Unternehmungen auscinandergefetzt und sich vermlichtct, von den geborgenen Schätzen 15 Proz. an den Lloyd's und 15 Proz. an die holländische Gesellschaft auszuzahlen. 1912 stellte das schlechte Wetter den Arbeiten jchwcre Hindernisse entgegen. Man konnte nnrksam mir im ganzen 278 Stunden arbeiten, die aber sehr nut'-bringend angewandt wurden. Im Juli vorigen Jahres ent- bedte ein Taucher im unteren Teile des Sckiffsrurnpfes der „Lu° tinr" ein Lock, durch das er seinen Arm stecken und die Goldbarren berühren konnte. Tie Dimensionen dieser Darren betragen nach seiner Schätzung 18 Zentimeter Länge, 6 Zentimeter Breite und 3 Zentimeter Höhe. Unglücklicherweise war einige. Tage später das Wrack in die durch die Pumpen gebildete Höhlung geglitten und der Zugang zu der Oesfnung unmöglich. Um die Anhäufung von Sand zu vermeiden, den die Strömungen der Zuidersee immer wieder, auch wenn die mächtigsten Pumpen ibn beseitigt hatten, in grober Fülle herbeiführten, hat man einen liefen Graben von 1850 Meter Länge bis zu dem Wrack bin und über dieses hinweg gezogen. Tie Strömung der Zuidersee, die bis ru 7 Knoten erreicht, stürzt sich nun in diesen Graben und spült den Sand mit fort Diese großartige Arbeit erforderte die Wegschassung von fast V'i Mill. Tonnen Sand.
Die größte Schwierigkeit, die gegenwärtig noch besteht, liegt in einer ungeheuren Masse von Kugeln und Ballast, die durch den Rost zu einem kompakten Haufen zusammengeballt sind und in deren Mitte der Schatz wie eingcschlossen ruht. Die Metallbarren waren nämlich bei der Einschiffung vor 113 Jahren in den Schinskammern unter Haufen von Kugeln gelegt worden. Bei den Bergungsarbeiten von 1855 fand ein Taucher eine Menge itxmndk’T Taler und Kugeln von mehr als 1 Meter Dicke. Später stieß man auf eine gewaltige Masse von Silberbarren und rerroftetem Eilen, die zu schwer war, um sic zu heben. Bei den Arbeiten in diesem Jahre sollen nun auch diese Schwierigkeiten behoben werden. Man bedient sich dabei eines Magnets, der imstande ist, drei Tonnen zu beben. Tie Metallmassen lverden in Stücke zerbrochen, die der Magnet emporheben kann. Tie Bcr- iuche, die man in einem Londoner Dock angestellt hat, ergaben, daß man in 5 Tagen 90 Tonnen Metall mit bejn Magneten ans Licht ziehen konnte. Die Glocke, die aus der „Surin?" war, ist übrigens seit langem gehoben und hängt heute im Gebäude von Lloyd's, wo sie bei traurigen Ereignissen geläutet wird. Jeden
roicbcr in Wien her Versuch gemacht worden, die deutschen Absichten in eine falsche Beleuchtung zu setzen, so daß halbamtlich darauf erwidert werden mußte:
wie ein Goldschatz vom Meeresboden gehoben wird.
Zahlreich' Versuche sind bereits unternommen worden, um ben Millionenschatz, der seit 1799 im Rumpf der Fregatte „L u tine" auf dem Meeresgründe am Eingang der Zuidersee ruht, zu heben: während aber bisher alle Mühe vergeblich war, scheinen nunmehr die Anstrengungen doch zu einem glücklichen Resultate zu führen. Wie Sauvaire Jourdan in der Nature ausfübn, ist man seit 1912 mit allen Mitteln der rortgcfchrit lenen Technik an der Arbeit, d.r See ihre Beute noch nach 113 Jahren zu entreißen, und die hier getroffenen Vorkehrungen bieten ein anschauliches Bild für die Methode, mit der man heutzutage Schätze vom Meeresboden zu heben sucht.
