Erstes Blatt
165. Zahrgang
Gietzener Anzeiger
JDie heutige Nummer umfaht 14 Seiten.
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bcmfclbcn Maße näher, als es das geschichtliche Recht der einzelnen deutschen Fürsten und Länder entwertet und herabdrückt."
£ w r.nz.1,.. ^fies 163. Jahrgang Mittwoch, \1. Februar 1913
erscheint täglich, außer ÄW W '*<' FH «ezuaSpre.
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v'eriiial wöchentlich M IMk Ak A A A AA WiM AA A A Ä A A. A A jährlich Mk. 2.20: durch
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L7^^ochentlN.ei§- M WM W ly OIIO HT fl HI yl> H 11 MM monatlich 65 Pf.: durch blatt für den Breis Siegen M W W W WM pl^7 W W .fix H jr I BH A Q fi ■ H die Post Alk. 2.—viertel- (Dienstag und Freirag): M W M, W ■ ■ ■ ■ «T ■ H HB Nf H ■ H Br ■ jährl. ausschl. Vestellg.
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Anschlüsse: U M w v ™ M V VW V V Chefredakteur: A. Goetz,
ßir die Redaktion 112, Verantwortlich für den
Verlag u. Expedition 51 Z?-1 < * * e. politischen Teil: August
jää: General-Anzemer für Oberhessen
Annahme von Anzeigen x ™ v/V v(( V * „Gerichtssaal": K. Neu-
°"s ° “ 6 Derla9 öer brüh! scheu llniv.-vuch. und Lieindruckerei R. Lauge. Redaltlon, Srpedition und Druckerei: Schulftratze 7. Ä.f“r^S'adt und
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Die erledigte Partei.
Mair schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen:
Are Verlobung im Kaiserhause und die bevorstehende Regelung der braunschweigischen Thronfolge ist für eine Parier be§ Deutschen Reichstags zur Sch'icksalsftage qe- worden: Was geschieht mit der F ü n f m ä n n e r f r a k t i o n ? e t We l f enp a r t ei? Die Anhänger des altert hannöverschen Königshauses hatten sich im Fahre 1869 als „Deutschhannoversche Rechtspartei" zusammengetan und werden seitdem die „Welfen" geheißen. Man hat sich bisher iin parlamentarischem Leben schlecht und recht mit ihnen abgefunden. Wie in alleii Staatswesen, zu deren Aufbau dre Zertrümmerung oder Einverleibung von anderen Staatsgebilden hat beitragerr müssen, so haben wir auch iin Deutschen Reich regionalistische Wähtergrüppen, die glauben, ihre besonderen Wünsche bei keiner der großen politischen Parteien richtig gewahrt zu sehen. Die regionalen Gruppen kann mau einteilen in Protestler und Parti- kularisten. Die bedeutendste der protestlerischen Gruppen ist die polnische Fraktion, die bedeutendsten unter den Regionatisten sind die Welfen. Im Reichstage von 1903 brs 1906 waren es sechs welfische Abgeordnete. Vier bczw. fünf suchten, obwohl Protestanten, bei der Zentrumspartei Anschluß. Die Wahlen von 1907, kurz nach dem zweiten Bundesratsbeschluß gegen das £>au§ Cumberland ließen jene kleine Partei auf zwei .Häupter zusammenschrumpfen. Die Partikularisten waren nur noch vertreten durch den hannoverschen Welfen Götz v. Olenhusen, der sich dem Zentrum als Hospitant anfchloßund einen braunschweigischem Welfen, Herrn v. Damm, der der wirlschafllichen Vereinigung beitrat, also als Partikularist eigentlich garnicht mehr zü zählen war.
