von bret Stcrdtv^rv-rdnten brr dritten Klosse Natt, (^ewadtt tourbe nur Postsekretär Zimmerling mit 550 Stirn- nwit, wahrend zwischen den übrigen Kandidaten Stichwahl ftatt$u< nnbcn b«; es erhielten txm den Bürgerlichen Architekt S ch l o t t - ner 338, Heim 263, Bocke 251 und WeiftHaupt 278 stemmen, von den Sozialdemokraten Lagerhalter Dippel 329, Schreiner Schmid 348 und Brauereiarbeiter Lcibingcr 317 ^numen. tzn SticlvnaA kommen Schlot tn er, Dippel und Leibinger. Die Stichwahl wurde auf den 28. ykovember festgesetzt. — Die Verhandlungen wegeri Verkaufs der Militär- kaserne an die Stadt ftchen vor einem befriedigenden Abschlaft. Das Gchäude wird zur Unterbringung von Gymnasialklas- s e n dienen.
Der Zunghelftrbund.
Ans Berlin wird uns geschrieben: „Junghelserbund" nennt sich eine neue Juoendvereinigung, die sich vor kurzem gebildet hat, und sich die Aufgabe stellt, die Heranwachsende Jugend zu bewußter Wohlfahrtspflege zu erziehen, indem sie das Verständnis der Kinder für fremdes Leid eittwickeln und zu tatcnfroher Hilfsbereitschaft ausgestaltcn will, wie es bereits seit Jahren in England in vorbildlicher Weife geschieht. Dort war es der jetzt verstorbene Dr. Barnardo, dem die schöne und cljrcnbc Bezeichnung „Vater der Niemandskinder" zuteil wurde und der vor etwa 20 Jahren „The houng tzelper's League" ins Leben rief, die heute fast die gesamte Jugend England vereinigt und über ein Jahreseinkommen von etwa % Millionen Mark verfügt, das sich aus kleinen freiwilligen Spenden der Kinder, aus Taschcngeld- pfcnnigen, zusammcnsetzt. Diese Beträge ermöglichten cs, in London das Kinderkrankenhaus der Barnardoschen Anstalten, ebenso wie eines der tzäuser in der Barnardo-Kolonie von Islington zu gründen und vollständig zu unterhalten.
Für Deutschland muffte der Gedanke unseren Verhältnissen entsprechend «mgeformt und sein Tätigkeitsgebiet in die Schulen gelegt werden. In zweijähriger stiller Arbeit hat eine Charlottenburger Mädchenschule die Lebensfähigkeit eines deutschen „Junghelferbundes" erprobt und überaus erfreuliche Resultate damit erzielt. In ungefähr V/z Jahren kamen hier über 2000 Mark tzusammcn, die für laufende Pflegegelder zu Erholungskuren für kranke und schwächliche Kruder, zur Ausrüstung eines Knaben, der zu rSee wollte, und zu kleineren Aushilfen und Anschaffungen verwendet werden konnten. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch aus erzieherischem Gebiete, der die Jugend zu verständnisvollem Helfen durch ftciwilligen Verzicht auf einen Genuft hcrcm- bilden und eine Wohlfahrtspflege in die Wege leiten will, die in späterer Zeit Wohltättgkeitskonzerte, Blumcntage, Basare usw. überflüssig machen soll. Zu diesem Zweck werden durch die Schulen „Junghelfcrbunde" unter der Leitung des Schulvorstandes ins Leven gerufen, deren Mitgliedschaft eine durchaus freiwillige ist, und die .ßmdcr zur monatlichen Zahlung von 10 bis 20 Pfennigen in die Klasscnkasse des Bundes verpflichtet.
