B' anieiger »^-Erstes Blatt M. Jahrgang Vienstag. U-Hovemdei M
«scheint töglieh, außer JSBS& d flRfr O BeznqSvr t»;
sonntags. - Beilagen: /Ä yj H| ▼ 'nonatIirf)75<BL,Dicne(-
wöchentlich ff <LA A Ä AA IBH A A A ▲ A A
riehener^amttiendlettcr. M Mflk B ^Sä pBr ? Ibholc*
ivÖcbentl.Kteis: ■ WHM ■ M V Dä ■ V ■ ■ Ä W W T WS W ■ M 'M W M M flw BV mol > durch t.^11 für den Rreir Stehen HB W ■ VW M ! A Lg H^ J fe M die Post LU. 2.—viertel»
«Dreusiaq und Freitag); M. M M M 'M äfW M W dT pS / >9 H R HM W M W MT M h1hvL auc-jeist. Bestes
zweimal monail. Land: Jf W^> M W W SL M ßl WaJjI J<L Jeilenvrei>: lokal 15 Pf..
ÄÄ V 11^ ▼▼ ■ ▼ ■ VS5SSL2-Ä
für die Redaktion 112, fwF KM Perautivortlich für Den
MM General-Anzeiger für Oberhessen ZZW
bis vormittags 9 Uhr. Notatwnrdnlck und Verlag -er vrühl'schen Univ.-Buch- UN- Zteiudruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anze,Inlett:' H? Beck!
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Tageskalerrder aus dem Jahre 1813.
11. November. KapitulationvonDresden. 32 französische Generale, 1759 Offiziere und 33 744 Mann werden Kriegsgefangene und nach Mähren und Ungarn abgcsührt. Erbeutet wurden an französischem Feldgeschütz: 25 Haubitzen und 69 Kanonen, ferner: 8 Mörser, 26 Haubitzen und 117 Kanonen aus dem Arsenal der Festung.
Sin Auftuhr in Zabern.
Zabern (Elsaß), 10. Nov. In der Kaserne soll jüngst ein Leutnant des Infanterie-Regiments Nr. 99, v. Forst - uer, einem Rekruten gegenüber, der wegen Messerstecherei Au zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, die Aeußerung getan haben, daß er für das Nieder- stechen eines „Mackes' nicht bestraft werde, cr/ Leutnant, gebe ihm sogar noch 10 Mark dazu, lun5 ein Unteroffizier soll hinzugcfügt haben, auch er lege noch 3 Mark dazu. Dieses Vorkommnis, das die Militärbehörde bisher weder dementierte oder richtig stellte, besprach die Presse in schärfster Kritik, und der einheimischen Bevölkerung bemächtigte sich eine täglich zunehmende Aufregung, die bereits vorgestern abend in lärmenden Kundgebungen vor dem Osfizierskasino zum Ausdruck kam. Gestern, Sonntag, nachmittag gegen 3 Uhr, sammelte sich vor einem Privathause, in dem Leutnant v. Forstncr zu- fällrg weilte, eine wohl vierhundertköpfige Menge, die sich in Lärm und Drohungen erging, so daß der Leutnant telephonisch um Schutz ersuchte. Er wurde dann von zwei Soldaten mit geladenen Gcwehren nach seiner Privatwohnung geleitet. Abends gegen 8 Uhr war in der Hoh- barrstraße die Menge bereits auf über tausend Köpfe angewachsen. Die Leute sprachen Verwünschungen und Drohungen aus, forderten den Leutnant heraus und machten Miene, Lynchjustiz zu üben. Der herbeigecilte Oberst föhnte der Bürgermeister waren nicht imstande, die Menge zu beruhigen, auch Polizei und Gendarmen blieben machtlos, sodaß schließlich d i e Feue r w eh r au fgeboten werden mußte. Man erzählt, das; sich diese anfangs weigerte, in die Menge zu spritzen. Dann hielt sie die Strahlrohre zu, so daß der Wasserstrahl im Bogen niederging, wogegen die Menge sich durch Aufspannen von Regenschirmen schützte. Das Eingreifen der Feuerwehr blieb aber machtlos, nachdem die Menge die Schläuche zerschnitten hatte. Erst eine mit geladenen Gewehren ausgerüstete Militärabteilung, die mehrere Verhaftungen vornahin, schaffte Ruhe und Ordnung. Der Unteroffizier, der die oben erwähnte Aeußerung über die „Mackes" getan haben soll, wurde bei dem Auflauf erkannt. Er wurde in eine finstere Gasse gedrängt und dort auf eine unsagbare Weise tätlich beleidigt. Militärpersonen sind infolge der hoch gesteigerten Erregung überall dem Spott und Beleidigungen ausgesetzt. Einstweilen ist den Soldaten der Besuch der Wirtschaften verboten. Der Zuzug der auswärtigen Bevölkerung war gestern aus Anlaß der Wahlen zur Ortskrankenkasse stärker als sonst.
