Ausgabe 
12.4.1913 Erstes Blatt
 
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Serbischer Boykott gegen Oesterreich.

Tie Wiener ..Neue Freie Press"" meldet aus Belgrad' In einer Versammlung sämtlicher kommerzieller Kammern des Landes wurde nach kurzer Airssprache einstämmig b es chl o ss e n , we^en der Halt u n g O e fte r - reichs in der alban'suchen Frage gegen di" Monarchie den Boykott zu v reklamieren und die Ve "bündeten aufzufordern. sich ihm anzn schließ en. Der serbische Boy­kott österreichischer Waren soll erst ein'"etzcn, wenn Oester­reich seine Haltung gegen Serbien nicht ändert.

Die Streitsraaen um Saloniki und Monastir.

Die WienerNene Freie Presse" meldet: Nach Mel­dungen cu^ diplomatischen Kr"i'en besteht unter den Mäch­ten die N"iguna, Salo'ffff den Gri"ckien zirzuiprechen Bul­garien hält abei' an seinen Ansprüchen aus Saloniki fest und ist zum Äenß ersten gegenüber Griechen­land entschlossen, wenn dieses nicht frei­willig verzichtet. Ebenso hält Bulgarien unter Be- rusrmg aus den Allianz vertrau gegenüber Serbien seine Ansprüche auf Monastir aufrecht. Es scheint, daß sich Serbien und Griechenland einander Bulgarien gegenüber in ihren Ansprüchen aus Monctt'ir und Saloniki unterstützen.

Ein türkischer Kriegsbericht.

Konstantin ovel, 11. Avril. Der amtliche .Kriegs­bericht meldet: Gestern sand am Vormittag ein unbedeu­tendes Artilleriegefecht aus dem linken Flügel der Ts ch a t ald s ch a li n i e statt. Danach herrschte mif diesem Flügel wie aus den übriaen Punkten der Linie voll­kommene Ruhe. Vor B u l a i r hat sich nichts neues ereignet. Gestern feuerte ein griechifch es Torpedoboot einige Schüsse geaen die Küste von Aivali und wandte sich sodann gegen Edremid. Durch das Bombardement wurden einiae Häuser zerstört, aber sonst kein Schaden an gerichtet. Die Regierung trifft Vorforae zur Verteidigung der Küste sowie zur Aufrechterhaltung der Reiste und Ordnung.

Cetinie, 11. Avril. (Agence Havas'0 Ein Schiff der internationalen Flotte hat in den Gewässern vor Antü- vari die 'F a ch t d e s' K ö n i g s N i k o l a u s a u f g e b r a ch t, welche Mehltransporte eskortiert hatte.

Der Kaffer und seine Käste.

Homburg v. d. H., 11. April. Der Herzog vvn Cumberland empfing um 11 Uhr den Reichskanz­ler, welcher etwa eineinhalb Stunden bm dem .Herzog verweilte. Um 12V» Uhr besichtigten die Majestäten mit ihren hoben Güsters die Ertöserkircke.

Der Kaiser hörte heute vo^m-ttag die Vorträge des' Chefs des Zivilkabinetts und des Chefs des Marinekabi-; netts und empfing um lOV? Uhr den Reichskanzler.! H"ute mittag ist FawiAentafel, an welch"r auch Prinz und - Prinzessin Friedrich Karl von Hessen teilnehmen, und für die Umgebungen Marschalltafel, an der letzteren nimmt der Reichskanzler teil.

Homburg v. d. £>., 11. April. Die kaiserliche Familie, die eumberländifchen und die badi''chen Herr­schaften, sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen machten nachmittags eine AutomobUfahrt zunächst nach Schloß Friedrichshos, welches unter Führung Seiner Majestät selbst besichtigt wurde. Die Fahrt gbg dann weiter über Königstein, Oberreiffenberg und Schnritten hier­her zurück. Die Taunuslandschaft unter einer m ehrere Zentimeter hoben Decke vor: Neu­schnee bot einen reizvollen Anblick. Gegen 6 Uhr erfolgte die Rückkehr. Sämtliche genannten Herrschaften nahmen darauf den Tee in den Gemächern des Herzogs und der Her­zogin von Cumberland, auch Prinz Eitel Friedrich, welcher kurz vorher hier ein getroffen war. Nach dem Tee verließen die hessischen Herrschaften Homburg. Um 8 Uhr ist ge­meinsame Abendtafel, an welcher auch Prinz Eitel Fried­rich und der Reichskanzler teilnehmen. Die Abreise der cum'berländisch en Herrschaften erfolgt morgen nachmittag um 3 Uhr nach Karlsruhe.

