Ausgabe 
13.8.1913 Erstes Blatt
 
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Thrazien und Adrianopel besetzt. Was Thrazien und Adrianopel betrifft, so haben die Mächte V o r sl e ll u n g e n in Konstanti­nopel erhöhen, daß die Enos-Midia-Linie im großen und ganzen respektiert werden müsse. Dabei ist jedoch jener Punkt zu berücksich- lügen, den die Pforte für unerläßlich zur Verteidigung ihrer Grenze erachtet. Eine gute Grenze kann auf der Grundlage des Londoner -Friedens geschaffen iverden, aber der Besitz Thraziens imb Adria- 'riopels würbe nach begründeter Auffassung irur die Fi n a n z e n der Türkei mehr belaste n und würde jedensalls für sie eine /dauernde Schmächuiig bedeuten. Die Enos-Midia-Linie wäre ! vielleicht nicht zu Stande nefoiiunen, wenn man nicht gewußt hatte, daß eine oder mehrere Großmächte interveniert haben würden. 'SBenn im Kriege zwischen der Türkei und ben Alliierten die Frage -von Konstantinopel und der Meerenge mügeivosöen roorben wäre, daiin wäre die türkische Grenze vielleicht wd)t so vorteilhaft aus­gefallen, als es jetzt der Fall ist. Wenn es direkt oder indirekt den 'Großmächten zu verdanken ist, daß der Londorrer Friede an der Enos Midia-Linie Halt machte, so siiid die Mächte berechtigt, ihre 'Wünsch-O in Koiistantiiiopel bekannt zu geben und ihre Rat­schläge zu erteilen, wenn es sich darum handelt, die türkische Grenze sestzilsetzen. Tie eirglische Politik gegenüber der Türkei ist, die türkische Herrschaft und Integrität in ihrem asiatischen Gebiet und in dem Gebiet jenseits der Enos - Midia- Linie zu konsolidieren und zu sichern. Diese Politik hängt aber voir dem guten Willen der übrigen (Großmächte ab. England -allein kann diese Politik nicht erfolgreich durchführen, denn viele andere Mächte haben auch Interessen in der asiatischen Türkei. WaS geschehen lanit, muß auf Grand allgemeiner Zustimmung geschehen. Der gute Wille der Großmächte kann aber nicht er­reicht werden, wenn die Türkei ihren Rat betreffend Adrianopel und Thraziens nicht befolgt.

Was den Frieden von Bukarest betrifft, so glauben wir, daß, wenn überhaupt eine Einmischung der Mächte statt­finden soll, cs nur ein Minimuni von Einmischung sein würde. Der Friede sollte als rechtskräftig betrachtet werden, abgesehen von etwaigen Modifikationen in besonderen Punkten, die bestimmte Mächte zu machen wünschen, deren Interessen stärker in Frage kämen, als unsere eigenen. Niemand bestreitet das Recht 1 irgend einer Großmacht, Punkte hervorzuheben, die nach ihrer Ueberzeugung modifiziert, das heisst einer Erörterung unterzogen

1 werden müssen. Aber man muß sich vergegenwärtigen, daß, wenn | eine Macht die Revision eines Punktes Vorschläge, möglicher- weise andere Mächte die Revision anderer Punkte Vorschlägen

1 würden. Es wäre zwecklos, Modifikationen vorzu- !schlagen, wenn die betreffenden Mächte nicht be­reit wären, ihren Willen durch Anwendung von Gewalt durchzusetzen. Wir find bereit, allen Entschei-

, düngen zuzustimmen, die die Zustimmung der Großmächte finden. Wir selbst beabsichtigen nicht, Modifikationen vorzuschlagen.

