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Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: vierinäl wöchentlich Siehener§amilienbiättcr: zweimal wöchenll.ttreis- blattsiirdenKreisSiehen tTienstag mW Freitags; zivennal inonatl. Lanv- wirtfchastlichc Zcitsragen Fernfprech- Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
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Erster Blatt
163. Zahrgang
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Rotaüonrdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steinöruderei U. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Jg?öc&^üt den
Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschästrstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck
Soimerstag, 15- Mai 19’3
Bezugspreis.
inonailich75Pi.,vicrlel- AA jährlich Wit. 2.20; durch «w TW Abhole- u. Zweigstellen M HM W " monatlich 65 Pf.; durch W die Post Mk.2.—viertel- W jährl. ansschl. Bestellst. Ws ZeileiiorciS: lokal 15Pf., xkäir auswärts 20 Pfennig.
Chefredaktcrir: A Goetz.
Veraulwortlicl) für den politischen Teil: August Goclz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gcttchtsjaall: K. Neu-
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Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.
Die hessische Erbschaftssteuer.
Im Jahre 190(1 wurde die indirekte Reichsbesteuerung zum erstenmal durch die Reichserbschaftssteuer durchbrochen. Sie ist damacks als Stückwerk geschaffen worden und bis heute Stückwerk geblieben, weil alle Erbanfälle durch Todesfall, welche Ehegatten, eheliche und cingckindschaftete Kinder betreffen, steuerfrei bleiben, ferner uneheliche Kinder mit dem Vermögen der Mutter und die Abkömmlinge- der genaunten Personen. Bekanntlich dreht sich die Forderung der Gegenwart darum, die Erbschaftssteuer in dieser Richtung zu -ergänzen und sie auf Ehegatten, Kinder und Enkel auszudehueu. In ihrer lMtigen Form ist ihr Ertrag nur minimal. Schon 1907/08 erbrachte die englische Erbschaftssteuer rund 400 Millionen Mark, die französische 160 Millionen, die deutsche aber nur 43 Millionen, die sich bis zum Jahre 1911 auf 56 Millionen steigerten. Ein Viertel hiervon fällt den Bundesstaaten zu. Ueber die Erträge der Reichserbschaftssteuer in den Einzelstaatcn wird eine ausführliche Statistik gegeben. Wegen der vorhin erwähnten Lücken bietet diese kein vollständiges Bild von dem gesamten Vererb ungsvovAang im Reiche. Da aber bereits mehrere Jahre bearbeitet sind, die Materie nach den verschiedensten Gesichtspunkten gegliedert ist und die Statistik im ganzen -eine deutlich erkennbare Stabilität aufweist, jkann man (sich aus der Reichserbschaftssteverstalistik sehr gut ein Bild von den ungeheuren Vermögenswerten machen, die alljährlich in den einzelnen Bundesstaaten im Erbgange umgesetzt werden. Sehr auffallend ist dabei die Erscheinung, daß der größte Kapitalbesitz keineswegs dort seine wahre Heimat hat, wo das größte erwerbstätige Schaffen vorhanden ist, also in den eigentlichen Industriegebieten, im Rheinland, in Westfalen, itt Sachsen, sondern wir finden, wenn wir die Erbanfälle auf den Kopf der betreffenden Landesbevöllerung berechnen, den kapitalistischen öauptbesitz mit 24—27 Mk. in Bremen, Hamburg und Hessen-Nassau, dagegen z. B. im Königreich Sachsetr nur 14,8 Mk., in Hessen 14,2 Mt., im Rheinland nur 12,6 Mk., in Westfalen sogar nur 6 Mk. Mag bei diesem OAaßstab auch die Zufälligkeit des Todes eine vielleicht große Rolle spielen, so deutet doch die Stetigkeit dieser Kopfziffern auf eine gewisse Gesetzmäßigkeit hin, die bei einer lückenlosen Erbschaftssteuer noch viel mehr zum Ausdruck kommen würde.
