Ausgabe 
14.6.1913 Erstes Blatt
 
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wertvoller Zeil Erziehung. Aber die bloße Rolle des stillen Zuschauers hätte ihm nie genügt; wir wissen, wre er Selbst handelnd mit seiner ganzen Person sich ernge^etzt hat für seine Ueberzeugung, damit Verantwortung tote Verdienst Hu gleichen Teilen vor der Zukunft sich bereitend! Un­ermüdlich ist er, seit er zur Regierung kam, nut dem ;2Bort und der Feder für seine Gedanken cingetreten, bald mit sachlichen Gründen zu überzeugen bestrebt, bald durch begeisternden Schwung mitzureißen suchend! Alle sollten es -erfassen,wie mächtig der Wellenschlag des Ozeans an ilnseres Volkes Tore klopft und es zwingt, als cm großes Volk seinen Platz in der Welt zu behaupten"; diesen Grund­ton hören wir immer von neuem erklingen.

Aus dem Deutschen Reiche ist em Weltreich geworden. Ueberall in fernen Teilen der Erde wohnen Tausende un­serer Landsleute. T-euksche Güter, deutsches Wissen, deutsche Betriebsamkeit gehen über den Ozean. Rach Tausenden von Millionen beziffern sich die Werte, die Deutschland auf der See fahren hat. An Sie, meine .Herren, tritt die ernste Pflicht heran, Mir zu helfen, dieses größere Deutsche Reich auch fest an unser heimisches zu glie­dern" so mahnt er bei der Vierteljahrhuiidertfeier des Reiches am 18. Januar 1896.

Nicht leicht war der Anfang des Weges, der durch dickstes Gestrüpp der Gewohnheitsmeinungen führte. Mit Sorge und Schmerz sieht der Kaiser oft, wie langsam,nur es zunächst vorwärts geht und wie klein nur die Gefolg­schaft ist.Mit tiefer Besorgnis habe Ich beobachten müsjen," so klagt er am 18. Oktober 1899 im Rathause zu Hamburg,wie langsame Fortschritte das Interesse und politische Verständnis für große, weltbewegende Fragen unter den Deutschen gemacht hat. Blicken wir um uns her; wie hat seit einigen Jahren die Welt ihr Antlitz verändert. Alte Weltreiche vergehen, und neue sind im Entstehen begriffen. Nationen sind plötzlich im Gesichts­kreis der Völker erschienen und treten in ihren Wettbewerb mit ein, von denen kurz zuvor der Laie noch wenig be­merkt hatte. Ereignisse, welche umwälzend wirken auf dem Gebiete internationaler Beziehungen sowohl wie auf dem Gebiete des nationalökonomischen Lebens der Völker, utib die in alten Zeiten Jahrhunderte zum Reifen brauchten, vollziehen sich in wenigen Monden." Darum darf auch Deutschland nicht mehr in fruchtlosem Besinnen die kost­baren Augenblicke verstreichen lassen." Die alten politischen Sünden rächen sich jetzt schwer an unfern Seeinteressen und unserer Flotte." Aber mutlos machen die Hemmnisse nicht.Doch meine Hoffnungen," so fährt er hier fort, daß der Deutsche sich ermannen werde, sind noch nicht verschwunden. Denn groß und mächtig schlägt die Liebe m ihm zu seinem Vaterlande." Und festeste Zuversicht tönt wenige Monate später, um die Jahreswende 1899/1900, aus der Kundgebung, die er an die Marine richtet:Wie mein Großvater für sein Landheer, so werde auch Ich für Meine Marine unbeirrt in gleicher Weise das W er k d e r Reorganisation fort-und durch- fübren, damit auch sie gleichberechtigt an der Seite Meiner Streitkräfte zu Lande stehen möge und durch sie das Deutsche Reich auch im Auslände in der Lage sei, den noch nicht erreichten Platz zu erringen. Mit beiden ver­eint, hoffe Ich in der Lage sein, mit festem Vertrauen -auf Gottes Führung den Spruch Friedrich Wilhelms I. wahr zu machen:Wenn man in der Welt etwas will de­zidieren, will es die Feder nicht machen, wenn sie nicht von der Force des Schwertes soutenieret wird." Aus freu­digem Herzen kommen dann am 23. März 1905 die Worte: Ich danke Gott, daß Ich hier keinen Notschrei mehr aus­zustoßen habe wie einst. . . .; die Flotte schwimmt, und sie wird gebaut."

