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15.1.1913 Erstes Blatt
 
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Ifrcisblatt für den Kreis Gießen

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Erstes Blatt

(65. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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listifchen religiösen Bilder, die ihrer Zeit grobes!lAufsehen erregten und deren Vorbild ja nachher in der modernen Malerei oft Nach ahrnung gefunden hat. Von der Stellung, die Vcrnet einnahni, zeugt die Tatsache, daß er sowohl bei seiner Ankunft in Algier, wie auch bei Kaiser Nikolaus von Rußland, der ihn zu sich ge­laden hatte, einen geradezu fürstlichen Empfang sand. Aber schon um das Jahr 1850 war es mit «seiner künstlerischen Kraft zu Ende der glänzende Stern Bernets erlosch. Seinem Nachruhm hat die Leichtigle t seines Schaffens Abtrag getan: es steckt in seinen Schlachtenbildern doch ein fabrikmäßiger Zug, der ihre Wirkung sehr beeinträchtigt.

Viel glücklicher, feiner ist Veriret in seinen Studien,, die oft höchst geistreiche Impressionen darstellen. Es mag diese kurze Skizze eines sehr interessanten Künstlerlebens in einer hübschen kleinen dlnctdote beschlossen sein. Als Vernet an seinem großen GemäldeÄe Einnahme von Snialah" malte, da klagtc ihm einer der Soldaten, die ihm Modell saßen, sein Leid, das; er bei der Verteilung der Kreuze ungercchterweise übergangen sei. Vcrnet beschloß, sich des Braven anzunehmen. Als sein königlicher Freund Louis Philippe am nächsten Tage ihn im Atelier besuchte, zeigte die Brust des Soldaten auf dem Bilde eine schöne große Dekoration, aber- der Maler näherte sich der Staffelei und sagte:Ich habe leider einen Irrtum begangen. Ich dachte dieser Soldat, der aus­gezeichnete Tieirste aetan hat, sei dekoriert, aber es scheint, daß dem nicht so ist. Schade, denn dieser rote Fleck macht eine vor­treffliche Wirkung." Der König verstand:Nehmen Sie das Kreuz nicht weg. Es ist am Platze. Ich will eines schicken, das Sic selbst Ihrem Freunde überreichen mögen."

Ur. 12

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal ivÖdientliib GiehenerFamilienblätler, Ksennal rvöchentl.Areis-

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Anzeiger Gießen.

Dcutfches Ueictz.

Die Ernennung Jagows

steht nun auch imReichsanzeiger": Der Kaiser ernannte den Botschafter am italienischen Hofe, von Jagow, unter Ver­leihung des Charakters als Wirklicher Gehciiner R a t mit dem Prädikat Exzellenz zum Staatssekretär des Aus­

ist weniger gut gelungen als der seelische Konflikt. Ueberhaupt fehlt noch manches zu einem Meisterwerk, aber Sprache und Linienführung verraten den Berufenen. Direktor Hans Bau-- m e i st e r hatte das Werk nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte und Mittel recht gut inszeniert: unter den Darstellern machten sich besonders MaxWesolowski (Andreas) und A n n i H o h n- dorf (Johanna) vorteilhaft bemerkbar: sie hatten entscheidenden Anteil an dein Erfolg des Abends.

Ff. Neue dänische Krebsforschungen Wie aus Kopenhagen berichtet wird, lyat der Professor der Photo- logischen Anatomie an der dortigen Universität, Dr. Jolwnnes Fibiger in diesen Tagen in der Medizinischen Gescllsck>oft einen sehr bedeutsamen Vortrag über seine jüngsten Krebs­forschungen gehalten, worin er über eine lange Reihe bahn­brechender Versuche Bericht erstattete, die er über den Ursprung der .Krebskrankheit angestellt hat. Das Ergebnis besteht nun im wesentlichen darin, daß es Fibiger gelungen ist, in dem Magensack von Natten Krebsgeschwülste willkürlich zu erzeugen, indem er eine bestimmte .Art von Rundwürmern darein einfülyrte. Fibiger konnte auch soweit fortschreiten, daß er die Rundwürmer nicht unmittelbar den Ratten zuführte, sondern sie z. B. mit Kakerlaken fütterte, die Larven von Rundwürmern in sich trugen. Diese Larven entwickelten sich dann in den'Magensäcken zu ausge­wachsenen Rundwürmern und riefen die Geschwülste hervor. So­weit bekannt, ist es hier zum ersten Male gelungen, den Krebs willkürlich zu erzeugen, und es braucht nicht hervorgelwben zu werden, daß diese Versuche, sofern sie der wissenschaftlichen Nack>- prüfung Stand halten, für das große Problem der Entstehung des Krebses von weittragender Bedeutung sein müssen. Der zwei Stunden dauernde Vortrag fesselte die Aufmerksamkeit der zahl­reichen Zuhörerschaft in hohem Grade und wird sicherlich, sobald er im Drucke erschienen ist, die medizinische Wissenschaft von ganz Europa beschäftigen.