1908
1909
1910
Gesamtwert
14,31 Mill onen
15,63 „
1H,17
Hessen folgende Ent-
Steuerertrag
0,83 Millionen Mark,
0,84 ,
1,17
Erbanfälle
i 2650
l 2566
) 2454
Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht soeben die statistischen Ergebnisse der Reichserbschaftssteuer für das Jahr 1911. Die letzten vier Rechnungsjahre zeigen nach der Zahl der Erbanfälle, dem Gesamtwert des Erbes und dem St euer ertrag für Wicklung:
1911 2542 15,08 „ 0,*6 „ J
Da hier die Vererbung an Gatten, Kinder und Enkel fehlt, bietet sich ein recht unregelmäßiges Bild, handelt es
sich bei diesem Erben an weitläufige Verwandte, zu denen noch Kirchen, Religionsgesellschaften, gemeinnützige Stiftungen ufw. kommen, im Grunde doch nur um ein Erben per Zufall. Die Hanpterbmassen werden von der Statistik gar nicht erfaßt. Aber trotzdem kann man sich aus der Höhe des Erbwertes und des Steuerertrages, sowie aus den Einzelheiten der Steuerstufen ganz klar darüber werden, wie sich die angewachsencn Kapitalsmassen in den Händen einiger Weniger kristallisieren.
Die meisten Erbanfälle kommen natürlich auf die unterste Steuerstufe von 500—3000 Mk.: 1971 mit 3,5 Mill. Mark Gesamtwert und 177 000 Mk. Steuerertrag. Auch die nächste Gruppe mit 5000—20 000 Mk. war noch mit 441 Fällen und 4,2 Mill. Mk. Wert besetzt. Ganz anders fallen aber die höheren Steuerstufen ins Okewicht. Die Zahl der Fälle ivird immer kleiner, aber die Gesamtwerte steigen ins Riesenhafte, so bei der Gruppe von 20 000—50 000 Mk. mit 97 Fällen aus 2,8 Mill. Mk. Wert, bei der Gruppe von 50 000—100 000 Mk. mit 24 Fällen auf 1,67 Mill. Mk. Wert, bei der Gruppe von 100 000—1000 000 10 Fälle mit 3,3 Mill. Mk. Es ist bezeichnend, daß also diese höchste Stufe mit 24 Fällen fast ebenso viel Kapitalmacht wie die ca. 2000 Fälle der untersten Stufe repräsentiert. Millionen- crbschaften kamen im Steuerjahr 1911 in Hessen nicht vor.
Die zahlreichsten Steuerfälle betrafen 'die Erbschaften der -ersten Steuerklasse, wo u. a. die leiblichen Eltern, die Geschwister, deren Abkömmlinge zweiten Grades erben. Hierher gehörten von den 2542 Fällen allein 1889 mit 11,26 Mill. Mk. Wert und 1 •? Mill. Mk. Steuerertrag. Die zweite Steuerklasse umfaßt als Erben die Groß-, Schwieger- und Stiefeltern, Abkömmlinge zweiten Eirades von Geschwistern, anerkannte uneheliche und an Kindesstatt angenommene Kinder: 205 Fälle mit 435 000 Mk. Wert. In die dritte Steuerklasse mit noch entfernteren Verwandten z. B. Geschwister der Eltern und Verschwägerte im zweiten Grade der Seitenlinie, fielen noch 34 Erbschaften mit 232100 Mk. Wert, kirchliche Stiftungen erbten zweimal zusammen 32 000 Mk. und zahlten dafür im ganzen 1620 Mk. Steuern. Ferner kamen 10 Erbanfälle auf gemeinnützige Stiftungen, Vereine und Anstalten mit 1,13 Mill. Mk. und 57 000 Mk. Steuern.
Alle diese Fälle betreffen nur Erbschaften von Todeswegen. Die ebenfalls steuerpflichtigen Schenku n g e n unter Lebenden bilden eine Gruppe für sich und umfaßten in Hessen 133 Fälle mis 1,16 Mill. Mk. Wert und 56 000 Mk. Steuern. Diese Schenkungen beliefen sich im ganzen Reiche auf über 62 Mill. Mk. mit fast 4 Millionen Steuerertrag.