Der Schatz der „Lutine" beftebt aus 1900 Goldbarren, 500 Silberbarten und barem Geld: alles in allem belief sich der Wert der hier aufgespeicherten Schätze auf 30175 000 Frs. Das Sckii' mit seiner kostbaren Ladung war bei der ältesten aller Seeveriicheruugsgesellschaften, Lloyd's, versichert, und als die „Lutine" mit ihrer reichen Ladung so nahe vor bem Ziel gc fünfen war, mußte die Versickerung der lwlländiscken ^nrma, die Eigentümerin war, gegen 22 Millionen auszahlen. Llovd s hat niemals die Hoffnung ganz aufgegeben, in den Besitz der 30 vom Meer verschlungenen Millionen zu gelangen: Veriucke, sie zu heben, wurden 1855, dann wieder in größerem Maßstabe 1900 unternommen, unb nunmehr hat man zu diesem Zweck em besonderes 'Dampfschiff konstruiert, den .Lyons", der seine Au' gäbe im vorigen Jahre in Angriff genommen bat Bald nach bem Sckissbruch, bei dem die Mannschaft mit Llusnahme emes einzigen Matrosen ertrank, wurde ber. Anspruch auf^Hebung des Sckatz's Dom König vom Holland auf Grund des Ltrandrecktes erhöh-H und im Auftrag des Königs bildete sich eine Gesell- sckhift zur Hebung der Millionen. Nachdem aber alle Venucke vergeblich gewesen waren, machte ber König von Holland 182c, freigebigst die „Lutine", deren Rumpf fron den Wogen der Zu,der see allmählich zu Sand zerrieben wurde, dem König Georg ix. oon England zum Gcickcick C'korg I\ übertrug die w erhal lenen Rechte wieder an Lloyd's. Tie hollandncke Gc'cllickart. die sick damals gebildet hatte, existiert aber auch beute noch und Bet auf ihre Ansprüche keineswegs verzichtet. Die Londoner National Salvage Association, die seit zwei Zähren die Hebung in einer großartigen Form ausgenommen hat, hat sich mit beiden
Deutschland und Oesterreich.
In verschiedenen Wiener und Ofenpester Blättern Hal der Telegrammwechsel Mischen M'önig Karl und Kaiser Wilhelm einiges Unbehagen l^ervorgerufen, weil dadurch offenbar wird, das; Deutschland für die von Oesterreich gewünschte Revision des Bukarester Vertrages nichts tun wird. Die „Neue Freie Presse" stellt auch bedauernd fest, daß die rumänische Politik im Anschluß an den Dreibund nicht mehr in Wien, sondern in Berlin den entscheidenden Faktor sehe. Interessant u't nun, wie sich die deuLsch-österreichische Mei nnngsverschiedenheit in einzelnen deutschen Blättern spiegelt Bemünstigen Bcurteilern kann es schwerlich einfalleii, die deutsche Politik zu beschuldigen, daß sie den Bundes- genoffen im Stiche lasse, denn die Selbständigkeit unserer Ansichten dürfen wir uns von Wien aus nicht beeinträchtigen lassen Ein ähnlicher Gegensatz ist ja aus demselben Anlaß auch in dem französisch-russischen Verhältnis aufgetreten, und eine amtliche Veröffentlichungaus Paris stell^das heute ganz offeusundig fest, ohne für die Minderung der russischen Freundschaft etwas zu hcfürdTten. So hat auch die „Kreuz- Zeitung' ganz recht, wenn sie urteilte:
-Daß die Tcuttoc Regierung gegenüber ber unklaren unb wenig zielsick>eren Politik, wie sie am Ballhausplatz inauguriert wurde, eine gewisse Zurückhaltung beobachtet bat, wird ihr kein objektiv ^Denkender verargen können, um so weniger, als man in Oesterreich Vien ziemlich unbedenklich zu dem Opfer der rnmänisckien Freund- >ck.as! entschloß, an der — wie man in Wien selxr wohl wußte — Tcutsct-land nicht nur ans dynastischen Gründen fefauhalten wünschte. Es ist dringend zu honen, daß man in Oesterreich ruhiges Blut unb einen Haren Blick behält: beim bann wird man von selbst leben, warum gcrabc der Bukarester Vertrag in seiner jetzigen Gestalt ber. Interessen des Dreibundes unb nicht znm wenigsten bememgen Oesterreich Ungarns am meisten dient. Tann wird man aber auch erftvinen, das: die österreichische Politik trotz ihrer mangelnden Ergiebigkeit Ammer noch besser abgefchnitien bat, als das von Petersburg au» verfolgte Bestreben, den mittel europäischen Kaiserreichen und ber Donaumonarchie als^ ihrem südöstlichen Exponenten auch vom Süben ber eine kompakte Slanx n mässe irntgegenzusdellLN. Beivahrt man sich in Wien dieses nüchterne Urteil, so wird man auch den — rein nrenschlich verständlichen — tidjiThdi aber bcbauerlidxm unb unrationellen Fehler vermeiden, das eigene Versehen auf fremde Schultern abzuwälzen.