Der Armeebefehl des Königs von Serbien

vom 11. August lautet:

H eiben! Gestern wurde zu Bukarest 'der .Frieden ge- . schlossen. Durch den Frieden ist auch unsere neue Grenze gegen Bulgarien, festgesetzt worden. Diese schliesst außer den im Kriege gegen die Türkei eroberten Gebieten auch den wertvollen Teil I Mazedoniens ein, in dem sich die wichtigen Orte Egri Palanka, 1 Kratvwo, Kotschana, Jschtip, Radewischta, Petschewo, Tsarevo Selo und Doiran befinden mit einem bedeutenden Teil des Doiransees. Helden! Durch das Blut, das Ihr vergossen, durch Euer Helden- < tum, Eure Selbstverleugnung und Eure ruhmreichen Siege habt , Ihr erreicht, daß Serbien einen Jahrhunderte al­ten Wunsch erfüllte. Es nahm Rache für Kossowo und wusch beit Flecken von Sliwnitza ab. Ihr habt die Opfer gerecht­fertigt, die das Volk freiwillig um dieses Krieges willen ertrug. Habt meine Hoffnungen gerechtfertigt und die Hoffnungen Eures Oberbefehlshabers. Ihr habt es bewirkt, baß Serbien ruhmreich dasteht urch in -der ganzen Welt Anerkennung fand. Ihr, mein glorreiches heldenhaftes Heer, seid der Schöpfer der neuen Grenze Großserbiens. Helden! Bald werde ich meinen Befehl zur Demobilisation folgen lassen. Aber trotz der Freude, daß Ihr zu Eurem Herb zurückkehrt, krampft sich mein Herz zusammen bei dem Gedanken, daß zahlreiche Familien ihre teueren Helden nicht Wiedersehen werden, die auf dem 'Schlacht- felbe gefallen sind. Unsterblicher Ruhm ziert die Helden, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Sie vergossen ihr Mut- und gaben ihr Leben für das Glück und die Größe des Vaterlandes. Und Ihr, Ihr Helden, die Ihr alle Anstrengungen der Kriege überlebt und alle Hindernisse überwunden habt, Ihr werdet zu den Euren zurückkehren, um Eure Arbeiten fortzu­setzen und Euch auf Euren Lorbeerkränzen auszuruhen. Es lebe meine mutige, unbesiegbare Armee!

Deutsches Reich.

Der Termin der badischen Wahlen Ist, lautNeue Badische Landeszeitung", nunmehr für die Zweite Kammer auf den 21. Oktober, für die Erste Kammer auf den 12. November festgesetzt.

Der Zwischenfall in Lunsville.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die amt­lichen Ermittelungen über den Zwischenfall in Luneville be­stätigen, daß den Erzählungen der Frau Schn ei b er etwas Tatsächliches nicht zu Grunde liegt. Als irrtümlich! stellte sich auch die Pressemeldung heraus, batz der Landwehrmann Schneider die Angaben seiner Frau nach dem Besuch in Lmreville als zu­treffend bezeichnete.

Ausland.

Kämpfe im Soma lila nd.

Nach offiziellen Depeschen aus London betreffend die Nieder­lage im Somaliland griffen 1000 Derwische das Kamelreiterkorps am 9. August zwischen Berbern und Dowai au und schnitten ihm den Rückzug ab. Das Maschinengewehr funktionierte nicht. Am 10. August langten die Verstärkungen an und es gelang dem Kämelreiterkmps, nach B u r a o zu kommen. Wegen Munitions­mangel verfolgten sie die Derwische nicht. Me Kamelreiter werden Burao räumen, da ein neuer Angriff in Aussicht steht. Me Verluste betragen: ein englischer Offizier tot, einer verwundet und einige fünfzig Mann tot und ver- wundet. Die Verluste der Derwische sollen bedeutend sein.

Aus Staöt und Cait^e

Gießen, 13. August 1913.

' Das Großherz ogliche Paar ist heute von Jagdschloß Wolfsgarten mit Gefolge zu der Kaiferparade nach Mainz gefahren und wird dort im Schlosse Wohnung nehmen. Die Rückkehr erfolgt voraussichtlich am Mittwoch.

