Ausgabe 
13.5.1913 Zweites Blatt
 
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M. J09

Zwettes Blatt

165. Jahrgang

Erscheint IZgllch mit Ausnahme des Sonntags.

Zur

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! Qualitäten lenen Grössen

?rkauf.

58,48, 43,38

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: e-^112.Del.-Adr.:AnzcigerGießen.

DieGießener Kamilienblätter" werben dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das AreiLblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Iagdsthuhe»6tc

'^Leipzig

Volke, denn wir waren überzeugt, das; die »Existenz Frankreichs mit diesem Opfer verknüpft ist. Wenn so deutliche Wahr­heiten an den Tag treten, wie z. B. daß das Heer unseres Nachbarlandes 500 000 bis 850000 Mann mehr zählt als das unsere, können wir dann, könnt ihr dann untätig bleiben? Nein! Unser Vaterland machte die Fehler der Vergangenheit gut und eroberte sich wieder seinen Platz, den ihm niemand wieder nehmen kann, wenn ihr wollt. Frankreich muß ein Heer l>aben, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ stark ist. Frankreich muß es verstehen, sich Achtung zu verschaffen und gegebenenfalls zu siegen. Ihr werdet die Sieger von morgen sein, wenn ihr wollt. Die Ncde des Kricgs- nnnisters wurde begeistert ausgenommen.

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Dienstag, 13. Mai 1913

Rotationsdruck und -Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

ZirbilänmLüdreffe de; deutschen Städtetages.

5; Bi an schreibt uns: Kürzlich hat unter Führung des Ober­bürgermeister^ Dr. v. Borscht-München eine Besichtigung der Adresse stattgefunden, die der Deutsche Städtetag zum Kaiser jubiläum unfertigen läßt. Das Werk ist durch die Hand des Professors Hupp in Schleißlwim so weit gefördert, daß die Ge samtwirkung und die Schönheit der einzelnen Teile erkannt werden kann. Es hat die Form eines kleinen Schreins, dessen init Elfen bein und silbernen Ornamenten belegte Kapsel abnehmbar ist. Darin sind 7 buchartig verbundene Tafeln, deren erste drei unter anderem den Reichsadler und die .Hüldigungsworte enthalten. Die letzte Tafel verzeichnet die Städtevcrbände mit den Namen ihrer Mitgliederstädte von unter 25 000 Einwohnern. Die da- zwischon liegenden drei Tafeln, die triptychonartig auseinander­gelegt werden können, bringen in feinster Arbeit und reizvollster Anordnung die Wappen aller sich an der gemeinsamen Huldigung beteiligenden deutschen Städte von über 25 000 Einwohnern. Dabei geben die Städte Berlin, München und Dresden den Mittelpunkt je einer Taftl ab; die übrigen Städtewappcn sind nach der Bc- öcutung der Städte und nach künstlerischen Gesichtspunkten, aber ohne Absonderung der einzelnen Bundesstaaten verteilt. Das Werk versprielu zu werden, was es nach den Willen seiner Ur­heber sein soll: eine Urkunde, die den Entschluß des .Kaisers, alle persönlichen Geschenke zum Regieramgsftlbiläum abzulehnen iiudZne Gaben der Städte den Zwecken der Wohlfahrt zuzuivenden, in Erz verewigt: die mit den Mitteln vaterländischer Kunst die Bedeutung der Stunde auch ftir spätere Geschlechter festhält und durch das Zusammenwirken der Städte aller deutschen Gauen, ja auch dadurch, daß das Werk im Süden des Reiche geschaffen mird, die Innigkeit der deutschen Einheit zu stolzer Darstellung bringt: die endlich auch die großen Mittel, die die Städte als Zubiläumsstiftung für die Wohlfahrt ihrer Bürger bereit stellen, mehr als 20 Millionen Mark, würdig verlautbart. Die Kosten der Adresse, die auch einer Reihe von Kunsthandwerkern lohnende Arbeit verschafft, sind daneben recht geringfügig >3,80 Mk. auf das Tausend Einwohner der beteiligten Städte), besonders wenn inan bedenkt, daß diese große gemeinsame Adresse' an die Stelle von vielen Hunderten Einzeladressen tritt, die die einzelnen Städte ohne die Zusammenfassung sicherlickt abgesandt haben itriirben.

