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Zweites Blatt
165. Jahrgang
CifdjthU täglich mti Ausnahme de? Sonntag?.
Die „Gießener Familienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Did „Landwirtschaftlichen 5eib fragen" erscheinen monatlich zioennal.
Gießener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Sberheffen
Samstag, 12. Juli 19(3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Buch» unb Steindruckcrei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: eo&l. Redaktion:^^ 112. Tel>Adr.:AnzeigerGießen.
Die personalstärken Ser gröberen Kriegsmarinen.
Ebenso wie her Schiffsbestand, ist auch das Personal Wi. etilen M-a rinen im Anwachsen begriffen, ob- Igl^rchc-'die Zahlen hier gegenüber den in die L>underttausende üird-MMonen gehenden der Armeen verhältnismäßig noch Nein aussehen. Die einzige Marine, deren Personalbestand eine sechsstellige Zahl- aufzuweisen hat, ist die englische; sie zählt nach dem Etat für das laufende Jahr 146 000 Köpße und hat damit genau dieselbe Stärke erreicht, über die sie vor 100 Jahren, toäfyrenb der letzten Periode der Napoleonischen Kriege verfügte. In der Zwischenzeit war sie einmal schon bis auf 19 000 Mann heruntergegangen. iGenau halb so stark wie das englische ist das deutsche Mä- rinepersonal, das zurzeit 73 000 Köpfe zählt. Deutschland dicht auf den Fersen folgen an dritter Stelle die Vereinigten Staaten mit 72500 Köpfen; Frankreich nimmt mit 64 500 Köpfen die vierte Stelle ein; dann folgen Rußland mit 153600, Japan mit 50 000, Italien mit 37 500 und Oesterreich- vnyflrn mit 19 000 Köpfen. Zum Vergleiche sei erwähnt, daß an der Spitze der kleineren Marinen die niederländische mit 11’000 Köpfen steht.
Besonders im letzten Jahre ist überall eine bemerkenswerte »Vermehrung des Personals eingetreten; diese beträgt gegen den Bestand des Jahres 1912 für England 10000, D^iHchland 8500, die Vereinigten Staaten 6000, Italien 4000, Frankreich und Rußland je 2500, Japan 2000 und Oesterreich-Ungarn 1000 Köpfe.
Im allgemeinen entsprechen die Zahlen für das Personal dem vorhandeiten Schiffsbestand der einzelnen Marinen ; nur Rußland fällt etwas aus diesem Rahmen heraus bttrd) sein verhältnismäßig starkes Personal. Wenn auch der bisherige Höchstbestand von 71000 Köpfen (1905) noch nicht wieder erreicht ist, sv ist andererseits seit dem Russisch- Japanischen Kriege auch keine bemerkenswerte Verstärkung des Schiffsmaterials eingetreten, und in Rußland kommt daher schon auf je 6 Tonnen S<l)iffsbestand ein Mann Besatzung. Für die übrigen Marinen lauten die Zahlen: Italien 9, Japan 10, Oesterreich-Ungarn und Frankreich 11, Vereinigte Staaten 12, Deutschland 15 und England 16 Tonnen Schiffsbestand auf 1 Mann Besatzung. Hierbei ist berücksichtigt, daß in den Personalstärken bei England ,7500 Mann Marine-Infanterie und 3000 Mann Küstenwache und bei Teutschland 7000 Mann Marine-Jnfanterie und Matrosen-Artillerie enthalten sind, die für die Verwendung an Bord nicht in Betracht kommen. Alle übrigen Marinen mit Ausnahme der amerikanischen haben keine Marine- lJnfanterie. Die amerikanischen Seesoldaten werden jedoch auch an Bord kommandiert, ebenso wie ein Teil der englischen, nämlich etwa 11 000 Mann, die in „rote" (Marine- Infanterie) und „blaue Seesoldaten" (Mlarine-Arttl-lerie^ eingeteilt werdert. Letztere finden vielfach an Bord als Geschützbedienungen mit gutem Erfolge Verwendung.
(Eine wichtige Entscheidung zum Reichstagswahlrecht.