Der unerfreuliche Vorfall in der elsässischen Garnison Zabern dürfte dadurch nicht erledigt sein, daß der be
treffende Offizier, Leutnant Frhr. v. Forstncr, versichert, niit dem Worte „Mackes" babe er keinen Elsässer beleidigen wollen, Mackes sei für iyn lediglich ein Rowdy. Erklärt doch ein Blatt, das den Volksjargon des Landes tennt und durchaus auf altdeutscher Seite steht, daß dem Ausdruck Wackes etwas Geringschätziges gegenüber dem Volksstamm an sich anhaftc. Wie man aber in den altelfässischen Kreisen über solche Vorfälle denkt, darüber geben die folgenden Aeußerungen eines bekannten Großindustriellen des Reichslandes, F. Stehelin, Aufschluß, die als der Ausdruck der Meinung der gebildeten Schichten der elsaß-lothrinai- schen Bevölkerung angesehen werden können. Herr Stehelin schreibt:
Eingcwandcrtc und Einheimische des Reichslandcs haben das gleiche Interesse, sich zu verstehen, sich zu vertragen. Sie werden cs aber nicht eher, als bis sie sich beguctmen, gegenseitig sich zu achten. Rücksichtslos müßte gegen jeden eingeschritten werden, der es mit diesem Streben nicht ernst nimmt. Welcher Partei ein solcher Störenfried auch angchört: so lange die Angriffe eines Elements gegen das andere mit verschiedenem Maße gemessen werden, wird mrd kann cs keine Ruhe geben. Es müßten also vor allem die Belästigungen, deren Zi lschcibe wir sind, die Angriffe und ehrenrührigen Kundgebungen, die uns als Opfer treffen, mit derselben Energie, derselben Schärfe geahndet werden, mit welcher der unbedeutendste Scitcnsprung unsererseits gesühnt wird. ES gibt nur eine Gerechtigkeit, das ist Gleichheit! Eigennützige Elemente aus allen Klassen, auf dem politischen Kampfplätze wie sonstwo zu treffen, übereifrige Beamte, takt- und maßlose Schwäger und Schreiber, Hetzer jeder Art und jeder Farbe, die unnötig beleidigen, verletzen und aufrcizcn, das sind, in gleicher Weise, unsere schlimnistcn Feinde. Sic haben eS auf dem Gewissen, wenn hüben wie drüben falsche Urteile zustande kommen. Ob- nwhl Ausnahmcersck>einungen, stellen sie der „Versöhnung" ein un überwind! ickzes Hindernis entgegen: soweit sic aus dein übrigen Deutschland eingcwandcrt sind, indem wir ihnen Verdächtigungen und Plackereien zu verdanken haben; soweit sie bei uns einheimisch sind, inbent sie einer Uebcrtrcibung, einer Verallgemeinerung, einer Ausbeutung ihrer Reden und Taten reichliche Gelegenheit bieten; beide Seiten endlich gcnreinsam durch ihre Hetzerei. Mit dem Tage, wo jedermann den verhängnisvollen Einfluß dieser Zwietracht und Haß säenden Persönlichkeiten erkennen wird, mit dem Tage, Ivo sie, in beiden Lagern, nur noch der verdienten Verachtung begegnen werden: mit diesem Tage wird die neue !Aera, da? Zeitalter des gegenseitigen Vertrauens einsetzen. Solche Vorfälle werden unterschiedslos von der erdrückenden Mehrzahl der Altelsässer mißbilligt. DaS Gleiche sollte aber auch überall jenseits des Rheines der Fall sein .'