Die Eröffnung

der Zubi?aunl8kunftau8ffellung in Ver'm.

Berlin, 10. Mai. Die diesjährige g r o ß e Kun st - au s stellu n g im Landes Ausstellungspark lburde heute vormittag in Gegenwart des Kaisers rrnd der Kaiserin als JuLiläumskunstausstellung eröffnet. Tie Majestäten wurden von dem Reichskanzler v.Bethmann- Hvllweg und denr Kultusminister empfangen. Der Aus- ftellun gsaus's chutz mit Professor Kall morgen an der Spitze hatte sich inr Ehrensaale der Künstlerschaft ein­gefunden. Der Kultusminister hielt eine Ansprache:

Er führte dabei aus:

Nicht nur durch ihren Namen tritt die Kunstschau dieses Jahres aus der langen Reihe ihrer Vorgängerinnen heraus. Euere Majestät haben Allerhöchstselbst an ihrer Gestaltung tat- Eräftigen Anteil genommen, indem Sie geruhten, die Einführung siner Sonderausstellung derjenigen Bauten und Anlagen Mzuordnen, die im Laufe der verflossenen 25 Jahre unter der besonderen Einwirkung Euerer Majestät geschaffen wor- dm sind und dem Allerhöchsten. Juteresse oft genug bis in die letzten Einzelheiten ihre Entstehung verdanken.

Wohl wissen wir unsere Zeit bei allen: Großen, das sie hr'rvorgebracht hat, von ethischen und sozialen Gegensätzen durcy- Ulltet, und die Zügellosigkeit, die falsche G e n i a l i - t d t und das Hasten und Drängen nach Ruhm und Besitz, die liity anderswo cntgegentreten, sind leider auch der Kunst -richt fern geblieben. Demgegenüber muß die Sorge aller, > ucu die Pflege der Kunst obliegt und das Herz bewegt, darauf pwichtet sein, den gesunden Sinn der Künstlerschast zu fördern ob den Nachwuchs vor Verwirrung zu schützen.

Auch in der Kunst ist noch kein Meister vom Himmel ge- fellen, und nur der Götterliebling darf den vollen Kranz be­rühren, der in st r e n g e r S e l b st z u ch t und ernstem Stu­dium' der Natur und Vergangenheit um die höchsten Ziele der Kunst ringt. Und sowenig der Kunst die Höhen und Tiefen des Lebens verschlossen sind, so muß doch dieses Kunstwerk eine innere Har m o n i e in sich tragen, die den Künstler beseelt und sich dem Beschauer mitteilt. So gilt das Goethewort, dos sich der treffliche Ludwig Richter zum Lebensspruch erwählt -fette, noch heute:Große Gedanken und ein reines Herz ist es, roas wir von Gotc erbitten sollten!" Möge es stets in der Rutschen Kunst gelten, damit sie allezeit bleibe ein Edelstein in der ^Erone Eurer Majestät!

Hieraus dankte Professor K,alltrtor gen dem Kaiser namens der Berliner Künstlerschaft imb der Ausstellungs- kommission für sein Erscheinen und alle Förderung, die mit warmem Herzen und offener Hand allezeit für Drnst und Künstler bewiesen habe.

_ Der Redner wies dann auf die Sonderausstellunyen von Stuck, Schoe nieder, Schmutzer, Ebhardt hm. Der Tnsschuß habe seine Arbeit unter bem Druck unruhiger Zeiten geleistet, jetzt sei das schwere Gewölk hinweggeschoben und fried- uchere Zeiten ungestörter Arbeit schienen zu nahen. So möge !)cr Kaiser die Huldigung der Künstlerschast, die diese in Gestalt :' Ausstellung darbringe, aunchmcn als ein Zeichen des heißen Dankes an den hohen kaiserlichen Förderer und Beschützer. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.

