Ausgabe 
11.4.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

m. 84

Erstes Btott

163. Jahrgang

Aeitag, April 1913

Der Siehsrrer Anzeiger erscheint tätlich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKamilienblätter.' zweimal wöchentl.ttreis- uloit finden Kreis Gießen (Dienstag und Freilag); zweimal mcmali. Land- wirlschaftliche Zeitfragen Fernjprcch - Einschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse sür Depeschen:

Anzeiger Gießen.

üir'^dle^Ta^esnununer Notationsdruck und Verlag öer Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei n. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschäftsfteüe Vahnhofstratze 16a.

Bezugspreis: monatlich 75Ps.,victtel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; sürFeuille­ton",Vermischtes" und ^Gerichtssaal": St Neu­rath; sürStadt und Land": E.Heß; sür den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die Blockade

der mMenegrimfchen KSstengebistes.

Mit der Erklärung T>ex Blockade des montenegrini­schen Küstengebietes treten wir in eine neue Phase der Balkanfragen. Noch wirksamer vielleicht als die Flotten- knndgebung ist eine Erklärung des russischen Auswärtigen Amts, die eine höchst bedeutungsvolle Klärung der Lage darstellt. König Nikita wird dadurch leicht abgeschüttelt. Es wird aus dieses Werk Sasonolvs noch näher einzugehen sein; so viel ist sicher, daß, es auch gegen die übertriebenen panslawistischen Forderungen gerichtet ist, gegen die das amtliche Rußland sich heute zu wehren hat. .Wir erhalten folgende Meldungen:

Die friedliche Blockade

von Antivari bis zur Drinmündung.

Cetinje, 10. April. (Aus amtlicher montcnegrini- scher Quelle.) Der Kommandierende der internationalen Flockte in den Gewässern vor Antivari, Bize-?ldmiral Bu r- n ey, hat heute früh dem Gouverneur von Antivari noti­fiziert, daß von heute 8 Uhr früh ab die f r i e d l i ch e Bl o k - lade von'Antivari bis zur Drinmünoung erklärt sei. Tas wäre also die montenegrinische Juteressensphäre, nicht die serbische.

Belgrad, 11. April. bestätigt sich, daß die ser­bische Regi er u n g beschlossen hat, ihre Truppen von Skutari zu rück zuzieh en.

Sine rMche amtliche ßdl>!u:g

Petersburg, 10. April. Das Ministerium des Aeußern veröffentlicht folgende Erklärung

Das hauptsächliche Ziel, welches die russische Negie­rung anläßlich der militärischen Erfolge der B a l k a n st a a t e n verfolgt hat, war, die Erfolge ihrer Siege, tzoweit irgend möglich, zu sichern. Die Verhandlungen, welche zu diesem Ziele. geführt haben, waren verwickelt und mühsam, denn die Verbündeten konnten ihren Erfolg nur erreichen auf (Grund einer Mchtintcrvention der Mächte. Wenn inan den Wert und die Wichtigkeit des Dienstes, welchen Rußland beit Balkair- staatcn erwiesen, richtig einschätzen Null, so muß man fick das gesamte Bild der internationalen Lage und die .Kollision der widerstrebenden Interessen vor Augen halten. Die Lokalisierung des Krieges war nur auf zwei Bedingungen möglich: Erstens Verzicht der Großmächte auf territoriale und lovspg? Vorteile für eigene Rechnung, zweitens Verzicht auf fede einzelne Aktion von ihrer Seite. Diese negativen Bedingungen brachten eine dritte positive mit sich: Revision der durch den .Krieg geschaffenen Lage und Einfügung derselben an diejenigen Interessen der Großmächte, auf welche fi? nicht verzichten konnten, und dies konnte nur geschehen durch das europäische Konzert, dessen Entscheidung im Namen von ganz Europa geführt wurde. Auw ein vereinzeltes Vorgehen irgend einer Macht konnte nur durch die geineinsame Anerkennung der verbündeten SViräftc der Entscheidung Europas veruiieden werden. Unter diesen Be­dingungen wurde die Botschaft erkonferenz in London einberufen, welche soeben die schwere Aufgabe gelöst bat, die Grenze von Albanien festzusetzeu, eine Aufgabe, welcher die Interessen Monte­negros und Serbiens in ihrem sehr natürlichen Streben nach Ausdehnung im Wege stehen.