** Aus dem Tru PP enübungstzlatz Darmstadt -sind 25 Leutnants der Reserve und Vizewachtmeister aus dem Bereich des 18. Armeekorps zu einem Ausbildungs- kursus einberufen worden. Der Kursus wird von Rittmeister Rogalla v. Bieberstein vom Dragoner-Regiment 24 geleitet, idem die Oberleutnants Lindemann von Dragoner 6, Freiherr v. Preuschen von Dragoner 23 und Volk von Ulanen 6 als ^Lehrer für den Unterricht im Felddienst, im Schicßdienst -und im Pionier- und Telegraphendienst beigegeben sind.

** Für die G ew e r b e a u s stell un g Gießen 1914 soll bekanntlich ein Plakat hergestellt werden, das geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf unsere Stabt und ihre demnächsttgc Veranstaltung zu lenken und hierdurch den zu er- - wartenden Fremdenzusttom in günstigem Sinne zu beeinflussen. Es hat denn auch bereits, wie berichtet wurde, eine Preisaus- schreibung stattgesunden, und das Preisgeriae hat crct Entwürfe . einer Auszeichnung für würdig erkannt und zwei weitere an- gefauft. Alle 28 cingegangenen Entwürfe waren der £c m lichkeit im Turmhaus am Braud zugänglich gemacht i"orhcn Tie i Mehrzahl ragte freilich wenig über ben üblichen D >.c!ckcknitt hervor. Wie nicht anders zu erwarten war, hatte sich ein Anzahl

der Künstler bemüht, bas Gießen und Hessen Eigentümliche zu betonen, sei es durch Wiedergabe der Silhouette der Stadt mit ihren Türmen und Schornsteinen oder der Burgruinen in ihrer Nähe (Gle»berg, Vetzberg), sei es durch das in den Mittel­punkt des Plakats gerückte Wappen von Hessen. Ms wenig glück­lich aber muß der Versuch bezeichnet werden, Gießen als ein Lahn­athen der Oeffentlick-keit vorzuführen, zumal die Idee Pallas einen Jüngling leitend und anfeuernb keineswegs neu ist. In dem an sich löblichen Streben, jede Schablone zu vermeiden, vorbeigehauen hat aber ein Künstler, der das Pvodutt feiner Muß nnter dem gleichfalls recht merkwürdigen Motto:Die Tätigkeit der Gewerbe ist lohnend" in die Welt gesetzt hat. Wäre man nicht durch die allbekanntenKunstschöpfungen" der Futu­risten und ähnlicher Heiliger bereits einigermaßen abgehärtet, so hätte man im Zweifel sein tonnen, ob sich nicht eine Nummer aus einer Ausstellung derKunst Hes Kindes" in die gegen­wärtige verirrt habe. So ist es denn vollauf begreiflich, daß das Preisgericht von der Wahl des betreffenben Plakats Abstand ge­nommen hat, da es sicher nicht angängig erscheint, neben jedes der zu versendenden Plakate eine erläuternde Broschüre zu hängen. Mit Befriedigung muß vielmehr festgestellt werden, daß die zuer­kannten Preise durchaus am Platze sind. Höchst gelungen ist der mit dem ersten Preise gekrönte Entwurf des Herrn Hermann Keil, Gießen, z. Zt. Kelsterbach, mit dem KennwortAnn'mane". Ein Mädchen in hessischer Tracht hebt wie kosend ein Erzeugnis heimischer Töpserkunst in die Höhe. Auch die Farben weiß, schwarz, blau, gelbbraun sind dem betrachtenden Auge durch­aus wohltuend. Auch der zweite Entwurf (Verfasser: Herr Ge­werbe- und Zeichenlehrer Louis Garnon, Gießen; Kennwort: Jwwerrasching), ist der.Landschaft und ihren Bewohnern glücklich angepaßt: ein unwillkürlich zu Frohsinn anregendes Landes­töchterlein mit einem großen Strauß Rosen in der Hand. Farben: gelb, schwarz, rot, weiß. Es fehlt nur die Beziehung auf den Zweck der Ausstellung. Großzügig gedacht ist auch der an dritter Stelle ausgezeichnete Entwurf des öerrn Architekten Ernst Schmidt, Gießen (Kennwort: Kunst im Gewerbe; Farben: hellgelb, schwarz, braunrot, blau. Ein kraftstrotzender Arbeiter mit dem Hammer über der Schulter, und im Hintergründe die schwärzliche Sil­houette des Turmes der Stadtkirche vor fahlem Himmel. Dies Plakat schien unter den Besuchern der Ausstellung viele Freunde zu finden. Dennoch scheint uns der Entschluß der Preis­richter, den Keilschen Entwurf an erste Stelle zu setzen, das Nichtige getroffen zu haben. Zu loben sind auch die außerdem noch angekauften EntwürfeQuelle der Arbeit" (Herr Architekt Ernst Schmidt, Gießen) undGeist, Arbeit, Leben" (Herr Willi Woellke, Gießen>.