Der „Germania", dem Berliner Zentrumsblatt, bleibt *eS nun Vorbehalten, gegen diese angeblich „scharfen Worte" des konservaiiven Blattes einen förmlichen Protest ein Sulegcn! Selbstverständlich läßt sich die „Germania" dabei ■tn der Hauptsache wieder einmal von klerikalen Rücksichten leiten. Sie läßt durch blicken, daß Deutschland die „aktive", HaS heißt also wohl kriegslustige Politik des Erzherzogs Franz F-erdinand nicht genügend unterstützt habe:
Die wichtigste Frage wird von dem konservativen Blatt nicht berührt, unb diese lautet: weshalb denn die österreichisch lungarudx' Regierung zu einer aktiven Balkanpolitil sich nicht habe entschließen können'? Weiß die Kreuzzeitung wirklich nichts von den argen Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin unb Wien, wie sie im November vorigen Jahres Butane getreten sind? Weiß sie nicht, was der russische Kriegs- Minister Suckomlinov in Paris über gewisse Aeußerungen erzählt hat, die er in Berlin über den Erzherzog Franz Ferdinand gehört haben will'? Weiß sie nicht, wie die von ihr erwähnte Erklärung des Reichskanzlers vom 6. Dezember zustande kam ? Wenn man an der österreichisch ungarischen Politik in der Balkanfrage .Kritik Srhen will, bann muß man auch diese Tatsachen in Rechnung stellen — ober man dirs nickt über Dinge schreiben, über die man niru genau informiert ist. In Wien werden die 'Ermahnungen der Mreiwitung deshalb gar keinen 'Eindruck mackren. Tatsächlich ivirb der Telegrarnnnvechsel zwischen Kaiser Wilhelm unb König Karol und die Ernennung M önig .stvnstanrins zum preusnfchen Generalseldmarsck all in den Kreisen der TripleenteMe-Mäckte als eine Desavouierung Oe st erreich-Ungarns durch die deutsche Diplomatie betrachtet, und das ist gewiß nicht angenehm unb dem demsch^österreickstsckxn Bündnis nickt förderlich.
Daß man in ^krlin den Wunsch hatte, die Tinge nicht verdunkeln zu lassen, ist ganz begreiflich. Ist doch schon
Die „Kölnische Leitung"' meldet aus Berlin: Rack) Ofen- pest sollen aus '-Berlin Meldungen gelangt sein, nach denen in Berliner amtlichen MYcifen der Widerstand gegen die Revisionspolitik gewisse.rmaßen zurück- g e t r e t e n sei. Dieser Ausdruck ist i r r e f ü h r e n d. Deutschland kämpst in der Frage der Ueberprüfung nicht gegen andere Mächte: aber es nimmt nicht an den europäischen Versuchen zur Mänderung des Bukarester Vertrages teil. Es verhindert dadurch ein europäisches Vorgehen gegen das mühevoll zustande gebrachte Friedenswerk. Deutschland be teiligt sich nur an solchen Erörterungen der Mackste, die der 9kb sicht dienen, dem Vertrage die Zustimmung Europas zu sichern. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien ist nicht im Spiele. '?Ibcr wie die Dinge jetzt liegen, lassen sich die bulgarischen Wünsche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht verwirklichen.
Sehr deutlich über die Kavala-Angelegenbeit hat sich gestern im englischen Unterhaus auch Sir Edward Grey vernclMen lassen. Seine Ausführungen lassen sich in den Satz zusammenfasfen: es wird nichts aus einer Revision des Bukarester Vertrages, denn auch England hat, wie Deutschland und Frankreich, keinerlei Interesse daran. So ist denn die Begeisterung in Bukarest über die Erfolge der rumänischen Politik sehr berechtigt. König Karl hat auf telegraphische Mitteilungen vom Friedensschluß auch von den Königen der beteiligten Balkanländer noch einmal Kundgebungen des Dantes und der Sympathie erhalten Die Antwort des Königs Ferdinand bedeutet freilich nur gute Miene zum bösen Spiel.
