der
Karlsruhe, 13. Aug. Ter Großhersog frrt dem „Staats- anzeiger" zufolge die Professoren an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, Professor Tr. Gustav Schönleber und Prof. Tr.<jttfl. Ferdinand Keller, ersteren n^gen seiner leidenden Gesundheit, letzteren wegen vorgerücktem Alter, beide unter Anerkennung ihrer langjährigen treu geleisteten und aus gezcichueten Dienste zum 1. Lklober in den Ruhen and verletzt. Pros. Schönleber wurde vom Grostherzog der Stern zum Korn- mandeurkreuz des Ordens Bertholds I. verliehen.
mittelbar werden Krankheiten auch dadurch auf einen Toten über- geleitet, das: man das Ztrankhafte mit einem Teile der Leist,?, ettva mit der Totenband, in Berührung bringt. Durch ' Bestreichen mit einer solchen glaubt man allgemein Kröpfe, Warzen, Ueberbeine, Feuer, Haar , Leber und Muttermale vertreiben zu können. Zn diesen Fällen besteht der Glaube, das; die Leiden nicht durch die Berührung des Leichnams aus diesen übertragen werden» sondern das; durch „die Todeskrast der Leiche" die Krankheiten im Menschen ertötet werden sollen. Denn der tote menschliche Körper besitzt nach dem Volksglauben geheimnisvolle Leit und Zauberkräfte, die er auf alle Gegenstände, die mit ihm in irgendeinem Zusammenhang stehen, überträgt.
16. Jahrhunderts brachten nämlich aus den PlKarmceren die Nachricht mit, sie hätten in den Grönländischen Küstengewässern eine Ente entbedt, die nicht aus einem Ei entstände, sondern am andere, ganz merkwürdige Art. -Sfione, die an der Meeresoberfläche schwimmen, sollen sich aus Treibholz sestsetzen, hieraus entividdt sich eine kleine Muschel, diese wird zu einem wurmartigen Gebilde und hieraus wird schließlich die Ente. Zeitgenössische Natursorscher, bspw Egede, sollen diese Ente sür Wahr beit gehalten und tatsächlich ein neues Tier, die entenerzeugende Muschel, in ihre Schriften ausgenommen haben, während sie später Sebastian Münscher in seiner Kosmographie in erweiterter tronn
August Bebel f.
Chur, 13. lug. August Bebel ist heule vormittag i i Passugg, wo er feit einiger Zeit zur Kur weilte, 73»/, Jahre alt, gestorben. Er hielt sich dort mit seiner Tochter, Frau Dr. Simon, und feinem Enkelkinde Werner Simon aus, um Linderung für sein Gallen ft ei n I ei» den ztt suchen. Bor einigen Tagen trat Herzschwäche ein. Man legte ihr zunächst keine größere Bedeutung bei, da Bebel schon öfter . unter Herzschwächen gelitten, aber sich immer wieder erholt hatte. Der Kranke selbst schien zu suhlen, daß es mit ihm schlimmer stehe, als die Umgebung glaubte. Er ließ deshalb vor einigen Tagen seinen Freund Ullman» aus Berlin kommen. Heule vormittag trat in. folge einer .Herzlähmung der Tod ein. Die Leiche wird heute nach Chur und morgen früh zur Einäscherung nach Zürich gebracht werden. Auch die Beisetzung wird in Zürich erfolgen.