Die ständige Vererbung so ungeheurer Vermögensmassen ist, darüber sind sich die klarer blickenden National- ökonomen schon längst einig, volkswirtschaftlich wie ethisch bedenklich für das Volk. Man wird sich erinnern, wie kürzlich in den Bereinigten Staaten von Amerika allen Ernstes die Anregung auflauchtc, für die Vererbung der Riesenvermögen ein besonderes Gesetz zu schaffen. Es muß schlimm genug mit einer (Gesellschaft gekommen sein, ivo selbst ihre eigene Regierung zu solchen Ideen kommen mußte. Diese Ideen werden aber auch dem Deutschen allmählich klarer werden, wenn er erst einmal die Ergebnisse einer n7iwTrrw»TaTi~~mT--rirrr’“~r*iwi nmiirnwn'Ciii nT—Tiirirrr -t um ir iwiijuilhm.,.jmi j
Vie Berliner Jubiläums-Ausstellung.
Aus Berlin ivird uns geschrieben: Die diesjährige Große Berliner Kunstausstellung, die in Anwesenheit des Kaisers am Samstag feierlich eröffnet wird, soll ein besonderes Gepräge erhalten durch die Veranstaltungen, die dem Regieruiigsjubi- laum beö Kaisers gelten. Zu diesem Zweck wurden «die Räume, die der Architektur gewidmet sind, nach Angaben von March und Brurem nmgcftaltet: der blaue Saal durch Bodo.. Ebhardt in ein feierlich pomphaftes Gewand gekleidet, und dem Ganzen ein festlicherer Anstrich verliehen. In einer retrospektiven Ausstellung führt man ins Werte der Malerei, Plastii und Archll lettur vor, die in dem Vierteljahrhundert der Regierung Wilhelms II. entstanden sind, und der Hauptraum des Ansstell iimgspalastcs ist einer Sammlung der hervorragendsten Bauten gewidmet, an deren Entstehung der Kaiser besonderes Interesse ge itominm Hal. Innerhalb dieses besonderen Rahmens entfaltet sich dann die gewöhnliche Kunstausstellung, wie sie alljährlich am Lehrter Bahnhof in zahlreichen Sälen und bunter Fülle sich darstellt.
Man kann nicht sagen, daß diese großzügig geplante Ausstellung in der Gestalt, itne sie nun verwirklicht ist, unter einem günstigen Zeichen steht. Mau mag Viele Einzelheiten anerkennen: im ganzen bietet die Ausstellung nirgends ein Bild guter Geschmackskultur und geschlossener Harmonie. Wohl imponieren die Modelle, Photographien und Pläne der Kaiserlichen Architektur- Ausstellung durch die Menge und Wucht der Werke; in diesen Schlössern und Kirchen, Museen und Burgen, Kasernen und Hafeu- oulageu bis zu dem niedlichen Modell der Jnsthäuser und Ställe bon Cadinen ist Mächtiges geleistet, aber es fehlt der einheitliche Stil, und jene, archaisierenden Spielereien, jene Nestau ratiouen und Nachahmungen mittelalterlicher Knust drängen sich Iiervor, die in dem mit Arbeiten Bodo Eb Hardts gefüllten Sliaum allein dominieren Diese gotisch ritterlichen, unserer Zeit fo fremden Formen mögen bezeichnend sein für einen romau tischen Zug in dem Geschmack des Kaisers: aber sie stören den Eindruck, den die unter seiner Aegide entstandenen Bauten l>er Vorrufen. Welche eine andere, so viel modernere und ästhetisch klarere Welt tut sich auf, wenn man die prächtigen drei Räume durchwandelt, in denen Ludwig Hoffmann, der „Bau- ntcister Berlins", ein gut Teil seines Lebenswerkes in ruhigen, fän abgewogenen formen erstehen läßt! Auch die Säle, die der Kunst unserer nächsten Vergangenheit cingeräumt sind, vermitteln nicht die Eindrücke, die man mit gutem Recht erwarten dürfte. Die letzten 25 Jahre umschließen eine Hochblüte deutscher Malerei, aber davon ist an der Gesamtheit der ausgestellten Bilder wenig zu merken. Wohl sind klassische Werke da, wie Klingers ernste hoheitsvolle Pietü, wie Trüdners Reiterporträt des Großherzogs; aber sonst sind selbst große Meister, wie Leibl, DHoma, Gebhardt mit unbedeutenden Sachen vertreten, und die Relwzahl der Bilder ist belanglos. Arn besten schneiden noch die Berliner ab, obwohl der Hauptsaal fast nur Nieten enthält: ll>ch findet sich in den Kabinetten manch Schönes von Menzel, ätauffer-Bern, v. Lesser-Ury, Kallmorgcn u. a. Bei den Karls?,