Der Wahlprüfungisausschuß des Reichs- Itags hat die Frage, ob die in die Wählerliste eingetragener! Wähler bei einer Nachwahl zur Ausübung des Wahlrechts auch dann berechtigt sind, wenn sie inzwischen ihren Wohnsitz verlegt haben, bejaht, lieber seine Entschließungen erstattet er jetzt schriftlichen Bericht. Dieser Beschluß toirb vielfach Anfechtung erfahren, man wird zugeben können, daß ein Wähler, der vor einer Hauptwahl eingetragen wird und kurz vor der Wahl verzieht, im alten Bezirk wahlberechtigt ist, daß dies laber der Fall sein sollte bei späteren Nachwahlen, ist recht zweifelhaft, denn der Verzogene dürfte alsdann schon monatelang im neuen Bezirk wohnen und auch dort wahlberechtigt sein. Er wäre somit Wähler zweier Bezirke. Die Kommission war der Ansicht, daß die verzogenen Wähler bei Nachwahlen wahlberechtigt seien, da die gleichen Listen verwendet würden. Wollte man die alten Wähler ihres Wahl
rechtes berauben, so müßte man die neu hinzugezogenen Wähler in die Liste aufnehmen; dies werde aber nicht getan. Tie Regierung ist der Ansicht, daß ein Wähler, der seit länger als Jahresfrist verzogen ist, bei einer Ersatzwahl' nicht mehr wahlberechtigt ist. Sein Name bleibt zwar in der Liste, wählt er, so wird seine Sttrnmc für ungültig erklärt, ebenso wie bei Personen, die gewählt haben, aber z. B. wegen Armenunterstützung nicht wahlberechtigt waren. Ersatzwahlen sind nach der Regierungsauffassung Neuwahlen. Die Frage wird! später noch das Plenum beschäftigen.
Aus Statt mit
Gießen, 12. Juli 1913.
•• Oberhessischer Kunstverein. Die Sammlungen von Bayer-Mannheim, Engelhardt-Kyffhäuser- Magdeburg und Bartbel-Gießen bleiben voraussichtlich nur noch bis zum Donnerstag ausgestellt. Neu ausgestellt wurde ein von Prof. Olt modellierter und den,alter „Fuchskopf als Wasserspeier*, der im Gailschen Tonwerk gebrannt wurde und für das Burschcnhaus Frankonia bestimmt ist.
*• Unfallversicherung. Eine interessante Entscheidung fällte das Reichsversichernngsaint zu Gunsten eines Unfallverletzten: Die Berufsgenossenschaft batte die Zahlung der Rente eingestellt, weil der Verletzte der Aufforderung des Kreisarztes, zur Unter- suchuug zu erscheinen, ziveiinal nicht nachgekonuuen war. J>n Be- rufungsveriahren ordnete das Gericht das Erscheinen des Verletzten an und ließ denselben durch den anwesenden Gerichtsarzt untersuchen, der noch teiliveise Erwerbsunfähigkeit sestsiellte. Die Bc- rufsgcnossenschast wurde deshalb zur Weiterzahlung der Rente verurteilt, legte aber Rekurs gegen das Urteil ein, den das Reichs- versicherunqsamt zurückwies. 3n der Begründung wurde u. a. ausgeführt, daß die Berufsgeuossenschaften wohl berechtigt feien, aus der Weigerung des Verletzten, sich untersuchen zu lassen, den Schluß zu ziehen, daß eine wesentliche Besserung bezw. Beseitigung der Unsallfolgen eingetreten sei. Ter Verletzte könne aber gur Widerlegung dieser Schlußfolgerung Beiveise beschaffen, ebenso ivie die Spruchbehorde berechtigt sei, Beweis zu erheben. Werde hiervon Gebrauch gemacht unb stelle sich heraus, daß die Folgerung der Berufsgenossenschast sachlich nicht berechtigt sei, so nn'ißte, sofern nicht besondere Uinstände entgegenständen, die Wirkung dieser Schlußfolgerung (Entziehung der Rente) beseitigt werden.