Der K a i s e r - erklärte dann die Ausstellimg für eröffnet :irb machte mit der Kaiserin und den Prinzen einen Rundgang ! ucch die Säle. Die Majestäten begaben sich später nach dem Shlosse in Berlin.

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°cv Landes-Universität ernannt worden. Professor Bruck, ein Sohn des verstorbenen Breslauer Strafrechtsprofessors Ge­heimrat Felix Friedrich Bruck, ist 1880 in Breslau geboren. Er studierte in Breslau und Leipzig, wo er im Februar 1904 promovierte. 1904/05 war er Hilfsarbeiter im Neichs- gesundheitsamt in Berlin. Seit April 1905 wirkt er in Gießen, zunächst als Assistent am botanischen Institut, seit 1907 als Privatdozent der Botanik. 1911 wurde feine Venia auf koloniale Landwirtschaft erweitert. Seit 1908 liest er auch an der Akademie in Frankfurt über koloniale Wirtschafts- kunde. Bruck hat ferner im Auftrage des Neichs-Kolonial- amtes und des kolonialwirtschastlichen Komitees Studienreisen nach Ostasien und Ostafrika unternommen.

' Ein wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer soll in diesem Sommer wieder an der hiesigen Landesuniversität abgehalten werden. Vorträge halten Ceminardirektor i. P. Professor Dr. Quentell über Reibungselektrizität" (mit praktischen Hebungen, Anfertigung von Apparaten usw. unter besonderer Berücksichtigung der Be­dürfnisse der Volksschule) und Professor Dr. Gunkel über Einführung in die alttestamentlichen Propheten". Die Vor­lesungen beginnen am Mittwoch, 28. Mai. Auch Nichtlehrer können sich beteiligen. ®

*' Aus dem Militärwochenblatt. Zum Zeug- oberlt. befördert Zeuglt. Krat beim Art.-Depot in Mainz. Unter Beförderung zum Zeuglt. öersetztZeugfeldwebel Presse beim Art.-Depot in Mainz zum Art.-Depot in Rastatt; unter Beförderung zum Feuerwerkslt. versetzt Oberfeuermerker Hammel beim Art.-Depot in Mainz zum Art.-Depot in Straßburg.

** Ruhestandsversetzung. Der Großherzo g hat dem Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, Ge­heimen Justizrat Karl Kolb, auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste ui den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritter­kreuz 1..Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

""Bei der Landesversicherungsan st alt Hessen sind im April 1913 = 419 Anträge eingegangen und zwar: 310 Anträge auf Invaliden- und Krankenrente (I. u. K.), 19 Anträge auf Altersrente (91.), 36 Anträge auf Witwen- und Witwerrente (W.), 38 Anträge auf Waisenrente (O.) 16 Anträge auf Witwengeld (Wg.). Unerledigt wurden übernommen 469 Anträge, so daß 888 Reptengesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 327 Anträge durch Bewilligung (242 I., 14 K., 10 91., 16 W., 12 Wg., 3'3 O.). (13 Anträge durch Anwartschaftsbescheid (§§ 1258 und 1743 RVO.), 54 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (42 I., 3 91., 5 W., 1 Wg., 3 O.), 27 Anträge durch andere Weise Zurücknahme usw. (18 I., 7 91., 2 W., Wg. O.), 7 Anträge wurden durch Umwandlung K. in I. erledigt), zusammen 428 Anträge, so daß 460 als unerledigt auf Mai übernommen werden mußten. In welchem Umfange die Landesversicherungsansialt Heil­verfahrenskosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende April 1913 in Anstalten 327 versicherte Personen untergebracht waren. 9lußerdem befanden sich noch teils auf eigene Kosten, teils auf Kosten des Fonds der Großherzogin, von Gemeinden oder von Stiftungen 99 Per­sonen in verschiedenen Anstalten.

Kreis Friedberg.