Die Anteilnahme an dem Hinscheiden des alten Parla nientarierS wird etwas stiller sein, als wenn er vor ein paar Jahren auf der Höhe seiner Wirkjanlkeit abgerufen ivorden lu^rc. Bebel ist in der letzten Zeit wenig mehr her vorgetreten: er war alt und kränklich geworden. Man kann auch sagen, 'daß die führenden Genossen seiner eigenen Partei ihn zuletzt ein wenig in die Vergessenheit gestoßen haben: man erinnere sich nur an Ledebours taktloses Auftreten bei den taktischen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei. August Bebel war aber zweifellos der bedew tendste Mann im Kreise seiner Genossen. Er war es sowohl infolge seiner parlamentarischen, wie seiner schriftstelle rischen und rednerischen Tätigleit. Aus seiner drausgänge- rischen Wirksamkeit leuchtete eben eine überzeugte Persönlichkeit, der auch die (Kcgner, soweit sie durch ihre Anschaltungen von ihm getrennt sein mochten, Achtung,zu bezeugen halten. Die „wissenschaftlichen" Grundlagen der Sozialdemokratie hat Bebel selbständig toeirig zu bereichern gewußt, und schließlich sind sie in einer revolutionären Par tei, wie die Sozialdemotratie sie ist, doch wahrlich auch nichts weniger als voraussetzungslos. Das Temperament, die Leidenschaft und innerliche Ueberzeugung brachte Bebel wie kein anderer seiner Parteigenossen mit in den Kampf Sv einseitig und im Grunde unduldsam sein Wesen war, der Alte wirkte doch weit sympathischer als viele seiner leitenden Mitstreiter, die sich den Mantel der Wissenschaft- lichcii Theorie umhängen unb in aller Nüchternheit und Prinzipienfestigkeit an unferen staatlichen Zuständen herum- nörgeln. Man "konnte cs nicht bestreiten, daß Bebel als Autodidakt sich ein imponierendes Rüstzeug von Belesenl)eit und Erfahrung 'ungeeignet hatte. Seine größte Begabung lag in seinem rednerischen Austreten. Da wirkte der revolutionäre Feuerkopf auf die Massen, und sein Ungestüm riß die Zuhörer mit sich fort. Wie oft er sich bei grünblidjeni Nachforschen tüchtig verhauen hat, das brauchen wir hier int einzelnen nicht mehr nachzuweisen. Im Reichstage mürben seine heftigen Anklagen gegen die bürgerliche Gesellschaft vom ^Fürsten Bülow zumeist sehr wirkungsvoll pariert. In allen Wirren aber und inneren Streitigreiten, die der Sozialdemokratie so überaus zahlreich beschieden sind, lenkten sich die Blicke auf Bebel, der vernOge seiner Leidenschaft, seines Diktatorwillens unb seiner persönlichen Ehrlichkeit berufen schien, das Parteibanner vorcuizutragen. Selbstverständlich war bet Alte ein ausgesprochener Vertreter der revolutionären Taktik unb ein strammer Widersacher des Revisionismus. In ihm verliert die deutsche Bolksveriretung ihr ältestes Mitglied. Schon 1867 wurde er für Glauchau Meerane in den konstituierenden Reichstag deS Norddeutschen Bundes gewählt, und dem Deutschen
(Ein schauerlicher Aberglaube.
So ziemlich über die ganze Erbe verbreitet ist der Glaube, dar Krankl-eiten von den davon Befallenencnnvcöcr am andere Menscken oder auch aus Tiere, ia sogar am Pflanzen oermittciL- irgcndivelcher geheimnisvollen Betätigung ,,übertragen werden tonnen. Alnr auch Leisten können Lebenden ihre Krankheiten ab und mit ins Grab nehmen. Um dies zu erreichen, legt man irgenb einen Gegenstand, der dem Leidenden gehört, ober mit Dem Mrmir haften in Berührung gekommen und so vom Krankhettsuo i durch- Träitft ist, einer Leiste mit in den '<3arg ober rotrit iyn in ein offenes Grab. . .
Dieser Brauch ist sehr alt. Bereits in deMschen Lußord nungen des 11. Jahrhunderts wird bei strengen straren ver- buten, den Leichen üraitfbeitcn mitzugeben beuv uc vergraben zu lassen. Trotzdem wird dieses ^mahrcn im - rittet alter allcnthall'en geübt. 1699 schreibt em Jlbronut au- dem Erzgebirge: Sie meinen, „mann sie ein etüd -saltzund Brod dal? essen und die andere Reifste einer Leichen unter* Den *«m legen 1 und mit ins Grab geben / so würden sic von der iduruen 9koth befreyct werden."
