hknmlsgegangen. Bevor der Verband bestand, existierte schon der Spar und ShrbitDcrein. Er hatte ausgedehnte Geschäfte, tueit über die Grenzen des Landes hinaus. Unsere Ausgabe n>nr es nun, in jedem Orte, ttx> es möglich war, eine Genossenschaft zu errichten. Der Aieder-Modaucr Kasse wurde mehrmals bedeut, t, das; sie Geschäfte, die nicht zu ihren Befugnissen gehörten, abstoße. Durch unsere Gründungen ist der Sparverein etwas zurückgegangen. Tie Genossenschaft hat sich nicht befriedigt mit dem Personalkredit ihrer Mitglieder, sondern ist weit über ihren Rahmen hinaus- gegangen. Der Sparverein bat die ganze Provinz Starkenburg als Bereinsbezirk in Anspruch genommen. 1905 war uns bekannt geworden, dass der Sparverein sicher Gelder aus Wechsel bei anderer Instituten beschafft hatte. Es wurde mehrfach angcsragt, ivio es mit den im Umlauf befindlichen Wechseln stünde. Tie Hessische Bank bat, ivic wir hörten, aus Grund von Sicherheiten von Rieder-Modau Wechsel diskontiert. Tamals erschien eine Notiz in einem Mainzer Blatte, wonach in Nieder-Modau ein Verlust von 90 000 Mark eingetreten sei. Wir haben uns sosort erkundigt und erhielten tn*n Bescheid, daß keine Veruntreuungen vorgekom- incn seien. Es handele sich lediglich um einen gewährten Kredit in dieser .Höhe. Die 4ldamschen Wechsel mürben dann gegen Sicher- Hf von der' Genossenschaft einge.löft. Ein Beischer sragt den i'lngeklagten, wie denn Nieder-Modau Dazu käme, für Adam Sicher- Leit zu gewähren. Vcws.: Sind die Sicherheiten Adams geprüft worden? Ange kl.: Nein. Ich habe mich darauf verlassen, dass die Hessische Bank diese Prüfung besorgt hatte. Wir haben die Wechsel eingelöst, um hinter die Geschäfte zu kommen. Bors.: Wußten Sic den Grund des Geschäftsverkehrs zwischen Pallmann und Nieder-Modau? Haben Sic sich danach erkundigt? Angckl.: Wir haben die Ausschlicßtichteitserklärung verlangt. Weil wir kein Geld gegeben haben, ist er auf Abwege gekommen. Bors.: Haben Sic nicht gefragt, was besteht eigentlich für ein Grund, für Pallmann und Isaak so fyobe Wechsel auszustellen? Angekl.: Das haben wir gefragt, und es ist uns auch das Versprechen gegeben worden, das; das nicht mehr Vorkommen sollte. Ter Verband hat auch Nachforschungen nach den Wechselverbindlichkeiten gehalten und gesunden, daß davon nichts in den Büchern stehe. Ter Verein wurde nun vor die Alternative gestellt: entweder entlaßt ihr eure Vorstandsmitglieder oder wir brechen mit euch
ab. Tarauskän trat dann Adam zurück An Veruntreuungen bat aber niemand gedacht. Bors.: Ist das nicht
schon eine Veruntreuung, wenn er seinen Verein durch derartig hohe Wechsel belastet? Angekl.: Das war nur ein Verstoß gegen die Ansschlicßlichkeitscrklärung. Bors.: Haben Sic sich darum gar nicht gekümmert? Angekl. : Dem Verbände gehören GOO Gc- nossenschasten an, da konnte ich mich nicht um alles kümmern. Ans Grund der Rcvisionsprotokolle, die wir uns erzwungen haben, haben wir darauf gedrungen, daß jetzt eine solche Wirtschaft aui- höre. Fälschungen sind dem Adam aber auch damals noch nicht zugetraut worden. 