Deutsch la nds Einflußnahme auf das Zu ftanbefommen des Bukarester Friedens ist, wie der „Tägl Rundschau" von „hoher diplomatischer Seite" versichert wird, wesentlich größer, als die Oeffentlichkeit nach den bisher bekannien Nachrichten annimmt. Tag und Nacht spielte der Draht zwischen der „Hohenzollern" einerseits und dem Berliner Auswärtigen Amt, den ^Gesandtschaften in Bukarest, Sofia, Belgrad und Athen andererseits. Der Kaiser wurde in den letzten Wochen von allen Einzelheiten der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes, der sich im Gefolge des Kaisers auf der „Hohenzolleru" befand, hatte vom Kaiser persönlich Befehl, ihm unverzüglich von allen wichtigen Mitteilungen Kenntnis zu geben, selbst während der Nachtzeit. Das Schlußprogramm des Bukarester Friedens ist in einem schwierigen Stadium der Verhandlungen zustande gekommen, als "noch im letzten Augenblick das Friedenswerk gefährdet erschien. Der bedeutungsvolle Inhalt der Drahtungen zwischen dem Kaiser und König Karol ist von beiden Regierungen vereinbart worden, um in Europä k.ine Zweifel über die Stellung Deutschlands und Rumäniens aufkommen zu lassen. Als die Frage der Zugehörigkeit des Hafens von Kavala die Friedenskonferenz zu sprengen drohte, wandte sich der Kaiser drahtlich an König Konstantin von Griechenland und riet ihm, Bulgarien das Hinterland von Maoala zu überlassen. Der König verständigte seinen in Bukarest weilenden Ministerpräsidenten von dem Rate seines faiferlichen Schwagers, und das schon schwer gefährdete Friedenswerk wurde durch das kaiserliche Eingreifen im letzten Augenblick gerettet.
Tas Drängen nach Revision.
Ofen pest, 12. Aug. Der „Pester Lloyd" veröffentlicht eine Wiener Information, nach der die Notwendigkeit einer Revision des Bukarester Friedens damit begründet wird, daß der Friedensschluß die wichtigsten Momente der Rassenverteilung in Mazedonien außer Acht läßt. Europa! habe nur die Wahl zwischen einer Revision, welche die härtesten ethnischen Ungerechtigkeiten wieder
falls besteht bcgrünbctc Aussicht, das d« seit mehr alS 113 Jahren im Sand ber Zuidersee schlummernden Millionen wiebcr aui Tageslicht gehoben werden. *
ff. Ein R ettungst urm für Unterseeboote In Sfrcua sind jüngst Versuche mit einem neuen Rettungsturm für Unterseeboote angestellt worden, den ein Seeossizier, Virginia Cavallini, ersunden hat. Bei den Versuchen wurde ein Modell ins Wasser versenkt, das durck eine Tclephonleitung mit dein Mitgliedern des Prüfungsausschusses an Land in Verbinduw- ftanb: wenn von oben der telephonische Befehl gegeben wurde, den Rettungsturm zu verwenden, vergingen nur 3 Sekunden, bis ber Rettungsturm an der Oberfläche erschien, und die „Gerct teten" aus ihm herauskamen. Nach den Mitteilungen, die die „Stampa" aus Spezia über die Versuche erhalt, scheint ber „Rettungsturm" eine hermetisch verschließbare flammet ;u sein, in ber bic ganze Besatzung eines Unterseebootes Plag findet. Im Falle eines Unglückes last sich der Rettungsturm rasch vom Schifsskörver lösen, so daß- die Mannschaft des Fahrzeuges sich in ihm retten kann.
— 12118 Analphabeten im französischen Heer. Durch die neueste Statistik, die daS sranzösilche Kriegs Ministerium über die Zahl der des Schreibens Unkundigen in der Armee veröffentlicht, wird erwiesen, daß von 249 163 neu eingestellten Rekruten des Jahres 1911 12118 nicht schreiben und lesen konnten. Tie Zahl ist nur um ein Geringes niedriger als die von 1910. Im Iahte 1876 freilich betrug die Zahl ber Analphabeten noch 46 092. Die übervölkerten Departements des Norden und Westen liefern ben größten Prozentsatz ber Anal< phabeten. DaS Departement du Nord ist mit 895, das von Pas- de-Ealais mit 438 vertreten. Das Departement des 'Jura hat dagegen nur 9 unb das von Obetsafrvyen 7 Analphabeten gc- stellt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Aus Freiburg i. B. nrirb gemeldet: Der Chirurge am Freiburger Diakonissenhaus unb Dozent an der Unifremtat Tr. Edwin Goldmann ist gestorben.
i gut macht, unb fatalistischer Erwartung eine« - neuen Balkankrieges.
Ter französisch-russische Gegensatz in der Frage von kavala.