Aber selbst heute noch herrscht in mantfvn Gegenden, z.B in Sachsen der Glaube, man könne Krankheiten losrverden, wenn man irgendeinen bestimmten Gegenstand in den Sarg legt oder in- offene Grab wirst. Beispiele d.üür bringt das eben
Buch Dr. C. Sebfarths: Aberglaube und Zauberei in der Bolt-- mebiun Sachsens. Weit verbreitet ist folgender Brauch, um von Warzen, »ülmcraiigcn oder Hautausicklägen befreien: - c an bestreicht sic dreimal mit einem gestohlenen otinfdien swl uno legt dieses einer Lcicke mit in den Sarg, ohne datz e- em anderer bemerkt ober sieht. Die gleiche Wirkung bat es, wenn man da- Svechschnittchen bei einem Begräbnis nach dem Baterumer m- Grab wirst. Warzen verschwinden auch, wenn man ite mit einer gestohlenen Kartoffel oder mit einer aur die gleiche M erlangten Zwiebel drückt und diese bann einer Seife mitgun. ?m der Gegend von Rötha macht man in einen Ltrohbattn o viele Knoten, als man Warzen bat, und legt d«Nen danach 'U einer Leich,- in den Sarg. Nach wenigen Tagen vcn'ch^ndeii dE dn unschönen Wucherungen von sclbu. .vat man nn Erzgebirge ober sonst ettvas Böses am ilörper,. so benreuht man Krant hafte mit etwas Leinwand und legt bieje mit in ben ^arg. Un-
Reichstag hat er, soweit er nicht durch Gefängnisstrafen — im ganzen 57 Monate — an der Ausübung eines Mandats verhindert war, bis zum Tode ununterbrochen angehört
Bebel war in den 91nfängen seiner politischen Laufbahn ein Gegner der Sozialdemokratie. Er hat oft geschildert, wie ihm Sozialdemokraten in Leipzig die Fenster ^einzu- werfen versucht haben. Durch Liebknecht ist er der sozial bcmofratic zugeführt worden, wenngleich er selbst in seinen Lebenserinnerungen bestreitet, daß mir dein Einfluß Lieb knechis seine Bekehrung zum Sozialismus zu danken war
August Bebel war am 22. Februar 1840 in Köln a Rh. geboren. Seine Schulbildung genoß er zunächst aus der Volks- schule zu Brauweiler in der Rbemprovinz, später besuchte er noch die Bolls und Sonntagsschule zu Wetzlar. Dann kam er in die Lehre und wurde Drechsler. Nack beendeter..Lehrzeit wanderte er mehrere Jahre lang als Ha ndnx-rksbu ricbe in Sud deutschland. Lest er eich, der Schweiz und Mitteldeuuststand umher, und ließ sich 1860 in Leipzig nieder, wo er 18C.4 Dreck lcrmeist.r wurde Hier schloß er fiel) bald der Arbeiterbewegung an unb nidmele sich eifrig dem Studium der Lassalleschen und Marrichen
■t.n. Rach kurzer Zeit trat er an die Spitze des L Arl eiter BildungsvercinS, dessen Vorsitzender er 186.) wurde. Tiber sstou w dieser Zeit ging sein Einfluß weit über -cwzig hmaus: er wurde Mitglied des ständiaen Ausschußes der dcutlcheii Arbeiter* vereine und 1867 dessen Vorsitzender.
1867 bei der ersten Wahl zum Reichstag des Rorddcuttchen Bundes wurde er als Vertreter des Wahlkreises sachten XVII Glauckau Meerane) gewählt, und blieb Vertreter deS Krenes im Zollparlament und späterhin, von 1871 an bis M5<A int deutschen Reichstage.
In Eisenach wurde 1869 die sozialdemokratische Partei kon stituiert, die sich nach dem Ort ihrer Gründung bis 1875 die Eisenacher Arbeiterpartei nannte: Bebel war etner ihrer Gründer und beeinflusste von Anfang an die Ziele und Bestrebungen der neuen Partei in besonderem Maße. 1869 wurde er Mitarbeiter bei dem in Leipzig erscheinenden Blatt „Volksstaatt, in dem er die Grundideen der sozialdemokratischen Partei in einer gr-nen Reihe von Aussätzen niebcrlcgtc und verteidigte. Seme Angrine gegen das Deutsche Reick und fein Eintreten für die Internationale batten 1872 eine Anklage wegen Vorbereitung zum Hostwerrat gegen das Deutt'cke Reich unb das Königreich <sach,en zur Folge. Am 26. März 1872 wurde er zusammen mit Lrebkncch t zu zwei Jahren Festungshaft-und außerdem wenige Monate später wegen» Beleidigung des deutsänm Kauers zu Monaten Gefängnis verurteilt. Gleichzeitig wurde ihm das Reichs^ tag^mandat aberkannt: doch wählte ihn bei der iin Januar 1873 enolgenden Neuwahl fein alter Wahlkreis Glauchau-Meerane mieber Von 1877-1881 vertrat er Dresden. Im Jahre 18c, wurde Bebel, der sich iu 'Dresden hatte naturalisieren lauen, auch Mitglied des Sächsischen Landtages, dem er von da an bis 1891 dauernd angehörte. Bei der Reick-stagswahl des Wahres 1881 >var er in mehreren Kreisen als Kandidat der sozmldeino- fraiifd>cn -Partei aufqeftdlt: zwar kam er in vier wrihnen >in bie Slick/wahl, bdd) «wuroe er in keiner beridbcn gewählt Erst 1883 Tcfrrte er bei einer notwendig gewordenen Nachnxihl als Vertreter von Hamburg I in den Reichstag zurück. Den Wahlkreis Hamburg I batte er von 1883—1898 und dann wieder leit 1899 bis letzt im Reichstage vertreten; in der Zwischenzeit hatte er das Mandat fiir Straßburg-Stadt inne. Aus Leipzig wurde er au! Grund des Sozialiftengeser-es 1884 ausgewiesen, worauf er sich in Plauen i P. nieder liest. 1886 wurde er wegen Geheimbundeiei zu mehreren Monaten ßR-fängnis verurteilt: auch späterhin war er noch mehr fad) in politische Prozesse verwickelt. Insgesamt hat er 56 Monate Festungshasl und Gefängnis verbüßt. Als 1890 das Sozialisten- gefey aufgehoben wurde, siedelte er nach Berlin Über, wo er seinen ständigen Wohnsitz nahm.
