Ausgabe 
13.10.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfastl 10 Seilen.

W. Kropp.

Beifall überschüttete.

das mit

In diesem Zeitbild der modernen Degeneration, das uns die Zersplitterung und Vermorschung der in einem der großenKapi­täne der Industrie" konzentrierten Willenskräfte bei seinen Kindern zeigt, hat Eulenburg ein dichterisches, wenn auch der Stoff ver­hindert das schon kein dramatisches Gemälde geschaffen, das mit seinen wundervoll kontrastierten und durch den Kontrast ein­ander ergänzenden originellen Charakteren und dem farbigen Glanz seiner anschaulichen Sprache eine Schöpfung von einzigem, wehmütig schönem Zauber darstellt und den Eindruck tiefster, un­entrinnbarer Tragik hinterläßt, wie ihn vor ihm wohl noch niemand mit einem so aktuellen Thema zu erzielen vermocht hat. Da die Hauptrollen ausgezeichnet vertreten waren und die Regie (Direktor Wiegand) Stil und Stimmung des Werkes in Spiel wie Bühnen­bild mit feinstem Verständnis festzuhalten gewußt hatte, so fand

Theaters einverleiben läßt. Denn um zn der Einheit, wie die Duncan-Schule Musik und Tanz verband, zu kommen, bedarf es wohl langer Zeit, unendlicher Geduld und eines ausgeprägten Formensinns.

In den Damen Jacobs und Feiftle sowie in Herrn Glo- berger fand die Schule treffliche Vertreter der Gesangspartien. Direktor Max Merz von der Duncan-Schule leitete die Auf­führung selbst und erwies sich als sicherer Führer des Diri- gentcnstabcs.

Das Theater war nahezu ausverkauft. Neben dem Groß- herzogspaar und dem Prinzen Heinrich von Preußen folgte auch der Förderer der Duncan-Schule, der Maler Hans Thoma, den Tänzen mit gespannter Aufmerksamkeit.

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Erich Schmidts Lehrstuhl und die Fakultät. Ueber die Schwierigkeiten, denen die Wiederbesetzung des Lehr­stuhls für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Berliner Uni­versität begegnet, wird dem B. T. aus akademischen Kreisen ge­schrieben: Als Wilhelm Scherer starb, hinterließ er ausgezeichnete Schüler, die seinen Stempel sehr deutlich empsangcn hatten: die Wahl fiel wie von selbst auf seinen .Hauptschüler: wäre Erich Schmidt nicht dagewesen, so hätte man Minor gehabt und manchee- lei andere, die seitdem eigene, zum Teil auch eigentümliche Wege gegangen sind. Erich Schmidt drückte nicht mit solchem Stempeln er war eine freiere und freiheitlichere Persönlichkeit was für die Schüler mehr angenehm als vorteilhaft zu nennen ist. Dazu kam, daß in den letzten Jahrzehnten die Sonderung älterer und neuerer deutscher Philosophie stark um sich griff und nicht günstig wirkte: den Vertretern des älteren Gebiets fehlte so immer mehr der Zusammenhang mit dem Leben, den sie zum Teil durch Betrieb der Volkskunde mühsam wieder zu gewinnen trachteten: noch mehr kam den Vertretern des neueren Gebiets die wissen­schaftliche Tiefe abhanden. Deshalb sah sich die Fakultät nach Erich Schmidts Hinscheiden in sehr schwieriger Lage. Gewöhnt und durch viele Gründe gezwungen, ihre Wahl auf die schon er» probten Ordinarien des Faches zu beschränken, verwies sic auf Professor Köster in Leipzig, der, obwohl vorwiegend auf neuerem, so doch auch auf älterem Gebiete .gearbeitet hat: er war aber nicht zu gewinnen. Statt -dann einen nicht ganz entsprechen­den Ordinarius zu berufen, zog sie es vor, zu warten und in­zwischen einen vielversprechenden Privatdozenten als Extraordi­narius heranzuzielien und ihm eine Entwicklungsprobe zu gönnen: so entstand die Berufung des Dr. Schneider als außerordentlichen Professors, rootiet es allerdings fraglich bleibt, wie die itudic- rciiden Frauen hier zu ihrem vollen Rechte kommen werden. Andere als rein sachliche Motive lagen und liegen der Fakultät völlig fern.

