Ausgabe 
13.5.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

terweg 47

phone \w

Ceuttiien Granrmophon- art Berlin

lallier

W.

9- Tel 671 in- u. enienßaus

Wlilr

btrtictbcr unb lbe «tuet eine ehmW >mzcichuea,Zn- den moberner 5*?inmtlbtun8Cn i'tb Proipekl.

Nippel

£amcnidmcibetmciittra .321

* Neuheit!

er Blumenpflege

felePloD 261

Ll>

lsl.Stdn als Balkon-, t und Pfeiler-Aufsatz

Vorteile:

Nur einmalige Amü fang daher billiger t Holz'. Zink- oder T» . Kasten

bewährt Ausfühitt' , MusterzoDieni*6

ui. Giessen;

... FtLvbodenbeläg! e Ste^Ä^ EstncbboM

Mörtel ond asbau^ n andere» 5#*** 1

enbu^^i

' it'ifl ' 2^

163. Jahrgang

Erstes Blatt

G

Gerichtssaal": K. Neu

a

03

Nr. M

Der Giehrner Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich EiehenerZamilienblätter! zweimal wöchentl.NreiS: blattsürdenUreisSiehen (Dienstag und Freitags; zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragrn Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition Hl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen. v , ... -

Uotationzöruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. ö bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Keschästrstelle Vahnhosstrahe 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Dienstag, 13. Mai <915

Bezugspreis: monatlich75Ps., viertel-

A A jährlich Alk. 2.20; durch Jrwk Abhole- il Zweigstellen El " monatlich 65 Ps.; durch MB diePost Atk.2.viertel- H jährt, ausschl. Bestellg. HB Zeilcnpreis: lokal 15Pf., WhF 'ISBä-* auswärts 20 Pfennig.

Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton",Vermischtes" und

Die heutiye Nummer umfaßt 10 Seiten.

Line schwere Gefahr für unsere Getreideausfuhr.

Wie aus St. Petersburg berichtet wird, strebt die rus fische Re FierungUenderun>genihresZoll- tarifes an, die für Deutschlands Handelsverkehr mit Rußland belangreich werden können. Das amtliche Organ des russischen Handelsministeriums teilt nämlich mit, daß Rußland einen Getreide zoll von etwa 4 Mark für 100 Kilogramm und für Finnland außerdem noch einen Mehltzvll von nahezu 4,30 Mark ein führen wolle, wobei zu bemerken ist, daß der für 3tußland geltende Mehlzoll zur­zeit schon 4,80 Mark beträgt. Die Frage, ob Rußland be­rechtigt, sei, in Finnland ohne weiteres Zölle einzuführen, ist durchaus nicht zweifelsfrei; denn der Nachtrag zum Handelsverträge zwischen Deutschland und Rußland vom 15. Juli 1904 verpflichtet Rußland, für den Fall, daß es dazu übergehe, Finnland mit gewissen Zöllen zu versorgen, dies Deutschland zwei Jahre vorher anzuzeigen. Es ge­winnt indessen den Anschein, daß der mit der Prüfung dieser zrage vom russischen Handelsministerium eingesetzte Aus­schuß sich nicht von Gewissensskrupeln plagen lassen wolle, venu er sich aus höheren Zw eckmüßigkeitsrücksichten über die vertraglichen Bestimmungen hinwegsetzt und sich dabei auf Präzedenzfälle beruft. In der Tat kommt es für den deutschen Handelsverkehr auch weit mehr auf die Tat­sache an, daß Rußland, dieses gewaltige GetreideproduF- tionsland, das regelmäßig jährlich einen bedeutsamen Teil seiner Getreideernte an Deutschland ab gibt, zur Einführung von Getreidezöllen üb er geht, als auf die gleichzeitige Ein­beziehung Finnlands in diesen Zolltarif. Dabei soll natür­lich keineswegs verkannt werden, daß unsere Ausfuhr von Roggen- und Weizenmehl nach Finnland nachgerade recht ansehnliche Werte dar stellt; sie bezifferte sich im Jahre 1912 auf nahezu 84000 Tonnen.