Der Eifer der jungen Mftglieder, die ans ihrer Mitte die Vorsitzende, Schriftführerin und Kassenführerin der betreffenden Klasse zu wählen haben, wird durch die Selbstverwaltung der gesammelten Gelder erhöht, die in monatlichen Versammlungen abgeliesert werden, bei welcher Gelegenheit den Kindern von den leitenden Lehrkräften Vorschläge für die Verwendung und Bericht über die Erfolge der Öilfstätigkeit gemacht werden. Nachdem in der genannten Schule sich die Organisation gut bewährte, hat auch die „Königliche Aucmsta-Schule" zu Berlin eine „Junghelfergr- gruppe" eingerichtet, während in Meiningen, Breslau, Danzig, Straßburg und anderen Orten solche in Vorbereitung sind. Die günstigen Erfahrungen und das Verständnis, das die Grundgedanken des Bundes überall fanden, haben nun zur Gründung eines g auzDeutschlandumfassendenBundes gc'ührt. Ten Vorsitz bat der um die Jugendpflege so hochverdiente Professor Dr. von Soden übernommen.
Der Bund soll die bestehenden Jugend-Organisationen nicht tzurückdrängen, sondern in ihrer Arbeit untcrftützen, indem er die durch ihn gesammelten Mittel stets unter Mitwirkung der bewährten Kinderschutzvereine oder anderer Jugendwohlfahrtseinrichtungen zu verwenden gebentt. Emma Stropp.
Der Ritualmordprozeh.
Kiew, 10. Nov. Im Ritualmvrdprozeß ist der Angeklagte Beilis freigesprochen worden. Die Geschworenen bejahten die Frage 1, ob das Verbrechen in dem Gehöft Saizew begangen worden sei, verneinten aber die Frage 2, ob ein Ritual- uörd vorlicge, und ob das Verbrechen von Beilis begangen worden sei.
Vermischtes.
* Brände. Aus Suhl, 10. Nov., meldet ein Privat- 7Tclegramm: In dem benachbarten Gold lau ter brach in der vcrgairgeneu Nacht Feuer aus, das zwei Wohnhäuser einäscherte. Zwei Kinder, im Alte, von vier und sechs Jahren, sind urn- gc komm en. — einer Meldung aus Heiligen stabt hat ein Großfeuer in Dingelstädt sieben Anwesen eitr- geäschert.
* Schic rlin g Vergiftung. Aus West en feld wird gemeldet: Die Bergrftunv at der Familie des Garrneveibesi-ers Müller durch den Genuß von Suppe i/at ein weiteres Todesopfer erfordert. Auch der Lehrling B-chresmeicr isl gestorben. Die übrigen 10 Mitglieder der Familie befinden sich außer Lebensgefahr.
* Seltsamer Selbstmord. Nach einer Meldung ans Kascknm verübten in Alt-Löblau der .Naufmann Timar unb seine Gattin in der Weise Selbstmord, daß der Schuß, mit welchem der Marrn sein Herz durchbohrte, auch in die Brust der Frau ein- drang, die sich dicht hinter ihm aufgefteßt halte.
* EineScharlach-Epidemie hcrriäft zurzeit in London. diugenblicklich sind 3600 Fälle in Behandlung.
kos. Eine empfehlenswerte Schlingpflanze. Tie Schlingpflanzen eignen sich in hohem 'Maße zur natürlichen Ausschmückung des sich allmählich wieder zum »Gartenheim» gestaltenden Gartens, weil sie sich zu wirkungsvollen Bildern verwenden laßen. Eine sehr dankbare, blütenreiche, krätzige und widerstands- fähige Schlingpflanze ist der in Brasilien heimische Nachtschatten, Solanum jasminoides, der in unseren Gärten noch viel zu wenig beachtet wird, obgleich er sich auch bei uns sehr gut kultivieren labt, iveiüg Pflege verlangt, dagegen recht viel Freude bereitet mit seinen großen, weißen, an unseren Jasmin erinnernden Blüten und beit zierlichen, meist hcrzeiiörmigen Blättern von schönem Dunkelgrün. Besonders empfehlenswert ist der jasminartige Nachtschatten zum Bekleiden älterer Mauern, die er in einen dunkelgrünen Mantel hüllt, übersät mit prächtigen, weißen Blumen. Der kräftig rankende Strauch wird im Frühjahr im Freiland gepflanzt, man läßt ihn dann sich über cm Spalter, eine 'Mauer ober einen Pfahl usw. ranken. Tie Blütenstände sind so reichblütig, daß der Strauch beinahe daß ganze Jahr hindurch mit den reizend weißen Blüten geschmückt ist, die das leichte Blätterdach durchdringen. Tie Vermehrung erfolgt durch Stecklinge, die schon in kurzer Zeit prächtige, sofort blühende Pflanzeit geben. Besonders geeignet und empfehlenswert ist der jasminartige Nachtjcha ten auch zur Schnittblumenkultur. Die blühenden Zweige halten sich sehr lange im Strauß und bilden einen wirkungsvollen Vasen- schmnck auf Veranden und im Zimmer. Ein Versuch im nächsten Frühjahr wird sicher dem Gartenbesitzer viel Freude bereiten.
