Ausgabe 
11.4.1913 Erstes Blatt
 
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Behandlung der Mo h am nred'-aner in Make­donien habe, und wenn ja, ob er dann bei den Verbün­deten deswegen Vorstellungen machen werde. Grey er­widerte: Ml es, was ich tun kann, ist, irgendwelche Berichte, die ich erhalte, zur Kenntnis der bulgarischen Regierung zu bringen, damit Schritte unternommen werden, die Schul­digen zu bestrafen und neue Ättßhandlungen unmöglich zu machen. Tas ist geschehen und wird auch weiter von der britischen Regierung getan, ganz gleich, ob es sich um Mohammedaner oder Christen handelt. Walter Guinneh fragte, ob Grey Schritte unternehmen wolle, um Garantien in Mazedonien zu erlangen, entsprechend denen, die er versprochen habe, für öklbanien anzustreben. Grey antwortete: Diese frragc ist, soweit sie Mbanieu betrifft, eine Frage des internationalen Uebereinkommens. Bezüglich Mazedoniens gibt es lein internationales Ab­kommen. Wir löunan nicht gut Schritte tun, um ein Pro­tektorat über Mazedonien zu errichten.

SiUftrm Rumänien zugcteitt?

Paris, 11. April. Die Petersburger Botschafter- ronferenz habe, wie die Agenee Fournier meldet, ihre letzte Sitzung abgehalten und endgültig entschieden, daß Sili- stria an Rumänien fällt, falls dieses formell sich verpflichtet, während der nächsten 30 Jahre strikteste Neutralität zu bewahren, wenn Bulgarien mit irgend einer Macht in Krieg geraten sollte. Bulgarien soll sich dieser Entscheidung bereits gefügt haben. Die Meldung klingt unwahr­scheinlich.

Schweizerische Studien in Adrianopel.

Bern, 10. Äpttl. Auf Vermittelung der deutsche n Gesandtschaft hat die bulgarische Regierung sich da­mit einverstanden erklärt, daß sich eine Schweizer Militär­mission nach Adrianopel begibt, um das Festungswesen und die Sch nsom rinn gen zu studieren.

Die stsuerosriagen im Reichstag.

Berlin, 10. April.

Mit der Beratung der Steuervorlagen ist der Reichs­tag zweifellos in den schwierigsten Teil seiner Aufgaben im lauf-enden Tagungsabschnitt eingetreten. Herr Kühn hat das, was er zu sagen hatte, bereits am Mittwoch ge­sagt: das Beinerle.uswerteste an seinen Ausführungen war wohl, daß er sich nirgends besonders festgelegt, sondern den Weg freigelassen hat, eventuell auch Aenderungen ans dem Schoße 'des Reichstages heraus zu akzeptieren. Ehe mm heute der Faden von den Parteien weiter gesponnen wurde, wirrde zunächst der Zwischenfall Häusler-Wen­ninger beigelegt: der bayerische Militärbevollmächtigte batte erkannt, daß er am Mittwoch zu weit gegangen hwr, und ließ in loyaler Weise, nachdem auch noch Herr Dr. Spahn mit einer feierlichen Erklärung seiner Fraktion eingegriffen hatte, die freilich in der Hauptsache auf den amtierenden Vizepräsidenten Dr. Dove abziette, d.'m Abg. Häusler volle Genugtuung widerfahren. Auch Herr Dove konnte H-errn Spahn befriedigen, so daß kein «chatten znrückblieb.