Offenbar richten sich die neuen zolltcrriflichcn Maß­nahmen der russischen Regierung hauptsächlich gegen die deutsche Getreideeinfuhr, vielleicht eine Folge des bestehenden deutschen Ein fuhrs ch-ein s y stem s, das er­richtet wurde, um einen möglichst billigen Ausgleich der greife im Osten und Westen Deutschlands herbeizuführen. Mt Hilfe der Einfuhrscheine wurde den deutschen Expor­teuren ermöglicht, massenhaft Getreide, namentlich Roggen trach Rußland auszuführen, denn bekanntlick) wird für jede Tonne Roggen eine Ausfuhrvergütung von 50 Mk. ge­mährt. Damit war für Rußland die Möglichkeit geboten, billiges Brot aus deutschem Getreide zu gewinnen. In der Tat hat sich auch die russische Mühlenindustrie die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen, das deutsche billige Ge­treide zu vermahlen und danach Kleie mit z. T. mehr -als 50 v. H. Mehlgehalt wieder nach Deutschland zollfrei -auszuführen. Diesen Manipulationen wurde zwar allmäh­lich Einhalt geboten, Tatsache bleibt aber doch, daß die russischeir Mühlenbetriebe durch die deutschen Ausfuhrver- -gütungen für Getreide wesentlich begünstigt, dagegen die russischen Bauern geschädigt worden sind. In diesem Wider­streit der wirtschaftlichen Interessen hat nun die Regie- ung Rußlands für die Bauern Partei ergriffen und sucht nunmehr durch Einführung eines ziemlich hohen Getreide­zolles die deutsche Einfuhr zu verhindern. Denn darauf dürfte es gegenwärtig abgesehen sein. Da Deutschland nach Rußland ausschließlich Finnland im Durchschnitt des letzten Jahrfünfts 1908 bis 1912 etwa 130 000 Tonnen Roggen, 14 000 Tonnen Weizen und 16 000 Tonnen Hafer

aus geführt hat, dazu nach Finnland noch bedeutende Men­gen Roggen- und Weizenmehl/ so muß unser Handel mit Rußland^ eine immerhin empfindliche Einbuße erleiden.

Die Antwortnote der Ballanverbündeten.

Athen, 12. Mai. Die Antwort der Verbündeten auf die letzte Note der Mächte wird morgen übergeben werden. Die Verbündeten sind damit einverstanden, die Feindseligkeiten einzustellen und in Londo n an der Friedenskonferenz teilzunehmen. Die Verbündeten sprechen ihr Bedauern aus, daß die Mächte den von den Verbündeten ausgesprochenen Vorbehalten, die Lebens­fragen der Verbündeten betreffen, nicht in Erwägung ge­zogen haben.

Sofia, 12. Mai. (W. B.) Die Antwortnote der Verbündeten ist heute vormittag überreicht worden. Darin werden für die Friedenskonferenz in London die­selben Friedensdelegierten ernannt wie für die 1. Friedens­konferenz. In Regierungskreisen wird erklärt, daß die bulgarische Regierung jede Aktion, die ben Verzögerungen und Verschleppungen ein Ende setzen könne, günstig auf­nehmen und ihren ganzen Einfluß ausbieten werde, um jedem neuen Verschleppungsversuch vorzubeuoen, da das Land entschieden den sofortigen Friedensschmß wünsche.

Die Uebcrgabe Skrrtaris.

DasNeue Wiener Abendblatt" meldet: Die Ueber- gabe Skutaris erfolgt Mittwoch. Die Details sind be­reits fertiggestellt.