Chur, 13. Aug. lieber das Ableben Bebels wird gemeldet- Roch gestern abend führte Bebel bis */jl0 Uhr esiien Spaziergang aus. Er fühlte nachher keine besondere Müdigkeit: seine einzige Sorge war, daß er mit dem dritten Bande seiner Leben-erinnerlingen noch nickt fertig ae worden war Rur diese Angst beutete daraus bin, daß er sein Eckde nahe fühlte. Sckmerzlos ist er in der Rockt verschieden., Man wurde sein Hinscheiden erst gewahr, als man ihn tot in feinem Bette auffand. __________________________________
ff. Woher stammt der Ausdruck „Zeitungsente"? Ein gelehrter Holländer soll nach dem „Petit Journal" Urkunden ausgesunden haben, aus denen die Entstehung des Ausdruckes „ Zeitungsente^ für eine Schwindel Nachricht Saurengurkenzeit unzweifelhaft hervorgeht. Danach stammt die Ente aus der Sprache der Seeleute. Holländische Seefahrer des
Großhcrzogspaares im Wagen bei.
Rach dem Vorbeimarsch nahm der Kaiser Melbmigen entgegen unb ritt bann mit betn Großherzog an ber Spitze der Feldzeichen in Mainz ein. Ter Kaiser hat eine Anzahl Orbensauszeichnungen verliehen. U. a. erhielt den Roten Ablerorben 2. Kl. mit Eichenlaub Generalmajor Elfi ermann v. El st er unb Generalmajor Schmiebecke sowie Generalmajor v. R u v i ll e: ben Roten Adlerorden 2. fit. mit ber Schleife Lberst Freiherr Raitz v. Frentz und Cberft v. Glasenapp unb ben fironefiorben 2. Kl mit Schwertern am Ringe Cberft Scherben in g Der Kaiser verlieh gelegentlich ber Truppenschau am 13. August brachte und bie bekannte Mär von ber Bernickel^Gans ober -Ente auftischte, bie aus den Früchten eines am Wasser wach- senden Baumes entstehen sollte. — Daß auf diese ober ahn hebe Weise das Wort Ente in einigen Sprachen für eine Sckivindel- nackrickt aufgelommen ist, klingt einigermaßen glaubwürdig, wöh- reno es fick bei den entdeckten Urkunden deS „holländischen Ge- lehrten" wahrscheinlich um eine Ente handeln dürfte.
fi. Eine mohammedanische Zeitschrift — für Christen. Die mohammedanische Gesellschaft in London betreibt seit Jahren eine energische Propaganda für den mohammedanischen Glauben. Sie Hat joeben in London ihre Jahresversammlung mit großem Pomp begangen, auf ber Prof. Teman Aga* 'tban, ein indischer Mohammedaber, der in Paris unb London studiert hat, einen intcreifanten Boi*.rag über ben Mohammeda- nismus und die Ausrechterhaltung der asiatischen Türkei gehalten hat. Zm Anschluß an diesen Vortrag hat tnc Versammlung beschlossen, eine mohammedanische Rundschau herauszugeben, und imar sollen dadurch die Christen ans die Wohltaten und aut die Schönheiten des Islam aufmerksam gemacht werden. Auch sollen darin, namentlich ber englischen Regierung gegenüber, bie vanis- l amischcn Ideen vertreten werden. Von der Erhaltung der ^asiatischen Türkei machen, nach der Aussage des Professors ^eman Aga, bie indischen Mohammedaner ihr weiteres Verhalten England gegenüber abhängig. Ter Redner sprach jedoch die lieber« zeugung aus, daß England alles für den Schutz unb bie Aufrechterhaltung des Islams tun werde.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der Polarforscher Hauptmann Koch, ber an der letzten Grönländerpeditton von Mylius Erichsen teil- genommen bat, war am 1. Juli 1912 nach Cftgrönlanb abt-reist, um über bas Inlandeis die Desttüste zu erreichen Er nt nach beschwerlicher Reife euer bm?ch das Königin Lmsenland in Proeven bei Uvcmwik angehmmen. — Die „B.-Z. am Mittag" meidet aus Sondershausen: Der Magistrat von Londer-Hamen schenkte der Bereinigung ber deutschen Schau iVieler unter dem Namen ^Künstler hei m", welche bisher haupttacklich als Krankenkasse für die Mitglieder tätig war, ein Grundwuck zur Errich-tung eines Erholungsheimes rür Schauspieler, aas erftc Künstler heim soll 1915 eröffnet werden.
