wir erwarten, daß unsere nationalliberale Neickfstagsfraktion mit allen erdenklichen Mitteln auf die Durck)- sctzung dieser Forderung drängt. Wir verlangen ferner, da ßdic Angelegenheiten der auswärtigen Politik int1 Reichstag eingehender behandelt werden. Es darf insbesondere nicht, wie so oft, die Volksverttctung in wichtigen Dingen mit inhaltlosen Reden der Regierung ab­gespeist werden. Um dies durchzusetzen, muß vor allem auch unsere Partei mit dem größten Nachdruck auf die Durchsetzung der konstituttonellen Forderungen ihrer Entstchungszeit lver- antwortliche Reichsministerien, Staatsgerichtshof) hinwirken/

Montag, 13. Moder 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

TieGießener ZamUienblätter" werden dem -Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblntt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Surft Katsura f.

Fürst Katsura, der das Zeitliche gesegnet hat, darf als der bedeutendste Staatsmann Japans nächst dem Mar­quis Ito gelten. Wegen seiner großen Vorliebe für deut­sches Wesen und seiner Begeisterung für deutsche Ein­richtungen erfreute er sich auch bei uns besonderer Beach­tung. Er hatte sich in die militärische Organisation Deutsch­lands schon im Jahre 1870 eingclebt, als er in Potsdam Leutnant war. Seine Kenntnisse vertiefte er bet einem spa­teren Aufenthalt in Deutschland, wo er dem alten Kaiser Wilhelm persönlich nahetrat. Seine Gattin war zum Chri- 'tentum übergetreten, und er selber sprach fließend deutsch.

Der verstorbene Fürst, der ein Alter von 65 Jahren erreicht hat, reicht zeitlich noch ins alte Japan hinein und in die Kämpfe des Jnselvolkes mit der vereinigten Flotte der Engländer, Franzosen und Amerikaner, an denen er, kaum 18 jährig, teilgenommen hat. Als die Japaner, die sich bis dahin mit derselben Hartnäckigkeit wie die Chinesen gegen das Eindringen europäischen Einflusses abgesperrt hatten, ihr Verhalten änderten, war Fürst Katsura einer der ersten, die für Europa eintraten. Besonders auf militärischem Ge­biet verdanke er Deutschland fast alles. Nachdem er 1875 bis 1877 den Posten eines japanischen Militärattaches in Berlin bekleidet und sich, nachdem er vorübergehend tn der heimatlichen Verwaltung gewirkt, im Japanisch-Chine­sischen Krieg hervorgetan hatte, wurde er zum Gouverneur der gerade eroberten Insel Formosa ernannt. Im Jahre 1898 wurde er Kriegsminister und 1901 (als Nachfolger des Marquis Ito) Ministerpräsident. In dieser Eigenschaft be­trieb und vollendete er den japanischen Bündnisvertrag mit England, wodurch Japan zum ersten Male in die europäische Politik eingriff und den ersten Anstoß zu der großen Aus­einandersetzung mit Rußland gab, die dann einen für Japan so ehrenvollen und vorteilhaften Verlauf nahm. Die Unzu­friedenheit der japanischen Bevölkerung mit den Friedens­bedingungen erschütterte zwar nach und nach die Stellung des Fürsten Katsura, ohne ihn jedoch ausschalten zu können. Im Gegenteil: noch wiederholt wurde er mit der Kabinetts­bildung betraut. Hatte ihm die Unterzeichnung des Bündnis­vertrages mit England bereits den Grafentttel eingebracht, so wurde er nach der glücklichen Annexion von Korea im Jahre 1910 in den Fürstenstand erhoben. Bis zum Februar 1913 ist dann Fürst Katsura der eigentliche Lenker der Ge­schicke Japans geblieben.