Leider werden bis jetzt solche Handlungen, nur wenn sie von Eingeborenen ausgehcn, übertrieben und von einem Ende des Reiches bis zum andern verbreitet, wo sic eine Entrüstung wecken, die zum Einschreiten zwingt. Was Altdeutsche dagegen verschulden, wird mir zu gerne totgcschnnegcn oder wenigstens als unbedeutende Lappalie dargestellt: geahndet wird cs fast nie. Und das sollte keinen Entrüstungssturm entfesseln? Die Störenfriede werden gewiß durch alle vernünftigen Altdeutschen verurteilt, deren cs gottlob auch int Elsaß eine große Anzahl gibt, aber sie werden nicht yenüaend zurcchtgcwicsen! Sie handeln den allgemeinen Interessen des ganzen Deutschen Reiches zuwider und werden doch nicht abgeschüttclt! Sie stehen gewiß in striktem Widerspruch mit den Absichten der Regierung, und doch wird nicht genügend getan, um die Bevölkerung davon zu überzeugen. Wechselseitigkeit in der Mißbilligung, Gleichheit in der Unterdrückung von allem, was der Verständigung schaden kann, das wäre hier der sichere zum Erfolg führende Weg."
■ Diese Betrachtungen eines Mannes, der es mit seiner Heimat unter deutsch-elsässischen Harmonien gut meint, erscheinen uns sehr beherzigenswert: sie geben den Fingerzeig zur richtigen Behandlung des Zwischenfalles von Zabern.
Die Bildung einer Ausschusses für Prüfung der Rüftungslieferungen.
Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Die Verhandlungen über die Bildung eines Ausschusses zur Prüfung der Rüstungslieferungen für das Reichsheer und die Marine sind zum Abschluß gelangt. Den Vorsitz wird als Stellvertreter des Neichstanzlcrs der Staatssekretär des Innern Staatsministcr Delbrück führen, von den Ressorts werden vertreten sein das Kriegsministerium, das Reichsmarincamt, das Reichsamt des Innern, das Reichsschatzamt, das Finanzministerium, das Reichspostamt, das Ministerium für Handel und Gewerbe und das Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Von diesen Ressorts sind die fünf erstgenannten unmittelbar beteiligt, die drei letztgenannten sind um ihre Mitwirkung ersucht worden, weil sie auf dem Gebiete des Licferungswescns große Erfahrungen sammelten, die für die Arbeiten des Ausschusses nutzbar gemacht werden sollen. Für die Auswahl der Mitglieder ist der Grundsatz maßgebend gewesen, daß die großen Parteien des Reichstages durch je zwei, die kleinen durch je einen Abgeordneten vertreten sein sollen. Innerhalb der betreffenden Parteien werden die Etatsrcferenten sowie die durch Sachkunde geeigneten Abgeordneten ausgewählt.