Der Brand in Skutari dauerte bis Freitag abend an. Fünf Basarviertel 1 wurden zerstört. Der Schaden wird auf 2 0 Millionen geschätzt. Unter den Geschä­digten befinden sich österreichische und italienische Fabri­kanten.

Rom, 12. Mai. DieTribuna" meldet aus Skutari: Die zur Besetzung v o n Skuta r i bestimmten Ma- trosenäbteilungen der Blockadeflotte sind gestern abend in San Giovanni di Medua gelandet. Man erwartet ihr Ein­treffen in Skutari heute abend oder morgen früh. Am 15. M a i erfolgt die feie r liche Uebergabc der Stadt an die Truppen der Mächte.

Die bulgavisch-rumättisrhe Frage.

Bukarest, 10. Mai. Gestern wurde das Peters­burger Protokoll über den bulgarisckp-rumänischen Streitfall durch die Vertreter der Großmächte in Peters­burg unterzeichnet. Die Veröffentlichung des Proto­kolls erfolgt gleick)Heitig mit der Unterzeichnung der Frie­denspräliminarien.

Heber die Berner Zusammenkunft ftcmMsch-deukscher Parlamentarier

wird gemeldet, daß die französischen Teilnehmer es als Haupt- aufgabe der Annäherungskonserenz ansehen, einen aus Mitgliedern der beiden Parlamente zusammengesetzten ständigen Aus­schuß zu bilden, der das Werk der Konferenz fortzusetzen hätte. Es heißt, daß die in Bern bereits eingetrofscnen Franzosen eine Sitzung ab halten würden, um die Frage zu erörtern, ob sie in ihrer Gesamtheit der Konferenz beiwohnen sollen. Mehrfach wurde nämlich der Gedanke geäußert, daß die Franzosen, um das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Deutschen und der fran­zösischen Teilnehmer nicht allzusehr in die Erscheinung treten zu lassen, sich nur durch eine Abordnung vertreten lassen möchten die numerisch der deutschen Vertretung ungefähr gleich wäre. Mit Sleptik und Ironie äußert sich der ehemalige Ministerpräsident C l e men eeau , in dein er in seinem Blatte ,,L'Homme Libre" schreibt:Ich weiß nicht, ob die Mitglieder des deutschen Reichs­tages, die die Reise nach Bern unternehmen werden, einen größe­

ren Einfluß auf ihre Kollegen besitzen, aber es schemt mir, daß selbst der einflußreichste unter ihnen, ein etwa folgendermaßen lautendes Argument kaum entkräftigen könnte: Wir können erst dann über die Verringerung der Rüstungen sprechen, sobald wir sie vermehrt haben werden. Unter solchen Verhältnissen wird dem Senator d'Cstournelles de Constant wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Verhandlungen vor der Veröffentlichung" mit einer jener hochherzigen Formel zu schließen, die wohl Genüge tue, aber niemand zufrieden stelle. Von den zur Verständr- gungskonferenz angemeldeten Reichstagsabgeordneten sind 23 So-' zialdemokraten, 7 Fortschrittler, 2 Zentrumsabgeordnete, 1 El­sässer und 1 Däne.

Bern, 12. Mai. Die Konferenz endete mit einer un­gezwungenen Vereinigung im Berner Hof. Zwischen den Deutschen und Franzosen herrschte große Herzlichkeit. Wie es heißt, bestanden innerhalb der französischen Abordnung starke Meinungsverschiedenheiten wegen einer Stelle der Entschließung, die den elsässischen Landtag berührt. Die Sozialistisch- Radikalen verlangten Streichung, weil die Stelle mißverstanden werden könnte. Jaurös zerstreute jedoch die Bedenken, so daß der Entwurf von der Abordnung angenommen wurde. Einige opponierende Raoikale wollten später eine Protestnote verfassen, doch gelang es ihren Freunden, sie davon abzuhalten, der Zu­sammenkunft im Berner Hof blieben sie aber fern.

Deutsches Neseh.