Heute abend 10 Uhr reifte Prinz Eitel Friedrich ab, ebenso der Reichskanzler.

Aus Stadt und Land»

Gießen, 12 Avril 1913. Gewerbepolizeiliche Regelung des Anskunflswesens.

Die einheitliche Regelung des gewerbsmäßigen Aus- kunftswesens ist zurzeit Gegenstand von Erhebungen des deutschen Handelstags. Die gesetzliche Grundlage hierzu bildet § 38 Abs. 4 G.-O., wonach die Zentralbehörden be­fugt sind, Vorschriften darüber zu erlassen, in welcher Weise die Inhaber von Auskunfteien ihre Bücher zu führen und welcher polizeilichen Kontrolle über den Umfang und die Art ihres Geschäftsbetriebs sie sich zu unterwerfen haben. Ferner kann die gewerbsmäßige Auslünftser'-eüung auf dem Weg des Verwaltungsstreilverfahrens untersagt werden, wenn Tatsachen vorliegen, die die Unzuverlässigkeit des Ge­werbetreibenden inbezug auf diesen Gewerbebetrieb dar­tun. Von der Befugnis des § 38 Abs. 4 G.-O. ist von einer Reihe von Bundesstaaten (u. a. von Preußen, Bayern und Baden )Gebrauch gemacht worden. Es besteht daher die Befürchtung, daß besonders die in den Großstädten be­nachbarter Bundesstaaten bisher ansässigen Winkelaus­kunfteien ihren Siü nach Hessen verlegen, wenn sie hier leichteren Ueberwachungsvorschriften unterstehen. Um ein Urteil über den Umfang des Interesses an einer beson­deren Regelung des Auskunftswesens in Hessen bilden zu können, werden vom Ministerium Erhebungen eingezogen: 1. welche Auskunfteien, die sich mit der gewerbsmäßigen Auskunstserteilung über Vermögensverhältnisse und per­sönliche Angelegenheiten befassen, in den hessischen Kreisen ansässig sind: 2. ob und in welchen Fällen in den letzten fünf Jahren Anlaß geboten war, gegen derartige Gewerbe­treibende auf Grund des § 35 G.-O. Antrag auf Unter­sagung des Gewerbebetriebs zu stellen; 3. ob überhaupt Mißstände auf diesem Gebiet beobachtet worden sind, ohne daß es zu einem Antrag nach § 35 G.-O. gekommen ist; 4. ob es für notwendig ober zweckmäßig gehalten wird, besondere Vorschriften für die gewerbsmäßigen Auskunf­teien zu erlassen.

** Tageskalender Völkerkundliche Ausstell- n n g der Bastler Mission in der alten Kl'nik. Geöffnet bis 23. April, Sonntags von 117 Uhr, Werktags von 91 und 3-7 Uhr.

Bioarav b-L i ch t s p i e I e: Täglich Vorstellung.

B a k o i S K a m m e r - L i ch t s v i c l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Ober hessischer Kun st verein. Gemäldeausstellung fnt Turmhaus am Brand. Geöfsnel täglich (mit Ausnatnne von Samstag) von 111 Uhr, Sonntags von 113 Uhr, Mittwoch nachwsttag von 3-5 Uhr.

Museum des oberhessischen Geschichtsvereins. Geöfinet Sonntag vormittags 111 Uhr unentgeltlich.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 111 Uhr unentgeltlich.