Im Einvernehmen mit den Parteien des Reichstages werden folgende Abgeordnete in den Ausschuß berufen: ,
Für die Konservativen Dietrich und Graf W e st a r p, für die Reichspartei Schultz- Brombcrg, für die wirtschaftliche Vereinigung Behrens, für das Zentrum E r z b e r - g c r und Speck, für die Polen Graf B r u d z o e w o und Graf M c i l z y n s k i, für die Nationalliberalen Noland- Lücke und Dr. Bollert, für die fortschrittliche Volkspartei Müller - Meiningen und L i c s ch i n g , für die Elsässer Hauß, für die Sozialdemokraten Noske. Die sozialdemokratische Fraktion hatte neben dem Abgeordneten Noske den Abg. Liebknecht vorgeschlagen. Der Reichskanzlei hat aber wegen der prononziertcn Stellung des Abg. Liebknecht, die er persönlich in der öffentlichen Erörterung der sogenannte» Kruppaffäre cinnahm, Bedenken getragen, diesem Vorschläge zu entsprechen. Der sozialdemokratischen Fraktion ist mitgeteilt worden, daß es ihr freistehc, neben Noske noch ein anderes Fraktionsmitglied für die Berufung in den Ausschuß in Vorschlag zu bringen.
Mit Rücksicht auf besondere Sachkunde wurden einberufen auf Vorschlag die Vorsitzenden des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister K ö r t e-Königsberg i. P., Bürgermeister S ch w a nd e r-Straßburg i. E„ aus dem Gelehrtenstande der Studiendirektor der Handelshochschule in Köln Professor Eckert sowie die Universitätsprofcsso- ren Eduard Rosenthal in Jena und Hermann Schumacher in Bonn. Als Vertreter der Landwirtschaft Rittergutsbesitzer v. Mähr ich auf Pruschl'owa, Kreis Breslau, Wirklicher Geheimer Rat M e h n c r t-Dresden, Vertreter des Handels und der Industrie, der Vorsitzende des Direktoriums der Hapag B a l l i n, der Präsident der königlichen Bank in Nürnberg v. Burkhard, Geheimer Regierungsrat Duisburg in Leverkusen, der Direktor des Schaffhausener Bankvereins Farwick-Köln, d - Vorsitzende des Direktoriums des Norddeutschen Lloyds . ein ecken, der erste Vizepräsident der Handelskammer in Berlin Franz v. Mendelssohn, der Direktor der Deutschen Bank Wirkt. Geh. Reg.-Rat Professor Helfferich, der Vorsitzende des Vereins der deutschen Ingenieure, Neichsral v. Miller-München, Kommerzienrat Marwitz-Dresden, Klempner-Obermeister Plate, Vorsitzender des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages Hannover, der
Gieszener Stadttheater.
Wilhelm Dell von F. Schiller.
Gießen, II. Nov.
Zur Feier von Schillers Geburtstag, dem unsere Bühne erfreulicherweise stets eine besondere Ehrung erweist, wurde gestern abend Wilhelm Teil ausgeführt, leider vor recht schwach bc setztcm Hause, obwohl die Vorstellung schon eines Besuches wert gewesen wäre. Wenn die guten Absichten unseres doch wirklich nicht auf Rosen gebetteten Theaters so wenig unterstützt werden, dann darf man sich füglich auch nicht darüber wundern, wenn minderwertige Stücke herauskommen, die erwiesenermaßen einen besseren Kassenerfolg haben als literarisch wertvolle. Es ist für eine Bühne wie die hiesige wahrhaftig nicht leicht, ein Werk berauszuhrinqen, das so viel technische und darstellerische Schwierigkeiten aufwcist wie Schillers Tell, und wenn dann auch noch all die Arbeit und Mühe nahezu umsonst war, dann wird die Direktion allgemach die Lust zu solch kostspieligen, fruchtlosen Versuchen verlieren.
