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14.6.1913 Erstes Blatt
 
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B,atl löZ. Jahrgang . Samstag, VL Juni 1913

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Bas Kegierungs-Il

Gießen, 14. Juni.

Morgen, am 15. Juni, sind 25 Jahre verflossen, da Kaiser Friedrich III. nach 99 tägiger Regierung und unheil­barer Krankheit das Zeitliche segnete und bafr die Augen der ganzen Welt auf den 29 jährigen Hohenzollcrn gerichtet waren, der in tiefer Trauer des deutschen Volkes um zwei geliebte Herrscher und Mitbegründer des Reiches das Zep­ter ergriff. Bei der Rückschau aus dieses Vierteljahchundcrt erblicken wir buntbewegte Bilder, in deren Mitte in immer­währender Regsamkeit die Gestalt des Kaisers sichtbar wird; er war wirklich ein Führer seiner Zeit, und die mannigfach- sten Wendungen, nicht nur in der Politik, sind aus seinen Anregungen herzuleiten. War am Anfang sein Handeln, sein Geist mancherlei Mißdeutungen ausgesetzt, so sind wir ihm allmählich näher gekommen, und heute zweifelt wohl niemand mehr im Volke daran, daß Wilhelm II. voll Liebe für sein Volk, voll Pflichtgefühl und Arbeitsamkeit allezeit guten und edlen Zielen zugestrebt hat. Roch in den letzten Tagen hat er mit seinem Trinkspruch an der Hochzeitstafel im Berliner Schlosse einen lebendigen und alle Herzen er­wärmenden Beweis seines sympathischen Menschentums ge­geben, das uns manches unerfreuliche Stimmungswort gern vergessen läßt. Wohl waren , bei ihm abso­lutistische Neigungen unverkennbar, aber waren sie jemals, wie etwa bei Ludwig XIV., dem eigenen Genuß und Wohl­leben zugewandt, und muß nicht vielmehr der hohe Schwung seiner Seele, sein dem Kleinlichen und Irdischen entrückter Geist Bewunderung und Liebe erwecken? Gr hat dem neuen Reiche tatsächlich seinen Mittelpunkt erhalten, das Kaiser­tum in glanzvollem Ansehen. Immer sah man den leuchten­den Repräsentanten der Monarchie, dessen Auftreten Inter­esse und Begeisterung erweckte. Aus vollem Herzen dankt ihm heute das Volk für alles, was er ihm Gutes geschenkt hat!