1908 ist die Genossenschaftsbank für Nieder - Modau cingetretcn. Wenn sic das nicht getan hätte, wäre Nieder- Modau ins Unglück gekommen. Wenn meine Sanicrungsvor- schläge damals durchgegangen wären, hätte sich das Unglück über» Haupt vermeiden lassen. Wenn ich gewußt hätte, daß es sich um gefälschte Wechsel handele, hätte ich meine Finger davon gelassen. 'Meine Nachforschungen haben weiter ergeben, daß auch Blanko- sormulare ausbegeben waren. Pallmann ist aufgesordert worden, sämtliche noch in seinem Besitz befindliche Blanketten zurückzugeben. Es sind dann auch 2 oder 3 Stück eingeliefert worden. Von Isaak und Pallmann habe ich damals eine schriftliche Erklärung emgefordert, daß sic keine Blankoformularc mehr besäßen. Angekl. Isaak: Ich habe feine Formulare besessen. Iustizrat Dr. Bender hat Mir erklärt, daß ich dann ja die Unterschrift ohne jedes Risiko leisten könnte. 9hir daraufhin habe ich nnterschrieben. AngeU. Ihrig: Ich drang nun daraus, daß Adam und Roßmann aus dem Vorstande überhaupt ausscheiden. Dies geschah auch, obwohl von vielen Seiten der Versuch gemacht wurde, die beiden zu halten.
Der Angeklagte Ihrig macht nun eingehende Ausführungen über Wechsel- und Hhpotheken-Schiebungen. Eingehend nnrd auch ein Delkredersonds von 55 000 Mk. erörtert, der zu gunstcn Nieder-Modaus bestimmt sein sollte. Tie Anklage erblickt hierin eine Entschädigung für Nieder-Modau, deren Ursache sie sest- stcllen will. Ihrig kommt dann auf die Vorgeschichte der gestern behandelten Erklärung zu sprechen. Diese Erklärung, die die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglicder verpflichtet, für den Ausfall von 275 000 Mk., der 1908 festgestellt wurde, aufzukommen, bezeichnet der Angeklagte als eine durckmus vollwertige Forderung. 'Denn diejenigen, die unterschrieben hätten, besäßen laut Auskunft
der Finanzämter zusammen ein Vermögen von weit Der 1 Million Mark. Von einer Formsache könne leine Rede sein. Ter Verein war baber auch berechtigt, die Bilanz dementtprechend abzuschließen und auch eine Dividende zu zahlen. Es wird vom Gericht bemerkt, daß cs cttoas neues sei, wenn die Finanzämter Auskunft über das Vermögen geben. Ter Angeklagte betont, daß die Auskunft nur gelautet habe, daß alle diejenigen, deren Namen unter der Urkunde stünden, zusammen ein so hohes Vermögen besäßen. Heber die einzelne Person dagegen wurde eine Auskunft nicht gegeben.
Es folgt nun eine Auseinandersetzung, ob es angängig sei, diese Urkunde als ein vollwertiges Aktivum in die Bilanz ein- zustellen. Tie Sachverständigen Reg.-Rat Bastian und Jensen Frankfurt o. M. erkennen die Vollwerligteit an. Ein Beisitzer fragt den Angeklagten, ob er nun der Ansicht war, daß die Kasse vollständig lebensfähig war. Kommerzienrat Ihrig bejaht diese Frage ans das bestimmteste.
Hier wird die Sitzung um 3 42 Uhr abgebrochen und bis morgen vormittag 81 ■> Uhr ausgesetzt.
Der 5jallmannprozch.
Berlin, 10. April.
Nach zehntägiger Verhandlung ist vor der ersten Strafkammer des Landgerichts der große Spieler-Prozeß zu Ende gegangen. Nachdem gestern die Plädoyers beendet lvorden waren, wurden l?euie sofort nach Eröffnung der Sitzung die Angeklagten zum letzten Wort vcrstattel. Mle drei bitten um ihre Freisprechung.