Andererseits wurden die Interepen der Albanesen von Oester­reich-Ungarn und Italien geschützt, welche den StatuSquo am Adriatischen Meere für so lebenswichtig für sich hielten, daß sie keinen Zweifel daran zulassen wollten. Die Erhaltung des Status- guo bedinge auch die Existen.', des albanischen Gebietes, an deut

sich selbstverständlich das Streben anschloß, die Grenzen dieses Gebietes, welches die homogene Bevölkerung albanrfischer Abstam­mung umfassen sollte, nach Möglichkeit auszudehueat. Im Ver­folg langer und hartnäckiger Verhandlungen und gegenseitiger Zu­geständnisse, durch welche Prizrend, Ipek, Djakowa und Dibra für die slawischen Staaten gewonnen wurden, glaubte Rußland die Annexion Skntaris an Albanien z u g e st e h e n j u m ü s s e n. Daß Skutari eine rein albanische Stadt und der Sitz eines katholischen Erzbischofs ist, wird durchaus bestätigt durch den Bericht des russischen Vizekonsuls in Skutari, welcher auf Grund von Tatsachen die hauptsächliche militärische Wichtigkeit Stutaris nachweist. Die Montenegriner sind s ch o n un­fähig, einige T a u s e n! d katholischer und musel­manischer Albanesen, welche seit fünfunddreißig Jahren an den Grenzen Montenegros wohnen, i i z u assimilieren. Folglich würde die Annexion eines Teiles des Sandschaks und diejenige Skntaris "lediglich bewirken, Montenegro durch die Einverlcibirng einer geringen Anzahl von Montenegrinern und von hunderttausend Menschen anderen Blutes, anderer Sprache und anderer Religion zu schwächen, was Montenegro in die Gefahr bringen würde, ein montenegri­nisch gefärbtes Albanien zu werden. Unser Gesandter in Cetinje glaubt, daß die Vereinigung einer bedeutenden Anzahl römischer Katholiken mit Montenegro diesen Gelegenheit hätte geben können, die Verbindungen mit oem Auslande noch zu festigen, welche das Eindringen fremder Einflüsse erleichtert hätten. König Nikolav.s hat seine Verpflichtung, die er über - nowmen hat, Rußland von dem Beginn des Krieges zu benachrichtigen und seine Zustimmung e i n z u h o l c n , nicht erfüllt. Trotzdem lieh ihm der Kaiser großmütig seine Hilfe, indem er der montenegrinischen Bevölke­rung Hilfsmittel und Beistand zusagte. Als die Frage von Skutari gelöst wurde, wurde der König sreundschaftlich davon in Kennt­nis gesetzt unter Hinweis auf die schwere Veranttvortung, die er auf sich nehme, wenn er weiterhin seinen Widerstand fortsetze. Dann wurde ihm der Rat erteilt, sich den Beschuldigungen, persönliche Gesichtspunkte zu verfolgen, indem er die Montenegriner nutzlosen Nöassacres preisgebe, zu entziehen. Ms diese Schritte bei dem König Nikolaus erfolglos blieben, wurde klar, daß er mit der Einmischung Rußlands und der Großmächte und einem europäischen Krieg rechnete.