So wurde in Breite und Tiefe der Boden des deutschen Volkstums bereitet, auf dem allein die Frucht gedeihen konnte. '

Der Kaiser und die Schule.

Kein Zeitraum ist für die preußische Schulgeschichte ,on solcher Bedeutung gewesen, wie die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II." So urteilt der ausgezeichnete Kenner der Entwicklung unseres Schulwesens, Prof. Paul Schwartz. Durch eigenes Ergeben hatte der Monarch das Schulelend, das damals weite Kreise beunruhigte und erbitterte, ken­nen gelernt.Zur Zeit, wo ich auf dem Gymnasium in Kassel war," sagte er später selbst,wurde der Not­schrei der Eltern und Familien laut, daß es nicht so weiter gehen könne." Auf seine persönlichste Jnitiattve ging daher die Schulkonferenz zurück, zu der er am 4?De­zember 1890 45 namhafte deutsche Männer der verschie­densten Richtungen und Stellungen nach Berlin berief. In seiner eröffnenden Ansprache griff er auf die Er­fahrungen seiner Gymnasiastenzeit zurück und verlieh ihr dadurch einen ganz individuellen Reiz.Ich kann zu Ihnen als Eingeweihter sprechen," sagte er,denn ich habe auf dem Gymnasium gesessen und weiß, wie es da zugeht." Und seine eigenen Interessen und Neigungen, die ihn auf der Schule leiteten, schimmern hindurch durch die offi­ziellen Forderungen seines Programms. Seine .Haupt­anteilnahme hatte ja auf dem Gymnasium nicht den klas­sischen Sprachen, sondern der Geschichte, der-deutschen Dich­tung, den Naturwissenschaften gehört. Wenn er sich auch im Sinne seines Vaters gern in die nie wiederkehrende Schönheitswelt der Antike vertiefte und durchaus fein Gegner humanistischer Bildung war und ist, so war doch sein innerstes Gefühl nicht bei der längst entschwundenen Vergangenheit, sondern pochte heiß für d ie drängen­den Fragen der Gegenwart, für die großen For­derungen der deutschen Zukunft.

Der eigentliche Beweggrund und tiefere Sinn der von ihm ins Leben gerufenen Reform lag daher darin, die Schulen aus ihrer weltfremden Abschließung ge- 3ett den Strom der modernen Zeit zu befreien, die Ge- Dietc der Naturwissenschaften, der Technik und Industrie, auf denen die erstaunlichen Fortschritte des 19. Jahrhunderts lagen, der Jugend zu offenbaren. Eine Bildung, der Welt­stellung des deutschen Vaterlandes und den Anforderungen der Gegenwart entsprechend, bezeichnete der Kaiser als die erste Aufgabe der Schule, und darin hatte sie bisher ver­sagt.Es ist weniger Nachdruck aus das Können wie aus das Kennen gelegt worden," erklärte er,es muß von dem Grundsatz abgegangen werden, daß es nur auf das Wissen antommt und nicht aus das Leben." Er nimmt die damals schon viel erörterte U e b e r b ü r d u n g S f r a a e aus und redet als oberster Kriegsherr:Bedenken Sie, was uns für ein Nachwuchs für die Landesverteidigung erwächst. Ich suche nach Soldaten, ivir wollen eine kräftige Generation tyibcn, die auch als geistige Führer und Beamte deut Vaterlande dienen. Diese Masse der Kurzsichtigen ist meist nicht zu brauchen, denn ein Mann, der seine Äugen nicht brauchen kann, wie will der nachher viel leisten? . Sic Rttinner sotten nicht durch Brillen die Welt ansehen, sondern mit eigenen Au^en Und Gefallen finden an dem, was jie vor sich hüben, ihrem Baterkaude und seinen Ein­