Daß dem Kaiser manche ideale Hoffnungen seiner jünge­ren Jahre zerronnen sind, daran wird er sich heute mit Wehmut selbst erinnern. Er hat die Sozialdemokratie nicht beschwören und nicht niedcrringen können, so wenig wie cs ihm vergönnt war, die Völker zu verbrüdern und den Erb­feind zu versöhnen. Er hat das eiserne Szepter der Politik manchmal wie einen Taktstock erhoben und die Wirkung tem­peramentvollen Appclles oft überschätzt. Häufig wurde das Steuer jäh gedreht, uud so gab es Schwankungen in der Sozialpolitik, der Handelspolitik, der Behandlung der Ar­beiterfrage, der Polcnpolitik und besonders in dem Kurse der auswärtigen Geschäfte. Der Kaiser wechselte seine Rat­geber, und ist, da er mehr Gehorsam als Selbständigkeit ver­langte, oft au die Unrechten gekommen. Mit den Jahren, besonders seit 1908, wo das Volk ihn auf die Gefahren einer nicht auf Einheitlichkeit gestimmten Politik aufmerksam machte, übte er größere Zurückhaltung. Und wenn man einem so glänzend und vielseitig veranlagten Herrscher' eine Schattenseite seiner Persönlichkeit nachsagen wollte, so wäre es wohl das Uebermaß seiner Interessen, das die Einheitlichkeit, Folgerichtigkeit und Geschlossenheit staats­männischen Handelns gefährdet. Es war mitunter ver­stimmend, wenn byzantinische Lobredner, namentlich aus seinen Beamten- und Hofkreisen, sich an ihn herandrängten und ihn priesen als größten Techniker, Kunstkenner, Sol­daten usw. 9?uu, Kunst und Technik sind schließlich dochi iljre eigenen Wege gegangen, und es hat mannhafte Gene­rale gegeben, die es hoffentlich erwirkten, daß die Aeußer- lichkeiten im Heeresdienste zu Gunsten ernster Sachlichkeit zurücktraten. Es gibt aber eine Fülle von Gebieten, auf denen des Kaisers frische, impulsiv geäußerte Meinung »rohltucnd gewirkt und gute Früchte gezeitigt hat. Er hat die Freude des Volkes an seiner Wehrmacht lebendig er- Mtcn und dazu 'beigetragen, daß ein gesunder, moderner Deist in die staatlichen Einrichtungen einzog. Die Haupt- wbeitsfelder, auf denen er bahnbrechend vorangeschritten ist, werden durch die Worte Flotte und Schule be­zeichnet. Hier hat der Kaiser als unermüdlicher Anreger sich die größten Verdienste erworben. Moderner Geist, nationale Grundlagen in der Schule, die bisher im Gym­nasium die alleinseligmachende Stätte der Bildung und des Wissens gesehen hatte wir haben die im Sinne des Kaisers ungebahnten Neuerungen nicht zu bereuen gehabt. 'M in der Entwicklung unserer stolzen Seemacht, wie ist der Kaiser mahnend und aufrüttelnd vorangeschritten! welche Schwierigkeiten waren im Reichstage zu überwinden, dis das gesamte Volk allmählich mit dem Kaiser darin über- nrstimmtc, daß unsere ungeahnt vorwärts drängende wirt- ihaftliche Entwicklung die Suche nach neuen Absatzgebieten, <jo eine ausgedehntere Kolouiolpolitik, und zum Schutze

ulläum des Kaisers.

der Neuländer und des deutschen Welthandels eine große moderne Flotte bedinge! Und bei aller Lebendigkeit des Geistes und Temperaments, bei aller Zollernvorliebe für Heer und Flotte, welche Behutsamkeit doch in den Augen­blicken ernster Auseinandersetzung mit fremden Staaten, wenn drohend im Hintergründe die Schreckgestalt des Krie­ges erschien! So durfte ihm schließlich der anerkennende Titel eines Friedenskaisers beigelegt werden. Und wer wird es ihm je vergessen, daß er nach den bittersten Tagen seiner Regierung, als Reichstag, Bundesrat und Volk ihm den Wunsch nach größerer Zurückhaltung vorlegten, dem Neu- jahrsgottesdicnste die Worte unterlegte:Ich will Frieden haben mit meinem Volke." Mehr und mehr ist der Taten­drang des Herrschers, der einst an seine Märker das heiß­blütige Wort richtete, daß sie /ihrem Markgrafen folgen sollten durch dick und dünn, einer abseits von des Tages Hitze gelegenen Wettbetrachtung gewichen; er suchte der Lehrer und Erzieher des Volkes zu Religiosität und Vater­landsliebe zu werden, und aus seinen zahlreichen Reden kristallisiert sich uns der Kern seines Wollens und Den­kens. Er weilte gern im Glanze mittelalterlicher Roman­tik und Frömmigkeit, und nicht immer fanden seine welt­entlegenen Worte Anklang und Verständnis. Wohl aber sind auch diese Zeugnisse einer ungewöhnlichen Psyche der mitfühlenden Würdigung wert; zeigen sie uns doch, wie der Herrscher in allem Glanz und Prunk, von dem er sich gerne umgeben sieht, allezeit tief überzeugt ist von der Ver­gänglichkeit alles Irdischen.