•• Sonderzüge auf der Strecke Friedberg- Nidda. Am 13. Juli werden aus Anlaß des Sängerfestes in Dorheim und des Gauturnfestes in Echzell auf der Strecke Friedberg — Nidda folgende Personen - Sonderzüge gefahren: Friedberg ab 1238, Dorheim ab 1245, Beienheim ab 1250'/;, Weckesheim ab 1255'/2, Reichelsheim ab 100'/2, Gettenau-Bingenheim ab 1067z, Echzell ab 1107t, Grund- Schwalheim ab 116, Häuserhof ab 122, Geiß-Nidda ab 128, Bad Salzhausen ab 131, Nidda an 137. — Nidda ab 640, Bad Salzhausen ab 648, Geiß-Nidda ab 651, Häuserhof ab 657, Grund-Schwalheim ab 704, Echzell ab 712, Gettenau- Bingenheim ab 717, Reichelsheim ab 728, Meckesheim ab 735, Beienheim ab 746, Dorheim ab 755, Friedberg an 802.
** Schiffsliste für billige Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika. (10 Pfg. sür je 20 g.) Die Portoermäßigung erstrecht sich nur aus Briefe, nicht auch auf Postkatten, Drucksachen usw., und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Eanada. „Kronprinz Wilhelm" ab Bremen 15. Juli: „Kaiserin Auguste Viktoria" ab Hamburg 17. Juli; „Berlin" ab Bremen 19. Juli; „Kronprinzessin Eeeilie" ab Bremen 22. Juli; „George Washington" ab Bremen 26. Juli: „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 29. Juli; „Imperator" ab Hamburg 30. Juli; „Main" ab Bremen 2. August; „Friedrich der Größe" ab Bremen 5. August; „Amerika" ab Hamburg 7. August; „Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 12. August; „Kaiserin Auguste Viktoria" ab Hamburg 16. August. (Postschluß nach Ankunst der Frühzüge.) Alle diese Schisse, außer „Main", sind Schnelldampfer ooer solche, die sür eine bestimmte Zeit vor dem Abgänge die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerke wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Hamburg" zu versehen.
Gezähmte Sonnenstrahlen.
J-mmer wieder hat sich die moderne Wissenschaft mit dem Problem beschäftigt, Sonnenwärme in mechanische Triebkraft urn- zuwcmdeln und Die Sonnenstrahlen sozusagen zu zähmen. Eine Fülle von Experimenten und praktischen Versuchen wurde unternommen, aber erst der jüngsten Zeit ist es Vorbehalten geblieben, den ersten Schritt zu einer brauchbaren Verwirklichung der Idee zurückzulegen. Ter erste Apparat, der die Wärme der Sonnenstrahlen in den Dienst jener mechanischen Aufgabe stellte, wurde vor vielen Jahren von einem französische Ingenieur konstruiert; und ihm gelang es auch, mit Hilfe eines großen Reflektors, ein Saugwerk in Bewegung zu setzen und aus einem Wasserbehälter das Wasser hinauszupumpen. Aber die größten Fortschritte wurden in den letzten Jahren in Amerika erzielt, wo die Forscher nach manchen Fehlschlägen schließlich den Weg zur Konstruktion von .Sonnenresleltoren fanden, deren Brauchbarkeit die Praxis inzwischen bestätigt hat.