Im Reichstag von 1912 sind wieder fünf Welfen erschienen, diesmal mit Hilfe des Bundes der Landwirte. Das Zentrum hatte das Interesse an den Welfen verloren. Jedenfalls bewies die neue Fünfmännerfrakiion, daß die Idee des Wetfentums auch auf parlamentarischem Gebiete noch lebte. Man darf nicht vergessen: Es gibt auch noch eine hessische und eine mecklenburgische Rechtspartei, eine braunschweigische und eine hamburgische Rechtspartei. Alle diese Richtungen sind seit dem Jahre 1892 auf ein Programm der deutschen Rechtspartei geeinigt, das so ziemlich d n Rekord an politischer Rückständigkeit hält. Am meisten verständlich erschien ja immer noch das Streben der braun- schweigischen Welfen nach parlamentarischem Ausdruck der welfischen Thronfolgeforderungen. Auch die hannoversche und die hessische Rechtspartei können sich formell immer- lp.n auf frühere historische Zustände berufen. Was aber die mecklenburgische und gar die hamburgische Rechtspartei eigentlich wollen, deren Heimat doch niemand etwas zuleide getan, hat, ist bis heute recht schleierhaft geblieben.
Aus de^r „Grundsätzen der deutschen Rechtspartei" nur eine kleine Probe:
„Deutschland muß allen deutschen Stämmen und Ländern ein gemeinsames Vaterland sein. Der Ausschluß einzelner Teile kann durch ein Bündnis mit fremden Staaten und' Rationen nicht ersetzt werden. Ebensowenig darf die Vernichtung einzelner selbständiger Glieder Gesamtdeutschlands zugunsten anderer u n g e s ü h n t bleiben, wenn nicht immer n c u e Rechts- b r ü ch e erwachsen sollen. Jedes Beharren auf solchem Wege bringt Deutschland dem Cäsarismus und f ob amt der Republik in
ytod) deutlicher sind die Grundsätze der jetzt in Frage gestellten deutsch-hannoverschen Rechtspartei des Reichstags:
„Das Recht ist wieder herzu stellen, wo es gebrochen wurde: die Aufhebung der Annektionen auf friedlichem, rechtmäßigem Wege, insonderheit Wiederherstellung Hannovers unter seinem angestammten Königshausc int Rahmen des Deutschen Reiches, ebenso Abänderung aller Gesetze, die diesem Grundsätze nicht cnt- fpreel-cn, z. B. Zivilstandsgesetzgebung."
Das Programm der Welsen verlangt auch: „Föderative Ordnungen in Reich und Staat- Wiedervereinigung mit Oesterreich durch staats- und bundesrechtlichen Vertrag in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht."
Die fünf im Reichstage sitzenden Welfen sind die Abgeordneten Alpers, Colshorn, v. Meding, v. Schelm und v. Wangenheim. Ludwig Alpers, Lehrer in Hamburg ist Deutsch-Hannoveraner, seit 1895 erster Vorsitzender der großdeutfch-föderalistischen Hamburgischen Rechtspartei Hermann Colshorn, Besitzer des Rittergutes Wiedenhausen, war schott 1903 bis 1906 Mitglied des Reichstags. Hans v. Meding ist Klostergutspächter in Wulsssode. Frhr. Arnold v. Schele ist Rittergutsbesitzer in Schelenburg, Inhaber preußischer Ordeti und — Kammerherr des Herzogs Ernst August von Cumberland, ein alter Parlamentarier, der schon 1898 bis 1906 im Reichstag faß. Seit 1892 wirkt er in der Deutsch-Hannoverschen Partei, besonders im Ausschuß- und Zeitungskomidee. Frhr. Adolf v. Wangenheim ist lvohl der bekannteste Deutsch-Hannoveraner, er ist Mitglied des Zentralvereins für Deutsche Binnenschiffahrt und Reichstagsabgeordneter seit 1881. — Diese fünf welfischen Abgeordncteit sind von ihren Wählern in den Reichstag geschickt, um für die Wiederherstellung des Königreichs Hannover zu wirken. Eine Revision dieses Wählerwillens erscheint nm Platze. iDie politische Logik verlangt, daß die fünf Welfetr ihre Mandate niederlegen. Einer Wiederverwendung nnter anderen Gesichtspunkten im parlamentarischen Dienste steht ja später nichts im Wege.
Die Festtage in Karlsruhe.