-Die Reden der Parteien zu den Deckungsvorlagen zeig­ten fast durchweg eine gewisse Zu r ü ck h a l t u n g. Das ist begreiflich: niemand will sich festlegen, um bei späteren Verwicklungen die.Hände frei zu haben. Die Sozialdemo- fratie ist durch solche Rücksichten nickst gebunden. Sie zerbricht sich auch gar nicht den Kopf über alle Vorlagen: ihr macht lediglich der Wehrbeitrag Freude. Und ihr Sprecher, Herr Dr. Südekum, unterstrich das in behag­licher Brette. Er stellte sogar fest, daß der Urheber des Planes nicht der Kaiser, nicht der Kanzler, nicht der Schatz- sekretär ist, sondern sein Parteigenosse Dr. David, der schon 1907 eine ähnliche Anregung gegeben habe. Herr Dr. Paasche bestätigte das nachher und fügte noch an, daß Fürst Bülow die Verwirklichung des Davidschen Ge­dankens damals als einefrivole unb phantastische Poli­tik" bezeichnet habe, während man sie heute eine große Tat unserer Finanzpolitik nenne. Herrn Südekums Rede, so angenehm sie im großen und ganzen von den sonstigen Leistungen der Genossen abstach, Ivar natürlich nicht frei von den üblichen Uebertteibungen, so als er z. B. die alten Phrasen über die Mistungskapitalisten als Kriegs­hetzer wieder auftischte. Nicht ganz unberechtigt aber waren wohl seine Fragil, wie sich die Regierung die Finanz­lage nach 1915 denke, und seine Warnung, daß unserem Wirtschaftsleben auch wieder Rückschläge drohen, so daß es gewagt ish die Finanzen auf die Einnahmen unter einer günstigen Konjunktur auszubauen. Herr Speck, den das Zentrum vorschickte, spracy sehr lange und sehr aus­führlich: aber es fiel ihm nicht bei, die Karten seiner Partei aufzudecken. Er kritisierte den Wehrbeitrag sowohl grundsätzlich wie steuertechnisch, trat für Hinaufsetzung der Vermögensgrenze, eventuell Staffelung, ein, sprach gegen den Umweg über die Einzelstaaten bei der Besitzsteuer, gegen die Beibehaltung des GrundMckumsatzstenrpels, gegen das Erbrecht des Staates und wies aus alle die ^beplazierden Reminiszenzen an das Jahr 1813" zurück; er wollte es auch gar nicht wahr haben, daß itn Volke eine Begeisterung für die Wehrvorlage herrsche. Dieser ziemlich zweifelhaften Haltung gegenüber konnte sein Schlußsatz, daß hoffentlich etwas Brauchbares zustande komme, wenig besagen. Nur in einem Punkte schien dem Zentrumsredner an der nötigen Klarheit zu liegen, unb den unterstrich er ganz besonders: das Zentrum ist nicht bereit, die Wehrvorlagen zu bewilligen, wenn die Deckungs­vorlagen von einer anderen Mehrheit angenommen werden.

Für die Nationalliberalen sprach sodann der Abg. Dr. P a a s ch e. Er sprach auch seinerseits die Hoffnung aus, daß dieselben Parteien, die die Wehrvorlage bewilligen, auch die Deckungsvorlagen zur Verabschiedung bringen, und vor allem so zur Verabschiedung bringen, daß auch wirklich der Besitz der .Hauptträger der neuen Last ist. Dr. Paasche trat dann der Spech'chen Behauptrmg entgegen, daß feine Dtzfersreudigleit im Volke vorhanden fei, und bedauerte, daß der Zentrumsredner es abgewiesen habe, Vergleiche mit der Zeit vor 100 Jahren zu ziehen. Herr Paasche ging dann auf die Vorlagen im einzelnen ein und erklärte die BLreit- williaektt feiner Freunde zur Annahme des Wehrbettrages im Prinzip. Der Weg einer'Anleihe sei mit Recht abgewiesen worden. Die Erhebung müsse nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen erfolgen. Das Einkommen Tef mit zu berück­sichtigen. Zu ben Steuern für die laufenden Mehrausgaben übergehend meinte Dr Paasche, die Regierung hätte sich ihre Aufgabe sehr leicht gemacht. Mau nehme von den Einzelstaaten etwa 50 Millionen Stcmpelabg'abeu, 80 Mil­lionen neue Matrikularbeiträge, lasse Zuckersteuer und GrundstückÄimsatzstempet bestehen und setze im übrigen die Ekatstttel heraus. Mit der Beibehalttrng der Zuckersteuer erklärte sich Herr Po asche einverstanden, dagegen wollte er die Besitzwechsc'labgabe so schnell wie möglich beseitigt wissen. Jur Besitzsteuer erklärte dann der Redner klar uns deutlich: ^,Was uns die Regierung als Befttzsteuer vvr-

legt, entspricht nicht denk, wir Wollten,, wir verstanden ba runter entweder eine Vermögen s st euer ober Erbau fall st euer"

Nach Herrn Dr. PaaLche nahm für bie Konservativen Graf Westarp das Wort. Er will auf der Grundlage her Vorlagen weitergearbettet haben, unb meint auch, bie Deckungsvorlagemüsseg leichze itig mit ber Wehrvorlage verabschiedet werden. Darauf würbe bie WetterverHandlung auf Freitag vertagt.

preuMches Abgeordnetenhaus.