Vorbildlich wirkte er für sein Land in der Wehrfrage. Obwohl er mit ungeheuren finanziellen Schwierigkeiten zu Sümpfen hatte und ihm keinWehrbeitrag" zu Hilfe kam, hat er viel auf diesem Gebiet erreicht. Freilich will es schei­nen, als ob ihm das japanische Volk sein rastloses Bemühen in dieser Richtung nicht hinreichend gedankt hätte. Man be­obachtete die Verlegenheiten, in denen er sich befand, sah, wie er durch äußere und innere Anleihen sowie durch alle Arten von Steuern die Mittel zur Durchführung seiner großzügi­gen Pläne zu beschaffen suchte und wollte dieser Milttcir- politik nicht folgen. Das aufgehetzte und aufgewühlte Volk zwang ihn schließlich, sich zurückzuziehen. Seine großen pa­triotischen Verdienste bleiben gleichwohl hervorragend und werden vielleicht erst dann wieder auch dem japanischen Volke im rechten Lichte erscheinen, wenn es seine starke und ener­gische Hand vermißt. Und das kann schon sehr bald sein.

Die Ausschuß- und vorftandzwahlen bei den Krantentaffen.

Man schreibt uns:

Bei allen Krankenkassen in Hessen mit Ausnahme der Landkrankenkassen werden demnächst zum erstenmal nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung Wahlen stattfinden. Die Reichsversicherungsordnung schreibt vor, daß das Verhältnisrecht angewendet werden muß, daß also nicht mehr die Mehrheit der Abstimmenden die Verwaltung der Krankenkassen hat, sondern daß jedeParteinach Maß- gabederfürsie ab gegebenen Stimmen ander Verwaltung beteiligt ist, also Vertreter in den Aus­schuß und den Vorstand sendet. Angesichts der Neuheit der ganzen Sache erscheint nun eine nähere Aufklärung darüber notwendig, und es ist Pflicht aller Arbeitgeber und Ver­sicherten, besonders derjenigen, die auf dem Boden der heu> Ligen Gesellschaftsordnung stehen, daß sie alle von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Die Beiträge zur Kranken­kasse sind fast allenthalben vom 1. Januar 1914 ab erhöht worden, und da ist es doppelt nötig, daß sich alle Beteiligten auch für die Verwaltung der Krankenkassen interessieren. Die Wahlen zum Ausschuß der Krankenkassen werden durch den jetzigen Vorstand geleitet, soweit diese Kassen nach dem 1. Ja­nuar 1914 weiter bestehen oder als allgemeine Ortskranken­kassen ausgestaltet werden.

Es werden weiter bestehen:

1. Alle Betriebskrankenkassen, die über 100 Mitglieder zählen,

2. die Jnnungskrankenkassen,

3. die besonderen Ortskrankenkassen Merkur in Darm­stadt, Ober-Ramstadt, Neu-Isenburg, Mainz-Kastel, Mainz- Kostheim, Alzey, Nierstein, Ober- und Nieder-Jngelheim.

4. Ausgestaltet werden die Ortskrankenkassen der Städte Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gie­ßen, die Ortskrankenkasse Heppenheim a. d. B., Michelstadt, Dieburg, Oppenheim, Bingen, Friedberg, Lauterbach, Bü­dingen und Weisenau.

Bei neu e rr ich t e t en O r t s k r an k enk as sc n, wie z. B. für den Landkreis Darmstadt, Groß-Gerau, Offenbach, Bensheim, Mainz, Worms, Alzey, Gießen, Schotten und Alsfeld, bei welchen ein Vorstand noch nicht, besteht, leite: ein Vertreter des betr. Versicherungsamtes, resp. Kreisamtes

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^A öl. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen,