Gewiß kann man hier keine Tellaufführung erwarten, die bis in die kleinsten Rollen einwandfrei besetzt wäre, aber das kann auch die Mehrzahl der meist gut unterstützten Hoftheatcr nicht leisten. Man muß sich viclsach dankbar bescheiden, wenn die Absichten des Dichters möglichst klar herauskommen, wenn feine Ideen sinnvoll vorgctragen werden. Die gestrige Ausführung des Tckl, die von Herrn Direktor Steingoettcr geleitet wurde, stand aber über diesen unbedingten Erfordernissen. Tic Hauptrollen waren zumeist gut besetzt, und auch das Bildhafte, auf das Schiller gerade beim Tell besonderen Wert gelegt hatte (man lese nur die Bühnenanweisung am Schluß der Rütliszene), war im allgemeinen gut herausgearbeitet. Einige kleine Entgleisungen des technischen Betriebes, wie z. B. der falsche Hintergrund an TcKs Haus, das allzulange Läuten in der Rütliszene, oder das offene, an der Außenseite mit Vorhängen versehene Portal im Edclhos, sollen nicht übergangen werden; sie fallen aber für den Zuschauer kaum ins Gewicht, selbst wenn er sie bemerkt. Sehr erfreulich war es, daß Tell sowohl beim Apsel- schuß als auch bei dem Schuß auf Gcßlcr dem Zuschauer verborgen blieb, wie denn die ganze Aufführung von dem guten Geschmack des Regisseurs zeugte. Auch die Einzelleistungen waren zumeist recht ansprechend, allen voran Tell und Geßler. Herr Bruch witz gab seinem Tell Kraft und Wärme und jenen seinen Zug von unerschütterlicher, unbewußter Mannhaftigkeit, die den meisten Darstellern nicht gelingt. Auch Rhythmus und Stärke
des Vortrages waren glücklich erwogen; manche Stellen — entgegen dem Herkommen — sehr zu ihrem Vorteil scharf und laut hcrausgehoben, so daß der Tell des Herrn Bruchwitz als eine vorzüglich gelungene Darstellung anzusprechcn ist. Ebenso hervorragend war der Geßler des Herrn Tworkowski. In Maske und Haltung durchaus selbständig und von einem verblüffenden Mienenspiel beseelt, schus er einen gänzlich neuen Geßler — einen Gewaltmenschen von stählerner Spannkraft. Einen Atling- hauscn edelsten Geblüts gab Herr Vvlck, der Nicvcrsagendc; voll herzlicher, tiesfühlender Menschlichkeit, voll lauterer Güte. Schön und stolz war der Rudenz des Herrn G r o s s e r - B r a u n: sicher und eindrucksvoll. In klarer Krast wurzelte der stimmgewaltige Stausfacher des Herrn Schubert. Nicht Mann genug war der Walter Fürst des Herrn Bochum; die Bedächtigkeit des Alters darf hier nicht zu großväterlicher Behutsamkeit führen. Tapfer und entschlossen war der Werni, den Herr Grosser spielte, schars umrissen und kraftvoll der Riwdi des Herrn Goll Eine sehr gute Leistung bat Herr Stein Hofer als Melchthal; voll innerer Glut und jugendlich heißer Leidenschaft, nur überhastete er sich mitunter sehr. Die männliche, entschlossene Kraft eines Baumgarten ließ Herr Ulrich völlig vermissen: er gab einen err-gten Jüngling mit einem großen Bart. Ein netter Fischerknabe war Martini, die im schaukelnden Kahn saß und merkwürdigerweise doch nicht mit- schaukcltc. Als Stausfachcrs Gattin wirkte Frl. Frenz el nicht überzeugend; schon allein der Schnürleib nahm jede Einbildungskraft und sie blieb dadurch eine Maskenballbäuerin. Als Armgard dagegen übte sie einen starken Eindruck aus. Voll kraftvoller Herzlichkeit war Frl. S t e t t n e r als Teils Gattin. Frl. Dagny blieb als Berta zu matt, um ihren Einfluß aus Rudenz glaublich zu machen, auch jihre Pausen waren zu lang. Ein herziger Walter war Frl. Lin deck. Herr Notteck gab dem Johann Pancida ein scharfes Gepräge. Den Pfarrer Rösselmann spielte Herr Conradi, den Kuoni Herr Hattenbach. Erwähnt sei noch, daß das Doppelauartett des Gesangvereins Heiterkeit den Chor der Mönche dankenswerterweise übernommen hatte.