richtungen." Deshalb- sei die Gesundheit der Jugend zu stählen; vor allem aber müsse der Unterricht auf eine nationale Basis gestellt werden.Wir müssen als Grundlage für das Gymnasium das Deutsche nehmen; wir sollen nationale junge Deutsche erziehen und nicht junge Griechen und Römer. Wir müssen von der Basis abgehen, die jahrhundertelang bestanden lptt, von der alten klöster­lichen Erziehung des Mittelalters, wo das Lateinische maß­gebend war und ein bißchen Griechisch dazu. Das ist nicht mehr maßgebend, wir müssen das Deutsche zur Basis machen. Der deutsche Aufsatz muß der Mittelpunkt fein, um den sich alles dreht." Ebenso muß das Nationale im Ge- schichts- und Geographieunterricht gefördert werden. Die Jugend sei bisher nicht über die Grundlagen unserer Kultur unterrichtet worden.Der Große Kurfürst war zu Meiner Schulzeit nur eine nebelhafte Erscheinung; der sieben­jährige Krieg lag bereits außerhalb aller Betrachtung, unb die Geschichte schloß mit dem Ende des vorigerr Jahr­hunderts, mit der französischen Revolution. Die Freiheits­kriege, die das Wichtigste sind für den jungen Staats­bürger, wurden nicht durchgenommen."

Tie Verhandlungen der Konferenz wurden in dem Sinne geführt, den der Kaiser vorgezeichnet. Das Deutsche und die vaterländische Geschichte traten von nun an in den Vordergrund der Lehrpläne, die Gesamtzahl der Unter­richtsstunden wurde vermindert und die größere Pflege von Spiel und Sport beschlossen. Damit aber die Lehrer­schaft diesen erhöhten Forderungen freirdig und ganz ge­nüge, wurde ihre soziale und materielle Stellung gehoben, und so verdankt der Lehrerstand der Regierung Wilhelms II. eine Zeit des Anfstteges und der Blüte. Was die erste Schulkonferenz glücklich begonnen und durchgeführt, vollendete die zweite, die am 6. Juni 1900 zusammen­trat. Hier fiel auch d i e letzte Schranke, die dem alten G y m n asiu m eine Vorrangsstellung imSchül- wesen verliehen hatte; durch den Erlaß vom 6. November 1900 wurden Gymnasium, Realgymnasium und Oberreal­gymnasiumin der Erziehung zur allgemeinen Geistes­bildung als gleichwertig" erklärt. Nunmehr war volle Frei­heit des Wettbewerbes zwischen den höheren Sck)ulen ge­währt, und wenn der Erlast nachdrücklich auf die Erlernung des Englischen hinwies, so lag darin eine Betonung der praktischen Zwecke der Schulbildung, denn Englisch ist die Weltsprache und ihrer bedarf vor allem der Kaufmann. Auch der Volksschule war des Kaisers Sorge lebhaft zugewandt; unter ihm wurde der Besuch der Volksschule ganz unentgeltlich, und damit war eine notwendige Er­gänzung der allgemeinen Schulpflicht vollbracht.

Die huldigimg her Automobilisten.

Berlin, 13. Juni. Das Kaiserpaar traf um 3 Uhr nachmittags im Automobil, vom Neuen Palais kom­mend, an der .Havelbrücke bei Pichelswerder ein, der Kaiser in der Uniform des 3. Ulanenregiments, um die Huldigung der A u t o m o b i l i st e n entgegenzunelMen. Mit den Majestäten kamen Prinz Heinrich sowie Prinz Waldemar in der Uniform des freiwilligen Automobiltörps, ferner das < Prinzenpaar Eitel Friedrich, das Prinzenpaar August Wilhelm, Prinz Oskar, der Erbprinz und die Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein mit Gemahlin, Prinzessin Karo-> line Mathilde zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und der Erbprinz .Hohenzollern. Etwa 500 blumen­ge s ch m ü ck t e Kraftwagen des Kaiserlichen Automobil­korps waren aufgefahren. Der Herzog von Ratibor begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache und überreichte eine Adresse. Die Majestäten fuhren sodann im Automobil bis in die Nähe des Stadions^ wo sie die offenen, vier­spännigen ä la Damnont gefahrenen Wagen mit Spitz­reitern bestiegen. Um 3,20 llfyr trafen die Majestäten am Stadion ein, um das Reit- und F a h r t u r n i e r des Kartells für Reit- und Fahrsport zu sehen, welches anläßlich des allerhöchsten Regierungsjubiläums arrangiert ist. Die Majestäten wurden von dem Präsidenten des Kartells, Generalleutnant von der Marwitz, und den andern Mit­gliedern des Präsidiums empfangen und zur Kaiserloge geleitet.