Zunächst beschränkte man sich, >oie ein Fachmann in einem interessanten Aussatz von Chambers Journal ausführt, auf bescheidenere Ziele: aus die Ausnutzung der Sonne zu Kochzwecken. Ein kalifornischer Gelehrter ersann einen parabolischen Spiegel, der sich im gleichen Verhältnisse mit der Sonne bewegte und^die aufgefangenen Strahlen auf einen eisernen Kochtopf wirft, .tie •erften Versuche zeigten, daß das kalte Wasser im Topfe bereits nach 5 Minuten heiß geworden war: und nach weiteren rüm Minuten war der Siedepunkt erreicht. Diese Erfindung wurde bald ausgebaut, es zeigte sich, daß die Konzentrierung aufge- sangener Sonnenstrahlen auf einen bestimmten Punkt i^gar harte Metalle in kurzer Zeit zum Schmelzen bringt, und nach Patentierung des Verfahrens schritt man in Kalifornien zur Ausnutzung der Erfindung zu Bewässerungszwecken. Der erste größere Apparat dieser Art nmrde in Pasadena ausgestellt. Das Prinzip üffi außerordentlich einfach. Ein großer Reflektor von ungefähr 10 Metern Durchmesser wurde aufgestellt. Er besteht aus nicht weniger als 1788 kleinen Spiegeln, die so angebracht sind, daß sie die ausgenommenen -Sonnenstrahlen auf einen Kessel richten, i’ber nahezu 500 Liter Wasser enthält. Die dadurch erztelÄ Temperatur reicht aus, um genügend Dampfkraft zu Pump- rweckeu zu erzielen. Natürlich muß der Reflektor stets p auf- aeftetft sein, daß er die ganze Kraft der Sonnenstrahlen aurfängt; P. ist daher auch drehbar und leicht beweglich konstruiert und folgt ruf Grund e ues automatisch funktionierenden, sehr sinnreichen Mechanismus dem Lauf der Sonne. Die von dem Reflektor ausgestrahlte Wärmemenge ist gewaltig; ein Mann, der den Apparat erklettert und in nächster Nahe an dem MMrahler
vorübergehen würde, liefe Gefahr, verbrannt zu werden. Der durch die Sonnenstrahlen getriebene Motor pumpt in der Minute über 6000 Liter Wasser: er entwickelte bisher im Durchschnitt 10 Pferdekräfte, soll aber imstande sein, 15 Pferoekräfte zu indizieren. Es hat freilich große Kosten und manche vergebliche Anstrengungen erfordert, ehe diese ausgezeichnet arbeitende Vorrichtung fertitzgeftellt werden konnte.
Das .Kapital zu den Versuchen wurde in Boston aufgebracht, zuerst hatte man einen silbernen Reflektor erbaut, der viele Tausende kostete unb sich nicht bewährte. In jüngster Zeit hat der Ingenieur Frank Shuman einen neuen Apparat konstruiert, der anscheinend einen weiteren erheblichen Fortschritt bringt. Er konzentriert durch den Reflektor das Sonnenlicht nicht auf einen kleinen starken Kessel, sondern auf eine ganze Reihe kleiner Kessel aus verzinntem Kupfer. Zur Reflektierung der Strahlen werden versilberte Spiegel verwendet. Der erste Apparat dieser Art wurde in Philadelphia ausgestellt und er erzeugte an Dampfkrast einen atmosphärischen Druck von 800 Pfund: die Aufstellung in einem heißeren tropischen Klima würde dieses Resultat noch steigern.
*
K.-K. Der dritte und vierte Pol der Erde. Tie Einteilung unseres Erdballs in eine nördliche und eine südliche Halbkugel bedingt eine ganz unstimmetrische, man möchte sagen willkürliche Anordnung von Festland und Wasser. Diese Erscheinung brachte schon im 18. Jahrhundert den sranzösischen Geographen Philippe Buache auf den Gedanken der Einteilung der Erde in eine Halbkugel der Festländer und eine des Ozeans. Seitdem ist dieser Plan in Gelehrtenkreisen lebendig geblieben und erst neuerdings hat der bekannte Ozeannograph der Kieler Universität, Prof. Kümmel, auf Grund trigonometrischer Berechnungen festgestellt, daß der Pol für die Festlandhalbkugel an der atlantischen Küste Frankreich zwischen dem Golf von Gaseogne und dem Kap Finisterre liegt. Um nun diesen Polpunk't ganz genau zu ermitteln, bediente sich nach den neuesten Meldungen Alph. Berget der Methode des Wäbens. Er zeichnete zunächst mit der Radier nabet auf dünne Messingblätter alle Festländer und Inseln auf, die uns bekannt sind, schnitt die Umrisse alsdann aus und wog die so erhaltenen Metallplättchen auf einer sehr seinen Wage. Durch Wägen eines Quadrats desselben dünnen Messingblattes, das im Maßstab der Festlandumrisse 1000 Quadratkilometer des Globus bedecken würde, erhielt er darauf den Gewichts wert für die gesamte Erdoberfläche. 9!ach einer langen Reihe solcher Wägungsversuche unb Berechnungen kam Berget schließlich zu dem Ergebnis, daß der Festlandpöl der Erde sich aus der Insel sTUmet in der Mhe des Golfs von Wprbihan besindet. Die
Landkreis Gießen.