Anlaaemusik am Sonntag mittag 12 Uhr in der Süd. Einlage (nur bei guter Witterung). Svielplan: 1. Ouvertüre Aitr OperetteTie Amawne", von ?r v. Blon. 2. Fantasie ans der OveretteDer Gra' von Lure'nbura", von Lehar 3. Bnvvchen dn btft mein Augenstern. Maischlied aus der Overette ..Vnvpchen". von Z. "ülbert. 4. Walzerirämue, Walzer aus der OperetteEin Walzertraum", von O. Strauß.

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" Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Marine-Oberassistenarrt d. R. Dr. Hans Karril- l o n in Weinheim die Erlaubnis zur Annahwe unb zum Tragen der ihm von dem Prinzregenten Luitpold verliehe­nen Prinz-Regent-Luitvold Medaille in Bronze am Bande der Jubiläums-Medaille, deut Vizekonsul Fabricius in Kairo die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großherzog von Oldenburg verliehenen Ritter­kreuzes 2. Klasse mit silberner Krone des Haus- und Ver­dienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und dem fürstlich Erbach-Schönberaiscken Haushofmeister Phil. Du­bois zu Schönberg die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem Fürsten zu Waldeck und Pyrmont verliehenen goldenen Verdienstmedaille erteilt.

Kath. Vfarrpersonalien. Der Dekan Hch. Esten selb zu Rieder-Saulheim wurde zum kath. Pfarrer von Bodenheim, der Pfarrer Matthäus Daus zu Herbstein zum kath. Pfarrer von Gonsenheim, der Pfarrer Michael Eich zu Oben«haufen zum kath. Plärrer von Binnen und der Kaplan Herrn. Moser zu Darmstadt zum kath. Pfarrer von Klein-Krotzenburg ernannt.

** Lehrerpers onakien. Ter von dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand von Mainflingen auf die erste Lehrerstelle zu Mainflingen präsentierte Lehrer Rud. F e r k i n g h o f f zu Mainflingen wurde bestätigt.

** Er l e d i g t ist eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Wald-Michelbach.

Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwalt­schaft. Der Rechtsanwalt Iiistizrat Adolf Lindt zu Darm­stadt bat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg aufgeaeben.

** Ehrenurkunde. Regierungsrat Knöpfet in Darmstadt wurde die Ehrenurkunde für wissen­schaftliche Mitarbeit au der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 verliehen. Die Urkunde ist eine Radierung von Max Klinger.

** Die Völk er kund liche Missionsausstel- lung sindet dauernd reges Interesse, und wir lind heute in der Sage, folgende Betrachtungen einer Besucherin wie­derzugeben : Endlich bin auch ich dazu gekommen, der Aus­stellung einen Besuch abzustatten. Ich war sehr angenehm überrascht über deren Reichhaltigkeit, so daß ich mich schließ­lich darauf beschränkt habe, di smal nur den chiue'i'chen Teil eiugehmd zu betrachten. Was da in zwei Zimmern aus­gestellt ist, ist wirklich sehenswert. In dem einen ist rechts das Zimmer eines Mandarinen (Beamten) zu sehen. Wel­cher Teamtenklaffe der Bewohner, der in Lebensgröße dar- gestelkt ist, angehört, konnte ich allerdings nicht ausfindig machen, da mir die Rangunterschi"de an der Tracht (ver­schiedenfarbige Knöpfe auf dem Hut und Stickereien auf dem Rock) nicht gAiufig sind. Neben ihm steht einerseits ein Schreibtisch mit Schreibzeug usw., andererseits ein sehr einfaches Bett. In demselben Zimmer befindet fich weiter ein Frauengemach mit einer chinesischen Frauenfigur. Auch vor ihr steht ein Tisch mit Näht- unb sonstigem Hausgerät. Ferner befindet sich in demselben Zimmer die Darstellung einer chinesischen Bauernwirtschaft mit der Pflege des Reises, 'des hauptsächlichsten Nahrungsmi'tels großer Teile Chinas. Bei dem zugehörigen Hause fällt die Fensterlosigkeit auf. Dieselbe Fensterlosigkeit bemerkte ich auch an dem Modelle einer größeren Haus anlag e, die in demselben Zimmer steht. Dafür sind aber'Schießscharten angebracht, ein Beweis der Unsicherheit der Gegend. Ten letzten Teil dieser Haus- anlage bildet eine Ähnenhalle, die bann im zweiten Zim­mer noch besonders in ber wirklichen Größe aufgestellt ist. Sie zu beschreiben würben zu weit führen, wie ich auch eini­ges sonstige übergangen habe. Ich kann nur auf das bringenbfte raten, selbst hinzugehen unb auch bie anderen Teile der Ausstellung einer genauen Besichtigung zu unter­werfen. Für eingehende Erläuterung und Führung, be­sonders durch Damen, ist hinreichend gesorgt. F. H.