Es wurden vorgeführt: Zweispänniges Herrenfahren, Inländer-Jagdspringen, eine große Dressurprüfung, Hin­dernisfahren, Tamenreiten und Preishochsprung. Die Vor­führungen waren besonders anfangs durch starke Regen­güsse beeinträchtigt. Nach 5 Uhr begaben sich die Maje­stäten in Automobilen nach Berlin, um im Königlichen Schlosse für die Jübiläumstage Wohnung zu nehmen. Un­terwegs sah das Kaiserpaar zum ersten Male die Straße n- schmuckung, die, obgleich noch nicht ganz fertig, doch ein fast vollständiges, einheitliches Bild bietet, wie es von namhaften Künstlern geplant ist. Schon in C h a r l o 11 e n* bürg am Knie ragt eine monumentale Säule empor, an der Charlottenburger Brücke ein schöner Triumphbogen. In Berlin grüßte die Majestäten am Br a n b c n bn r g e r Tor ein Schmuck von Girlanden und Kränzen. Es folgte der Paris er Platz mit zwölf hohen, weißen Säulen, die von goldenen Viktorien gekrönt werden. Unter den Linden leuchteten die luftigen, in Rot und Gold gehal­tenen Türme, welche die Bogenlanrpen verkleiden und große, goldene Kaiser- und Königskronen tragen. Am Kaiser- Franz-Josefplatz bilden die Universität und das Opernhaus mit den davor aufgerichteten weißen Obelisken einen würdigen Abschluß Auch der Balkon des kaiser­lichen Palais weist reichen Blumenschmuck auf.

Die Feier in der hessischen Residenz.

(rb) Darmstadt, 13. Juni. Die Feier des 25 jühri - gen Regierungsjubiläums des Kaisers wird auch in Darmstadt durch eine große, von der Stadt ver­anstaltete Fe st lichke i t im städ tis chen Saalb au be­gangen werden, bei welcher Prof. Dr. A. E. Berger die Festrede Ijalten wird. Sämtliche Schulen haben an diesem Tage Feiertag unb die städtischen, wie die meisten Privat- bureaus werden am Jubiläumstage geschlossen sein.

Eine Feier in Wien.

Wien, 13. Juni. Zur Feier des 25jährigen Negierungs­jubiläums Kaiser Wilhelms versammelten sich Henle abend unter dem Ehrenvorsitz des deutschen Botschafters v. Tschirschk» die Mitglieder der deut schm Kolonie in Wien mit ihren österreichischen Freunden, etwa 5000 Personen, in einem Gartenlokal unweit Schönbrunn. Eine besondere Weihe erhielt das Fest durch die Amvesenheit des -Erzherzogs Franz Salvator, ferner nahmen an der Jubelfeier der bayerische (hesandte Freiherr v. Sacher, der sächsische Gesandte Graf Rex nebst Gemahlln, Graf und 'Gräfin Bercksthold, der italienische Botschafter verzog Avarna, der Cireole ?>talia, der rumänisch und schweizerisch Gesandte, die schweizerische Kolonie, MinisterpräsideM Stuergkh, und bte Mitglieder des Kabi­netts, Graf Paar mit zahlreichn Herren und Damen der Hof- gesellschft, Bürgermeister Weißlirchner mit den Stadt- und Ge­meinderäten und viele andere hervorragende Persönlichkeiten.

Aus Kaiser Friedrichs Leidenstagen

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Ueberhaupt hat den unglücklichen Fürsten

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empfinde.

Wie werde ich das alles wieder gut machen?" so schrieb er wohl einmal in tiefer Bewegung, und selbst ein Strahl seines alten Humores blitzte in solchen Augenblicken der Dankbarkeit

Das Festprogramm wurde eingeleitet durch einen von Josef £ctiff gedichteten und dem Hofschauspieler Reimers gesprochenen Prolog, nach dem lebende Bilder aus der -Geschiche der Hohen- zollern und Gesangsvotträge folgten. Während daS BildDer Dreibund" dargestellt wurde, hielt der Vizepräsidelck desNieder­wald", .Dr. iE u l c r, eine Festtedc.

Var Urteil imNieder-Modauer Genossenschastrprozeß.