** D ie Aus kun fis stelle für Frauenberuf e des Allg. Deutschen Frauenvereins (Rathaus) bieibt bis Ende September geschlossen.

Landkreis Gießen.

Lollar, 12. Aug. Für die Gemeinderats­sitzung am Samstag, den 16. August, ist folgende Tages­ordnung aufgestellt: 1. Die Anpflanzung einer Erinnerungs­eiche gelegentlich der Hundertjahrfeier der Schlacht bei Leipzig. 2. Walzen des Auweges; hier Arbeitsvergebung. 3. Walzen eines Teiles der Bleichstraße.

Kreis Alsfeld.

W Alsfeld, 12. Aug. (S t a d t v o r st a n d s s i tz u n g). An­wesend: Beigeordneter Weitz als Bors., die Stadtvorstandsmit° glieder Bücking, Koch, Ramspeck, Braun, Klingelböffer, Jakob, Enders, Bastian, Arnold und Brauereibesitzer Karl Wallach. Der Stadtvorstandssitzung ging die am 29. Juli beschlossene Orts- besichtigung des zur Erbauung des Armenhauses in Aussicht ge­nommenen städtischen Geländes am Niederdruckbehälter voraus. Gegen die Erricht ung eines Armenhauses am alten Wasserbassin in unmittelbarer Nähe ihres Holzlagerplatzes legt die Firma Gebrüder Wallach entschieden Verwahrung ein. Des.weiteren ist eine von einer Anzahl Petenten unterzeichnete Eingabe eingelaufen. Hierin wird zum Ausdruck gebracht, daß da, wo ein Armenhaus errichtet werde, die angrenzenden Grundstücke entwertet, die umliegenden Wohnungen an Miet wert verlieren würden und eine bauliche Entwickelung für absehbare Zeiten aus­geschlossen sei. Ein Armenhaus dürfe also nur in einer Gegend errichtet werden, wo die Nachteile, die seine Erbauung nun ein­mal für die Umgebung mit sich bringe, möglichst gering seien. Es könne nicht bestritten werden, daß durch die Errichtung eines Armenhauses am alten Niederdruckbehälter, in unmittelbarer Nähe des neuen Bahnhofs, ein sehr wertvolles Baugelände entwertet würde und daß die erwähnten Nachteile für die Umgebung ganz besonders empfindlich seien. Der Vorsitzende erwähnt hierzu, daß nach seinem Ermessen niemand ein Recht habe, Einwendungen zu erheben, daß vielmehr der Stadt freie Bestimmung über den zu wählenden Bauplatz zustehe, da das Armenhaus ein Gebäude sei wie jedes andere. Er könne nicht verstehen, wie die Eingabe von Grundbesitzern unterzeichnet werden könne, die fast eine Viertelstunde weit von dem Bauplatz entfernt wohnten. Er ist der Ansicht, daß kein Bauplatz zu finden sei, wogegen nicht prote­stiert werde. Gem.