-1. WeckeSh eim, 12. Mai. 9lm Samstag machte hier die 44jährige Ehefrau des Bäckermeisters R. Künstler aus dem Hausfpeicher ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Frau, die kurz vorher noch ihrem Manne beim Backen behilflich war, dürfte die Tat in einem Augenblick geistiger Umnachtung ausgeführt haben, da im ganzen letzten Jahre Anfälle von nervösen Störungen bei ihr aus­getreten sind.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M 13. Mai. Der Voranschlag für 1913 schließt mit 8198 800 Mk. ab gegen 8 105 550,19 Mk. im Rech­nungsjahr 1912. Man glaubt, unter Entnahme der fehlenden Mittel aus dem Ausgleichsfvnds den bisherigen Steuerausschkag von 189 Prozent beibehalten zu rönnen. Än Gemeindeumlage sind 5 102 480 Mk. aufzubringen. Der Abschnittö f f e n t I i ch e Gesund heitspf leg e" 126 798 Mk. Einnahme und 737 258 Mark Ausgabe. Für die Fürsorge für L u n g e u - und Lupus- kranke werden 7151 Mk. erforderlich, der Säuglings-und Mutterschutz erfordert 8030 Mk., die Sonnuerpflege kränk­licher Kinder 7500 Mk., während die Kosten ftir die Kindermilch­anstalt 12 780 Mk. betragen. Die Badeanstalten erfordern einen Zuschuß von 44 240 Mk. Die Ausgaben ftir U n t e r r i ch t s- und Bildungszwecke betragen bei 153 430 Mk. Einnahme 1 670 878 Mk. Ausgaben. Die Ausgaben für die Armen- Wohltätigkeitszwecke 604110" Mark. Für gemein­nützig e Zwecke und soziale Einrichtungen macht sich bei 37 095 Mk. !Einnahme und 190 612 Mk. Ausgabe 153 517 Mk. Zuschuß erforderlich. Die Kosten der allgemeinen Ver­waltung betragen 857 875 Mk. Bon den städtischen Betrieben hat das Gaswerk 434 000 Mk. Einnahmen, das Wasserwerk 220200 Mk., und das Elektriz-itätswert 45360 Mk. Für die elektrische Straßenbahn ist ein Zuschluß von 57.360 Mark vorgesehen. Die Wertzuwachssteuer bringt 60 000 Mark, die Himdejteuer 10 220 Mk., die Verbrauchsabgaben 227 309 Mark ein. Die V e r m ögeusrech n u n g schließt mit 9 993 106 Mark ab, wahrend die Fondsrechnung mit 1 286 871 Mk ab schließt. Das Vermö.wn beträgt 53 786 937 Mk. und die Schulden betragen 34 780 005 Mk.

h. Flörsheim, 9. Mai. Böse geprellt wurden acht Tage lang zahlreiche hiesige Einwohner "durch einen Schwindler, der unter dem TitelKöniglicher Ober- 'ngemeur" hier in einem Gasthause lebte, für den Fiskus cm Grundstück zur Erbauung einer Funkenstationerwarb", ottf ftoltcn feiner Mitmenschen sich freihalten ließ und mit Frei­gebigkeit eine Menge Aufträge erteilte. Seck gestern ist der Herr spurlos verschwunden und zahlreiche Betrogene haben das Nachsehen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gbechejtzn

Abteilung

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am Mai!! > al: Zeil 8 MsMW tS&n ;Ciüeboijnen;

Die Reise des prrnzrcgenten von Bayern.

Pirmasens, 10. Mai. Von Zweibrücken kommend, traf das Prinzregentenpaar nebst Begleitung im Hofsonder­zuge um 1,15 Uhr hier ein, um auch der Stadt Pirmasens einen Besuch abzustatten. Nach dem Empfang in dem schön geschmückten Wartesaal ging die'Fahrt zunächst zu der Sckiuhfabrik von Rhein­berger, wo bie Herrschaften den Vorgang der Schuhfabrikation verfolgten. Hierauf ging die Fahrt nach dem Stadlhaussaal, wo den Herrschaften, als sie auf den Balkon traten, von einem Männer­chor ein patriotisches Lied und von einer überaus zah!reicl>eii Menschennienge burd> jubelnde Zurufe Huldigungen dargeöracht iinirbcn. Später erfolgte die Faltrt zum Bahnhof, um von frier aus bie Rückfahrt nach Ebenkoben anzutreten. Um 51'.- Uhr traf bie _ königliche Familie wieder in .Villa Ludwigshöhe ein. Sowohl in Zweibrücken, als auch in Pirmasens verlieh der Prinz­regent eine Reihe von Auszeichnungen. Heute abend 7 Uhr ist in Villa Ludwigshöhe Tafel.