Die russische Regierung konnte also nicht dagegen sein, daß Maßregeln ergriffen wurden, die sich nach der Weigerung des Königs Nikolaus, sich dem Beschluß der Mächte zu unterwerfen, als notwendig erwiesen haben. Die kaiserliche Regierung verliert nicht die Hoffnung, daß Montenegro seine hartnäckigen Bemüh­ungen einstellen wird, da sie der Ansicht ist, daß der Eigen­liebe Montenegros vollkommen Genüge getan ist, wenn es sich dem Willen Europas unterwirft, da dieser sich auf seine so imponierende Entfaltung der Flottenstrrökräfte stützt. In diesem Falle würde Europa Mittel finden, die Lage des mvntenegrinischen Volkes zu erleichtern, das schwer zu tragen hat au. den durch die BAagerung Skntaris geforderten überm ästigen O pfern. 'Die slawische und orthodoxe Groß­macht Rußlauos f p a r t e n i e m a l s mir H i l f e u n d O p s c r n für ihre slawischen Brüder, aber diese letzteren haben auch die Pflicht, welche übrigens unsere, Presse ihnen nicht immer im Gedächtnis zu halten weist, die Ratschläge zu respektieren, mit denen Zinßtand fernen Mißbrauch treibt und sich zu erinnern, daß, tocim wir auch stolz auf ihre Erfolge sind, diese doch nicht hätten erreicht werden können ohne Rußland, welches iformt das Leben gab und welches sowohl in der Freude wie int1 Schmerze noch immer nötig ist, besonders auch um die Einigkeit unter ihnen aufrecht zu erhalten, ohne welche diese Völker reine Kraft noch Stärke gewinnen könneir. Diese Beziehungen Rußlands zu den slawischeir Völkern schließen jede Feindseligkeit gegenüber den anderen Staaten und Völkern aus. Die Verschiedertheit der Rassen braucht durchaus nicht zu einem. Gegensatz unter den Rassen zu führen. Mair kann nicht gut zugebcn, daß die Sache des Frie­dens dabei gewinneir würde, wenn man eine Rasse einer anderen, welche ihres Rechtes bewußt ist, eirtgegrirstelle. Die innere Kraft Rußlands hat es nicht nötig, von Besorgnisseit zu Drolmngcn über-

Die MuüerstM der IiMMur entdeckt.

Die große peruanische Expedition der amerikanischen Pale- Nniverütät, die sich znr Aufgabe gestellt hatte, den Spuren des lepteit vor Pizarro geflüchteten Inka Maneo zu,, verfolgen, I)Oi dabei ein ganz unerwartetes Ergebnis gezeittgt: jte entdeckte eine großartige Stadtanlage der frühesten Jnkazett, drp als dre erste Metropole anzusehen ist, von der die ruhmrerme .Herrschaft und Kultur der Inkas ihren Ausgang nahm e. er Letter der Expedi­tion föiram Bingham veröffentlicht in .Harpers Magazrne crncn ausführlichen Bericht über diese wichtigen Denkmäler, die zu den großartigsten gehören, die je in Peru gefunden worden pnd. Es ging ein unpriübares Gerücht, daß srck in bent 2 al de-> Urubcmrlm-Flusses völlig unbelannte Ruinen der ^nias befanden: aber selbst bic vorzüglickrsten Reisenden, wie.Wiener, Eastelnau und Marcon, die davon gehört hatten, waren in diesem uwl nicht vorgedrungen, weil es bis oor wenigen Jahren saft unzugänglich gewesen itxir. Erst in jüngster Zett hatte die N'uamicke Re^ gierirng einen Maültterweg an den Usern des Flu,üs anlegen lassen und so konnte deiin Bingham ohne allzu große Muhen auf diesem jungfräulichen Gebiet der Forschung Vordringen und jene steinernen Zeugen der alten Zivilisation entdecken, die i later­es san testen und umfangreichsten, die pit den -vagen der Konquistadoren gefmiden worden sind. Es Wert un- glaublich, daß diese wundervolle >stadtanlage, imr fünf ^.age- reiseit von Enfzo entfernt, bisher nur wenigen Eingeborenen bekannt gewesen iind noch nirgends beichrieben worden war.