Nach ehua vierstündiger Beratung verkündete der Gerichtshof folgendes
Urteil:
Es wörden verurteilt der Angeklagte Stallmann wegen Betruges zu einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrepverlust: neun Monate der erlittenen Untersuchungshaft kom men in. Anrechnung. — Der Angeklagte Kramer wurde wegen versuchter Erpressung zu d r e i I a h r c n G e f ä n gnis unb fünf Jahren Elwverlust verurteilt: drei Monate gelren durch die Untersuchungshaft als -verbüßt. — Ter Angellagte N i e m e 1 a wird freigesprochen. - In der sehr ausführlichen Begründung wird int wesentlichen daraus verwiesen, daß cs das Gericht für feststehend mach.ct, daß gegen Niemela falsch gespielt wordcn ist. Für Falsck spiel spricht die Wahl des Spieles rouge et noir und auch das Ierreißm der Karten, sowie die Aeußerung iktiemelas gegenüber Bergell, daß er, Niemela, die Ueberzengung habe, daß falsch gespielt worden sei. Tas- Stallmann bei dem Spiel verloren hat, schließt das Falschspiel nicht ans.
Niemela ist der Mittäterschaft des Betruges angcklagt, er lann -inbeji'en als MUttUer nid.r in Frage kommen, weil er bei dem Spiel mit Tippe nicht beteiligt war. Seine Handlungsweise könnte höchstens als vorbereitende Handlung in Betracht kommen.
Tcm Angeklagten Jftramer wird versuchte Erpressung zur Last gelegr Tie Behauptung KramerS, er sei freiwillig von dem Versuch urückgerreten, verdiene keinen Glauben.
Tie Slraje gegen Stallmann wurde mit Rücksickst daraus so gering gemessen, das im Vorproz-eß Bujcs auch nur ein Jahr ctlxxücn habe: neun Monate Untersuchungshast wurden abgerechnet init Rücksicht darauf,, daß. fick' Stallmann bereits seit dem 30. Marz. v. I. in Untersuchungshaft befindet. — Niemel a muß,e freigesprochen werden. — Wegen der außerordentlich verwerflichen Handlungsweise .Kramers war eine empfindliche Strafe ant Platze. —Mit Rücksicht ans die ehrlose Gesinnung, die sowohl Stallmann wie Mranter gezeigt I>abciL waren beiden auch die bürgerlichen Ehrenreck^e abzuerkennen. Ter Angeklagte Stallmann verzichtete ani das stiechtsmittel der Berufung, während Kramer erklärt, mts die Berufung nicht verzichten zu wollen.
Aus Anfrage teilt der Verteidiger Stallmanns, Dr. Julius Meper I., der Nat. Ztg. folgendes mit: „Das Urteil gegen Stallmann ist mir insofern nicht überraschend gekommen, als dieselbe Straftammer in dem vorhergehenden BujeS-Prozesse bereits zu der gleichen Ansicht gekommen ist, daß beim Spiel im Fürsten- hos 'falsch gespielt worden ist. Die von dem Vorsitzenden gegebene, Begründung, daß das Gericht selbst nicht wisse, welche betrügerischen Tricks angeweitdet seien, haben mich Don der Schuld Stall-- m a n n s n i ch t ü b c r z e u g c n f ö n n c n , ba ich den Standpunkt vertrete, daß jedem Angeklagten zum mindesten nachgewiesen werden muß, in welcher Weise er die Gesetzverlctzung begangen hat.
Stallmann hat aus mähten Rat auf das 'Rechtsmittel her Revision verzichtet, da er doch nur noch drei Monate zu verbüßen hat, der Revisionstermin in Leipzig aber erst später angcsekt wer- dcn iuürbe, und Stallmann, selbst wenn das Urteil aufgehoben und er später sreigesprochen werden würde, mindestens noch 6 Monate Untersuchungshaft leiden müßte.