blC ^Damit die Verhältniswahl auch tatsächlich durchgeführt wird, ist es erforderlich, daß bei den Bezirkskrankenkassen und den großen Städten nicht am Sitze der Kasse, bezw. in einem Lokal, gewählt wird, sondern daß an jedem Orte, den die Ortskrankenkasse des Bezirks umfaßt, gewählt wird und daß in den großen Städten Wahlräume tn den ver­schiedensten Teilen der Stadt geschaffen werden, damit den wahlberechtigten Arbeitgebern und Versicherten die Wahl­gelegenheit möglichst leicht gemacht wird. Auf dem flachen Lande, wo vielleicht noch eine Landkrankenkasse besteht, bei der eine Wahl durch Arbeitgeber und Versicherte nicht statt­findet, ist für die Abhaltung der Wahl des Ausschusses der allgemeinen Ortskrankenkasse ein Zeitraum von Nicht mehr als 23 Stunden erforderlich. Wenn eine Ortskrankenkasse in 23 Wahlbezirke eingeteilt ist, so kann gleichwohl in jedem Orte des Wahlbezirks gewählt werden, nur sind die abgegebenen Stimmen in allen Orten eines Wahlbezirks für Feststellung des Wahlergebnisses zusammenzuzahlen Wenn hierbei auch vielleicht einige Mark Kosten mehr für die Wah­len entstehen, so darf dieser Kostenbetrag ui keiner Weise ausschlaqgebend sein, wenn es gilt, zu verhüten, daß einem Teil der Wahlberechtigten das Wahlrecht beeinträchtigt oder unmöglich gemacht wird; dies würde jedoch der Fall sein, wenn Arbeitgeber und Versicherte mehrere Stunden wett laufen müßten, um ihr Wahlrecht ausüben zu kounen. Es läge nicht im volkswirtschaftlichen Interesse, wenn wegen geringfügiger Kosten 20 oder 25 Wähler re einen halben Tag versäumen würden. Es miiß also bei den demnächst statt­findenden Wahlen die Forderung erhoben werden, daß an alten Otten eine W ah lgelegenheit geschaffen und wenn möglich auch em Sonntag als Wahltag be­stimmt wird. _______________ ________________-

Kchezm Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Deutsche ICoIoeticit.

Unruhen in Neu-Kamerun.

Nach einer bei dem Gouvernement in Kamerun ein- getroffenen Meldung des Postenführers von Sembe sind im Sembebezirk Ende August Unruhen ausge­brochen. Sembe liegt in der östlichen Ecke des Ge­bietes, das durch das deutsch-französische Abkommen vom November 1911 dem Schutz- ebiet Kamerun zunewachsen ist. Es liegt un­gefähr 100 Kilometer in der Luftlinie westlich des fran­zösisch gebliebenen Ortes Wesso. Tie Dörfer in der Um­gebung des Postens verhalten sich ruhig; jedoch wurden! in Lesrapides am Sembe und in Symbot am Ma- jembe Faktoreien der Konzessionsgesellschaft Ngoko Sanga Anfang September geplündert und nieder- gebrannt. Die Warenverluste sollen erheblich fein. Eine Abteilung der französischen Grenzexpedition unter Füh­rung des Oberleutnants Karcher wurde auf dem Marsche nach Ngoila am 19. September fünf Stunden von Sembe entfernt angegriffen. Zwei Farbige wurden getötet, einer verwundet, zwei Lasten gingen verloren. Karcher konnte jedoch mit fünfzig Trägern von Sembe und fünfzehn Mann vom Begleitkommando nach Ngoila weitermarschieren. Für den Posten Sembe besteht keine Gefahr. Sembe ver- fiigt über 29 Gelvehre und ist zur Verteidigung eingerichtet. Ter Bezirksleiter von Jutaduma war mit einem Büchsen- macher, Maschinengewehren und 50 Polizeisoldaten bereits auf dem Wege von Jukaduma nach Sembe und muß in­zwischen dort eingetroffen sein, desgleichen der Assistent Kehm, der mit 14 Soldaten unterwegs ist und weitere 15 Soldaten, die folgen sollten. Der westlich an Sembe stoßende Bezirk Eta verhält sich ruhig. Tie Un­ruhen beschränken sich offenbar auf ein Gebiet von we­nigen 'Quadratmeilen, wo sich die Autorität des Europäers noch nicht genügend durchgesetzt hat.

Der Kieioer Ritualmordprozeh.