ruhern müssen Trübners und H. V. Volkmanns Arbeiten viel Schlechtes verdecken: unter den Münchnern erfreuen nur bekannte Bilder von Uhde, Hengeler, Putz, Herterich: Weimar ist mit den: historisch bedeutenden Worpsweder Bild Mackensens, dem mächtigen Werk von Egger-Lienz lvenigstens interessant vertreten; aber bei den Dresdenern läßt die Qualität viel und bei den Wienern alles zu wünschen übrig. In Sonderabteilungeii stell cm sich die schwere grobe Kunst Stucks und die intime, wenn auch durch die vielen Bilder monoton wirkende Art Schönlebers vorteilhaft dar. Sehr Schones bietet die graphische A b teilung, in der her reifen Kunst des Wieners Schmutzer ein Mittelpunkt gewährt ist. Mit Recht hat man in der Deuts ch- nationalen Architektur-Aus ft e l l n n g einen Ueber- blick von höchster Bedeutung über unsere aufblühende moderne Baukunst geboten. Das Niveau der eigentlichen Ausstellung ist sowohl in Plastik wie in Malerei niedriger als in den Vor jähren. Zudem ist schlecht und wahllos gehängt; selbst in den großen Sälen erscheinen die guten Werke nur als seltene Inseln in einem Meer des durchschnittlich Banalen. Wohl wird man bei näherer Betrachtung noch manch schönes Einzelne seststellen können; im ganzen wird 1913 in den Annalen der Großen Berliner Kunstausstellungen sicherlich als kein Glücksjahr verzeichnet stehen.
. Dr. V L.
- D i e Ausstellung der Gemäldegalerie G. F. Reber in Darmstadt, dlls zweite. Kunstschau im Rahmen der Sondern ns st ellnnge ii freut f ch er Priv atfam m I n n g e n im städtische n A uSstell u ngsgebäude ans der M a t h i l d en h öh e wird am Samstag, den 17. Mai, die Sammlung des Barmer .Biustfreundes G. F. Reber eröffnet, die neben einer Anzahl von Werken älterer, besonders alldeutscher und holländischer Meister, die große französische Knust des 19. Jahr Hunderts auszeichnet. Maler wie Corot, Een r b c t, Manc t, Renoir, Degas u. a. sind in dieser Sammlung mit hervorragenden Proben Vertreten, die ein vortreffliches Bild von her hochstehenden künstlerischen Kultur dieser Epoche zu vermitteln vermögen. Ihren Bremipnnkl aber hat die Galerie in den 15 Werken des heute ungemein geschätzten C e zan ne, der von einem Teil der Jüngsten als künstlerischer Wegweiser auf den Sckstld erhoben ivurde. Was die Sammlung Reber von diesem interessanten Franzosen zeigt, sind die hervorragendsten Stücke seiner künstlerischen Hinterlassenschaft, und es dürste kaum eine zweite Privatgalerie in Europa geben, die die gleiche Zahl von Werken Cozannes aufzuweisen hat. Daß darum den Kunstfreunden 6Je- legen freit g eboten ist, sich nachhaltig mit dem Problem des in unseren Tagen. fast schon klassisch gewordenen Meisters zu be- sasfen, muß besonders hervorgeh oben werden. Die Ausstellung ist täglich von 11 —l Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags, Sonntags von 10—2 Uhr geöffnet. Ain Freitag jeder Wvckie wird 0,50 Mk. Eintrittsgeld erhoben.