— Steinberg, 11. Juli. Am 15. Juli feiern Heinrich Jung III. nnb feine Ehefrau Elisabetha, geb. Schneidmüller ihre silberne Hochzeit. Gleichzeitig feiert die Frau ihr 25jährigeS Jubiläum als Hebamme in der Gemeinde Watzenborn-Steinberg. Sie hat ihren Beruf gewissenhaft und zur größten Zufriedenheit versehen.
(s) Hungen, 11. Juli. Die Vorbereitungen zur 52. W a n d e r v e r s a m m l u n g des O b crh ess is che n Bienenzüchtervereins, welche am 20. und 21. Juli in Hungen tagt, schreiten rüstig vorwärts. Der Zweigverein Hungen, der mit der Wanderverscnnmlung sein 30 jähriges Stiftungsfest feiert, hat die Vorarbeiten übernommen. Die Ausstellung von Bienen und Bienenerzeugnissen wird nach •' den vorliegenden Meldungen reichlich beschickt werden, ein Beweis Lasi'tr, daß die Imker trotz des erbärmlichen Bienenwetters sich bemühen, ihr Jahresfest nach allen Seiten vorzüglich zu gestalten. Tas Konzert an beiden Festtagen wird ausgeführt von der Kapelle Hisgen-Lich.
Kreis Lauterbach.
~ Lauterbach, 11. Juli. Im Vogelsberg gab es vot einigen Jahrzehnten noch eine Altzahl Gemeind eil, die wegen zu geringer Bevölkerungstzahl sich in früheren Zeiten zu einer Bürgermeisterei vereinigt halten, um die Verwaltungskosten, die damals noch sehr gering waren, zu sparen. In den letzten Jahren macht sich jedoch unter diesen Gemeinden das Bestrebell bemerkbar, sich selbständig zu macheil und eigene Bürgermeistereien zu bilden. So haben sich im Kreise Lauterbach vor einigen Jahren Bannerod, Nösberts, Vaitshain und Weidmoos, Ober- und Unter-Wegsurth getrennt und ihren eigenen Bürgermeister gewählt, lieber Metzlos-Gehaag, das sich von Metzlos trennen will, schweben zurzeit Verhandlungen. Auch die Geineinde Stockhausen war von jeher mit dem eine halbe Stunde entfernten! Schadges zu einer Bürgermeisterei vereinigt. Auch diese Gemeinde mit 110 Einwohnern beabsichtigt, sich von der Bürgermeisterei Swckhausen loszutrennen, unb hat bereits die nötigen Schritte eingeleitet. Die Ausbringung der Kosten scheint demnach in Anbetracht der kostspieligen Zeit, die manchmal wegen einer Kleinigkeit versäumt werden mußte, um nach der entfernten Bürgermeisterei zu wandern, nicht mehr im Einklang zu stehen.
k. Herbstein, 10. Juli. Der feit vier Jahren zwischen der politischen Gemeinde und der evangelisck)en Kircheltgemeinde bestehende Streit ist jetzt cnbgültig von der obersten Gerichts- bebörbc in Darmstadt zugunsten der evailgelischen Kircktengemeinde entschieden worden, nackchem schm vorher der Kreisausschnß Lauterbach und der Provinzialauslchuß Gießen das gleiche Urteil gefällt hatten. Von jeher befand sich .nämlich im Gemeindevoranschlag Herbstein einen Posten von 1500 Mk , der für die Bedürfnisse! der katholischen Kirche ausgegeben wurde. In früherer Zeit war die ehemals fuldische Enklave Herbstein fast rein katholisch. Durch den stärkeren Verkehr, den besonders auch die Vogelsbergbabn brachte, ist hier jetzt eine stärkere evangelische Gemeinde entstanden, und diese hat vor vier Jahren gegen obigen Ausgabeposten Berusung eingelegt. Die Protestanten' und Israeliten brauchen also künftig nicht mehr zu den Kosten der katholischen Kirche beizuttagen.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 11. Juli. Die eingelaufenen Angebotes für die Erbauung der vorläufigen Kaserne in der Helmoltschen Hof--' reite, und zwar für die Mäurer-, Schlosser- unb Zimmerarbeiten, wurden gestern eröffnet. Die Arbeiten waren zu 50 000 Mark ausgeschrieben. Die Bausirma Mörschel ist die Mindestfordernde. Sie verlangt 5000 Mark weniger als die andern. Die Arbeiter müssen zum 15. September b. Js. fertig sein. Die Schreinen arbeiten für die innere Einrichtung usw. haben die hiesige»^ Schreinermeister erhalten.