Der Fall Tro ernel und das Auswärtige Amt.

Das Berliner Auswärtige Amt hat Schritte in Paris unternommen, um die Angelegenheit des Bürger­meisters Troemel, der angeblich bei der Fremden­legion in Algier weiten soll, aufzuklären. Man will ver­suchen, den bedauernswerten Mann aus seiner Lage, zu befreien, nötigenfalls will man einen Auslieferungsan- trag stellen, da die Behörde wegen unbefugter Entfernung von seinem Posten ein Disziplinarverfahren gegen ihn eiu- lciten will. Bei dieser Gelegenheit dürften auch die Ver­hältnisse bei der Anwerbung für die Fremdenlegion seitens französischer Werber in Deutschland zur Sprache kommen.

Konferenz der Landesvereine vom Roten Kreuz.

Pom 17. bis 21. Mai treten in München die deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und verwandte Organi­sationen zu einer Konferenz zusammen, Ivo die Ri cht - tinicn für die Weiterentwicklung der Frieoens- arbeit und Vorbereitung' auf einen Kriegsfall festgelegt werden sollen. Neben Fragen von internationaler Be­deutung, wie die Ge fang en en-Fürsvrg e, wird u. a. über eine vermehrte Beteiligung des Roten Kreuzes an der Seuchenbekämpfling, die Versorgung der Roten Kreuz- Schwestern und über die Gewinnung und Ausbildung weib­licher und männlicher Hilfskräfte beraten. Ferner wird ein Zus am men Witten des Roten .Kreuzes mit den gewerb­lichen Berufsgenoss en schäft en in der ersten Hilfe und die Notwendigkeit der Ausbildung von Desinfektoren erörtert werden. Die Berichte über die Hilfsexpedition des deut' scheu Roten Kreuzes seit der 1908 in Dresden ab gehal­tenen letzten Konferenz und Vorträge über die Erfah­rungen auf den verschiedenen Arbeitsgebieten der Ver- eiusorganisativn bilden einen weiteren Teil der Tages­ordnung. Am 18. Mai findet eine große Sanitätsdienst­übung im Ausstellungspark statt.

Arrslanv.

Die französisch-spanische Freundschaft.

Aus Paris wird gemeldet: Ministerpräsident Graf Ro­ma n o n e s und Minister des Aeußeru P ichon haben herzliche T eck eg r amm. e miteinander gewechselt, in dänen sie versichern, daßdaß die Reife des Königs L'oft Spanien nach Paris ein Beweis der herzlichen Freundschaft zwischen Frankreich und Spanien fei und

Lin neuer Vulkanausbruch in Innerasrika.

Das B.ilkangebiet von Ruanda am Kivüsee, das -auf der Grenze zwischen Deutschi-Ostafrika, Britisch-Ostafrika und dem ^ongostaat sich erhebt, hat im letzten Jahrzehnt namentlich durch die Arbeiten deutscher Reifender eine bereits ziemlich gründliche Erforschung erfahren. Einen wichtigen Beitrag dazu liefert jetzt der französische Missionar aus dem Orden der Weißen Brüder Pages, der einen neuen Vulkanausbruch dieses Berglandes in einer Zuschrift an den PariserEosmos" beschreibt.