Paris, 12. Aug. HavaS veröffentlicht folgende Note: Der Augenblick scheint uns gekommert zu sein, die wider- sprechenden Nachrichtett über die Ha l tun g der Regierungen von Frankreich und Rußland in der K analaangc- le gen beit klarzu stellen. Weine von beiden verlangte jemals Don dem andern das Opfern seines Staudpunlte«. Betse teilten einander regelmäßig ihre Ansichten mit. Rußland wußte, baß Frankreich dafür war, Kavala, eine griechischeStadt,an Griechenland zu ge- ben. In Frcntlreich war der Wunsch Rußland« nicht unbekannt geblieben, diesen Hafen am Aegüischen Meere Bulgarien zu sichern. Die beiden Reißerungen wußten, daß keine von ihnen ihrer Meinmtg solche Wichtigkeit beimäße, daß sie von ihren Verbündeten bas Opfer seiner Neigungen hätte fordern müssen, da die Tendenzen der allgemeinen Politik der Mächte und die Tatsack)en sie balrtn führen mußten, sich auf eine ber Lösungen zu einigen. Da bie Frage ber Revision heute negativ entschieden ist, ist es nicht mehr an ber Seit, auf die An gelegen tunt einzugehen. Sickler ist, baß bie Beziehungen zwi'sck)en beiden Länbern niemals herzlicher waren, als in diesem Augenblick.
«ihrig Karl unb Äihrig Ferdinand.
Bukarest, 12. Aug. König Marl hat Einzelheiten des abgeschlossenen Friedens dem König Ferdinanb mitgeteilt, welcher mit einem] Telegramm antwortete, in dem er dem Mönig von Rumänien dafür dankt, daß seine und der rumänischen Regieruny Weisheit durch ben Bukarester Frieden dem Balkankrieg ein Ende gemacht habe, unb in welchem er ben Wunsch Lmsspricht, bie Beziehungen Nu- mäniens und Bulgariens möchten zukünftig bie freundlichsten sein.
Wenn der König Karl dieses Telegramm mit dem gestern veröffentlichten Tagesbefehl Ferdinands an feine Soldaten vergleicht, muß er auf seltsame Gedanken kommen!
Sir Edward Grcy über die Balkanpolitik.
London, 12. August. Sir Edward Grey sprach heult Nachmittag im Unter häufe über bie Lage aus dem Balkau. Er teilte mit, daß die Botschafter ko ufere uz sich für die Serien vertagt habe. Ihre Hauptaufgabe war, unter den Mächten eine Perständigung über die Frage von Albanien nnb der Aegäi-schen Inseln zii Lrzielen. lieber beide Fragen ist eine Verständigung erzielt worden.
Was Albanien betrifft, so wird eine internationale Kontrollkommission eingesetzt werden, deren Aufgabe c5 ist, einen autonomen Staat unter einem Fürsten an der Spitze zii errichten, der von den 'Dt ä d) t e n gewählt wird.
Was die ägäischen Inseln betrifft, so hat En glan d durch seine Stellung im Mittelmeere ein besonderes Interesse daran, nämlich, daß keine dieser Inseln von einer der Großmächte in Anspruch genommen ober behalten wird. Wir erzielten darüber eine Verständigung nnd da« Schicksal aller dieser Inseln einschließlich derer, die augenblicklich von Italien okkupiert sind, uiteressiert alle Großiuächte und wird schließlich von ihnen entschieden werden. Keine der Grosirnächte wird eine der Inseln für sich behalten. Die Frage sing an, kritisch zu werdeu, was geschehen würde, falls die Türkei die 9lii4fiihrunfl der Bestimmungen des Vertrages von Lausanne auf unbestimmte Zeit hmauszöqere und die italienische Okkupation daher auf unbe- stimiute Zeit fortdauere. Italien ließ uns keinen Augenblick im Zweifel, daß es beabsichtige, seinen Teil des Vertrages zu ersüllcu, wenu die Türkei den ihren erfülle. Wir haben alles Vertrauen in den fluten Glauben Italiens. Wir wissen, daß eS die Türkei drängt ihren Teil des Vertrages zu erfüllen. Daher braucht unS die Frag eines Aufschubs flegemvärtig nicht zu beschäftigen,
WaS die gegenwärtige Lage betrifft, fo bestehest zwei seh ernste »ind fehrfchiviengeFragen, nämlich die schließliche Entscheidung über Thrazieu und Mazedonien. WaS Thrazien betrifft, lo hat sich die türkische Regierung über den Frieden von London hhiroc i- gesetzt, der unter den Auspizien der Großmächte geschlossen war, und
Nr. 188 Erster Blatt 165. Jahrgang Mittwoch, 15. August 1915
Sichcner Anzeiger
'"er''fprkck-A''fchlufse: politische.,Teil: August
»«äs General-Anzeiger für Vberhesfen SMs
«ut"aer Ettrtzea. 0 f • ’ • ? rach- iür ,Stabt und
Annahme von iinyigen Rofationsörud und Verlag der VrLhl'schen Univ.-V»ch- und 5tei«druckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedtüon und vruaerel: dchulstrage r. annbv. hir dc>» KXÄ Bnbntlof8ra6c ,6a. ___________