** O b e r h e s s i s ch e r Kun st verein. Auch die 4. Ausstellung des hiesigen Kunstvereins, die seit acht Tagen neu ist und nahezu 90 Bilder und Plastiken aufweist, hat in den Sammlungen der KünstlervereinigungSchwarz­wald", Prof. Fritz, Prof. Willroider u. a. recht viel Schönes und Gutes aufzuweisen, so daß die Ausstellung wieder gut besucht war. Voraussichtlich kann ein Teil der Bilder nur kurze Zeit hier bleiben, da sie bereits für größere Sommerausstellungen angemeldet sind. Ein baldi­ger Besuch sei deshalb sehr empfohlen.

** I n Bakofs Kammer-Lichtspielen gelangt gegen­wärtig das große historische FilmschauspielK ö n i g i n Luise", 2. Teil, zur Vorführung; das Stück bringt in packender Darstel­lung Szenen aus Preußens schwerster Zeit. Die Rolle der Königin Luise wird von Frl. Hanm Arnstadt, preuß Hoychau- spielerin, Berlin gegeben. Für bie Gießener Iugenb gelangt bicKönigin Luise", 2. Teil, nachmittags 4 Uhr, s. Ingend- vorstellungen, zur Vorsührung. Jede Vorführung derKönigin Luise" wirb durch einen von Richard Norbhausen verfaßten, von Direktor Bakof gesprochenen Text eingeteitet.

** TerIinpcrator" kommt nach Gießen! Man schreibt uns: Zwar nicht in Natura, bazu müßte wohl in bet Lahn erst ein geeigneter Anlegeplatz geschaffen iverden: aber im Bild. Es ist der hiesigen Ortsgruppe des Bundes der lcchn.-industriellen Beamten gelungen, eine erhebliche Anzahl vor­züglicher Lichtbilder von diesem Wunder moderner Technik zu erhalten. Sie wirb biest Bilber zusammen mit Aufnahmen anderer bedeutender Dampfer am 23. April im Saale des Hotel Einhorn in einem oifentließen Vortrag, zu bent jedermann ein- geladen ist, zur Vorführung bringen. iS. einstige in der heu­tigen Nummer.) Bei dem lebhaften Fnteresse, bas man überall diesem größten-isf ber Welt entgegenbringt, ist wohl anzu- nebmen, baß der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt sein nnrb.

** Winter im Frühling. 9(u§ ganz Oberhessen werden starke Schneefälle gemeldet. Auf dem Hoherodskopf liegt der Schnee 25 cm hoch und ist vorzüglich zum Schi­lauf geeignet. Es herrschen 70 Kälte. Auch au§ den anderen deutschen Landesteilen werden starke Schneefälle und außerordentliche Temperaturrückgänge gemeldet.

Selbstmord. Ein IKjähriger Handwerks-- lehrling hat sich an seiner Arbeitsstätte erhängt, offenbar infolge einer plötzlich eingetretenen GeifteSftöruna.

** Dem Ticrschutzverein für Hessen wurde von Fräulein Auguste W a l h e r aus Seeheim eine Spende von 1000 Mark für allgemeine Tierschutzzwocke testa­mentarisch überwiesen.