-Rat Ramspeck erwähnt, daß von der Bau- kommsission in ihrer ersten Sitzung doch eine Reihe von Bau­plätzen vorgeschilagen worden sei, die man anscheinend ganz unbeachtet ließe; so z. B. das Gelände hinter dem städt. Schlacht­hofe. Er stellt hierauf den Antrag, als Baugelände für das zu errichtende Armenhaus das städtische Gelände hinter dem Schlacht­hause unter Hinzukauf des etwa von der Pfarrei erforderlich iverbenben in Aussicht zu nehmen und den Gemeinderatsbeschluß vom 29. Juli aufzuheben. G.-R. Bücking stellt die Ausführungen des Vorsitzenden insofern richtig, daß^ wenn auch verschiedene, mit­unterzeichnete Petenten in geraumer Entfernung von dem in Llussicht genommenen Bauplatz wohnten, sie doch mit ihren Grund­stücken in Mitleidenschaft gezogen würden. Im übrigen spricht er ich gegen die Ausführung des Vorsitzenden aus und gibt zur Er­wägung anheim, ob man nicht das alte Brauhaus, das als Armen­haus vorgesehen ist, zum Abbruch verkaufen und einen massiven Neubau errichten solle. Er kann sich indessen auch nicht enträtseln, weshalb gerade städtisches Gelände zum Bauplatz verwandt werden olle; sei denn dies billiger als etwa sonst zu erwerbendes? Er pflichtet dem Anträge Ramspeck bei. Gem.-Rat Braun vertritt ebenfalls diesen Standpunkt und ist nicht dafür, das Armen­haus aus der Stadt hinaus zu verbannen, allein sckwn mit Rücksicht auf die Kontrolle. Er erachtete die Eingabe der Finna Gebr. Wallach für vollständig begründet. Gem.-Rat Jakob ist eben­falls nicht der Ansicht, daß man das Armenhaus aus der Stadt hinaus stellen solle und rügt in scharfem Tone die Unter- ftellungen in der Petitton gegenüber den ärmeren Familien. Er ist grundsätzlich nicht gegen die Errichtung eines Armenhauses, glaubt jedoch, wiederholt betonen zu müssen, daß der Stadt eine große Ausgabe erftnrl geblieben sei, wenn man das Hospital als Armenhaus beibehalten hätte. Gem.-Rat Ramspeck bemerkt hierzu, daß bas Hospital ein Vermäcftnis sei, worüber niemand, auck, dem Stadtvorstand nicht, ein Verfügungsrecht zu stehe. Gem.- Rat Ar nold stimmt der Ansicht Jakob bei, da kein dringendes Bedürfnis zur Errichtung eines Armenhauses vorliege. Zum Schlüsse bietet er noch sein in der Rambach gelegenes Gelände zum Preise von 0,70 Ml. für den Quadratmeter an. Nach eingehender Beratung wird Her Antrag Ramspeck angenommen mit dem Zusatz, baV, falls die Forderung der Pfarrei zu hoch erscheine, dem An- gebote Arnold näher getreten werden solle. Die Herren Jakob und Basttan stimmen gegen diesen Beschluß, da sie nicht der Ueber- zengung sind, daß das Gelände hinter dem Schlachthaus ein der Gesundheit entsprechender Platz ist.