Der Sitz dieser Missionare ist die Ortschaft Njundo, die etwa 30 Kilometer von dem Schauplatz der letzten Eruption entfernt auf der deutschen Seite liegt. Der Ausbruch begann in der Nacht vom 4. zum 5. Dezember 1912, im Norden des Kivusees, und zwar mitten in einem angebauten Gefilde, so daß sich unter den Ein­geborenen ein jäher Schrecken verbreitete, obgleich Menschenleben, soweit die Nachforschungen gereicht haben, nicht zu beklcigen ge- vesen sind. Der Ausbruch dauerte einen vollen Monat, bis zum 3. Januar, an. Am Morgen des 5. Dezember bot sich den Missio­naren der überwältigende Anblick einer ungeheueren Dampfwolle imr, die sich 'hoch über dem Boden erhob und soviel Staub mit 'ich gerissen hatte, daß sie bald eine dunkle Farbe und schließlich das Aussehen von schwarzem Rauch annahm. Der obere Teil breitete sich allmählich wie ein Riesenschirm nach allen Seiten aus Unb wurde dann mehr Und mehr ein Spiel des Windes, während der Dampf zunächst durch die kolossale Kraft des Ausbruchs als 'eine senkrechte Säule hinaufgeschleudert worden war. Beim Ein- 'bruch der nächsten Nacht wurde das Schauspiel noch großartiger ttirch die Widerspiegelung der Lavaglnt in den vulkanischen Wolken, io daß diese wie in Feuer getaucht erschienen. Die aus der Lava mtwickellen Dämpfe breiteten sich in einem Umkreis von fünf Kilometern in die Ebene hinein aus unb reichten bis zum See. Der Vulkan zeigte sich wie mit einem leuchtenden Hof umgeben. Die Missionare in Njundo hielten die Erscheinung zunächst für fine Feuersbrunst von ungewöhnlichem Umfang. In einer Ent­fernung von 30 Kilometern konnte man in der Nacht beim Feuer des Vulkans kleine Druckschrift lesen, und das Schauspiel war sogar in einem Abstand von 250 .Kilometern bemerkbar. Die Aanchsänle wurde von zickzackförmigen Blitzen durchzuckt, die sich Wweil en auch in Garben zu verstreuen schienen. Dieser Vorgang ift durch eie Reibung der Aschemnassen mit den Dampfwollen mb durch die dadurch bedingte Entwicklung elektrischer Span­

nungen zu erklären. Die Missionare vernahmen auch eine Folge von Explosionen und hin und wieder ein langes Rollen, das dem eines Donners nicht unähnlich war. Dieses Geräusch war wenig­stens 60 Kilometer weit börbar.

.Am 16. Dezember erreichte die ^Eruption den.Höhepunkt. Gerade in dieser Zeit unternahm Pater Pages das Wagnis, sich der 9lus- bruchtelle zu nähern. Er drang bis zur Lava vor, die zu feinen Füßen dahinströmte und ihm Dampfwolken ins Gesicht spie. Die von dem Krater ausgeworfenen Aschen hatten sich bis zu 200 Meter Höheausgehäuft. Die Aschenexplosionen konnten mit einem Feld­stecher deutlich) verfolgt werden. Auch die Dampfsäule wurde im­mer wieder erneut, indem in rascher Folge weitere Wolken aus dem Krater hervorgestoßen wurden. In kurzer Zeit durchmaß die Lava die Strecke von vier Kilometern, die.den Krater vom Kivusee trennten. Die umgebende Ebene, die bereits aus vulkanischem Gestein mrfgebaut war, trug zahlreiche Bananenpftanzungen, stellenweise auch einen Wald von niedrigen Bäumen, die in der alten zersetzten Lava Wurzel geschlagen hatten. Tie Vegetation wurde zum größten Teil vernickstet, und der Wald brannte an meh­reren Stellen. Bei dem schnellen Erkalten der Lava, wo sie in den See einfloß, wurde ein eigentümliches Geräusch vernehmbar, das von den Ohrenzeugen mit dem eines Eisenbahnzuges verglichen wird, wenn er in, einen Bahühof einfährt und dabei eine Reihe von Weichen überschreitet. Im See erzeugte der Lavastrom eine Woge, durch die ein größeres Boot aus dem Wasser herausgeschleu- bert und ziemlich weit int Innern unter einen Baum niedergesetzt wurde. Der Missionar begab sich selbst in einer Barke auf den See, dessen Wasser noch in einem Abstand von einigen Kilometern bis aus einen hohen Grad erhitzt war und einen Sckpvefelgeschmack zeigte. Die Anwohner sammelten viele Fische, die durch das Ent­strömen der Lava getötet worden waren, unb verschafften sich durch ihren Verkauf auf den Märkten der Nachbarschaft einen leichten Verdienst. Dje Eingeborenen freilich hatten in einigen Dörfern eine Scheu vor dem Genuß dieser Speise, da sie alles, was mit der vulkanischen Tätigtttt im Zusammenhang stehl, mit einem tief eingenmrzelten Aberglauben betrachten.