— I ettchen Gebert ans der B ü h n e. Ans Fran k- fnrt a. M. wird uns geschrieben: Fettchen Gebert hat, mit Einwilligung und unter Beihilfe ifrreö Vaters Georg Herrn a n n, den Sprung aus dem Roman auf die Bühne gewagt. Sie steift nun selber ein wenig blaß und duldend, ifre Schicksal nehmend.
lückenlosen deutschen Erbschaftssteuer vor sich haben wird. Schon aus diesem Grunde muß alles daran gesetzt werden, dem Ausbau der deutschen Erbschaftssteuer schnellstens zum Durchbruch zu verhelfen.
Engjisch-türüsche Verhandlungen über die bagda b6hn.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Presse beschäftigt sich vielfach mit den Verhandlungen, die zwischen E n g l a n d nnd der Türkei wegen der B a g d a o b a h n geführt werden, lieber den Inhalt der Verhandlungen gaben die beiden Regierun»gen noch nichts bekannt, jedoch kann schon jetzt gesagt werden, daß die Auffassung irrig ist, als würde es bei den englisch-türlischen Verhandlungen auf eine Schädigilng der deutschen Interessen hinauskommen. Es kann zuverlässig festgestellt werden, daß auf keiner Seite die Absicht besteht, sich über die Rechte der Bagdadbahn hinwegzusetzen.
Nach Mitteilungen des Reuter-Bureaus sind die Grundlagen der eng lisch-türkischen Verständigung in der Angelegenheit des persischen Meerbitsens folgende: Die türkische Regierung erkennt dus britische Protektorat über Ko weit au und bewilligt ge,gebenenfa.lls das Recht, eine Eisenbahn von Bassorah nach Kuweit zu bauen. Ba s so rah soll Endpunkt der Bagdad-Bahn werden, die bis Bassorah unter denselben Bedingungen werter geführt werden soll, wie sie für die anderetc Strecken der Bahn bestehen. Mindestens zwei englische Vertreter sollen in den Vorstand der Bagdad bahn ernannt werden, um alle Vorgänge zu überwachen und eine unterschiedliche Behandlung der Waren zu verhindern. Natürlich wird die deutsche Regierung bei der Verständigung, insoweit sie die Interessen der Bagdad-Bahn berührt, beteiligt fein. Tatsächlich hat Deutschland dazu beigetragen, die Verständigung zu erleichtern, die, wie man hofft, in in 14 Tagen zu einer endgültigen Erledigung führen wird.
Die Londoner Kriedensverhandlungen hmanrgeschoben?
Das Reuter-Bureau schreibt: Anzeichen deuten auf die Möglichkeit einer H i n a u s s ch i e b-u n g der Friedens^ Verhandlung en in London hin. Bulgariens Bereitwilligkeit, jdie 'Präliminarien sofort zu unterzeichnen, wird von Serbien und Griechenland nicht gebilligt. Serbien und (^riechenlmid sind nicht geneigt zu unterzeichnen, ahne sich alle sie Nahe berül-renden Punkte voll und ganz vorzubahalten, itnb ohne daß diese» Punkte erst zwischen den Verbündeten selbst und dann mit den Mächten durch ihre Botschafter in London ersckwpf'end besprochen werden. Serbien und Griechenland gehen offenbar darauf aus, jeden einzelnen Punkt vorher getrau auf» zu klären. t
Der Einzug der internationareu Truppen in Skutari.