Kiew, 11. Okt. Der Staatsanwalt fragte den Zeugen Sck utzm ann L e s ch t echen ko, ob der Umstand, daß bei der Auffindung der Leiche aus der Jacke des Getöteten ein Leinwand­lappen l)erausgezogen und dann wieder in die Tasche zurückgesteckt worden sei, in das Polizeiprotokoll ausgenommen wurde. Dec Zeuge erinnert sich nicht daran. Der Staatsanwalt bemerkte, der Laupen h a,b e eine große Bedeutung. Aus Antrag des Verteidigers Grusenberg wurden diese Worte in das Protokoll eingetragen.

Kiew, 12. Okt. Interessant gestaltete sich die Vernehmung der Vertreter des angesehensten hiesigen Lokalblattes, die über ein Zusammcntrcssen mit der Mutter und dem Stiesvater des Er­mordeten, sowie über die Tättgkest der Lokalpresse int Interests der Aufklärung der Mordtat berichteten. Der eine der beiden Journalisten, Bartschewski, bekundet, daß eines Tages die Mutter und der Stiesvater des ermordeten Knaben bei ihm auf einem Bureau erschienen seien, um einzelne Mitteilungen über -en Knaben zu mack-en. Dabei seien beide, die Mutter sowohl wie der Stiefvater Juschtschinskis, ausfallend ruhig gewesen und hatten keine Spur von irgendwelcher Besorgnis oder von Kummer merken lassen, der Mann habe sogar uwhnack gelacht. Der zweite der Journalisten Ordinski, will von einer Wäscherin erfahren haben, daß zwar alle Welt den Mord den Inden zuschiebe, sie wisse aber genau, wer die Tat vollml-rt habe; der Zeuge erklärt außerdem, gehört zu haben, daß Juschtscknnski von einigen Verwandten und einem Brüderpaar namens Mille er­mordet worden sei.

Großes Aussehen riesen d§e Aussagen des als Entlastungszeuge vernommenen Schuhmachers Jakonetschny hervor, der in sehr scharfen Worten einen der .Hauptzeugen der Anklagebehörde, den Laternenanzünder Schackowski), als einen lügnerischen, leichtfertigen und absolut unzuverlässigen Trunkenbold bezeichnet. Weiterhin bezeichnet dieser Zeuge die Aussage einiger anderer, daß ver­schiedene Schulkinder durch den Zaun des mehrfach genannten Fabrikgrundstücks geschlüpft, daß Beilis mehrere von ihnen an­gegriffen und namentlich den Juschtschinsli weggeschlevpt habe, als unrichtig. Zu jener Zeit, als die Zeugeii das beobachtet friben wollten, habe der fragliche Zaun überhaupt keine Lücke belegen, so daß damals die Kinder aus den Fabrikhof gar nicht gelangen konnten. Wenn Juschtschinski tatsächlich von Beilis von dem Grundsttick verschleppt worden wäre, hätte er, Zeuge, das un­bedingt sehen müssen oder wenigstens durch sein Töckterchcn, das mit den anderen Kindern gespielt habe, sofort erfahren.

Die Zeugin Z a b l u d s k a j a, die mit den Eltern Juschtschins­kis int gleichen Hause wohnt, behauptet, daß die Mutter des Knaben sehr aufgeregt war und stark geweint habe, als sic von der Tat hörte; der Stiefvater habe auswärts gearbeitet und komme stets nur am Ende der Woche nachhause. In der für die Mordtat in Frage kommenden Nacht sei der jetzt ermordete Knabe bei seinen Eltern zuhause gewesen. Wenn in dem Hause irgend etwas vor- gekommcn wäre, hätte sie, die Zeugin, es unbedingt bemerken oder hören müssen. , , , _ < ,

Eine weitere Zeugin befunbet, daß noch am ersten ~age bey Prozesses die Wera Tschcberjak einen der als Zeugen vernommenen 1 Knaben dahin zu beeinflussen gesucht habe, daß.erau^sageniolle er habe selbst gesehen, wie Beilis den Juschtschmskt weggeschleppt

übrigen Zeugenaussagen boten wenig Interessantes.

zum ^Geburtstag des bayrischenGesandten in Berlin, Grasen von und zu Lerchenseld

schreibt die Bayerische Staatszeitmig:

Graf Lerchenseld, der sich einer beneidenswerten geistigen mid .... -wische erfreut, kann an diesem Tage auf 4 5 Jahve

korperftchen $tiW ' vorbildlicher Pflichterfüllung im Dienste 8urü*auen. Im Verlauf- einer Stad) semes Karriere ist es ihm beschteden gewesen in

raschen wie g n^ $ { f den verantwortungsvollen Posten

^^^^Ä^n^G^cchn^ten beim Berliner Hose gerusen zu werden, des bayenlcken i um $at)ern hochverdienter und vom

den .sH^ ^mise heraus geschätzter Diplomat, bekleidet hatte. Königlichen »aus Bundesrat hat er nut uxi=

Sachkenntnis an der Er- ermudlichem J^chsocschäfte tcilgenommen und dank dem Ver- lcdigung der ckeiws. i - '«z^^^ens, in das er mit den fünf hältnis ^5^^eustchen Reiches zu treten wußte, wiederholt das versönlichen Ansehens in der Entscheidung wichtiger Gewicht se nes perionuwfeiner Wirksamkeit als stimm- gel^'d Eck ^ndesrats hat er es allezeit verstanden, füllendes Mitglieo o Interessen mit jener

»ThHflebanfcnä zn vereinigen, die IM

Fntercssc begründet ist.

nQ1 DcrPrinzregent richtete an den Grafen nachstehen­des Handschreiben $ ist Ihnen Geschieden, am

Mein lieber Graf Lerckeni^ unb Ästigkeit das 70. Geburts- 13 Oktober m KAArzAcMn Glück- und Segenswünsche sind fest zu leihst. Meme tferzii entgegensetzen Er

Ihnen zu diesem S^^mraen Anlaß, meinen warmen Dank für bietet nur einen mulw lenste zu bekunden, die Sic, lieber

die vielen hervorragen ~ Staate in einer langen und

Graf, dem leisteten Seit 45 Jahren im Staatsdienste

ehrenvollen Laufbalst. m^en£ Gesandter beim preußischen

stellend und seit 33 Jahren ' ) Jahrzehnten rrfolgreichcr

Hoie beglaubigt, enttaueie.i ^rksamkeit. Gestützt auf umfassende »FJOt «FS

~ Leipzig, 11. Okt.

Mit einer geschlossenen Vertreterversammlung imReichs« hos" nahm die diesjährige Tagung des Rcichsverbonds der Na­tionalliberalcn Jugend ihren Anfang. Nachdem der erste Vcrbandsvorschendc, Rechtsanwalt Kauffmann «Stuttgart) die Ta­gung mit einem Gruß an die Erschienenen eröffnet und der Ver­sammlung den Eintritt mehrerer neuer Vereine angezeigt hatte, gab der geschäftsführende Vorsitzende Engels (Köln) den Berick)t über die Tätigkeit im vergangenen Jahre bekannt.

Die öffentlichen Verhandluiigen begannen mit einem Vortrag des Pfarrers Dr. Förster (Frankfurt a. M.) überV c r - hältnis von Staat, Kirche und Gesetzgebung".

Nach einer regen Aussprache wurde folgende Entschlic-

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Stehplatz 1.50 Mk-

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' bndw. Wällner,

*son, Hegar. Gast: Alt). In der Aula, te Palmen^arten- i. Budapest (Violine), er.

r, Dresden (Bariton), Violine1. In der Aula, avisson, Natterer, dert, Kgl. Kammer- (Sopran), Herr Pro- ivieri, Herr Professor Io). In der Aula.

Hoftapelle,Leitung:

b. Bach: Der ata- ninger Hofkapelle, idtkirche.

Streichquartett, iollnhal*, Hegav.

L&ndel, (Senheaihei- ische Gesangverein, Orchester. Leitung:

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tag statt, alle übrigen

la düng- n die Plätze des Vor- Abänderung in einer 13 bei Herrn Ern s ingen entgegen und

Inh. M*- - n

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InmeriertenPläto-.

"desAkademisd® Konzerte zu denk ß-Mk.

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