Zur Hilfe f ü r deutsche Forscher im Polar- c i s. Hilfe für die bekanntlich an der Nordküste Spitzbergens in Eisnot geratenen und zur Ucberwinterung gezwungenen Mit­glieder der Vorexpedition Schröder-Stranz hat sich cm Komitee gebildet aus namhaften deutschen Männern, welche eine mög­lichst schnelle Eutsatzexpedition planen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Gustav Frenssen als Dramatiker. Gustav Frcnsscn bat ein Schauspiel verfaßt mit dem Titel:Sönke Erichsen", dessen Uraufführung am 18. Januar am Hamburger Thalia-Theater stattsinden wird. Im Juli 1913 findet in Lemberg der 1. polniscke Kon- grob für Hygiene und Demographie statt. Da der Kongreß einen rein wissenschaftlichen Charakter besitzt, gestattet das Kriegsministerium den Militärärzten die Teilnahme au c*m Kongreß.

Arbeitsleistung erstrebt und das Prinzip von Leistung und Gegenleistung mehr zur Geltung gebracht werden.' Gar mancher höhere ober mittlere Beamte ist ganz außerordent­lich mit Dienstarbeiten belastet, während andere unter einem geradezu tödlichen Mangel an Beschäftigung leiden und in mancherlei Jagdgründen Ersatz dafür suchen müssen. Hier sollte mit aller Energie eine gerechtere Einteilung erstrebt werden. Der Steuerzahler, also die 97 Prozent der Be­völkerung, stellt mit Recht den Grundsatz auf: Volle Be­zahlung, aber auch volle Arbeitsleistung. Nichts wäre für unser Hessenland mehr zu beklagen, als wenn wir auf die Dauer mit einem unzufriedenen Beamten­stand zu rechnen haben würden. Aber andererseits er­fordert auch das vitalste Interesse des Staates, daß jeder Beamte seine volle Schuldigkeit tue, ja wir glauben, daß das Gros erst dann eine wirkliche Befriedigung in ihrer Stellung empfinden wird. Die Regierung sollte sich's des­halb angelegen sein lassen, neben der pekuniären Leistung auch bestimmte generelle Gesichtspunkte für das richtige Maß von Arbeit aufzustellen. Auch für die höheren Beamten und die Vorgesetzten müßte eine bestimmte Bu­reauzeit eingeführt werden, damit ein gleichmäßiges Zu­sammenarbeiten mit dem übrigen Personal erreicht wird und auch des guten Beispiels wegen, das auf den Unter­gebenen oft Wunderdinge bewirkt. Alle Extraarbeiten, auch die Sonntags- oder Nachtarbeit, sollte beseitigt und die ganze Arbeit, von ganz wenig Ausnahmen abgesehen, auf dem Bureau erledigt werden. Das ist nicht nur notwendig im Interesse des geordneten Dienstes, sondern auch im Hin­blick auf die Gesundheit und das ganze Familienleben des Beamten. Wie dankbar würden es besonders die Frauen begrüßen, wenn ihre Männer nach dem regelmäßigen Ar­beitspensum auch eine bestimmte freie Zeit für sie übrig Hütten! Gar vieles kommt auch auf die richtige Leitung der betreffenden Abteilung an und ganz.besonders darauf, daß der Vorgesetzte sich nicht immer nur als solcher geriert, sondern auch das richtige persönliche Maß einhält und sich bewußt bleibt, daß alle seine Untergebenen als nützliche Glieder des Ganzen betrachtet und behandelt werden müssen, wenn der Organismus richtig funktionieren und arbeits­freudig erhalten werden soll.

Das sind alles Dinge, die bei der Reformierung un­seres staatlichen Beamtenapparates sehr wohl in Erwägung gezogen zu werden verdienen. Fürs erste aber handelt es sich ja um die Durchführung von Reformvorschlägen zur Vereinfachung und Verbilligung unserer Staatsverwaltung, woran eifrig mitzuarbeiten auch die Beamtenschaft selber berufen sein sollte.