Karlsruhe, 11. Febr. Heute mittag um 1/21 Uhr fand auf deut Schloßptatz die Parade v 0 r d e m K aiser statt. Die Garnison stand in Paradeaufstellung feldmarschmäßig und empfing den Kaiser unter präsentiertem Gewehr. Die Kaiserin und die anderen fürstlichen Damen sahen der Parade vom Balkon des Schlosses zu. Prinz Ernst August von Cumberland und Statthalter Graf Wedel waren bei der Parade gleichfalls zugegen. Rach der Parade hielt der Kaiser vor dem versammelten Offizier- lorps Besprechung ab und nahm sodann militärische Meldungen entgegen.
Karlsruhe, 12. Febr. Rach den bisherigen Dispositionen wird der prinzliche Bräutigam Mittwoch abend mit der Kaiserlichen F a m i l i e d e m Kaiser nach Berlin folgen.
Prinz Ernst August will ins preußische Heer eintreten.
Berlin, 11. Febr. Wie das Woff-Bureau erfährt, bat Prinz Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, seine Verlobte, die Prinzessin Viktoria Luise, um Aufnahme in die preußische Armee. Der Kaiser wolle diesem Wunsche willfahren und bett Prinzen in bas ZiethenHusaren-Regiment entstellen, das Regiment, welches seinen Großvater und Urgroßvater zum Chef hatte.
Aus der braunschweigischen Landesveriammlung.
Braunschweig, 11. Febr. In der Landesversammlung teilte sofort nach Eröffnung der Sitzung Staatsminister v. H a r t - wieg dem Hause die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August mit. Die Mitteilung wurde mit lebhaftem^ Bravo aufgenommen. Der Staatsminister fuhr dann fort: Se. Hoheit der Hcrzogvegcnt und mit ihm das ganze Land begrüßen diesen Vorgang mit aufrichtiger, herzlicher Freude und Genugtuung und mit hoffnungsvollem Ausblick in die glückverheißende Zukunft des Herzogtums. Zurzeit werden sich politische Folgen daran nicht an sch ließen. Wann dies der Fall sein wird, steht dahin. Es ist dringend erwünscht, daß die Regierung, die Landes- Versammlung und das ganze Haus sich auf die Kundgebung' ihrer großen Freude und Genugtuung beschränken. Ich möchte der Landesversammlung ergcbenst anheimstellen, in eine politische Erörterung nicht einzutreten. (Bravo!) Der Staatsminifter teilte sodann mit, daß anf Befehl des Herzogregenten anläßlich des frohen Ereignisses alle D i c n st g e b ä u d e am 11. und 12. Februar zu flaggen haben. Er erhärte, daß seitens des Staatsministeriums dem Kaiser, der Kaiserin, dem Herzog von Cumberland, der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Ernst August telegraphisch die ehrfurchtsvollen, herzlichsten Glückwünsche dargebracht worden seien.
Präsident Kreisdirektor Langerfeldt erklärte im Namen der Landesversammlung seine große Freude über die Verlobung. Alle hofften, daß diese Verbindung von segensreichen Folgen auch in politischer Beziehung sein werde. (Bravo!) -Er erbat dann die Ermächtigung, an die Fürstlichkeiten telegraphisch die Glückwünsche der Landesversammlung zu übermitteln und schloß zum Zeichen der Freude die Sitzung, die auf morgen vertagt wurde.
Glückwünsche des preußischen Abgeordnetenhauses.
Berlin, 11. Febr Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Tr. Krause eröffnete die heutige Sitzung mit folgender vom Hause stehend mtgehörten Ansprache: Das Haus ist durch eine überaus freudige Botschaft überrascht: Am Großhcrzoglichen Hose in Karlsruhe fand gestern die Verlobung der einzigen Tochter des geliebten Kaiserpaares, der Prinzessin Viktoria Luise, mit dem Prinzen Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, statt. Ich nehme an, daß das Haus es sich nicht versagen will, seine Teilnahme an dem glücklichen Ereignis auszudrücken. Ich erbitte für das Präsidium dia E r m ä cht i gu n g, dem K a i s e r p a a r e, dem hohen Brautpaare und dem Vater des Bräutigams, H erzog von Cumberland-, die Glückwünsche des Hauses au s z u s v r e ch e n. (Allseitiger Beifall.) Sollten die allerhöchsten Herrschaften die Glückwünsche nicht persönlich entgegennehmen wollen, werde ich mich für berechtigt halten, fie fchriitlich darzubringeit. Dem Herzog oon Cumberland loerbc er sie mit Genehmigung des Hauses schriftlich aussprecheii.