Deutsches Reich.

Der Kaiser gedenkt am heutigen Montag eine Reise nach Trier, Lieser^, Gerolstein, Bonn und Leipzig anzutreten.

Ein Denkmal in Sachsen.

In Dresden fand am Sonntag mittag in Gegen­wart des Königs, des Prinzen Johann Georg, der Prin­zessin Mathilde sowie der Spitzen der Zivil- und Militär­behörden die feierliche Enthüllung des Denkmals statt, das den in den U e b e r s e e k ä m p fen gefallenen Soldaten der sächsischen Armee errichtet worden ist. Oberbürgermeister Beutler übernahm das Denkmal namens der Stadt.

Die Reichstagsersatzwahl in Dresden.

Bei der Reichstagsersatzwahl im 4. sächsischen Reichstagswahl-» kreis D r e s d e n - N e u st a d t erhielten, wie wir schon meldeten, Dr. Hartmann (Kons.) 14 190, Dr. Klöppel (Fortschrittliche

Die Einberufung des serbischen Parlaments.

Belgrad, 11. Okt. Das Amtsblatt veröffentlicht einen E r l a ß d e s K ö n i g s, wodurch die S k u p s ch t i na für den 14. Oktober zur ordentlichen .Herbstsession emberufen wird, Wie verlautet, wird der König am 17. Oktober die Session mit einer Thronrede eröffnen.

Ein jungtürkischer Kongreß.

K o n st a n t i n o p c l, 12. Okt. Gestern hielt der j u n g- türkische Kongreß seine Schlußsitzung ab, um gemäß dem neuen Statut das Zentralbureau der Hauptversamm- lung zu wählen. Der Großwesir wurde einstimmig zum Führer der ParteiEinheit und Fortschritt" gewählt.

Enver Bey erkrankt.

Konstantinopel, 11. Okt. Enver Bey ist er­krankt. Der Sultan beauftragte seinen Leibarzt, Enver Bey zu behaudcln.

Eine Proklamation des Königs der Hellenen.

Saloniki, 12.Okt. König Konstantin nahm' ge­stern auf dem Marsfeldc die Truppenschau ab. Er ver­las dabei solgende Proklamation:

Offiziere! Unteroffiziere! Soldaten! Ein Jahr ist verflossen, seit ihr zu den Waffen gerufen wurdet, nm die Rechte und die Ehre Griechenlands zu verteidigen. Während dieses Jahres habt ihr in einem kurzen Zeiträume die Grenzen des hellenischen Staates in einem Maße erweitert, das alle Hoffnungen übersttegen hat. Auf'dem Altar des Vaterlandes habt ihr alles geopfert, Euer Leben, Euren Besitz, Eure Gesundheit. Nach so vielen Ge­fahren, Mühen und Leiden könntet ihr jetzt mit vollem Recht aus­ruhen. Aber ich bedarf Eurer noch, um das zu sichern, was ihr mit so vielen Opfern erworben habt. Ihr werdet mich wohl verstehen, meine Waffengeuossen. Deshalb bleibt ihr, trotz der großen Sehnsucht, die heimatlichen Stätten wiederzusehen, die sielen treuen und unerschütterlichen Wächter Eures Königs und Eures Vaterlandes. Ich freue mich, wieder inmitten einer solchen Arme« weilen zu können.

Der König war Gegenstand begeisterter Kundgebungen. Heute begibt er sich in das Innere des Landes.

Nach der Parade der elften Division richtete der K ö n i g an die Offiziere folgende Ansprache:

,^Jch vertraue auf den Eifer und die Tapferkeit, die Sie int Laufe der beiden Kriege bewiesen haben. Dank Ihnen wurden wir Herren der Lage auf dem Balkan. Ich hoffe, daß wir die Herrschaft auch in Zukunft dauernd bewahren. Ich bin über­zeugt, daß Sie bereit sein werden, die bisher so heldenmütig be­wiesenen überlegenen Eigenschaften, falls es notwendig sein sollte- wieder zur Geltung zu bringen."

Tageskalenver aus dem Jahre 1813.