Beachtenswert ist die Wirkung, die der Vulkanausbruch auf die Witterung hervorgerufen hat. Während sonst dort int Dezember fast immer wolkenloses Wetter herrscht, war es diesmal düster und regenreich. Zur Zeit der stärksten Eruption vermochte die Sonne reinen Augenblick durch das dichte Gewölk des Vulkans hindurch- zudringen. Kein Tag verstrich ohne Regen; mittags ging regel­

mäßig ein Gewitter von etwa einstündiger Dauer nieder. Diese Einflüsse des Vulkanausbruchs erstreckten sich nur auf die nähere Umgebung, während weiterhin das Wetter ungetrübt seinen nor­malen Verlaus nahm. Der von dem Krater ausgehende Schwefel­geruch verbreitete sich etwa 500 Kilometer weit und war noch an der Station Marcmgara in Ruanda deutlich wahrnehmbar, und zwar sckwn am ersten Tage des Ausbruchs. Eine seltene Begleit­erscheinung endlich waren die Flammen, die aus dem Krater herausscklugen und von dem Missionar deutlich wahrgenvmmen worden sind.

Die heftige Eruption dauerte volle 29 Tage, während sie sich in geringerem Grade noch bis in den Februar hmeinzvg. Ein Besuch des wahrsch.nnli.ch sehr großen Kraters war bis zur Zeil des Berichts noch nickt möglich gewesen, da die Lava wegen ihrer Hitze noch nicht begangen werden konnte, auch die Lust bei der Annäherung an die Ausbruchstelle geradezu erstickend war.

*

Das Rhein-Mainische Verbandstheater, das seit Jähren eine größere Anzahl mittlerer und kleinerer Städte, die sich kein eigenes Theater halten können, mit guten Tlwatm Vorstellungen versorgt, das im Auftrag von Voll'sbildungsor-gani - sationen aber auch in größeren Städten, wie Franl'ftrtt und Offenbach, spielt, hat feinen Spielplan für das nächste Jahr heransgebracht. Er umfaßt folgende Stücke: (Goethe: Götz von Berlichingen, Shakespeare: Die luftigen Weibiw von Windsor, Schiller: Kabale unb Liebe, Moliöre: Der eingebildet' Kranke, Anzengruber: Der Meineidbauer, Lutz: Andrem- -Hofer, Shaw: Diw Teufelsschüler, Hauptmann: Die ver­sunkene Glocke, Hauptmann: Der Biberpelz, -- Rößler - ^ic N?f^Frankfurter Wette: Hänsel imb Gretel ..Kiuderftück). Die ftinstlerische Leitung besorgt wieder Tl-eatcwdirektvr H äu fcr. Das Personal wird teilweise bewährte ältere Kräfte imb teilweise rumore, die von größeren unb guten Bühnen Herkommen, um lassen. Zu den älteren Spielorten wird eine Reihe neuer- hinzu kommen. Besonders in der badifckren imb baperisch.m Pfalz haben wohlgelungene Bersuchsvorstellungen, die in einer Frichjahrsnacb- sprelzeit stattfanden, dem Theater neuen Boden bereitet. Die Geschäftsstelle des Rh än-Mainischeu Verbandes für Volksbildung, Frankfurt a. M., Stiftstraße 32, gibt auf alle mit dem BtUbands-' tHeater zusammenhängende Fragen jede gewünschte .Auskunft.