*" Aus der Wetterau wird uns geschrieben: Wie in weiteren Kreisen bekannt geworden fein wird, stehen die

Gemeinden Bellersheim, Mufchenheim nnd O-bborn- hofen zurzeit mit den mahgebenben Stellen in Unterhandlung, den ansaedehnten Grundbesitz ihrer Gemarkungen, den Standes- herrschasten S o lms - B r o u n s e l 8 unb Solms-Laubach gehörig, käuflich zu erwerben, um ihn als Bauernland ab­zugeben. Ein volkswirtschaftlich bedeutsames Unternehmen, ha§ Nachahmung verdient. Wie wir Hören, soll nicht beab­sichtigt sein, außer dem in diesen Gemarkungen belegenen, weiteren standesherrlichen Besitz zum Verkaufe zu stellen.

Landkreis Gießen.

)(L i ch,11. April. Der Bezirk,,G i e ßie n" des Hessisch- Nassauischen (Main-RHeingau) Verbandes Gubelsber- gerscher Stenographen hält seine Frühjährs-Ver- tretertierfammlung am 20. April hier ab. Mit dem Be­zirkstag ist ein Wettschreüben verbunden, wozu wertvolle Ehrenpreise vorhanden sind. Der Verbandsvorsitzende, Handelslehrer Müller-Mainz, wirb einen Festvortrag über Aus der Werkstätte des Meisters" halten.

Kreis Alsfeld.

ok. Alsfeld, 11. April. Gestern wurde m einer Sitzung des Gemeinderats von Altenburg über den An­schluß der Gemeinde Altenburg an das hiesige ElektrizitatSwerk beraten. Der Gemeinderat, ber das Projekt sehr begrüßt, beschloß, durch einen Sachverständigen die ungefähre Zahl der Anschlüsse und der Lampen prüfen zu lassen. Darauf wird die Stadt Alsfeld einen Vertrags­entwurf vorlegen.

O V aden r o d, 11. April. In großer Gefahr schwebte ein hiesiger Landwirt durch das Durchgehen seiner Pferde. Er hatte Pfuhl auf den Acker gefahren, als die Pferde scheuten und durchgingen. Der Besitzer suchte die Zügel zu halten, wurde aber zu Boden geworfen und eine Strecke geschleift, dann mußte er die Zügel fahren lassen, unb die Pferche raffen weiter. Sie kccmen daheim im Hofe mit dem beschädigten zerfetzten Wagen an. Der Mann hat weiter keinen Schaden genommen.

Kreis Schotten.

d. AuS dem oberen Vogelsberg, 10. April, ist seit heute mittag ein heftiges Schneewetter zu ver­zeichnen. Der Schneefall ist von solcher Heftigkeit, daß er in den wenigen Stunden eine Höhe von 1015 Zentimeter erreicht hat und noch stets durch das anhaltende Weiterschneien im Steigen begriffen ist. Doch ist anzunehmen, daß der Schnee nicht lange feine Haltbarkeit behaupten wird.

(a) Her chenhain, 11. April. Immer noch dauern die S ch n e e st ü r m e fort. Die durchschnittliche Höhe der Schneedecke ist bis auf etwa 25 Zentimeter gestiegen; stellen­weise liegt er sogar bis zu 50. Zentimeter dick. Auch hat er nicht mehr den Anschein, als ob er in kurzer Zeit wieder schmelzen würde, denn der inzwischen eingetretene Frost macht eine längere Dauer ber Schneedecke möglich.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 11. April. Tie Kirsch bäume in unserer Umgebung stehen in voller Blüte. Auch die Birnbäume fangen zu blühen an. Bis jetzt haben die letzten rauhen Tage keinen Schcrden gebracht. Heute nacht hatten wir zwei Grad Kälte.