vüchertisch.
— ©gib von Filek, Mimis Versorgung. Roman. Umschlagzeichnung von D. Slrzoda. Vita, Deutsches Verlagshaus. Preis: Geheftet 3,50 Mk. Ein Schicksalsbuch, das das Los der vielen Mädchen behandelt, die verneinen mufften, weil sie die Stunde des Bejahens nicht erfaßten. In dem vorliegenden Buch führt uns der Verfasser eine jener auch seelisch allzuzarten Frauen gestalten vor, die nicht den Mut ftnden können, ihr eigenes Leben zu leben, selbst ihr Sckftcksal zu meistern, und die in der Ver- ßärung einer harmonischen Resignation ihre höchsten Reize, wie etwa manche Mandonncnbilder der Frührcnaissance, entfalten. Aber in straff geführter Handlung zeigt er auch, wo aus solch passiver, negativer Lebensanschauung die Wege zu kräftiger, freudiger Lcbensbejahung führen.
— „2 er Winte r", die bekannte Münchner Illustrierte Zeitung für den Wintersport, hat ihren 8. Jahrgang begonnen. Das inhaltsreiche erste Heft liegt uns in der gewohnten oorzüg lichcn Ausstattung vor. Nach den Ankündigungen der Schristlei- tung und des Verlages hat der „Winter" neue große Erfolge zu verzeichnen, da er amtliche Zeitschrift der großen Wiener Wintersportvereine, des Ocsterrcichischen Eislaufoerbandes und anderer Vereine geworden ist. Ms amtliche Zeitschrift des Deutschen Skiverbandes und des Ocsterrcichischen Skivcrbandes ist er ja schon lange eingesührt, und allgemein gilt er als die führende Wintersportzeilschrift. Sie ist aus dem Verlage der Deutschen Alpeir- zcitnng in den Verlag von Walter Schmidkunz, München, Bayerstraße 25, der auch in Wien eine Filiale unterhält, über gegangen, und auch in der Schriftleitung, für die jetzt wieder Carl I. Luther, der Mitbegründer und frühere langjährige Schriftleiter des „Winter" und Walter Schmidkunz zeichnen, ist ein Wechsel erfolgt, der sicherlich zur weiteren Hebung des Blattes beitragen wird.
Märkte.
fc. Hochheim a. M., 10. Nov. Der heutige Hochheimer Markt war trotz des regnerischen Wetters von 1200 Pferden befahren. Neben den Pferden stand mich gut entwickeltes Zuchtvieh zum Verkauf. 'Auf dem Pferdemarkt bestand der Austrieb aus schweren und mittleren Arbeitspferden, vornehmlich .Kaltblütlern. Der Handel, der bereits gestern abend eingesetzt, wickelte sich meist in den Stallungen und den Straßen der etabt flott ab. Im allgemeinen bewegten sich die Preise in etwas niedrigeren Bahnen als auf dem letzten Pserdemarkt in Frankfurt n. M., doch wurden Preise für Fohlen von 450 Mk., für 3—fahrige Stuten von 1100 bis 1500 Mk erzielt.
re. Frankfurt a. M., 11. Nov. Heu- nnb St rohrnarkt. Angefahren waren 3 Wage» Heu, 0 Wagen Stroh. Man notierte: Den J.uu—3, 0 Mk, Stroh lflornlangstrohj 0.00-0.0) Alk., Wire- stroh 0,00—0,00 Mk. Alles je 50 Kilo. Geschäft ruhig. - Tie Zufuhren waren atts Oberhessen und den Kreisen Hanau unb Dieburg.