(bs) Darmstadt, 14. Juni. Das Urteil im Nieder- Modauer Genossenschaftsprozeß wurde heute morgen gefällt.

Der Angeklagte Adam wird zu einer Zuchthaus­strafe von insgesamt öVs Jahren verurteilt und in eine Geldstrafe von 1500 Mk. genommen, die im Fatte der Un­einbringlichkeit in 100 Tage Zuchthaus umgewandelt wird. Ein Jahr wird ihm für die erlittene Untersuchungshaft angerechnet.

Der Angeklagte Isaak wird zu 1 Jahr 9 Mona­ten Zuchthaus verurteilt und erhält ebenfalls ein Jahr der Untersuchungshaft angcrechnet.

Der Angeklagte Beck wird zu einer Gefängnisstrafe - von 1 Jahr 3 Mouaten und in verschiedenen Fällen

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Besserung der serbisch-bulgarischen Beziehungen.

Sofia, 13. Juni. Der Serbi sche Demobilisie­rung s v o r s ch l a g findet hier eine g ü n st i g e Aufnahme. Kompetenten Otts wird erklärt, Bulgarien wolle zeigen, daß es friedliebend gesinnt sei, darum solle der Vorschlaq unter der Bedingung angenommen werden, daß die Serben einem provi- sorisck>en militärischen Kondominium aller von den ser­bischen Truppen besetzten auch außerhalb der strittigen Zone liegen­den Gebiete zustimmen. Das Kondominium würde bis w dem endgültigen Schiedsspruch des Kaisers Nikolaus in Kraft bleiben.

Belgrad, 13. Juni. Heute vormittag um 11 Uhr erfkrrten die Vertreter der Großmächte dem Ministerpräsi­denten, daß sich chre Regierungen ins Einvernehmen miteinander gesetzt hätten, um Serbien und Bulgarien den Wunsch aus - Andrücken, den zwischen den verbündeten Staaten bestvheirden Streit auf fttedlichem Wege zu regeln Und daß die beiden Staaten ,u diesem Zwecke zur Demobilisation schreiten möchten. Ministerpräsident Paschitsch gab darauf folgende Antworte Die königlich serbische Regierung hat in dem Wunsch, sich in allen die Verbündeten entzweienden Fragen friedlicher Mittel zu be­dienen, bereits der bulgattschen Regierung eine Note unterbreitet, in der sie die Hoffnung ausdrückt, daß sofort jede Konzentratton der bulgarischen Armee an der serbischen Grenze eingesteltt werde und den Vorschlag macht, daß auf beiden Seiten sofort zu gleicher Zeit der Effektivbestand der Heere um ein Viertel reduziert werde, was bei den Verbündeten in ganz Europa als erfter wirksamer Schritt und als Beweis ihres lÄttschlusses angesehen werde, die in Betracht kommenden Fragen auf friedlichem Wege zu regeln. Die Vertreter der Großmächte nahmen von dieser Erklärung Akt.

Belgrad, 13. Juni. DieTribuna" veröffentlicht ein unbestätigtes Gerücht, daß es bei W a 1 a n o w o zu einem blutigen v e r 1 u st r e i ch e n Kampfe zwischen serbischen und bulgarischen Truppen gekommen sei. Die Bulgaren seien gezwungen worden, die von ihnen besetzten Stellungen aufzugeben.

* Psarrpe dm Fürsten Jost Uanstclle zu Drti llndcnheiin Md de Ikllc z» Nieder daielbst gq. hoch zn ä! ytb dem Pfarrer, tzdigte evang. W übertragen.

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sein alter Humor bis in die letzten Tage hinein nicht ganz ticr- lassen. Er mutzte damals viel Eier essen, und wie er eines Tages im Parke sich von der warmen Sonne bescheinen ließ, geschah es, daß eine Henne unbemerkt durch den Gattenzaun schlüpfte und in der unmittelbarsten Nähe des Kaisers in den Blumenbetten hernmsvaziette. Der diensttuende Arz-t wollte sie verjagen, aber Kaiser Friedttch machte eine abivehrende Beweguns und schrieb auf den Rand der Zeittrng:Es ist eine meiner Nähr­mütter, gehen Sie zätter mit ihr um!" Als die Aerzte am 10. Juni den Kaiser darauf anfmett'sam machten, daß sein Zn1 stand eine besorgniserregende Wendung zu nehmen drohe, da antworttte er ihnen mit der einfachen Zeile auf einem Papier­streifen: ,-Es tut )nir sehr leid, daß es nicht besser mit mir gebt." So hat Kaiser Friedrich die TodeÄwtschaft entgegen» genommen ohne einen Laut der Klage: Theodor Fontane hat das wahrhaft Heroische in der Haltung des Kaisers während seiner Leidenszeit richtig empfunden. Jene kleinen Gedichte, in denen er den todkranken Kaiser bei seiner letzten Begegnung mit König Oskar und im Dopfkirchlein bei den Klängen des Chorales schildert, bilden das unvergängliche dichtettsche Denkmal dieser schweren und doch zugleich großen Tage.