Wenn das deutsche Volk heute die lange Regierungs- Periode des Kaisers überschaut, so darf es sich erheben an vielerlei großen Erfolgen und Fortschritten, es sollte sich aber nicht berauschen in einer Vergötterung, die auf eine hoch gestimmte Persönlichkeit, wie sie der Kaiser ist, nur' nachteilig einwirren kann. Es ist dankbar auzuerkennen, daß der Kaiser die Festlichkeiten feines Jubiläums sich in einem schlichten und einfachen Rahmen wünschte. So um­schließt ein einigendes Band den Herrscher und sein Volk, die der Vergangenheit ein freundliches Gedächtnis, der Zukunft neue, freudige Hoffnungen widmen.

2Ius dem Lebenslauf des Katars.

Kaiser Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 als erster Sohn des damaligen Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen und der welsisch-englischen Königstochter Viktoria geboren, und niemand ahnte damals, daß der muntere Knabe, der durch das Ungeschick eines englischen Arztes seit seiner Geburt den freien Gebrauch des linken Armes eingebüßt hatte, einmal den deutschen Kaiserthron besteigen werde. Durch den Einsluß der Mutter, die ihrem Hauswesen ein durchaus englisches Gepräge gab, lebte ich der Knabe eher in englische Sprache und Sitte ein, als ihm deutsches Wesen vertraut ward. Auch dem alten Kaiser ge­lang es nicht immer, seinen Willen bei der Erziehung des Prinzen durchzusctzen, und eine Aenderung trat erst ein, als dem Scckzsjährigen ein militärischer Erzieher beigegeben ward und int folgenden Jahre Dr. Hinzpeter die geistige Ausbildung des jungen Hohenzollern übernahm. Immerhin setzte es die Mutter gegen den Willen Wilhelms I. durch, daß entgegen der preußischen Ueberlieferungdem Interesse für das bürgerliche Leben der Vorrang vor dem militärischen" gegeben wurde

Die Erziehung war keineswegs leicht, denn aus Hiuzptters Bericht wissen wir, daß die Bekämpfung des Mangels an Kon­zentrationsfähigkeit die wichtigste und schwierigste Ausgabe des Lehrers war, die durch die spröde, allem äußeren Druck und der Zucht des Denkens widerstrebende Natur des Zöglings noch wesentlich crschn>ert wurde. Erst als das erwachte Bewußtsein den eigenen Willen zum Beistand herbeiführte, wurden diese Schwierigkeiten behoben, und dann sogar sehr rasch. Dem Wunsche einer Eltern entsprechend bezog er nach der am 1. Sept. 1874 erfolgten Einsegnung das Gymnasium zu Kassel, während sein Bruder Heinrich die dortige Realschule besuchte, und erwarb sich am 25. Januar 1877 das Reifezeugnis mit der Gesamtnote ge­nügend. Gleichzeitig erhielt er eine von den drei Gedenkmünzen, die einer Stiftung zufolge an die drei fleißigsten Schüler ver­teilt wurden. Für diese Auszeichnung dankte er dem Direktor Dr. Vogt mit den Worten:Ich weiß, daß ich sie verdient habe; ich habe redlich getan, lvas in meinen Kräften stand." Zwei Tage später wurde er für mündig erklärt und in die Ritterschaft des Schwarzen Adlerordens eingesührl. Von Fe­bruar bis Oktober wurde er im 1. Garde-Regiment zu Fuß in den Heeresdienst eingeführt und widmete sich darnach vier Se­mester lang dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bonn, hörte aber auch philosophische, kunst- unb literaturgeschichtliche, historische und naturwissenschaftliche Vor­lesungen. Aus dem fröhlichen Studentenleben schreckte ihn der Tod der geliebten Tante, der Großherzogin Alice von Hessen und der seines kleinern, von ihm abgöttisch geliebten Bruders Waldemar, während ihn bald danach die Anschläge auf das Leben seines Großvaters tief erschütterten.

1879 verließ er die Universität und trat wieder in das £>cer, und der alte Kaiser wachte eifrig darüber, daß ihm im Dienste nichts geschenkt wurde. Am 27. Februar 1881 ver­mählte er sich mit Auguste Viktoria, der ältesten Tochter des ein Jahr vorher gestorbenen Herzogs Friedrich von Schles­wig-Holstein-Augustenburg, der durch die Einverleibung der Elb- herzogtümer seiner Erbfolge verlustig gegangen war. Durch die Vermählung wurde nach Bismarcks Worteinem konfliktreichen Drama der freudige Schlußakt" hinzugefügt. Dem Bunde sind int Laufe der Jahre 6 Knaben und ein Mädchen entsprossen.