— Bad-Nauheim, 11. Juli. Bis zum 10. Juli sind 20119 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 10. Jllli 236 566 abgegeben.
Hessen-Nassau.
(w) Kassel, 11. Juli. Auf dem H a u p tba hn h o f, wo gegenwärtig Erweiterungsbauten ausgeführt werden, silhr "heute nachmittag auf dem Rangier bahn Hof ein fahrbarer Kran versehentlich gegen eine neue Sandsteinmauer. Mehrere der großen Quadern stürzten herab, wobei ein Monteur getroffen und lebensgefährlich ver-
fteine, an sich unbedeutende Insel liegt unter 4° 57' 27" östlicher Länge und 47° 24’ 42" nördlicher Breite. Dem Festlandspol der Erde entgegengesetzt liegt dann im Sttllen Ozean, fernab von jedem Lande, der Ozeanpol der Erde. Bei dieser Gin* teilung würde die Feftlandshalbkügel mit Ausnahme von Australien, 'einem Teile Südamerikas und der Antarkttk alle Länder, der Erde umfassen, so ganz Europa, Asien, Afrika, Nordamerika \ und ungefähr % von Südamerika, sowie einen Teil der Inseln 4 zwischen Asien und Australien. Zahlenmäßig ergibt sich dann folgende Verteilung von Wasser und Land: Auf der Festlandhalbkugel 54,5 Prozent Wasser und 45,5 Prozent Land, auf der Ozeanhalbkugel dagegen 88,7 Prozent Wasser und nur 11,3 Prozent Land. Ob die Wissenschaft sich diese neue Aufteilung der Erde zu eigen machen wird und welche Vorteile aus ihr entspringen sollen, sind «Fragen, die die Zukunft beantworten wird.
kf. Eine Sage, die durch die Geologie bestätigt wird. Die Wissenschaft hat so viele Sagen zerstört, daß man an den Fällen, wo sie welche bestätigt, nicht Vorbeigehen darf. Eine solche Sage ist die von den sieben getrennten Seen in! Mecklenburg, die ehemals an Stelle des großen Müritz^Sees gelegen haben. Nach der Sage lagen diese sieben Seen innerhalb von Wäldern, deren Bäume den Göttern heilig waren. Eines Tages kamen Holzhauer aus fernen Ländern, begannen die Bäume zu fällen und kamen so nach dem Hinnenselde, wo die Bäume am größten waren. Als sie aber im Begriffe waren, den größten! und mächtigsten aller Bäume niederzulegen, tat sich in dem kleinen Rederank-See eine Quelle auf, die sich fortwährend vergrößerte und mit Brausen ihr Wasser nach allen Seiten hin entsandte, bis endlich die sieben Seen zu dem heutigen Müritz-See verschmolzen waren Der Rostocker Geologe E. Geinitz, ein Spezialist aus dem Gebiete der Geologie Mecklenburgs, teilt nun in den „Naturwissenschaften" in einer Arbeit über ,chie großen Schwankungen der norddeutschen Seen", die tierfänebene neue Arbeiten zusammenfaßt, die geologisck)e Bestätigung dieser Sage mit: wenn man die ausgezeichnete Tiefen karte der Müritz von Peltz bettachtet, so kann man ohne Schwierigkeit aus diesem typischen Kombinations- see die sieben Einzelseen herausfinden. Ueber die Hälfte bet Gesamtfläche hat nur die Tiefe von 0 bis 5 Metern, und fast ein Viertel ist nur 2,5 Meter tief. Die tiefen Partien lassen sich trotz teilweiser späterer Versandung als schmale, von der Endmoräne ausgehende Rinnen erkennen. Bei einer Erniedrigung-- der Müritz um etwa 5 Meter ergäben sich die folgenden Eiii^l- feen: Waren-Gotkhun, Röbeler Binnensee mir Fortsetzung, Lank mit Fortsetzung, Ludorfer Gruppe und dazu die heutig ExNaven Woor-Warnher -See, RMrgnk und Spycker Zye.