Vsrm Achtes»
* Falscher Feueralarm in einem B erli ner Theater. In der .Kurftirstcu-Oper in Berlin erlitt eine Äus- sührnng der Opernschule der Kammersängerin Elella Gerster dadurch eine unliebsame Unterbrechung, daß plötzlich eine Time im zweiten Rang kurz hintereinander „Feuer!" riei. Es entstand eine teilweise Panik, lieber 100 Personen sprangen von ihren Plätzen auf und stürzten fluchtartig nach den Ausgängen. Als- balö trat ein Oberfenerwehrmann auf die Bühne und teilte mit, daß nicht das geringste passiert sei. Tie Vorstellung ging alsdann weiter. Tie Dame, welcher die Fenerrufe ausgestoßen hatte, gab bei ihrer Vernehmung an, daß sie plötzlich von Angftzu- ftänben befallen worden sei.
öcm&e! und Verkehr, voLkswirtßchaff-,
--- Die Hehligenstacdt u. C o. - A k t i e n g e se l l- schäft in Gießen zahlt für das Geschäftsjahr 1912 eine Dividende von 10 Proz. «gegen 8 Proz. i. B. bei reichlichen Abschreibungen.
, n T ? f fc n b a cb , 9. 9lpril. Die seit mehr als 30 Jahren bestehende, tu der Industrie rühmlichst bekannte Dampfkessel- sabrik von G. Rochow, hier ist unter der Firma G. Nochow, G. m^ b. H., in eine Gesellschaft umgewandelt worden.
o n f u r je in Hess en. lieber das Vermögen der »nrina Robert Streck»r, L'eberbnnbhntg in Offen bad), iuürbe nm 27. Februar das KonkiirsverMbren eröffnet, ba die Zablnugseinsiellung der Gemeinschuldnerin nachgeiviesen ist. Rechtsanwalt Tr. Rothscbttb zu Osfenbacb mürbe zum Konkurse vermalter ernannt. Konkurskorberungen sind bis zum 14. Avril bei dem Amtsgericht Offenback) nnzumelden. — lieber das Vermögen der Firma „Karl Stückrath", Inhaber Kaufmann Karl Stückrath von ließen, mürbe am 31. März das Konkursverfahren eröffnet. Kaufmann V. "JUtboff in ließen wurde zum Konkurs- verivalter ernannt. Konkurssorderunaen sind bis zum 19. April bet beut dlmlsgericht Gießen anzumelden. — lieber das Vermögen des Arthur Philips, Weinbändler in Mainz, Inhaber der Rmua .Philips & (£o/, wurde am 3. April bas Konkurs- verkalnen eröffnet. Rechtsurattikant Rehm in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 21. April bei dem Amtsgericht Mainz anzumelben.
Vom Mütterchen die Frohmrtur. Einen so schönen Abend habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich war so seelenvcrgnügt, wie in meiner ersten Studentenzeit. Alle Sorgen vergessend, hatte ich dem Frohsinn die Tür geöffnet durch 2 Stück der echten -Hola-Pastillen Piarke Tallmann lDallkolat) und heute verspüre ich weder Kopfschmerz noch schlechte Laune. Eine Schachtel Dallkolat Alk. 1.— in Apotheken und Drogenhandiungen. D29/3
Jedenfalls in der Universitäts-u.Hirsch-AvMheke. Ferner: Adlers- Drog., Eemral-, Kreuz-, Löwen- u. Germania-Drog , sowie Ernst Noll.
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haben sich zohlreichs Fahrer gewöhnt, Wybert- Tabletten mitzunehmen. Die staubige Luft, dos rasche Almen greift die Kehle an, sie wird froh« Ken, der Kols rauh und die Stimme heiser, besonders wenn man sich noch von der Fahrt erhitzt dem Zuge ausgesetzt hak. Dann wirken ein paar sie im Munde zergehen, lindern sie die jöeifer-
und schaffen einei^ freien .*öal5. Der Preis ist in allen Apotheken unb Drogerien 1 Mark pro Schachtel. Niederlagen in Gießen: Pelikan-Apotheke und Löwen-Drogerie.
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