Die hinterlandbahn im preussischen Landtag.

Im preußischen Landtag wurde in der letzten Zeit von verschiedenen Rednern die Hinterlandbahn zur Sprache gehracht. So führte u. a. Abg. von He im bürg aus:

Ich mbdjte dann noch auf den Schülerzug zu sprechen kommen, der twn Gladenbach nach Marburg eingeführt werden sollte, damit die Familien, die ihre Kinder auf die Schule schicken wollen, in Marburg nicht einen Haushalt zu etablieren brnuzfren. Nun fft der Schülerzug aber nur für den Winter bewilligt, für den Sommer aber wieder aufgehoben worden. Das hilft aber niafts. Denn das übermäßig frühe Aufstehen der Kinder ist im Sommer ebenso schwerwiegeiw, wie das int Winter ist, und der nutzlose Aufenthalt auf dem Bahnhof in Marburg erhöht diese llnannehm- lichkeit noch. Es würde zu erwägen sein, daß dieser Schülerzug doch nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer geht. Alle diese Unannehmlichkeiten würden aber wegfallen, weyn wir eine Verbindung mit der Kreisstadt hätten, wenn wir nicht im großen Bogen herumfahren müßten, um nach Biedenkopf zu gelangen, sondern wenn wir die Kinder in die .Kreisstadt schicken könnten, wo schock eine gute Schule besteht, die sich bald zur Vollanstalt entwickeln würde. Damit komme ich auf dos große Projeit, das in einer Denkschrift dem Herrn Minister vorliegt, eine Ver­bindung von Wetzlar aus nördlich durch Den Kreis Bieden­kopf b i s ins Edertal, damit endlich der Kreis sich als Kreis fühlen kann und die Kreisstadt wirklich den Mittelpunkt des Kreislebens bildet, was jetzt nicht der Fall ist. Auf die Denk­schrift brauche ich nichts weiter einzugehen: sie liegt in einem schönen Heft mit Karten lind anderem einschlägigen Material ver­sehen dem Herrn Minister vor. Es ist mir gesagt worden, sie be­dürfe noch der Prüfung^ Aber meine Herren, das liegt doch alles so auf deut Präsentierteller, daß meines Erachtens jetzt endlich etwas darüber gesagt werden könnte, wie denn nun eigentlich die Bahn laufen soll. Es ist ftns ganz egal, wie sie geführt wird: es ist nur notwendig, (Abg. Dr. Schroeder-Kassel: Daß sie über­haupt gebaut wird! Heiterkeit) daß sie sich v-m Süden nach Norden durch den Kreis zieht; bann hätten wir ein? Verbindung non Wetzlar nach Gladenbach und Friedensdorf und weiter im Rorden zum Edertal. Zu gleicher Zeit darauf möchte ich noch besonders aufmerksam machen wäre es doch auge- zeigt, auch Gießen besser mit dem Teil des Kreises, der nach Gießen inkliniert, zu verbinden und Vor­kehrungen Ku treffen, daß die dort vorhandene Kleinbahn dasBieber-Lieschen" heißt sie, (Heiterkeit? und ist ein kümmer­liches kleines Ding, für das nichts mehr geschieht, vom Staate a n g e k a u f t und nach dieser von mir erwähnten Linie hin fort- gesührt wird.