(s) Bad-Nauheim, 11. April. In der heute nuch- mittag unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Kayser ab­gehaltenen Sitzung der Stadtverordneten stand nur ein PunktBehandlung von Baugesuchen", ber- etne längere Vorgeschichte hat, zur Verhanblung. In der vorletzten Sitzung hatte Stcchtv. Bauunternehmer Peter S t a m m den Vorwurf erhoben, daß der Bürgermeister entgegen den Beschlüssen der Versammlung Berichte an das Kreis amt mache, die dazu führten, daß verschiedener! Baulustigen ungeahnte Schwierigkeiten erwuchsen. Im An­schluß an diese Sitzung erschien in einer hiesigen Zeitung eine Reihe von Artikeln, welche den früheren Regierungs- baumeister, jetzigen Architekten Raht, zum Verfaster hatten. Dieser führte zahlreiche Fälle an, in denen der Bürgermeister den Gesuchsstellern durch seine den Akten beigelegten Berichte in den Arm gefallen feilt sollte. 'Iir der heutigen 3x/2 stündigen Sitzung gab es eine glänzende Rechtfertigung für den Bürgermeister und zwei seiner Beamten, den Stadtbaumeister Schmidt und den Bureaugehilfeit Werle. Unter etwa 10 Fällen konnten nur zwei Kleinigkeiten gefunden werden, bei denen nicht ganz korrekt verfahren wurde. Bau- und Finanzausschluß hatten sämtliche Mten geprüft und empfahlen der Versamm­lung folgenden Beschluß: Die Stadtverordnetenversamm-' lung hat von einem Schreiben und drei Zeitungsartikel des Architekten Raht Kenntnis genommen. Sie weift - nach Prüfung der Akten die Vorwürfe gegen die Versamm­lung, den Bürgermeister und zwei Beamte als durchaus ungerechtfertigt zurück. Der Beschluß wurde mit Ausschluß eines Falles 'einstimmig angenommen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm Darmstadt, 11. April. In einer unter dem Vorsitz des Aby. Nebel abgehobenen Sitzung von Kassevorstanden, deren Spar- und Darlehnskassen seither dem Haas'schen Ver­bände angeschloffen waren, empfahl der Direktor Klimm- Lorsch den Anschluß an die Landwirtschaft!. Genossen­schaft Regensburg, die einen RevisionSverband hat. Der Aufforderung ist eine Anzahl Kassen gefolgt.

m. Offenbach, 11. April. Mit der Bahnhofs­frage unb dem Wegfall mehrerer Züge beschäftigte sich gestern eine dringende Stadtverordnetenver­sammlung. Oberbürgermelfter Dr. Dullo berichtete über die "bisherigen Verhandlungen zwischen der Eiseilbahu- Verwaltung, ber Hanbelslummer unb bem hessischen Mini­sterium. Die Llüspleichsforberungen Offenbachs bestehen hauptsächlich inber Errichtung eines neuen Bahnhofsgebäu­des, ber Durchführung ber Kaiserstraße unb Beseitigung ber Lokalbahn in ihrer jetzigen Form, wofür ber Ober­bürgermeister von Frankfurt bereits seine Rrttwirkung zu­gesagt hat. Nach Ausführungen des Dr. Katz, ber auch bic rechtliche Seite bes Staotsvertrages beleuchtete, würbe ein von diesem gestellter AntraA einstimmig an­genommen, in dem es heißt: Die Stabtverorbnetenver- sammlung beschließt:

In liebereinfthnimintfl mit ber Handelskammer, bic das Halten der Züge L. 53, 54, Dr 11,(12 unb '67 als ffürOffenbach nicht unentbehrlich erklärt hat, einzuwilligen, daß diese Züge in Offenbach nicht miehr halten sollen, sobald bic Eisenbahn- Verwaltung Gegenleistungen hierfür gewährt hat, die bie Benach­teiligungen, die Handel unb Industrie erfahren könnten, aus­gleichen. Die Stadtverorbnetcnversammlung verlangt zunächst folgende Gegenleistungen, behält sich aber ausdrücklich,vor, daß sie ergänzt werden, nachdem die Hand?lskämm.'v ihrerseits noch ihre Wünsche unterbreitet hat: 1. Die Eisenbalmverwaltung verpflichtet sich, für entsprechende Anschluß zöge an bic für Offen­bach ausfallenden Züge zwischen Hauptbühnhof Offenbach und .Hmiptbahuhof Frankfurt M sorgen. 2. 'Tie Eisenbalmverwaltung trifft Emrichamngen, durch bie eine Verschlechterung der Posta-

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