Machu Picchu - so heißt dm Ort ist.auf einem steilen Felsgrat erbain, an dessen Ende pch cm riesiger Berg­gipfel erhebt. Jähe Abgründe stt.rzeii zu beiden gelten.Jer Stadt nieder, und zu den Hauvtgel. utben fuhrt eine große Anzahl von Terrassen heraus, nie augenscheinlich für Ack.-rbauzwecke an­gelegt waren. Di. Reste einer gtofarhgnr Beman eru ng s- c i n c i ch t u n g lassen i Lei} erlernten, zahlreiche Brunnen und Wa<- lerbecken Ein sehr hübsches Badchaus und cm an,chltep?nder RulMMNN mit SZ-N glück, tu Wans ber Stabt; das ÄaMr wurde den Bädern durch einen steinernen Kanal ZügefuAck. Aui der Spitze eine gewaltigen Granitblocks W m der Nahe ein halbkreisförmiges - Gebäude, aus fast rechteckigen ^teinblockcn er­baut und rin Innern hübsch behauene Richen enthaltend, Eine Treppe führt weiter hin auf dein Felsgrat zu emem Platz, den Binglsam dieheilige Plaza" genannt hat. Dieser M'ttel- tnmfi der Anlage zeigt auf der Sichelte von grotzen Bücken eingefaßte Terrassen und eine Art halbkrctssörrniger Bastion, oluf ber Oscheite sind die Wände eines rechteckigen ^Kbäudcs, 29 Fuß lang und 37 Fuß breit. Das mit Nischen ausgestattete Gebäude hat Mei Türen, die nach dem Platz gehen, aber keine

Fenster. Auf der Westseite ist ein gervaltiges, aus unbehauenen Steinen getürmtes Bauwerk, das sich mit der einen Seite ganz nach dem" Platz öffnet. Wie bei allen anderen Baulichkeiten fehlt das Dach. Tie Blöcke aus weißem Granit sind in einzelnen Reiher; anfgesthichtet, von denen die der untersten Reihe viel größer sind als die der anderen. Tic größten dieser Blöcke messen in der Länge bis 13 Fuß, sind etwa 2,8 Fuß dick und höher als ein Mensch. Direkt unter frem1 heiligen Platz führen Terrassen zu einem' großen hufeisenförmigen Platz, per augenscheinlich ein alter Spielplatz war. Dieser ist auf einer Seite von einer Anzahl weniger bedeutender, aber gut gebmiter Hüustr abgeschlossen. Das Material, aus Hern die ganze Stadt errichtet ist,'ist weißer Granit. Die dlrchttcftur weist be­reits alle die Vorzüge auf, die Bewuuderung der spanischen Eroberer erregten, als sie die Städte der Inkas sahen.

Die Gesamtheit der Ruinen von Machn Picchu gcwährk einen geradezu labyrinthischen Eindruck, so zahlreich und viel­gestaltig drängen sich Plätze und tzäuserkomplcxe durcheinander. Ein Geheimnis umwittert diese Stadt, die nach Jahrhunderten ungestört en Schlummers nun auserweckt worden ist und Antwort geben soll auf viele Fragen. Der Entdecker glaubt des Rätfels Lösung in einem Bauwerk gefunden zu haben, das sich an der Nordfcite derheiligen Plaza" erhebt und in seiner Anlage dem Ban der Westseite sehr ähnelt. Wie der Wcstbau scheint auch dieser ein Tempel zu sein, aber er hat etwas Auffälliges, was sich sonst nirgends findet: eine Reihe von drei großen Fen stern, die 3,1 Fuß breit und etwa 4 Fuß hoch sind und sich in der Hinterwand befinden, einen weiten Ausblick über das ganze Land hin gestattend. DiesenTempel mit beit drei Fenstern" bringt Bingham mit einer alten Sage der Inkas in. Verbindung, die sicherlich röten geschichtlichen Kern hat. Danach ist das Jniärcich von drei Stämmen gegründet wvrocu, die zurrst von einem Felsen aus durch drei Fenster erblickt wurden. Ter Ort, von dem sie auszogen, wird Tampuioceo genannt, ix hHaus der Fenster". Wahrscheinlich ist das jetzt entdeckte Machu Picchu diese sagenhafte Mutterstadt der Jukakultur.