13. Oktober. Das Lützowsche Korps und die Kosaken unter General Fettenborn nehmen die Vorstadt von Bre­men ein.

die Novität die gespannteste Anteilnahme des vollbesetzten Hauses, zum Schluß den anwesenden Autor wiederholt hcrausrief und

Herbert Eulenburgs neuestes Dramac

Ans Bremen, 9. Oktober, wird uns geschrieben:

Herbert Eulenbergs vieraktiges DramaZeit- Wend c" das heute int BremerSchauspielhausam Oster - for seine Uraufführung erlebte, zeigt uns den Dichter romanti­scher Seelcnkonflikte von einer ganz neuen Seite. Nicht zwar, als vb sie in diesem Drama ganz fehlten; ja der Zwiespalt, der sich zwischen einem ungleichen Ehepaar auftut, bildet sogar den Aus­klang des Werkes. Aber das eigentlich den Vordergrund beherr­schende Problem bildet dock) eben das der unüberbrückbaren Kluft, die jedeZeitwende" zwischen zwei einander folgenden Geschlech- tern reißt Eulenberg hat seine Modelle in unserer Zeit selbst ge­sucht und die typischen Musterexemplare unter ihnen zu einer Fa­milie verbunden, die sich um den Vater des Hauses, den schon dem Grabe entgegensinkeirden Repräsentanten der alten Zeit, grup­piert.

Der alte Cornelius ist als Fabrikant durck) praktische Jutelli- aenz und rücksichtslose Energie in die Höhe gekommen. Aber es tst als hätte sich in ihm das Mark de6 Stammes erschöpft. Mtt ohnmächtigem Grimm muß er zusehen, wie sein klügster Sohn, Sebald sich in pantheistischen Kinderträumen eines tatlosen Genies verliert indessen der andere, Lorenz, mit seiner allzu dünnen Haut, vor den Pfeilen und Schleudern des wütenden Geschicks sich hinter die eiserne Maske eines eingebildeten Kranken flüchtet, und seine jüngsten Tochter Gerte einem Abenteurer ins Netz geht, ohne daß er noch imstande wäre, diesen zu entlarven, so sehr er seine wahre mntur ai)nt Seine ältere Tochter Barbara aber hat einen Mann aefeiratet !der allein Instand ilt, das Unternehmen ihres Vaters auf seinen harten Schultern weiterzuschleppen. Grade darum aber, und weil er mit seinen neuen Methoden mehr noch erreicht als der Schwiegervater selbst i- getonnt, hasst ihn dieser am meisten Denn die einzige weiche Stelle in ,einem stählernen Gemüt ift fein «nntifieitfinnWeißt du," sagt er zu seiner Tochter,daß es nur Ln7e nicht so schrecklich ist zu denken, daß die Würmer bald in mHrrem Leibe bermnkriechen werden, als da); jemals fremde Leute durch mein Haus laufen könnten?" Aber bet alledem i)t es noch ein Glück für ihn, daß er stirbt, ohne den völligen Zusammenbruch dieses Hauses gesehen zu haben. Denn auch Barbara ift (lange vor tret Verlobung ihrer Schwester) deren jetzigem Bräutigam zum Opfer gefallen, weil sie in der Che mit dem nüchternen Arbetts- menschen kein Genüge fand; als sie jetzt schaudernd dessen nackten Egoismus erkennt und durch ein reuiges Bekenntnis den Weg zu ihrem Manne zurückzufinden sucht, weist dieser sie zurück, denn sein ftnrrrr Ehrbegriff kann über das Geschehene nicht hlntveg; er treibt ihn vielmehr,' der Braut alles zu enthüllen, die sich in ihrer Ver­zweiflung selbst den Tod gibt.

Darmstädter Hoftheater.

Echo und Narziß" von Gluck.