Da einerseits von der Regierung eine feste, zielbewußte Durchführung nach dem vorstehend Ausgeführten kaum zu erwarten ist, andererseits aber der Beamtenschaft eine Ver­besserung ihrer Bezüge wohl zu gönnen ist, und endlich eine weitere Belastung des Steuerzahlers unter allen Um­ständen vermieden werden muß, so werden sich die beiden Ständekammern entschließen müssen, so bald, wie nur an­gängig, ihrerseits die Initiative zu gründlichen Reform­vorschlägen bei der Staatsverwaltung zu ergreifen, wofür ihnen sowohl die Beamten wie die Steuerzahler unseres Landes in gleichem Maße Dank wissen werden!

horace vernet.

(Zu seinem 50. Todestage, 17. Januar.)

Der Schlachtenmaler Horace Vernet, dessen Todestag sich am 17. Januar zum 50. Male jährt, zählte zu den gefeiertsten Künstlerpersöntichlcitcm der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bei der Pariser Weltausstellung von 1855 war er einer der fünf Naler, denen die höchste 'Auszeichnung zuteil wurde.

Er war mit der Begabung für seine Kunst sozusagen erblich Heftet Sein Großvater, Joseph Vernei, war der gefeiertste Eeemaler Frankreichs im 18. Jahrhundert gewesen; sein Vater ßarlc war Schlachtenmaler und begleitete Napoleon, den Stift in her Hand, auf mehreren seiner Feldzüge, und Horace selbst bewies [em seltenes Talent so frühzeitig, daß er schon mit 13 Jahren genug Aufträge erhielt, um sich selbst erhalten zu können. Bereits 1809 als Zwanzigjähriger, erschien er zum ersten Male im Salon Er war zum Glückslinae geboren, und zu dem Glanz des Talent« und Erfolges spendete ihm das Ungeschick Lud­wigs XVIII auch noch den Nymbus des Märtyrers, indem er Sernety Bilder deren Gegenstand, wie immer, die uapoleongche Eoopöe bildete, als politisch anstößig aus dem Salon ausschloß Vorauf Horace nickt faul, eine Privatausstellung .eröffnete, und gant Paris strömte nun herbei, um jene Gemälde, wie Bonitowskis -tob den Grenadier von Waterloo, den Regimentshund, die kchlachtengem.'ilde von Jemmappes, Valmy und Montnnrail, ckc Verteidigung der Barriere von Clichy u|w. zu bewundern Die Popularität Bernets, der in der Kunst etwa die Rolle spielte wie ksranger in der Dichtung, war außerordentlich: die napoleonischen Veteranen schwärmten für ihn und redeten ihm mit Mon colonel an, und das Bürgertum gewann er durch eine sentimentale Note $crnct war allerdings der Mann, der Lob in jeber Quantität vertragen konnte. Er war der Tandy und Renommist, wie er im Liiclic steht: er prahlte so lange mit seinen Kriegsabeiitenem, bis (r sie selbst glaubte, und wie im K nege, so behauptete er auch auf dem Felde der Liebe die größten Enolge errungen zu haben Unter Louis Philippe erlebte er, seine Glanztagc.Ajr Burger- tinig war klug genug, zu ermesten, welche Vorteile ihm die Bc- qünftigung des Napoleon-Malers bringen konnte: er knMte nnt ihm ein persönliches Freundschaftsverl-attms an und übertrug ihm die malerische Verherrlickmng der Kd-,egstaten des franzö­sischen Heeres in Afrika. DieGalerie de Constantine in schlösse von Versailles bildet ein xenlnial ^crnets und seigt .ben künstlerischen Niederschlag seiner Teilnahme an den afrikanischen zeldzügeii Dieser Ausenthalt im Cncntc batte für ihn noch eine Heitere, künstlerisch bedeutsame Folge: er wurde hier aufmcrlsam auf die durch Jahrhunderte sich fortsetzende Kontinuität bet onen taliickien Lebens und schöpfte hieraus die Anregung, die biblilcken tzzenen auf den Boden des heutigen Orients zu versetzen. Seine Febekka am Brunnen" von 1835 begann diese Serie seiner rea-