Nr. 189 Erster Blatt 165. Jahrgang Donnerstag, U. August 1915
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Pttffkstimmen.
Berlin, 14. Aug. Nachdem bereits in den gestrigen Abendblättern die Würdigung des Wirkens Bebels -um AtrSdruck gekommen ist, ergehen sich and) die Morgcnblättcr in längeren Betrachtungen über bic Entwicklung und Be deutung des verstorbenen Parteiführers. Im ^Vorwärts" heißt es:
Keiner der sozialdemokratischen Parleiitlhrer hat jemals so das Herz der Masse besessen, als Bebel. Da» Proletariat sah in ihm Zteisch vom eigenen Fleisch, den Mann seiiies vollen Vertrauens, Der im Einzelnen vielleicht irren konnte, von dem aber jeder muhte, daß er mit allen Fiberen seines Herzen» an der 'Jlrbcilcrfdjafi hing. Er erlangte so eine so angcleheite Stellung, eine solche allgemeine Vereinung in der deutschen Sozialdemokratie, wie sie nie ein anderer Führer besessen hat.
Die „Germania" äußert:
Bebel war kein Theoretiker wie Marx unb Engels ober auch Liebknecht, aber ein fanatifdicr Anhänger seiner eigenen lieber- Tilgungen unb ein unwiderstehlicher Transgänger, der es verstand, durch seine hervorragende Beredsamkeit die Tlafjen mit sich iortzn- reiften. Auch bei seinen politischen Gegnern erfreute er sich einer hohen Achtung. Im Lause der Jahre erlangte er innerhalb der Partei eine gewaltige Autorität, wie sie kein anderer Führer neben ihm besaß und sobald auch keiner wieder erlangen wird. Um so aroßer ist der Verlust für bic Sozialdemokratie, in der nun die Tiadochenkämpfe unter den Führern zweiter Klasse ansziibrechen drohen. , _ ,
Die „Tägliche Rundschau" hebt hervor, daß Bebel zwar den von ihm prophezeiten Zusammenbruch ber bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr erlebt habe, aber doch seine Partei auf dem Gipfel ihrer äußersten Bedeutung gesehen habe. ____________________________
Der Haiser in Mainz und in der Pfalz.
Mainz, 13. Aug. Anschließend au bas Exerzieren begann um 9.15 Uhr eine Gefechtsübung, an welcher die Infa.nterieregimenter 115, 116 unb 117, bas Magbebnra. Dragonerregiment Rr 6 unb bie 1. Abteilung bes 1. Nass. Fel bar r Regis. Nr. 27 Dramen beteiligt waren. Die Ausgabe hatte Generalleutnant v. Plüskow gestellt. Die blaue Partei griff bie rote an, welche in ben Schießstänben eine Verteibigungsstellung eingenommen hatte. Um 1<» Uhr würbe bas Gesechi abgebrochen. Der Kaiser hielt daraus K-ritik ob. Inzwischen formierten bic hier verfügbaren Truppenteile bes 18. Armeekorps zum Parademarsch, ber unter dem Kommanbo 'bes Generalleutnants, v Plüskow ftflnb. Der Kaiser ritt zunächst an den ausgestellten Regimentern entlang unb begrüßte sie. Daun begann der Vorbeimarsch. Ter Kaiser führte babei fein Inf. Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr 116, ber Großherzog sein Leib-Inf.-Regt. (1. Großh Hess.) Nr 115, die Großherzogin ihr Inf.-Leib-Regl. Großherzogin f3. Großh Hess.) Nr. 117, Prinz Friedrich Karl von Hessen sein 1 Kurhess Inf Regt. Nr. 81, bie Prinzessin Friedrich Karl ihr Füsilierregiment v. (Dersdorfs (Kurhess. i Nr. 80 vorbei. Die Infanterie ging in Regimentskolonnen vorüber Die Fußtruppen und bie Kavallerie trugen hurchgehcnb feldgraue U n i form. Der Parade wohnten auch bie beiden jungen Söhne bes