Berlin, 10. April.

Das Haus beriet heute über die E Le m c n t a r s chnlen, Lehrerseminare und S ch u l a n f s i ch t. Kultusminister von Trott zu Solz führte aus, daß bie Regierung bie durch das Lehrcrbesoldungsgesetz geschaffenen ^stände für durchaus befrie­digend halte unb davor warnen müsse, jetzt wieder eine Aeudcrung vorzunehmen und die alten Kämpfe aufs neue heraufzubeschwören. Die weitere Ausbildung und Fortbildung ber Lehrer werde er sich angelegen sein lassen. Die Akademiker an ben Seminaren glaubt der Minister nicht entbehren zu können. Für sie ist neuer­dings eine besondere Stelle, die )ogenannte Prorektorstelle, ge­schaffen worden, die er als ben Eckstein der ganzen ©eminarreform betrachtet und die er daher beizubehalten, bittet. Auch von der Neuordnung der zweiten Lehrerprüfung verspricht sich der Minister viel.

Abg. E r n st 081).) weist die gestrigen Vorwürfe des Abg. Dr. Heß gegen den Deutschen Lehrerverein zurück, erkennt den Idealismus der Lehrerschaft an und wünscht ein Einheitsgehalt für alle Lehrer. Der Resorm der Seminare steht er sympathisch gegenüber, weniger aber ben Prorektorstellen. Abg. Borchardt liey an unserer Volksschule kein gutes Haar. Abg. K loppen - borg (Däne) stellte die Forderung, daß in den Volksschulen in Nordschleswig auch dem dänischen Uni:erricht ein Platz eingeräumt werde. Abg. Dr. von Schenckendorsf Natl.) spendet dem Deutschen Verein für Knabenhandarbeit und dem von ihm er­richteten Lehrerseminar Anerkennung und hält einen Ausbau und eine Verkiesung für notwendig. Er hat daher schon int vorigen Mai an den Unterrichtsminister die Bitte gerichtet, ben staatlicheit Zuschuß für diesen Zweck zu erhöhen. Das (besuch hak aber keine Benicksichtigimg gefunden, weshalb er ben Unter­richts- und den Finauzminister bittet, diesem Anträge im nächsten Etat Gehör zu verschasseu.

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Ter verstärkte Gemeindeausschuß des Abge­ordnetenhauses beschäftigte fick am Mittwoch mit dem Ge­setzentwurf über die Verpflichtung zum Besuch länd­lich c r F o r tb i l d u u g ss chu le n. Ein Zentrumsmitglied be- ankragke die Aufnahme der religiösen Unterweisung als obli­gatorischen Unterrichtsgegenstaud. Er erblickte in der Nichkein- füljrung des Religionsunterrichts eine Gefährdung des religiösen unb sittlichen Lobens. Ein konservatives Mitglied meinte, daß solange ber Staat an ber religiösen unb sittlichen Erziehung sest- halte, an sich auch in ben Fortbildungsschulen Religionsunterricht erteilt werden müsse. Llber um die Annahme des Gesetzes nicht zu gefährden, ftimmc er gegen den Zentrumsantrag. Der Re- gtcrung5i) er tretet «erklärte, daß die Staatsregieruug sich ablehneud verhalieit müsse. Die Regelung des Lehrplans könne nur Sache der Aufsichtsbehörde sein. Von anderer Seite wurde erwidett, daß, wenn ein Zwang zum Besuch der Fortbildungsschule eingeführt werden solle, auch Religionsunterriche erteilt werden müsse. Ein Zentrumsmitglied wies aus die Inkonsequenz- der Konservativen bin, die noch im vorigen Jahr beim Gesetz über die gewerblichen Fortbildungsschulen sich für den ReligionSuwerricht eingesetzt habe. Aus Ministererktänmgeu aftein könne man kein Gesetz auf bau eit. Er sei ein scharfer ßieguer ber Erbschaftssteuer. Aber er bewillige lieber 10 solcher Steuern, ehe er auf den Religionsunterricht verzickür. Das Zentrum tue ia gerade so, als wenn es die einzige Hüterin ber Religion sei. Der Zeickrumsanttag wurde gegen 5 St imm e u a bg el ohur. Ein Eventualantrag des Zentrums, deit Geistlichen die Beteiligung am schulplanmäßig en Unterricht zu ermöglichen, wurde ebenfalls gegen 5 Stimmen abgelehnt. Schließlich wurde eilt weiterer Antrag abgelehut, an Sonn tagen die Teilnahme am Unterrichts für bie Schäler freimillig zu machen. Daraus wurde das Gesetz im ganzen tu der Fassung des Herren­hauses angenommen.