*

Freut eu ch des' Lebens . . Ein jeder kennt das Lied, das mit diesen Worten beginnt. Wohl ein jeder von uns hat cs auch schon ungezählte Male im! fföhlichcn Kreise gesungen, aber nur sehr wenige wissen, wem sie dieses einfache Lied zu danken haben Wer weiß beute noch den Namen des Dichters, der vor 150 Jahren, am 12. A pril 1763, in Zürich als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie geboren wurde? 9hir eine kleine Gemeinde ist es, dir, wenn der Bcck-cr fröhlich die Runde mack't und schließlich jene zum Vollsliedc. gewordene Melodie an- gestimmt )uirb, sich erinnert, daß als Schöpfer dieser Dichttmg

zugehen, welche nicht der Ausdruck der Stärke eines Volkes sein würden.

Die Kanzlcrrede in der serbischen Presse.

Belgrad, 10. April. Die Presse veröffentlicht die Rede des ReichskanKlers ihrem v o l l e n I n h a l t e n a ch , ohne sie vorläufig zu kommentieren. In po itischen Kreisen erweckten die Erklärungen des Reichskanzlers da.s allergrößte Interesse; sie werden als ein gewichtiges poli­tisches Ereignis beurteilt.

Die Friedevsbedingungen.

Konstantinopel, 10. April. Alte türkischen Blät­ter weisen den Oledanren einer Kriegsentschädigung zurück imb bestehen darauf, daß die Balkanverbündeten eine Quote der türkischeu Staatsschuld übernehmen. Zu Delegierten der Türkei für die Pariser Jinanztonferenz sind der Engländer Crawford, Rat im türkischen Finanz­ministerium, und der frühere Minister Djavid bestellt.

Neue Kämpfe.

Sofia, 10. April. (Agenee Bulgare.) Am 7. April früh landete eine türkische Infanterickom- pagnie unter dem Schutze eines Kckckegsschiffes südlich des Derfes Ksafteros und rückte gegen eine bulgarische Kompagnie vor, die eine vorgeschobene Stellung aus der nordwestlich des Dorfes Jabos gelegenen Höhe besetzt hielt, um sie int Rücken zu fassen. Die Bulgaren eröffneten ein heftiges Feuer und brachten den Feind zum Stehen. Gleich­zeitig erschien ein aus der bulgarischen Hauptstel- lun g e n tsan dtes B a ta.il l o n. D i e tür ki s ch e Ko­lonne wurde vernichtet. Nachmittags, rückten zwei bulgarische Jnfanterieadteilimgen, von Artillerie unter­stützt, gegen dos Dorf Kunbuvgas vor und säuberten das Küstenland. Auf den anderen Punkten der vor her Front vorgeschobenen Divisionen verlief der Tag ruhig.

Konstantinopel, 10. April. Der am ckiche Kriegs-, bericht meldet: Im Lause des gestrigen Tages fand ans dem linken Flügel der T s cha.t a l d s chulin ie ein leich­ter Artilleriekampf statt. Au anderen Puntten der Tschataldschalinie ereignete sich nichts neues. Vor Bu- l a i r herrscht Ruhe. Gestern bombardierteein grie­chisches Torpedoboot den südlich von Aiwali gele­genen Ort Ayeman'ly. Ein von der Küstenartillerie avge- feuertes Schrapnell fiel auf die Kommandobrücke des Tor­pedobootes, tvoraus sich das Torpedoboot von der Küste ent­fernte. .Hierauf wendete das Torpedoboot gegen Kcpi Sar- mussak Burnu und gab einige Kanonenschüsse gegen die zur Beobachtung des Feindes dienende Trupp en ab-teilung ab, ohne Schaden anzurichten.

Der türkische Kreuzer Hamidije.

Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat die grie­chische Regierung zuständigen Orts Vorstellung en darüber erhoben, daß, der türtische KreuzerHa­mid i j e" wiederholt den Sucztanal passiert hat. Man hob dabei hervor, daß das Verhalten derHamidije", die sich in Mexandria verproviantieren durfte, auf hoher See bohlen einnahm und ungehindert mir den türkischen Be­hörden in Konstantinopel in Verbindung stand, nicht nur eine Verletzung des Kanal-Reglements, sondern auch einen gefährlichen Präzedenzfall für die Schiffe anderer Mächte fei und besonders Mr den Fall eines zukünftigen Krieges, in dem 'der Kanal eine Rolle spielen würde.

Anfragen im englischen Nnterhaus.

London, 10. April. Im Unterhaus« fragte Rees an, ob Greß irgendwelche Nachrübten über die schlechte

Johann Martin Ufteri zu preisen ist.Freut euch des Lebens" hnt Uftcri für ein Fest ber Zürich ttvnsttergesellsclrö! int Ja ine 1793 gedichtet, doch blieb eS mcrkwürdigerweffc viele Jahre bin» durch bei den Zeitgenossen unbekannt. Zuerst ist es imGöttinger Musenalmanach für 1796" ohne Namen des Verfassers, jedoch mit der heute noch gefangenen Melodie, von Lians Georg N ä g cli gedruckt, erschienen. Erst durch Zutun des 'Dichters und ^Malers David Heß ist feit 1819 der Dichter jenes Liedes dem großen Pu­blikum bekannt geworden. 5oeß ist es auch, der nach dem Tode Usteris seine Dichtungen uni) Schriften gesammelt und foerausgc- geben bat. Am meisten Ijat Usteri in der schweizerischen Munh- art geschrieben, und diese Dichtungen sind es auch, durch bic sein Name in der Literaturgeschichte Bestand haben wird. Wenig Eigen­art und Selbständigkeit dagegen weist ein Teil seiner hochdeut­schen Tichcungeu auf, die deutlich al» unter dem Einfluß von Claudius und 5)öltn entstanden sich kennzeichnen. Ufteri gehört zu jenen Auserwähtten, die nicht mir Dichter waren, 'sondern auch Zeicheittaleut in hol-emi Maße besaßen: in ihm regte der bildende Künstler den dichtenden, und dieser den bildenden mt. Leider find aber 'den Dichtungen die Zeichnungen nicht bcigcgebcii worden, obgleich Hcß bii der Herausgabe der Werke versprochen hatte, diese hcstweisc uachzuliefern. Am' 29. Juli 1827 ist Johauu Martin Uftcri sanft verschieden. Seine Leiche wurde nach feiner Vater­stadt gebracht, wo bic sterbliche Hülle dcS 'Dichters die letzte Rüche gefunden hat.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. 'Tic Meteorologische Station ber M agnnshofer Schisfahrtsschule in Riga errichtet eine snnlcntele­graphische Station zwecks direkten Verkehrs mit dem Eiffel­turm in Paris. Ter plattdeutsche Diclücr Fehrs feierte in Itzehoe seinen 75. Geburtstag. Tie Stadt ließ dem' Jubilar einen E h r e n b ü r g e r b r i c s überreichen. DieDaily Mail" teilt mit, daß zum ersten Male eine telephonische Ver­bindung Köln London gelungen sei: die Verständigung sei glänzend gewesen. Ernannt wurde der o. Professor Dr. med. Franz Hofmann von der deutschen Universität iu Prag zum' ordenttichen Proscfsor und Direktor des physiologischen In- stittitS an ber Universität Königsberg i. Pr. als Nachfolger des Geh. Med.-Rats Prof. L. Hermann. Im Königlichen Schanfpielhause zu Berlin erlebte das fünfattige SchauspielV c i t Stoß" von Tim Klein seine Erstaufführung und errang mit seiner frisch imb kräftig zugrcifenden Dramatik einen starken Erfolg. Der junge Dichter, wie es heißt ber Sohn bes Verfassers ber Fröschweilcr Chronik, wurde nach dem zweiten All lebhaft, nach dem dritten siiirmisch und nadj dem fünften achtungsvoll gerufen.