i Homberg n. b. £),, 12. Aug. Heute abend gegen 7 Uhr passierte die Kaiserin mit Gefolge in 2 Automobilen unser Städtchen. Die Kaiserin war vorübergehend in Wilhelmshöhe und ist heute nach Homburg v. d. H. zurück- gekehrt.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 12. Aug. Stadtverordnetensitzung unter dem Vorsitz des Bürgernieisters Banrat Stahl. Nach Erledi­gung einiger kleineren Baugesuche werden den Gebr. Ullrich für

bie Beoauung der Wilhelmstraße die Pläne für Neubauten am > üblichen und nördlichen Eck genehmigt. Ein weiterer Bau wird unter der Bedingung genehmigt, daß vorher eine Erwerbung des hierzu benötigten städtischen Geländes stattfindet. Für den Platz, auf dem die Kasernenbauten errichtet werden sollen, werden verschiedene fßnoiefte in Vorschlag gebracht. Die Verlängerung der Hanauer Sttaße wird ebenfalls mit dem Namen Hanauer Straße bezeichnet, und die Bahnhofstraße, um Irreführungen vorzubeugen. Alte Bahnhofstraße benannt. Die Umänderung des alten Bahnhofsgebäudes für die vorläufige Unterbringung einer Kompagnie wird an die Miirdestfordernden vergeben, und zwar Maurerarbeit an Sott u. Bopp, Ziinmerarbeit an W. Füller, Glaserarbeit an Gg. Bieler, Schreinerarbeit an I. Trapp, Schlos­serarbeit an R. Drott, Weißbinderarbeit an Karl Ferber. Den Neubau einer Baracke erhält Wilhelm Füller für 5592 Mark. Den Gebr. Sinsmeier werden für Anfertigung gärtnerischer Pläne und Gutachten 450 Mark bewilligt. Die Einführung von Gas und Wasser in die v. Helmoltsche Hofreite wird beschlossen und für Gaseinrichtung 2524 Mark, für Wasser 1410 Mart bewilligt. Die Unterrührung der Bahn muß durch die Stadt beleuchtet werden. Es sollen Kandelaber im Betrag von 610 Mark ausgestellt werden. Der Voranschlag _ der Schillerschule für 1914 wird in Einnahme und Ausgabe mit 28 163 Mark geneh­migt. Der Zuschuß der Stadt beträgt 6500 Mark. Es wird mitgeteitt, daß K. K. Müller das Kommando der Freiw. Feuer­wehr niedergelegt habe. Bis zur Neuwahl oder Ernennung eines Kommandanten werden die Geschäfte der Feuerwehr durch die Brandmeister Füller und Fourier besorgt. Wegen der Miß­stände und Härten, die sich bei dem neuen Umlagegesetz, namentlich bei der Gewerbesteuer herausgestellt haben, sollen durch die Finanz­kommission Vorschläge dem Ministerium unterbreitet ioerben. Direktor Buxweil in Antwerpen und Georg Buchacker in Ham­burg, beide in Friedberg geboren, haben für das Museums-Archiv jeder 500 Mark gestiftet, wofür die Stadt ihren Dank ausspricht.

Büdingen, 11. Aug. (Schöffengericht.) Ter Strin- richter I. D. von Orleshausen wurde wegen körperlicher Miß­handlung des 12jährigen Fr. R. von Orleshausen zu 3 Mk. oder 1 Tag Gefängnis verurteilt. Von der weiter erhobenen Anklage der vorsätzlichen Sachbeschädigung wurde er ft eigesprochen. CSer Bäcker und Gastwirt I. F. von Bindsachsen wurde wegen Uebertretung des Art. 262 Pol.-St.-G. fteigesprochen. Er hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl, weil er angeblich als Leiter seines Fuhrwerks während der Fahrt von Bindsachsen nach Büdingen auf seinem Wagen geschlafen hatte, rechtsgültig Ein­spruch eingelegt. Der Taglöhner A. I. aus Breslau, zurzeit hier in Untersuchungshaft, wurde gegen Bettelns zu drei Wochen Haft und wegen Ruhestörung und groben Unfugs zu einer Woche Haft verurteilt. Dor Taglöhner H. Sch. von Helsers- dors hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl wegen Betteln- rechtsgültig Einspruch eingelegt. Die angesetzte Haftstrafe von 14 Tagen^ wurde unter Berücksichtigung des hohen Alters und t>ey Geständnisses des Angeklagten, welcher anscheinend aus Not ge­bettelt hat, auf einen Tag Haft ermäßigt. In der Privat­klage der M.,M. von Bösgesäß gegen die K. W. geb. K. vor Streitberg bei Wächtersbach wegen Beleidigung wurde die An­geklagte zu 30 Mk. oder 6 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Privatklage der M. M. von Bösgesäß gegen die L. B. daselbst wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt. Die Angeklagte nahm die beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern Mrück und trägt die sämtlichen Kosten des Verfahrens.