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Sie Ansiebelungsbenkschrift Vor bent Vor an schlag sausschuß.

Der Ausschuß beriet am Mittwoch die Denkschrift über bie Ansiedelung in den Dftmarfeit, vertagte aber die Beratung des neuen Ansiedeluiigsgefekes. Tie Einbringung des Parzel­lier n n^g s g c s e tz c s kündigte der Landwirtschastsminister für die nächste Session an, von Verschleppung könne nicht gesprochen werden Die Wirkung eines Parzcllicrungsgesetzes würde übrigens vor 10 bis 12 Jahren eine größere gewesen )cin, jetzt würde sie nur für die Auschlußparzkllieruug in Betracht kommen, die aber wegen der Höhe der Preise Nachlasse. Zu der Enteignung der vier polnischen Grundbesitzkäufer erklärte der Minister, das; mau größere Güter wegen ber Begrenzung im Gesetz nicht habe ent- eigneu können. Man habe nur solck>c Enteignungen borgenommen, bei denen Ethik und Recht nicht verletzt worden seien. Tie Preise feien noch nicht endgültig festgesetzt. Ter Landerwerb habe 1912 und auch schon 1913 die Erwartungen übertroffen. Die Arbeiter- ansiedelung schreite langsam zwar, aber stetig fort. Dezentrali­sierte Ansiedelungsarbeit sei vorzuziehen. Die Mittelstandskasse und die Bauernbank unterstützen die kleinen Genossenschaftskassen. Ein Viertel der Ansiedler seien einheimische Bauern: die an Polen verkauft haben, werden nicht angesiedelt. Die Kriegsfurcht im letzten Jahre hat die Ansiedelungsbcwerbungen vermindert.

Der Welsenbesuch in Homburg.

Bad Homburg v. b. H., 10. April. Zu ber Ankunft ber cumberlänbischen Herrschaften hatte die Stadt Homburg reichen Fahuenschnvuck angelegt. Mehrfach benterftc mau Fahnen in beit cumberlänbifdiett Farben blau-gelb. Tie Straßen waren timt einem zahlreichen Publikum besetzt, das auch aus Frankfurt und bett umliegenden Ortschafteu starken Zuzug erhalten hatte. Das Wetter war kühl und regnerisch.

Gegen 113/4 Uhr fanden sich auf bent Bahnsteig ein: ber Kaiser in der Unifomt ber Posener Jäger zu Pferde, die Kaiserin, Prinz Adalbert, Prinzessin Viktoria Luise unb das Gefolge. Um 11 Uhr 50 Min. lies der Sonberjug ein, welchem ber Herzog von Cumberla nd, die Herzogin, Prinzessin Olga, Prinz Ernst August und Prinz unb Prinzessin Max von Baben entfliegen. Ter Herzog trug die Uniform feines österreichischeit Regiments, der Bräutigam die Uniform ber Rathenvwer Husaren. 'Der Kaiser war ber Herzogin beim Ausftetgen behilftick mtd wechselte .Msse mit ihr: er begrüßte sodann ben Herzog. Kais ex und.Herzog s ck ü t- t e l l e n s i ch l a n g e die Hände. Der Herzog begrüßte da raus die Kaiserin mit einem Kuß, ebenso die Prinzessin Bittoria Luise. Der Kaiser überreichte der Herzogin uud der Pttnzessin «Olga Blumensträuße. Es erfolgte fobamt die Vorstellung ber Gefolge. Kaiser und Herzog sowie Kaiserin unb Herzogin plauderten längere Zeit miteinander. Alsdaitu wurde die Fahrt nach dem Köuig- licheit Schlosse in Automobilen angetreten. In dem ersten 'Autv- mobil nahmen die .Miseriu, die Herzogin und das Br aut Paar- Platz: iM zweiten der Kaiser und der Herzog, welcher rechts saß, sowie Prütz Adalbert. Publikum und Schulkinder bcgrtiBten die Majestäten und ihre Gäste mit lebhaften Hochrufen. Tie Cinnberländischen .Herrschaften haben im Königlichen Schlosse Woh­nung genommen, wo heuck mittag Familien laset und für das Gefolge Marschalllafel stattfand.