Ein neuer Dramatiker. AuS Essen wird uns ge­schrieben: Im Rheinisck)-wcstfälischen Volksthcater wurde das Erst- liiigswerk eines jungen Dichters aufgeftihrt, das freundliche.- Beach­tung in jedem Sinne wert .erscheint.D e r P h a n t a st", Tragödie in fünf Aufzügen von Felix Montanus. Fürst Andreas, der Gatte der sinnenheißen Königin Johanna von Neapel, hat der irdischen Liebe entfagt. Keuschheit ist ihm nicht Zwang, sondern innerstes Bedürfnis. Dem siebenjährigen Knaben schon ist die Enkelin König Roberts vermählt, aber seit er ein Mann geworden ist, hat er sich dem heißen Begehren des liebenden'Wcibcs beharr­lich entzogen. Er will die Menschen beglücken, sie ans' der Hörig­keit der Sinne zu freiem, reinem Menschentum erlösen, aber er verdirbt, die ihm die Nächste sein sollte, und läßt sic sckstvcigcnd dem Abgruiidc entgegentaumeln, in den ihre Sinne sie reißen. Ter Anwalt der Rechte aller Menschheit verkennt und mißachtet das Recht des Weibes auf den Gatten und seine Liebe. Ta läßt sie ihn, als er auch ihren stärksten Defchwörungen standhält, von einem ihrer Liebhaber töten. Tie mißhandelte Liebe wandelt sich in tödlichen Haß, in dem Geliebten vernichtet sic zugleich ihr eigenes bestes Selbst. Tas historische Milieu dieser Handlung

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Befolöungsreform und Steuerzahler, in.

Die beiden Ständekammern warten seit drei Fahren (ruf großziigige Reformvorschläge, a'brer die Regierung kommt aus Erwägen, Bedenken und Kopfschütteln nicht heraus und lehnt die ihr zahlreich genug von den Landständen und der öffentlichen Meinung auf dem Präsentierteller dar­gereichten Vorschläge regelmäßig als undurchführbar ober wenigstens alsuntunlich" ab. In der Deamtenbesoldungs- fragc nimmt die Regierung eine ähnliche Stellung ein. So waren beispielsweise die landwirtschaftlichen, tierärzt­lichen und pharmazeutischen Sachverständigen, sowie die Hilfsarbeiter in den Ministerien bisher an Gehalt den akademisch gebildeten Lokalbeamten gleichgestellt (Höchst­gehalt 6000 Mark). Während nun nach der neuen Vorlage die Akademiker jetzt 6500 Mk. Höchstgehalt beziehen sollen, sind die erwähnten Sachverständigen in die Klasse der Vortragenden Räte mit einem Höchstgehalt von 7600 Mk. und die Hilfsarbeiter mit Höchstgehalten von 7000 Mk. ein­gestellt. Dazu kommt noch, daß sie gegenüber den akademi­schen Beamten mit einem Wohnungsgeld von 730 Mk. ein solches von 960 Mk. beziehen. Wenn diese Beamten in ihren Bezügen gehoben werden sollten, so hätte man sie in der früheren Gehaltsklasse belassen und ihnen eine Stellen­zulage geben können; aber eine Bevorzugung in der er­wähnten Weise muß doch als eine Ungerechtigkeit den übri­gen gleich vorgebildeten Beamten gegenüber bezeichnet wer­den. Bei den m i t t l e r e n Beamten hat die Regierung ? gleichfalls für die Äugest l ten ih.es Körpers vorzugstneise gesorgt. Die Sekretariatsassistenten, die seither einen Höchst- ^rgehalt von 4000 Mark bezogen, sollen nicht, wie die übrigen mittleren Beamten, 4400 Mk., sondern 5000 Mk. erhalten, ririe die gehobenen mittleren Beamten. Das ist vor allem feilt Unrecht der großen Klasse der Oberrechnungsrevisoren gegenüber, zu denen früher nur die Aspiranten mit den Ödesten Zeugnissen genommen wurden und die jetzt keine gehobenen Stellungen erhalten sotten. Aber dies Liedlein , hon der Bevorzugung hat noch: weitere Verse: Die Stellen > ff der Kanzleiinspektoreri an den verschiedenen Behörden (Ober- rechnungskammer, Gerichte usw.) sollen nach einer Anmer- . hing in ber Besoldung s "rdnung in Zukunft nur noch Be- sörderunasstellen für Ministerial kanzlisten fein. Es. ist boch klar, baß ber Jahre lang bei einer Behörde tätige 'beamte den Dienst als Vorgesetzter in dieser Dienststelle besser zu versehen in der Lage ist, als ein in einem anderen Dnenstzweig großgewordener. Mit dieser regierungsseitigen 'Bestimmung wird doch offenkundig nur für bie Beamten ber eigenen Verwaltung gesorgt!