Die militärische Laufbahn wurde zeitweise durch Reisen und feine Einführung in den Zivildienst unterbrochen; in der hohen

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

Politik war Bismarck sein Lehrer, aber seine Haupttätigkeit war die bei der Truppe. T-er alte Kaiser hielt auf strenge Zucht ' und hatte es mit der Beförderung seines Enkels nicht im ge­ringsten eilig. In einem Alter von 26 Jahren, wo sein Vater sckwn Brigade-General war, wurde er erst zum Obersten beför­dert, indem er ihm das Garde-Husaren-Regiment unterstellte. Am 27. Januar 1888 wurde er Generalmajor und Kommandeur der zweiten Garde-Jnfanterie-Brigadc.

Im selben Jahre wurde der junge Prinz rasch nacheinander Kronprinz und Kaiser, nachdem sein Großvater am 9. März gestorben war und sein Vater am 15. Juni nach Ed. Hcyks Wort das Opfer eines mehr von politischer Quacksalberei als von ärztlichen 92otn*itbigtcitcn geleiteten Heilpfuschers" geworden war.

lieber den neuen Kaiser wußte man nichts Gewisses, und man sah mit Bangen einer Zeit kriegerischen Waffenlärmes ent­gegen. Aber die Erlasse an Armee und Marine, die Ansprache an sein Volk atmeten einen ganz anderen Geist, und bei'der Eröffnung des Reichstages verzichtete die Thronrede ausdrücklich auf neuen Kriegruhm. Dagegen zeigte die Besuchssahrt bet dem Zaren und den skandinavischen Königshäusern im Juli und August 1888 des neuen Kaisers Prunkliebe. Die Besuche bei den süddeutschen Fürsten, dem Kaiser Franz Joseph und dem König Humbert schlossen sich an, und auch dem Papste Leo XIII. stattete er einen Besuch ab. Wie bei den Gastmählern in den. kTÜrstenschlössem, so bekundete Wilhelm II. auch weiterhin bei allen Anlässen eine temperamentvolle Beredsamkeit, die sich nicht immer in den Grenzen diplomatischer Erwägungen hielt, aber durch sie und durch seine Reisen belebte er den Einheitsgedanken im nnen Reich und die Kaiseridee. Durch eine vege Tätigkeit auf allen Gebieten zeigte er sich als eine rastlose, strebsame Natur, indem er zunächst eine Neuorganisation der obersten Marinebehörden vornahm, neue Ererzierreglements erließ und sich namentlich der sozialen Frage nüdmete, wegen deren Durchführung er sich mit Bismarck entzweite.

Am 5. März 1890 hatte er beim Festmahl des Brandenburgi­schen Provinziallandtags eine Rede gehalten, in der er als feine vornehmste Sorge"das Wohl der unteren Klassen" bezeichnete. Diejenigen aber, welche sich mir entgegenstellen, zerschmettere ich". Am 20. März wurde Bismarck aus allen Aemtem entlassen. Nun strömte das Volk zu dem Alten im Sachsenwald und Wilhelm II. stand abseits. Aber das Vertrauen zu ihm geriet noch mehr ins Wanken, als Caprivis erste Maßnahmen, die Durchführung freihändlerischer Gedanken und demgemäß der Abschluß neuer Handelsverträge eine völlige Abkehr von der Bis- rnarckscheu Tradition bedeuteten und die Entrüstung wuchs, ckls durch den Sansibarvertrag die wertvollstei,. dentschen Kolonien gegen Helgoland ausgetauscht wurden. Durch die hier­aus folgende Enffremdung Rußlands und durch die Polenpolitik Caprivis kam noch mehr Verwirrung in die Reihen der Reichs- Parteien und es entstand eine Opposition, die sich endlich im Bund der Landwirte sammelte. Die Erhöhung der Friedx.-".§llärke be­dingte die Einfübrnng der zweijährigen Dienstzeit, obschon Ms- marck, mit dem sich der Kaiser wenigstens äußerlich wieder ans- gesöhnt batte, seine warnende Stimme erhob, (ffn Aufatmen ging durch das Reich, als er am 80. Geburtstag des eisernen Kanzlers ihm in herzlicher Freundschaft die Hand bot.