Abg. Bvedt sagte u. a.:

. In dankenswerter Weise plant die Staatsregierung den Bau einer Bahn durch das sogenannte Hinterland, das ist der Kreis Biedenkopf, in der Provinz Hessen-Nassau. Wenn nun aber bie Bahn bie Trace nimmt, die bisher vorgesehen ist, dann besteht die Gefahr, daß eine wirtschaftlich sehr gut florierende Gegend dauernd vom Verkehr abgeschlossen wird: es ist das der Zivfel, der in den Kreis Biedenkopf hineinragt und infolge­dessen sehr gut mitgenommen werden könnte mit den Orten Kirch- Vers, Nolshausen, Seelbach und anderen, die südlich von Gladenbach liegen, das sowieso den .Hauptvunlt der Bahn abgeben soll. Diese Orte müßte bie Bahn berühren. Was die Weiterftihrung ber Bahn angeht, so besteht bei uns der sehr leb­hafte Wunsch, daß die Orte WeitershaUsen, Kaldem, Treisbach, Warzenbach mit in bie Trace hineingenommen werden möchten. Es bestehen bort größere Lager von Erdprobukten, die sich wohl löhnen würbe mit Hilfe einer Bahn auszubeuten. Was schließlich den !Eudpunkt der BalM angeht, so käme frier vielleicht die Stadt Wetter als Knotenpunkt in Frage, wo die neue Strecke in bie Bahn, die von Marburg nach Frankenberg führt, einmiinben könnte. Ebenfalls besteht auch ber Wunsch, daß die Gegend um die Ge­meinde Niederasphe mit in die Trace einbezogen werden möchte, und ich möchte dies der Staatsregierung zur ^Erwägung empfehlen. Ich darf dabei bemerken, daß die Bahn, bie ich Vor­schläge, nicht nur ber Bevölkerung jener Gfegenb Vorteil bringen würde, sondern namentlich auch sich für die Staatsregierung er­heblich billiger stellen würde. Wenn man sich die Karte ansieht, dann sieht man, daß jetzt in der sehr gebirgigen Gegend des Hinterlandes, im Kreise Biedenkopf, eine ganz erhebliche Anzahl von Tunnels kaum zu umgehen ist, mäfrrcnb wir bei unserer flachen Gegend vielleicht ohne Tunnel oder doch mit erheblich weniger Tunneln auskommen werden. Ich möchte daher der Staatsregic- rung dringend ans Herz legen, den Wünschen des Kreises Marburg zu entsprechen.

Ans Stadt nn- Land.

Gießen. 13. Mai 1913.

** Tageskalender für Montag, 13. Mai: Trinker- fürforgeftelle für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Aster­weg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 67,-8 Uhr.

LU. Der Privatdozent an ber Großh. LandeS- Universität Dr. Werner Friedrich Bruck ist vom Großherzog zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät

Die dreijährige Dienstzeit in zrantteich.

||h Die rcpublikanisck)-demokratische Partei läßt in Paris und iit den Provinzen ein Plakat anschlagen mit der Ueberschrift Einigkeit für die nationale Verteidigung". In dem Plakat wird aasgeführt, die Sicherheit des Gebietes und die Zukunft Frankreichs Duden auf dem' Spiele. Auf die Vergrößerung ber beutschen j. Militärmacht müsse Frankreich mit der Verstärkung feiner , Ästungen antworten, ohne daß deshalb der Wille Frankreichs mifröre, hervorragend friedlich zu fein. Am Schlüsse wird auf -or Plakate die Notwendigkeit betont, den Gesetzentwurf über ' Mc dreijährige Dienstzeit anninefrmen, dessen Nichtannahme für iftanfreid) eine moralische Niederlage wäre, die leicht andere nach iich ziehen könnte.

Eine Hetzrede des franzöfischen Kriegsministers.

Vichy, 12. Mai. Kriegsminister Etienne lftslt vor d0A) Turnern eine Rede, in der er sagte: Frankreich fand dank n Republik wieder einen Platz in der Well; um diesen Platz kic bewahren und seine Stelllmg zu befestigen, brauchen wir ein 'm, das imiianbe ist, in jedwedem Wettstreit einzutreten. Deshalb t langten wir kühn und entschlossen so bedeutende

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