Die Majeftöteit blieben nach ber Familientasel mit ihren hohen Msü.ii itoch längere Zeit vereinigt. Um 3/« Uhr unternahmen jÄnttliche .Herrschaften eine A.u 1 omobilfa hrt uack der Saalb u r g. Hier wurde unter persönlicher Führung des Kaisers eine mehrstündige Besichtigung des Kastells und dos Saalburg- museums vorgenommen. JAnlchlicßend daran imnebe der Tee in den oberen Mimten des Sratlburgrcfl.aiirantd serviert. Trotz des

regnerischen Wetters hatte sich zahlreiches Publikunk auf ber Saal­burg eingefunden, welches bie Majestäten und ihre Gäste herzlich begrüßte. Um 61/4 Uhr kehtten bie Hertfchasten nach dem Schloß in Hornburg zurück. Morgen früh trifft der Reichskanzler hier ein.

Der Herzog von Cumberland

Ritter des schwarzen Adlerordens.

Der Kaiser verlieh dem Herzog von Cumberlaud den Schlvarzen Adlerordeu, der Herz-oqin von Cumberland den Luisenvrdeu mit der Jah-res^ahl 1813 1814. Zur Abendtaset holte der Kaiser seine Miste aus deren Gemächern ab. Der Kaiser trug die Uniform ber KönigSjäger, ber Herzog öster­reichische Uniform. Btzi der Tafel saßen die Majestäten einander gegenüber. Die Tafel war mit Maiglöckchen unb Rosen geschmückt. Rechts von ber Kaiserin folgten zunächst der Herzog, bie Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Ernst 1 August, Gräfin Keller, Hausinarsck>all Graf Grote, links Prinz Ma?: von Baben, Prinzessin Olga, Generaloberst von Plessen, Baronin Hinüber, Exzellenz Valentini. Rechts vom Kaiser faß bie Herzogin, Prinz Adalbert, Gräfin Kieliwanns- egg, General Lyncker unb Folgenbe, links Prinzesfin Max von Baben, ObcrhofiMlNgchall Graf Eulenburg, Gräfin Rantzau, Wirklicher Geheimrat bon ber Wense itnb Folgenbe

Derrtsches Reich.

Das Jesuitengesetz.

Entgegen einer früheren Meldung ist zu berichtigen, büß sich bie Zweite 5banrmer dos Elsaß-Lothringischen Lanbtages nicht für bie Beibehaltting, sonbern für die Aufhebung des Jesnttengesetzes ausgesprochen hat.

Königsberg unb Kaisersubilä um.

Die Stabtverorbnetenversammlung in Königsberg nahm nach geheimer Sitzung einen Anttag bes Rtagisttats an, aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers ein Kaiser-Wilhelm-Wohlfahrtshaus für 175 000 Mark zu errichten. Es' soll bent Betriebe einer Volksküche nebst Wärmehalle «ober Speifesaal, je eines JugenbHeimes für junge Mäbchen unb jungc Männer nebst einem Vorttagssaal sowie einer geräumigen Krippe gewibmet sein.

Keine Spionage in Kolm ar ?

Mit Bezug auf eine in der Presse veröffentlichte Straß­burger Korrespondenz, ber z-ufolge man in Ko lm ar privLtc brahtlose Verbinbungen mit b ein Pariser Eif- felturm entbeckt hat, unb es sich dabei um offenkundige Spionage handelt, ist bas Wolff-Bureau ermächtigt, fol- genbes festzustellen: In mehreren Privathäusern imb Schu­len in Kolm ar unb Metz haben feit einiger Zett Physiklehfrer unb sonsttge Fachmänner Empfangsapparate für drahtlose Telegraphie, also keine Gebestationen angebracht, um mit diesen Apparaten die Zeitsignale des Eiffelturmes (Fest­stellung der Mtttagsstunde usw.) abzunehmen. Für einige dieser Apparate war die Mnehmignng der kaiserlichen Ober- post-Dtrellion vorhanden, w' hrend anderen Befi 'ern solcher Empsangsstationen, denen die Anzeigepflicht bei der Post- behörde nicht bekannt gewesen ist, jetzt die Auflage zuging, die Apparate zu befeiligen. Bei der ganzen Angelegenheit hanbett es sich l e b i g l i ch ' u m wissenschaftliche ^i-eLereren ober Experimente, bie Lehrzwecken zu bienen chatten. Anzunehmen, baß Spionageakte vorliegeu, ist kein Grund vorhanben.