Kleine Tageschronik.

In der Guntzelstraße in Berlin-Wilmersdorf wurden bei einem Einbruch in die Wohnung einer Privatin Silber- fachen, Schmuckgegenstände und Pelze im Werte von 50 000 Mark gestohlen.

Wetteraussichten in Hessen für Donnerstag, den 14. Aug. 1913: Meist trüb, zeitweise Regenschauer, kühl, nordwestliche Winde.

Letzte Nachrichten.

Der Kaiser in Mainz.

Mainz, 13. Aua. Der Kais er ist mit Gefolge im Sonderzug bei dem Bahnwärterhaus Nr. 39 der Strecke MainzAlzey eingetroffen. Der Kaiser trug die Uniform seines 116. Regiments. Zum Empfang waren anwesend: Der Groß Herzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Generalinspekteur v. Eich­horn, der Kommandieremde General v. Schenk, der Gou­verneur von Mainz, Generalleutnant v. Kathen. Nachdem der Kaiser die Anwesenden begrüßt, stieg er zu Pferde. So­gleich begann auf dem Großen Sand das Exerzieren des 6. Ulanen-Regiments.

Selbstmord.

Darmstadt, 13. Aug. Die 19 jährige Tochter des hie­sigen Hofbuchbinders und Papierhändlers Gresser in der Gartenstraße tötete sich gestern abend gegen 6 Uhr in der Eschollbrücker Straße hinter dem neuen Lazarett durch einen Revolverschuß. Noch lebend wurde sie durch die Rettungswache in das Krankenhaus gebracht, verstarb aber kurz nach ihrer Einlieferung.

Der Um'bau des Bahnhofs Friedrichstraße.

Berlin, 13. Aug. Mit dem Umbau des Bahn­hofs F ri e d r i ch straß e dürfte noch im Herbst begonnen werden. Die Anordnung ist so, daß ein dreigleisiger Um­bau vorgesehen ist. Zu dem jetzigen Stadtbahngleis kommt noch ein dreigleisiges Paar, auf welchem die Fernzüge, deren Abfertigung natttrgemäß längere Zeit in Anspruch nimmt, halten werden.

Die Berufung im Krupp-Proz>.

Berlin, 13. Aug. Die Verhandlung über die von 6 der in dem Tili an-Pr ozeß Verurteilten eingeleitete Beru­fung vor dem Oberckriegsgericht dürfte kaum vor Oktober statt­finden.

In den Berten verirrt.

Grenoble, 13. Ang. Dre drei Studenten, die sich bei der Besteigung des Casque de Neron verirrten, sind auf­gefunden; sie waren sehr erschöpft, aber unverletzt. Es han­delt sich nicht um Deutsche, sondern um einen Oester- reicher, einen Bulgaren und einen Engländer.

Bürgermeister Trömel.

Paris, 13.Aug. Der Fremdenlegionär Trömel ist zur Beobachtung seines Geisteszustandes in das Untersuchungs­gefängnis in Oran überführt worden.

Aus st and in Barcelona.

Barcelona, 13. Aug. In den Webereien ruht die Arbeit. Tie Zahl der Streikenden beträgt 22000.

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