Die Duncan-Schule veranstaltete am Samstag im Hoftheater eine interessante Aufführung der kleinen Gluckschen OperEcho und Narziß", die von ihrem Schöpfer als Ballett gedacht war. Das Werk, das mit der Darmstädter Aufführung seine E r st a u f f ü h - rung inDeutschland überhaupt erlebte, hat seinen Stoff der griechischen Mythologie entnommen. Echo, die ewig Liebende und ewig Einsame klagt ihren Schwestern, den Elfen, ihr trauriges Los. Sie ist dazu verdammt, einsam in Wäldern und Bergen zu leben. Narziß erscheint und betrachtet sein Bild im Bach. Er verliebt sich in sein eigenes Gesicht. Ihn bestimmen die Götter Kum Geiwssen der einsamen Echo. Er wird in eine Blume verwandelt. Narziß, Echo und Amor, Elfen und Faune werden nur von tanzenden Mädchen dargestellt, während die Gesangsstimmen aus deut Or­chesterraum kommen. Die Duncan-Schule l>at mit dieser Aufführung keine leichte Aufgabe gewagt. Mit ihren rhythmischen Tänzen, mit ihren Neigen hat sie mehr als l1/2 Stunden lang nach immer neuen sichtbaren Ausdrucksformen der Musik zu suchen. Wenn ihr dies gelang, so hat sie damit den Beweis einer außerordentlichen Könner­schaft erbracht. Die Musik Glucks bewegt sich in diesem Werk in einfachen Linien. Der große Melodienreichtum unterstützt die panto­mimische Handlung auf der Bühne. Merdings ist auch der gute Wille des Hörers nötig, um die künstlerische Einheit von Musik und Tanz zu glauben.

Es ist ein großes Verdienst der Bearbeiter (Elizabeth und Augustin Duncan und Max Merz) dieses säst vergessene kleine Werk hervorgeholt zu haben. Freilich handelt es sich hier nicht um eine Oper, die sich ohne weiteres dem Spielplan eines

nm so weniger Raum läßt, als ja auch der Prinz äls .Herzog von Braunschweig den Eid auf die Reichsverfaffung leisten muß, in deren Einleitung es heißt, daß die deutschen Fürsten einen ewigen Bund schließen zum Schutze des Bundes­gebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes." Aber einmal muß man der Verwunderung darüber Aus­druck geben, daß die erneute Erklärung des Prinzen nicht in ihrem Wortlaut, sondern in einer offfziösen Umschreibung bekanntgegeben ist, während doch hier schon eine einzelne Wortverschiebung den Sinn verändern kann. Und zweitens bleibt nach wie vor die Tatsache bestehen, daß das Haupt­wort, nämlich das Wort Hannover, auch in dieser zweiten Erklärung nicht enthalten ist. Ganz abgesehen also davon, daß die Versicherungen des Prinzen nur für seing Person gelten, nicht aber für seine Erben, geschweige denn, wenn solche nicht da sein sollten, für die anders weitigen Agnaten, wird mit all diesen Erklärungen und Versicherungen gerade das nicht erreicht, was erreicht werden sollte, nämlich der Eindruck auf die Welfen- p art ei, die zwar in den letzten Wochen eine bemerkens­werte, sehr diplomatische Zurückhaltung zeigt, deren ver­klausulierte Erklärungen aber erkennen lassen, daß sie nicht daran denkt, die Streitaxt und ihre Endziele zu begraben.

Das scheint uns aber der springende Punkt zu sein, und wenn der vierte Reichskanzler Fürst Bülow am 1. Mai 1907 int Reichstage erklärte,daß mit dem Einzug des Hauses Cumberland in Braunschweig die welfische Agita­tion in Hannover einen festen Stützpunkt erlangen würde, wenn dagegen nicht rückhaltlose Zusicherungen und aus­reichende Bürgschaften geboten werden, ist ohne weiteres klar", so dürfte int Reichstage an den fünften Reichs­kanzler Herrn v. Bethmann Hollweg von verschiedenen Seiten die ernste Frage gerichtet werden, ob denn nach seiner Meinung diese rückhaltlosen Zusicherun­gen und ausreichenden Bürgschaften wirklich geboten worden sind? 'Aber freilich, die Frage wird voraus­sichtlich zu spät kommen, denn die braunschweigische Thron­folgefrage dürfte allem Anschein nach gelöst werden, bevor der deutsche Reichstag oder gar das preußische Abgeord­netenhaus zusammentreten. 'Sie Antwort auf jene ernste Frage wird dem verantwortlichen Staatsmann freilich nicht erspart bleiben, und die Verantwortung, die er dabei der öffentlichen Meinung gegenüber trägt, ist wahrlich nicht gering. ____________________________________________

Lin neues Vordringen der Albaner.

V a l o n a, 12. Okt. Sicheren Nachrichten zufolge, fan­den zwischen Ipek und Dschakowä zwischen Montene­grinern, Serben und Albanen Kämpfe statt, bei denen die Montenegriner und Serben geschlagen wurden. Die Albanen besetzten Batuscha, einen wichtigen Punkt an der Verbindungslinie Jpek-Dschakowa.