r-Sundertiahr feier in München. Aus November, wird uns geschrieben: Zum Gedächtnis Georg Buchners gab die Hoftheaterleitung heute sein bekanntestes Werk ,,L.antons T o d", dem als Uraufführung eine Bearbeitung von Büchners hinterlasseiiem Trauerspielfragment „W o z z e k" m der Bearbeitung des ^Dramaturgen unserer Hofbühnen, Dr. Karl Wolff, folgte. Wolffs Bühnenbearbeitung stützt sich auf die
I Ausgabe, die Karl Emil Franzos, der Auffinder und Entzifferer des 1879 entdeckten, bis zur Unleserlichkcit verblaßten Manuslrivtcs, I veranstaltete. Es war ein außerordentlich interessanter Abend.
,,Dantons Tod" hatte besonders dank der von Lützenkirchen meisterhaft dargestellten Selbstverteidigung Dantons vor dem Konvent einen bedeutenden Erfolg. Das Drama wurde jedock) in Schatten gestellt durch die tiefe balladeske Wirkung, die die Tragödie des schlichten Soldaten Woz-zek auf die Hörer ausübte. Das Fragment ist durch Wolffs geschickte Bearbeitung,zu einem gewissen Abschluß gebracht und reicht in seinem dichterisck>cn Wert an Szenen in Goethes „Faust" und Wagners „Kindesmörderin" heran. Das im ärmlichsten Milieu spielende Stück, dessen Fabel nur ein einfacher Kriminalfall ’ugrunbe liegt, wird unter der Hand des Dichters zu einer grandiosen Symbolik des gesamten Mcnschcn- dascins. Steinbrück als Wozzek traf den Stil der Tichtting in genialer Weise. Unterstützt wurde das treffliche Gefamtspicl durch die charakteristischen Szenenbilder des Wiener Kunstmalers Alfred Roller. Die Aufführung hatte einen durchschlagenden Erfolg.
— Ein neues Desinfektionsmittel. Das auf der internationalen Jagdausstellung in Wien 1907 ausgezeichnete Ballistol-Klever-Armeeöl hat außer seiner anerfannten CigensäM als Rostschutzmittel und Mittel zur Nachschlagverhindcrung und Lösung auch noch eine hohe bakterienfeindliche und keimtötende Wirkung. Hebet die Desinfektionsversuche des bekannten chemisch- bakteriologischen Laboratoriums von Dr. Älusrecht-Berlin berichtet der Prometheus 'Leipzig, Otto Spaniers daß Ballistol gewöhnlick)e Kolibazillcn sowie Typhus- und Choleraleime innerhalb von zwei Minuten also, sofort abtötet. Die widerstandsfähigeren Eitererreger wie Staphylococcus pyogenes albus, werden in 5, Strep- tokoktcn und Pyocyaneus in 15 Minuten von dem unverdünnten Oel vernichtet. In verdünntem Zustand kommt es zu Entwicklungshemmung. Da beim verwundeten Soldaten Ballistol nur in unverdünntem Zustande in Betracht kommt, läßt sich nicht leugnen, daß der Soldat in diesem Armeeöl gleichzeitig ein wertvolles Desinfektionsmittel bei sich führt. Das Bestreben der modernen Chirurgie geht dahin, alles überflüssige Hantieren an der Wunde zu vermeiden. Und die Ersalrungen der Balkankriege haben gelehrt, daß die Heilerfolge sticht infizierter Wunden direkt glänzend sind. Ballistol unverdünnt auf das Verbandszeug gegossen, wird ohne jede unnötige Berührung der Wunde die Jn- fekttonserreger in deren Umgebung abtöten und so für den V w wundcten von großem Wert sein. Es muß dem Soldaten ein bcrulügendes Gefühl sein, in seinem Waffenöl gleichzeiuz ein sehr brauchbares Wundschutzmittel bei sich zu haben. Umfangreiche praktische Versuche damit sind leoensalls entschieden anzuratcn.