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Ueber die Verlobung in genealogischer Beleuchtung schreibt 'Dr. Stephan Kekule v. Stradonitz im „Tag":
.,Pnnz von Cumberland" ist so falsch, wie es überhaupt möglich ist, obwohl man gerade diese Titulatur sehr oft liest und hört, denn der Titel „Herzog von Cumberland", dem der Vollständigkeit halber eigentlich noch hinzugesügt toerben müßte: „Herzog (Duke) von Teviotbale und Graf iEarl) von Armagh" ist ein, nebenbei bemerkt, 1799 für Ernst August, beit späteren König Emst August II. von Hannover, t 1851, geschaffener, auf Königs, auf englischer Verleihung beruhender Hock?adels-Tites, der sich nur nach dem Reckite der Erstgeburt vererbt und bei Lebzeiten des Vaters dem Sohne nicht zukommt: einen „Prinzen von Cumberland" gibt es gar nicht, und wer daraus Wett legt, den Prinzen Ernst August, also den Bräutigam unserer Kaisertochter, durchaus mit seinem Großbritannischen Ädelstitel zu bezeichnen, der kann gar nicht anders, als ihn: „Earl of Armagh" nennen, wie ihn die bttännten genealogischen Nachschlagewerke Englands
Anton Brudner.
Vom Kottzert-Verein wird uns geschrieben:
Das Chor- und Orchestettonzert der Meininger Hofkapelle am nächsten Sonittug erhält eine besondere Note durch die erstmalige Aufführung einer Bruckner sch en Sinfonie in Gießen. Dieser An- 'laß mag einen kurzen Bcttcht über sein Leben rechtfertigen. An- ton Bruckner, 1824 zu Ansfelden bei Linz geboren, stammt aus denkbar armen Verhältnissen. Er ist, wie Schubert, dem ' Lcbullehrerstattde entsprossen. Nach dem frühzeitigen Tode des Vaters wurde der .Knabe, der 11 Geschwister hatte, im Stifte -St. Florian ausgenommen. 1841 wurde er Schulgehilfe in Windhag mit einem Gehalte von monatlich 2 Gulden. Das andere mußte er sich als Fiedler, der den Bauern zum Tanze aufspielte, föerbietten. Als er 1851, int Alter von 27 Jahren, stellvertreten- .ber Organist in St. Florian wurde, mochte er sich bei einem Jahresgehalt von 80 Gulden und freier Station als Krösus gefühlt haben. Rach einem erfolgreichen Probespiel stellte man ihn 1856 zum Domorganisten von Linz ein. Er war über 30 Jahre alt, als er sich auf die Schulbank fetzte, um das Hand- iverksmäßige der musikalischen Wisseirschast zu lernen. Bei der Reifeprüfung meinte Hofkapellmeister Herbeck: „Er hätte uns prüfen sollen!" Trotzdem studierte Bruckner in seiner herben Selbstkritik zwei Jahre weiter. In der Folgezeit feierte er als Großmeister des Orgelspiels in Paris und London glänzende Triumphe. Unter dem erhabenen Eindruck seines ganz persönlichen Spiels und der Genialität seiner Improvisationen er- ichauerte das Publikum. Die sehnlichst erwünschte Anerkennung -ls Komponist blieb ihm aber noch lauge Zeit versagt. Abgesehen t>on der Befriedigung, die er darüber empfand, daß Richard Wagner die Widmung der 3. Sinfonie annahm und ihre Aufführung in Aussicht stellte. Der