Erfolgreicher war Wilhelm II. in der Reform des Schulwesens, auf die wir weiter unten ausführlich zu sprechen kommen, und ein Aufatmen ging durch das Reich, als er am 80. Geburtstag des eisernen Kanzlers ihm in herzlicher Freundschaft die Hand 6oL

Der Kaiser und die Flotte.

Mehr als jede andere Einrichtung des Reiches hat die deutsche Flotte dem Kaiser zu danken. Mit Recht schreibt dieMarine-Rundschau", die Zeiffchrift des Reichsmarine­amts:

Nicht unbewußt, sondern llarsehenden kluges hat Kaiser Wilhelm II. uns vor solchem Stillstände bewahrt und dem gegenwärtigen Geschlecht eine Aufgabe gestellt, eine Auf­gabe nicht etwa rein materieller Art nur, sondern eine, die innere Kraft und geistiges Können in Anspruch nimmt. So ist er wahrhaft der Führer des Volkes geworden. Groß ist auch die Zeit, die uns noch Vorbehalten ist. Die Aufgaben, die dem Großen Kaiser gestellt waren, sind erfüllt"auch unserer Zeiten harren Aufgaben." Ter Große Kaiser mit seinen großen Mithelfern hat die Basis gelegt, den Grundstein zum Gebäude; an uns ist )cr Ausbau? Darum bin ich der Ansicht und der festen Ueberzeugung, daß auch uns eine große Zukunft bevor­steht, wenn wir nur fest dazu entschlossen sind, sie dazu zu machen." (Aus der Kaiserrede vom 20. Juni 1903.)

Man hat oft darauf hingewiesen, wie offenbar das Interesse, das der Kaiser von jeher dem Seewesen cnt- gegengebracht hat, seinem innersten Wesen entstammt. Um* lebuug und Erziehung der Iugendjahre werden ihn in dieser Richtung kaum wesentlich beeinflußt haben; die Lösung der großen festländischen Fragen, die Aufgaben der in­neren Festigung des Reiches standen noch ganz im Vorder­gründe, als seine Aufmerksamkeit sich zuerst den öffent­lichen Angelegenheiten zuwandte. Eindrücke, die er früh­zeitig in England empfing, mögen dann auf ihn eingewirkt und angeborene Neigungen bestärkt haben. Auch mag von )cm unermüdlichen Mahnen und Hoffen des ersten preu. fischen Prinzadmirals, Adalbert von Preußen, manches hm zu Ohren und Herzen gedrungen sein. Aber die Liebe ür die See, das Verständnis für alles, was damit zu- 'ammenhängt, wurzelte ihm doch von jeher tief im Charakter selbst. Aus weitere Kreise zu übertragen, was ihm selbst so viel bedeutete, war ihm zunächst wohl ein rein mensch­licher Wunsch; er wurde ihm dann zur geschichtlichen Mis- ion. Mit hoher Genugtuung kann er sich heute sagen, daß er sie erfaßt und damit das Wichtigste getan hat, was ür bie Schaffung der deutschen Seemacht geschehen mußte. In den Köpfen von Millionen Deutschen leben jetzt die Vorstellungen, mit denen der Herrscher vor 25 Jahren fast einsam stand, denn als ein einsamer Kämpfer hat unser Kaiser das Ringen um die Flotte begonnen.

Schon die Tatsache allein, daß der Monarch den mari­timen Fragen sein besonderes Augenmerk zuwandte, hätte ohne Zweifel befruchtend gewirkt. Denn das Beispiel, und vor allem das Beispiel vom Thron her gegeben, bleibt ein