(Für Form nnb Inhalt aller unter dreier fltobtif stehende» Artikel übernimmt die Redaktion dem Pubicum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Richtig st cNung: Im gestrigen Eingesandt des Derrn Petri ist ein Irrtum unterlaufen Es nnife heißen, daß der von der Krcisvcrttctung gebilligte Ankaufspreis 30 Pfennig für den Cuabratmcter beträgt, nicht 30 Mark.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.
Wetteraussickten in Lassen für Mittwoch, den 12. Nov. 1913: Veränderlich, strichweise Regelfälle, mild, südliche bi- südwestliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Prctzstrmmen zum Urteil im Kiewer Ritualmord-Prozch.
Berlin, 11 Nov. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Man hat in der antisemitischen und reaktionären Presse den Juden den Vorwurf gemacht, daß sie die Unschuld des Beiliß oder doch die Sinnlosigkeit des Ritual- mordcs zu beweisen trachteten. Sollten bk Juden nicht ihre ganze Kraft aufwendcn, nm einer Lüge entgegcuzu- treten, die immer wieder auflebt und, begünstigt durch das wohlwollende Lächeln der vornehmeren Antisemiten, immer wieder verbreitet wird ?
Die „Tägliche Rundschau" erklärt, der Geschwo- rcn«mspruch sei ein Freispruch des Beiliß, halte aber die Anklage eines Blutmordes aufrecht. Tas Blatt berichtet ferner: In der gestriigcn Nummer des Organs der edjt russischen Leute „Der zweiköpfige Adler"' werde behauptet, daß jüdi- schcrfeits 17 Millionen Rubel, das heißt über 34 Millionen Mark aufgewendet worden seien, um die Belastungszeugen gegen Beiliß zu bestechen und sie zu günstigen Aussagen für den Angeklagten zu bestimmen.
Tie „V o s s t s ch e Zeit u n g" betont: der Beiliß-Pro- zeß mit seinem behördlichen Apparat ist ja doch nur ein Anzeichen dafür, daß Rußland seit dem Oktober-Manifest in den letzten Jahren Stufe um Stufe hinabgesünkcn ist. Austatt daß eine Versöhnung der Gesellschaftsschichten und Voll'sstamme des russischen Rciäies untereinander und mit den Machthabern angestrebt wird, hat man die Kluft nur noch erneuert. Die Folgen können nicht ausbleiben, ob sie früher oder später eintreten. Der Beiliß-Prozeß weist deut- lich darauf hin, welche Saat in Rußland hcranreift.
Protest gegen Rosegger.
Wien, 11. Nov. Der tschechischeKulturvrrein Prag wandte sich in einem Telegramm an die schwedische Akademie der Wissenschaften gegen die geplante Verleihung des Nobelpreises an Peter Rosegger, der bekanntlich die Zwci-Millioncn-Kronen-Samm- lung für den Deutschen Schulverein angeregt hat. Rosegger würde, heißt es in dem Telegramm, das Stiftungsgeld zweifel- loszurGermanisierungslawischerKinder benutzen. Die Verleihung an Rosegger würde die österreichische und slawische Bevölkerung beleidigen.
Schuccsturm in Amerika.
London, 11. Nov. Die Zeitungen aus New Jork berichten, daß dortige Gebiete von einem schweren Schneesturm heimgesucht wurden, wodurch großer Schaden angcrichtct worden ist. Der Eisenbahnverkehr mußte eingeschränkt werden. Auch in den Häfen von St. Lorenz wüten schwere Stürme. Von dem Kohlendampfer Bridgeport hat man seit neun Tagen nichts gehört. Man nimmt an, daß er gesunken ist. Am Ontharis liegen 40 Dampfer fest und warten auf besseres Wetter. — Auf Long Island richtete ein durch den Sturm hervorgerufenes Feuer einen Sachschaden von 800 000 Mark an.
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