Mangel an Erfolg schüchterte öruckncr derart ein, daß er sich lange Zeit an keine Sinfonie mehr icrantrautc. Erst in seinen letzten Lebensjahren wurden ihm mancherlei Ehren zuteil. Der Kaiser ließ dem altersschwachen Komponisten eine Wohnung im Schlosse Belvedere nnräumen. !lm 11. Oktober 1896 starb der von den Gebreck>en des Alters K'imgesuchte als Junggeselle, beim zum Heiraten hatte er nach Kinern Aussprüche „vor lauter Musizieren" keine Zeit. n Die Einschätzung Bruckners als des größten Sinfonikers seit oeethoven, wie ihn Brahms genannt hat, ist noch jung. Bruckner «ehörte bis ins Greisenalter zu den großen Unbekannten. Seine Verehrung für Richard Wagner ist dem rührend demütigen Mann -um Verhängnis geworden. "Wien, die Stätte seiner Wirksamkeit, =Mr die Hochburg aller verbisseiten Wagnergegner und so war J? erklärlich, daß ihn die herrschende Partei einfach totschwieg, '.ckr den Grad der Verkennung und Verleumdung )tnd »n>ei ""' M lHlönMZ-ch'piele bezeichnend: Als Bruckner seine zweite
nie nirbLndt». um erbringen konnte und sich selbst half, in
dem er sie zur Schlußfeier der Wiener Weltausstellung aufführeit ließ, brach Hanslick den Konzertbericht vor der Sinfonie ab. „um nicht der Schmach z-u'gedenken, die dem Ü-Püsikoercinssaale angetan worden fei". Kleinlicher noch war das Verbot an seine Schüler, denen es bei Strafe sofortiger Entlassung untersagt war. ihren Lehrer nach Ausführung einer Sinfonie mit einer bescheidenen Blumenspende auszuzeichnen. — Mitte der 80 er Jahre fing man an, seine Bedeutung als Komponist zu erkennen. Der greife Tonkünstler durfte die Erfolge seiner Werke noch erleben. Rikisch, Levi, Mahler, Mottl, Muck und Löwe wurden seine Apostel. Die ersten Aufführungen feiner Sinfonien in Leipzig, Berlin und München lösten unermeßlichen Jubel aus und die Tageblätter veröffentlichten das Dankschreiben Paul Hevses an Bruckner nach der Münchener Aufführung. Die beispiellose Verkemtung in der Heimat wurde nun dort durch glänzende Ehren gesühnt. 1891 ernannte ihn die Wiener Universität zum Ehrendoktor. Dabei ttchtete der Rektor, Mols Exncr, die denkwürdigen Worte an ihn: „Ich der Rector magnisicus, beuge mich vor dem ehemaligen Lehrer von Windhag." Hans Richter war es, der ihn in Wien zum Siege führte: heute sind Brucknersche Sinfonien dort volkstümlich und überall an der Tagesordnung.
Bruckner hat ein Streichguartett, drei Messen, den 150. Psalm, das Te Deiim und neun Sinfonien geschaffen. Die letzte, unvollendet gebliebene, hat der fromme Mann, der zeitlebens ein Kind blieb, dem „lieben Gott gewidmet". Als die bedeutendsten ragen die 3., 4. und 5. hervor. Besonders die hier zur Ausführung kommende 3. gilt als Muster Brucknerscher Kunst, die namentlich^ int Adagio und Scherzosatze von bestrickendem Wohlklange ist und eindringlich und warm zu jedem für die Sprache wahrer deutscher Kunst Empfänglichen redet.