C et in je, 12. Okt. An amtlicher Stelle eingegangene Meldungen berichteu, daß die Albaner gestern unversehens mit überlegenen Kräften die ganze montenegrini­sche Front von Gustinje bis Dschakowa ange­griffen haben. Es haben sich heftige Kämpfe ent­wickelt, die noch andauern. Tie Montenegriner erhal­ten beträchtliche Verstärkungen. Man hält die Angrei­fer für Leute aus Issa Boljetinatz, des Bayram Zur und des Riza Begs, die von den Serben bei Prizrend und Ochrida auseinandergesprengt worden waren.

Ausreichende Bürgschaften?

Die Unzahl der Gerüchte, die in Sachen der braun- sch w ei g i s chan Thr o nf o lg es r ag e verbreitet werden, sind, wie wenig auch davon zutreffen mag, jedenfalls ein untrügliches Zeichen der leidenschaftlichen Anteilnahme, chelche die öffentliche Meinung an der Regelung dieser Frage nimmt. Der Meldung eines Braunschweiger Blattes, daß von 'braunschweigischer Seite ein Antrag auf Aushebung des Bundesratsbeschlusses vom 28. Februar 1907 eingebracht worden und daß als Zeitpunkt für den Einzug des herzog­lichen Paares in Braunschweig bereits der 5. November in Aussicht genommen sei, ist alsbald amtlich widersprochen worden. Die Meldung klang auch schon deshalb unwahr­scheinlich, weil ein solcher Antrag zweifellos von preußischer Seite ausgehen wird oder wohl ausgegangen ist, denn der bereits vor einigen Tagen verbreiteten Meldung, daß ein diesbezüglicher Antrag von preußischer Seite im Bundes­rat eingebracht worden sei, ist bisher kein Dementi entgegen» ges-etzt worden. Als unzutreffend wird dagegen weiter von öffenbar amtlich beeinflußter Seite die Meldung eines Ber­liner Blattes 'bezeichnet, wonach Prinz Ernst August dem Kaiser gegenüber eine neue Erklärung abgegeben habe, auf Grund deren nunmehr die endgültige Regelung der Thronsolgefrage erfolgen solle. Vielmehr wird betont, daß die bisherigen Erklärungen des Prinzen alsaus­reichende Bur gf d) af i cn" angesehen würden, und daß der Bundesrat sick) auf dieser Grundlage mit der Frage beschäftigen werde, ob der bekannte Beschluß vom 28. Fe­bruar 1907, der den ausdrücklichen Verzicht aller Mitglieder des Hauses Cumberland aus alle in bezug auf das ehemalige Königreich Hannover geltend gemachten Ansprüche zur Vor­bedingung für die Thronbesteigung in Braunschweig mack)t, nunmehr aufzuhe'ben fei.

Die von dem Prinzen Ernst August abgegebenen Er­klärungen, welche solche ausreichenden Bürgschaften dar­stellen sollen, sind enthalten in dem ©d)reiben an den Reichs­kanzler vom 20. April und in dein dieser Tage hierzu von feiten der preußischen Regierung veröffentlichten Kommen­tar.. In jenem Schreiben an den Reichskanzler betonte der Prinz bekanntlich, daß in seinem', dem Kaiser und Könige geleisteten Treueide das Versprechen liege,daß ich nid)ts tun und unterstützen werde, was darauf gerichtet ist, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu verändern." Da hier­gegen eingewendet worden war, daß dieser Eid den Prinzen nur binde, solange er preußischer Offizier sei, wird in oer von der preußischen Negierung verbreitetenauthentischen Interpretation" betont, der Prinz habe erklärt,daß dieses Versprechen für ihn and) in Geltung bleibe, sobald er deut­scher Bund es fürst geworden sei, da es eine Verpflichtung enthalte, die sid) für einen deutschen Bundessürsten von selbst ergebe, und daß er sid) daher an sein Versprechen für immer gebunden fühle."

Man wird zugeben müssen, daß diese Erklärung, soweit sie die Person'des Prinzen betrifft, Mißdeutungen

Nr. 240 Erstes Blatt 165. Zahrgang Montag, 13. Moder M3

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