Eetinje, 14. Mai. (Amtlich.) Die internationalen Trirppen zogen unter dem' Kommando des eirglischen ^kd- mirals Burneh nachmittags 2 llhr in Skutari ein. General Betschir begrüßte den Admiral bei seinem Ein-
wie eS Fommt, auf den hölzernen Brettern, auf denen der zarteste Duft von Dingen und Menschen so leicht von Staub und Schminke bedeckt wird. Sine FamilienmaIstzeit um den reichgedeckten Tisch Salvmoii Geberts, ein Efrarlottenburger Sommerfrifcktenidhll von anno 1839, die Familienberatung der ctzeberts über Jettchcns Heirat, der Abschied Jeckchens von Dr. Kößlings in dem von der Kunst geadelten Salon Jasons und endlich die Hock,«zeit mit dem unerwünschten Besuch der angeheirateten Vernmndtsckmst aus Beir- sä eu - das alles gibt zu Lebensbildern von großer Feinheit der Zeichnung, zu Idyllen von heiterem Betragen und hjriKbeu Stirn ° mungen von biedermeierischen Duft reichlich Gelegenheit. Und etliche rechte Menschm stehen auf der Bühne; befonber-5 das alte Judenpärchen, der Onkel Eli und sein Minchen, sind audji im Rampenlicht prachtvolle Typen geblieben. Die Uraufführung im Frankfurter Schauspielhaus brachte dem Hermannschen Stücke einen Erfolg, wenn auch einzelne Zischer laut wurden.
Sine Richard-Wagner Ausstellung. Die sstickard-Wagner-ttzedääitnis^Ausstellung in Leipzig, die das Stadtgeschiäitiiche Museum vorbereitet, unb deren Eröffnung am 23. Mai statt!indet, ist anßerordentlich reich beschickt worden. Sie Ivird eine große Reihe wertvoller Erinnenmgsstücke enthalten. ES befinden sich darunter die Oelbildnisse der Mutter Wagners und des Stiefvaters Ludwig Geyer, eine große Anzahl inhaltlich nrirfi - tiger Briefe Wagners an seine Mutter, an seinen Freund i'lpel, und andere. Bei bau Wagnerfrennden iwrben die za hl melden Sriginalnotenmcnrnßripte, die auf der MlSstellung zusainmen- kommen, besonderes Interesse finden. Erwähnt seien nur die .Handschriften zum „Liebesmayl der Apostel", zur Faustouverttire, ein Atvuniblatt für die Fürstin M., sowie Bruchstücke und Skizzen zum „Parsifal", „Siegfrieb" und „Tristan". An den weiteren Kreis der Wägnersreuirde tvenbet sich eine umfaitgrcirix Sammlung von Bildnissen der Wagnersänger und Wagnersängerinnen.
- D i e S ch o p e n l> a n e r g e s e l l f ch a f t hält ihre dies - jährige Tagrntg vom 14. bis 16. Mai in Frankfurt a. M. ab. Sieben den Vorträgen der Herren: Professor Dr. Paul Deussen (Kiel) „Die fünf Sttifen der Welterkenntnis", Dr. Marl (tzebbardl (Frankfurt a. M.) „Schopenhauers Philosophieprinziv und die Romantik", Dr. Moritz Werner „Sckwvendauer der Frankfurter", Dr. Juliusburger (Berlin) „Psychotherapie und Schapen- hauersche Philosophie" wird in den Räumen der Frgnksurter Städtebibliothek eine Ansstelknng stattfinden, die in fast lütten■ loser Folge erhaltene Bildnisse Schope nhan ers und Bild■ nisse seiner Borfahreit umfaßt, und außerdem Dc'kninente nnd Handschriften, sowie andere Reliquien, die zur Persönlichkeit des Philosophen eine Beziehung haben, ätzerwolle Stücke haben das Germanische Nationalmuseum^ die Kasseler köniqliihe Galette nnd der Freund und Biograph SckwpenHauers, Geheimrat Will Helm v. 6V)oimier, dazu geliefert.
— Kurze Nachrichten ans Kunst und Wissen- scha'ft. Der vierte internationale Kongreß für W oh n n n g s h y g i e n e findet vom 31. August bis 7. Sept, in Antwerpen statt. — In Paris ist der Nationalökonom nnd Statistiker Alfred de FvVille am Mittwoch ün Alter von 71 Jahren geftorben.