Eine Erhöhung ber Zivilliste bes Königs von Württembera.

Wie berSchwäbische Merkur" ntetoet, hat bie mürt- tcmbergische Regierung bei bem Landtage ben Entwurf einer Erhöhung ber Zivillifte des Königs um 350000 Mark 1 eingebracht. Begründet ist die Erhöhüng in ber Hauptsache mit ber Notwenbigkeit einer Aufbejserung der Besoldung ber Hofbeamten und HosangesteUten.

Die Besteuerun gs rechte

der württeinbergischen Gemeinden.

Die württembergische Regierung hat dem Landtag einen Entwurf zur Erweiterung ber Befteuerungs'rechte der Ge< meinbeu vorgelegt, wonach der zulässige Bettag ber Ge- meiubeeinkommensteuer von 50 auf 75 Prozent der staat­lichen Einheitssätze sowie ibie Hunde ab gäbe von 8 bis 20 Mk. künftighin auf 10 bis 25 Mk. erhöht werben.

Wegen Kuppelei verurteilter Abgeorbueter.

Der badische sozialdemokratische Landtags- abgeoTbnete unb Arbettersekretär Willi in Karlsruhe ist wegen Kuppelei zu d r e i M 0 n a t c n, seine F r a u wegen bes gleichen Vergehens ^u f u n s M 0 n a t e n G e f ä n g n i s verurteilt worben. Wie dieMannheimer Volksstimme" meldet, hat der Lftnbesvvrstanb ber sozialbemottattschen Partei den Landtagsabgeordneten Willi gleich nach der Eiii- leitung ber Untersuchung aufgeforbert, sein Man bat zur Zweiten Kammer niederzulegen. Willi hat sich unter Hin­weis auf feine völlige Unschuld geweigert, bies zu tun Nachbem aber feine Verurteilung! wegen Kuppelei erfolgt ist, will ber Laiibesverbanb nunmehr bie Sache wetten verfolgen.

Ausland.

Die Vereinigten Staaten und Japan.

Es wirb aus Tokio amtlich mit geteilt, baß ber japanische Botschafter in WaMngton Bei ber amerikanischen Regie­rung Vorstellungen gemacht hat wegen des Msetz« entwurfes im Staate Kalifornien, ber ben Japanern ben Erwerb von Grund unb Bvben verbieten soll.

Ans Stabt und Land.

Gießen, 11. April 1913.

Tlprilwetter.

Regen, Mnb und Sonnenschein, führen ben April erst ein", heißt ein altes Berschen. Unb damit finb bie beson­deren Eigenschaften dieses SchaLkmonats kurz und treffend charakterisiert. Es besteht nun im Volke die irrtümliche Meinung, Wind sei eine der gefährlichsten Aeußerungen der Naturkräfte. Gefährlich ist aber nur ber Wind, ber größere Mengen von Staub aufwirbelt, beim der Staub ist tatsächlich einer der erbittertsten Fettide der lebenden Geschöpfe. Da­gegen ist reiner Wind von ungemein erfrischendem unb reinigendem Einfluß auf unfern Körper: er regt den Stoff­wechsel an, befreit von lästigen Blutstockungen, erfrischt bie Haut, macht Appettt, klärt ben Geist kurzum, Wind ist unter Umstanden ein ganz Bedeutender Heilfaktor! Be­sonders warmer, auf einen Regen folgender Wind, der viel Ozon enthalt, ist gesundhettsfordernd. Nur Zugluft ist zu vermeiden; allein auch vor ich ist die Furcht eine viel zu große. Was sollen denn Briefträger, Soldaten usw. sagen, die sich von einem zugigen Ort nach dem anderen Begeben, bald in dem windigen '.Hausflur, bald im Freien stehen? Wäre der Zug wirklich iso schllimm, so müßten sie fortwährend traut fein; statt dessen sehen sie gesünder aus und sind es

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