Nach all ben vorstehenb angeführten Tatsachen muß (wohl leiber jebe Hoffnung aufgegeben werden, daß die Re­gierung zu wirklich durchgreifenden notwendigen und ge­rechten Reformmaßnahmen bie Hanb bieten wirb. Für Ibi-e Beurteilung ber ganzen wichtigen Angelegenheit ber Heamten-Gehaltsverbesferung kommt aber noch eine anbcrc '.sfrage sehr in Betracht, bie bisher in ber ganzen Erörte­rung barüber fast noch gar nicht weiter berührt worben ist: Es muß von ber Regierung nicht nur ein gerechter Ausgleich in ber Besoldung, sonbern auch in dem Maß ber

Zur Hrl.'densvermittlung.

Gegenüber ber Melbung des Reuterschen Bureaus aus Konstantinopel, nach ber D e u t s ch l a n b die S ch u l b trage, wenn in ber Uebermittelung der Gesamtnote der Mächte an die Türkei ein Aufschub eintrete, besagt ein Berliner Telegramm derKölnischen Zeitung": Diese Meldung erscheint grundlos und ist in dieser Weife gegen eine einzelne Macht zugespitzt. Wir glaüben Grund zu der Annahme zu haben, daß mehrere Regierungen, darunter auch die deutsche, für einige Punkte des Entwurfes ber Gesamtnote Milberungen ins Auge fasen unb baß über solche Anregungen zurzeit von den Kabinetten be­raten wirb. Der badurch veranlaßte Aufschub kann nicht erheblich sein, auch tritt kein Zeitverlust ein, ba bie Zwischen­zeit benutzt wirb, bie Wiederaufnahme ber Feinb eligkeiten burch ben einen ober ben anderen Teil hinauszuschicben.

London, 14 Jan. (Meldung bes Reuterschen Dur.). In ber heutigen Sitzung berDelegierten der Bal­kan staa ten zur Friedenskonferenz wurde der Beschluß gefaßt, daß gleichzeitig mit der Uebergabe der Note der Großmächte an die Türkei die verbündeten Balkanstaaten auch ihrerseits eine Note an die ottomanische Regierung richten sollten, in der sie aussprächen, daß sie die Friedens- lonferenz abbrechen müßten, falls die Pforte es ablehnen sollte, den Rat der Mächte anzunehmen. Gleichzeitig wurde beschlossen, in diesem Falle bei ihren Regierungen darauf hinzuwirken, daß an die Befehlshaber im Felde Instruk­tionen ergingen, ben Waffenstillstand zu beendigen.

Steine türkische Nationalversammlung?

Konstantinopel, 14. Jan. Die Regierung scheint für den Augenblick auf die Idee ber Einberufung einer großen beratenben Versammlung verzichtet zu haben, ba sie glaubt, baß bie Beschlüsse einer solchen Versammlung bie Regierung verpflichten würben. Man beruft sich hierbei auf bie Versammlung von 1877, bie sich für ben Krieg mit Nußlanb ausgesprochen hat. Nichtsbestoweniger fahren VXi- kische Kreise fort zu erklären, baß bie Pforte einem Schritt ber Mächte nicht nachgeben bürfe. Man glaubt nämlich, daß die Anwendung von Zwangsmaßnahmen schwierig sei. Die türkischen Delegierten haben noch keinen Auftrag erhalten, London zu verlassen.

Aus Adrianopel«

Ein Funkentelegramm Schukri Paschas aus Adri an Opel an die türkische Regierung besagt, daß alle Offiziere mit ihren Familien sich wohl befinden, die Ver­pflegung der Garnison gesichert sei und die ,Ge- haltszahlung erfolgen konnte.

Die Stimmung in Sofia.

Sofia, 14. Jan. Man hält hier die Fortsetzung des Krieges für unvermeidlich und sieht auch keine Aussicht auf Verständigung mit Ru­mänien. Man hofft noch immer auf ein energisches Auf­treten Rußlands, obwohl es bisher die rumänischen An­sprüche offen unterstützte.

Mittwoch, l5. Januar 19(3

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«o -r M w za> iS- »f »» politischen Teil: August

General-Anzeiger fur Oberheßen SSSe

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