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— E i n neues Schauspiel von Franz Bcperle in. Man schreibt uns aus Hamburg, 10. Februar: Der Dichter des vielgespielten, theaterkräftigen „Zapfenstreich" geht in seinem jüngsten Schauspiel „Frauen", das am Montag im Hamburger T h a 1 i a t ly e a t c r seine erfolgreiche Uraufführung erlebte, einen schönen, neuen Weg. Er verzichtet auf jedes große und laute Theater und sucht seine Wirkungen in der Intimität fein pointierter Dialoge, der tastenden Entfaltung aparter Seelenvorgänge und den ganz nach innen schlagenden Flammen menschlich ewiger Leidenschaften. Ein Künstler steht zwischen zwei Frauen. Ein heißer, nach allen Sensationen der Liebe hungriger Mensch gleitet aus den Armen einer aus selt samem innerem Reinheitsbedürfnis heraps kühlen, aber tief und schön empfindenden Gattin in die heißeren und raffinierteren Umarmungen einer zügellos der Liebe „nd der Freiheit der Kunst lebenden Sängerin. Tas Stück schildert den leidvollen Kampf der Gattin um den Mann, der rettungslos der Rivalin ver
fallen scheint, trotzdem diese ihn längst preisgegeben. Es ist wie hin Kampf der himmlischen Liebe mit der irdischen. Wer liegt? Der Dichter gibt keine Antwort. Er kann keine geben, weil der Mann sich nicht entscheidet. Weil er den Weg nicht findet, der entweder aus dem Glück zur Liebe oder aus der Liebe zum Glück führt. Weil für' ihn die Erotik das erste und die Frau das zweite ist, wkil er aus beiden keine Einheit schaffen kann. Die überaus saubere Technik, die schön flutenden, von innen heraus bewegten Wellen des geistvollen Dialogs und die Menschlichkeit der seelischen Vorgänge weckten starkes Interesse und verschafften dem glänzend gespielten Schauspiel einen ehrlichen Erfolg.
— Düsseldorfer Festspiele 1913. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: In Düsseldorf tagte unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten der Rheinprovinz Staatsministers Freiherrn v. Rheinbaben die Mitglittierversammlung des Rheinischen Goethe- Vereins für Festspiele in Düsseldorf. Das Jahr 1913 bringt Gedenktage dreier Dickster: Friedrich Hebbel, Otto Ludwig und Theodor Körner. Deshalb solleir nach einstimmigem Beschluß der Versammlung die Festspiele diesen Dichtern gewidmet fein. Friedrich Hebbel wird vertreten sein mit zwei Wderken: „Die Nibelungen" und „Agnes Bernauer". Von Otto Ludwig werden gegeben: „Die Makkabäer" und der dramatische Entwurf „Torgauer Heide". An diese Szenen, die in der Zeit des großen Friedrich spielen, wird sich zweckmäßig Lessings „Minna von Barnhelm" anschließen. Körners „Zrinh" wird als Schüler- nnd Volksvorstellung die Festspiele beenden. Als Zeit wurden die Tage vonr 29. Juni bis 17. Juli bestimint. Die Regie übernimmt wieder Geheimrat Max Grube. Hs.
— Eulenbergs „Bolinde" int Dentschen Schauspielhaus zu Hamburg. Am Samstag abend erlebte Herbert Emlenbergs Liebesstück „B e l i n d c" im Hamburger Deutschen Sclznuspielhaus seine Erstaiifiührung. ' Die Regie lag in den Händen Tr. Carl Hagemanus und der Erfolg mar ein durchschlagender. Es ist iutereffant, daß der Hamburgische Korrespondent schreibt: „Dasselbe Publikum, das gegen Eulenbergs „Alles um Liebe" wilde und leidensckmftliche Opposition machte, füllte am Samstag abend sämtliche Ränge 'des Schauspielhauses bis auf den letzten Platz, folgte dem Stück mit gespannter Aufmerksamkeit durch alle Szenen und gab zuletzt mit Beifall keine Ruhe, bis es den Dichter wieder und wieder vor die Rampe gejubelt (hat."
— Sudermann in seiner Heimat. Aus Königsberg i. Pr., den 9. Febr., wird uns geschrieben: Alljährlich fährt Sudermann zum 6. Februar, zum Geburtstag feiner betagten Mutter, nach seinem stillen .Heimatsort Hehdekrug, und diesmal hatte er sich bereit erklärt, mit seiner Reise einen Vortragsabend zu wohltätigen Zwecken zu verbinden. Ein zahlreiches Publikum hatte sich dazu aus Heydekrug und Umgegend, aus Memel