Ein volles Vierteljahrhundert ist nun seit jenem Frühlingt.

Jahres 1888 dahingegangen, den feiner von denen je ver­gessen wird, die ihn mit erlebt haben. Es war die Zeit, da Kaiser Friedrich den schweren vergeblichen Kampf gegen die nwr- derische Krankheit fühtte, die ihn heimtückisch überfallen hatte. Nie, selbst in den glorreichen Zeiten des Nationalkrieges nicht, ist Kaiser Fttedttch voltstümlick;er gewesen, ist er inniger ge­liebt worden, als in jenen Leidenstagen. Schon damals drangen aus dem Krantenzimmer so manche Aeußerungen, die in den tiefen Adel dieser Fürstenseele einen tiefen Einblick gewähtten, und die Zahl dieser Aeußerrmgen hat sich setther durch Berichte von verschiedenen Seiten noch vermehrt. Geradezu erschütternd wirkt die Geduld, mit der der Fürst sein ungeheures Los er­trug. Und doch kannte er seinen Zustand vollkommen, war er sich der Tiefe seines UnglüdS voll bewußt.

.Einige Wochen vor fernem Tode sah er seinen ältesten und treuesten Diener, seinen Leibjäger Becker. Becker war seit langer Zeit schwerhörig und konnte darum nicht mehr^iin Dienste tätig sein. Als der Kaiser im Charlottenburger Schlosse den alten Getreuen wiedersah, da 'schrieb er ihm auf einem Blockblatte die Worte auf:Wir sind beide unglücklich. Du kannst nicht hören, ich kann nicht sprechen. Ich aber bin viel unglücklicher, als Du." Es tarnen Augenblicke, wo ihn die Wucht der Schick; alsschläge, die ihn trafen, fast zu erdrücken drohte. Wie sein treuer Fweund und Berater vom Schlachtfelde her, der von ihm eben zum Generalfeldmarschall ernannte Blumenthal, neben ihm saß, da schrieb er dem alten Kriegskameraden die Worte auf:Mein lieber Blumenthal, glauben Sie mir, es ist fast nickst mchr zu ertragen," und einem der Hvfprediger gab er seine innerste Mei­nung in diesen schlimmen Tagen durch die Worte zu erkennen: Btten Sie nickst für meine Genesung, beten Sie für meine Erlösung." Alle die großen Pläne, an denen er feit Jahrzehnten gearbeitet und gesonnen batte, sah er mm hoffnungslos in seiner Hand zerrinnen. Wie Professor 5)ans Delbrück bei einem Be­suche ihn an feine alten Dom- und Museumsban-Jdeen erinnerte, da röteten sich feine Augen unL>eimlich, und mit einem dem Besucher ins Herz schneidenden Blicke schtteb er auf das vor \ ihm liegende Papier:Tas ist, alles aus und norbei." Umso! bewund-ernswerter bleibt die Fassung, die Selbstbehertt'chung, die er sich bis zum äußersten bewährt hat. Jene sckstichten und doch großen Worte, die er seinem Sohne, dem jetzigen Kaiser, mlT» geschrieben hat :Lerne zu leiden, ohne zu klagen; es ist dies das einzige, was ich Dich lehren tmm" diese Worte sind dem deutschen Volke für immer ins Herz geschrieben. Dabei war der Kaiser von ttner geradezu rührenden Dankbarkeit für alle Liebesdienste, die man ihm erwies, und ganz besonders wußte er seiner unermüdlich mit innigster Liebe um ihn beschäftigten Ge­mahlin gar nicht genstg zu zeigen, wie tief er ihre Hingebung

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